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Blu-ray-Rezension: “Die Blutsbrüder des gelben Drachen“

Von , 5. September 2017 09:24

Die beiden Straßenräuber Chang Wen Hsiang (David Chiang) und Huang Chang (Chen Kuan-tai) versuchen eines Tages den durchreisenden Ma Xinyi (Ti Lung) um sein Hab und gut zu erleichtern. Doch bei Ma Xinyi sind sie an der falschen Adresse, denn dieser entpuppt sich als überlegener Kung-Fu-Kämpfer. Ma Xinyi ist allerdings von den Talenten der beiden Brüder derart beeindruckt, dass er sie prompt anheuert, mit ihm für den Kaiser zu kämpfen und eine eigene Armee aufzubauen. Mit der Zeit werden die drei zu Blutsbrüdern. Doch Ma Xinyi ist sehr ehrgeizig. Er bildet sich weiter und zieht an den kaiserlichen Hof, um dort Karriere zu machen. Sehr zur Trauer von Huang Changs Ehefrau Mi Lan (Ching Li), die sich in Ma Xinyi verliebt hat und deren Gefühle er erwidert. Jahre später hat Ma Xinyi die gewünschte Karriere gemacht und ist nun ein mächtiger General. Er lässt seine Blutsbrüder zusammen mit Mi Lan und der Guerilla-Armee zu seinem Hof bringen. Doch das Wiedersehen soll Verrat, Blut und Tod enden…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ gehört zu den beliebtesten klassischen Martial Arts Filme des legendären Shaw Brothers Studios (was man schon an den unzähligen Veröffentlichungen in Deutschland sieht) und gleichzeitig als einer der besten Filme seines legendären Regisseurs Chang Cheh. „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ erzählt eine ungewöhnlich komplexe und trotzdem stringente Geschichte, welche die häufig übliche Episodenhaftigkeit ähnlicher Filme zwar nicht gänzlich aufgibt, aber diese doch merklich zurückfährt, um sich ganz auf die Geschichte der drei Blutsbrüder zu konzentrieren. Dementsprechend sind die Kämpfe auch nicht die Höhepunkte des Filmes und für Chang Chehs Verhältnisse sogar relativ unblutig. Da ist man von ihm doch weitaus größere Blutbäder gewohnt. Stattdessen wird auf eine (melo)dramatische Geschichte gesetzt, welche die drei Superstars auch schauspielerisch fordert. Was im Falle von Ti Lung zur Folge hatte, dass er prompt bei den Golden Horse Awards (dem asiatischen Äquivalent zum amerikanischen Oscar) einen Spezialpreis für seine Darstellung erhielt. Aber auch David Chiang schlägt sich wacker und zeigt eine weitaus größere Bandbreite als sonst. Wenn sein übliches fröhlich-freches Grinsen sich nur leicht verzerrt, als er langsam erkennt, dass sein Freund Ma Xinyi zu einem Feind geworden ist, kann man seine widerstreben Gefühle deutlich in seinem Gesicht lesen. . Chang Wen Hsiang ist eine der besten schauspielerischen Leistungen dieses doch immer wieder auf den selben Typen festgelegten Chiang.

Dritter im Bunde ist Chen Kuan-tai, der hier leider weniger gefordert wird als seine beiden Partner und auch weniger im Fokus steht. Dabei ist doch gerade sein Charakter der Grund, der die Blutsbrüderschaft zerbrechen lässt. Chen Kuan-tai spielt den einfachen, naiven Huang Chang der bis zum bitteren Ende an Dinge wie Ehrlichkeit, Brüderlichkeit und Treue glaubt und dem nie in den Sinn kommen würde, dass ihn sein „Blutsbruder“ und seine Frau hintergehen. Diese Rolle steht in einem starken Kontrast zu den sonstigen Rollen, die Chen Kuan-tai für die Shaw Brothers spielte, und in denen er zumeist die zornigen jungen Männer spielte. Chen Kuan-tai wirkt aber auch hier sehr überzeugend. Nur schade, dass er seine überragenden Martial Arts Künste nur einmal wirklich zur Geltung bringen darf. Seine untreue Ehefrau Mi-lan wird von Ching Li gespielt, die in nur 25 Jahren in über 60 Filmen dabei war, und sehr häufig die weibliche Hauptrollen in den Shaw Brothers Filmen,spielte. Zwar ist Mi-lan auf den ersten Blick keine Sympathieträgerin. Viel zu enthusiastisch wirft sie sich Ma Xinyi an den Hals und zeigt unbändige Freude, wenn mal wieder ein Lebenszeichen von Ma Xinyi eintrifft. Einerseits kann einem der naive Huang Chang da durchaus Leid tun. Andererseits tut er aber auch nichts, um das Interesse seiner Frau an ihm hochzuhalten. Auch beachtet er sie nicht so sehr, als dass er merken würde, dass in ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Im Gegenteil, als einmal von Chang Wen Hsiang direkt darauf angesprochen wird, weshalb er sich lieber beim Spielen und Trinken amüsiert, statt bei seiner Frau zu sein, wischt er dies mit einer Geste zur Seite, die besagt: „Ach, die…“. Und sieht man den charismatischen, gutaussehenden und hochgebildeten Ma Xinyi kann man schon verstehen, weshalb er Mi-lan den Kopf verdreht.

Die Geschichte des Films beruht scheinbar auf wahren Geschehnissen. Zumindest gab es tatsächlich einen Ma Xinyi. der sehr jung aufgrund seiner herausragenden Leistungen an den verschiedenen Kaiserlichen Ausbildungsstätten die höchsten Ämter bekleidete und schließlich, nach einer militärischen Karriere, Vizekönig mehrerer Provinzen wurde. Ma Xinyi wurde 1870 ermordet, sein Mörder niemals gefangen. Diese Geschichte inspirierte neben den „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch noch den 2007 entstanden Film „The Warlords“ von Peter Chan Obwohl „The Warlords“ der Story von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ relativ eng folgt, will Regisseur Peter Chan seinen Film nicht als Remake verstanden wissen, sondern fühlt sich eher von John Woos „A Better Tomorrow“ inspiriert. John Woo wiederum war – neben Godfrey Ho (der später mit billig zusammengeschnitten Ninja-Filmen so etwas wie eine Kultfigur wurde) bei „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ Chang Ches Regie-Assistent. So schließt sich der Kreis. Tatsächlich haben ja John Woos „Heroic Bloodshed“-Klassiker viel gemeinsam mit Chang Ches Martial-Arts-Epen, insbesondere was die Männerfreundschaften, Verrat und Opfer angeht. Tatsächlich würde die Geschichte von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch hervorragend funktionieren, wenn sie im urbanen Hongkong der 90er Jahre angesiedelt würde und Ti Lung hier ein hohes Tier bei der Polizei wäre, David Chiang und Chen Kuan-tai seine Gangster-Freunde aus früheren Zeiten und statt Martial Arts praktiziert aus allen Rohren geballert würde. Vielleicht gibt es so einen Film auch. So gesehen sind Chang Ches Geschichten dann auch zeitloses Actionkino.

„Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ zählt zu den inhaltlich stärksten Werken des legendären Shaw-Brothers-Stammregisseur Chang Cheh. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf dem tragisch-melodramatischen Aspekt, ohne dass dabei die kunstvoll choreographierten – hier allerdings weniger blutigen – Kämpfe vernachlässigt werden. Daher können die drei Stars hier auch einmal ihr schauspielerisches Talent beweisen.

Mit „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ hat filmArt nun schon den neunten Film in der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition veröffentlicht. Und dies auf gleichbleibend hohem Niveau. Zwar geizt die reihe – mangels verfügbaren Materials – etwas an Extras (insbesondere, wenn man die letzten Veröffentlichungen in der „Polizeschi“-Reihe als Vergleich hinzuzieht), dafür strahlt das Bild der Blu-ray (eine DVD mit identischen Inhalt ist ebenfalls enthalten, mal wieder in tollen Farben und ist von einer einzigartigen Klarheit. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Filmmaterial mittlerweile auch schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Der Ton ist auf Deutsch und Mandarin vorhanden. Fehlstellen in der deutschen Synchronfassung (die alte deutsche Kinofassung war um ca. eine halbe Stunde gekürzt) werden durch den O-Ton mit deutschen Untertiteln ausgefüllt. Als Extras liegt der Blur-ay ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei, und auf der Scheibe findet man den Originaltrailer. Ferner kann man noch die original deutsche (gekürzte) Kino-Fassung in HD abspielen. Und zum ersten Mal habe ich bemerkt, dass die Veröffentlichung ein Wendecover mit einem anderen Motiv (dem alten deutschen Kinoplakat) hat.

Blu-ray-Rezension: “Der Pirat von Shantung”

Von , 2. November 2016 20:46

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Ma Yung Cheng (Cheng Kuan-Tai) ist ein armer Bauernsohn aus der Provinz Shantung, der mit seinem Freund Hsiao Chiang-pei (Cheng Kang-Yeh) nach Shanghai kommt, um hier sein Glück zu machen. Hier geraten sie schnell zwischen die Fronten, denn die Stadt ist zwischen den beiden Gangsterbossen Yang (Nan Chiang) und Tan Sze (David Chiang) aufgeteilt. Der böse Yang nutzt die „vier Meister“, um seinen Teil der Stadt unter der Knute zu halten. Als Ma Yung Cheng einen der Meister besiegt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Tan Si hingegen ist ein ehrenvoller Gangster und wird schnell zum Vorbild für Ma. Nachdem Ma ihn mit seinen Kampfkünsten und seiner unerschütterlichen Ehre beeindruckt hat, überlässt ihm Tan Si ein kleinen Teil seines Gebiets. Ma klettert die Gangsterkarriere-Leiter schnell herauf und ist sehr beliebt. Doch Yang schmiedet bereits einen teuflischen Plan, um Ma Yung Cheng und Tan Si für immer loszuwerden.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

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Mit „Der Pirat von Shantung“ startete Cheng Kuan-Tai seine langlebige Karriere bei den Shaw Brothers. Zuvor auf kleine Neben- und Statistenrollen beschränkt, konnte der hochtalentierte Kämpfer nun in seiner ersten Hauptrolle zeigen, dass er locker einen ganzen Film allein tragen kann. Wobei er hier noch prominente Hilfe in Gestalt von David Chiang bekommt. Dieser spielt die kleine, aber sehr prägnante Nebenrolle eines Gangsterbosses, der dem von Cheng Kuan-Tai gespielten Ma Yung Cheng als Idol und Vorbild dient. Gegenüber dem sehr physischen, bodenständigen Cheng Kuan-Tai, der einen stoischen, rauen Schauspielstil mitbringt, hebt sich David Chiang nicht nur durch seine extrem geschmackvolle Kleidung und ein gewinnbringendes Lächeln hervor. Wenn es daran geht, Füße und Fäuste zu schwingen, so ist es eine Freude beiden zuschauen. Wobei Cheng Kuan-Tais Stil kraftvoller und athletischer wirkt, während Chiang mehr geschmeidig und tänzerisch daherkommt. Für die Rolle des Ma Yung Cheng kann man sich kaum einen besseren als Cheng Kuan-Tai vorstellen, der mit stoischer Wucht und einer gewissen bäuerlichen Naivität durch Shanghai pflügt. Die damals ausgesprochen populären Darsteller David Chiang und Ti Lung wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen, Allenfalls Alexander Fu-Sheng könnte man sich noch als „Pirat von Shantung“ vorstellen, aber dessen Zeit war noch nicht gekommen.

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„Der Pirat von Shantung“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Shaw Brothers und legte den Grundstein zu einer ganzen Flut von Filmen, die sich mit Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses beschäftigten. Cheng Kuan-Tai selber sollte noch im selben Jahr wieder auf die Straßen von Shanghai zurückkehren, um im Sequel „Der Mann mit der Tigerpranke“ nochmals einen aufstrebenden Gangsterboss zu spielen. Trotz der epischen Dauer von 130 Minuten schafft es der Film, durch ein durchgehend hohes Tempo keine große Längen aufkommen zu lassen. Positiv fällt dabei auf, dass die Story nicht primär dazu dient, einzelne Kampfszenen miteinander zu verbinden, sondern sich diese organisch aus der Handlung ergeben. Was aber nicht heißen soll, dass die Kämpfe nicht spektakulär wären. Besonders in Erinnerung bleibt der exotische Kampf zwischen Cheng Kuan-Tai und dem riesigen Italiener Mario Milano, der schon ein wenig den legendären Fight zwischen Bruce Lee und Kareem Abdula Jaba in „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“ vorweg nimmt. Herzstück ist aber das 15-minütge Finale, welches zu den blutigsten, brutalsten und spektakulärsten Schlachtszenen gehört, die je in den Shaw Brothers Studios entstanden sind. Hier spritzt der rote Lebenssaft als ob damit das ganze Studio undekoriert werden sollte. Und Cheng Kuan-Tais Ma Yung Cheng beweist Nehmerqualitäten und Steh-Auf-Mentalität, die ihres Gleichen sucht.

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Regisseur Chang Cheh teilte sich bei diesem Film den Regiestuhl mit Choreograph Hsueh Li Pao (wobei auch der spätere Regiesuperstar John Woo hier als Regieassistent beteiligt war, ebenso wie der später berüchtigte Viel- und Billigfilmer Godfrey Ho). Angeblich schoss Chang Cheh aufgrund seines engen Terminkalenders nur die Nachtszenen, während er die Tagszenen seinem, in den Titeln unerwähnten, Co-Regisseur überließ. Auch wenn dem so sein sollte, „Der Pirat von Shantung“ ist ein echter Chang Cheh geworden. Nicht nur, was das blutige Todesballett und die routiniert-stilsichere Inszenierung angeht. Auch liegt Chang Chehs Fokus wieder mehr auf den Männerfreundschaften, als auf der hastig eingeflochtenden Liebesgeschichte, die sich nie wirklich entwickelt. Was sehr schade ist, denn mit Li Ching hatte man eine gute und charismatische Darstellerin zur Hand. Hier wird sie aber auf den Status eines dekorativen Ausstattungsstückes reduziert. Lediglich in einer Szene, wenn unser Held in einem Bordell zu sehr dem Alkohol frönt und seine Geliebte in eine der dortigen Damen hinein imaginiert, wird überhaupt darauf Bezug genommen, dass sich dort zarte Bande bilden. Sehr viel sorgfältiger wird da die gegenseitige Faszination zwischen Ma Yung Cheng und dem „guten“ Gangster Tan Sze thematisiert, ja romantisiert. Ebenso wie die brüderliche Liebe zwischen Ma Yung Cheng und seinem besten Freund Hsiao Chiang-pei, der von dem auf diese Art von Rollen spezialisierten Kang-Yeh Cheng gespielt wird.

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„Der Pirat von Santung“ gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des fleißigen Shaw Brothers Studios, sondern katapultierte den bis dahin unbekannten Cheng Kuan-Tai in die erste Liga der Kung-Fu-Stars. Zurecht, denn der Film liefert nicht nur die Blaupause für unzählige Nachahmer, sondern steuert zielsicher und trotz seiner Länge ausgesprochen kurzweilig einem extrem blutigen Finale zu, welches zu den spektakulärsten seiner Gattung gehört.

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Wie immer ist „Der Pirat von Shantung“ in der empfehlenswerten „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Neben der alten deutschen Kinosynchronisation, ist noch eine 2. deutsche Synchronisation von 2005 mit dabei. Die alte deutsche Kinofassung war damals um satte 40 Minuten Handlung erleichtert worden. Wie das dann aussah, kann man man sich hier ebenfalls anschauen, denn die Kinofassung wurde auf Basis des neuen HD-Masters rekonstruiert und ist auf der Scheibe ebenfalls enthalten. Die Stellen, die damals für die deutsche Kinofassung nicht synchronisiert wurden, werden auf der „Kinofassung-Tonspur“ mit der Zweisynchronisation von 2005 aufgefüllt, was recht irritierend wirkt, da die Unterschiede echt deutlich zu hören sind. Bis auf ein Booklet mit Aushangfotos und Trailern gibt es keine weiteren Extras.

Blu-ray-Rezension: “Der gnadenlose Vollstrecker”

Von , 22. Januar 2016 19:23

gnvollstreckerAus der Schatzkammer der Mandschu-Kaiserin wird eine stattliche Summe Gold gestohlen. Die Kaiserin gibt dem Befehlshaber der Garden 10 Tage Zeit, das Gold wiederzubeschaffen. Dieser gibt den Auftrag an seinen besten Mann weiter. Leng Tian-Ying (Chen Kuan Tai), wird auch „der Blutige“ genannt, da er keine Gefangenen macht und auch nicht davor zurückschreckt, Unbewaffnete förmlich zu exekutieren. Leng sammelt fünf seiner treusten Gefolgsleute um sich und macht sich auf den Weg, die Diebe zu bestrafen und das Gold zurückzuholen. Doch die Männer geraten immer wieder in Hinterhalte und so schrumpft Lengs kleine Truppe recht schnell. Schließlich wird Leng vom Anführer der Diebe, Fang Feng-Jia (Ku Feng), eine tödliche Falle gestellt…

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Über den Film „Der gnadenlose Vollstrecker“ lass ich erstmals im Jahre 2000 in der zweiten und leider auch letzten Ausgabe des großartige Fanzine „Absurd 3000“, welches meinen Filmgeschmack und -verständnis vielleicht sogar noch mehr prägte, als die legendäre „Splatting Image“. In einem langen Artikel stellte Hagen Weiss damals den Regisseur Chih-Hung Kuei (alias Gui Zhihong) vor. Chih-Hung Kuei ist einer der aufregendsten (wenn auch leider bis heute unbekannteren) Regisseure der Shaw Brothers Studios. „Der gnadenlose Vollstrecker“ ist sein einziger Film, der dem Genre des Schwertkampf-Films zugeordnet werden kann. Seine anderen Filme, wie der großartige „The Tea House“ und sein Nachfolger „Big Brother Cheng“ (beide ebenfalls mit Chen Kuan Tai) und seine wilden Horrorfilme, wie„Killer Snakes“ oder „The Boxer’s Omen“, harren hierzulande noch einer Veröffentlichung. Auch im Women-in-Prison-Genre hinterließ Chih-Hung Kuei mit seinem berüchtigten „Das Bambuscamp der Frauen“ viel Eindruck und zusammen mit Ernst Hofbauer war er für den Schulmädchen-meets-Kung-Fu-Mash-Up „Karate, Küsse, blonde Katzen“ zuständig. „Der gnadenlose Vollstrecker“ ist ein Remake des 11 Jahre vorher entstanden „Invincible Fist“, den Chang Che mit Lo Lieh und David Chiang in den Hauptrollen inszenierte. Es soll sogar ein Jahr vor dem „Gnadenlosen Vollstrecker“ eine billige Taiwan-Version des Stoffes gegeben haben, welche sich „Demon Strike“ nannte und in der – wie im „Gnadenlosen Vollstrecker“ – Jason Pai Piao mitspielt.

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Chih-Hung Kueis „Der gnadenlose Vollstrecker“ unterscheidet sich deutlich von den Schlacht-Epen, die ein Chang Cheh inszenierte. Aber auch den wunderbaren, surreal-künstlichen Traumwelten eines Yuen Chor oder den eher realistischen angehauchten Shaolin-Filmen eines Chia-Liang Liu steht „Der gnadenlose Vollstrecker“ nicht besonders nah. Er entstand in einer späten Phase in der Geschichte der Shaw Brothers Studios. Erst 1980 kam er in die Kinos, oder sollte man sagen „bereits“? Denn tatsächlich wirkt er seiner Zeit gute 10 Jahre voraus und erinnert stärker an das Hongkong-Kino der frühen 90er, als an die Hochphase der Shaw Brothers Produktionen in den 70ern. Und er ist einer der besten Werke aus Hongkongs Fließbandschmiede. Im Vergleich zu den unterhaltsamen, aber häufig eher eindimensionalen Geschichten dieser Filme, wartet „Der gnadenlose Vollstrecker“ mit einer düsteren Komplexität auf, die man nicht unbedingt erwartet.

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Hier verschwimmen drastisch wie selten die Grenzen zwischen Gut und Böse. Während beispielsweise die Mandschu in den Filmen aus Hongkong fast immer die Rolle der Bösewichte einnahmen, repräsentieren sie hier die nominalen Helden, während die chinesische Bevölkerung auf der anderen Seite des Gesetztes steht. Doch dies ist nur die gelernte Perspektive des Zuschauers, weil der Film aus Sicht unsere Protagonisten erzählt wird und diese eben auf der Seite der Mandschu stehen. Man könnte die Geschichte des Films auch problemlos umdrehen und dann würden aus den „bösen“ chinesischen Räubern plötzlich heldenhafte Freiheitskämpfer. In einer Szene reiten die Mandschu-Beamten durch ein Dorf und müssen dort all das Elend der chinesischen Bevölkerung sehen: Die hungernden Kinder und ausgemergelten Alten in ihren Lumpen. Das Grauen des Mandschu-Regimes, die Saat, die die „Verbrecher“ zu ihrem Raub getrieben hat. Dies verleitet einen der Beamten dazu, Mitleid für die Opfer der Mandschu-Herrschaft zu empfinden. Doch Chi Hung Kweis Welt ist ebenso gnadenlos wie der „Vollstrecker“. Mitleid ist hier keine Stärke, sondern eine Schwäche, die direkt zu einem qualvollen Tode führt. Denn an beiden Fronten stehen Männer, die sich selbst im Recht sehen und kein Mitgefühl gegenüber dem Gegner walten lassen.

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„Der gnadenlose Vollstrecker“ ist dann auch einer der finstersten, pessimistischsten und brutalsten Filme, die je unter dem Banner, der generell nicht geraden zimperlichen Shaw Brothers, entstanden sind. Insbesondere die Brutalität wirkt noch heute sehr viel direkter und schmerzhafter als das durchchoreographierte Blut-Ballett, das man aus Hongkong in den 70er Jahren gewohnt war. Sie ist näher am japanischen Samurai-Film als dem chinesischen Martial-Arts-Kino. Was vermutlich auch an dem japanischen Action Koordinator Yasuhiro Shikamura liegt, der häufig mit Chi Hung Kwei zusammenarbeitete. Die Kämpfe sind kurz, heftig und von einer enormen Intensität. Doch nicht nur die zahlreich durch die Luft wirbelnde, abgetrennte Gliedmaßen und meterhohen Blutfontänen lassen aufmerken. Auch Szenen in denen sich die Kontrahenten durch lodernde Feuer wälzen und langsam bei lebendigem Leibe verbrennen, lassen einen sich die Augen reiben. Selbst wenn man bei genauerem Hinsehen die feuerfesten Schutzanzüge erahnen kann, wirken diese Szenen sehr schmerzvoll. Aber nicht nur physische Gewalt macht den Film so brutal. Die Bilder der hungernden und dahinvegetierenden Bevölkerung oder der rücksichtslose Umgang der „Helden“ mit den Verdächtigen und die qualvollen Tode der vergifteten Opfer sind Stoff, aus dem Albträume sind.

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Unterstützt wird die finstere Geschichte um Pflichtbewusstsein, Ehre, Habgier und Verzweiflung durch eine außergewöhnliche Fotografie, deren Wurzeln in den italienischen „gothic horror“-Filmen zu liegen scheint. Oftmals ist das Bild durchdrungen von kräftigen roten und grünen Farben, ausdrucksstarkem Licht und Schatten. Zum Ende hin, wird die Handlung in ein nebeldurchzogene, regnerisches Sumpflandschaft verlegt, aus der die Toten emporzusteigen scheinen. Besonders im Gedächtnis bleibt die Szene, in welcher „der Blutige“ Leng Tian-Ying und sein Kontrahent Fang Feng-Jia in dessen Hütte aufeinandertreffen. Im Beisein von Fangs blinden Tochter, die beiden Tee serviert, tun sie so, als wären sie gute Freude, obwohl sie sich mit gezogenen Waffen gegenüberstehen, und die Situation jederzeit zu eskalieren droht. Obwohl dies so auch in dem Original „Invincible Fist“ vorkam, kann man von der ganzen Stimmung und dem set up vermuten, dass John Woo gerade diese Szene als Vorbild für die beinahe identische Einstellung in „The Killer“ nutzte.

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Einer der besten und noch immer modern wirkenden Filme aus dem goldenen Shaw Brothers Zeitalter. Chih-Hung Kuei ist ein außerordentlicher Regisseur, den es hierzulande noch zu entdecken gilt. Visuell aufregend, brutal und zutiefst nihilistisch, sticht „Der gnadenlose Vollstrecker“ weit aus der Masse der unzähligen Shaw Brothers Produktionen hervor.

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Auch in der Shaw Brothers Collector’s Edition des Hauses fimArt ist „Der gnadenlose Vollstrecker“ ein Highlight. Wie die anderen Filme der Reihe auch, ist „Der gnadenlose Vollstrecker“ als Blu-ray/DVD-Combo erschienen. Das Bild ist wie gehabt sehr gut, auch wenn ihm – bedingt durch das Anfang der 80er verwendete Filmmaterial – die beinahe plastische Schärfe der 70er Jahre Produktionen teilweise fehlt. Doch Farben und Schwarztöne können absolut überzeugen. Der deutsche Ton hat ein ganz dezentes Rauschen, der Mandarin-Ton ist klarer, dafür aber auch steriler. Der Film war in seiner alten deutschen Kino- und Videofassung um 9 Minuten gekürzt, die fehlenden Stellen sind hier wieder da und im Original mit ausblendbaren deutschen Untertiteln belassen. Zusätzlich ist noch eine isolierte Musik und Toneffekt-Spur auf Basis der Mandarin-Fassung beziehtdabei. Als Extras gibt es neben den deutschen und chinesischen Trailer noch eine Bildergalerie, sowie ein 12-seitiges Booklet mit den deutschen Aushangfotos und Werberatschlägen.

DVD-Rezension: „Die Todeshand des schwarzen Panthers“

Von , 22. Dezember 2015 20:37

todeshandpantherYuen Hsiao Liang (Kuan Tai Chen) reist nach Shanghai, um dort seinen Patenonkel, den Gangsterkönig Fan Chi Yu, zu besuchen. Gleich nach seiner Ankunft wird Yuen Hsiao Liang Zeuge eines brutalen Mordes. Ein Mann wird vor seinen Augen mit einer Axt umgebracht. Wie es sich herausstellt, war das Opfer Fan Chi Yu und Yuen Hsiao Liang gilt plötzlich als Hauptverdächtiger. Nur knapp kann sich Yuen Hsiao Liang von den Vorwürfen befreien und kündigt an, sich auf die Suche nach dem Mörder seines Onkels zu machen. Doch immer, wenn Yuen Hsiao Liang bei seinen Ermittlungen einen Schritt weiter kommt, fällt ein weiterer Verdächtiger dem geheimnisvollen Axtmörder zum Opfer…

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Taiwan war lange Zeit für die großen und kleinen Hongkong-Studios der Ort, wo sie preisgünstige Produktionen auf die Beine stellen konnten. Zudem hatte man in Taiwan den Vorteil, im Gegensatz zum doch räumlich arg begrenzten und zugebauten Hongkong, die weiten Landschaften für eindrucksvolle Außenaufnahmen verwenden zu können. Wang Yu drehte hier, Jackie Chan wurde hier von Lo Wei immer wieder in Filmen eingesetzt, die ihn als Bruce-Lee-Nachfolger aufbauen sollten und viele der heute fast vergessenen Billig-Klopper für die unersättliche Bahnhofskino- und spätere Videothekenwaren wurde hier hergestellt. Vor allem unbekanntere Regisseure konnten sich hier ihre ersten Sporen verdienen. Unbekannt war Hsueh Li Pao nicht gerade, da er zuvor dem großen Chang Che bei Filmen wie „Die sieben Schläge des gelben Drachen“, „Der Pirat von Shantung“ oder dessen ebenfalls kürzlich erschienenen Quasi-Fortsetzung „Die Mann mit der Tigerpranke“ als Co-Regisseur zur Verfügung stand. Daher kannte er auch Shaw-Brothers-Superstar Kuan Tai Chen, mit dem er auch für die Shaw Brothers einige Filme in Eigenregie gedreht hatte, bevor sie 1977 nach Taiwan gingen, um für eine kleine Produktionsgesellschaft „Die Todeshand des schwarzen Panthers“ zu drehen.

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„Die Todeshand des schwarzen Panthers“ wurde von Shu Mei Chin geschrieben, einer der wenigen Drehbuchautorinnen, die sich Genrekino aus Hongkong der 70ern durchsetzen konnte. Shu Mei Chin war auch für einige Shaw-Brothers-Produktionen verantwortlich und arbeitete häufig mit Hsueh Li Pao zusammen, mit dem sie einigen Quellen nach auch verheiratet war. In „Die Todeshand des schwarzen Panthers“ strickt er aus vielen verschiedene Fäden einen bunten Pulli, doch von Zeit zu Zeit scheint er die eine oder andere Masche zu verlieren. Die im Grunde recht simple Detektiv-Geschichte wird durch eine Vielzahl von Charakteren und Drehbuchwendungen unnötig verkompliziert. Da die Namen der unzähligen Haupt- und Nebenfiguren für die ungeübten westlichen Ohren alle sehr ähnlich klingen, fällt es sehr schwer, bei den vielen Dialogen den Überblick zu behalten. Dabei ist die Prämisse eines geheimnisvollen Fremden, der Stück für Stück einen Mordfall lösen will und dabei in ein Wespennest aus Intrigen stößt, sehr reizvoll. Zunächst erinnert der von Kuan Tai Chen gespielte Held Yuen Hsiao Ling mit seinem schwarzen Mantel und breitkrempigen Hut an die klassische Figur des Privatdetektivs, doch dieser nette Ansatz wird recht schnell aufgegeben.

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Da das Drehbuch mit seinen vielen Handlungsfäden und den unter einer hohen Mortalitätsrate leidenden Figuren es dem Zuschauer nicht einfach macht, der sich immer wieder windenden Handlung zu folgen, kann sich dieser auch zurücklehnen, die Geschichte Geschichte sein lassen und sich ganz auf die actionreiche Inszenierung und bunten Kulissen konzentrieren. Die von Mu Chuan Chen choreographierten Kämpfen sind sehr brutal und blutig in Szene gesetzt. Wobei gerade die favorisierte Waffe des geheimnisvollen Mörders, eine Axt, dafür sorgt, dass das Blut reichlich fließt. Überraschend ist gerade am Ende die gnadenlose Härte, mit der gegen unschuldige Frauen vorgegangen wird. Vielleicht landete der Film aus diesem Grunde 1984 auf dem Index. Generell verstört die mitleidlose Art und Weise, wie der Film mit seinen Figuren umspringt. Da wird selbst eine als lustige Sympathieträger aufgebaute Figuren skrupellos über die Klinge springen gelassen oder eine positiv gezeichnete Figur stellt seine Prinzipien störrisch über das leibliche Wohl seiner Tochter und sieht scheinbar ungerührt ihrer Verstümmlung zu. Harter Tobak, den man so anfangs nicht erwartet hätte.

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Am Besten fährt man mit „Die Todeshand des schwarzen Panthers“, indem man gar nicht erst versucht, der sich in unzähligen Wendungen verirrenden und mit seiner Überzahl an Figuren schwer durchschaubaren Geschichte zu folgen, sondern sich ganz auf die Schauwerte konzentriert. Diese sind sehr solide, überraschend brutal und mitleidslos in Szene gesetzt.

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FilmArt veröffentlicht den bereits bei einigen Billiglabels herausgekommenen Film ungeschnitten und im originalen Breitwand-Format veröffentlicht. Leider stand dafür keine wirklich gut erhaltenen Kopie zu Verfügung. Das verwendete Bildmaterial erweckt wirklich starke Assoziationen mit dem Bahnhofskinoprogramm für das er einst gedacht war. Die Kopie wimmelt nur so vor Laufstreifen und Verschmutzungen. Besonders den rechten Bildabschnitt scheint es ziemlich schlimm erwischt zu haben. Aus dem vorhandenen Ausgangsmaterial wurde dann das Beste gemacht, für Freunde glasklarer Restaurierungen ist die vorliegende DVD aber sicherlich nicht akzeptabel, für Grindhouse-Nostalgiker aber wohl ein Traum. Wer sich zwischen diesen beiden Polen befindet, muss sich selber eine Meinung bilden. Auch die deutsche Tonspur passt sich dem Bild an, ist aber trotzdem gut verständlich. Im Gegensatz zur ebenfalls beigefügten englischen Variante. Als Extras gibt es den deutschen Trailer, den US-Trailer und dem zuvor nicht erhältlichen deutsche Kinotrailer „Jen Ko – In seinen Fäusten brennt die Rache“. Im 12-seitiges Booklet fehlt der Name des Verfassers, die dort verbreiteten Informationen sind durchaus interessant, auch wenn der zwischen gewollt seriös und kumpelhaft pendelnde Stil nicht so meins ist.

Blu-ray-Rezension: “Der Mann mit der Tigerpranke”

Von , 21. November 2015 14:43

der-mann-mit-der-tigerprankeQiu Lian-Huan (Chen Kuan-Tai) ist der Anführer einer kleinen Gangsterbande mit einem Drang zu Höherem. Als er eines Tages Yu Chow-Kai (Tin Ching), dem Sohn des der mächtigsten Gangster in Shanghai beim Kartenspiel erst dessen gesamtes Geld und dann noch die Freundin (Ching Li) abnimmt, scheint seine Zeit gekommen. Doch so einfach ist das nicht, denn der durchtriebene Chang Gen-bao (Chu Mu) unternimmt alles, um den schwachen und leicht beeinflussbaren Yu auf den Gangsterthron zu heben und dessen Feinde zu vernichten…

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Der Mann mit der Tigerpranke“ stellt das Sequel zum enorm erfolgreichen „Der Pirat von Shantung“ dar. Zunächst wird die Geschichte des Vorgängers kurz zusammengefasst und man sieht gerade noch, wie die blutige Leiche des Antihelden weggeschafft wird. Dann informiert eine Einblendung den Zuschauer, dass der neue Film nun 20 Jahres später auf den selben Straßen wie „Der Pirat von Shantung“ spielt. Der junge Chen Kuan-tai hatte mit der Hauptrolle in „Der Pirat von Shantung“ gerade seinen großen Durchbruch erlebt. Hier nun darf er wieder die Hauptfigur spielen, wobei diese in keiner Verbindung zu seinem „Pirat aus Shantung“ steht. Wie überhaupt bis auf den Prolog keinerlei Verbindungslinien zu dem angeblichen ersten Teil gezogen werden. „Der Mann mit der Tigerpranke“ ist also ein vollkommen selbstständiger Film, auch wenn die Macher dahinter und auch die Schauspieler teilweise identisch sind.

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Chen Kuan-tai läutete die dritte Welle der Shaw-Brothers-Stars ein. Nach Jimmy Wang Yu in den frühen Martial-Arts-Epen und vor allem dem „tödliche Duo“ David Chiang und Ti Lung nach ihm, kamen mit Chen Kuan-tai und vor allem Alexander Fu Cheng nun neue Typen auf die Leinwand. Während Alexander Fu Sheng dabei mehr die Rolle des jungenhaften, gewitzten und sympathischen Frauenhelden verkörperte (eine Mischung aus Jackie Chan und Shah Rukh Khan, war Chen Kuan-tai eher auf die dunkleren, eigenbrötlerischen Typen abonniert. So spielt er auch hier den Antihelden, der uns im Grunde nur deshalb sympathisch ist, weil er seine Freunde nicht im Stich lässt und die Schurken um in herum so vieles unsympathischer agieren. Chen Kuan-tai ist kein strahlender Held und auch kein unschuldig auf die schiefe Bahn geratener Junge. Das würde auch nicht in sein Rollenbild passen. Er ist ein Krimineller, der sich seinen Weg nach oben hart und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen erkämpft hat. Dabei folgt er allerdings einem ausgeprägten Ehrenkodex, was ihn von seinen skrupellosen Feinden unterscheidet. Da macht es dann auch nichts, dass er seinen besten Freund weitaus besser behandelt als seine Geliebte. Aber das kennt man ja bei Filmen des berühmten Regisseurs Chang Cheh.

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Das große Plus von „Der Mann mit der Tigerpranke“ sind seine Actionszenen. Chen Kuan-tai war wahrscheinlich der Beste der vielen Martial-Arts-Stars, die Anfang der 70er die Shaw-Brothers-Filme bevölkerten. Mit seinen druckvollen, dynamischen Bewegungen und einer gewissen Portion street credibility ist er die ideale Besetzung für einen Film wie „Der Mann mit der Tigerpranke“. Während bei anderen Stars die Kämpfe vor allem leicht und wie ein Ballett des Todes aussehen, ist sein Auftreten sehr viel athletischer, brutaler und auf den Punkt. Die beiden Action-Choreographen Choreographie von Lau Kar Leung (kurze Zeit später später mit „Die 36 Kammern der Shaolin“ enorm erfolgreich) und Chan Chuen wissen Chen Kuan-tai hervorragend in Szene zu setzten. Da wird in einer besonders eindrucksvollen Szene ein Fahrrad zur tödlichen Waffe, in den Kämpfen splittern Knochen und Autoscheiben, Chen Kuan-tai rast mit dem Motorrad durch eine Glasfront und beim großen Finale pflügt er sich blutend durch immer wieder neue Armeen des Feindes. Freunde harter Martial-Arts-Action kommen hier voll auf ihre Kosten.

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Vom Drehbuch her schwächelt der Film allerdings etwas. Die zahlreichen Nebenfiguren bleiben konturlos, eventuelle Hintergründe unbeleuchtet. Auch dem Protagonisten Qiu Lian-huan selber wird keinerlei Geschichte gegönnt. Er ist einfach plötzlich da. Wie er zu dem wurde was er ist, weshalb er die kriminelle Laufbahn einschlug und ihm sein Freund Lin Ken Sheng so treu ergeben ist, all dies wird nicht beantwortet. Dies muss es auch nicht zwangsläufig, denn der Film funktioniert auch so. Aber etwas mehr Tiefe hätte den Film möglicherweise auf eine andere Ebene heben können. Weg von der natürlich hervorragend gemachten Action-Unterhaltung, hin zu einem Gangster-Drama, welches sich etwas nachhaltiger im Gedächtnis verankert als „Der Mann mit der Tigerpranke“.

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„Der Mann mit der Tigerpranke“ ist ein sehr unterhaltsamer Film mit grandiosen Kampfszenen, dessen Drehbuch allerdings die Tiefe vermissen lässt, welche beispielsweise den Vorgänger „Der Pirat von Shantung“ zu einem Klassiker gemacht hat.

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„Der Mann mit der Tigerpranke“ ist die Nummer 4 der bisher vorzüglichen „Shaw Brothers Collector’s Edition“ aus dem Hause filmArt. Wie gewohnt erscheint der Film in einer Blu-ray/DVD-Kombi. Das Bild der Blu-ray ist wieder vorbildlich. Auch beim Ton bleiben keine Wünsche übrig. Neben sehr klarem Deutsch (gefiltert und ungefiltert) und Mandarin (mit ausblendbaren deutschen Untertiteln) Mono-Tonspuren, liegt noch eine alternative Musik- & Geräusche-Spur (tatsächlich ohne Sprache) vor. Interessant ist bei den drei Tonspuren, dass sie alle drei eine unterschiedliche Musikbegleitung und Geräusche habe. Die Musik der deutschen Version ist gut, doch der extrem funky Beat der Mandarin-Fassung ist ein wahrer Goldschatz. Das 12-seitige Booklet besteht aus einem kompletten Satz deutscher Aushangfotos. Außerdem hat das Mediabook ein Wendecover mit alternativem Cover. Von den obligatorischen Trailern abgesehen liegt sonst kein Bonusmaterial vor.

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