Nachrichten getagged: Filmfestival

Bericht vom 32. Braunschweig International Film Festival

Von , 14. November 2018 21:18

Das erste Mal seit acht Jahren waren ich endlich mal wieder auf mehr als nur einem Filmfestival. Nach Oldenburg und Bremen, folgte ich dem Ruf nach Braunschweig. Dort war ich schon im vergangenen Jahr zweimal nett eingeladen worden, aber zeitlich war das damals nicht machbar. Dieses Jahr hatte ich aber einen guten Grund allen Widrigkeiten zu trotzen und mich auf den Weg zu machen. Das 35 Millimeter – Retro-Filmmagazin, für das ich nicht nur regelmäßig schreiben, sondern auch seit Jahren die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs ausfülle, war erstmals Medienpartner des Festivals, hatte nicht nur eine Sonderausgabe für das Festival produziert und präsentierte in der Reihe „Pagan at Midnight“ einen Film. Zudem hatten einige Mitautoren ihr Kommen angekündigt, und ich freute mich besonders darauf, meinen Redaktionskollegen Christian Genzel, der ganz aus Salzburg angereist war, endlich mal persönlich kennenzulernen.

Freundlicherweise holte mich unser Chefredakteur Clemens Williges als „Privatchauffeur“ vom Hauptbahnhof ab und brachte mich zu meinem Redaktionskollegen und Mit-Delirianer Christoph Seeliger, bei dem ich über Nacht bleiben wollte. Christoph nahm mich auch gleich in Empfang und mir, wie man am Schnellsten von Kino zu Kino kommt. Nach einer Stärkung in dem Kino-Bistro „Abspann“ gingen wir dann erst einmal getrennt Weiter lesen 'Bericht vom 32. Braunschweig International Film Festival'»

Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 4. Oktober 2018 21:00

Seit dem letzten Jahr nehme ich ja auch immer noch den Sonntag beim Internationalen Filmfest in Oldenburg mit. Und wie im Vorjahr erwies sich dieser letzte Tag mal wieder als ausgesprochen entspannt. Die Gäste sind schon fast alle abgereist, das Publikum bereitet sich scheinbar auf den nächsten Arbeitstag vor und das Personal ist so wenige Stunden vor dem Ende des Festivals in einer erschöpften, aber glücklichen Stimmung. So wie bei einer tollen Party, wenn die Letzten morgens noch in der Küche rumhängen und sabbeln. Überall herrscht eine wunderbar lockere Atmosphäre. Und wie 2017 hielt dieser letzte Tag für mich sogar noch mein persönliches Highlight des Festivals bereit.

Blue My Mind – Den Film hatte ich erst gar nicht auf dem Schirm, bis ich gesehen habe, dass er auch auf dem Randfilm in Kassel läuft. Was ja durchaus eine gute Empfehlung ist. „Blue My Mind“ ist ein ganz klassischer Coming-Of-Age-Film, der langsam ins Übernatürliche driftet, um die körperliche und geistige Veränderung der pubertierenden Protagonistin, noch einmal deutlich zu unterstreichen. Ihr Gefühl des „Anderseins“ und nicht dorthin zu gehören, wo sie ist. Das ist jetzt auch nichts wirklich Neues und kennt man bereits gut aus diversen z.B. Werwolf-Filmen. Hier wird die junge Protagonistin aber nicht zum Wolf, sondern entwickelt einen seltsamen Heißhunger auf die Fische in Papis Aquarium, ihre Zehe wachsen zusammen und auf den Beinen erscheinen eklige Flecken. Wie gesagt, das kennt man irgendwie alles schon, trotzdem entfaltete der Film bei mir einen ganz gehörigen Sog.

Meine Mitzuschauer mochten den Film zwar auch, empfanden einige Stellen aber zu lang und repetitiv. Das Gefühl stellt sich bei mir gar nicht ein, denn ich war emotional immer ganz nahe dran an der Hauptfigur. Diese wird von der fantastischen Luna Wedler gegeben, die ihre Mia weniger spielte als vielmehr im besten Sinne des Wortes verkörpert. Völlig zu recht hat sie für ihre Performance den Schweizer Filmpreis als beste Schauspielerin gewonnen (daneben gewann „Blue My Mind“ noch in den Kategorien bester Film und bestes Drehbuch).

Ein Preis hätte aber auch Zoë Pastelle Holthuizen als Gianna mehr als verdient. Erst ist sie die Feindin, dann später die beste Freundin von Mia. Sie spielt dabei die leicht asoziale, dominante Bitch, die ihre Freundinnen aus der Outsider-Girls-Clique fest im Griff hat, ebenso perfekt, wie sie das leichte Aufbrechen des Zicken-Panzers zeigt, hinter der Vernetzbarkeit und die Sehnsucht nach Liebe durchschimmern. Der Weg von Aso-Zicke bis zur sich aufopfernden Freundin ist nicht als plötzlicher Bruch, sondern langsame, glaubhafte Entwicklung angelegt. Dass Gianni unterschwellig auch ein homoerotisches Interesse an Mia hegt, wird nicht dick aufgetragen, sondern schwingt ganz natürlich im Hintergrund mit, ohne sich allzu sehr in der Vordergrund zu drängen.

Die ganze Atmosphäre und der Wechsel von realistisch rauen Bildern und sinnlichen Komposition, von der drogengeschwängerten Partywelt der Mädchen-Clique und ihren coolen Mackern hin zu dem phantastischen Inhalt, erinnern stark an „Der Nachtmahr„, was ja eine gute Referenz ist. Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen, ich war immer bei Mia und von ihrem Schicksal tief bewegt. Und die wunderschönen, märchenhaften Schlussbilder waren dann noch das letzte Tüpfelchen auf dem „i“.

Vultures – Island ist ein kalter Ort. Und in Filmen wie „Vultures“ sinkt die Temperatur gleich noch einmal um ein paar Grad. Eine klassische Gangstergeschichte die, wie ich nach dem Film von einem Bekannten lernte, auch schon mal im „Tatort“ abgehandelt wurde. Eine junge, polnische Frau wird als „Maultier“ genutzt und muss Dutzende mit Rauschgift gefüllt Kondome schlucken, um diese von Schweden nach Reykjavik zu schmuggeln. Dummerweise wird ihr auf dem Flug schlecht, und von da an geht alles den Bach runter.

Initiiert wird der Deal von zwei Brüdern. Einer ein respektabler, aber eiskalter Anwalt mit Geldproblemen. Der andere gerade aus dem Knast entlassen und kriminell, aber durchaus mit Herz. Letzterer soll die junge Frau als unsichtbarer Schatten begleiten. Natürlich macht er Fehler, natürlich geht nichts nach Plan. Am Ende muss er sich mit ihr in einem Hotel verstecken, wo sie die Ware auskotzen soll. Aber es kommt nichts raus. Ihr geht es immer schlechter, die Kotz-Prozedur wird immer schmerzhafter, immer quälender. Derweil zieht sich das Netz um Beide zusammen. Weil sie einfach zu viel Fehler gemacht haben, aber auch weil der Zufall es so will. Zum Schluss gibt es nur noch Opfer und ein wahnsinnig zynisches Ende.

„Vultures“ ist hart und ist seinen Figuren gegenüber absolut mitleidlos. Wer einen Fehler macht, wird dafür doppelt und dreifach bestraft. Reykjavik erscheint wie der schrecklichste und trostloseste Platz auf Erden. Hier gibt es keine Hoffnung auf Besserung. Jedes kleine Licht im Dunkeln, wie die Liebe der von Anna Próchniak mehr oder weniger stumm gespielten jungen Polin Sofia zu ihrem Kind, oder das langsam immer stärker werden Verantwortungsgefühl Atils (Baltasar Breki Samper), wird auf brutale Art und Weise ausgeblasen. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass es zumindest eine der Figuren hier irgendwie heraus schafft – aber wie soll das gehen? Wenn selbst die Polizei keine Mittel hat, um Gerechtigkeit walten zu lassen.

Fazit: Der diesjährige Jahrgang des Internationalen Filmfests Oldenburg war sehr stark. Richtige Ausfälle gab es keine und der einzige Film, durch den ich mich kämpfen musste hat auf andere – deren Meinung ich schätze – durchaus Eindruck gemacht. Auffällig war für mich zunächst, dass immerhin ein Drittel der von mir gesehenen, starken Filme von Frauen stammte. Kurz nachgerechnet sind das aber immer noch nur drei. Was aber wohl über dem Durchschnitt im Filmgeschäft liegt. Noch ein Grund mehr, den Machern in Oldenburg für ihren ausgezeichneten Geschmack zu danken. Ich freue mich auf jeden Fall schon wieder auf das nächste Jahr.

Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 3. Oktober 2018 18:18

Auch der zweite Tag in Oldenburg gestaltete sich sehr angenehm. War ich am Vortag fast ausschließlich im Theaterhof gewesen, dessen Bestuhlung für einen längeren Aufenthalt nicht gerade ideal ist, war ich diesmal zunächst im sehr viel bequemeren cineK/Studio.

The Boat – Eine sehr, sehr langsam erzählte, von Petrus Cariry inszenierte Metapher aus Brasilien, über den Einbruch der Zivilisation in ein eigentlich glückliches, sorgenfreies Leben und der damit einhergehenden Verlockung der Moderne und Sehnsucht nach der Ferne. Das ist toll fotografiert mit einem wunderbar suggestiven Soundtrack. Die Bilder des an den Strand klatschenden Meeres, der Männer die ein Fischernetz durch die Gischt ziehen – überhaupt die Landschaft, das Meer – sind überwältigend schön und kraftvoll. Allerdings trägt diese ganze Metapher im Grunde nur einen Kurzfilm von maximal 20 Minuten, danach läuft sich der Film auf der inhaltlichen Ebene tot. Dadurch ziehen sich die 72 Minuten Spielzeit an vielen Stellen gewaltig.

Darauf muss man bereit sein, sich einzulassen und die inhaltliche Ebene weitgehend außer Acht lassen. Denn die ständigen Weiter lesen 'Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 2. Oktober 2018 12:27

Zum nunmehr bereits 25. Mal lud das Internationale Filmfest in Oldenburg ein.  Seit 2009 bin ich jetzt regelmäßig hier zu Gast, und noch nie bin ich enttäuscht nach Hause gekommen. Und so sollte es auch dieses Jahr wieder sein, welches zum entspanntesten Festivals der letzten Jahre wurde. Kein Stress, keine ausverkauften Filme, kein Gehetzte zwischen zwei Spielstätten und interessante, sympathische Gäste. Alles ganz easy und schnell geriet man in einen sehr angenehmen Flow. Unterstützt wurde dies in diesem Jahr auch wieder davon, dass ich mit vielen netten Menschen unterwegs war. Dass die Filme auch durch die Bank gut bis sehr gut waren (nur ein Film gefiel mir weniger, aber da war ich in der Minderheit) war dann natürlich das Sahnehäubchen. Ein in meinen Augen starker Jahrgang.

Los ging es im Casablanca. Mein Lieblingskino in Oldenburg und das mit Abstand bequemste. Leider bin ich hier in der Regel eher selten. Überhaupt verschlug es mich diesmal nur ein einziges Mal in diese Ecke von Oldenburg, den Rest des Festivals verbrachte ich in der Bahnhofstrasse, bequem zwischen Theaterhof und der Kulturetage pendelnd.

Is That You? – Vater, Mutter und Tochter wohnen in einem ärmlichen Haus irgendwo in der kubanischen Wildnis zusammen. Der Mutter ist es verboten das Haus zu verlassen. Ihre Füsse sind mit einem dünnen Band gefesselt, was es ihr unmöglich macht, sich anders als mit Tippelschritten zu bewegen. Der dominante und autoritäre Vater hat grunzenden Sex mit ihr und bestraft jedes kleine Aufbegehren. Die Tochter nimmt dies so hin, fragt den Vater ab und zu, ob die Mutter nicht wieder am Familienleben teilnehmen könne. Sie selber wird vom Vater geliebt und besucht mit ihm Baseballspiele und die Stadt. Als die Mutter einen Fluchtversuch versucht, spitzt sich die Lage zu.

Das kubanisches Familiendrama (eigentlich ein Kammerspiel mit vier Personen) entpuppt sich bald als psychologischer Horrorfilm, der einen immer mehr in den Bann zieht. Er Weiter lesen 'Bericht vom 25. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Bericht vom 4. Bremer Filmfest

Von , 27. September 2018 15:20

Nach vier Jahren ist das Filmfest Bremen zwar größer und länger geworden, gefunden hat es sich aber noch nicht. Wie ich bereits im Februar schrieb, erschließt sich mir das Konzept (sofern es eines gibt) nicht so recht. Anderen geht es da ganz ähnlich. Als ich mich in meinem cinephilen und durchaus festivalaffinen Umfeld umhörte, ob noch jemand mit zum Filmfest kommen würde, waren die Reaktionen unisono: „Nee, weiß auch gar nicht was das sein soll, und was da so läuft“. Eine kleine Stichprobe, gewiss. Aber wenn selbst Leute, welche zur potentiellen Zielgruppe eines Bremer Filmfests gehören, so reagieren, wie sieht das dann vor Ort aus? Ich war jetzt sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Gestartet als „Leistungsschau“ der Bremer Filmszene mit der strengen Vorgabe, dass alle Filme irgendwie mit Bremen verbunden sein müssen (was vielleicht maximal zwei Tage trägt, aber dort auch nicht unbedingt das „normale“ Publikum zieht), ist der Aspekt „Bremen“ noch immer wichtig. Was ich auch sehr gut finde, denn diese Regionalität ist schon ein Alleinstellungsmerkmal und Bremer Filmemacher können, ebenso wie der Produktions- und Drehort Bremen, einmal ins Rampenlicht treten.

Doch ein echtes Filmfest ist das so noch nicht. Das haben wohl auch die Macher erkannt und das Ganze erst auf drei und nun vier Tage und weit mehr Spielstätten ausgedehnt. Das ist löblich und zeigt, dass der Wille da ist, hier etwas Großes zu schaffen. Leider wirkt das Programm noch arg beliebig. Der lokale Schwerpunkt ist geblieben, was absolut zu begrüßen ist. Um sich das Prädikat „International“ umhängen zu können, wurden zwei neue Schienen eingeführt, wo auch internationale Filme ohne Bremen-bezug gezeigt werden. Einmal „Humor/Satire“, was zeigen soll, dass die als humorlos verschrienen Hanseaten auch anders können. Das wirkt auf mich aber eher wie „crowd pleasing“, um damit die „normalen“ Kinogänger und die – wie ich sie nenne – Arthaus-Weinschwenker-Fraktion abzuholen. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen, aber ein eigenständiges Profil erhält das Filmfest dadurch nicht.

Zumal neben der leichten Muse, der zweiter Strang dann gleich für eher experimentelles („Innovation“) Kino eingerichtet wurde. Was ich ebenfalls sehr gut finde, aber im Weiter lesen 'Bericht vom 4. Bremer Filmfest'»

Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 3

Von , 11. Februar 2018 14:39

Kaum zu glauben, aber wahr. Der letzte Tag des Ausflugs nach Düsseldorf war angebrochen. Es hieß die Sachen zusammenpacken und Abschied nehmen. Nach einem guten Frühstück (am Sonntag wurde sich scheinbar besondere Mühe gegeben), checkten wir aus und suchten uns in der Nähe des Kinos einen Parkplatz, um später so schnell wie möglich zur Autobahn zu gelangen. Schließlich mussten wir in Osnabrück pünktlich einen Zug bekommen und nach dem Stau während der Hinreise, wollten wir kein Risiko eingehen. Um 13:30 ging es auch schon los. Ich hätte erwartet, dass um diese Uhrzeit eher weniger Filmbegeisterte den weg aus dem Bett finden würden – aber die Black Box war so gut gefüllt, wie am ersten Tag. Wow.

So ein Windhund – Welch zauberhafte Überraschung! Von „So ein Windhund“ hatte ich vor der Ankündigung für das Mondo Bizarr noch nie etwas gehört. Zwar war mir der Film „Slalom“ ein Begriff, aber lediglich in Form seines wundervoll-catchy Titelsongs, der sich auf diversen meiner Ennio-Morricone-Samplern befindet. Und ja, ich dachte in der Tat immer, dabei würde es sich um einen reinen Skifahrer-Film handeln. Dass „Slalom“ eine Komödie im Eurospy-Gewand ist, die zum größten Teil in Ägypten spielt, war mir nicht bewusst. Auch nicht, dass „Slalom“ hierzulande als eben „So ein Windhund“ einen Kinostart hatte und – wie ich aus berufenem Munde erfuhr – als VHS im falschen Bildformat und mit grauenhaften Cover als „Das Geheimnis am Nil“ in deutschen Videotheken landete. Beim Mondo Bizarr sahen wir den Film im vollen Breitwandformat und in einer wundervollen, farbenfrohen 35mm-Kopie, die aussah, wie frisch gezogen und mitnichten so, als wäre sie über 50 Jahre alt.

Der Film beginnt tatsächlich in einem Ski-Gebiet und als locker-flockige Komödie um zwei Ehemänner mit großen Freiheitsdrang (Flirten, Flirten, Flirten), die immer wieder Mittel und Wege finden, sich von der vermeintlichen Knute des Ehejochs zu befreien. Gespielt werden die beiden Schwerenöter von Vittorio Gassman und – Überraschung – Schurken-Darsteller Adolfo Celi, der selben Jahr als Emilio Largo James Bond in „Feuerball“ das Leben schwer machte. Hier offenbart er eine herrliche komödiantische Ader. Gassman und er ergänzen sich vorzüglich und man fragt sich, warum die beiden nicht öfter zusammen gecastet wurden. Leider verschwindet Celi recht bald aus dem Film – beziehungsweise verschwindet Gassman aus dem Skigebiet und wird nach Ägypten entführt, wo der Film dann seine bondesque Wendung nimmt. Aus den Bond-Filmen kennt man auch die wunderschöne Daniela Bianchi, die hier eine wichtige, wenn auch leider eher kleine Rolle als zwielichtige Agentin inne hat.

Der gutaussehende Gassman ist wahnsinnig gut ins einer Rolle des notorischen Hallodris. Immer ein wenig großkotzig, selbstverliebt und unverschämt manövriert er sich spielend in aus den unmöglichsten Situationen, wobei er aber immer absolut sympathisch bleibt. Zeitweilig erinnert er da an Jean Dujardin in seiner Paraderolle als OSS 117. Unterstützt wird Gassmans perfekt getimtes Spiel von einer sehr guten und flotte deutschen Synchronisation durch die Hermes Studios, die gerade nicht auf brandtsche Kalauer setzt, sondern den Humor des Filmes übersetzt, ohne dabei im Klamauk zu enden. Wie generell gesagt werden muss, dass „So ein Windhund“ es mit spielerischer Leichtigkeit schafft, die Balance zwischen Komödie, Agententhriller und Action zu halten. Eine große Kunst, die häufig nicht gelingt.

Das größte „Geheimnis am Nil“ ist eigentlich, wieso dieser tolle und unglaublich unterhaltsame Film so ein Schattendasein führt, ja selbst Italofreunden fast gänzlich unbekannt ist. Hier sollte mal eines der einschlägigen Labels Abhilfe schaffen. Ich für meinen Teile habe mir jetzt erst einmal vorgenommen, mehr Vittorio-Gasman-Filme zu schauen. „Verliebt in scharfe Kurven“ liegt schon bereit.

Der Hongkong Cop – Wenn man schon fast vergessen hat, warum man vor 20 Jahren diese Actionfilme, die aus Hongkong in die deutschen Videotheken schwappten, so sehr geliebt hat, dann lohnt sich eine Auffrischung. Auch wenn sie einen ein wenig traurig stimmt, angesichts dessen, was heute so an Actionfilmen – auch aus Hongkong – zu uns kommt. Der Hongkong-Actionfilm hat sich immer mehr den amerikanischen Standards angepasst. Schnelle, verwirrende Schnitte, viel CGI und ein geleckter Look.

Zu der Zeit, als „Der Hongkong Cop“ entstand, waren die Zeiten rauer. Wenn hier gekämpft wird, hat man nicht das Gefühl, das Tempo und die Künste der Schauspieler würden nur im Schnitt entstehen, sondern, dass man the real deal vor sich hat. Die Actionsequenzen sind gerade deshalb so atemberaubend, weil sie richtig weh tun. Und der Schnitt (der hier ebenfalls ein hohes Tempo hat, aber nicht das Auge verwirrt) ist so perfekt gesetzt, dass er einen infernalischen Takt vorgibt, man aber jederzeit den Überblick behält und den Kampfkünsten der Kontrahenten mit offenem Mund folgt. Und natürlich ist da auch dieses übergroße Pathos und der naive Humor, was man sich heute gar nicht  mehr trauen würde.

„Hongkong Cop“ und Konsorten sind totales Bewegungskino. Die legitimen Nachfolger der frühen Action-Komiker, besonders eines Buster Keatons. Da ist man dann dankbar, dass dieser Dampfzug ab und zu anhält, um einem mit niedlichen Szenen wie die, in der Michael Wong (heißt im Film genauso, wie im richtigen Leben) der großartigen Michelle (auch hier sparte man sich einen Rollennamen und bekannte die Figur nach der atemberaubenden, hier noch sehr jungen Michelle Yeoh) auf nervig-plumper Weise den Hof macht, Raum zum Atmen zu geben. Dann setzt er sich wieder mit Vollkraft wieder in Bewegung und stürzt sich in die nächste überwältigende Schlacht. Und wenn einen dann die letzte Explosion aus dem Film geblasen hat, sitzt man dann mit einem seligen Lächeln im Saal und weiß, was Kino ist.

Endgame – „Endgame“ war bereits der zweite Joe-D’Amato-Film des Wochenendes, was mich ganz besonders freute. Auch hier zeigte sich, dass D’Amatos Filme im Kino eine ganz andere Wirkung entwickeln als Zuhause vor der Glotze. Man wird ihnen mehr ausgeliefert. Man lässt sich nicht ablenken, fummelt im Internet rum oder geht zwischendurch raus. Weshalb man sich auch mehr auf sie einlässt. Ich kann mir vorstellen, dass „Endgame“ – den ich hier das erste Mal sah – auf dem Bildschirm – oder noch schlimmer Laptop – von vielen als langweilig empfunden wird. Ja, D’Amato ist kein großer Action-Zauberer. Sein Kino ist nicht kinetisch, sondern beobachtend. Und so beobachtet D’Amato auch hier seine Figuren, wie sie durch eine Welt gehen, die nicht überall spektakulär ist, sondern zum größten Teil tatsächlich aus den immer gleichen Gängen und Kiesgruben besteht. Aber bei D’Amato hat dies einen besonderen Flow, auf den man sich einlassen muss. Tut man dies, wird man reichlich belohnt.

Hier sehen wir Al Cliver als schlechtgelaunten (Anti)Held Ron Shannon dabei zu, wie er sich von Punkt A nach Punkt B bewegt. Wobei wir sicher sein können, dass sich D’Amato für Punkt B wieder etwas besonderes ausgedacht hat. Eine Gruppe Mutanten mit Hundenasen; ein Fischmensch, der bei einer Vergewaltigung förmlich aus dem Mund laicht; verweste Leichen an den Ratten knabbern und vieles mehr. Mittendrin D’Amatos bevorzugten Schauspieler. Natürlich Laura Gemser (hier unter dem Pseudonym Moira Chen), der riesige George Eastman und ein schlafwandelnder Al Cliver, der sich bei fast jeder Szene, die etwas Bewegung erfordert, doublen lässt. Die Geschichte, die Elemente von „Das Millionenspiel“, „Mad Max 2“ und „Rollerball“ vereint, kann eine gewisse sozialkritische Intention zugute gehalten werden. Letztendlich ist sie aber nur der Motor, um D’Amatos morbide Wunderwelt zu durchqueren, die auf absurde Weise in sich vollkommen stimmig ist. Wenn man dann nach knackigen 80 Minuten wieder in die reale Welt entlassen wird, bereut man es fast. Aber mit dem Gedanken an den oben genannten Fischmenschen auch nur fast.

Und damit war der Mondo Bizarr Weekender nach drei Tagen und acht Filmen vorbei. Zeit für ein Resümee. Die Veranstaltung hat mir ausgesprochen gut gefallen, was nicht nur an meiner tollen Reisegruppe lag, sondern am Publikum und Veranstalter insgesamt. Es war wunderbar zu sehen, wie viele Leute sich für diese Art von Festivals begeistern können. Es herrschte eine freundlich-positive Stimmung. Gerade bei solchen Sachen besteht ja immer die Gefahr, dass Schlefaz-Jünger angelockt werden, die erbarmungslos Quatschen, wie besoffen Gröhlen und das Ganze als „Trash“ abfeiern. Das war hier überhaupt nicht der Fall. Zwar wurde auch hier herzhaft gelacht. Aber immer MIT dem Film, nicht über ihn. Man fühlte sich also wie Zuhause und inmitten einer großen Familie. Auch sehr schön: Die sehr sympathischen und interessanten Einführungen von Oliver Nöding und Marc Ewerts, der den – wie ich finde sehr schönen und passenden – Begriff des „Atmosphärefilms“ schuf, den ich gerne übernehme. Und auch mein Kompliment an alle Leute hinter den Kulissen, die für einen perfekten Ablauf sorgten. Danke dafür, und ich sage einfach mal: Bis zum nächsten Jahr!

Unsere Reisegruppe sprang nach dem letzten Film schnell ins Auto und unser Helldriver brachte uns in Rekordgeschwindigkeit nach Osnabrück, wo wir noch genug Zeit für eine kleine Stärkung hatten, bevor wir in den Regionalzug nach Bremen stiegen. Dort kamen wir auch pünktlich an, so dass ich nahtlos in die Nachtlinie umsteigen konnte und um 0:15 Uhr erschöpft, aber glücklich die Haustür hinter mir schloss.

Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 2

Von , 10. Februar 2018 00:51

Der zweite Tage begann so entspannt, wie lange schon nicht mehr. Bis weit nach 9 im Bett liegen – wie lange musste ich auf diesen Luxus schon verzichten. Nach einem durchaus akzeptablen Frühstück (vom Gummibrötchen abgesehen), trennte sich unsere freundliche Reisegruppe auf in diejenigen, die ein wenig Kultur tanken und die örtlichen Galerien besuchen wollten, und denjenigen, welche ihr Geld beim Saturn für Filme auf den Kopf hauten. Ich schreibe jetzt mal nicht, zu welcher Gruppe ich gehörte. Nach einer kurzen Stippvisite im tollen Plattenladen Hitsville (Empfehlung!), kam man wieder zu einem gemeinsamen Mittagessen bei einem guten Lateinamerikaner namens Palito zusammen. Überraschenderweise war das Essen wirklich lecker und gar nicht mal so teuer. Ein echter Hingucker waren aber die Toiletten, die einem nicht nur durch Jesus- und Maria-Ikonen den Weg zu Männlein und Weiblein wiesen, sondern auch sonst mit so viel liebevollen Religionskitsch vollgestopft waren, dass man sich wirklich plötzlich in einer anderen Welt wähnte. Und die golden Seifenspender habe ich da noch nicht mal gesehen.

Zurück in der bereits gut gefüllten Black Box forderte das gute, reichhaltige Essen dann auch gleich seinen Tribut. Den ersten Film des Tages, den schönen „Die Brut des Teufels“ verschlief ich dann auch halb. Dabei hatte ich mich doch so gefreut, zum ersten Mal einen Godzilla-Film von einer 35mm-Kopie auf der großen Leinwand zu sehen. Doch nach 20 Minuten fielen mir das erste Mal die Augen zu. Der Kampf gegen Morpheus Arme war dann auch gewaltiger als der von Godzilla gegen den Titanosaurus und Mecha-Godzilla. Das Treiben auf der Leinwand bekam ich nur noch bruchstückhaft mit. Wie gut, dass ich den Film in den letzten 12 Monaten jetzt bereits zum dritten Mal sah. So kann ich an dieser Stelle auf meine Besprechung der sehr empfehlenswerten Anolis-DVD verweisen, die der geneigte Leser hier findet.

Nach dem Film dann erst mal raus an die frische Luft und reichlich von dieser stark koffeinhaltigen Cola reingekippt. Den restlichen Tag überstand ich dann auch ohne größere Ausfälle.

Das blutige Schloss der lebenden Leichen – Bei diesem französischen Film aus dem Jahre 1969 hat die deutsche Titelschmiede wieder viel Kreativität bewiesen. Hierbei handelt es sich mitnichten um einen Zombiefilm. Eher führt die Spur Richtung Franju („Augen ohne Gesicht„) und Rollin (auch, wenn der erst später dran war). Mit etwas gutem Willen kann man vielleicht von einer lebenden Leiche sprechen, denn die Damen des Schlosses würde für den Rest der Welt für tot erklärt. Ist also durchaus so etwas wie eine lebende Leiche und blutig geht es im Schloss auch vor sich.

Inszeniert wurde die Sause von der späteren Porno-Legende Claude Mulot, der unter dem Pseudonym Frédéric Lansac solche Flutschfilm-Klassiker wie „Pussy Talk“ oder „Les petites écolières“ inszenierte, Ich hatte ja früher immer geglaubt, dass „Lansac“ die Verballhornung eines „langen Sacks“ wäre. Im „ blutigen Schloss“ traf ich aber nun den echten Frédéric Lansac. Dies ist nämlich der Name der Hauptfigur. Einem erfolgreichen Maler, dessen Leben ziemlich schnell bergab geht, nachdem seine geliebte junge Ehefrau einem schrecklichen Feuerunfall zum Opfer fällt. Nicht unbeteiligt daran ist die schöne Elizabeth Teissier, die hier leider einen kurzen, wenn auch erinnerungswürdigen Auftritt hat. Ebenfalls dabei sind Howard Vernon („Oh, Professor Römer“ „Rohmer!“) und zwei Zwerge.

Letztere führen den Film schnellen Schrittes in die Sphären der Dwarfploitation. Igor und Olaf tauchen immer wieder auf, um junge Frauen (und den Zuschauer) zu erschrecken. Warum die Armen in Felle gekleidet sind und wie Hunde vor dem Kamin schlafen müssen, wird nicht wirklich geklärt. Scheinbar waren Lansacs Eltern zwar so nett, die Beiden vor einer Steinigung zu retten, nicht jedoch so barmherzig, um sie wie normale Menschen zu behandeln. Kein Wunder also, dass Igor und Olaf manchmal recht merkwürdige Gewohnheiten an den Tag legen. Wie z.B. Mädchen mit der Axt durch den Wald zu verfolgen. Ihr „Herr“ Lansac findet an diesem Treiben auch nichts ungewöhnliches und wird nur sauer, als sie einer potentiellen Gesichtshautspenderin nach einem Vergewaltigungsversuch das Antlitz zertrümmern. Nein, Mulot nimmt hier keine Gefangenen und inszeniert seine krude Geschichte mit viel Schmackes. So wird einem auch keine Sekunde langweilig, auch wenn die meisten Darsteller keinen Hehl daraus machen, dass sie auch nicht genau wissen, wie sie da rein geraten sind.

Mulot beweist hier auch bereits sein gutes Auge für schöne, stimmungsvolle Bilder und dem in Szene setzen weiblicher Schönheit. Es gibt sogar einige sehr gelungene Szenen, wie die in der ein potentielles Opfer seine Augen öffnet und sich gleich einem Erhängten gegenüber sieht oder eine tieftraurige Einstellung in der einer der Zwerge seinen toten Bruder betrauert. In erster Linie stehen aber Nacktheit und blutige Schockeffekte im Vordergrund. Alles unterlegt mit einer betörenden Melodie aus der Feder Jean-Pierre Dorsays, die auch nach der x-ten Wiederholung noch immer Balsam für die Seele ist. Hauptdarsteller Philippe Lemaire war in den 40er und 50er Jahren ein gefragter romantischer Held des französischen Kinos, und man merkt ihm an, dass er diesen Zeiten hinterher trauert. Seine verbrutzelte Frau wird von der wunderhübschen Anny Duperey gegeben, die einst bei Godard ihre erste Rolle hatte und später nicht nur neben Al Pacino in „Bobby Deerfield“ eine Hauptrolle spielte, sondern auch die Original-“Frau in Rot“ in „Ein Elefant irrt sich gewaltig“ war. Ein schöner Film, der zwar weit weg von der Meisterklasse ist, aber trotzdem viel Freude bereitet.

„Der saftige Überraschungsfilm“ – Als solcher wurde ein berüchtigtes Werk angekündigt, welches es in Deutschland nicht besonders einfach hat, weshalb ich den Titel hier nicht direkt nenne. Ein Klick auf den Link könnte aber Aufschluss bringen. Das Werk, in dem es um einen griechischen Millionär geht, welcher nach einem traumatischen Erlebnis an Bord eines Rettungsbootes unbändigen Hunger auf Menschenfleisch entwickelt und seine Heimatinsel leer frisst, dürfte eh jedem – zumindest dem Namen nach – bekannt sein.

Ich durfte dieses Werk bereits vor acht Jahren beim ersten Deliria-Italinao.de-Forentreffen im B-Movie in Hamburg bestaunen. Natürlich kannte ich den Film schon von einer alten VHS-Kopie. Auf Video war ich damals schon erstaunt, wie wirkungsvoll der Film war, fand aber die ungeheuren Splatterszenen eher störend. Jahre später im B-Movie war ich dann gänzlich gefangen von der unheilvollen Atmosphäre des Filmes, der auf der Leinwand noch besser funktioniert als im Heimkino. Auch die berüchtigten Szenen, die einst zentraler Punkt einer wahren Hysterie gegen Videofilme (nicht nur hierzulande, sondern auch in England) waren, empfand ich nicht mehr als Fremdkörper. Nun, da ich den Film ein drittes Mal und nochmals von der tollen 35mm-Kopie sah, die ich schon in Hamburg bewundern durfte und die nach acht Jahren kaum etwas von ihrem Glanz eingebüßt hatte, muss ich sagen, dass diese Szenen sogar immanent wichtig sind.

In der ersten Hälfte wird eine derartig dichte Atmosphäre aufgebaut, dass es kaum zu ertragen ist. Eine Dame bugsierte ihre männliche Begleitung hier bereits mit den Worten „Ich habe solche Angst“ aus dem Saal. Alles ist ein Vorbote auf die unaussprechlichen Gräuel, die da kommen. Unterstützt von Marcello Giombinis enervierenden Synthie-Musik, die irgendwie schräg, falsch und bedrohlich wirkt. Unter die Oberfläche der scheinbar harmlosen Bilder, hat sich bereits etwas Krankes, ganz und gar Ungutes geschlichen.

In der wie immer hervorragenden Einleitung von Oliver Nöding (und auch den Gesprächen vor dem Film) wurde betont, dass gerade die erste halbe Stunde des Filmes sich ziemlich ziehen würde und im Grunde recht langweilig sei. Dies empfand ich gar nicht so. Im Gegenteil, die Reisegesellschaft (die so gar nichts von den überdreht fröhlichen, spät-pubertierenden Teenies der amerikanischen Splatter-Pendants hat) ist nicht gerade ein Ausbund an Fröhlichkeit, sondern scheint bereits von einer Ahnung durchtränkt, dass sie sich geradewegs auf dem Weg in eine grausame Hölle befinden.

Die Szenen in der menschenleeren Küstenstadt fand ich schon bei der Erstsichtung sehr beklemmend. Hier steigerte sich das Gefühl noch und beim ersten Höhepunkt (die Attacke des blinden Mädchens) bin ich ein paar Zentimeter im Sitz hochgesprungen, obwohl ich wusste was kommt. Überhaupt fiel mir jetzt auch wieder auf, wie meisterlich der erste Auftritt des Anthrophagus inszeniert ist. Wie intensiv er sich in die Netzhaut brennt. Ein Bild und Ton gewordener Albtraum. Wenn sich dann die fragile Gruppe langsam auflöst, die schreckliche Bedrohung durch den von George Eastman als unaufhaltsame Naturgewalt verkörperten Menschenfresser förmlich körperlich spürbar ist und sich die Handlung in eine verlassene, einem furchtbaren Traum entsprungene Villa verlegt, ist es nur folgerichtig, dass der Film mit den größtmöglichen visuellen und auditiven Schocks endet.

Nach dem Film war ich erst einmal geplättet und spürte diese Folgen dieser permanente Anspannung und drückenden Bedrohung tief in den Knochen. D’Amatos Werk ist ein Terrorfilm reinsten Wassers. Ein Film, der einem nicht nur auf einer psychischen Ebene attackiert, sondern der auch körperlich fühlbar ist.

Um den Film zu verdauen ging es erst einmal in trauter Runde in eine nahe Cocktail-Bar, die scheinbar schon häufig nach solchen Events besucht wurde. Dort war es auch sehr nett, die Getränke bezahlbar und augenscheinlich hatten sich bereits mehrere Gruppe direkt aus der Black Box kommend dort niedergelassen. Was leider auch bedeutete, dass kaum noch Plätze und vor allem nicht für größere Gruppen vorhanden waren. Doch ein aufmerksamer Mitarbeiter arrangierte etwas und so fand noch jeder eine Sitzgelegenheit. Leider wurde die Gruppe dadurch auseinandergezogen, was ich im Nachhinein sehr bedauere, denn ich hätte eigentlich auch ganz gerne noch mit ein paar anderen Leuten geschnackt/kennengelernt. Aber auch so war es ein sehr heiterer und gut gelaunter Abend. Nach einem Spaziergang am Rhein entlang kamen wir auch wieder gut im Hotel an und konnten dort Kraft für den letzten Tag sammeln.

Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 1

Von , 7. Februar 2018 23:33

Am vergangenen Wochenende machte ich mich mit einer sehr netten Truppe aus Bremen, Kirchweyhe und Herford auf den Weg ins karnevaleske Düsseldorf. Aber mitnichten, um diesem seltsamen närrischen Treiben beizuwohnen, sondern um an einer der schönsten Kinoveranstaltungen des Jahres teilzunehmen: Dem vierten „Mondo Bizarr Weekender“ in dem Kino Black Box, welches sich im schönen Filmmuseum Düsseldorf befindet. Uns erwarteten acht Filme aus aller Welt, die in den 60er, 70er und frühen 80er Jahren in die deutschen (Bahnhofs-)Kinos kamen. Alles natürlich stilecht als 35mm-Kopien. Ein Traum für jeden Filmfreund, der ein großen Flecken in seinem Herzen für die buckeligen Wege neben der gut asphaltierten Kanon-Filmgeschichte hat.

Der „Mondo Bizarr Weekender“ ging drei Tage, und unsere gut gelaunte Reisegruppe war im Hotel Kastens untergekommen, welches ich schon von unserem Deliria-Italiano.de-Forentreffen vor zwei Jahren gut kannte. Das Kastens schien generell das bevorzugte Hotel der von weiter weg kommenden „Mondo“-Gäste zu sein. Zumindest sah man morgens im Frühstücksraum bekannte Gesichter und unzählige männliche Gäste in thematisch gut abgestimmten T-Shirts. Zur Black Box ist es auch nicht weit, und so waren wir trotz eines langen Staus im Ruhrgebiet pünktlich und sogar noch beim Libanesen um die Ecke gut gestärkt im Kino. Am Freitag lief zunächst ein Double-Feature.

Argoman – Der fantastische Supermann – Man hätte das kleine Festival der guten Laune nicht besser starten können als mit diesem bunten Superheldenfilm aus dem wundervollen Italien. „Argoman“ war Teil einer kleiner Superhelden-Welle Ende der 60er Jahre, die weniger an Marvel und Konsorten, sondern eher an die italienischen Fumetti erinnerten. Dementsprechend hat Argoman zwar Superkräfte, befindet sich aber näher an seinem schurkischen Kollegen Diabolik und den damals populären Agentenfilmen.

Argomans Kraft ist Telekinese. Einmal nutzt er diese, um eine hinreißende Brünette samt ihres Hoovercrafts auf seine luxuriöse Insel zu bringen. Keine gute Idee, denn nach dem Sex verliert unser Held seine Kräfte immer für sechs Stunden. Was sein treuer Diener (Schurken- und Patriachendarsteller Eduardo Fajardo mit Bräunungscreme und Turban) minutiös protokolliert. Argoman heißt in zivil Sir Reginald Hoover und wird von dem Amerikaner Roger Browne gespielt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Barbies Ken aufweist und über ähnliche schauspielerische Fähigkeiten verfügt. Browne ist auch der Schwachpunkt des Filmes, denn sein stets siegesgewiss grinsender, extrem übergriffiger Sir Reginald besitzt weder Charme, noch besonders viele Sympathiepunkte. Eigentlich muss man sogar sagen, dass man dem schmierigen Gockel von Herzen unsympathisch findet. Ihm wird Jenabell, die „Königin der Welt“ gegenübergestellt. Gespielt von der schönen Dominique Boschero, die in jeder Szene ein neues, extravagantes Kostüm trägt und weitaus mehr Präsenz verspürt als unser Argoman.

Die Geschichte ist zwar unnötig kompliziert erzählt, aber wunderschön gefilmt und voller herrlichem Zeitkolorit. Regisseur Sergio Grieco ist hier noch sehr viel dichter an seinen vielen ebenfalls unter dem Pseudonym Terence Hathaway gedrehten James-Bond-Rip-Offs als an seinem rauen Meisterwerk „Der Tollwütige“. „Argoman“ ist zu keiner Sekunde langweilig. Man greift sich zwar des öfteren an den Kopf und auch die ein oder andere sexistische Szene lässt einem heutzutage den Magen grummeln, aber man ist durchaus bereit, dies dem bunten Film zu verzeihen, der eben ein typisches Kind seiner Zeit ist. Untermalt von der fluffigen Musik eines Piero Umiliani lässt man den farbenfrohen Bilderreigen über sich hinweg rauschen und ist am Ende dann ein wenig in Dominique Boschero verliebt.

Planet des Schreckens – Auf diese Roger-Corman-Produktion hatte ich mich sehr gefreut. Hatte ich doch kurz zuvor den schwer unterhaltsamen „Mutant“ gesehen, der teilweise in denselben Kulissen entstand. Leider konnte mich dieser Planet nicht ganz überzeugen. Vielleicht waren einfach die Erwartungen zu hoch. Vielleicht tat der Schlaf, der mich zu dieser späten Stunde immer wieder übermannte sein übriges. Vielleicht muss ich mich noch einmal in die „Galaxy of Terror“ schießen lassen, um dem Film gerecht zu werden. So bleibt ein ziemlich „krauchiger“ Film, der ewig braucht, um in Fahrt zu kommen und sich immer wieder in seine eigene, von „Alarm im Weltraum“ inspirierte Geschichte verheddert.

Oftmals hat man das Gefühl, dass die Macher um Regisseur Bruce D. Clark selber nicht so recht wussten, worum es eigentlich gehen soll und manche Szenen einfach so entlang des Weges improvisiert wurden. Egal, ob sie nun in den Handlungsfaden passen oder nicht. Es scheint fast so, als ob jemand die Idee hatte, wie das wohl wäre, wenn eine attraktive Frau von einer riesigen Made vergewaltigt würde – und sich dann angestrengt eine Handlung drumherum ausgedacht hätte. So bleibt der Film leider Stückwerk, welches sich um jede nachvollziehbare Logik einen Dreck schert.

Was bleibt sind die fantastischen Kulissen, die ein junger James Cameron aus alten Pappkartons und Spucke gezaubert hat, und die von Kameramann Jacques Haitkin (später auch bei Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ und dessen Fortsetzung als „Director of Photography“ hinter der Kamera, heute an großen Produktionen wie den Marvel-Filmen, Fast&Furious-Serie oder „Kong“ beteiligt) beeindruckend eingefangen wurden. Ja, „Planet des Schreckens“ sieht einfach toll aus. Er besitzt auch einige bemerkenswerte Szenen (wie Robert Englunds Kampf gegen sich selber oder eben die schon erwähnte Madenszene), die aber zusammen nicht wirklich ein Ganzes ergeben. Da können auch die gern gesehen Schauspieler, wie Grace Zabriskie (die schon als junge Frau sehr creepy aussah), Robert „Freddy“ Englund, die großartige Fresse Sid Haig und Ray Walston nicht viel ausrichten. Die Helden bleiben demgegenüber sehr blass und der spätere Produzent von stylischer 80s Erotik, Zalman King, darf over-acten und so ekelhaft blöd daher kommen, dass gerade sein Kotzbrocken Baelon ganz besonders im Gedächnis bleibt. Schade. Aber durchaus einen zweiten Blick wert. Irgendwann.

Insgesamt aber ein toller Auftakt, der viel für das weitere Wochenende versprach. Ein Wort noch zu den 35mm-Kopien. Diese waren absolut tadellos und sahen einfach fantastisch aus. Nach dem Kino suchten wir noch eine nette Schänke, um in einer kleinen Gruppe das Gesehene zu verarbeiten. Doch seltsamerweise werden in Düsseldorf Freitags nach Mitternacht die Bürgersteige hochgeklappt. Wir fanden schließlich noch eine recht großes Gasthaus, welches aber nach – mit für Düsseldorf scheinbar typisch rauer Herzlichkeit ausgeführten – Ausschank auch schon bald die Pforten schloss. Also ab ins Hotel und Schlaf für den folgenden Tag tanken.

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 28. Oktober 2017 12:15

Erstmals war ich auch an einem Sonntag in Oldenburg. Die Jahre zuvor hatte ich auf diesen Tag immer verzichtet, um mich Zuhause von dem Film-Marathon zu erholen, bevor es Montags wieder ins Büro geht. Diesmal aber hatte ich den Sonntag schon für R.P. Kahls „A Thought of Ecstasy“ reserviert, für den es ja zu meiner großen Enttäuschung aber keine Karten mehr gab. Da jetzt der Sonntag schon einmal fest eingeplant war, disponierte ich eben um. Und als ich sah, dass noch einmal „Junk Head“ lief, den ich zuvor verpasst hatte, war klar, wie mein neuer Plan aussah. Unterwegs war ich wieder mit einem Weird-Xperience-Partner Stefan, der diesmal auch die Chauffeurs-Rolle übernahm. In Oldenburg trennten wir uns dann, den während ich mich für den irischen Gefängnisausbruchs-Film „Maze“ im cineK-Studio entschieden hatte, ging Stefan in den indonesischen Film „Marlina the Murderer in Four Acts“, was im Nachhinein auch die bessere Wahl war, obwohl „Maze“ nun wahrlich nicht schlecht war.

MAZE – „Maze“ beruht auf wahren Ereignissen und zeigt den Massenausbruch von 38 IRA-Kämpfern aus einem britischen Hochsicherheitsgefängnis. Wenn man so will, könnte man „Maze“ als so etwas wie das Sequel zu Steve McQueens preisgekrönten Drama „Hunger“ bezeichnen, denn er schließt direkt an die dort gezeigten Ereignisse an. Die Hauptfigur Larry Marley, welche in der Folge das Mastermind hinter dem Ausbruch werden soll, gehörte nämlich ebenfalls zu den IRA-Kämpfern, die sich in britischer Haft zu Tode gehungert haben. Nur, dass Marley diese Aktion überlebte, weshalb er an großen Schuldgefühlen leidet und Opfer gezielter Beleidigungen sowohl der britischen, als auch der irischen Seite wird. Denn nach seiner Einlieferung in das Hochsicherheitsgefängnis, muss er feststellen, dass britische und irische Häftlinge in einem Block untergebracht sind, was zu massiven Streitigkeiten und Spannungen führt.

Regisseur Stephen Burke nimmt dies aber nicht zum Anlass für spektakuläre und blutige Szenen, sondern inszeniert seine Geschichte ruhig und manchmal etwas unterkühlt. Dabei konzentriert er sich ganz auf die Beziehung zwischen dem brillant von Tom Vaughan-Lawlor verkörperten Larry Marley und dem Gefängniswärter Gordon Close, den Marley skrupellos für seine Zwecke ausnutzt. Wobei Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3'»

Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 27. Oktober 2017 06:41

Der zweite Tag auf dem 24. Internationalen Filmfest Oldenburg begann weitaus ruhiger als der chaotische Vortag. Diesmal war ich allein unterwegs, aber so früh in Bremen losgefahren, dass mich selbst die langwierige Parkplatzsuche nicht aus der Ruhe bringen konnte. Schnell wurden noch die letzten Tickets gekauft, dann glitt ich ganz entspannt in den Kinosessel des kleinen cineK Muvi, um mit einem amerikanischen Independent-Film in den Tag zu starten.

A VIOLENT MAN – „A Violent Man“ ein Film, der irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Ein kleiner B-Film, ein Neo-Noir, ein Film, der in den 40er Jahren wohl als Double-Feature gelaufen wäre. Regisseur Matthew Berkowitz nahm sich dann auch seinen Lieblings-Noir „Ein einsamer Ort“, ebenso wie Fitz Langs „Strasse der Versuchung“ (von dem im Film dezent ein Plakat platziert wurde) zum Vorbild, und lässt lange offen, ob nun sein beschädigter Held nun Opfer oder Täter ist. Angesiedelt hat er seinen Film ganz klassisch in der undurchsichtigen Welt des Boxsports, die upgedated als Mix Martial Arts (MMA). Ein MMA-Fighter wird in die schmutzige Welt hinter den Kulissen hineingezogen und in den Mord an einer Journalistin verwickelt, den er eventuell selber begangen hat oder auch nicht. Er kann sich nach einer Nacht voller Alkohol und Sex daran nicht recht erinnern.

Im Grunde ist „A Violent Man“ ist die prototypische Geschichte eines lächerlichen Mannes, der glaubt alles im Griff zu haben und sich doch sein Leben durch allzu selbstsicheres Verhalten und grenzenlose Naivität selber kaputt macht. Ein Coup ist Regisseur Berkowitz mit der Besetzung der Hauptrolle gelungen, MMA-Kämpfer Ty wird von Ex-Football-Star Thomas Q. Jones gespielt, der in dieser Rolle einerseits wie ein netter Teddybär wirkt, andererseits aber auch sehr dunkle Seiten durchscheinen lässt, die den Zuschauer immer wieder zwischen großer Sympathie für den netten Kerl und Abgestossenheit vor der muskelbepackten Kampfmaschine mit ihren plötzlichen Gewaltausbrüchen und ihrer seltsamen Unehrlichkeit schwanken lässt.

Jones gelingt es perfekt die Ambivalenz dieses typischen Noir-Charakters zu verkörpern. Jederzeit trauen wir ihm den Mord zu, fiebern aber trotzdem mit Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

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