Rezension: „Kleine Tricks“ (Sztuczki)

Im letzten Jahr sollte im Rahmen des Festivals „Filmland Polen“ auch der Streifen „Sztuczki“ laufen. Dieser wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen, da der Film in Deutschland einen Verleih bekommen hat und ganz regulär in die Kinos kommen sollte. Ein Jahr später ist es soweit: Unter dem Titel „Kleine Tricks“ ist der Film in der letzten Woche – begleitet von überschwänglichen Kritiken – in den deutschen Programmkinos gestartet und schlägt sich dort auch nicht schlecht. Laut programmkino.de belegt er den 4. Platz der so genannten „Arthaus-Charts“, noch vor dem auf unzähligen Plakatwänden beworbenen Keira-Knightly-Vehikel „Edge of Love“.

Da der Film in Polen schon 2007 in die Kinos kam (und dort u.a. den Preis als bester polnischer Film gewann), ist er in unserem Nachbarland schon etwas länger auf DVD zu haben.

„Kleine Tricks“ erzählt von dem Jungen Stefek, der im Grunde von seiner großen Schwester Elka großgezogen wird. Die Mutter hat nie Zeit für die beiden, der Vater hat kurz nach Stefeks Geburt die Familie verlassen. Elka bringt Stefek bei, dass man mit kleinen Tricks das Schicksal manipulieren kann. Eines Tages sieht Stefek im örtlichen Bahnhof einen Mann auf seinen Zug warten und ist felsenfest davon überzeugt, dass dieser Mann sein Vater sei. Von nun an hat er nur noch ein Ziel: Das Schicksal auszutricksen, um den „Vater“ wieder zur Familie zu bringen.

Die Presse überschlug sich mit Lob für diesen kleinen, sympathischen Film. Vielleicht auch, weil polnische Filme in Deutschland absolute Raritäten sind. Tatsächlich kann ich den Hype nicht ganz nachvollziehen. „Kleine Tricks“ ist wirklich – im positiven Sinne – nett, aber nicht das Meisterwerk, welches manche gesehen haben wollen. Tatsächlich wiederholt der Regisseur und Autor des Films, Andrzej Jakimowski, nur das Grundgerüst seines 2002 in die (polnischen) Kinos gekommen (und ebenfalls mit Preisen überhäufter) Erstlings „Zmruz oczy“ (deutsch etwa: „Kneif die Augen zu“). Auch hier geht es um ein kleines Mädchen in der polnischen Provinz, welches durch einen Erwachsenen lernt, das Magische und Zauberhafte in der Welt zu entdecken. Möglicherweise hat Jakimowski „Kleine Tricks“ auch als quasi Fortsetzung dieses Filmes konzepiert. Die Personen sind ähnlich liebevoll gezeichnet, die Atmosphäre ebenfalls leicht und in einem goldenen Farbton gehalten, welcher verklärte Erinnerungen an die Sommer der Kindheit hervorruft.

Unaufgeregt erzählt „Kleine Tricks“ seine Geschichte. Unsympathische Charaktere sucht man vergebens, Probleme werden mehr angedeutet als thematisiert (die Abwesenheit der Mutter, ein Streit zwischen den Nachbarn, die schwierige Arbeitssuche der Schwester). Stefek erlebt ein Sommermärchen, in dem Wunder eben wirklich passieren können und man die Chance hat, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen – wenn man es denn nur richtig anstellt. Und beim Zuschauer stellt sich die Sehnsucht nach der Zeit ein, als man selber noch Kind war und die Welt mit einem naiveren, sorgenfreieren Blick gesehen hat.

Ein zauberhafter Film, dem aber etwas die Reibung, die Ecken und Kanten – und somit auch innere Spannung – fehlen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Am Ende bleibt zwar die spätsommerliche Sonne im Herzen zurück, aber nicht mehr. Anderseits ist das ja auch mal ganz schön.

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