DVD-Rezension: “Frankenstein – Zweikampf der Giganten”

frankenstein zweikampf dvd3In einer stürmischen Nacht wird ein Fischerboot von einem gigantischen Krake angegriffen. Plötzlich taucht ein affenähnliches, riesiges Monster auf, tötet den Kraken und macht sich über die flüchtenden Fischer her. Nur einer von ihnen überlebt und kann die Geschichte weitererzählen. Das Militär glaubt, dass das friedliche, braunhaarige Monster Frankenstein hinter diesem Zwischenfall steckt. Dieses hatte sich vor Jahren in die Berge zurückgezogen. Doch der Wissenschaftler Dr. Stewart (in der deutschen Fassung Dr. Kitei, gespielt von Russ Tamblyn), der Frankenstein einst aufzog, findet heraus, dass durch Zellteilung ein zweites, grünes Monster entstanden. Als das Militär den „Grünen“ angreift, wird dieser vom „Braunen“ gerettet. Doch bald muss der „Braune“ feststellen, dass der „Grüne“ ein bösartiges Wesen hat, und der Zweikampf der Giganten beginnt.

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Nach dem erfolgreichen „Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ kehrte Kaiju-Kult-Regisseur Ishirō Honda bereits ein Jahr später wieder zu dem braunen Affenmonster zurück und inszenierte 1966 „Frankenstein – Zweikampf der Giganten„. Leider kenne ich den ersten Teil der Monster-Sause, der übrigens auch die erste der bislang neun vorbildlichen Kaiju-Veröffentlichungen von Anolis war, noch nicht. Somit kann ich auch nichts dazu sagen, in wie weit die Fortsetzung auf dem ersten Teil aufbaut. Wie man aber allen Orten liest, so gut wie gar nicht. „Der Schrecken mit dem Affengesicht“ ist hier ein netter Typ und in einer Rückblende sogar als süßer Monchichi zu sehen. Klar, dass sich Kumi Mizuno, in der Rolle der Assistentin von Dr. Stewart, sicher ist, dass ihr Liebling nichts mit dem menschenfressenden Monster zu tun hat, welches Japans Küste unsicher macht. Eingeführt wird der böse „Grüne“ mit einer der stimmungsvollsten Szenen, die mir bisher in einem Kaiju über den Weg untergekommen ist. In einer sturmumtosten Nacht, wird ein Schiff von einem riesigen Kraken angegriffen. Langsam schlängeln sich die Tentakeln auf die Brücke des Schiffs und attackieren den Steuermann. Natürlich sieht der Krake nicht besonders realistisch aus, aber mit den schleimigen Tentakeln hat man sich große Mühe gegeben und der Krake wird auch so gefilmt, dass man ihn zunächst nur teilweise sieht. Dann taucht plötzlich der „Grüne“ auf und kämpft im Unwetter und unter zuckenden Blitzen mit dem riesigen Meeresungetier.

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Gerade das Make-Up des Monsters ist recht gelungen. Zwar glaubt man zu keiner Sekunde, der „Grüne“ könnte „echt“ sein, aber irgendwie haben die Künstler bei Toho es geschafft, das Gesicht des Monsters so zu gestalten, dass es auf den Zuschauer interessant wirkt. Dass der „Grüne“ ein affen-/menschenähnliches Wesen ist und keine Echse/Schildkröte/Motte, gibt den Stuntleuten mehr Freiheit und so staksen die beiden Monster in „Frankenstein – Zweikampf der Giganten“ nicht steif durch die Gegend, sondern können sich in den Kämpfen ordentlich austoben. Auch das gute Gegenstück zum menschenfressenden „Grünen“ (wie er seine Opfer aus der Kleidung lutscht und diese dann ausspuckt ist ein wahres Highlight), der „Braune“, ist schön gestaltet und erinnert entfernt an Dr. Zaius aus „Planet der Affen“, der allerdings zwei Jahre später entstand. Ansonsten bewegt sich die Tricktechnik auf bekannt charmant-naiven Niveau. Es werden keine großen Anstrengungen unternommen, um Spielzeug-Panzer und Puppen-Soldaten oder die Modelbaukulisse der Städte irgendwie zu kaschieren. Im Gegenteil, die Kamera hält voll drauf und zeigt alles in langen Einstellungen, so dass kein Zweifel dran bestehen kann, dass hier in der Spielzeugkiste gewühlt wurde. Aber das gehört bei einem echten Kaiju einfach auch mit dazu.

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Überraschend ist, wie brutal „Frankenstein – Zweikampf der Giganten“ stellenweise ist. Von der oben bereits beschrieben Szene, in der der „Grüne“ Menschen wie kleine Snacks einwirft, abgesehen, sind auch die Szenen, in denen er vom Militär attackiert, wird nicht ohne. Die Geschosse reißen große Wunden in seinen Körper, stellenweise beginnt er zu brennen. Natürlich ist das alles kein Splatter-Niveau und die großen Wunden sind nur rote Flicken auf dem Affenkostüm, aber ich kann mich nicht erinnern, in einem Kaiju das Monster jemals so leiden gesehen zu haben. Da passt dann auch die schöne, sentimentale Szene, in der der gute „Braune“ seinem verletzten Bruder/Sohn/Ableger aufhilft, als dieser schwer verwundet am Boden liegt. Auch wenn die Beiden sich zunächst gut verstehen, bleibt es nicht bei dieser Eintracht. Etwas zu abrupt erkennt der „Braune“ offenbar, was für ein Kuckucksei er sich hier eingefangen hat und beginnt den „Grünen“ mit einem Baum zu verprügeln. Das ist zwar vom Drehbuch etwas holprig gelöst, bereitet aber das große Showdown vor, in dem sich die beiden wie Wrestler durch die Gegend werfen. Ebenfalls merkwürdig mutet das kuriose Finale an, in dem ein plötzlich und scheinbar grundlos auftauchender Unterwasser-Vulkan eine wichtige Rolle spielt. Auch eine viel zu lange Szene, in der eine Nachtklub-Sängerin ein Lied zum Besten geben darf, wirkt etwas gezwungen und bringt den Film unnötigerweise zum Stillstand.

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Um den Film in Amerika besser vermarkten zu können, wurde wieder ein us-amerikanischer Schauspieler verpflichtet, was ja seit dem ersten „Godzilla“ (wo Raymond Burr in die US-Fassung rein geschnitten wurde) fast schon Tradition hat. Stand beim ersten Teil Nick Adams zu Verfügung (der auch in „Befehl aus dem Dunkeln“ – meine Review hier – mitmachte), so ist es hier Russ Tamblyn, der gerade mit „West Side Story“ und „Bis das Blut gefriert“ international sehr erfolgreich war. Laut Booklet soll er sich bei den Dreharbeiten auch wie ein großer Star gefühlt und vor allem aufgeführt haben. Seine Arroganz hatte aber auch ein Preis. Als er in die USA zurückkehrte, fand er sich auf einmal in der berüchtigten Trash-Schmiede von Al Adamson wieder, für die er in zahlreichen Exploitation-Filmen mitwirkte. Nachdem er bis in die 80er Jahre im B-Film und TV-Sumpf stecken geblieben war, feierte er 1990 in der Kult-Serie „Twin Peaks“ ein kleines Comeback und war kürzlich auch in kleinen Rollen in „Drive“ und „Django Unchained“ zu sehen. In „Frankenstein – Zweikampf der Monster“ merkt man Russ Tamblyn, in der Rolle des Dr. Stewart, an, dass er nicht sonderlich viel Interesse für den Film aufbringt, aber Profi genug ist, seine Rolle – die eigentlich nur Sichwortgeber ist, um die Handlung voranzutreiben – souverän runter zu spielen. Die restlichen Darsteller sind zu Statistenrollen verdammt, bis auf Kumi Mizuno als Akemi, Dr. Stewarts Assistentin, die aber zum größten Teil auch nur in der Gegend herumsteht oder gerettet werden muss. Die Stars des Filmes sind eindeutig der „Braune“ und der „Grüne“.

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Woher der Name „Frankenstein“ hier kommt, bleibt unklar. Wie zu lesen ist, spielte das klassische Monster im ersten Teil tatsächlich eine Rolle, da sein Herz in den „Braunen“ verpflanzt wurde – der dort noch einen gänzlich anderen Charakter hatte. In „Frankenstein – Zweikampf der Giganten“ wird diese Vorgeschichte allerdings mit keinem Wort erwähnt, wie es überhaupt so gut wie keine Anknüpfpunkte an „Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ gibt. Viel mehr fühlt man sich – auch durch das äffische Aussehen der beiden Monster – eher an „King Kong“ erinnert, der dann auch gleich zweimal direkt zitiert wird. Einmal, wenn der „Grüne“ sich die oben erwähnte Sängerin schnappt und diese auf seiner Handfläche hochhebt, und dann, wenn der „Braune“ Akemi rettet und auf einem Felsenplateau absetzt. Sollte man glauben, dass der Name „Frankenstein“ nur ein Marketing-Gag des deutschen Verleihs ist, dann wird man durch die japanische Tonspur eines Besseren belehrt. Hier wird die ganze Zeit über von „Frankenstein“ gesprochen. Dies aber mit einem so niedlichen Akzent, dass es sich wirklich lohnt, dort mal reinzuhören.

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„Frankenstein – Zweikampf der Giganten“ ist ein vergnüglicher – für einen Kaiju teilweise sogar ungewöhnlich düsterer – Monsterfilm, der den Fan dieser Filmgattung bestens unterhält. Die menschlichen Protagonisten sind blasse Stichwortgeber, die Stars bleiben der „Braune“ und der „Grüne“. Diese sind liebevoll gestaltet und häufiger als im Genre gewohnt im Bild. Die naiven Trickeffekte, die jederzeit deutlich als Spielzeuge und Miniaturmodelle zu erkennen sind, gehören zum Charme des Filmes einfach dazu.

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Die von Anolis im Rahmen ihrer Kaiju-Classics-Steelbook-Reihe herausgebende Veröffentlichung, lässt das Herz eines jeden Fans höher schlagen. Die Doppel-DVD enthält nicht nur die ungekürzte japanische Originalfassung und den gekürzten deutschen Kino-Schnitt, sondern auch noch die US-Version, die sich wiederum von den anderen beiden unterscheidet. Alles in guter Bildqualität. Der Ton ist auch in Ordnung, klingt allerdings im japanischen O-Ton etwas flach. Die Untertitel der japanischen Version scheinen übrigens auf einer Übersetzung der japanischen Tonspur zu basieren, unterscheiden sie sich doch zum Teil deutlich von der deutschen Synchronisation. Für die Veröffentlichung wurden gleich zwei Audiokommentare eingespielt. Bei der japanischen Fassung geben Ingo Strecker und Jörg Buttgereit viele Hintergrundinfos über den Film preis (leider in keiner optimalen Tonqualität, aber wenn man den Kommentar laut genug dreht, versteht man alles) und bei der deutschen Kinofassung durfte der Kaiju-Fan Thorsten Roseman (der Stimme nach zu urteilen offensichtlich ein Hamburger) vor das Mikrophon und erstmals einen Audiokommentar einsprechen. Unter den Extras befinden sich noch zwei Super-8-Fassungen, Trailer, Filmprogramm, Bildergalerien und Werberatschläge. Nicht vergessen sollte man auch das sehr gut geschriebene und informative 20-seitiges Booklet von Ingo Strecker. Die Edition ist auf 1.500 Stück limitiert.

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