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Blu-ray-Rezension: “Die 13 Söhne des gelben Drachen“

Von , 22. März 2017 06:33

Der Stammesfürst Li Ke Yung (Feng Ku) und seine 13 Generäle, allesamt Söhne und Adoptivsöhne des Patriarchen, gehen gegen Rebellen vor, welche die Hauptstadt Changan besetzt halten. Im Alleingang kann sein jüngster Sohn Li Tsun Hsiao (David Chiang) den gegnerischen General Meng (Bolo Yeung) besiegen, was ihm die Gunst des Vaters und gleichzeitig die Eifersucht seiner Brüder Li Tsun Hsin (James Nam) und Li Kang Chun (Chung Wang) einbringt. Diese machen gemeinsame Sache mit dem Stadthalter des Kaisers Chu Wen (Sing Cheng), der Li Ke Yung zu einem opulenten Siegesmahl einlädt, in der Absicht ihn umzubringen. Nur mit Hilfe seiner treusten Söhne und unter schmerzlichen Opfern kann Le Ke Yung entkommen. Doch die Intrige der beiden abtrünnigen Brüder soll noch mehr Tote fordern…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die 13 Söhne des gelben Drachen“ ist einer jener opulenten Ausstattungsfilme, für die es bei den legendären Shaw Brother Studios vor allem einen Spezialisten gab: Chang Cheh. Und gerade bei solch einer aufwändigen Produktion wie „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ erkennt man warum. Scheinbar mühelos manövriert er Hunderte von Statisten und eine fast schon unüberschaubare Anzahl von Pro- und Antagonisten durch eine im Grunde simple, dann durch ihre Episodenhaftigkeit und der Unmenge von Namen, die einem um die Ohren gefeuert werden, doch wieder komplizierte Geschichte. Am Ende aber bekommt der Zuschauer einen Film, der trotz seiner vielen bunten Einzelteile doch wie aus einem Guss wirkt und dem ihm – auch wenn man nicht sofort alle Hintergründe und Verwicklungen erfassen kann – bestens unterhält. Da helfen dann natürlich die gut choreographierten Kämpfe und Massenaufmärsche, die Chang Cheh mit einem fast unfehlbaren Auge für beeindruckende Bilder festhält.

Im Gegensatz zu seinen Filmen „Der Pirat von Shantung “ oder „Duell ohne Gnade“ wirkt „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ sogar recht zahm und zurückhaltend. So fließt das Blut nicht gleich von Beginn an in rauschenden Bächen und das Maß an Sadismus, welches für seine Filme häufig typisch ist, bleibt zunächst im normalen Rahmen. Dies gilt vor allem für den ersten Kampf zwischen David Chiang und einem sehr jungen Bolo Yeung oder die „Kommando-Aktion“ von sieben Brüdern, die in die Festung des Gegners eindringen. Das wirkt – gerade im Vergleich zu den beiden voran genannten Titeln – dann fast schon kindertauglich. Aber nur fast. Wenn Chang Cheh erst einmal loslegt, gibt es kein Halten mehr. Gerade zwei Szenen sind es, die hier lange im Gedächtnis haften bleiben. Einmal ein blutiger Kampf auf einer engen Brücke, bei dem Ti Lung versucht, seinen Vater aus den Klauen der Gegner zu retten und wortwörtlich als „Last Man Standing“ immer neue Wellen von Angreifern zurückschlägt. Und dann natürlich die berüchtigte Szene, in der eine der Hauptfiguren von vier Pferden auseinandergerissen wird und seine Einzelteile blutige Spuren im Sand hinterlassen. Gerade weil der Film in Vergleich zu Chang Chehs sonstigen Exzessen recht zurückhaltend bleibt, schockiert gerade diese Szene zutiefst.

Die Geschichte von den „13 Söhnen des gelben Drachen“ spielt lange vor der Zeit, die normalerweise in den Shaw Brothers-Filmen abgehandelt wird, nämlich in der Tang Dynastie (618-907). Dies ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Kostümierung der „Heldenhaften“ mit den Fellmützen und -mänteln ist doch etwas ungewohnt. Auch ist man überrascht, dass der Patriarch Li Ke Yung und seine 13 (Adoptiv-)Söhne gegen Rebellen antreten.Denn normalerweise sind es ja die Rebellen, die in den klassischen Hongkong-Filmen die Helden stellten. Zu der Verwirrung trägt auch die Besetzung des Li Ke Yung mit dem charismatischen Ku Feng bei. Dieser ist eigentlich auf durchtriebene, skrupellose Bösewichte abonniert und auch seine farbenfrohe Darstellung hier gestaltet sich durchaus ambivalent. Zwar ist er zum einen natürlich derjenige, auf dessen Seite einen der Film stellt, zum anderen besitzt er auch keine Skrupel seine Söhne, wenn sie die ihnen gestellte Aufgabe nicht nach seinem Willen erledigt haben, kurzerhand zum Tode zu verurteilen. Nein, ein sympathischer Charakter ist dieser Li Ke Yung wahrlich nicht.

Auch seine Söhne begeistern nicht gerade durch übertriebene Freundlichkeit. Allein der von David Chiang gespielte Heißsporn Li Tsun Hsiao ist – trotz aller Arroganz die er ausstrahlt – eine Identifikationsfigur. Ti Lung bringt als Shih Ching Szu zwar auch alle Qualitäten eines stoischen Helden mit, bekommt aber relativ wenig zu tun und spielt hier nur die zweite Geige. Han Chin fällt noch als besonnener Bruder auf, während James Nam möglicherweise ein tragischer Charakter sein soll, allerdings ebenso schleimig unsympathisch bleibt wie der bekannte Schurkendarsteller Wong Chung als durchtriebenster und fieseste Bruder von allen. Die restlichen Brüder dienen eher als Staffage. Was leider im Finale zu einem Problem wird, wenn diese eher gesichts- und farblosen Charaktere plötzlich mit den Bösewichten abrechnen. Da sie zuvor nicht richtig eingeführt und zu lebendigen Figuren aufgebauten wurden, verpufft die Dramatik hier leider ziemlich.

Die Geschichte der 13 Söhne und dem „gelben Drachen“ soll auf wahren Begebenheiten der chinesischen Geschichte beruhen. Allerdings wurden sich – bis auf den historischen Kontext – große fiktionale Freiheiten erlaubt. Diese historischen Geschehnisse scheinen in China durchaus bekannt zu sein, denn 1982 entstand noch eine Fernsehserie um die 13 Generäle des Li Ke Yung, die vom damals noch unbekannten Johnnie To in Szene gesetzt wurde. Im Cast dieser Serie finden sich auch einige weibliche Schauspielerinnen. Solche tauchen in „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ so gut wie gar nicht auf. Zwar darf David Chiang kurz einem jungen Mädchen schöne Augen machen, welches die alte Ordnung gegen die Rebellen unterstützt, doch dieses verschwindet fast ebenso schnell aus dem Film, wie es gekommen war. Was schade ist, wird das Mädchen doch von Lily Li gespielt, ein gern gesehenen Gesicht in zahlreichen Shaw Brothers Produktionen. Doch Chang Ches Film sind nun einmal reiner Männerfilm. Und während er in andere Filme meist noch eine dünne Alibi-Liebesgeschichte einbaut (wobei es aufrichtige Liebe und Respekt dann doch nur wieder unter Männer gibt), verzichtet er hier ganz darauf. Zugunsten von viel Pathos, Spektakel, blutigen Verrat und hinterhältigen Intrigen.

Chang Cheh verzichtet bei seinem bunten Kostüm-Epos größtenteils auf allzu blutige und sadistische Details, um dem Zuschauer am Ende doch noch ein extrem schmerzhaftes Finale zu bieten. „Die 13 Söhne des gelben Drachen“ bietet darüber hinaus aber auch schön choreographierte Massen- und Schlachtszenen, böse Intrigen und eine Menge Stars.

Auch mit der Nummer 8 ihrer Shaw-Brothers-Collector’s-Edition bleibt sich filmArt treu. Wieder ist es eine BluRay/DVD-Combo. Und wie bei den vorangegangenen Veröffentlichungen innerhalb dieser Reihe weiß das Bild durch eine unglaubliche Klarheit und Brillanz zu bestechen. Der Ton besteht aus der deutschen Neu- und Kinosynchronisation, sowie Mandarin mit zuschaltbaren detuschen untertiteln. Die Neusynchro stammt von 2004 und war notwendig, da in der alten Veröffentlichung satte 30 Minuten Handlung fehlten. Man kan sich aussuchen, ob man den Film nun komplett in der neuen Synchronisation schauen möchte, oder in der Kinofassung, wobei die zahlreichen „Leerstellen“ mit der Neusynchro aufgefüllt werden. Hierzu kann dasselbe wie zu „Die 36 Kammern der Shaolin“ geschrieben werden. Die neue Synchronisation ist gut, aber im Vergleich zu der sehr lebendigen Kinofassung mit seinen markanten Sprechern etwas steril. Allerdings ist der Unterschied nicht ganz so drastisch, wie bei den „36 Kammern“. D.h., wann immer von der Kino- zur Neusynchro gesprungen wird, ist der Bruch zwar merkbar, aber nicht ganz so hart. Als Extras liegt ein Booklet mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei. Zusätzlich kann der Zuschauer auch die Fassung der Erstaufführung (von 35mm, 95 Minuten) oder der Wiederaufführung (von 16mm, 80 Minuten) auswählen. Außerdem gibt es noch einen Trailer und eine selbstlaufende Bildergalerie.

Blu-ray-Rezension: “Die 36 Kammern der Shaolin”

Von , 9. März 2017 06:33

Während der Qing-Dynastie (1644–1911) wird das chinesische Volk von den Mandschu in der Gestalt des Generals Tien (Lo Lieh) unterdrückt und geknechtet. Der junge Student Liu Yu Te (Gordon Liu) schließt sich den Rebellen an, die jedoch schnell auffliegen und von den Mandschu getötet werden. Auch Liu Yu Tes Familie gehört zu den Opfern. Liu Yu Te kann jedoch entkommen und flieht schwerverletzt ins Shaolin-Kloster. Hier will er das berühmte Shaolin-Kung-Fu erlernen, um sich an den Mandschu zu rächen. Doch bevor es soweit ist, muss er zunächst 35 Kammern durchlaufen. In jeder Kammer wartet eine neue Prüfung auf ihn. Erst wenn er diese besteht, darf in die nächste Kammer aufsteigen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Es gibt Filme, die definieren für einen ein ganzes Genre – lange bevor man das erste Mal direkt mit ihm in Kontakt gekommen ist. „Die 36 Kammern der Shaolin“ fällt bei mir genau in diese Kategorie. Jahre bevor ich meinen ersten Shaw-Brothers-Film sah, war mit der Titel „Die 36 Kammern der Shaolin“ bereits geläufig. Wahrscheinlich hatte ich irgendwo Aushangfotos gesehen und in irgendeinem Heft darüber gelesen. Ich weiß noch dunkel, dass ein älterer Nachbarsjunge Hefte besaß, die „Kung Fu“ oder ähnlich hießen. Ich kann mich nicht mehr richtig daran erinnern, was da drin stand, ich meine aber, dass es da Artikel über Kung-Fu-Filme gab. Wo ich das schreibe, meine ich mich daran zu erinnern, dass es da auch etwas über Bruce Lees Tod und der verschwörerisch formulierten Frage, wie ein Bruce Lee sterben konnte, gab. Ich denke, da irgendwo habe ich auch das erste Mal was über „Die 36 Kammern der Shaolin“ gelesen. Als ich den Film dann endlich irgendwann mal in der TV-Ausstrahlung sah, kam er mir einerseits bereits bekannt vor, andererseits hatte ich von den legendären „36 Kammern“ auch ganz andere Vorstellungen. Ich war bis dahin der Meinung gewesen, dass sich hier jemand Videospiel-mäßig durch 36 Kammern voller gefährlicher Shaolin-Mönche kämpfen müsste. Ein Konzept, wie es Bruce Lee für sein leider nie beendeten „Game of Death“ entworfen hatte. Und obwohl ich im Kopf bereits eine ganz andere, wesentlich finstere und brutalere Geschichte durchgespielt hatte, wurde ich von „Die 36 Kammern der Sholin“ aber nicht enttäuscht. Bis heute ist es mir einer meiner liebsten Shaw-Brothers-Filme geblieben und einer der Hauptgründe, warum ich begann, mich eingehend mit dem klassischen Martial-Arts-Kino Hongkongs zu beschäftigen.

Als ich den Film jetzt wiedersah, war ich überrascht, wie viel Raum die „Rahmenhandlung“ einnimmt, die Erlebnisse San Tes im Shaolin Tempel einklammert. Der Film ist wie ein Triptychon aufgebaut, bei dem jeder Teil ungefähr ein Drittel einnimmt. Auf dem ersten Bild sehen wir Liu Yu-te, einen jungen, heißblütigen Mann, dessen Freunde von den bösen Mandschu eliminiert und und dessen Familie zerstört wurde. Das zweite Bild zeigt seine Transformation im Shaolin Kloster, nicht nur durch das eisenharte Training, in dem er die 35 Kammern durchläuft (wobei aber nur 10 Kammern gezeigt werden, ansonsten würde der Film ja über drei Stunden dauern) und sondern auch seine menschliche Entwicklung zu einem weiseren, besonnenen Wesen mit Namen San Te. Auf dem letzten Bild sehen wir den nun vervollkommneten Menschen San Te, der in die Welt hinaus und die selbst erfahren Weisheit und Wissen weitergibt. Man kann sich diesen Triptychon auch gut als in einer Kirche vorstellen, und anstelle Liu Yu-te, der zu San Te wird, vielleicht die Figur des Saulus, der zum Paulus wird. Im Grunde beschreibt „Die 36 Kammern der Shaolin“ nämlich sehr genau den Archetyp der „Heldenreise“.

Und so ist es dann auch unvermeidlich, dass San Te am Ende in seine Heimatstadt zurückkehrt, im sich seinen Erzfeinden, den Mandschu, zu stellt. Wodurch es dann zum finalen Duell mit Lo Lieh als böser Mandschu-General kommt, der anfangs als schier unbesiegbarer Meister der Kampfkunst eingeführt wurde. Lieh hat hier leider nur eine kleine, wenn auch prägnante Rolle. Dass beide für diesen Schlusskampf aus der Stadt reiten, um sich dann auf einem menschenleeren Feld gegenüberzustehen, bricht zwar etwas mit der inneren Logik (warum folgt ihnen niemand und hat San Te nicht geschworen – und praktiziert – dass er nie jemanden angreift?), beschert dem Zuschauer aber ein feinen und gut choreographierten Kampf.

Natürlich hat es auch vor „Die 36 Kammern der Shaolin“ Filme gegeben, die sich mit dem Training der Helden und ihrem Weg zum Superkämpfer beschäftigten. Doch selten so konsequent wie hier. Der große Erfolg des Filmes führte nicht nur zu zwei Fortsetzungen (beide mit Gordon Liu, wobei er im zweiten Teil eine andere Figur spielt), sondern könnte auch eine Blaupause für die immens erfolgreichen Jackie-Chan-Filme „Die Schlange im Schatten des Adlers“ und vor allem „Sie nannten ihn Knochenbrecher“ sein, die im selben Jahr wie „Die 36 Kammern der Shaolin“ in die Kinos kamen. Diese erzählten mit sehr viel weniger Budget, Darstellern und Epos eine sehr ähnliche, wenn auch komödiantisch gefärbte Geschichte. Selbst der große amerikanische Erfolg „Karate Kid“ aus den 80ern führt diese Tradition fort. Und für Gordon Liu wurde San Te die Rolle seines Lebens. Der Schädel, den er sich extra für diese Rolle rasiert hatte, blieb auch in den folgenden Jahren blank und mit seinem älteren Bruder (Gordon Liu war laut einiger Quellen von Lau Kar-Leungs Vater adoptiert worden, Wikipedia schreibt aber, dass er lediglich ein sehr enges, väterliches Verhältnis mit Lau Cham pflegte) dem Shaolin-Film treu. 2005 holte ihn dann Quentin Tarantino – ein großer Fan der „36 Kammern“ – für seine beiden „Kill Bill“-Filme vor die Kamera. Hier spielte Gordon Liu dann gleich zwei Rollen: Die des Johnnie Mo, dem Anführer der „Crazy 88“, und jene des Pai Mei (die widerum auch auf „Die 36 Kammern der Sholin“ anspielt).

Nicht nur Gordon Lius Karriere wurde durch diesen Meilenstein des Kung-Fu-Kinos kräftig angekurbelt. Auch Regisseur Lau Kar-Leung, der zuvor eng mit der Shaw-Brothers-Legende Chang Cheh zusammengearbeitet hatte bis sich beide bei den Drehereien zu „Marco Polo im Reiche des Kublai Khan“ überwarfen, gelang hiermit der Durchbruch. In der Folge wurde er zum Spezialisten für Filme rund um das Shaolin Kloster und in den 80er Jahren drehte er so erfolgreiche Action-Filme wie „Tiger on the Beat“ und seine Fortsetzung. Dass Lau Kar-Leung eine Ausbildung zum Martial-Arts-Kämpfer hat, merkt man seinen Filmen deutlich an. Gerade in „Die 36 Kammern der Shaolin“ sind die Kämpfe sehr traditionell und akkurat. Lau Kar-Leung filmt sie auch meistens aus einer gewissen Distanz, so dass man den eleganten Bewegungen der Kämpfenden gut mit dem Auge folgen kann. Aber auch für Stimmungen hat Lau Kar-Leung ein gutes Händchen und so werden die Übungseinheiten im Kloster auch immer von einer gewissen Düsternis begleitet, die sich nicht eindeutig fassen lässt, aber die besondere Stimmung und vielleicht auch Wirkung dieses Filmes ausmacht.

„Die 36 Kammern der Shaolin“ ist vollkommen zurecht ein Klassiker seines Genres, der bis heute unzählige Male kopiert oder zitiert wurde. Lau Kar-Leungs kraftvolle Regie und Gordon Lius charismatisches Spiel ebneten ihnen den Weg zu einer lang anhaltenden Karriere.

„Die 36 Kammern der Shaolin“ ist in der schönen „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray ist wie immer über alle Zweifel erhaben. Da der Film in der alten deutsche Kinofassung um fast eine halbe Stunde Handlung gekürzt worden war, wurde er für die erste DVD-Veröffentlichung (durch MiB) 2004 komplett neu synchronisiert. Auf der filmArt-Scheibe sind nun beide Synchronisationen zu hören, die alte kürzere Kinofassung und die Neubearbeitung. Daher hat man die Wahl, entweder den Film komplett in der 2004er Synchro anzuschauen, die gekürzte Fassung in der Kino-Synchro oder – für diese Lösung habe ich mich entschieden – mit der deutschen Kinosynchro, wobei die Fehlstellen mit der 2004er Synchro aufgefüllt wird. Das ist aber, meiner Meinung nach, die schlechtere Wahl. Die Synchronisationen sind derartig unterschiedlich, dass man bei jedem Wechsel regelrecht aus der Handlung gerissen wird. Gordon Liu wird beispielsweise in der Kinofassung von Elmar Wepper, in der neuen Fassung von dem komplett anders klingenden Simon Jäger (deutsche Stimme von Matt Damon) gesprochen. Auch die Namen sind dann teilweise andere und aus den Mandschu werden Tataren. Das verwirrt maximal. Man sollte sich also besser sich gleich für die 2004er Synchro entscheiden. Die klingt zwar um einiges steriler und hat nicht die markanter Sprecher der Kinofassung, ist aber nun auch nicht so schlecht. Oder man guckt den Film in Kantonesisch oder Mandarin mit deutschen Untertiteln. Diese Option gibt es natürlich auch noch. Bis auf Trailer und ein Booklet mit Aushangfotos gibt es keine weiteren Extras.

Blu-ray-Rezension: “Der Pirat von Shantung”

Von , 2. November 2016 20:46

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Ma Yung Cheng (Cheng Kuan-Tai) ist ein armer Bauernsohn aus der Provinz Shantung, der mit seinem Freund Hsiao Chiang-pei (Cheng Kang-Yeh) nach Shanghai kommt, um hier sein Glück zu machen. Hier geraten sie schnell zwischen die Fronten, denn die Stadt ist zwischen den beiden Gangsterbossen Yang (Nan Chiang) und Tan Sze (David Chiang) aufgeteilt. Der böse Yang nutzt die „vier Meister“, um seinen Teil der Stadt unter der Knute zu halten. Als Ma Yung Cheng einen der Meister besiegt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Tan Si hingegen ist ein ehrenvoller Gangster und wird schnell zum Vorbild für Ma. Nachdem Ma ihn mit seinen Kampfkünsten und seiner unerschütterlichen Ehre beeindruckt hat, überlässt ihm Tan Si ein kleinen Teil seines Gebiets. Ma klettert die Gangsterkarriere-Leiter schnell herauf und ist sehr beliebt. Doch Yang schmiedet bereits einen teuflischen Plan, um Ma Yung Cheng und Tan Si für immer loszuwerden.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Mit „Der Pirat von Shantung“ startete Cheng Kuan-Tai seine langlebige Karriere bei den Shaw Brothers. Zuvor auf kleine Neben- und Statistenrollen beschränkt, konnte der hochtalentierte Kämpfer nun in seiner ersten Hauptrolle zeigen, dass er locker einen ganzen Film allein tragen kann. Wobei er hier noch prominente Hilfe in Gestalt von David Chiang bekommt. Dieser spielt die kleine, aber sehr prägnante Nebenrolle eines Gangsterbosses, der dem von Cheng Kuan-Tai gespielten Ma Yung Cheng als Idol und Vorbild dient. Gegenüber dem sehr physischen, bodenständigen Cheng Kuan-Tai, der einen stoischen, rauen Schauspielstil mitbringt, hebt sich David Chiang nicht nur durch seine extrem geschmackvolle Kleidung und ein gewinnbringendes Lächeln hervor. Wenn es daran geht, Füße und Fäuste zu schwingen, so ist es eine Freude beiden zuschauen. Wobei Cheng Kuan-Tais Stil kraftvoller und athletischer wirkt, während Chiang mehr geschmeidig und tänzerisch daherkommt. Für die Rolle des Ma Yung Cheng kann man sich kaum einen besseren als Cheng Kuan-Tai vorstellen, der mit stoischer Wucht und einer gewissen bäuerlichen Naivität durch Shanghai pflügt. Die damals ausgesprochen populären Darsteller David Chiang und Ti Lung wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen, Allenfalls Alexander Fu-Sheng könnte man sich noch als „Pirat von Shantung“ vorstellen, aber dessen Zeit war noch nicht gekommen.

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„Der Pirat von Shantung“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Shaw Brothers und legte den Grundstein zu einer ganzen Flut von Filmen, die sich mit Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses beschäftigten. Cheng Kuan-Tai selber sollte noch im selben Jahr wieder auf die Straßen von Shanghai zurückkehren, um im Sequel „Der Mann mit der Tigerpranke“ nochmals einen aufstrebenden Gangsterboss zu spielen. Trotz der epischen Dauer von 130 Minuten schafft es der Film, durch ein durchgehend hohes Tempo keine große Längen aufkommen zu lassen. Positiv fällt dabei auf, dass die Story nicht primär dazu dient, einzelne Kampfszenen miteinander zu verbinden, sondern sich diese organisch aus der Handlung ergeben. Was aber nicht heißen soll, dass die Kämpfe nicht spektakulär wären. Besonders in Erinnerung bleibt der exotische Kampf zwischen Cheng Kuan-Tai und dem riesigen Italiener Mario Milano, der schon ein wenig den legendären Fight zwischen Bruce Lee und Kareem Abdula Jaba in „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“ vorweg nimmt. Herzstück ist aber das 15-minütge Finale, welches zu den blutigsten, brutalsten und spektakulärsten Schlachtszenen gehört, die je in den Shaw Brothers Studios entstanden sind. Hier spritzt der rote Lebenssaft als ob damit das ganze Studio undekoriert werden sollte. Und Cheng Kuan-Tais Ma Yung Cheng beweist Nehmerqualitäten und Steh-Auf-Mentalität, die ihres Gleichen sucht.

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Regisseur Chang Cheh teilte sich bei diesem Film den Regiestuhl mit Choreograph Hsueh Li Pao (wobei auch der spätere Regiesuperstar John Woo hier als Regieassistent beteiligt war, ebenso wie der später berüchtigte Viel- und Billigfilmer Godfrey Ho). Angeblich schoss Chang Cheh aufgrund seines engen Terminkalenders nur die Nachtszenen, während er die Tagszenen seinem, in den Titeln unerwähnten, Co-Regisseur überließ. Auch wenn dem so sein sollte, „Der Pirat von Shantung“ ist ein echter Chang Cheh geworden. Nicht nur, was das blutige Todesballett und die routiniert-stilsichere Inszenierung angeht. Auch liegt Chang Chehs Fokus wieder mehr auf den Männerfreundschaften, als auf der hastig eingeflochtenden Liebesgeschichte, die sich nie wirklich entwickelt. Was sehr schade ist, denn mit Li Ching hatte man eine gute und charismatische Darstellerin zur Hand. Hier wird sie aber auf den Status eines dekorativen Ausstattungsstückes reduziert. Lediglich in einer Szene, wenn unser Held in einem Bordell zu sehr dem Alkohol frönt und seine Geliebte in eine der dortigen Damen hinein imaginiert, wird überhaupt darauf Bezug genommen, dass sich dort zarte Bande bilden. Sehr viel sorgfältiger wird da die gegenseitige Faszination zwischen Ma Yung Cheng und dem „guten“ Gangster Tan Sze thematisiert, ja romantisiert. Ebenso wie die brüderliche Liebe zwischen Ma Yung Cheng und seinem besten Freund Hsiao Chiang-pei, der von dem auf diese Art von Rollen spezialisierten Kang-Yeh Cheng gespielt wird.

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„Der Pirat von Santung“ gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des fleißigen Shaw Brothers Studios, sondern katapultierte den bis dahin unbekannten Cheng Kuan-Tai in die erste Liga der Kung-Fu-Stars. Zurecht, denn der Film liefert nicht nur die Blaupause für unzählige Nachahmer, sondern steuert zielsicher und trotz seiner Länge ausgesprochen kurzweilig einem extrem blutigen Finale zu, welches zu den spektakulärsten seiner Gattung gehört.

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Wie immer ist „Der Pirat von Shantung“ in der empfehlenswerten „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Neben der alten deutschen Kinosynchronisation, ist noch eine 2. deutsche Synchronisation von 2005 mit dabei. Die alte deutsche Kinofassung war damals um satte 40 Minuten Handlung erleichtert worden. Wie das dann aussah, kann man man sich hier ebenfalls anschauen, denn die Kinofassung wurde auf Basis des neuen HD-Masters rekonstruiert und ist auf der Scheibe ebenfalls enthalten. Die Stellen, die damals für die deutsche Kinofassung nicht synchronisiert wurden, werden auf der „Kinofassung-Tonspur“ mit der Zweisynchronisation von 2005 aufgefüllt, was recht irritierend wirkt, da die Unterschiede echt deutlich zu hören sind. Bis auf ein Booklet mit Aushangfotos und Trailern gibt es keine weiteren Extras.

Blu-ray-Rezension: “Der gnadenlose Vollstrecker”

Von , 22. Januar 2016 19:23

gnvollstreckerAus der Schatzkammer der Mandschu-Kaiserin wird eine stattliche Summe Gold gestohlen. Die Kaiserin gibt dem Befehlshaber der Garden 10 Tage Zeit, das Gold wiederzubeschaffen. Dieser gibt den Auftrag an seinen besten Mann weiter. Leng Tian-Ying (Chen Kuan Tai), wird auch „der Blutige“ genannt, da er keine Gefangenen macht und auch nicht davor zurückschreckt, Unbewaffnete förmlich zu exekutieren. Leng sammelt fünf seiner treusten Gefolgsleute um sich und macht sich auf den Weg, die Diebe zu bestrafen und das Gold zurückzuholen. Doch die Männer geraten immer wieder in Hinterhalte und so schrumpft Lengs kleine Truppe recht schnell. Schließlich wird Leng vom Anführer der Diebe, Fang Feng-Jia (Ku Feng), eine tödliche Falle gestellt…

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Über den Film „Der gnadenlose Vollstrecker“ lass ich erstmals im Jahre 2000 in der zweiten und leider auch letzten Ausgabe des großartige Fanzine „Absurd 3000“, welches meinen Filmgeschmack und -verständnis vielleicht sogar noch mehr prägte, als die legendäre „Splatting Image“. In einem langen Artikel stellte Hagen Weiss damals den Regisseur Chih-Hung Kuei (alias Gui Zhihong) vor. Chih-Hung Kuei ist einer der aufregendsten (wenn auch leider bis heute unbekannteren) Regisseure der Shaw Brothers Studios. „Der gnadenlose Vollstrecker“ ist sein einziger Film, der dem Genre des Schwertkampf-Films zugeordnet werden kann. Seine anderen Filme, wie der großartige „The Tea House“ und sein Nachfolger „Big Brother Cheng“ (beide ebenfalls mit Chen Kuan Tai) und seine wilden Horrorfilme, wie„Killer Snakes“ oder „The Boxer’s Omen“, harren hierzulande noch einer Veröffentlichung. Auch im Women-in-Prison-Genre hinterließ Chih-Hung Kuei mit seinem berüchtigten „Das Bambuscamp der Frauen“ viel Eindruck und zusammen mit Ernst Hofbauer war er für den Schulmädchen-meets-Kung-Fu-Mash-Up „Karate, Küsse, blonde Katzen“ zuständig. „Der gnadenlose Vollstrecker“ ist ein Remake des 11 Jahre vorher entstanden „Invincible Fist“, den Chang Che mit Lo Lieh und David Chiang in den Hauptrollen inszenierte. Es soll sogar ein Jahr vor dem „Gnadenlosen Vollstrecker“ eine billige Taiwan-Version des Stoffes gegeben haben, welche sich „Demon Strike“ nannte und in der – wie im „Gnadenlosen Vollstrecker“ – Jason Pai Piao mitspielt.

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Chih-Hung Kueis „Der gnadenlose Vollstrecker“ unterscheidet sich deutlich von den Schlacht-Epen, die ein Chang Cheh inszenierte. Aber auch den wunderbaren, surreal-künstlichen Traumwelten eines Yuen Chor oder den eher realistischen angehauchten Shaolin-Filmen eines Chia-Liang Liu steht „Der gnadenlose Vollstrecker“ nicht besonders nah. Er entstand in einer späten Phase in der Geschichte der Shaw Brothers Studios. Erst 1980 kam er in die Kinos, oder sollte man sagen „bereits“? Denn tatsächlich wirkt er seiner Zeit gute 10 Jahre voraus und erinnert stärker an das Hongkong-Kino der frühen 90er, als an die Hochphase der Shaw Brothers Produktionen in den 70ern. Und er ist einer der besten Werke aus Hongkongs Fließbandschmiede. Im Vergleich zu den unterhaltsamen, aber häufig eher eindimensionalen Geschichten dieser Filme, wartet „Der gnadenlose Vollstrecker“ mit einer düsteren Komplexität auf, die man nicht unbedingt erwartet.

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Hier verschwimmen drastisch wie selten die Grenzen zwischen Gut und Böse. Während beispielsweise die Mandschu in den Filmen aus Hongkong fast immer die Rolle der Bösewichte einnahmen, repräsentieren sie hier die nominalen Helden, während die chinesische Bevölkerung auf der anderen Seite des Gesetztes steht. Doch dies ist nur die gelernte Perspektive des Zuschauers, weil der Film aus Sicht unsere Protagonisten erzählt wird und diese eben auf der Seite der Mandschu stehen. Man könnte die Geschichte des Films auch problemlos umdrehen und dann würden aus den „bösen“ chinesischen Räubern plötzlich heldenhafte Freiheitskämpfer. In einer Szene reiten die Mandschu-Beamten durch ein Dorf und müssen dort all das Elend der chinesischen Bevölkerung sehen: Die hungernden Kinder und ausgemergelten Alten in ihren Lumpen. Das Grauen des Mandschu-Regimes, die Saat, die die „Verbrecher“ zu ihrem Raub getrieben hat. Dies verleitet einen der Beamten dazu, Mitleid für die Opfer der Mandschu-Herrschaft zu empfinden. Doch Chi Hung Kweis Welt ist ebenso gnadenlos wie der „Vollstrecker“. Mitleid ist hier keine Stärke, sondern eine Schwäche, die direkt zu einem qualvollen Tode führt. Denn an beiden Fronten stehen Männer, die sich selbst im Recht sehen und kein Mitgefühl gegenüber dem Gegner walten lassen.

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„Der gnadenlose Vollstrecker“ ist dann auch einer der finstersten, pessimistischsten und brutalsten Filme, die je unter dem Banner, der generell nicht geraden zimperlichen Shaw Brothers, entstanden sind. Insbesondere die Brutalität wirkt noch heute sehr viel direkter und schmerzhafter als das durchchoreographierte Blut-Ballett, das man aus Hongkong in den 70er Jahren gewohnt war. Sie ist näher am japanischen Samurai-Film als dem chinesischen Martial-Arts-Kino. Was vermutlich auch an dem japanischen Action Koordinator Yasuhiro Shikamura liegt, der häufig mit Chi Hung Kwei zusammenarbeitete. Die Kämpfe sind kurz, heftig und von einer enormen Intensität. Doch nicht nur die zahlreich durch die Luft wirbelnde, abgetrennte Gliedmaßen und meterhohen Blutfontänen lassen aufmerken. Auch Szenen in denen sich die Kontrahenten durch lodernde Feuer wälzen und langsam bei lebendigem Leibe verbrennen, lassen einen sich die Augen reiben. Selbst wenn man bei genauerem Hinsehen die feuerfesten Schutzanzüge erahnen kann, wirken diese Szenen sehr schmerzvoll. Aber nicht nur physische Gewalt macht den Film so brutal. Die Bilder der hungernden und dahinvegetierenden Bevölkerung oder der rücksichtslose Umgang der „Helden“ mit den Verdächtigen und die qualvollen Tode der vergifteten Opfer sind Stoff, aus dem Albträume sind.

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Unterstützt wird die finstere Geschichte um Pflichtbewusstsein, Ehre, Habgier und Verzweiflung durch eine außergewöhnliche Fotografie, deren Wurzeln in den italienischen „gothic horror“-Filmen zu liegen scheint. Oftmals ist das Bild durchdrungen von kräftigen roten und grünen Farben, ausdrucksstarkem Licht und Schatten. Zum Ende hin, wird die Handlung in ein nebeldurchzogene, regnerisches Sumpflandschaft verlegt, aus der die Toten emporzusteigen scheinen. Besonders im Gedächtnis bleibt die Szene, in welcher „der Blutige“ Leng Tian-Ying und sein Kontrahent Fang Feng-Jia in dessen Hütte aufeinandertreffen. Im Beisein von Fangs blinden Tochter, die beiden Tee serviert, tun sie so, als wären sie gute Freude, obwohl sie sich mit gezogenen Waffen gegenüberstehen, und die Situation jederzeit zu eskalieren droht. Obwohl dies so auch in dem Original „Invincible Fist“ vorkam, kann man von der ganzen Stimmung und dem set up vermuten, dass John Woo gerade diese Szene als Vorbild für die beinahe identische Einstellung in „The Killer“ nutzte.

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Einer der besten und noch immer modern wirkenden Filme aus dem goldenen Shaw Brothers Zeitalter. Chih-Hung Kuei ist ein außerordentlicher Regisseur, den es hierzulande noch zu entdecken gilt. Visuell aufregend, brutal und zutiefst nihilistisch, sticht „Der gnadenlose Vollstrecker“ weit aus der Masse der unzähligen Shaw Brothers Produktionen hervor.

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Auch in der Shaw Brothers Collector’s Edition des Hauses fimArt ist „Der gnadenlose Vollstrecker“ ein Highlight. Wie die anderen Filme der Reihe auch, ist „Der gnadenlose Vollstrecker“ als Blu-ray/DVD-Combo erschienen. Das Bild ist wie gehabt sehr gut, auch wenn ihm – bedingt durch das Anfang der 80er verwendete Filmmaterial – die beinahe plastische Schärfe der 70er Jahre Produktionen teilweise fehlt. Doch Farben und Schwarztöne können absolut überzeugen. Der deutsche Ton hat ein ganz dezentes Rauschen, der Mandarin-Ton ist klarer, dafür aber auch steriler. Der Film war in seiner alten deutschen Kino- und Videofassung um 9 Minuten gekürzt, die fehlenden Stellen sind hier wieder da und im Original mit ausblendbaren deutschen Untertiteln belassen. Zusätzlich ist noch eine isolierte Musik und Toneffekt-Spur auf Basis der Mandarin-Fassung beziehtdabei. Als Extras gibt es neben den deutschen und chinesischen Trailer noch eine Bildergalerie, sowie ein 12-seitiges Booklet mit den deutschen Aushangfotos und Werberatschlägen.

Blu-ray-Rezension: “Der Mann mit der Tigerpranke”

Von , 21. November 2015 14:43

der-mann-mit-der-tigerprankeQiu Lian-Huan (Chen Kuan-Tai) ist der Anführer einer kleinen Gangsterbande mit einem Drang zu Höherem. Als er eines Tages Yu Chow-Kai (Tin Ching), dem Sohn des der mächtigsten Gangster in Shanghai beim Kartenspiel erst dessen gesamtes Geld und dann noch die Freundin (Ching Li) abnimmt, scheint seine Zeit gekommen. Doch so einfach ist das nicht, denn der durchtriebene Chang Gen-bao (Chu Mu) unternimmt alles, um den schwachen und leicht beeinflussbaren Yu auf den Gangsterthron zu heben und dessen Feinde zu vernichten…

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Der Mann mit der Tigerpranke“ stellt das Sequel zum enorm erfolgreichen „Der Pirat von Shantung“ dar. Zunächst wird die Geschichte des Vorgängers kurz zusammengefasst und man sieht gerade noch, wie die blutige Leiche des Antihelden weggeschafft wird. Dann informiert eine Einblendung den Zuschauer, dass der neue Film nun 20 Jahres später auf den selben Straßen wie „Der Pirat von Shantung“ spielt. Der junge Chen Kuan-tai hatte mit der Hauptrolle in „Der Pirat von Shantung“ gerade seinen großen Durchbruch erlebt. Hier nun darf er wieder die Hauptfigur spielen, wobei diese in keiner Verbindung zu seinem „Pirat aus Shantung“ steht. Wie überhaupt bis auf den Prolog keinerlei Verbindungslinien zu dem angeblichen ersten Teil gezogen werden. „Der Mann mit der Tigerpranke“ ist also ein vollkommen selbstständiger Film, auch wenn die Macher dahinter und auch die Schauspieler teilweise identisch sind.

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Chen Kuan-tai läutete die dritte Welle der Shaw-Brothers-Stars ein. Nach Jimmy Wang Yu in den frühen Martial-Arts-Epen und vor allem dem „tödliche Duo“ David Chiang und Ti Lung nach ihm, kamen mit Chen Kuan-tai und vor allem Alexander Fu Cheng nun neue Typen auf die Leinwand. Während Alexander Fu Sheng dabei mehr die Rolle des jungenhaften, gewitzten und sympathischen Frauenhelden verkörperte (eine Mischung aus Jackie Chan und Shah Rukh Khan, war Chen Kuan-tai eher auf die dunkleren, eigenbrötlerischen Typen abonniert. So spielt er auch hier den Antihelden, der uns im Grunde nur deshalb sympathisch ist, weil er seine Freunde nicht im Stich lässt und die Schurken um in herum so vieles unsympathischer agieren. Chen Kuan-tai ist kein strahlender Held und auch kein unschuldig auf die schiefe Bahn geratener Junge. Das würde auch nicht in sein Rollenbild passen. Er ist ein Krimineller, der sich seinen Weg nach oben hart und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen erkämpft hat. Dabei folgt er allerdings einem ausgeprägten Ehrenkodex, was ihn von seinen skrupellosen Feinden unterscheidet. Da macht es dann auch nichts, dass er seinen besten Freund weitaus besser behandelt als seine Geliebte. Aber das kennt man ja bei Filmen des berühmten Regisseurs Chang Cheh.

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Das große Plus von „Der Mann mit der Tigerpranke“ sind seine Actionszenen. Chen Kuan-tai war wahrscheinlich der Beste der vielen Martial-Arts-Stars, die Anfang der 70er die Shaw-Brothers-Filme bevölkerten. Mit seinen druckvollen, dynamischen Bewegungen und einer gewissen Portion street credibility ist er die ideale Besetzung für einen Film wie „Der Mann mit der Tigerpranke“. Während bei anderen Stars die Kämpfe vor allem leicht und wie ein Ballett des Todes aussehen, ist sein Auftreten sehr viel athletischer, brutaler und auf den Punkt. Die beiden Action-Choreographen Choreographie von Lau Kar Leung (kurze Zeit später später mit „Die 36 Kammern der Shaolin“ enorm erfolgreich) und Chan Chuen wissen Chen Kuan-tai hervorragend in Szene zu setzten. Da wird in einer besonders eindrucksvollen Szene ein Fahrrad zur tödlichen Waffe, in den Kämpfen splittern Knochen und Autoscheiben, Chen Kuan-tai rast mit dem Motorrad durch eine Glasfront und beim großen Finale pflügt er sich blutend durch immer wieder neue Armeen des Feindes. Freunde harter Martial-Arts-Action kommen hier voll auf ihre Kosten.

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Vom Drehbuch her schwächelt der Film allerdings etwas. Die zahlreichen Nebenfiguren bleiben konturlos, eventuelle Hintergründe unbeleuchtet. Auch dem Protagonisten Qiu Lian-huan selber wird keinerlei Geschichte gegönnt. Er ist einfach plötzlich da. Wie er zu dem wurde was er ist, weshalb er die kriminelle Laufbahn einschlug und ihm sein Freund Lin Ken Sheng so treu ergeben ist, all dies wird nicht beantwortet. Dies muss es auch nicht zwangsläufig, denn der Film funktioniert auch so. Aber etwas mehr Tiefe hätte den Film möglicherweise auf eine andere Ebene heben können. Weg von der natürlich hervorragend gemachten Action-Unterhaltung, hin zu einem Gangster-Drama, welches sich etwas nachhaltiger im Gedächtnis verankert als „Der Mann mit der Tigerpranke“.

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„Der Mann mit der Tigerpranke“ ist ein sehr unterhaltsamer Film mit grandiosen Kampfszenen, dessen Drehbuch allerdings die Tiefe vermissen lässt, welche beispielsweise den Vorgänger „Der Pirat von Shantung“ zu einem Klassiker gemacht hat.

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„Der Mann mit der Tigerpranke“ ist die Nummer 4 der bisher vorzüglichen „Shaw Brothers Collector’s Edition“ aus dem Hause filmArt. Wie gewohnt erscheint der Film in einer Blu-ray/DVD-Kombi. Das Bild der Blu-ray ist wieder vorbildlich. Auch beim Ton bleiben keine Wünsche übrig. Neben sehr klarem Deutsch (gefiltert und ungefiltert) und Mandarin (mit ausblendbaren deutschen Untertiteln) Mono-Tonspuren, liegt noch eine alternative Musik- & Geräusche-Spur (tatsächlich ohne Sprache) vor. Interessant ist bei den drei Tonspuren, dass sie alle drei eine unterschiedliche Musikbegleitung und Geräusche habe. Die Musik der deutschen Version ist gut, doch der extrem funky Beat der Mandarin-Fassung ist ein wahrer Goldschatz. Das 12-seitige Booklet besteht aus einem kompletten Satz deutscher Aushangfotos. Außerdem hat das Mediabook ein Wendecover mit alternativem Cover. Von den obligatorischen Trailern abgesehen liegt sonst kein Bonusmaterial vor.

Blu-ray-Rezension: “Das Omen des Bösen”

Von , 5. September 2015 16:23

omendesboesenXu Nuo (Ti Lung) ist Vorarbeiter einer großen Baufirma. Diese gehört der jungen, attraktiven Witwe Luo Yin (Lily Li), die mehr als ein Auge auf Xu Nuo geworfen hat. Zu ihrem großen Verdruss, steht dieser aber treu zu seiner Verlobten Quming (Tien Ni). Luo Yin selber wird von dem schmierigen Jiajie (Lo Lieh) umworben, der es auf ihr Vermögen abgesehen hat. Als Jiajie trotz aller Bemühungen von Luo Yin herausgeworfen wird, wendet er sich an den Schwarzmagier Shian Mei (Ku Feng). Dieser versorgt Jiajie mit einem Liebestrank und tatsächlich scheint Jiajies Plan zunächst aufzugehen. Doch Luo Yin kommt schnell hinter seine List. Nun will sie selber Shian Meis Dienste in Anspruch nehmen, um an einen Zauber zu kommen, der Xu Nuo für immer an sie binden soll…

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Allgemein werden die Filme des legendären Shaw Brothers Studio immer gleich dem Genre des „Kung-Fu-Films“ zugerechnet. Aber natürlich waren sie auch in anderen Bereichen tätig, wie dem Musical oder der romantischen Komödie. Unter Fans genießen auch die von den Shaw Brothers produzierten Horrorfilme einen hohen Stellenwert. Einer der Wegbereiter dieses Genres war der 1975 entstandenen „Das Omen des Bösen“. Dieser fällt noch relativ harmlos aus, bedenkt man die herben Geschmacklosigkeiten, die in späteren Horror-Filmen der Shaws noch folgen sollten. Bei allzu zarten Gemütern mit Gewürm-Aversion dürfte jedoch auch „Das Omen des Bösen“ seine Wirkung nicht verfehlen. Denn hier kriecht und krabbelt es an allen Ecken und Enden. Gerne auch mal unter der Haut eines armen Opfers. Und die Anfangssequenz, in der ein böser Zauberer als Zutaten für seine Beschwörung den Kopf und die Bauchdecke einer gut abgehangenen Leiche nutzt, hat man so zur damaligen Zeit auch noch nicht oft gesehen. Daher dürfte „Das Omen des Bösen“ zur Zeit seiner Entstehung durchaus Ekel- und Skandalpotential gehabt haben.

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Für letzteres sorgt der überraschend deutliche Umgang mit der Sexualität. Dass es bei den Begehrlichkeiten der „Fluch-Besteller“ vor allem um die Befriedigung fleischlicher Gelüste geht, daran besteht nie ein Zweifel. Dies gilt auch für den bösen Zauberer Shian Mei, der von Ku Feng, trotz der Tatsache, dass er in einer Holzhütte im Wald lebt, durchaus weltmännisch dargestellt wird. Ku Feng spielt ihn mehr als alternativen Arzt, denn als waldschratiger Hexenmeister. Aber auch die respektabel erscheinende Fassade, kann Shian Meis wahre Gelüste nicht verbergen. Mit großen, gierigen Augen melkt er die Brüste der Frauen und steigt mit seiner Klientin nach einem Liebeszauber gleich höchst selbst ins Bett. Dem schmierigen Jiajie geht es zwar in erster Linie ums Geld, aber dass für ihn der Sex mit der reichen und attraktiven Luo Yin mit zum Gesamtpaket gehört, ist von vornherein klar. Luo Yin selber geht für einen gut aussehenden Liebessklaven sowieso sprichwörtlich über Leichen.

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Demgegenüber hängen die positiven Figuren der Geschichte Idee von Romantik und Liebe nach, sind aber gleichzeitig schrecklich langweilig und fade. Gegen die von Lily Li gespielte Schlange Luo Yin, kann die doch sehr bieder daherkommende Quming keinen Stich machen, selbst wenn sie von der gut aussehenden Tien Ni gespielt wird. Auch Ti Lung als Xu Nuo wirkt seltsam asexuell. Während er in seinen Martial-Arts-Rollen unter Chang Cheh und Chu Yuan immer eine Menge männliche Erotik mitbrachte, wirkt er hier leb- und lustlos wie Gummipuppe. Natürlich wird er unter dem Einfluss des Liebeszaubers zum willenlosen Sexsklaven, doch selbst hier wirkt er hölzern und von seinem sonstigen Charisma fehlt hier jede Spur. Entweder ist sein Xu Nuo lieb wie ein Teddy oder wird fluchbeladen zum steifen Zombie. Die einzige Figur auf Seiten der Guten, die so etwas wie eine Identifikationsfigur darstellt ist der gute Zauberer, der wie eine Mischung aus gutem Onkel und Weihnachtsmann daherkommt. Dass er den Bösen dann aber gleich haushoch überlegen ist, trägt zur Spannung der Geschichte allerdings nicht viel bei.

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In Szene gesetzt wurde „Das Omen des Bösen“ von Ho Meng Hua, eines der interessantesten Talente bei den Shaw Brothers. Als er in den 70ern anfing, für die Shaws die unglaublichsten Filme zu inszenieren, war er schon 50 und hatte seit 1958 unzählige Filme in den unterschiedlichsten Genres gedreht. Nun konzentrierte er sich zunächst auf Martial-Arts-Film, ließ hier aber schon seinen Sinn für das Ungewöhnliche, das seltsam Bizarre und die Extraportion Grausamkeit einfließen. Wie in „The Flying Guillotine“, den er 1975 drehte. Nach „Das Omen des Bösen“ stieg er rasch zu einem der führenden Horror-Regisseur der Shaw Brothers auf und lieferte mit dem unglaublichen „Black Magic 2“ – der bisher leider nicht in Deutschland erschienen ist – mit der gleichen Besetzung eine Fortsetzung ab, die das Original an Obskurität, Hysterie und Unappetitlichkeit klar in den Schatten stellt. Auch sein „Oily Maniac“ und die King-Kong-Variante „Der Koloss von Konga“ (mit Evelyne Kraft) fallen unter die Rubrik: Muss man gesehen haben, um es zu glauben. Was auch für sein 1984 entstandenes Spätwerk „The Rape After“ gilt.

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Der erste Film einer langen Reihe von „Black Magic“-inspirierten Filmen fällt vergleichsweise harmlos aus, bedenkt man, was da noch kommen sollte. Obwohl die Geschichte sehr vorhersehbar ist und sich die Helden als recht fade erweisen, können die Darstellungen auf Seiten der Bösen, sowie einige unangenehme Ekeleffekte den Film ohne große Langweile über die Zeit bringen.

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„Das Omen des Bösen“ ist der dritte Titel, den filmArt innerhalb ihrer Shaw-Brothers-Collection herausgebracht hat. Wieder in einer Blu-ray-/DVD-Kombo. Erfrischend, dass unter dem Logo der Shaw-Brothers einmal nicht das zu erwartende Kung-Fu-Epos, sondern auch einmal ein Film aus einem anderen Genre veröffentlicht wurde. Da gibt es ja noch eine ganze Menge zu entdecken, auch wenn die wenigsten dieser Filme es irgendwann einmal nach Deutschland geschafft hatten. Die Bildqualität ist wie gewohnt vom Feinsten. Es liegt die gute alte Kinosynchronisation (einmal gefiltert, einmal ungefiltert) vor, die sich zwar ab und zu in zeittypischen Schnoddrigkeiten verliert, ansonsten aber sehr angenehm zu hören ist. Des Weiteren ist auch die Mandarin-Tonspur mit dabei. Extras gibt es bis auf Trailer leider keine, dafür liegt ein nett anzusehendes Booklet mit dem kompletten Aushangfoto-Satz vor. Laut OFDb gibt es aber noch die VHS-Fassung (96:38 min) als Hidden Feature.

Blu-ray-Rezension: “Duell ohne Gnade”

Von , 16. Juli 2015 23:10

duellohnegnadeJen Chieh (Ti Lung) ist der Sohn eines mächtigen Bandenchefs im Hongkong der 20er Jahre. Nachdem seine Familie einen anderen Clan während einer Trauerfeier angegriffen hat, übt diese Rache. Jen Chiehs Vater (Yeung Chi-Hing) wird ermordet und er selber von seinen Stiefbrüdern überredet, die alleinige Verantwortung für das Massaker zu übernehmen, und ins Exil zu fliehen. Dort werden immer wieder heimtückische Anschläge auf Jen Chieh verübt, denen er aber jedes Mal entkommen kann. Nach einem Jahr kehrt er in die Heimat zurück, um herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet. Zuhause hat sich in der Zwischenzeit eine Menge getan. Sein Stiefbruder Jen Lin (Ku Feng) hat die Macht in der Familie übernommen und Jen Chiehs Verlobte Butterfly (Ping Wang) ins Bordell schaffen lassen. Zusammen mit seinem zweiten Stiefbruder (Chuen Yuen), einem alten Jugendfreund (Kang-Yeh Cheng) und einem geheimnisvollen Fremden (David Chiang), der einst im Dienst von Jen Chiehs Vater stand, plant Jen Chieh Rache zu nehmen…

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Unglaubliche 27 Filmen haben Regisseur Chang Che und seine beiden Hauptdarsteller Ti Lung und David Chiang in nur sieben Jahren zusammen gedreht. Dazu kommen noch die Filme, die jeweils nur einer oder zwei dieses „Iron Triangle“ gedreht haben. Da kann natürlich nicht jeder Film ein Meisterwerk wie „Das Schwert des gelben Tigers“ sein. Auch wenn „Duell ohne Gnade“ nicht zu den ganz großen Leistungen des „Iron Triangle“ zählt, so siedelt er sich aber locker im oberen Drittel an. Die Geschichte um den verratenen Bruder und seine Rache ist ebenso vorhersehbar, wie formelhaft. Doch Chang Cheh zaubert daraus mit leichter Hand wieder einmal eine rasante Geschichte, deren zahlreichen und vor allem blutigen Kämpfe so manche holzschnittartige Szene problemlos überspielt. Dass es sich hier nicht um einen Kung-Fu-Film im klassischen Sinne handelt, sondern die Auseinandersetzungen mit der blanken Klinge geführt werden und die Langmesser in Sekundentakt durch gegnerisches Fleisch schneiden, nutzt Chang Cheh die roten Fontänen natürlich als großen den Schauwert seiner Actionszenen.

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Der noch blutjunge und gutaussehende Ti Lung macht in mehr als einer Hinsicht eine gute Figur als Jen Chieh, dem loyalen Stiefbruder, der aufgrund einer Intrige ins Exil geschickt wird und dort seines Lebens nicht mehr sicher ist. Nicht nur in seinen zahlreichen Kampfszenen besticht er durch Eleganz und Athletik, auch sein solides Schauspieltalent ist gefragt. Ti Lung strahlt selbst in der Rolle des nach Rache dürstenden Jünglings die Ruhe und Würde aus, die später sein Markenzeichen wurde, und es ihm ohne Probleme ermöglichte, nach John Woos „Der City-Wolf“ seine Karriere bis weit über die 90er Jahre hinweg verlängerte. Demgegenüber gibt David Chiang den athletischen Draufgänger, welchen er in der Paarung mit Ti Lung immer verkörperte. Wobei sein geheimnisvoller Chiang Nan in diesem Film insbesondere durch einen erlesenen Kleidergeschmack und eine lässige Coolness gefällt. Gegenüber Ti Lung wirkt er aber trotzdem immer lausbubenhaft und die Beiden bilden in ihren Filmen daher oftmals ein Großer-Bruder-Kleiner-Bruder-Gespann. In „Duell ohne Gnade“ erscheint dieses Verhältnis zur Abwechslung aber einmal umgekehrt, da Chiangs Figur hier der ruhigere und abgeklärtere Part gegenüber dem heißblütigen Jen Chieh zufällt.

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Obwohl beide sich spät im Film in das titelgebende Duell miteinander stürzen, währt ihre Gegnerschaft nur kurz und ist von tiefem gegenseitigen Respekt geprägt. Wobei reiner Respekt ein Wort ist, welches nicht weit genug reicht. Tatsächlich wäre es korrekter hier von Liebe zu sprechen. Chang Chehs blutigen Epen hatten schon immer jenen homophilen Touch, welchen Cheh hier voll auslebt. Immer wieder werfen sich Lung und Chiang Blicke zu, die eine Geschichte hinter der Geschichte erzählen. Beide verzehren sich ganz offensichtlich nacheinander, können dies aber – der gesellschaftlichen, wie auch genre-immanenten Konventionen wegen – niemals zugeben. Doch in ihren Dialogen sind die beidseitigen Liebesbekundungen trotzdem kaum kaschiert. „Warum tötest Du mich nicht? Weil Du eine tiefe Sympathie für mich hegst. Ich hege auch eine tiefe Sympathie für Dich“. So die zumindest die deutsche Synchronisation. Da die Blicke dabei hier Bände sprechen, kann man davon ausgehen, dass der Originaltext ganz ähnliches gesagt wird. Nur im Kampf können sich Jen Chieh und Chiang Nan körperlich nahe sein. Und so sucht im großen Finale der eine immer wieder den anderen, möchte ihn greifen und mit ihm zusammen sein Leben aushauchen. Im Angesicht des Todes gönnt Chang Cheh den beiden Liebenden endlich die ganz großen Gefühle.

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Zuvor aber wird Jen Chieh eine Verlobte an die Seite gestellt. Sie zu seiner legitimen Frau zu machen, gilt dann zunächst auch Jen Chiehs ganzes Trachten. Für seine Butterfly lässt er sich einen großen Schmetterling auf die Brust stechen. Jener erhält im Laufe seines Exils Gesellschaft von einigen wirklich miesen Tattoos, wie einem schlecht gemalten Anker. Vielleicht der Hinweis auf eine Liebe im Hafen? Erklärt wird dies nicht. Als Jen Chieh seine Butterfly wiedersieht, arbeitet sie im Bordell. Und wenn sie sich für ihn auszieht, wirkt das nicht gerade so, als sei sie verzweifelt und mit Gewalt gezwungen worden. Erst als sie ihn erkennt, verwandelt sie sich wieder in das junge, verliebte Mädchen vom Anfang zurück. Und Jen Chieh akzeptiert dies fast sofort. Es will sie weiterhin zur Frau nehmen. Große Romantik oder das Bedürfnis, zur „richtigen Seite“ zu gehören? Inszeniert wird dies wie ersteres, die Ereignisse im letzten Drittel legen letzteres nahe. Interessant auch Jen Chiehs Verhältnis zu Hsiao Mao (gespielt von Kang-Yeh Cheng), einem alten Freund und treuen Weggefährten, den er am Ende mit einer von ihnen geretteten Frau fortschickt. Der enttäuschte Blick von Hsiao Mao und der gleichzeitig bewundernde Blick von Jen Chieh zu Chiang Nan erzählen hier eine ganz eigene Geschichte.

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Aber abgesehen von diesem – gar nicht so sehr – versteckten Kontext, funktioniert „Duell ohne Gnade“ natürlich auch als reiner Actionfilm. Chang Cheh hält das Tempo hoch und immer wieder krachen mit Messern oder sonstigen Waffen ausgestattete Gruppen aufeinander und müssen es Jen Chieh oder Chiang Nan abwechselnd es mit mehreren Gegner zugleich aufnehmen. Im Finale scheint sich dann ein schier unendlicher Strom an Feinden auf die beiden Helden zu ergießen. Auch in Sachen Brutalität hält sich Cheh, wie man es von ihm gewohnt ist, nicht zurück. Insbesondere die angedrohte Folter mit einem Gasbrenner und das anschließende Schicksal des Foltermeisters wirken noch heute unangenehm und sind ihrer Zeit an Drastik ein paar Jahre voraus. In diesen Szenen kann sich dann auch Kameramann Mu-To Kung auch fröhlich in bava-esken Farb- und Schattenspielen austoben und eine Atmosphäre wie in einem Horrorfilm schaffen. Dies gilt auch gerade für die anschließende Szene, in der Jen Chiehs Freunde dessen scheinbaren leblosen Körper in einem nebelverhangenen Wäldchen vor den Schergen der Bösen verteidigen. Hier wähnt man sich ob der artifiziellen Studiokulisse in einem der frühen Horrorfilme der legendären britischen Hammer-Studios.

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Ein früher Film des bewährten Teams Chang Che/Ti Lung/David Chiang, der auf einem hohen Niveau unterhält. Neben vielen blutigen Kämpfen und Szenen, die auch einem Horrorfilm entsprungen seien könnten, ist es Chang Cheh gelungen, noch eine tragische Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten mit eingeschmuggelt.

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Die Bild-Qualität dieser zweiten Folge in der filmArt-Reihe „Shaw Brothers Collector’s Edition“ besticht wie schon seine Vorgänger mit einer exzellenten Qualität, bei welcher der Zuschauer förmlich die kleinen Schweißperlen auf der Stirn der Kämpfenden sehen kann. Auf der Tonspur ist hier die sehr gute, deutsche Synchronisation mit Thomas Danneberg als Ti Lung und Arne Elsholtz als David Chiang zu empfehlen. Aber natürlich ist auch der Originalton mit deutschen Untertiteln mit an Bord. Extras gibt es bis auf eine Bildgalerie diverse Trailer leider keine, dafür liegt ein schmuckes Booklet mit dem deutschen Aushangfoto-Satz und Werberatschlägen bei. Ebenfalls mit im Paket ist eine DVD des Films enthalten, welches inhaltsgleich mit der Blu-ray ist. Von dieser DVD stammen die Screenshots im Text oben.

Blu-ray-Rezension: “Die tödlichen Zwei”

Von , 20. Januar 2015 21:24

tödlichen zweiDie mongolischen Unterdrücker haben den chinesischen Prinzen Kang, ein Mitglied der Sung-Dynastie, in ihre Gewalt gebracht. Alle Versuche, den Prinzen zu befreien waren bisher zum Scheitern verurteilt. Da erfährt der Patriot Pao (Ti Lung), dass der Prinz in einer Festung gefangen gehalten wird, die nur über eine marode, schier unüberquerbare Brücke einzunehmen ist. Allein der zwielichtige Yian Luyan besäße die Fähigkeit, die Brücke unbeschadet zu überqueren. Doch dieser ist bereits einen Handel mit den Mongolen eingegangen. Zufällig kreuzen sich aber die Wege Baos mit denen von Pien (David Chiang), einem ehemaliger Schulkamerad Yians, der diesem nicht nur überlegen ist, sondern auch bereit ist, sich der guten Sache anzuschließen…

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Lange Zeit waren die Hunderte von Filmen, welche die legendären Shaw Brothers Studios ab Ende der 50er bis Mitte der 80er Jahre produziert haben, nicht mehr zugänglich. Da das Studio selber, sich nicht um sein Erbe kümmerte, waren die Fans lange Zeit auf alte VHS-Kassetten angewiesen, wo sie sich dann zwischen den teilweise massiv gekürzten deutschen Fassungen im korrekten Bildformat und den zwar vollständigen, aber ins brutalste Pan&Scan gezwängte Fassungen aus den Niederlanden entscheiden konnten. Erst ab 2002 trat eine deutliche Verbesserung der Lage ein, als Celestial Pictures die originalen Negative, die sie 2000 den Shaw Brothers Studios abgekauft hatten, restaurierten und als DVDs zugänglich machten. In Deutschland war das Billig-Label „M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz“ der erste Nutznießer der Celestial-Versionen. Allerdings musste aus Lizenzgründen auf die vertraute alte Synchronisation verzichtet werden. Stattdessen wurde eine eigene, preisgünstig produzierte deutsche Tonspur hinzugefügt. Als nächstes waren dann Koch Media an der Reihe. Das vorbildliche Label brachte unter dem Titel „Shaw Brothers Collection“ zwei wunderschöne Boxen mit jeweils vier Filmen auf den Markt. Nun kümmert sich auch filmArt um das Shaw-Brothers-Erbe in Deutschland und hat als ersten Titel einer neuen Reihe namens „Shaw Brothers Collector’s Edition“ den Film „Die tödlichen Zwei“ veröffentlicht.

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„Die tödlichen Zwei“ zählt sicher nicht zu den besten Shaw-Brothers-Filmen. Dazu fehlt ihm Tiefe, Dramatik und epischer Atmen. Doch er vereint all die Elemente, die das Studio in den 70ern bei den Fans fernöstlicher Kampfkunst-Kost so beliebt gemacht hat. Schön choreographierte Kämpfe, ebenso spektakuläre, wie exotische Waffen, routinierte Darsteller und ein Hauch Mystik. Da der Film mit seinen 82 Minuten für Shaw-Brothers-Verhältnisse eine relativ kurze Laufzeit besitzt, konzentriert er sich ganz auf das, was das Publikum in solch einer Produktion sehen will: Schauwerte, die sich über farbenprächtige Kostüme und brutaler Action ausdrücken. Die Geschichte um die Befreiung des Prinzen aus den Klauen der mongolischen Herrscher ist dünn gesponnen und gibt nur den Faden vor, an den dann die einzelnen Actionsequenzen gehangen werden. Diese zeichnen sich durch eine für das Jahr 1971 ungewöhnlich hohe Blutrünstigkeit aus. So besitzt der von David Chiang gespielte Held eine Waffe, die einen Dorn mit Widerhaken durch die Körper der Gegner bohrt, was beim wieder Herausreißen zu hässlichen Wunden führt. Generell werden häufig Körper explizit durchbohrt und Kehlen durchgeschnitten. Der rote Saft tropft sehr oft zu Boden. Sei es von Ti Lungs überdimensionaler Doppelaxt oder aus den Wunden der tödlich Verletzten.

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„Die tödlichen Zwei“ nimmt dabei schon eine Tendenz vorweg, die sich später noch – vor allem in den Filmen, die Chang Cheh Ende des Jahrzehnts und in den frühen 80ern drehen sollte, noch verstärken wird. Die fantasievollen Gegner,die mit skurril-übertriebenen Waffen und Fähigkeiten ausgestattet sind. Wie die legendären „Five Venoms„, die im gleichnamigen Film (deutsch: „Die unbesiegbaren 5“) die Eigenschaften unterschiedlicher, giftiger Tiere besitzen. Und noch deutlicher die „Super Ninjas„, die ihre Gegner aus Bäumen, vom Himmel und aus dem Boden angreifen. Auch die Handlanger der Bösen in „Die tödlichen Zwei“ sind beinahe übermenschliche Wesen. Jeder von ihnen für eines der chinesischen fünf Elemente: Da gibt es die, vom beliebten Filmbösewicht Bolo Yeung gespielte „Flussschlange“, der in einer erinnerungswürdigen Szenen, seine Gegner auf einem Floss und im Fluss erledigt (Wasser). Der „Maulwurf“ gräbt sich ein und springt dann überraschend vor seinen Gegner aus dem Versteck (Erde). der Feuerdrache verschießt explodierende Kugeln (Feuer), ein anderer kämpft mit etwas, was wie rasiermesserscharfe Salatschüsseln aussieht (Metall) und der fünfte versteckt sich mit Vorliebe in Baumstämmen (Holz). Die Choreographie der Kämpfe stammt im Übrigen u.a. von Lau Kar-Leung, dem Regisseur solcher Klassiker wie „Die 36 Kammern der Shaolin„, „Drunken Master II“ oder „Tiger on the Beat„.

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Trotz allem muss man aber auch festhalten, dass bei allem Unterhaltungswert, das Drehbuch von I Kuan, der für die Shaw Brothers weit über 200 Filme – darunter auch zahllose zeitlose Klassiker – geskriptet hat, mit der heißen Nadel gestrickt ist. Dass keine der Figuren einen wirklichen Hintergrund hat, mag man da noch verschmerzen. Ti Lung und David Chiang sind solche Archetypen und harmonieren so gut zusammen, dass man keine näheren Erklärungen braucht, um zu verstehen, wer sie sind und welche Charaktereigenschaften sie mitbringen. Alle anderen Figuren bleiben aber trotz aller Farbenfrohheit, blass. Sie sind lediglich die Abziehbilder bekannter Stereotypen. Zudem agieren sie teilweise idiotisch. Als fünf von Ti Lungs Männern (die sich zuvor im Kampf als tapfer und loyal erwiesen haben) auf ihn an einer – wie es heißt unpassierbaren – Brücke warten sollen, haben sie nichts Besseres zu tun, als einer nach dem anderen zu versuchen, über den Abgrund zu spazieren. Dass dabei – trotz angepriesener Talente – einer nach dem Anderen in den Abgrund stürzt, hält die Anderen nicht davon ab, es ebenfalls zu versuchen. So trifft Ti Lung dann später auf eine arg dezimierte Truppe. Wobei es daraufhin sein erster Gedanken ist, es ebenfalls blindlings zu versuchen, über die tödliche Brücke zu gelangen. Auch die Geschichte mit der Karte, die jemand einem Gefangenen mit dem Fingernagel auf den Rücken gekratzt hat, lässt einen die Stirn kräuseln. Zudem hat sich I Kuan – vielleicht um seinen Drehbuch eine Komplexität vorzugaukeln, die es gar nicht besitzt – entschlossen, die erste Hälfte des Filmen nicht immer chronologisch, sondern in zahlreichen, aber unnötigen Rückblenden zu erzählen.

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Trotz einer zunächst unnötig komplizierten Erzählstruktur, fehlender Tiefe und einigen Ungereimtheiten, weiß „Die tödliche Zwei“ vorzüglich zu unterhalten. Was einerseits an dem, wie immer höchst charismatischen, Duo Lung und Chiang liegt. Aber auch an den überzeugend und bunten Kampfszenen, sowie den fantasievoll gezeichneten Gegnern. Bei einer überraschend kurzen Laufzeit von 82 Minuten, kommt trotz der dünnen Geschichte zu keinem Zeitpunkt Langweile auf.

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filmArt hat „Die tödlichen Zwei“ als Mediabook mit Blu-ray und DVD herausgebracht. Die Bildqualität der Blu-ray ist schlichtweg umwerfend. So habe ich noch nie einen Shaw-Brothers-Film noch nie gesehen. Das Bild ist so scharf, dass man bei den Schauspielern genau die überschminkte Kante sieht, an der die Perücken anfangen. Der Ton liegt in der alten Kinosynchronisation und auf Mandarin vor.  Die deutschen Untertitel folgen dabei der Mandarin-Fassung, nicht der deutschen Synchro.  Extras gibt es bis auf zwei Trailer soweit keine. Dem Mediabook liegt ein 20-seitiges Booklet bei, welches das komplette deutsche Werbematerial aus den 70er Jahren enthält. Auf dem Cover hat sich leider ein Fehler bei der Laufzeitangabe eingeschichen. Hier wird der Film mit 86 (BR) bzw. 82 (DVD) Minuten angebenen. Tasächlich sind es aber 82 (BR) und 78 (DVD). Insgesamt ist die „Shaw Brothers Collector’s Edition“ auf 10 Teile angelegt. Nach „Die tödlichen Zwei“ sollen in 2015 noch vier weitere Titel folgen. Zunächst „Duell ohne Gnade“, dann „Der gnadenlose Vollstrecker“, „Der Mann mit der Tigerpranke“ und ein Titel, auf den ich mich ganz besonders freue: „Das Omen des Bösen“.

Die Screenshots stammen von der DVD.

DVD-Rezension: „Shaw Brothers Collection Vol. 2“

Von , 4. Mai 2013 20:46

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Vor kurzem hat Koch Media die Fortsetzung ihrer erfolgreichen „Shaw Brothers Collection“ veröffentlicht. In der „Shaw Brothers Collection Vol. 2“ befinden sich fünf Filme aus der goldenen Zeit der legendären Shaw Brother Studios, die in den 70er Jahren die Filmindustrie in Hongkong beherrschten. Auch in Deutschland waren die Filme aus der Shaw-Brothers-Schmiede höchst erfolgreich. Zunächst in den Bahnhofskinos, dann auf den ersten Videokassetten.

Lange Zeit hielten die Shaw Brothers ihre Archive geschlossen, so dass die Filme erst sehr spät ihren Weg ins digitale Zeitalter fanden. Erst 2002 erschienen die ersten Titel in Hongkong bei Celestial Pictures auf DVD. In Deutschland wurden einige Titel aus dem Celestial-Fundus um 2005 herum bei MiB veröffentlicht. Allerdings mit einer neuen deutschen Synchronisation, da die Rechte für die alte Kino-Synchro scheinbar nicht vorlagen. Die billige neue Synchronisation bot den Fans dann auch guten Grund zur Klage. Koch Media bedient sich ebenfalls bei Celestial, was nicht schlecht ist, denn die von Celestial restaurierten Filme weisen allesamt eine hohe Bildqualität auf. Zudem ist nun die alte deutsche Kino-Synchro mit an Bord. Da es in den 70ern Praxis war, die „minderwertigen“ Kung-Fu-Filme auf bequeme 80 Minuten runter zu schneiden, fehlt gegenüber den Originalfassungen eine ganze Menge und hierfür gibt es auch keine deutsche Synchro. Dies gleicht Koch Media dadurch aus, dass für die „Leerstellen“ eine neue, professionelle Synchronisation erstellt wurde. Nun haben die Darsteller zwar zwei unterschiedliche Stimmen, doch es wurde darauf geachtet, dass die Unterschiede nicht allzu gravierend sind.

Als sechste DVD liegt der Box ein ganz besonderes Schmankerl bei. Dort finden sich alte Trailer zu 51 Shaw Brothers Titeln. Diese stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen. Mal 16:9 von 35mm Kopien, mal 4:3 von VHS-Kassetten. Dementsprechend variiert auch die Qualität erheblich (einige 35mm Kopien haben schon ein bewegtes Leben hinter sich oder sind sehr rotstichig), was dem Spaß aber keinen Abbruch tut.

Leider kann ich hier nur 4 der 5 Filme in der Box besprechen, da bei Koch Media (mal wieder) etwas beim zuschicken des Rezensionsexemplars schief gegangen ist und sich dort statt „Der Todesspeer der Shaolin“ der französische Thriller „Point Blank – Bedrohung im Schatten“ befand. Trotz mehrmaligen Anschreibens, konnte mir leider nicht die richtige DVD mit dem „Todesspeer“ zugeschickt werden, weshalb gerade dieser- bisher nicht in Deutschland veröffentlichte und von Koch Media daher komplett synchronisierte – Film in der Besprechung fehlt. Sehr ärgerlich, aber ich wollte Euch jetzt nicht deswegen die Review der Box komplett vorenthalten.

 

Marco Polo – Im Reiche des Kublai Khan (1975)

Im Jahre 1275 wird China von den Mongolen beherrscht. Der Venezianer Marco Polo (Richard Harrison) kommt an den Hof des Herrschers Kublai Khan (Li Tung-chuen), der das Erbe seines Großvaters Dschingis Khan verwaltet hat und China mit eiserner Faust beherrscht. Marco Polo gewinnt Kublais Vertrauen und wird von ihm in die Provinz Yangzhou geschickt, wo es noch einige chinesische Rebellen geben soll. Tatsächlich Weiter lesen 'DVD-Rezension: „Shaw Brothers Collection Vol. 2“'»

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