Bericht: Verleihung des 11. Bremer Filmpreises

Gestern wurde in der Oberen Rathaushalle der 11. Bremer Filmpreis an die Schauspielerin Nina Hoss verliehen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als der Preisträger Lars von Trier sein Kommen kurzfristig abgesagt hatte, und zum Vorvorjahr, als ein schreckliches Unwetter die Gäste überall hin, nur nicht ins Rathaus wehte, war diesmal der Saal gerappelt voll und die charmante Preisträgerin auch persönlich anwesend und sichtbar glücklich über die Auszeichnung ihres bisher noch nicht so großen Lebenswerkes in diesem feierlichen und ehrwürdigen Rahmen.

Die Preisverleihung wurde musikalisch umrahmt von einem aus Bass, Schlagzeug und Akkordeon bestehendes Trio, welches das Publikum mit einem gelungen „French Jazz“ beglückte (die Musik hätte übrigens super als Stummfilm-Begleitung gepasst. Ich würde es großartig finden, wenn die Drei irgendwann einmal einen der monatlich im Kino 46 gezeigten Stummfilme begleiten würden. Das hätte etwas!). Leider habe ich den Namen des Trios schon wieder vergessen. Ich habe zwar noch „Trio Audio“ in Erinnerung, darunter lässt sich aber bei Google nichts finden. Wer den Namen kennt, bitte kurze Mail an mich. Danke!


Nach dieser guten Einstimmung eröffnete Bürgermeister Jens Böhrnsen die Preisverleihung und outete sich als begeisterter Kinogänger und Nina-Hoss-Fan. Er übergab dann an Karl-Heinz Schmidt vom Kino 46, der kurz auf die Preisträgerin einging und bei der Gelegenheit auch noch einmal etwas Werbung für das 11. Internationale Symposium zum Film machte, welches ab heute im Kino 46 mit zahlreichen Gastvorträgen von Filmwissenschaftlern aus ganz Europa im Kino 46 abgehalten wird.

Danach gab es einen 15minütigen visuellen Eindruck von der Bandbreite, die Nina Hoss in den letzten 12 Jahren schauspielerisch, aber auch in der Auswahl der Produktionen, gezeigt hat. Es gab Ausschnitte aus ihren Filmen „Das Mädchen Rosemarie“, „Toter Mann“, „Die weiße Massai“, „Nackt“ und „Yella“ zu sehen.

Dann folgte eine sehr ausführliche Laudatio durch Herrn Dr. Rainer Rother, dem künstlerischen Direktor des Museums für Film und Fernsehen in Berlin. Herr Dr. Rother hat auch eine Biographie über Nina Hoss geschrieben, welche in Kürze in den Handel kommt. Leider fiel die Laudatio mit weit über 20 Minuten sehr lang aus und irgendwann wird es auch ausgesprochen repetitiv, wenn in dieser Zeit immer und immer wieder die schauspielerischen Fähigkeiten und die Arbeitsweise von Nina Hoss in den Himmel gelobt werden. Da schaltet man dann irgendwann ab. Hier hätte eine deutliche Straffung der ansonsten fundierten und interessanten Laudatio sehr gut getan.

Die Preisübergabe wurde dann von Herrn Dr. Tim Nesemann, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Bremen, durchgeführt, der die unangenehme Aufgabe hatte, nunmehr als vierter Redner nochmals eine Lobrede auf Nina Hoss zu halten, diese aber souverän und kurzweilig meisterte. Die Preisträgerin selber nahm den Preis freudestrahlend entgegen und hielt noch eine kurze und sympathische Dankesrede, bevor zahlreichen Fotographen die Preisträgerin umringten und im Blitzlichtgewitter versinken ließen.

Bei abschließenden Büffet konnte man übrigens mal wieder fein beobachten, wie, trotz des feierlichen Anlasses und der altehrwürdigen Umgebung, der Mensch alle normalen Umgangsformen fahren lässt, wenn es irgendwo etwas umsonst zu Essen gibt.

Der Abend ging dann um 21:00 Uhr im vollbesetzten (endlich einmal. Warum kann es nur nicht immer so sein?) Kino 46 in Walle weiter, wo Nina Hoss ihren neusten Film, Christian Petzolds „Jerichow“, vorstellte und sich noch einigen Fragen aus dem Publikum und von den ebenfalls anwesenden Jury Mitgliedern des Bremer Filmpreises stellte. Diese beantwortete sie liebenswürdig-herzlich und brachte das Publikum sicher auf ihre Seite, auch wenn sie mal spontan keine Antwort hatte. Da auch der Film ganz hervorragend war (Rezension folgt noch), kann man nur von einem rundum gelungen Abend sprechen.

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1 Antwort zu Bericht: Verleihung des 11. Bremer Filmpreises

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