Blu-ray-Rezension: „Höllenhunde bellen zum Gebet“

Als ein amerikanischer Gangster von der Mafia in Neapel erschossen wird, schickt der amerikanische Mob den Profikiller Peter Marciani (Yul Brynner), um den Mörder zu bestrafen. Marciani hat seinen Job eigentlich an den Nagel gehängt. Doch als ihm gesteckt wird, dass der Schuldige in Neapel auch hinter dem Mord an seinem jüngeren Bruder steckt, macht sich Marciani doch noch einmal auf den Weg. In Neapel angekommen, wirft sich ihm der junge Ganove Angelo (Massimo Ranieri) an den Hals, der hofft, durch Marciani an das Geld zu kommen, welches er durch den Mord an dem Amerikaner verloren hat. Schnell werden auch die italienische Mafia und die Polizei auf Marciani aufmerksam und ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt…

Antonio Margheriti gehört zu den Konstanten im italienischen Genre-Kino der 60er, 70er und 80er Jahre. In dieser Zeit hat er sich im Science-Fiction-Film, dem Horrorkino, dem Italo-Western, dem Kriegs- und Söldnerfilm, dem Abenteuerfilm und natürlich auch im Poliziotteschi ausgetobt. Dabei gelang ihm das Kunststück keinen einzigen Film abzuliefern, für den er sich hätte schämen müssen. Seine Filme sind immer mindestens solide, oft gut und manchmal außerordentlich. Wie beispielsweise seine Gothic-Horror-Gruseler aus den 60ern oder der von diesen beatmete Western „Satan der Rache“, in dem Klaus Kinski so etwas wie den „Guten“ spielen darf. Mit Kinski drehte er auch Anfang der 80er einige Söldnerfilme, die der VHS-Generation, die Mitte der 80er die Videotheken stürmte, bis heute ans Herz gewachsen sind.

Höllenhunde bellen zum Gebet“ ist nur einer von zwei Poliziotteschi, die Margheriti drehte (nimmt man die manchmal auch als solche bezeichneten Werke „Virtual Weapon“ und „Ein Turbo räumt den Highway auf“ mal raus, da sie sowieso eher anderen Genres zuzuordnen sind). Der andere war „Gretchko“, den er zwei Jahre später realisierte. Beide Filme weisen signifikante Gemeinsamkeiten auf. Beide spielen im Gangster-Milieu, handeln von alten Spezialisten, die noch einmal auf eine Sache angesetzt werden (hier der Killer, dort der Safeknacker) und in beiden Filmen ist ein ikonischer US-Star in der Hauptrolle zu sehen. In „Gretchko“ ist es Lee Van Cleef, für „Höllenhunde bellen zum Gebet“ konnte der große Yul Brynner verpflichtet werden, der hier auch gleichzeitig in seiner letzten Filmrolle überhaupt zu sehen ist.

Und man sieht Brynner sein Alter von 56 Jahren auch an. Eigentlich wirkt er im Gesicht sogar noch ein Tickchen älter. Das wilde Leben eines Hollywood-Stars fordert eben seinen Tribut. Trotzdem ist er noch verdammt gut in Schuss, was er hier immer wieder gern zur Schau stellen kann, denn Margheriti gönnt seinem berühmten Star bei dessen Schwanengesang zahlreiche Sexszenen mit der wunderschönen Barbara Bouchet, die Brynner dann oberkörperfrei absolviert. Angeblich kam die wunderbare Barbara mit Brynner nicht gut zurecht, da sie ihn arrogant und überheblich fand. Was man dem Film aber nicht ansieht. Überhaupt die Bouchet. Leider ist sie hier auf die Rolle des Hinguckers (eine Striptease-Nummer lässt einem die Brillengläser beschlagen) und Liebchens reduziert. Was sehr schade ist, da sie sehr viel mehr konnte als man ihr hier zugestand. Im Grunde hat ihre Figur Anni nichts zur Handlung beizutragen, außer Brynners Peter Marciani ein paar schöne Tage und ein Alibi zu verschaffen.

Neben Brynners enormer Präsenz verblasst der zweite Co-Star Massimo Ranieri, der wie eine Mischung aus August Diehl und Daniel Brühl aussieht. Wobei seine Rolle auch darunter leidet, dass sie von Drehbuch etwas im Stich gelassen wird. Seine Beteiligung an der Geschichte wirkt sehr konstruiert. Er kommt nämlich auf die Idee sich an den Killer Marciani ranzuschmeißen, um von dem die Hälfte des Geldes zu bekommen, welches ihm die Polizei abgenommen hat. Der Grund: Das Geld hatte jener amerikanische Gangster gerade in der Hand, als er von den Leuten Gallos erschossen wurde und den Marciani nun rächen soll. Puh, darauf muss man erst einmal kommen. Da Ranieris Angelo so unglücklich eingeführt wird und dann auch gleich seine Freundin auffordert mit Marciani zu schlafen, fällt es schwer Sympathien für ihn zu entwickeln. Aus der Dreiecks-Geschichte Anni-Angelo-Marciani wird auch nichts gemacht. Und so hängt die Figur des Angelos irgendwo in der Luft, und seine Motivation sich auf das gefährliche Spiel mit Marciani einzulassen, bleibt auch schwammig. Was ein Problem ist, wenn Angelo der Anker der Geschichte sein soll. Dafür bietet der wie immer zuverlässige Martin Balsam eine weiterer seine grandiosen Harter-Bulle-mit-Herz-Rollen. Balsam zusehen ist immer ein großes Vergnügen, denn spielt immer unaufgeregt, unglaublich souverän und mit einer sehr starken Eindruck hinterlassend. Ein großartiger, vielleicht etwas unterschätzter Schauspieler, der jeden Film aufwertet.

Bei einem Titel wie „Höllenhunde bellen zum Gebet“ erwartet man Non-Stop-Action, Explosionen und Schießereien. Im Original heißt der Film allerdings „Mit Wut in den Augen“, was sich wahrscheinlich auf Marcianis Problem bezieht, dass er immer mal wieder unter von einem seelischen Trauma ausgelösten Sehstörungen leidet. Denn Marciani sieht häufig mal blutrote Flecken im Sichtfeld und dies erst seit sein geliebter jüngerer Bruder vor seinen Augen erschossen wurde. Mehr als ein Gimmick ist dieses Manko aber auch nicht, denn für die Handlung hat Marcianis Schwäche keinerlei Konsequenzen. Oder die „Wut in den Augen“ ist einfach nur eine Anspielung auf Yul Brynners legendärer, stahlharter Blick, den er hier oft und gerne um sich wirft.

Zwar setzt Margheriti auch auf Action, diese spielt aber keine so große Rolle, wie man denken sollte. Vielmehr verlegt sich Margheriti darauf, das Verhältnis zwischen Angelo und Marciani zu beleuchten. Scheinbar glaubt Marciani in Angelo eine jüngere Version seiner selbst zu erkennen, oder aber einen Wiedergänger seines ermordeten, jüngeren Bruders. Anders ist es auch nicht zu erklären, weshalb er sich der Nervensäge annimmt und zu keiner Sekunde an dessen Loyalität zweifelt. Solch ein Vater-Sohn-Verhältnis kennt man aus diversen Western, wobei hier wahrscheinlich der Profikiller-Film „Kalter Hauch“ Pate stand, indem Charles Bronson und Jan-Michael Vincent ein ähnliches, wenn auch sehr viel vielschichtigeres, Verhältnis pflegten. Die Actionszenen sind demgegenüber eher kurz, prägnant und nicht die eigentlichen Höhepunkte des Films. Untermalt werden sie von einem phantastischen Score der Brüder DeAngelis, der einem wieder einmal lange im Ohr bleibt, und der den Actionszenen zusammen mit der elegant-flüssigen Kameraführung Sergio D’Offizis eine ganz wunderbare Dynamik verleiht.

Der Film erscheint als Nummer 16 der „Filmart Polizieschi Edition“ und liegt ausschließlich auf Blu-ray vor. Das Bild ist gut. Hier wurde nichts totgefiltert, was zu in einem schönen Kinobild resultiert. Beim Ton kann man zwischen einer gefilterten und einer ungefilterten deutschen Tonspur, sowie der englischen Tonspur (alles in DTS-HD Master Audio 1.0) auswählen. Zusätzlich steht man vor der Wahl sich die mit 98 Minuten ungekürzte Fassung, die auf 93 Minuten gehkürzte englische Schnittfassung (in HD) oder die mit 91 Minuten noch einmal kürzere italienische Schnittfassung (nur in SD, dafür mit zusätzlicher Option einer italienischen Tonspur) anzusehen. Das 8-seitige Booklet stammt von Christian Keßler, der Margheriti allgemein und die „Höllenhunde“ im Besonderen schreibt.

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