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Das Bloggen der Anderen (01-02-16)

Von , 1. Februar 2016 19:59

bartonfink_type2– Am 29.11. verstarb der große Jacques Rivette, doch bis auf diese Kurznotiz bei cargo fand dieses traurige Ereignis in den deutschen Filmblogs leider kein Echo.

– Anlässlich seines neuen Kinofilms interviewt Anna Wollner für B-Roll den Filmemacher Quentin Tarantino. Schöner Schlusssatz von QT: „Einen Stummfilm zu drehen, das wäre großartig.“ In der Tat!  Martin Beck hat einen sehr treffenden Text über die (un)Sitte der (über)teuren Media-Books geschrieben. Auch wieder empfehlenswert: Lucas Barwenczik über den Job des Drehbuchautoren in Hollywood. Und Simon Hauck berichtet von der 37. Ausgabe des Filmfestivals Max Ophüls Preis.

– Sascha Brittner spekuliert auf PewPewPew ausgiebig darüber, was wohl hinter “10 Cloverfield Lane“ steckt.

– Remember the 80s? Christian Genzel reist zurück in der Zeit und befasst sich auf Wilsons Dachboden eingehend mit dem Phänomen „Top Gun“, dem elegant-lässige Styling von Kelly McGillis und dem „Top Gun“-Soundtrack.

– Apropos „Remember“. Auf Remember It for Later hat Oliver Nöding „Tausendschönchen“ gesehen und resümiert: „Die tschechische New Wave hat definitiv was, kitzelt sowohl den Verstand als auch südlichere Körperregionen, ist sinnlich, erotisch und intellektuell gleichermaßen. Da gibt es gewiss noch viel zu entdecken.“ Genau!

– Über einen tschechischen Film schreibt auch Manfred Polak auf Whoknows presents. Sein Text und die dazugehörigen Bilder über den 1948 entstandenen „Noir“ „Krakatit“ von Otakar Vávra machen sehr große Lust auf diesen Film und das tschechische Kino generell. Ich muss mal sehen, dass ich endlich mal wieder eine Geschäftsreise nach Prag organisiert bekomme – natürlich mit genug Zeit zum DVD-shoppen.

– Obwohl Oliver Armknecht dem deutschen Mystery-Film „Sybille“ nicht den ganz großen Enthusiasmus entgegenbringt, macht seine Besprechung auf film-rezensionen.de doch Hoffnung. Werde ich mir anschauen. Allein schon wegen Anne Ratte-Polle.

– Zweimal im Kino angesehen habe ich mir vor vielen, vielen Jahren Jean-Claude Van Damme in „Double Impact“. Ja, Nomen est omen. Geschuldet war dies einem Lehrgang in Goslar und dem nicht gerade üppigen Kinoprogramm. Für gute Unterhaltung reicht der Film noch immer, findet auch Volker Schönenberger auf Die Nacht der lebenden Texte.

– Ein wenig was von Erwin C. Dietrichs „Die Mädchenhändler“ habe ich auch schon gesehen. Denn eine sehr lange Sequenz wurde später auch einfach mal so in „Gefangene Frauen“ reingeschnitten. Totalschaden von Splatttertrash urteilt: „Äußerst solide Schmuddel-Unterhaltung!“

– Auch Harald Mühlbeyer hat sich für screenshot mal wieder in Grindhouse-Gefilde begeben. Er berichtet von einem Grindhouse Double-Feature in Mannheim, bei dem es den Slasher „Blood Rage“ und den philippinischen „Die Jäger des Jade-Schatzes zu bestaunen gab. Ferner wird über Psychoanalyse und Filmtheorie im Dialog -14. Mannheimer Filmseminar berichtet, wo Martin Scorsese im Mittelpunkt stand.

– Andrey Arnold führt auf Jugend ohne Film ein Gespräch mit dem ukrainischen Filmemacher Sergei Loznitsa und Patrick Holzapfel hat einen sehr spannenden Artikel über Abel Gances „La fin du monde“ verfasst.

– Mauritia Mayer verlässt auf Schattenlichter ihr angestammtes Refugium und schaut von Italien nach Japan, wo sie „Lady Snowblood“ trifft. Und dass ihr dieser Film sehr gefällt freut mich ebenso so, wie ich es bei ihrem guten Geschmack auch erwartet habe.

– „Auch schlechte Filme brauchen Aufmerksamkeit“ meint Daumenkino und betrachtet die Horror-Komödie „Krampus“ aus verschiedenen Blockwinkeln.

– YP und PD von Film in Dialog sind vom „Rocky“-Spin-Off/Sequel „Creed“ sehr überrascht und angetan.

– Schlombie stellt auf Schlombies Filmbesprechungen einen Stummfilm vor, der es in Deutschland zu seiner Entstehungszeit 1920 nie über die Pressevorstellung hinaus gebracht hat. „Von morgens bis Mitternacht“ klingt spannend und wird von mir vorgemerkt.

Real Virtualinks gibt es wieder von Alex Matzkeit auf real virtuality.

Das Bloggen der Anderen (25-01-16)

Von , 25. Januar 2016 19:14

bartonfink_type2– Noch zwei schöne Nachträge zu den weniger schönen Todesmeldungen der letzten Woche. YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über ihre Erinnerungen an Alan Rickman und Patrick Holzapfel nimmt auf B-Roll David Bowies Filmkarriere unter die Lupe.

– Auf B-Roll berichtet auch Andreas Köhnemann über das diesjährige Sundance-Festival.

– Ein Filmfestival der ganz anderen Art war der 15. Hofbauerkongress von dem Michael Kienzl und Lukas Foerster auf critic.de schwärmen. Schöner Titel des Artikels: „Wenn Filme lasziv die Hüften kreisen lassen“.

– Dazu passt auch wunderbar der 2. Mondo Bizarr Weekender, bei dem Oliver Nöding zu Gast war. Seine hinreißende Besprechung von Fulcis „Geisterstadt der Zombies“ und Filmen wie „The Green Slime“ findet man wie gewohnt auf Remember It For Later.

– H.G. Lewis verfolgte mich regelrecht Ende letzten Jahres. Erst haben wir mit einem H.G.Lewis-Double-Feature „Weird Xperience“ wiedereröffnet und dann steuerte ich einen langen Artikel über Lewis für die „Horror“—Ausgabe des „35 Millimeter“-Magazin bei. Und jetzt taucht schöne eine „Blood Feast“-Besprechung bei Die drei Muscheln auf. Allerdings nicht von mir, sondern von MrDepad.

– Apropos „35 Millimeter“-Magazin. In der Redaktion gab es neulich eine Diskussion über Marlene Dietrich. Daher möchte ich meinen jungen Kollegen den Artikel über „Marokko“ von Cameron auf Drei Cineasten sehr ans Herz legen. x

– Stellvertretender Chefredakteur von „35 Millimeter“ ist übrigens Ansgar Skulme, der auf Die Nacht der lebenden Texte einen informativen Artikel über Tod Brownings „Mark of the Vampire“ hinterlassen hat.

– Auf screen/read wird über das Symposium der Filmbüros NRW berichtet, welches sich die Frage: „Hat das deutsche Genrekino eine Zukunft?“ geschrieben hat. Sehr interessant und vielleicht sogar etwas zu kurz. Da hätte ich gerne noch mehr gelesen.

– Apropos Zukunft des deutschen Genrekinos: Auf film-rezensionen.de führt Oliver Armknecht ein Interview mit „Bunker“-Regisseur Nikias Chryssos.

– Katrin Krause von Hard Sensations kann den Film „The Big Short“ empfehlen, der die Finanzkrise von 2007 auf beinah satirische Weise erklärt.

– Auch den Beiden von Duoscope hat „The Big Short“ sehr gut gefallen.

– Ein Film, den ich einst im Dritten gesehen habe und der mich bis heute nicht losgelassen hat ist Seijun Suzukis hochgradig seltsamer „Branded to kill“. Nach Bluntwolfs Review der neuen Blu-ray auf Nischenkino wird der jetzt umgehend bestellt.

– Auch einst im TV gesehen und immer sehr gemocht habe ich „A Boy and His Dog“. Schlombie mochte den gar nicht und verpasste diesem herrlich schrägen Film auf Schlombies Filmbesprechungen brutale 1 von 5 Punkten. Dass er gleichzeitig „Kartoffelsalat“ 3 von 5 zubilligte, verschweige ich hier mal. Ansonsten hat er noch „Die Filmbesprechungen der Anderen“ zusammengestellt.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality wieder seine real virtuallinks an Bord.

Funxton hat auf seinem Blog einige Ridley-Scott-Filme besprochen, wobei er sich auf die schwächere Phase in Scotts Karriere mit Filmen wie z.B. “Black Hawk Down” und “White Squall” konzentriert.

– Mauritia Mayer stellt auf Schattenlichter einen der besten Italo-Western aller Zeiten vor: „Leichen pflastern seinen Weg“.

– Noch ein Italo-Western, nochmal Klaus Kinski. Totalschaden hat sich auf Splattertrash „Das Gold von Sam Cooper“ vorgenommen.

– Bei seiner anhaltenden Untersuchung der Wurzeln der Commedia sexy all’italiana widmet sich Udo Rotenberg auf seinem Blog L’amore in città diesmal “Drei Liebesnächte“ von Renato Castellani, Luigi Comencini und Franco Rossi.

– Michael Schleeh fühlte sich nach der Sichtung des japanischen „Assassination Classroom“ wie „nach einem Schleudergang in der Waschmaschine“. Warum kann man auf Schneeland lesen.

– Nicholas Roegs „Hexen hexen“. Kinderfilm oder nicht? Ja, aber nicht für jedes Kind, meint Rochus Wolff auf seinem Kinderfilmblog.

– Warum „Speed 2“ doof aber kein Desaster ist, erklärt Flo Lieb auf symparanekronemo.

Das Bloggen der Anderen (18-01-16)

Von , 18. Januar 2016 21:17

bartonfink_type2– Leider war dies mal wieder eine sehr traurige Woche und gleich drei Todesfälle gab es zu betrauern. Der Tod David Bowies kam für mich – wie wohl wirklich für jeden anderen auch – vollkommen überraschend und hat mich mehr mitgenommen, als ich gedacht hätte. Seit letztem Montag läuft Bowie bei mir in Dauerrotation und mit jedem neuen Lied wird mir klar, wie groß der Verlust für die Musikwelt und tatsächlich auch für mich persönlich ist. Da Bowie auch in einigen Filmen aktiv war, gibt es natürlich auch in der deutschsprachigen Filmblog-Szene Menschen, die an ihn erinnern. Ganz persönlich Joachim Kurz auf B-Roll,  und in kürzerer Form bei Der Kinogänger. Ebenfalls aus dem Nichts kam die Todesmeldung vom großartigen Alan Rickman (für mich neben Vincent Price das beste Argument, einen Film im Originalton anzuschauen). Auch hier fand Der Kinogänger passende Worte, ebenso wie Oliver Lysiak von den Fünf Filmfreunden, Maximilian Kosing von Cereality und Juli von Pieces of Emotion. Im stolzen Alter von 91 Jahren ist auch eine deutsche Leinwandlegende der 50er, Ruth Leuwerik, verstorben. Ihrer gedenkt nicht nur Sebastian vom Magazin des Glücks, sondern auch sehr ausführlich Udo Rotenberg mit einem schönen Stück über ihren Film „Immer wenn der Tag beginnt“ auf Grün ist die Heide.

– Noch nachgereicht: Der Jahresrückblick von Hard Sensations, der mit seinem Listenwahnsinn dem Jahresrückblick, der in der letzten Woche vorgestellten Kollegen von Eskalierende Träume, in nichts nachsteht. Ferner schreibt Alex Klotz über den portugiesischen Film „The Crime of the Old Village“ von 1964 und Guido Rohm führt ein fiktives Zwiegespräch über Nikias Chryssos „Der Bunker“.

„Der Bunker“ (läuft übrigens am 11. März in Bremen innerhalb unserer Reihe „Weird Xperience“) hat es auch Oliver Nöding von Remember It For Later sehr angetan. Ferner gibt es hier noch einige Berichte vom 14. Hofbauer-Kongress, wo nach dem niederschmetternden „Die Spalte“ gleich der unbeschreibliche „Mädchen beim Frauenarzt“ des Namenspatrons gezeigt wurde. Und mit der John-Ford-Retro geht es auch weiter, u.a. mit „Up the River“ in dem Spencer Tracy seine erste Filmrolle und Humphrey Bogart seine erste Hauptrolle hatte.

Noch einmal „Der Bunker“, diesmal empfohlen von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Des Weiteren im Fokus: „Anomalisa“, der neue Film von Charlie Kaufman, „eine gewöhnliche Geschichte um einen vom Leben gelangweilten Mannes mithilfe einer sehr ungewöhnlichen Stop-Motion-Technik“, die Oliver besonders gut gefallen hat.

– Weit weniger enthusiastisch, aber immer noch gut wird „Anomalisa“ von Ronny Dombrowski auf cinetastic.de besprochen.

„The Lobster“ habe ich auf vielen Bestenlisten des Jahres 2015 gesehen und was Vitellone über den Film auf Die drei Muscheln schreibt, klingt danach, dass ich mir dieses surreale Werk des mit „Dogtooth“ bekannt gewordenen Griechen Yorgos Lanthimos unbedingt mal anschauen sollte.

– Auf Duoscope nähern sich Marco und Bianca aus zwei ganz unterschiedlichen Blickwinkeln dem Film „The Danish Girl“.

– Sonja Hartl interviewt auf B-Roll Amy Berg, die nun nach Kurt Cobain und Amy Winehouse eine Dokumentation über ein weiteres Mitglied des 27er-Clubs in die Kinos gebracht hat: Janis Joplin.  Leon Frisch schreibt anlässlich von „The Revenent“ über das Verhältnis Mensch/Natur im Film. Lucas Barwenczik sinnt auf wie gewohnt sehr lesenswerte Art und Weise über die Frage nach, ob es zu lange Filme gibt.

– Patrick Holzapfel stellt auf Jugend ohne Film den Filmemacher Sharunas Bartas vor.

– „Ich war noch nie an Lauheit interessiert. Das ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile. Lieber versaue ich einen Film auf großartige Weise, als einen ’netten‘ Film zu machen“ sagt der französische Filmemacher Guillaume Nicloux im Interview mit Französischer Film.de

– Man kann die Welt ebenso in Chaplin- und Keaton-Menschen aufteilen, wie in Katzen- und Hunde-Menschen. Ich gehöre zu den Keaton-Menschen und habe darum fasziniert den Artikel von david auf Whoknows presents gelesen, der in dem unbekanntem Slapstick „A Sea Dog‘s Tale“ Spuren einer verworfenen Keaton-Idee gefunden hat.

– Volker Schönenberger setzt sich auf Die Nacht der lebenden Texte mit Tod Brownings Klassiker „Feaks“ auseinander.

– Schlombie konnte die mit bisher unbekannte, tschechische Westernparodie „Limonaden Joe“ nicht überzeugen. Ich bekomme jedoch bei seiner Review auf Schlombies Filmbesprechungen durchaus Lust drauf.

– Erinnerungen 1: symparanekronemo bespricht „Speed“, den ich seit seiner Kinoaufführung eigentlich gar nicht mehr so richtig wiedergesehen habe. Damals empfand ich den Film aber als höchst beeindruckende Actionrakete. Wäre spannend, was ich heute darüber denke.

Dass „Gulag“ ein TV-Film war, wie ich jetzt bei funxton gelernt habe, wusste ich gar nicht, als ich den mit Freunden irgendwann in der zweiten Hälfte der 80er auf Video gesehen habe. Ich weiß aber noch, dass wir uns darunter eher etwas Härteres vorgestellt hatte. Immerhin: Ich kann mich heute noch daran erinnern, den damals auf VHS gesehen zu haben. Von daher…

– Erinnerungen 2: „Alienkiller“ von John McNaughton habe ich damals auch gesehen, auch wenn ich mich gar nicht mehr an die Handlung erinnern kann, sondern nur an das Gefühl, den gar nicht so schlecht gefunden zu haben, wie er damals nach „Henry“ aufgenommen habe. Heiko Hartmann von Allesglotzer hilft meinem Gedächtnis auf die Sprünge.

– Irgendjemand hat kürzlich die deutsche Lederhosen-Sex-Klamotte „Graf Dracula (beißt jetzt) in Oberbayern“ (mit Gianni Garko!!!) ziemlich verrissen. Totalschaden von Splattertrash ist etwas gnädiger. Beim grandiosen „Coffy -Die Wildkatze“ mit der furiosen Pam Grier gibt es dann aber keine zwei Meinungen.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality wieder interessante Links hauptsächlich aus der englischsprachigen Blogosphäre gesammelt.

Blu-ray Rezension: „Es ist schwer ein Gott zu sein“

Von , 16. Januar 2016 16:54

schwergottDer Planet Arkanar ähnelt der Erde in der Zeit vor 800 Jahren. In der Erwartung, hier die Geburt einer Renaissance mitzuerleben, wird von der Erde eine Gruppe Wissenschaftler nach Arkanar geschickt. Sie geben sich als adlige Nachkommen lokaler Gottheiten aus und leben unerkannt unter den Einwohnern Arkanars. Ihre Aufgabe ist es, die dortige Entwicklung aufzuzeichnen und ihre Berichte zur Erde zu übertragen. Dabei dürfen sie aber niemals in das Geschehen eingreifen, sondern müssen unter allen Umständen passive Beobachter bleiben. Doch es kommt anders als gedacht. Die Mitglieder der Universität werden ermordet, die Renaissance findet nicht statt. Stattdessen werden die Bücherfreunde und Intellektuellen von den grauen Truppen verfolgt und niedergemetzelt. Dem als Don Rumata getarnten Wissenschaftler Anton (Leonid Yarmolnik) fällt es unter diesen Umständen immer schwerer, seine Neutralität zu wahren…

Es ist schwer ein Gott zu sein“ gehört zu jenen Filmen, die einen erst einmal sprachlos, ja sprach-unfähig machen. Was soll man schreiben, wenn der Kopf noch vollgestopft ist mit Bildern, sich der Körper gerädert anfühlt und man nicht sagen kann, ob das Grummeln im Bauch nun die Begeisterung und das Unwohlsein ist. Aleksei German hat mit seinem letzten Film ein Monster geschaffen und wenn man prosaisch sein möchte – und sich ein wenig die Tatsachen zurechtbiegt – könnte man behaupten, es wäre ein Monster, welches ihn schließlich umgebracht hat. Seit dem Ende der 60er Jahre hatte German vor, die Geschichte der beiden russischen Science-Fiction-Autoren Arkadi und Boris Strugatzki zu verfilmen. Er hat dann in den 70ern und 80ern immer wieder neue Anläufe genommen, und immer wieder schien das Projekt kurz vor dem Beginn zu stehen, bis dann das Schicksal oder die Weltpolitik zuschlugen und die Pläne zunichte machten. Einmal war er sogar drauf und dran, Peter Fleischmann bei dessen Version der Geschichte abzulösen. Dann war es endlich soweit und wider allen Erwartungen konnte German mit der Verfilmung beginnen. Am Ende sollte es 7 lange Jahre dauern, bis die Arbeiten an dem Film abgeschlossen waren. German selber erlebte die Fertigstellung seines Filmes, die dann sein Ehefrau Svetlana Karmalita und sein Sohn Aleksei German Jr., übernahmen, nicht mehr. Er starb am 21. Februar 2013, nur knapp neun Monate vor der Weltpremiere seines Film auf dem Filmfestival in Rom.

Für den Zuschauer ist „Es ist schwer ein Gott zu sein“ kein einfacher Film, aber ein intensives Erlebnis. Drei stunden lang wartet man durch Dreck, Schleim, Blut und Scheiße. German hat eine Welt entworfen, die einerseits natürlich an das Mittelalter und die Darstellungen eines Pieter Breugel, dem Jüngeren oder Hieronymus Bosch erinnern, andererseits dem modernen Menschen so fremd erscheint, als wäre er tatsächlich auf einem fernen Planeten. Die Akribie mit der German zu Werke geht, seinen Film bis ins kleinste Detail kontrolliert und dabei eine ebenso realistische, wie abstoßende Welt kreiert, ist bewundernswert. Schön ist es nicht, was wir sehen. Gleich in der ersten Szene streckt uns jemand den nackten Arsch entgegen und entleert seinen Darm. Es wird gerotzt, gekotzt, geschissen, geblutet. Eingeweide kullern zu Boden, schleimiges Blut wird sich ins Gesicht geschmiert, hab verdautes ausgespien. Man fragt sich unwillkürlich was gewesen wäre, hätte German seinen Film nicht in betörendem schwarz-weiß, sondern in Farbe gedreht. Hätte man das ausgehalten? Oder sind es gerade die wunderbaren monochromen Bilder, die einem den Boden unter den Füssen wegziehen?

Die Menschen sind hässlich, voller Defekte. Man riecht den Gestank dieser Welt förmlich, als ob er aus dem Bildschirm kriechen würde. Das Gewusel der Menschen macht einen schwindelig. Immer wieder schauen Gesichter direkt in die Kamera, als würde sie überrascht und skeptisch auf den Zuschauer ins einem gemütlichen Heim blicken. Dies hat einen merkwürdigen, unangenehmen Effekt. Man fühlt sich nicht sicher, hat den Verdacht, die Menschen auf der anderen Seite des Bildschirmes könnten einen sehen, wollten mit einem interagieren. Etwas, was man im Angesicht der hier gezeigten Greuel unter keinen Umständen möchte. German schenkt uns nichts. Diese Welt ist grausam. Hinter der nächsten Ecke könnte schon der tödlich Axthieb oder die einen durchbohrenden Pfeile lauern. Zwischen den Figuren gibt es keine positiven Gefühle. Allein unser „Held“ Don Rumata scheint so etwas wie Zuneigung empfinden zu können. Doch es ist für ihn keine Erleichterung, sondern eine Qual.

Man liest überall, dass German keine Geschichte erzählen würde. Tatsächlich ist es extrem schwer, der Handlung zu folgen und zu verstehen, was vor sich geht. Obwohl scheinbar Fans der Autoren Strugatzki dem Film attestieren, die Handlung des Romans gut – wenn oftmals auch nur durch die Kenntnis der Vorlage erkennbar – wiederzugeben. Es spielt aber auch keine Rolle, ob man eine klar strukturierte, einfach zu verstehende Geschichte hat oder nicht. So ist Germans Film auch gar nicht konzipiert. Er wirft ein gerade dadurch, dass man nicht auf Anhieb alles versteht in die Rolle, die die Besucher von der Erde einnehmen. Man ist hier fremd, man versteht nicht was vorgeht. Man ist verwirrt, versucht an dem Wenigen, was man hat, Halt zu finden. Man torkelt mehr durch den Film, als dass man schreitet. Man fühlt, schmeckt, riecht ihn. Germans Film wird häufig mit denen Andrei Tarkovskys, speziell „Andrej Rubljow“ verglichen. Dieser Vergleich ist nicht ganz von der Hand zu weisen, doch viel mehr noch erinnert er an den großen Ungarn Bela Tarr, der mit seinen Filmen ebenfalls eine merkwürdige, bekannte – aber doch auch verstörend andere Realität erschuf. Der sich ebenfalls viel Zeit nimmt, den Zuschauer in diese Welt zu ziehen. Der, ebenso wie German, seine Film in schwarz-weiß und mit vielen sehr langen Plansequenzen erschafft. Wie bei Tarr ist man in „Es ist schwer ein Gott zu sein“ ganz, ganz nah dran an den Figuren, den Gesichtern. Den Leibern und der Bewegung.

German hat seinen Film als Gleichnis auf die heutigen Verhältnisse in Russland gesehen. Tatsächlich ist er eine Allegorie auf die heutigen Verhältnisse überall auf der Welt. Auf Missstände, die die Menschen schon seit Jahrhunderten begleiten. Und die Ohnmacht derer, die unter den Verhältnissen leiden und doch nichts ändern können. Obwohl sie vielleicht die Mittel dazu hätten – doch sie wissen, dass ein Übel immer nur wieder von einem andern abgelöst wird.

German hat seinen Film als Gleichnis auf die heutigen Verhältnisse in Russland gesehen. Tatsächlich ist er eine Allegorie auf die heutigen Verhältnisse überall auf der Welt. Auf Missstände, die die Menschen schon seit Jahrhunderten begleiten. Und die Ohnmacht derer, die unter den Verhältnissen leiden und doch nichts ändern können. Obwohl sie vielleicht die Mittel dazu hätten – doch sie wissen, dass ein Übel immer nur wieder von einem andern abgelöst wird.
Für die bei Bildstörung erschiene Blu-ray gibt es nur ein Wort: Perfekt. Wieder einmal hat Bildstörung seinen hervorragenden Ruf bestätigt und eine ultimative Fassung dieses Meisterwerks vorgelegt. Das Bild ist gestochen scharf, der wuchtige Ton liegt auf Russisch mit ausblendbaren deutschen Untertiteln vor. Da in einer der vielen Dokumentationen zum Film betont wird, wie wichtig German das Sounddesign und Sprache war, ist die Entscheidung, hier keine deutsche Synchronisation nachzuschieben, absolut nachvollziehbar. Auch das Bonusmaterial lässt keinerlei Wünsche offen. Neben einem hochinformativen und 40 Seiten starken Booklet von Anton Dolin platzt die beiliegen Bonus-DVD nur so vor hochwertigen Extras, die zusammen genommen die epische Länge des Hauptfilmes noch einmal schlagen. Neben einem filmbegleitenden Gespräch mit Barbara Wurm und Olaf Möller, finden sich hier folgende Dokumentationen: “Aleksei German” – Ein Interview von 1988 (45:18 Min.), “Jenseits der Kamera”, ein weiteres Interview mit Alexei German aus dem Jahr 2009 (51:59 Min.), “Germans Blutdruck ist heute 122/85”, quasi ein Making Of (42:41 Min.) und “Die Geschichte des Arkanar-Massakers”, hier liefert Daniel Bird einige Erklärungen und Hintergrundinfos zur Verfilmung und der Unterschiede gegenüber des zugrundeliegenden Romans (Englisch mit dt. UT, 27:14 Min.). Ferner gibt es noch Interviews mit der Drehbuchautorin und Witwe des Regisseurs Svetlana Karmalita (37:00 Min.), sowie Aleksei German Jr., dem Sohn des Regisseurs (9:35 Min.). Weiterhin gibt es noch den Kinotrailer zum Film und Bildergalerien.

Das Bloggen der Anderen (11-01-16)

Von , 11. Januar 2016 22:18

bartonfink_type2– Dem Monat geschuldet finden sich in vielen Blogs die individuellen Jahresbesten-Listen. Tops und Flops, aber auch persönliche Highlights. Alex Matzkeit hat sich auf real virtuality die Mühe gemacht, die Besten-Listen von 50 Blogs (meiner war auch dabei, da fühle ich mich geehrt und sage Danke) auszuwerten und in eine Rangfolge zu bringen. Des Weiteren haben folgende Blogs das Jahr in Listen und Kommentare zusammengefasst: Michael Schleeh auf Schneeland (Top 20), Eskalierende Träume (alle 10 Redaktionsmitglieder haben ganz unterschiedlich lange, wortreiche Listen gepostet), Stefan Ertl auf new filmkritik (unkommentiert und ohne Rangfolge), David auf Whoknows presents (mit sehr ausführlichen, kommentierten Listen – und einem überraschenden Verriss für „It Follows“), Jan Noyer auf Der Kuleschow Effekt (Tops & Flops und Kommentierung), Thomas auf Schöner Denken (Top10 und die schönsten Filmmomente), symparanekronemoi (mit einem ausführlichen Rückblick), Die drei Cineasten (die Filmentdeckungen 2015 der Blogger) und Duoscope (mit einem Rückblick auf das Filmjahr 2015 in Dialogform) und film-rezenionen.de (kurz kommentierte Top 10 der vier Mitarbeiter).

– „The Guest“ hatte ich ja auf Platz 3 meiner eigene Top 10 der aktuellen Filme gepackt. Darum freue ich mich sehr, dass Adam Wingards Film auch bei Mauritia Mayer großen Anklang fand. Wie man auf Schattenlichter nachlesen kann.

– Am 8. November war Silvia Szymanski einen Tag lang bei KARACHO 1. Festival des Actionfilms in Nürnberg. Auf Hard Sensations hat sie darüber geschrieben.

– Ebenfalls in Nürnberg und von den gleichen Machern ist gerade der letzte Hofbauer-Kongress zu Ende gegangen. Oliver Nöding von Remember It For Later war da und hat sensationeller Weise scheinbar den ganzen Kongress über fast schon „live“ seine Besprechungen ins Netz gestellt. Welches breite Spektrum gezeigt wurde, sieht man an seinen Blogeinträgen: „Hörig bis zur letzten Sünde“, „Thriller: En grym film“, „Skandalöse Emanuelle – Die Lust am Zuschauen“, „Die spanische Fliege“ (von 1955) und „Das Spukschloss im Salzkammergut“.

– Bluntwolf schreibt auf Nischenkino über den Paul-Naschy-Film „Die Todeskralle des grausamen Wolfes“ und kommt völlig zurecht zu dem Schluss: „Vivat, Paul Naschy!“.

– Ich muss gestehen, dass ich mich bis heute nicht an „Astro-Zombies“ (dem Film) herangetraut habe, obwohl dieser doch quasi zum Kanon des sogenannten „Trashfilms“ gehört. Zu viel schlecht Schlechtes hatte ich über ihn gehört. Totalschadens recht wohlwollende Besprechung auf Splattertrash könnte mich aber doch schwach machen.

– Ich oute mich jetzt mal: Ich habe eine große Schwäche für Bollywood. Allerdings habe ich die Filmszene dort seit einigen Jahren vollkommen aus den Augen verloren. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn Dennis Basaldella empfiehlt in seinem lesenswerten Artikel auf B-Roll über das moderne Bollywood-Kino auch vor allem jene Filme, mit denen ich Bollywood-Fan geworden bin. Patrick Holzapfel widmet sich anlässlich von diCaprios Gesichtsbewachsung in „The Revenant“ dem Thema Bärte im Film.

– Auf Jugend ohne Film unternimmt Rainer Kienböck einen Streifzug durch das Genre der Screwball-Komödie und Claudia Siefen durch die Landschaften Eric Rohmers.

– Funxton empfiehlt auf seinem Blog den Neo-Western „Bone Tomahawk“ über den ich schon viel Gutes gehört habe: „Für Anthropologen und Ästheten somit eher ungeeignet, für jeden, der pures Genrekino schätzt, derweil eine Pflichtvorstellung.“

– Dank Christian Genzels Blog Wilsons Dachboden weiß ich jetzt, dass Anna Nicole Smith 1996 mal den Bruce Willis in einem „Stirb langsam“-Verschnitt gab. Wieder was gelernt.

– Schlombie ist auf Schlombies Filmbesprechungen von „Schock!“, einem 40er Jahre-Gruseler mit einem jungen Vincent Price, den der unterschätzte Alfred L. Werker gedreht hat, recht angetan.

– Ansgar Skulme stellt auf Die Nacht der lebenden Texte den Pre-Code-Schocker „Murders in the Zoo“ vor.

– Laut Carsten Happe auf Filmgazette, hat Genre-Liebling Álex de la Iglesia mit seiner Lobhuddelei „Messi“ seinen ersten schlechten Film abgeliefert. Ich bin überrascht. Klaus Kreimeier hat zwischenzeitlich zwei neue „magische Momente“ gefunden: In „Die durch die Hölle gehen“ und „Das unbekannte Gesicht“.

– Wo jetzt „Creed“ (Golden Globe für Stallone!) anläuft, haben YP und PD sich auf Film im Dialog noch einmal des ersten „Rocky“-Films angenommen.

– Unter dem Titel „Blickwinkelkritik“ findet man auf Daumenkino drei Kritiken zu dem Film “Underdog“ von Kornél Mundrusczó,

– Michael Schleeh hat fünf ganz unterschiedliche Kurzfilme gesehen und stellt diese auf Schneeland vor.

– Und Alex Matzkeit hat wieder auf real virtuality wieder Real Virtualinks aus der englischsprachigen Blogosphäre gesammelt.

Das Bloggen der Anderen (07-12-15)

Von , 7. Dezember 2015 21:33

bartonfink_type2In eigener Sache: Das ist hier die letzte Ausgabe von „Das Bloggen der Anderen“ für dieses Jahr. Ich bin momentan in eine Vielzahl anderer Projekte eingebunden, die alle mit einer Deadline versehen sind.  Zudem bin ich auch auf meiner „normalen Arbeit“ gerade am Schwimmen und zwischendurch möchte ich für meine Familie da sein. Daher kann ich zwar noch ein paar Reviews, Termine und News schreiben, aber möchte mir bis zum Ende des Jahres keine regelmäßige Rubrik ans Bein binden. Zudem machen ja auch mittlerweile eine paar andere Blogs einen ganz ähnlichen Job (siehe ganz unten), so dass ich mir ohne schlechtes Gewissen eine Auszeit gönnen kann. Mit „Das Bloggen der Anderen“ geht es dann erst im Januar weiter.

– Letzte Woche verstarb Synchronsprecher Nobert Gastell. Im Netz fand ich lediglich auf filmosophie einen Nachruf, der sich dann auch auf seine berühmteste Rolle, Homer Simpson, konzentriert. Dabei hat Norbert Gastell uns auch viele Exploitationfilme der 70er versüßt, wo er häufig den Handlanger des Bösewichts sprach.

– Der von mir sehr geschätzte Herr Woody Allen aus New York feierte hingegen seinen 80. Geburtstag (man mag es kaum glauben). Ihm zu Ehren gibt es auf film-rezensionen.de ein Special.  Außerdem bespricht Oliver Armknecht mit „Tag“ einen von gleich vier neuen Sion-Sono-Filmen.

– Auf critic.de führt Michael Kienzl ein Interview mit Apichatpong Weerasethakul. Johannes Bluth berichtet vom Heimspiel Filmfest 2015 in Regensburg und auch in diesem Jahr wird eine liebgewordene Tradition fortgeführt: Eine Textreihe widmet sich einem Kino, dass das Fest der Liebe mit Füßen tritt.

– Sarina Lacaf war für Negativ zwei Tage auf dem Dokfest in Kassel.

– Rajko Burchardt schreibt auf B-Roll kluge Worte über die Rolle der Filmkritik.

Hard Sensations macht auf den 15. Hofbauerkongress aufmerksam, welcher zwischen dem 7. und 11. Januar in Nürnberg stattfindet.

– Sven Safarow stellt auf Eskalierende Träume einen von 10 Deutschen Lieblingsfilmen vor: Fritz Langs Abschied „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film über die Liebe im Kino. Nicht die Liebe auf, sondern vor der Leinwand. Schön.

– Juli stellt im Rahmen einer Blogparade auf Pieces of Emotions Filme vor, die vor ihrer Geburt veröffentlicht wurden, und die sie für großartig hält. Mein Gott, jetzt fühle ich mich alt. Einige davon habe ich bei ihrer Premiere im Kino gesehen.

– Sebastian hat auf Nischenkino eine Liste mit „10 Relevante Politische Filme“ erstellt, über die man sicherlich diskutieren kann.

– Alles, was man schon immer über einen DER Weihnachtsfilm-Klassiker wissen wollte, verrät Marco auf Duoscope: „Schöne Bescherung“ mit den Griswolds.

Yzordderrexxiii kümmert sich um einen Film, den kaum jemand kennt, obwohl der Regisseur das Prädikat „Kult“ trägt: „Elvis“ von John Carpenter. Ich teile seine positive Meinung übrigens und hoffe, damit stehen wir nicht allein.

– Das hoffe ich übrigens auch bei Jess Francos „La mansión de los muertos vivientes“, der Schlombie auf Schlombies Filmbesprechungen ganz arge Bauchschmerzen bereitet. Ich finde den ja klasse. Besser kommt bei Schlombie da „Der Todesrächer von Soho“ an, während die wunderbare Krimi-Verweigerung „Der Teufel kam aus Akasava“ ganz heftig unten durch fällt. Ich finde die Besprechungen immer höchst interessant – auch wenn ich häufig ganz anderer Meinung bin – denn man hat als langjähriger Franco-Fan schon vergessen, wie seine Filme auf „normale Leute“ wirken.

„Ein Toter lacht zuletzt“ war viele Jahre eine ausgesprochen rare Angelegenheit. Von diesem spanischen Horrorfilm von 1973 wurde zwar immer geschwärmt, doch zu sehen war er nur sehr, sehr selten. Dem hilft eine neue DVD ab, was wahrscheinlich besonders Mauritia Mayer freut, die den Film auf Schattenlichter in den höchsten Tönen lobt.

– Noch ein Geheimtipp aus Spanien: „Das Versteck“ wird auch von fuxton sehr gelobt und ist ebenfalls seit Kurzem auf DVD erhältlich. Bei Enzo Castellaris Spät-Western „Die Rache des weißen Indianers“ mit Franco Nero weiß ich das gar nicht, meine aber, dass der unter „Keoma 2“ verwurstet wurde. Wie dem auch sei, bei fuxton kommt das Werk auch gut weg.

– Bleiben wir in Italien. Die Ehre der mit Abstand ungewöhnlichste Argento-Film zu sein, kann die Tragikkomödie „Die Halunken“ mit Adriano Celentano, die während der Märzrevolution 1848 spielt, für sich verbuchen. Ich mag den Film ja sehr und würde daher jedes Wort, welches totalschaden auf Splattertrash über den Film schreibt unterstreichen.

– Viele Jahre später hat Argento dann „Sleepless“ gedreht, der JackoXL von Die drei Muscheln schwer enttäuscht hat. Dafür wird von stu Peter Stricklands „The Duke of Burgundy“ gelobt.

– Oliver Nöding schaut sich auf Remember It For Later gerade durch Lucio Fulcis Spätwerk. Startend mit „The Devil’s Honey“ (den ich für dasselbe Projekt auch gerade am Wickel habe) bis „The Door to Silcence“.

– Den Ozploitation-Klassiker „Turkey Shoot“ müsste ich auch mal wieder gucken. Gerade, wenn mir Sascha von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte den Mund wässerig macht.

– Großes Kino aus Deutschland: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Schlöndorff/von Trotta. Jan Noyer von Kuleschow-Effekt ist begeistert.

– Apropos begeistert. Das war ich auch, als ich erstmals Jacques Tourneurs „The Leopard Man“ gesehen habe, den ich sogar mehr schätze als sein „Katzenmenschen“. Volker Schönenberger hat den Film im Rahmen der Recherche zu einem Artikel in „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ gesehen und nun auf seinem Blog Die Nacht der lebenden Texte besprochen. „35 Millimeter“-Redakteur Ansgar Skulme setzt sich eingehend mit „Dschingis Khan – Die goldene Horde“ auseinander.

– Quentin Dupieux‘ neuer, „Reality“ bekommt bei Going to the movies 9 von 10 Punkten. Sehr gut.

– Auch Takeshi Kitano meldet sich zurück. “Ryuzo and his Seven Henchmen“ gehört für Michael Schleeh von Schneeland zu den besten japanischen Filmen, die er dieses Jahr gesehen hat.

– Ungelesen weitergereicht: Auf Whoknows presents schreibt Manfred Polak über den dänisch-schwedisch-norwegischen Film „Hunger“, den Henning Carlsen 1966 inszenierte. Ich hatte bisher keine Zeit Manfreds umfangreichen Artikel zu lesen, aber aus der Erfahrung empfehle ich ihn mal blind.

– Mittlerweile hat „Das Bloggen der Anderen“ Schule gemacht und immer mehr Blogs haben eine entsprechende Rubrik. Hier einige Beispiele aus dieser Woche: „Die Besprechungen der Anderen“ auf Schlombies Filmbesprechungen, „Real Virtualinks“ auf Real Virtuality und „Beiträge von anderen Nerds“ auf Leons Filmreviews.

Das Bloggen der Anderen (30-11-15)

Von , 30. November 2015 19:15

bartonfink_type2– Passend zum demnächst anlaufenden neuen „Star Wars“-Film, wirft Marco auf Duoscope noch einmal einen Blick zurück in die Zeit, als das Ganze noch „Krieg der Sterne“ hieß. Eine sehr schöne, objektive „Geschichtsstunde“.

– Cutrin war auf dem Cinefest in Hamburg und hat auf Filmosophie einen ausführlichen Bericht über ihre Erlebnisse geschrieben.

– Till Kadritzke war für critic.de gleich auf vier Filmfestivals in Köln unterwegs, und hat dementsprechend viel zu berichten.

– Patrick Holzapfel sinniert auf Jugend ohne Film über Film als Fremdsprache und was dies für den Zuschauer heißt.

– Sven von Reden hat auf B-Roll ein sehr interessantes, zweiteiliges Essay unter dem Titel „Der Verlust der physischen Realität“ geschrieben. Darum geht es nicht – wie ich zunächst annahm – um die inflationäre Zunahme von CGI, sondern eher darum, wie unsere immer mehr virtuelle, digitale Realität im Film darstellbar ist. Sehr spannend. Andreas Köhnemann schreibt über seine Enttäuschung über Gapar Noes „Love“ und wie andere Filme Sex darstellen.

– Oliver Armknecht bespricht auf film-rezensionen.de den neuen Film von Khavn de La Cruz: “Ruined Heart: Another Lovestory Between a Criminal & a Whore”, den ich leider verpasst habe, als er in Bremen im Kommunalkino gezeigt wurde.

– Auch Apichatpong Weerasethakul hat einen neuen Film in die Kinos gebracht. Frank Schmidke schreibt über „Cemetery of Splendour“ auf cintastic.de

– Und auch Sion Sono ist wieder unterwegs und lässt den „Tokyo Tribe“ los. Mise en cinéma meint: „Tokyo Tribe sprüht geradezu vor Kreativität, Verspieltheit und Mut, um ein ganz besonderes filmisches Musical-Erlebnis zu schaffen, das mit irrsinnigen Ideen und virtuoser Inszenierung maximalen Spaß verspricht.“

– Sebastian macht sich auf Nischenkino Gedanken, warum „Once Upon a Time in Shanghai“ kein guter Film ist und ob sich das chinesische Genre-Kino in einer lang anhaltenden Krise befindet.

Hans Helmut Prinzler gefällt Christian Keßlers „Der Schmelzmann in der Leichenmühle“.

– Und Christian Genzel von Wilsons Dachboden hat die Memoiren von Porno-Pionier Howard Ziehm gelesen. Und weil es so gut passt, hat er auch gleich „Cop Killers“ gesehen. Der Film, den Ziehm drehte, als sich die Fertigstellung seines bekanntesten Film „Flesh Gordon“ verzögerte.

– Gerade hatte ich gedacht, wir Franco-Fans hätten ihn endlich bekommen, da verreißt Schlombie auf Schlombies Filmbesprechungen den schönen „Küß mich, Monster“. Na ja, wenigstens bei Bavas „Die toten Augen des Dr. Dracula“ sind wir dann wieder auf einer Linie.

– Auf Die Nacht der lebenden Texte setzt sich Ansgar Skulme sehr intensiv mit dem Klassiker „Invasion vom Mars“ von 1953 auseinander, während Andreas Eckenfels sich des Remakes von 1986 annimmt.

– Eines der – wie ich finde – großartigsten Gangsterfilme aus italienischer Schmiede stellt totalschaden auf Splattertrash vor: „Milano Kaliber 9“.

Ab ins Grindhouse geht es mit Harald Mühlbeyer auf Screenshot. Er hat in Mannheim das wunderbare Spanien-Double-Feature „Blutmesse für den Teufel“ und „Die Nacht der reitenden Leichen“ gesehen.

– Unter Grindhouse wird auch gerne mal Lucio Fulcis bedrückender „Non Si Sevizia A Un Paperino“ subsummiert, was natürlich Blödsinn ist. Das dürfte jedem klar sein, der fuxtons entsprechende Review gelesen hat.

– Vor einigen Monaten verstarb der Ex-Profi-Wrestler Roddy Piper von dessen Ausflügen ins Filmgeschäft man vornehmlich „Sie leben“ kennt. Dabei findet Jan Noyer von Kuleschow-Effekt, dass auch „Hell comes to Frogtown“, eine „Obskurität aus der Videotheken-Resterampe aber ein – zumindest für Trashfreunde – interessantes Werk“ ist.

– Die erste Hälfte der 80er Jahre war die hohe Zeit der Stephen-King-Verfilmungen. Eine der ersten, die ich sah, war „Feuerkind“ mit der kleinen Drew Barrymore. Bei Oliver Nöding auf Remember It For Later gibt es ein Wiedersehen.

– Alex hat wieder ein paar Real Virtualinks gesammelt und stellt sie auf Real Virtuality vor.

Das Bloggen der Anderen (23-11-15)

Von , 23. November 2015 19:00

bartonfink_type2– Das große Thema der letzten Woche war Gaspar Noes neuer Film „Love“, der die Blogger-Gemeinschaft spaltete. Auf Cereality wurden gleich zwei Reviews veröffentlicht: Eine Pro von Timo Kießling und eine Contra von Nathanael Brohammer.  Auf der Contra-Seite finden sich auch Ronny Dombrowski von cinetastic  wieder, während stu von Die drei Muscheln begeistert ist. Keine Ahnung, wie mir der Film gefallen wird, aber ich finde es immer schön, wenn ein Film die Kraft hat so zu polarisieren.

– Passend dazu: cutrins Notizen vom Pornofilm-Festival in Berlin auf filmosophie.

– Jemand, der mit seinen Filmen ebenfalls stark polarisiert ist Ulrich Seidl, der auf critic.de von Johannes Bluth interviewt wird.

– Dennis Vetter macht sich auf Negativ anlässlich des 58. DOK Leipzig Festivals kritische Gedanken zum Status des Dokumentarfilms.

– Kritische Gedanken macht sich auch Joachim Kurz, der in einer dreiteiligen Reihe auf B-Roll den immer wieder angekündigten, ausgesprochenen und dann doch verschobenen Tod des Kinos und mögliche Zukunftsperspektiven untersucht.  An selber Stelle schreibt Martin Beck über den Filmtrailer, enttäuscht, falsche und erfüllte Erwartungen. Und Patrick Holzapfel fragt: „War Woody Allen früher wirklich besser als heute?“ – meine Antwort als jemand, der bis auf eine Handvoll Filme alle auf DVD besitzt fällt etwas anders aus als Patricks, lesenswert und nachdenkenswert ist sie aber allemal.

– Wie aufmerksame Leser dieser Rubrik wissen, hat Patrick auch seinen eigenen Blog Jugend ohne Film. Auf diesem stellt diesmal Claudia Siefen den koreanischen Meisterregisseur Im Kwon-taek vor. Eine für das koreanische Kino sehr wichtige Figur.

– YP und PD von Film im Dialog waren auf der Viennale und haben dort mit “Outrage” und “The Bigamist” zwei Filme der amerikanischen Regisseurin (und Filmstar) Ida Lupino gesehen. Diese liefen dort als „Tribute“ für die einzige weiblichen Studioregisseurin der 50er Jahre.

– Sir Donnerbold kommentiert auf seinem Blog sdb-film die bisherigen zwölf Marvel-Universe-Verfilmungen auf bringt sie in eine persönliche Rangfolge.

– Immer wieder schön, wenn ein Blogger den anderen (oder in diesem Falle die andere) vorstellt. Hier interviewt Alex Matzkeit von real virtuality Andrea David von filmtourismus.de. Den Blog hatte ich ja anfangs auch ein paar Mal verlinkt bis mir etwas zu viel kommerzielles Sponsoring auftauchte. Schade, dass dies im Interview nicht angesprochen wird. Des weiteren hat Alex unter der Rubrik „Real Virtualinks“ einige Links aus der Film-Blogosphäre zusammengesucht. Ich hatte ja schon gedacht, dann könnte ich „Das Bloggen der Anderen“ ja langsam dicht machen, aber Alex‘ Links stammen mehr aus dem englischsprachigen Raum. Zudem schreibt er: „Sollte mir “Real Virtualinks” auf lange Sicht übrigens doch zu viel Zeit rauben, werde ich es wieder einstampfen.“ Ich bin gespannt…

– Apropos: Wunderschöne Touren zu den Drehorten toller Filme findet man auch immer auf Schattenlichter. Diesmal hat es Mauritia Mayer allerdings nach Nürnberg gezogen. Nicht um Drehort-Vergleiche zu knipsen, sondern zum 1. Festival des Actionfilms mit dem großartigen Namen „Karacho“. Hier ihr Bericht.

– Schlombie hat ja auf Schlombies Filmbesprechungen auch eine Rubrik, in der er Links mit Filmbesprechungen sammelt. Diese Woche bleibt diese aber leer, dafür hat er mehrere Jess-Franco-Filme gesehen und die stießen bei ihm nicht auf Ablehnung. Zu „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ schreibt er, der Film „steckt so voller liebenswerter bescheuerter Ideen, dass es eine Freude ist ihn zu sichten“ und zu „Jungfrau unter Kannibalen“ da sei “etwas nicht Greifbares das mir gefällt, eine gewisse Stimmung, die sich erst entfacht wenn man sich eine Zeit lang in „Mandingo Manhunter“ (Alternativtitel) hineingeguckt hat.“ Hey, Schlombie – jetzt gleich noch 10-12 Francos hinterher und dann at der Meister auch Dich in seinen Bann gezogen. 😉

– Interessanterweise hat auch Oliver Nöding von Remember It For Later gerade den „Jungfrau unter Kannibalen“ gesehen und kommt zu einem ganz ähnlichen Schluss: „Es ist vor allem diese seltsame Aufgeräumtheit, die Francos Filme oft auszeichnet, die auch EL CANIBAL gegen jede Vernunft zum Funktionieren verhilft.“  Und eine ganz große neue Liebe hat Oliver auch gefunden: Peter Stricklands „The Duke of Burgundy“.

– In Olivers „Fachgebiet“ fällt auch „Protect and Kill“ von 1993. Dieser wird diesmal allerdings von Christian Genzel auf Wilsons Dachboden besprochen.

– „Vergessene Stunde“ ist ein sehr toller Film noir. Findet auch totalschaden auf Splattertrash.

– Da ist er wieder. „Im Visier des Falken“ –eine verstörende Jugenderinnerung von mir. Jetzt bespricht ihn auch Sebastian auf Nischenkino. Es wird Zeit, dass ich mir mal die DVD zulege, auch wenn diese laut Sebastian nicht so toll wie der Film ausgefallen ist.

Roger Corman macht jetzt „The Asylum“ Konkurrenz und hat „Sharktopus vs Pteracuda“ ins Feld geschickt, wie Volker Schönenberger auf Die Nacht der lebenden Texte zu berichten weiß.

– In ähnlichen, aber weitaus sympathischeren, Gewässern fischt auch „The Night of the Lepus“ mit seinen Killer-Kaninchen. Gar nicht flauschig ist der französische Film „Dealer“, der „einen auf überaus dankbare Weise durch ein unerbittliches, emotionales Wechselbad treibt“. Über beide Filme liest man auf funxton.

– Ich bin ja ein großer Jan-Švankmajer-Fan und ärgere mich darum, dass ich bis heute noch keinen Blick auf seine „Alice“-Verfilmung werfen konnte. Dank Oliver Armbrust und seiner Besprechung des Filmes auf film-rezensionen.de weiß jetzt aber, dass ich mir die wohl recht günstig via England besorgen kann. Wo ich ihm ebenfalls dankbar bin: Ich bin noch nie durchgestiegen, welche Filme, Serien, Zusammenhänge, Spin-Offs etc. es jetzt eigentlich bei „Ghost in the Shell“ gibt. Dank seines Specials zu diesem Animee-Universum weiß ich jetzt endlich Bescheid.

Das Bloggen der Anderen (16-11-15)

Von , 16. November 2015 19:23

bartonfink_type2Der für mich schönste Artikel der Woche stammt von Christoph Draxtra, der auf critic.de eine leidenschaftliche Verteidigung des vielfach geschmähten Lamberto Bava veröffentlicht hat, der – so ist es angekündigt -noch weitere Teile von ausgesprochen geschätzten Kollegen folgen werden.

– Geht es um italienische Filme, darf der Hinweis auf den schönen Blog Schattenlichter von Mauritia Meyer selbstverständlich nicht fehlen. Diesmal hat sie den herrlichen Barbaren-Star-Wars-Rip-Off „Einer gegen das Imperium“ am Wickel, der mir auch schon viele fröhliche Minuten beschert hat.

– Hierzu passt dann auch sehr gut der Artikel von Christian Genzel auf Wilsons Dachboden über ein anderes wunderbar absurdes SF-Abenteuer: „Flesh Gordon“.

– Oliver Nöding hat sich zur Zeit selber dem großen Meister Ford verschrieben und hat auf seinem Blog Remember It For Later eine umfangreiche John-Ford-Retro begonnen, die er diese Woche mit der Komödie “Lightnin‘“ von 1925 und dem ein Jahr später entstanden Western „3 Bad Men“ fortsetzt.

– Daher möchte ich Oliver an dieser Stelle auf einen sehr interessanten Text von Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film aufmerksam machen, der sich ebenfalls eingehend mit John Ford beschäftigt hat.

– Auf B-Roll schreibt Patrick dann über Filme über Filmemacher, die für ihn oftmals große Ärgernisse sind. Die Filme, nicht die Filmemacher. Ferner werden die drei Cutter Milenka Nawka, Gesa Jäger und Bernhard Strubel interviewt und darüber befragt, welche Herausforderung es darstellt, improvisierte Filme zu schneiden.

– Auf PewPewPew hat Sascha nach einem Jahr mal wieder einige empfehlenswerte SF-Kurzfilme zusammengetragen. Viel Spaß beim Anschauen!

– David war auf der Viennale und hat auf auf Whoknows presents einen sehr umfangreichen und kurzweiligen Bericht über die von ihm dort gesehenen Filme – hauptsächlich aus der Retrospektive – veröffentlicht, der einen umgehen zum Stift greifen lässt, um zu notieren, was man sich denn mal so besorgen sollte.

– Nicht nur der Titel „Zarte Haut in schwarzer Seide“ klingt verlockend, auch Udo Rotenbergs Besprechung dieses von Max Pécas in Deutschland gedrehten Filmes auf Grün ist die Heide macht Lust auf mehr.

– Oliver Armknecht hat auf film-rezensionen.de zwei „Alice im Wunderland“-Variationen am Start, die nicht so bekannt sein dürften, wie die Disney-Versionen. Einmal eine SEHR frühe Verfilmung von 1903 und dann eine faszinierende, russische Zeichentrick-Variante von 1981.

– Auch Andreas Eckenfels von Die Nacht der lebenden Texte stellt dem schon in der letzten Woche an dieser Stelle erwähnten Retro-Spaß „Turbo Kid“ gute Noten aus.

– Eine ziemliche 6 verpasst Jan Noyer auf Kuleschow-Effekt dem deutschen Tierhorrorfilm „Stung“ und bestätigt in seiner Besprechung alles, was ich schon befürchtet hatte.

– JackoXL gefiel auf Die drei Muscheln der wunderschöne „Malastrana“, dem ich durchaus ein Pünktchen mehr gegönnt hätte als Jacko.

– Der neue Film von Gaspar Noe, „Love“, kann Flo Lieb von symparanekronemoi nicht vollends überzeugen. Er macht aber deutlich, warum es in den Blogs in den kommenden Wochen sicherlich noch einige Kontroversen um diesen in 3D gedrehten Film mit seinen vielen explizierten Sexszenen geben wird.

„Die Schlange im Schatten des Adlers“ katapultierte Jackie Chan – mit dem seine Regisseure zuvor nicht viel anzufangen wussten – über Nacht ganz nach oben. Zu Recht, wie auch totalschaden auf Splattertrash findet.

Das Bloggen der Anderen (10-11-15)

Von , 10. November 2015 21:12

bartonfink_type2– Die Nordischen Filmtage in Lübeck sind ein ganz wunderbares Filmfestival, welches ich auch gerne mal wieder besuchen würde. Leider fehlt mir dazu momentan die Zeit. Sonja Hartl hat auf B-Roll einen Vorbericht zu den Filmtagen geschrieben, Rainer Kienböck berichtet auf Jugend ohne Film direkt vom Festival und auf Zeilenkino kann man dann nachlesen, wer die diesjährigen Preisträger waren.

– Zwei Nachträge zur Viennale gibt es auf critic.de. Michael Kienzl vervollständigt seine Festivalnotizen und in meinen Augen fast noch wichtiger: Seine Beobachtungen zu der „Austrian Pulp“-Nebenreihe, die hochspannend kuratiert war.

Daumenkino berichtet vom Filmfest Braunschweig, wo einige ausgesprochen interessante Filme liefen. So schreibt Florian Krautkrämer über den kolumbianischen „Embrace of the serpent“, Philipp Baumgartner über den spanischen „Heroes of Evil“ und Miriam Eck über den deutschen „Der Bunker“, auf den ich schon sehr gespannt bin.

– Lucas Barwenczik hat auf B-Roll einen hochinformativen und sehr lesenswerten Artikel um die Wechselwirkung und gegenseitige Beziehungen von Filmen und ihre Fans veröffentlicht. Stefan Otto stellte eine Neuerscheinungen bei den Filmbüchern vor.

– Simon Kyprianou stellt auf Die Nacht der lebenden Texte noch zwei seiner Bond-Favoriten vor und überrascht mit „Ein Quantum Trost“.

– Auch bei Duoscope dreht sich alles um Bond und zwar um den ersten Bond-Film „Dr. No“, der von Marco detailliert und kenntnisreich analysiert wird.

Schöner Denken fast unter dem hübschen Titel „Das Mars-Bloggen der Anderen“ (aha) mehrere deutschsprachige Blog-Einträge über Ridley Scotts „The Martian“ zusammen.

– Carsten Happe ist auf filmgazette begeistert von Peter Stricklands neuem Film „The Duke of Burgundy“, über den er schreibt „(Peter Strickland durchmisst) mit (…) „The Duke of Burgundy“ einen europäischen Filmraum, der von Subgenres wie dem italienischen Giallo und Filmemachern wie Jess Franco und Dario Argento geprägt wurde und mit einem ausgeprägten Ästhetizismus einhergeht. Dabei aber, und das ist neu und wesentlich für Stricklands Werk, eine Reflektionsebene über das Genrekino direkt mit einbezieht.“ Klingt doch super.

– Wer wissen möchte, welche Filme 2015 in deutschen Kinos anliefen, der wird bei mehrfilm.de fündig.

– Robin Schröder empfiehlt auf Mise en cinéma den japanischen „Sterben auf dem Land“, ein „Metafilm durch und durch, der sich zwar gewisse formale und inhaltliche Unterhaltungswerte bewahrt, aber in erster Linie eben der (Selbst-)Reflexion dient. Kein leichter Stoff, aber eine lohnenswerte Erfahrung für interessierte Denker und faszinierte Anhänger der japanischen Avantgarde.“

– Und Oliver Nöding kniet auf Remember It For Later vor John Fords frühem Meisterwerk „The Iron Horse“ nieder. Auch von Peter Hymes „Enemies Closer“ mit Jean-Claude Van Damme kann er sich begeistern.

– Oliver Armknecht von film-rezensionen.de empfiehlt den Retro-Spaß „Turbo Kid“, der überall sehr gut ankommt. Der Anime „Tokyo Ghoul“ klingt zwar klasse, kommt aber scheinbar über guten Durchschnitt nicht hinaus. Schade.

funxton empfiehlt den wunderbaren „Die Engel von St. Pauli“, der gerade auf Blu-ray veröffentlicht wurde. Ferner schreibt er über Juan Piquer Simóns im Zuge von „The Abyss“ entstandenen Unterwasser-Film „The Rift“, der hier überraschend gut abschneidet.

– Apropos Horror aus Spanien. Schlombies Filmbesprechungen haben diesmal „Invasion der Zombies“ zum Thema und hier bin ich mir mit Schlombie auch einig. 4 von 5? Passt.

– Nicht wirklich überein stimme ich mit JackoXL, der auf Die drei Muscheln Dario Argentos „Stendhal Syndome“ bespricht. Den finde ich doch sehr viel interessanter. Des weiteren sieht sich stu noch einmal „The Crying Game“ an, der in den 80ern große Furore machte, heute aber fast schon wieder vergessen ist.

– Jan Noyer schreibt auf Der Kuleschow-Effekt über den – wie ich finde – wundervoll bösen „A Boy and his Dog“, der bei ihm aber nur gutes Mittelmaß erreicht.

– Milian und Merli, was soll da schon schief gehen? Eigentlich nichts, meint auch totalschaden auf Splattertrash über „Die Viper“.

– Sebastian empfiehlt auf Nischenkino ganz herzlichen den deutsch produzierten und mit einer internationalen Besetzung (Robert „Elliot Ness“ Stack in der Hauptrolle) gedrehten Abenteuer-Reißer „Die Hölle von Macao“ und die Besprechung macht auch wirklich Lust auf diesen Film.

– Sehr ans Herz legt auch Michael Schleeh seinen Lesern auf Schneeland einen Film. Der chinesische „Buddha Mountain“ wird von ihn beschrieben mit: „Manchmal fühlt sich das auch alles an wie eine Märchenerzählung, außerweltlich, traumartig, schockierend, traurig, ätherisch, flüchtig. Zurück bleiben eher Bilder und Gefühle, als eine Geschichte.“

– Alex Klotz schreibt auf Hard Sensations über den abschließenden Teil der „This is England“-Saga.

– Obwohl ich ein großer Freund des polnischen Kinos bin, habe ich von dem Ehepaar Themerson und ihren in den 30er und 40er entstandenen, experimentellen Kurzfilmen noch nie etwas gehört. Bis ich Manfred Polaks hochspannenden Artikel auf Whoknows presents gelesen habe.

Neues aus Hollywood liest man beim Kinogänger.

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