Nachbetrachtung: Letzten Freitag im Kommunalkino

Ein paar persönliche Gedanken und Impressionen u.a. zum Thema „Kino 46 – was bringt die Zukunft?“.

Vorbemerkung: Mit dem Text habe ich schon am Wochenende begonnen, bin aber erst heute dazu gekommen ihn fertigzustellen. Darum könnte einiges schon nicht mehr ganz „up-to-date“ sein.

Leider schaffe ich es auch persönlichen Gründen nicht mehr so häufig ins Bremer Kommunalkino zu gehen, wie ich es letztes Jahr noch konnte. Daher lagen zwischen meinem letzten Besuch im Dezember und meinem aktuellen am letzten Freitag etwas über drei Wochen.

Der erste Schock erfolgte gleich, als wir das „Café 46“ im Vorraum zum „Kino 46“ betraten. Alles war leer, dunkel und wir glaubten schon, dass die Kinovorstellung an diesem Tag aus irgendwelchen Gründen ausgefallen sei. Dem war Gott sei Dank aber nicht so. Das „Café 46“ allerdings existierte nicht mehr. Ich selber habe das „Café 46“ schon immer für nicht 100 % ideal empfunden, da es mir hier etwas an der Gemütlichkeit fehlte, die zum längeren Verweilen eingeladen hätte. Aber jetzt, da es gänzlich verschwunden ist und nur ein dunkles Loch mit verwaistem Tresen hinterlassen hat, merkt man erst, wie viel es dann doch zur Atmosphäre und „Heimeligkeit“ beigetragen hat.

Die sehr nette Kartenverkäuferin klärte mich (und noch eine weiter Besucherin, die ähnlich überrascht war) über die Hintergründe auf. Der Getränke- und Speisenverkauf an die Kinogäste lohnte sich nicht mehr, da immer weniger Gäste des Kinos auch die angehängte Gastronomie genutzt hätten. Daher habe sich der Besitzer des „Café 46“ entschlossen, am 23.12.08 die Pforten zu schließen.

Ab dieser Woche wird wohl ein „Notverkauf“ eingerichtet. Was angesichts der Tatsache, dass nun das internationale Symposium zum Film mit dem Thema „Filmvermittlung – Vom Kino lernen“, mit sicherlich wieder mit vielen Gästen aus dem universitäreren Umfeld, startet, auch von unbedingter Wichtigkeit ist – wenn sich nicht alle Teilnehmer in der umliegende Gastronomie versteuen sollen. Auch vor dem Hintergrund der Verleihung des Bremer Filmpreises und der Premiere des neuen Christian Petzold Filmes „Jerichow“ mit Preisträgerin Nina Hoss am Donnerstag, ist eine Übergangslösung – und wenn es auch nur ein Provisorium ist – wichtig, damit potentielle „Kommunalkino-Entdecker“ nicht gleich von der leeren und kalten Lokalität verschreckt werden. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das Kino 46 da etwas tolles auf die Beine stellt.

Zur deprimierenden „Endzeitstimmung“ trug dann nicht nur das eiskalte Wetter draußen bei, sondern auch die Tatsache, dass sich mit uns eingerechnet gerade mal 7 Zuschauer in die Vorstellung verirrt hatten. Da habe ich mich dann doch sehr darüber geärgert, dass ich hier im Blog im Vorfeld nicht noch etwas Werbung für das sehr empfehlenswerte Programm gemacht habe. Es gab „Lyrisches Nitrat“ und „Forgotten Silver„. Ein ausgesprochen passendes Doppelprogramm von 2x 50 Minuten zum Thema „Faszination Stummfilm“.

Lyrisches Nitrat“ ist ein Zusammenschnitt einiger Dutzend zwischen 1905 und 1915 entstandener Spielfilme, welche Ende der 80er in den Archiven in Holland wiederentdeckt wurden. Leider befand sich das Filmmaterial dort in erbarmungswürdigen, zum überwiegenden Teil nicht mehr rettbaren Zustand. Aus dem, was übrig geblieben war, montierte der niederländische Filmemacher Peter Delpeut dieses Gedicht an die stumme Zeit und die leider unwiederbringlich verlorenen Filme aus dieser Ära. Wunderschön, aber auch todtraurig, wenn man am Ende eine Bibelverfilmung zu sehen bekommt, die allerdings durch das verrottende und ich auflösende Material immer unsehbarer wird und sich am Ende völlig auflöst. Da spürt man einen deutlichen Stich ins filmverliebte Herz, dass diese Werke für immer verloren sind.

Peter Jacksons „Forgotten Silver“ dürfte allgemein bekannt sein. Eine kleine Fingerübung, die er (zusammen mit Costa Botes) zum Abschied in Neuseeland drehte, bevor er nach Hollywood eilte, um dort „The Frighteners“ zu drehen. Diese amüsante und liebenswert gemacht Fake-Dokumentation erzählt das Leben des neuseeländischen Filmpioniers Colin MacKenzie, welcher nicht nur lange vor Griffith die neusten und modernsten Filmtechniken erfand, sondern auch im abgelegenen Dschungel Coppola-gleich riesige Kulissen für ein biblisches Epos errichtete. In diesem Film spürt man zu jeder Sekunde die Liebe der Macher zum Medium Film und verlässt das Kino mit einem seligen Lächeln auf den Lippen.

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