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Blu-ray-Rezension: „Fascination“

Von , 17. Mai 2019 09:08

Frankreich, Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Dieb Marc (Jean-Marie Lemaire) hat eine Verbrecherbande betrogen und befindet sich nun auf der Flucht vor dieser. Zuflucht findet er in einem von einem Wassergraben umgebenen Château. Dort trifft er auf seine wunderhübsche junge Frauen: Elizabeth (Franca Mai) und Eva (Brigitte Lahaie). Während Elizabeth ihn vor einem geheimnisvollen Gast warnt, der um Mitternacht erwartet wird, versucht Eva ihn zu halten, indem sie ihn verführt. Mittlerweile hat die Bande Marc aufgespürt und bezieht außerhalb des Château Stellung.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Nach dem relativen Erfolg seines hierzulande auch als Zombie-Schocker verkauften, melancholischem Infizierten-Drama „Die Foltermühle der gefangenen Frauen“ aka „Zombis – Geschändete Frauen“, kehrte Jean Rollin zu den Anfängen seiner Karriere zurück. Wobei nicht ganz. Ebenso wie „Die Foltermühle der gefangenen Frauen“ kein richtiger Zombie-Streifen ist (trotz Versatzstücken des Genres, so ist „Fascination“ auch kein richtiger Vampirfilm, obwohl natürlich auch er mit den Mythen des Blutsaugerfilms arbeitet. Tatsächlich sind hier aber keine übernatürlichen Wesen, sondern die Mitglieder eines Blut-Kults unterwegs. Diesen hat es scheinbar wirklich gegeben, wenn auch nicht in der Form, in der ihn der Film präsentiert. Aber die merkwürdig surreale Szene, in der zu Beginn des Filmes fein angezogene Damen der hohen Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts in einem blutgetränkten Schlachthof stehen und in Weingläsern Ochsenblut trinken, hat seine Wurzeln in einer obskuren Therapie, die ein französischer Arzt seinen anämischen Patienten anbot.

Die Szene ist zugleich das erste starke, sich unauslöschlich ins Gehirn brennende Bild, welches Rollin in diesem Film erschafft. Das zweite ist natürlich die nackte Brigitte Lahaie, die in einen schwarzen Umhang gehüllt mit der Sense jagt auf ihre Opfer macht. Diese gehören zu den ikonischen Darstellungen in Rollins Filmkarriere. Bilder, die das Kino des Jean Rollin definieren. Seltsam aus dem Rahmen gefallen. Bedrohlich, aber auch höchst erotisch. Erschreckend, aber von einem unwiderstehlichen Reiz. Gerade für die Darstellung des nackten Todesengels fand Rollin dabei seine perfekte Muse: Die wundervolle Brigitte Lahaie, die er zuvor bereits in „Die Foltermühle der gefangenen Frauen“ perfekt zu inszenieren wusste. Auch dort ist es die Lahaie, die einem als erstes in den Sinn kommt, wenn man sich an den Film zurückerinnert. Wie sie in einer Hommage an Mario Bava mit zwei großen Dobermännern in das rechte Licht gerückt wird. Das seltsame entrückte, was auch ihre Darstellung in „Fascination“ ausmacht. Rollin hatte die Lahaie bei einem seiner Ausflüge in den pornographischen Film kennengelernt und war von ihr auf Anhieb, ja, fasziniert.

Und das zurecht. Brigitte Lahaie war in den 70ern die Königin des französischen Erwachsenenfilms. Vielleicht nicht offiziell, aber in der Rückschau und im Herzen ihrer Bewunderer auf jeden Fall. Wie kaum eine andere Darstellerin war sie in diesen Filmen mit Eleganz und Stil bei der Sache. Brigitte Lahaie erzeugt ganz von selbst eine den Zuschauer gefangennehmende Aura, die nicht von dieser Welt scheint. Sie ist gleichzeitig keine klassische Schönheit und dennoch überirdisch schön. Hier ähnelt sie tatsächlich der zuvor erwähnten Gothic-Horror-Ikone Barbara Steele. Dass der Schöpfer sie noch mit einer atemberaubenden Figur gesegnet hat, spielt da nur die zweite Rolle. Insgesamt sieben Mal spielte sie unter Rollin (den Hardcore-Film“Vibrations sexuelles“ mitgezählt). Immer schlafwandelt sie durch die Filme, als wäre sie gar nicht von dieser Welt. Was perfekt in das cineastische Reich des Jean Rollin passt. Unbedingt sollte man die Filme im Original sehen, um Brigitte Lahaies helle, aber doch auch mysteriösen Stimme zu lauschen. Und ihr Auftritt als Sensenfrau gehört wie Karloffs Frankenstein, Lugosis Dracula oder Barbara Steeles Asa ins große Buch der unvergesslichen Horrorikonen.

Erstmals arbeitet Rollin bei „Fascination“ mit dem Komponisten Philipp D’Aram zusammen, der im selben Jahr seine ersten Soundtracks (für die Claude-Zidi-Komödie „Die Schlafmütze“ und „Unmoralische Engel“ des großen Walarian Borowczky, einem – wie Rollin – der Protagonisten der Immoral Tales die in den 70er Jahren in Europa entstanden) produziert hatte. Er löste damit Pierre Raph als Rollins Stammkomponisten ab und seine teilweise rockigen, teilweise experimentellen Sounds sollten den Klang der Rollin-Filme bis zu seinem letzten Film „Le masque de la Méduse“ definieren. Mit Ausnahme von der Lahaie, die bereits Kameraerfahrung mitbrachte, stehen die meisten der Schauspieler hier erstmals vor der Kamera. Man merkt dies deutlich, wenn sie etwas steif und ungelenk agieren. Was allerdings die unwirkliche Atmosphäre unterstützt, die in „Fascination“ vorherrscht. Alle wirken, als stammten sie aus einer anderen, unwirklicheren Welt, die mehr die Projektion eines Traumes ist, als in einer realen Historie verwurzelt. Wozu auch die Kostüme der Handelnden beitragen, die gerade bei den Verbrechern und „Helden“ Marc – wenn man bösartig sein möchte – an Faschingskostüme erinnern. Bei den Damen des Blut-Kults an Fetisch-Gewänder. Aber nie an etwas, was jemand im realen Leben tragen würde oder getragen hat. Hier kommt bereits Rollins Liebe zum Pulp-Roman und Comic zum Vorschein, die er Mitte der 80ern in seinen Filmen noch intensiveren sollte.

All dies zusammengenommen ergibt einen Film, der für heutige Sehgewohnheiten vielleicht etwas sperrig daher kommt und in einer ungünstigsten Situation eine partywütige „Geil-voll-der-Trash“-Fraktion (wie unlängst beim Mondo Bizarr in Düsseldorf bei der Vorführung des weitaus zugänglicheren, aber auch viel traurigeren „Foltermühle“ erlitten) zum ungepflegten Grölen bringen würde. Aber der cinephile Connaisseur entdeckt hier einen Film, der die Erinnerung an einen Traum am Ende einer Herbstnacht, die man während eines Lyrik-Semsters bei Kerzenschein mit französischer Pulpliteratur und einer guten Flasche Rotwein verbracht hat.

Dies ist die nunmehr siebte Folge der bei Wicked Vision erschienen Reihe „Jean Rollin Collection“. Und wie den Veröffentlichungen zuvor, merkt man dem Mediabook die Liebe an, die hier hineingeflossen ist. Für die deutsche HD-Premiere des Films wurde der Film von Wicked Vision noch einmal neu vom Originalnegativ abgetastet. Und das merkt man auch. Das Bild ist wirklich sehr gut und verliert auch nicht seinen „film look“. Auch beim Ton braucht man keine Abstriche zu machen. Dieser liegt jeweils auf Deutsch und Französisch sowohl in DTS-HD High Resolution Audio 2.0 Stereo und Dolby Digital 2.0 Stereo vor. Wobei die französische Tonspur zu präferieren ist, da sie natürlicher klingt und zudem die Stimme von Brigitte Lahaie einfach besser zu ihrer Rolle passt. Weiter geht es mit den reichlichen Extras. Das (sehr) kurze Grußwort von Brigitte Lahaie würde ich jetzt nicht dazu zählen, da ist das Intro durch Jean Rollin schon interessanter. Spannend auch die beiden Features „Die Musik von „Fascination“ mit Philippe d’Aram“ und „In Erinnerung an Natalie Perrey“. Ein Interview mit Jean Rollin gehört ebenfalls zu den Extras. Besonders gefreut habe ich mich über die Jean-Rollin-Episode „Virgins and Vampires“ aus der großartigen britischen TV-Reihe „Eurotika“, deren Folgen man zwar auch im Netz, dort aber in z.T. erbarmungswürdiger Qualität findet. Eher von historischem Interesse sind die geschnitten Sexszenen. Einmal mit Brigitte Lahaie und Jean-Marie Lemaire dann mit der Lahaie und einem Mitglied der Verbrecherbande. Dabei handelt es sich um alternative Einstellungen aus den im Film enthaltenden Szenen. Scheinbar nur gedreht, um genügend Schnittmaterial für die letztendlich inkludierten Szenen zu haben. Bildergalerie, deutscher und Original-Trailer runden das Bild ab. Ferner gibt es noch ein sehr spannendes, 24-seitiges Booklet für das vor allem Pelle Felsch verantwortlich zeichnet. Dieses habe ich erst nach dem Erstellen dieser Review gelesen und mich darüber gefreut, dass wir beide dieselben Eindrücke haben. Die zwei zusätzlichen Seiten von David Renske hätte es danach nicht mehr unbedingt gebraucht, ich habe aber positiv zur Kenntnis genommen, dass er hier seinen sonstigen bewusst schnodderigen Stil etwas zurückgenommen hat.

Blu-ray Rezension: „Hatchet for the Honeymoon“

Von , 31. Mai 2016 17:41

Hatchet-for-the-HoneymoonJohn Harrington (Stephen Forsyth) ist der Besitzer eines Brautmodegeschäfts. Er ist mit Mildred (Laura Betti) verheiratet, deren Eifersucht und Besitzanspruch ihm das Leben zur Hölle macht. John führt ein Doppelleben, denn wenn immer sich die Gelegenheit ergibt, tötet er mit einem Beil junge Frauen, die Brautkleider tragen. Mit jedem Mord hofft er, ein Puzzlestück zu einer in seinem Kopf eingesperten Erinnerung zu erhalten: Wer tötete einst seine Mutter? Als Mildred ihn wieder einmal verhöhnt bringt er auch sie um. Allerdings kehrt sein Opfer umgehend als Geist zurück…

Endlich erblickt das Werk Mario Bavas auch in Deutschland das HD-Licht der Welt. „Hatchet for the Honeymoon“ war zwar schon in einer schon lange nicht mehr erhältlichen DVD-Edition aus dem Hause Koch Media erhältlich, doch die HD-Bearbeitung durch das junge Label Wicked Vision Media lässt einen mit der Zunge schnalzen und fügt dem Film aufgrund der kräftigen Farben und dem klaren Bild noch zusätzliche Reize hinzu. „Hatchet for the Honeymoon“ wurde viele Jahre von den Bava-Fans eher stiefmütterlich behandelt. Zu mächtig waren die großen Meisterwerke wie „Blutige Seide“, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ oder „Drei Gesichter der Furcht“. „Hatchet for the Honeymoon“ erschien mehr als Nebenwerk. Sieht man den Film heute nochmals in all seiner visuellen Pracht, bleibt die Einschätzung rätselhaft. Vielleicht liegt es auch daran, dass die bisherigen Heimkino-Umsetzungen eher suboptimal waren. So zeichnete sich die die US-DVD von Image Entertainment – lange Zeit die einfachste Möglichkeit an den Film zu kommen – durch ein eher blasses Bild und einen fürchterlichen, englischen Ton aus. Vielleicht war es aber auch Bavas ungewöhnlicher Ansatz, einen wahnsinnigen Serienmörder zum Helden und Identifikationsfigur seines Filmes zu machen.

In Zeiten, in denen ein Hannibal Lector eine eigene TV-Serie hat und ein Patrick Bateman zu einer Ikone der 80er wurde, fällt dieser Kniff allerdings weniger schwer zu verdauen aus, wie noch 1970. Zumal der Killer John Harrington sehr charmant vom gutaussehenden Stephen Forsyth gespielt wird. Dieser durchbricht gleich in der ersten Szene die vierte Wand und stellt sich dem Publikum als wahnsinniger Mörder vor, der seinen Wahnsinn auch noch in vollen Zügen genießt. Immer wieder taucht Bava in den Kopf seines Protagonisten ein und zeigt die Welt durch seine Augen. Dies nutzt Bava, der als gelernter Kameramann hier auch wieder selber für die Fotografie zuständig war, um gehörig mit seiner Kamera zu experimentieren. Er lässt dramatische Details des Bildes bis fast zu Unkenntlichkeit verschwimmen, so dass man nie sicher sein kann, ob das, was man da glaubt zu sehen, real ist oder Johns fiebrigen Wahrnehmung entspringt. Bava sucht die besondere Einstellung, die ungewöhnliche Bildkomposition, das Spiel mit Vorder- und Hintergrund. Die extreme Farbkomposition, die seine vorangegangenen Werke auszeichnete, fährt Bava hier stark zurück. Er achtet jedoch darauf, dass ein kräftiges Rot zum rechten Augenblick einen packenden Effekt hervorzaubert.

Gewisse Abstriche müssen beim Drehbuch gemacht werden, welches sich zwar bemüht, den kranken John Harrington und seine gestörte Welt möglichst exakt zu porträtieren, dabei aber die Spannung vollkommen vernachlässigt. Das finstere Geheimnis, welches John durch seine Braut-Morde aus seinem Gedächtnis zu lösen versucht, dürfte jedem Zuschauer, der mehr als drei solcher Filme gesehen hat, schon nach der ersten Szene bekannt sein. Sträflich ist der Umgang Bavas mit einzelnen Szenen, die das Potential für nervenzerfetzende Spannung hätten, hier aber verpuffen. Ein Beispiel hierfür wäre jener Augenblick, in dem John versucht, die Polizei aus seinem Haus zu bekommen, während über ihm und seinen Häschern eine Leiche von der Treppe herunter blutet. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, was Hitchcock aus dieser Ausgangssituation gemacht hätte. Bava – der auch für das Drehbuch mit verantwortlich war – scheint dies aber gar nicht zu interessieren. Ihm war scheinbar das psychologische Drama weitaus wichtiger als die Thriller-Elemente.

Auch die Morde des John Harrington sind weitaus unspektakulärer als in vergleichbaren Bava-Filmen ausgefallen. Ja, sie sind fast schon ein Anti-Klimax. Mehr Sorgfalt verwendet Bava darauf, eine generell merkwürdig-krankhafte Eigenwelt zu kreieren, in dem sein Hauptdarsteller frei agieren kann. Die Szenen in denen sich John Harrington in einen Raum mit unzähligen in Brautkleidern gewandten Kleiderpuppen zurückzieht, nimmt bereits William Lustigs berüchtigten „Maniac“ (und mehr noch dessen gelungenes Remake) vorweg, in dem es eine ganz ähnliche Sequenz gibt. Überhaupt erinnert vieles in „Hatchet for the Honeymoon“ an diesen 80er Jahre Klassiker des verstörenden Films. Die Konzentration auf die kranke Hauptfigur, seine Paranoia (hier repräsentiert die ständig auftauchende und anklagende tote Ehefrau), das Kindheitstrauma und die zärtliche Liebesbande zu einer jungen Frau. All dies findet sich 10 Jahre später auch in „Maniac“ wieder.

Sehr viel Wert legt Bava auch auf die Ausstattung. Das Haus Harringtons, in dem weite Strecken des Filme spielen, ist eine gewaltige Villa, voller merkwürdiger Bilder, erdrückender Architektur und geheimnisvollen Wegen. Wer hier lebt, muss zwangsläufig verrückt werden. Dazu passt es dann auch, dass die Villa einst dem spanischen Gerneralissimo Franco gehört haben soll. Ein ganz besonderer Hingucker sind auch die Kostüme. Nicht nur die Kleider der Damen, sondern vor allem auch das unglaubliche Outfit Stephen Forsyths lässt Fans des wilden Übergangs zwischen 1969 und 1970 die Herzen höher schlagen. Erwähnt werden muss aber auch die interessante Filmmusik, welche von Sante Maria Romitelli komponiert wurde und sich erst zuckersüß in den Gehörgang schmeichelt, um den unvorbereiteten Zuschauer dann mit experimentellen Tönen zu verstören.

Für Hauptdarsteller Stephen Forsyth war „Hatchet for the Honeymoon“ leider sein letzter Filmauftritt. Der Kanadier zog nach Beendigung der Dreharbeiten nach New York, wo er eine erfolgreiche Karriere als Komponist, Sänger, Fotograf und Videokünstler begann. In „Hatchet for the Honeymoon“ erinnert Forsyth stark an eine attraktivere Version des Italo-Westernhelden Anthony Steffen, der ja eine ganz ähnliche Rolle in „Grotte der vergessenen Leiche“ spielte. Beide vereint auch eine knarzige Hölzernheit. Überhaupt nicht hölzern, sonder sehr flexibel ist die wunderbare Dagmar Lassander, die hier allerdings keine große Aufgabe zu erfüllen hat. Diese kommt der großartigen Laura Betti, einer Stammschauspielerin Passolinis, zu, welche die bösartige Ehefrau und späteren Rachegeist spielt. Die Betti lässt den Zuschauer bei ihrer Interpretation der Mildred Harrington zwischen Abscheu, aber auch ein wenig Mitleid schwanken und ist als Geist tatsächlich gruselig.

Diese Geistergeschichte ist es dann auch, welche den Film aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist durchaus vorstellbar, dass die Geschichte um den Geist von Johns ermordeter Ehefrau ursprünglich ambivalenter geplant war und es dem Zuschauer überlassen bleiben sollte, ob der Spuk nun real oder nur eine Ausgeburt von Johns Wahnsinn ist. Im finalen Film jedenfalls fehlt diese Zweideutigkeit, und der Geist erscheint als eben solcher und nicht als paranoide Fantasie. Dadurch wird dem Psychogramm eines Serienkillers etwas die Spitze genommen, da der Film hier ins Fantastische abgleitet. Hätte Bava auf diese Geistergeschichte verzichtet, wäre es dem Film vielleicht zugute gekommen. Andererseits wäre die Filmwelt um die beängstigende Darstellung der famosen Laura Betti ärmer.

Die Blu-ray von Wicked Vision Meda lässt, wie eingangs bereits erwähnt, keine Wünsche offen. Der Film wurde vom 35mm-Kamera-Negativ neu abgetastet und restauriert. Sowohl die Farben, als auch das Schwarz kommen dadurch sehr kraftvoll zur Geltung. Im Gegensatz zu älteren Ausgaben (insbesondere der US-Version) ist der als dts-HD-Mono vorliegende Ton hier endlich makellos. Auch an interessanten Extras wurde nicht gespart. Es gibt einen Audiokommentar von Pelle Felsch Für ein Vorwort wurde Dagmar Lassander gewonnen, die den Zuschauer einmal auf deutsch und einmal auf englisch einlädt, sich den Film anzusehen. Mit „A Hatchet for Dagmar“ ist auch ein neues, von Uwe Huber geführtes Interview mit ihr dabei, indem sie in 25 Minuten auf ihre lange Karriere Bezug nimmt und sich dabei auch kritisch äußert. In „My Dying Bride“ sieht man Marcus Stiglegger, der in knapp zehn Minuten viele interessante Hintergründe des Filmes zusammenfasst. Ferner sind noch die deutschen und italienischen Titel- und Endsequenzen dabei, allerdings in schlechter Qualität. Nette Beigabe: Der spanischen Werberatschlag, der italienische Foto-Aushang, und eine Artwork-Galerie. Weiter so, Wicked Vision Media!

Blu-ray Rezension: „Die Todeskarten des Dr. Schreck“

Von , 14. Februar 2016 17:09

todeskartenschreckFünf Männer (Christopher Lee, Donald Sutherland, Roy Castle, Alan Freeman und Neil McCallum) müssen sich bei ihrer Bahnfahrt von London nach Bradley ein Abteil teilen. Kurz vor der Abfahrt des Zuges steigt noch ein sechster Mann(Peter Cushing) hinzu. Dieser nennt sich „Dr. Schreck“ und bietet den fünf Männern an, ihnen mit Hilfe seiner Tarot-Karten die Zukunft vorherzusagen. Leider erweist sich diese für jeden der fünf Männer für wenig erstrebenswert, denn einer nach dem anderen bekommen sie es mit Werwölfen, mörderischen Pflanzen, Voodoo-Zauber, einer abgetrennten Hand mit Eigenleben oder Vampiren zu tun…

1965 war das Jahr, in dem den legendären Hammer-Studios ein Konkurrent in Sachen „House of Horror“ erwuchs. Die ebenfalls britischen Amicus Studios hatten zuvor leichte Musikfilme produziert und probierten nun ein Stück von dem großen Kuchen „Horror“ abzuschneiden, den in England zu dieser Zeit nur Hammer verspeiste. Dazu wurden die beiden größten Stars der Hammer-Studios eingekauft, Peter Cushing und Christopher Lee, sowie die Talente hinter der Kamera, wie hier Freddie Francis, zur Konkurrenz gelockt. Freddie Francis ist von Hause aus Kameramann, durfte sich aber bereits 1963 bei Hammer auf den Regiestuhl setzen und dreht dort nicht nur „Frankensteins Ungeheuer“ drehen, sondern auch eine Reihe dunkler Psycho-Thriller, wie „Haus des Grauens“ oder „Der Satan mit den langen Wimpern“. Bei seinen Regiearbeiten bewies Freddie Francis jedes Mal, dass er vor allem ein Augenmensch mit dem besonderen Blick für das Ungewöhnliche und die perfekte Einstellung ist. In „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ vertraut er hinter der Kamera auf das Talent von Alan Hume, dem Stammkameramann der „Carry On..“-Reihe, der zuvor aber auch Hammers „Der Kuss des Vampirs“ fotografiert hatte. Zurecht, denn „Die Todeskarten des Dr. Scheck“ sieht sehr gut aus. Nicht nur die stimmige Fotografie im engen Bahnabteil ist sehr gelungen, auch die düster-bunten Bilder vor allem aus der ersten und zweiten Episode wissen zu gefallen.

Für das Drehbuch zeichnete sich Produzent Milton Subotsky verantwortlich, der bereits in den 40er Jahren vor hatte, einen Anthologie-Film zu drehen. Für seine erste Horrorproduktion griff Subotsky also in die Schublade und fand dort fünf Kurzgeschichten, die mit dem Werwolf, dem Vampir, Voodoo, der tödlichen Pflanze und der gruseligen Hand aus dem Totenreich einige populäre Themen aufgriffen, die das Genre schon länger begleiten. Allerdings, auch dies muss gesagt werden, war Milton Subotsky kein begnadeter Geschichtenerzähler. Gerade hier kränkelt Francis‘ Film ziemlich. Die geheimnisvolle Bahnfahrt ist zwar eine hübsche Idee, doch wenn man darüber zu lange nachdenkt auch wieder sinnlos. Welche Zukunft sagt Dr. Schreck seinen Mitfahrern voraus? Jedenfalls nicht die, welche sie am Ende erwartet. Die Auflösung der ersten Episode ist derart verworren, dass ich auch beim zweiten Mal nicht begriffen habe, wie das alles mit den Werwölfen zusammenhängt. Auch in den weiteren Stories will das Eine nicht immer zum Anderen passen. Insbesondere bei der letzten Episode, die stark an eine „Twilight Zone“-Episode erinnert, macht das Verhalten der Protagonisten keinerlei Sinn und gerade Donald Sutherlands Charakter verhält derartig widersinnig, dass Spannung gar nicht erst aufkommen will. Aber da diese Episode sowieso als schwarze Komödie angelegt ist, möge man Sutherlands Figur ihre naive Dummheit verzeihen. („Ach, sie sagen meine geliebte Ehefrau ist ein Vampir? Na gut, wenn sie meinen. Dann mal her mit dem Holzpflock“.)

Die inhaltlichen Schwächen gleicht der Film durch die oben bereits erwähnte erlesene und sehr stimmungsvolle Fotografie wieder aus, die ein Maximum aus dem knappen Budget herausholt. Aber auch mit der Besetzung der „Körperlose Hand“-Geschichte, die das Highlight des Filmes darstellt, kann gepunktet werden. Christopher Lee ist hervorragend als eitler Kunstkritiker, und der wie immer exzellente Michael Gough gibt einen starken Gegenspieler. Zwischen verschmitzt-listig und zutiefst verzweifelt zeigt Gough alle Facetten seiner, leider immer im Schatten der Stars Cushing und Lee stehenden, Schauspielkunst. Eine sehr natürliche, schon mehr ans New Hollywood als traditionellem britischen Kino angelegte, Darstellung gibt auch der blutjunge Kanadier Donald Sutherland kurz vor dem Sprung zur Weltkarriere. Schade, dass gerade seine Rolle enttäuschend flach geschrieben ist. In den weiteren Filmen aus der Amicus-Schmiede, die dem großen Erfolg von „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ folgen sollten, gab Milton Subotsky dann auch die schreibende Tätigkeit an den bekannten US-Autoren Robert Bloch (der u.a. die literarische Vorlage zu „Psycho“ lieferte und gut mit H.P. Lovecraft befreundet war) ab.

Neben der „Körperlosen Hand“ ist die „Voodoo“-Episode der stärkste Teil des Filmes. Nicht nur, weil Francis zusammen mit seinem Kameramann Alan Hume für einige starke Szenen sorgen, sondern vor allem wegen des Soundtracks. In der Rolle des Bandleaders Biff Bailey wurde der Trompeter und Sänger Roy Castle angeheuert. Dieser bringt trotz offensichtlich mangelnder Erfahrung vor der Kamera, genau die richtige Mischung aus Unbedarftheit und Arroganz mit, um seine Rolle glaubhaft zu gestalten. Ferner wurde mit Tubby Hayes ein Jazz-Musiker für die zusätzliche Musik dieser Episode verpflichtet, der für einen akustischen Hochgenuss sorgt. Das Jazz-Arrangement, welches Hayes aus der unheimlichen Voodoo-Melodie geschaffen hat, ist mehr als gelungen und man wünschte sich eine Veröffentlichung auf CD. Tatsächlich soll es aber nur auf einer obskuren und heute sehr, sehr raren Vinyl-Scheibe aufgetaucht sein. Sehr schade. Bei allem Enthusiasmus über das „Voodoo“-Stück sollte man aber nicht vergessen, Elisabeth Lutyens zu erwähnen, die für den „normalen“ Score des Filmes verantwortlich war und hier – gerade in der ersten Geschichte – eine überzeugende Arbeit abgeliefert hat.

Obwohl inhaltlich nicht immer überzeugend, punktet „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ mit seinem wunderbaren old-school-Charme, der guten Lee/Gough-Episode, weit überdurchschnittlichem Handwerk und zeitweise brillanter Musikuntermalung.

„Die Todeskarten des Dr. Schreck“ ist die erste Veröffentlichung des jungen Labels Wicked Vison Media, welches aus der Wicked-Vision-Homepage und dem Wicked Vicion Magazin hervorging. Und das Debüt kann sich mehr als sehen lassen. Als Grundlage der Blu-ray wurde ein 4K-Scan des Original-Kamera-Negativs verwendet, der alles aus dem Film herausholt, was möglich ist. Das Bild erstrahlt dadurch insbesondere bei den farbintensiven Episoden „Werwolf“ und „Voodoo“ in neuem Glanze. Auch beim Ton gibt es keinen Grund zum Meckern. Zwar merkt man der deutschen Tonspur ein wenig die Jahre an, die sie auf dem Buckel hat – die englische Tonspur erklingt jedoch makellos. In Punkte Extras schöpft Wicked Vision Media aus dem Vollen und lässt die Augen und Ohren leuchten. Nach einem nett gefilmten Intro, in dem Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen für Experten keine neuen, für Einsteiger aber recht interessanten Kurz-Informationen zum Besten gibt, kann man sich aussuchen, ob man den Film vielleicht auch mit dem Audiokommentar des Regisseurs Freddie Francis oder lieber noch mit dem Audiokommentar des Duos Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad ansehen möchte. Ein Highlight der Veröffentlichung ist eine fast einstündige Doku des britischen Filmemachers Jake West, der zahlreiche Zeitzeugen zu „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ befragt. Wer die HD-Version damit vergleichen will, wie der Film bei uns im Kino aussah, für den ist noch eine Abtastung der deutschen 35mm-Fassung mit dabei. Weitere Extras beinhalten die deutsche Titel- und Endsequenz, den deutschen, englischen und italienischen Kinotrailer, die internationale Titel- und Endsequenzen, diverse Bildergalerien, Werberatschläge und Programm- und Pressehefte. Easter Eggs soll es auch geben, habe ich aber nicht nach gesucht. Ferner kann der Fan auf der Tonspur zwischen dem Originalton, der restaurierten deutschen Kinosynchro und der deutschen TV-Synchro wechseln. Toll. Noch toller ist allerdings die Ankündigung, dass Wicked Vision Media in diesem Jahr noch David Cronenbergs „Die Brut“, Mario Bavas „Hatchet for the Honeymoon“ und vor allen Dingen –*tusch* – eine Jean-Rollin-Reihe herausbringt. Wenn das kein Grund zu ekstatischer Freude ist…

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