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Das Bloggen der Anderen (24-07-17)

Von , 24. Juli 2017 16:53

– Frédéric Jaeger macht sich auf out takes sehr interessante Gedanken darüber in welche Zukunft der deutsche Film blickt. Und mit dem Satz: „Wenn sich aber Zuschauer von hiesigen Filmen abwenden, dann doch nicht, weil sie zu wenig Klein-Hollywood sind. Sondern, weil sie ihre Eigenheiten zu selten pflegen. Weil sie verwechselbar, wenn nicht sogar austauschbar sind“ spricht er mir aus der tiefsten Seele. Das sollten sich auch mal die Freunde vom „neuen deutschen Genrefilm“ durch den Kopf gehen lassen.

– In der letzten Woche war leider wieder einmal zwei Todesfälle zu beklagen. Zum einen verstarb der große Schauspieler Martin Landau, zum anderen der von vielen hochverehrte Modernisierer des Horrorfilms: George A. Romero. Der Kinogänger hat sowohl für Landau, als auch Romero einen Nachruf verfasst. Einen weiteren Romero-Nachruf gibt es auf dem neuen Filmblog von Robert Zion. Über George A. Romero und seine Bedeutung hat auch Oliver Nöding auf critic.de einen schönen Text verfasst. 

– Auf seinem Blog Remember It For Later bespricht Oliver zwei Filme, die mir sehr am Herzen liegen, da sie mich mit ihrer sehr merkwürdigen, dichten und im wahrsten Sinne des Wortes „traumhafte“ Stimmung immer wieder faszinieren: Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofsmauer“ und Mario Bavas „Lisa und der Teufel“. Zu meiner Schande muss ich übrigens gestehen, dass mir „Shining“-Referenzen bei „Haus“ bisher gar nicht so aufgefallen sind, obwohl sie so offensichtlich sind. Spannend.

– Weiter geht es mit Italien: Gerade ist hierzulande der Giallo „Haus der tödlichen Sünden“ erschienen, den Mauritia Mayer auf Schattenlichter sehr positiv bespricht.

– Und nochmal: Funxton ist von dem überraschend tolle Giallo „La Ragazza Dal Pigiama Giallo“, der hier unter dem irreführenden Titel „Blutiger Zahltag“ erschien, ebenso begeistert, wie ich es war.

– Rainer Kienböck hat auf Jugend ohne Film einen Vortrag online gestellt, den er anlässlich einer Vorführung hielt, die den Brüdern Auguste und Louis Lumière gewidmet war.

– Eine wahnsinnig interessante Geschichte, hat Manfred Polak auf Whoknows presents zu erzählen. Bei Planierarbeiten für ein neues Freizeitzentrum 1978 kamen in Dawson City, ganz im Nordwesten Kanadas, völlig unerwartet Filmdosen und Filmrollen ans Tageslicht. Die Bauarbeiten wurden vorübergehend unterbrochen, und eine erste Sichtung der Rollen ergab, dass es sich um Stummfilme handelte, die offenbar seit Jahrzehnten dort im Boden lagen, der die meiste Zeit des Jahres gefroren ist. Bill Morrison hat daraus einen Dokumentarfilm gemacht, den Manfred seinen Lesern sehr ans Herz legt. Der Film lief auch schon mal Mitten in der Nacht auf Arte, wo ich ihn leider verpasst habe.

Die drei Cineasten schreiben über die frühen Western “The Lawless Nineties“ und „King of the Pecos“, beide von 1936, beide von Regisseur und Citizen John Kane und mit John Wayne als heldenhaften Hauptdarsteller, die sie für die Entwicklung des Genres für wichtig erachten.

Filmlichter teilt meine Begeisterung für den Klassiker „Der dritte Mann“, daher hat er diesem Film einen längeren Text gewidmet.

Bong Joon-hos „OKJA“, der derzeit exklusiv auf Netflix läuft, ist in aller Munde (kein Wortspiel). Michael Schleeh von Schneeland hat ihn gesehen und recht angetan von dem Film, in dem die Liebe eines Mädchens zu seinem Hausschwein eine kleine Welt rettet.

– Christian schreibt auf Schlombies Filmbesprechungen über die ersten beiden „Nightmare on Elm Street“-Filme. Beide gefallen ihm ausgesprochen gut. Beim zweiten hat er auch eine etwas andere Deutung als bei der Mehrheit der Fall ist.

– Wo wir gerade bei Horror-Klassikern sind: Volker Schönenberger bespricht auf Die Nacht der lebenden Texte Sam Raimis „Tanz der Teufel 2“.

– Und zum Abschluss noch ein kleines Highlight: Marco Mewes hat auf Duoscope einmal die großen, epischen Kriegs- und Schlachtenfilme, in denen Hollywood zwischen 1951 und 1980 den Zweiten Weltkrieg unter enormen Kosten und ebenso enormer Publikumsbeteiligung filmisch aufgearbeitet hat, angesehen.

Das Bloggen der Anderen (17-07-17)

Von , 17. Juli 2017 17:00

– Gestern Abend verbreitete es sich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Medien – und auch heute mag meine Facebook-Timeline voll von persönlichen Erinnerungen  an  einen großen Meister. George A. Romero ist von uns gegangen und auch zwei Blogs haben schon Nachrufe verfasst. Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog und Oliver Lysiak von den Fünf Filmfreunden.

– Sehr interessant. Filmlichter spricht mit dem „Spieleforscher“ Dr. Christian Roth, Forscher und Dozent am Lektorat für Interaktives Narratives Design der University of the Arts Utrecht, über den scheinbaren Antagonismus und die symbiotischen Möglichkeiten von Film und Interaktivität.

– Noch ein schöner, ausführlicher Rückblick auf das Bologneser Retrospektiven-Festival „Il Cinema Ritrovato 2017“ von Michael Kienzl auf critic.de

– Birte Carolin Sebastian hat Olivier Assays für den Revolver-Blog interviewt.

– Nachdem die Gerüchte durch das Netz geisterten, dass Tarantinos nächstes Projekt mit den Manson-Morden zu tun haben soll, schlugen die Wellen hoch. Negative Space hat sich seine eigenen Gedanken gemacht und den Versuch unternommen, das enorme Feedback etwas zu sortieren.

– Auf B-Roll hat Sonja Hartl einen sehr lesenswerten Text über das Thriller-Genre in Deutschland geschrieben, den ich so unterschreiben kann. Und anlässlich der Netflix-Serie „Feud“ beschäftigt sich  Andreas Köhnemann mit den Karrieren zweier Grande Dames des klassischen Hollywoods: Bette Davis und Joan Crawford.

– Mauritia Mayer lässt uns auf Schattenlichter wieder an ihren Reisen an die Drehorte ihrer liebsten Filme teilhaben. Diesmal hat sie sich auf die Spuren von Argentos „Phenomena“ begeben.

– Es ist immer wieder erfrischend eine andere Meinung zu lesen, wenn sie gut begründet ist. Jamal Tuschick schreibt für Hard Sensations über Will Trempers „Playgirl“, den er  als didaktisch verlogen empfindet. Das ist gut nachvollziehbar, auch wenn ich den Fall etwas anders sehe.

– André Malberg stellt auf Eskalierende Träume Helmut Käutners Film „Ein Mädchen aus Flandern“ vor.

Funxton empfiehlt Robert Hosseins „Le Vampire de Düsseldorf“ und meint: „Unabhängig von den historischen Ungenauigkeiten ist „Le Vampire De Düsseldorf“ ein hervorragender Kriminal- und sogar ein brillanter Serienmörder-Film“.

– In ziemlich vielen Kommentaren und Besprechungen, die ich in letzter Zeit hier und da gelesen habe, kam Truffauts „Die amerikanische Nacht“ recht schlecht weg. Ich habe den Film bisher nur einmal und das vor vielen, vielen Jahren, gesehen, habe den aber als ganz angenehm in Erinnerung. Darum gibt es jetzt hier mal eine „Gegendarstellung“ von gebelingeber auf Hauptsache (Stumm)Film.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later einen sehr schönen und wie ich finde ausgesprochen treffenden Text über Jackie Chans Action-Klassiker „Police Story“ veröffentlicht.

– Auf dem 4. Iranischen Filmfestival München lief der Film „Janbal“ über den Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de schreibt. Das klingt sehr spannend und ich werde mich mal aktiv auf die Suche nach diesem Film machen, über den Oliver schreibt: „Mit einem narrativen Film hat Janbal wenig zu tun, rein dokumentarisch ist er aber auch nicht. Stattdessen würde man wohl am ehesten Experimentalfilm dazu sagen. Oder auch Kunstperformance.“

– Der Regisseur Christoph Hochhäusler hat um Empfehlungen in Sachen Gangster- Unterwelts- und Nachtfilme abseits des Kanons gebeten, und viele haben geantwortet. Die vielen Tipps hat er nun auf seinem Blog Parallel Film veröffentlicht.

Content-Diebstahl: Wenn der eigene Blog geklaut wird – Ein Erfahrungsbericht

Von , 11. Juli 2017 14:12

Letzten Mittwoch hatte ich diesen Text bereits auf meinem privaten Facebook-Profil gepostet. Da dieses aber nicht öffentlich ist, veröffentliche ich es auch noch einmal stark überarbeitet auf meinem Blog. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das, was mir da passiert ist – und vor allem die Lösung, wie man es unterbindet – auch für Andere interessant und hilfreich sein kann.

Wenn man denkt, man hätte schon alles erlebt. Letzte Woche machte mich ein guter Mensch – Sascha vom Okaeri-Blog – darauf aufmerksam, dass es meinen Blog zweimal im Netz gibt. Einmal natürlich das bekannte Filmforum Bremen hier – und dann eine mir bis dahin unbekannte Seite namens stunningfilm.com. Gleiches Aussehen, identischer Inhalt – nur eine andere URL und eine Autorin, von der ich noch nie gehört hatte, nebst einem (offensichtlich) gefälschtem Impressum. Und noch ein weiterer wichtiger Unterschied: Statt der Blogroll und dem Archiv war dort auf der rechten Seite Werbung platziert worden.

Meine Theorie: Jemand kapert massenhaft Blogs und vermietet Platz auf diesen Fakes dann an irgendwelche Werbefirmen, die dort Werbung für ihre Kunden platzieren. Und wenn mal jemand von diesen Kunden auf die Idee kommt nachzuschauen (oder die Werbefirmen es nachweisen müssen), ob seine Werbung auch effektiv auf „echten“ und aktiven Blogs platziert wurde, wird er kein Verdacht schöpfen, da die Inhalte der Fakes ja regelmäßig mit echtem Inhalt aktualisiert werden. Nämlich jedesmal dann, wenn der echte Blog einen neuen Artikel postet oder jemand auf dem echten Blog einen Artikel kommentiert. Das wird nämlich alles durch das Anzapfen des FTP-Servers in Echtzeit gespiegelt.

Nach Momenten der Hilflosigkeit habe ich den Rest des Abends und die frühe Nacht damit verbracht, im Internet herumzustöbern, was man da machen kann. Als erstes bin ich über eine Seite gestolpert, die empfahl, den Fake hier bei Google zu melden. Damit soll er dann aus den Suchergebnissen bei Google verschwinden (teilweise stand der Fake-Blog nämlich in der Trefferliste vor meinem Original). Das Formular mit den tausenden Hinweisen, was einem alles passieren kann, wenn man falsche Angaben macht, habe ich in meiner ersten Wut dann auch brav ausgefüllt. Ob es aber etwas bringt, kann ich noch nicht sagen. Google weist darauf hin, dass sie sich in der Angelegenheit nur melden, falls sie noch Fragen haben und ansonsten keine weiter Kommunikation stattfindet. Nach jetzt gut einer Woche taucht der Fake-Blog noch immer in den Suchergebnissen auf. Allerdings läuft die Google-Verlinkung ins Nichts, denn ich habe mittlerweile einen anderen Weg gefunden, dem Fake erst einmal den garaus zu machen.

Nach weiterer Recherche hatte ich nämlich zwei Dinge herausgefunden: 1. Das Ganze ist wohl eine ziemlich weit verbreitete Masche. Bei Facebook gibt es eine deutschsprachige Gruppe von betroffenen Bloggern, die allein schon 702 Mitglieder hat. 2. Die Seite spiegelt meinen Blog, indem sie irgendwie die Inhalte in Echtzeit direkt von meinem Server holt. Lösung des Problems: Die IP-Adresse rausfinden und diese in der .htaccess blocken. Eine sehr gute, einfach zu verstehende Anleitung wie man das macht, gibt es hier: http://www.seiten-wechsel.org/wordpress/content-diebe-unterwegs-massenhaft-deutsche-blogs-von-content-klau-betroffen/

Kurz vor 1 Uhr in der Nacht hatte ich mit Hilfe der Anleitung die Klau-Seite platt gemacht (natürlich funktioniert das nur so lange, wie diese nicht ihre IP ändert – daher muss ich auch weiterhin wachsam sein). Ohne den Tipp von Sascha wäre ich da nie darauf aufmerksam geworden. Wer googelt schon seine eigenen Blog-Inhalte? Darum sollten die Blog-Betreiber die dies hier lesen besser mal nachprüfen, ob sie nicht auch Opfer eines Content-Diebs geworden sind.

Das Bloggen der Anderen (10-07-17)

Von , 10. Juli 2017 17:05

– Auf Whoknows presents beschäftigt sich david überraschenderweise mit einem gerade aktuellen Film. Dazu noch einer, den ich mal unter Action-Mainstream verbuche würde (ohne ihn oder seinen Vorgänger gesehen zu haben). Immerhin lief er in den Multiplexen. Aber david entdeckt in „John Wick: Chapter 2“ überraschende Parallelen und Referenzen zum klassischen Slapstick (in der Tat, der Actionfilm der 10er und 20er Jahre). Das garantiert mal wieder eine spannende Lektüre.

– In Neuchâtel geht das NIFFF weiter und Sennhausers Filmblog berichtet in diesem Zuge über die Filme „Dave Made a Maze“ von Bill Watterson – der sich ausgesprochen spannend anhört – und „The Endless“ von und mit Justin Benson und Aaron Moorhead, die „Spring“ schon für einige Furore gesorgt haben.

– Das Team von Jugend ohne Film (Patrick Holzapfel, Rainer Kienböck, Ivana Miloš, Valerie Dirk, Sebastian Bobik und Andrey Arnold) blicken noch einmal ausführlich auf das Il Cinema Ritrovato 2017 zurück.

– Mauritia Mayer stellt auf Schattenlichter einen Film vor, der zu Recht als obskurer Kultfilm gehandelt werden kann. Trotz Remake mit Nic Cage und einiger guter Veröffentlichungen in letzter Zeit. Das unerreichte Original von „The Wicker Man“ von Robin Hardy ist einfach noch zu unbekannt. Mauritias begeisterte Besprechung ändert dies hoffentlich.

– Sebastian hat sich auf Nischenkino einen Klassiker des Blaxpoitation-Kinos vorgenommen: „Friday Foster“ mit der unvergleichbaren Pam Grier.

– Passend zu dem Weird Xperience-Screening von „Die Gewalt bin ich“ letzte Woche, hat Oliver Nöding auf Remember It for Later anhand von Lenzis „Camorra – Ein Bulle räumt auf“ einige sehr interessante Gedanken zu Maurizio Merli und dem von ihm dargestellten Typ Polizisten gemacht. Ferner erläutert er, warum „Harley Davidson and the Marlboro Man“ für ihn gar nicht funktioniert hat. https://funkhundd.wordpress.com/2017/07/05/napoli-violenta-umberto-lenzi-italien-1976/ – Eine schöne Review des sympathischen „The Void“ gibt es auf Allesglotzer.

Schlombies Filmbesprechungen empfehlen diesmal einen TV-Film. Fritz Umgelters Dürrenmatt-Bearbeitung von „Die Physiker“ hat Christian ausgesprochen gut gefallen. Was man von René Cardona Jr.s “Tintorera” mit “the sexist man alive” Hugo Stiglitz nicht unbedingt behaupten kann.

– Trotz einer 5/10-Wertung hat Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de einige neugierig machende Worte für den deutschen Actionfilm „The Immigration Game“ gefunden.

Das Bloggen der Anderen (03-07-17)

Von , 3. Juli 2017 17:08

– Im italienischen Bolonga findet derzeit das diesjährige Festival Il Cinema Ritrovato statt, welches statt aktuellen Filmen neue und ältere Restaurationen (digital und analog) zeigt. Ein absoluter Traum und für mich ein Sehnsuchtsort, den ich irgendwann einmal besuchen möchte. Eine gute Einführung über das Festival hat Patrick Holzapfel auf B-Roll geschrieben. Aber auch auf seinem eigenen Blog Jugend ohne Film ist er mit seinen Mitstreitern aktiv. Hier schreibt er über „Until They Get Me“ von Frank Borzage, während Rainer Kienböck zusammen mit Sebastian Bobik sehr kritisch über „La nuit américaine“ von François Truffaut diskutiert.

– Ein anders, sehr interessantes Festival, welches ich auch gerne einmal besuchen würde, ist das Neuchâtel International Fantastic Film Festival, kurz NIFFF. Von dem was ich drüber lesen konnte, scheint es ein wundervolles, kleines und intimes Festival vor fantastischer Kulisse zu sein. Und die Filme, die dort gezeigt werden, klingen auch immer sehr besonders und interessant. Wie jedes Jahr berichtet auch 2017 wieder Sennhausers Filmblog. In dieser Woche stellt er „Bitch“ von Marianna Palka und „Prevenge“ von Alice Lowe vor. Zwei Filme, in denen die Regisseurinnen auch die herausfordernden Hauptrollen spielen.

– Manfred Polak hat für Whoknows presents mit „The Robber Symphonie“ wieder einmal einen – mir zumindest – unbekannten, aber sehr interessanten Film ausgegraben und weiß eine Menge spannender Dinge über den österreichischen Schauspieler, Regisseur, Komponist und Dirigent Friedrich Fehér und die Entstehung dieses Werkes zu berichten.

– Andreas von Filmlichtung macht sich darüber Gedanken, welcher Schauspieler den Absprung in den rechtzeitigen Filmruhestand verpasst hat und seither seinen eigenen Mythos zerstört. Ja, De Niro ist natürlich dabei.

– Michael Schleeh ist begeistert von Jun Tanaka Filmdebüt „Bamy“ und schreibt auf Schneeland „derart dem J-Horror-Film neue Impulse zu geben, das hätte man nicht unbedingt von einem so kleinen Indie-Film erwartet, der gerade mal 6000€ gekostet hat.“

– Ken Duken hat mit „Berlin Falling“ seinen ersten Film als Regisseur gedreht. Das wäre jetzt nicht so ungewöhnlich, wenn es nicht ein Genrefilm wäre und dieser sogar bei den Kritikern wie Oliver Armknecht von film-rezenionen.de und Ronny Dombrowski von cinetastic.de gut ankommen würde.

– Christian Genzel hat sich für Wilsons Dachboden in den blutigen Staub des Italo-Western und zu dem quasi Gothic-Western „Django und die Bande der Bluthunde“ begeben.

– Gabelingeber ist verblüfft, dass Arthur Hillers Film „The Man in the Glass Booth“ hierzulande – trotz Maximilian Schell in der Hauptrolle – nicht nur ziemlich unbekannt ist, sondern sogar niemals veröffentlicht wurde. Mehr darüber auf Hauptsache (Stumm)Film.

– Werner Sudendorf stellt auf new filmkritik den Film „Heiße Ernte“ von 1956 vor.

– Oliver Nöding schreibt auf Remember It for Later über zwei Filme, die vor ca. 20 Jahren für erhebliches Aussehen sorgten: „Battle Royale“ von Kinji Fukasaku und „Starship Troopers“ von Paul Verhoeven.

– Was für ein Zufall. Gerade gestern haben wir hier in Bremen beim Open Air Kino „Frankensteins Todesrennen“ gezeigt – nachdem wir den Event aufgrund des fiesen Wetters zweimal verschieben mussten. Und dann lese ich bei Schlombies Filmbesprechungen, dass Christian den Film auch gerade geschaut hat. Und er hat ihm genauso gut gefallen wie uns und unserem (den Umständlich geschuldeten) spärlichem Publikum.

– Ein ewiger Lieblingsfilm: „Carlito’s Way“ von Brian de Palma (tatsächlich mag ich „Carlito“ sogar noch lieber als „Scarface“). Simon Kyprianou von Die Nacht der lebenden Texte sieht zumindest den ersten Punkt ähnlich.

DVD-Rezension: „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“

Von , 28. Juni 2017 06:41

Im Jahre 2307 wird die Erde von Eis und Schnee bedeckt. Die Reste der Menschheit haben sich in unterirdischen Siedlungen geflüchtet. Für die oberirdisch zu erledigende Arbeiten (und die Bordelle unter dem Eis) wurden sogenannt Humanoids (kurz „Noids“ genannt) geschaffen. Eines Tages kommt es zur Rebellion der Noids, die brutal niedergeschlagen wird. Doch einem der Rebellen, ASH-393 (Branden Coles), gelingt die Flucht. Fünf Jahre später wird Soldat Bishop (Paul Sidhu) von seinem Vorgesetzten General Trajan (Brad Potts) reaktiviert, um eine kleine Truppe an der Erdoberfläche zu begleiten und AHS-393 endlich einzufangen. Bishops Frau war während der Rebellion umgekommen und Trajan berichtet Bishop nun, ASH-393 habe seinerzeit Bishops ungeborenes Kind aus dem Mutterleib gerissen. Die Hoffnung, sein Kind lebendig zu finden, treibt Bishop nun an. Doch AHS-393 in der sogenannten „Todeszone“ dingfest zu machen, stellt sich als fast unmöglich heraus…

Gehen einem die Hauptdarsteller eines Films bereits nach wenigen Minuten tierisch auf die Nerven, dann weiß man, dass ein langer, harter Weg bis zum Ende vor einem liegt. Im besten Fall, kann man abschalten, manchmal muss man aber auch bis zum Schluss durchhalten – zum Beispiel, wenn man den Film besprechen will. Nun gibt es Filme, die sich durchaus lohnen gesehen zu werden, auch wenn einem die handelnden Personen durch die Bank unsympathisch bleiben. „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“ gehört aber leider nicht in diese Kategorie. Völlig ironiefrei wird hier mit viel geflüstertem Pathos ein billiges Klischee an das andere gereiht. Was hier alles an vollkommen überzogenen Standardsituationen aus den letzten 30 Jahren Actionkino aus der Mottenkiste geholt wird, das würde sich noch nicht einmal ein minderbegabter Parodist trauen. Klar, dem Mut, einfach mal wirklich jedes Klischee zu erfüllen und dieses dann noch ohne Anflug von Humor ins Lächerliche zu erhöhen, gebührt irgendwo auch Respekt. Leider ist das Resultat so schrecklich blöd und fade, dass man sein Haupt vor lauter Fremdschämen nur noch in beiden Händen wiegen möchte.

Schon der Auftakt lässt Schlimmes erahnen. Eine Gruppe rauer Gesellen wird losgeschickt, um den Anführer rebellierender Klone, die sich in der zugefrorenen „Todeszone“ zurückgezogen haben, zu fangen und zu töten. Diese Gruppe ist dann auch typengerecht mit einem großmäuligen Farbigen, einer blonden Nazi-Braut und einem coolen Asiaten besetzt. Ja, ein unscheinbarer Hipster gehört auch dazu, ist aber (natürlich) der Bruder des Hauptdarstellers. Diese tolle Truppe hat dann auch etwas zu oft „Aliens – Die Rückkehr“ gesehen und übertrifft den Nervfaktor der „Space Marines“ noch bei weitem. Kein Dialog, währenddessen die harten Jungs und das extra-taffe Mädel mit Hitler-Schwäche nicht lauthals lachend den Kopf in den Nacken werfen, sich High-Fives zuwerfen und sich gegenseitig mit blöden Anmach-Sprüchen voll labern. Ja, denen wünscht man dann in der Tat einen noch schnelleren Tod als dem Teenie-Kanonenfutter in einem unterdurchschnittlichen Slasher-Film.

Hauptfigur „Bishop“ (ist das jetzt eine „Aliens“ oder eine X-Men-Referenz? Eine eigenständige Idee der Macher schließe ich hier aus, und die dekorative Narbe auf Bishops Gesicht lässt letzteres vermuten) wird mit einer wilden Perücke und angeklebten Rauschebart als Säufer (bzw. Drogenabhängiger) eingeführt, der nach dem Tod seiner Frau den Halt unter den Füssen verloren hat. Klar, keine zwei Minuten später ist der Bart dann gestutzt und der Gute wieder clean, aber so ein Held braucht halt ein Trauma. Hauptdarsteller Paul Sidhu ist auch für die Story verantwortlich, auf der das Drehbuch beruht. Und es ist ja auch nett, dass das Babyface mit den Kayalstrichen unter den Augen sich die Rolle eines schweigsamen, harten Actionhelden auf den nicht gerade massigen Leib geschrieben hat. Man hätte sich nur gewünscht, er hätte etwas mehr Fantasie gehabt und nicht so einen tristen Quatsch fabriziert, dessen größte Überraschung darin besteht, dass nun aber auch wirklich jede – JEDE! – Standardsituation vorkommt, die man sich denken kann. Keine Originalität, keine Überraschung – nirgendwo. Da fällt dann Sidhus Mangel an schauspielerischen Talent und die komplette Abwesenheit von irgendwelcher Charisma umso deutlicher ins Gewicht. Das größte Wunder dieses Films ist es dann auch, dass irgendjemanden scheinbar das Drehbuch so gut gefiel, dass er dafür etwas Geld locker gemacht hat, statt Sidhu & Co. damit vom Hof zu jagen. Vielleicht lag es ja an Regisseur Joey Curtis dessen Erstling „Streets of Legend“ immerhin mal auf dem Sundance einen Preis gewann. Dies war zwar „nur“ der Cinematography Award für Kameramann Derek Cianfrance (der später selber als Regisseur tätig wurde und mit „Blue Valentine“ – bei dem Joey Curtis am Drehbuch mitschrieb! – und „The Place Beyond the Pines“ für Furore sorgte), aber scheinbar reichte das irgendeinem Produzenten aus, der nicht gesehen hat, dass „Streets of Legend“ in der IMDb eine Wertung von gerade einmal 2,8/10 hat. Eine Zahl, die ich auch auf seinen „Humanoid“ übertragen würde.

Bei „Humanoid“ hat Curtis keinen Derek Cianfrance zur Hand. Die Kamera wird hier von Ian Coad geführt, der damit keine Wunder vollbringt. Während der Actionszenen wird sie halt viel geschüttelt, ansonsten bewegt man sich auf durchschnittlichem TV-Niveau. Leider kann auch nie kaschiert werden, dass die Sets sehr billig aussehen und zu gefühlt 80% aus dem Computer stammen. Eine wirkliche Fusion von realen und Computerbildern findet auch nie statt. Ständig sieht es so aus, als wenn man irgendwo im Hinterhof gefilmt und da einfach ein paar Computereffekte drübergelegt hätte. Das beißt sich dann natürlich mit der (zugegeben nicht so schlechten) Power-Musik und Paul Sidhus mit rauer Stimme hin geflüsterten Monologen, die von Einsamkeit, dem Schmerz in seinem Leben und die Feindlichkeit der Welt handeln. Dabei wäre die Geschichte um die Humanoids – mutierte Klons, die menschenähnlicher wurden, als es ihren Erschaffern lieb war – durchaus Potenzial für einen guten Unterhaltungsfilm. Auch wenn man sie seit „Blade Runner“ nun schon tausendfach gesehen hat. Doch dann kommt auch schon wieder der Holzhammer raus und völlig subtil darf Nazi-Bitch Kix aus „Mein Kampf“ zitieren und was von überlegenden Rassen faseln. Ja, ja.. verstanden. Die Botschaft kam an. Die Humanoids sind dann auch der einzige positive Aspekt des Films. Die Szene, in der ein zotteliger Humanoid wie ein Berserker um sich schnappt, ist eines der rar gesäten Highlights des Filmes. Auch Branden Coles in der Rolle des gesuchten ASH-393 macht seine Sache besser als der Rest der Darsteller. Schade, dass hier nicht der Fokus lag. Am Ende bleibt dann doch nur die Erkenntnis: Die weiblichen Lust-Modelle der Humanoids haben große Brüste in denen sie Milch herstellen, welche hervorragend zu Keksen schmeckt. Mehr bleibt jetzt auch nicht zu sagen. Prost!

Hier wird völlig ironiefrei ein vollkommen ausgelutschtes Klischee an das Andere geklebt. Der fade Hauptdarsteller stolpert zusammen mit einigen hochgradig unsympathischen Stereotypen talentfrei durch die öde und vorhersehbare Story. Einzig die titelgebenden Humanoids zeigen etwas Potential.

Die Ascot Elite DVD bietet den Film im guten Durchschnitt. Das Bild ist okay, neigt manchmal allerdings dazu, ein wenig Schäfte vermissen zu lassen und insgesamt „milchig“ zu wirken. Dies könnte aber auch ein gewollter digitaler Effekt sein, um Eiseskälte zu simulieren. Der Ton ist sehr Basslastig. Die O-Tonspur weißt in manchen Dialogszenen leichte Tonschwankungen auf, die aber hörbar bei den Aufnahmen entstanden sein müssen. Die deutsche Synchro ist nicht besonders toll, aber auch nicht wirklich schlecht. Als Extras gibt es zwei entfallen Szenen, die ich mir aber nicht mehr angeschaut habe – und natürlich Trailer.

Das Bloggen der Anderen (26-06-17)

Von , 26. Juni 2017 18:44

Der Blogartikel, den ich diese Woche mit der größten Aufmerksamkeit gelesen habe, stammt von Rajko Burchardt auf B-Roll, der auf eine Facebook-Diskussion eingeht, welche ich auch live (passiv) verfolgt hatte. Seine Gedanken treffen die meinigen recht gut und regen zur weiteren Diskussion an.  Patrick Holzapfel schaut noch einmal auf Cannes zurück und dort auf die Quinzaine des Réalisateurs, die mit dem Fokus auf die Entdeckung neuer Talente Filme aufnimmt, die zu gewagt, radikal oder individuell für den Hauptwettbewerb sind.

– Andreas fragt auf seinem Film Filmlichtung provokant: „Sind Prequels eigentlich immer Mist?“ und lädt zur Diskussion ein.

– Klaus Kreimeier schreibt auf Filmgazette über einen magischen Kinoaugenblick in „Aber meine Liebe stirbt nicht“ von 1913.

– Sebastian stellt auf Das Magazin des Glücks drei Filme von Alain Corneau vor und bedauert, dass dieser französische Meister des schwarzen Kriminalfilms kaum bekannt ist.

– Oliver Nöding bespricht auf Remember It for Later in dieser sehr viele wunderbare Filme, von denen ich nur drei herausgreife: „Last Boyscout“, den ich über alle Masse liebe, „Cannibal Holocaust“, weil er so erschreckend wichtig ist und „Zombi 2“, weil Fulci.. und weil ich ihn auf der großen Leinwand auf 35mm sehen durfte und dies im wahrsten Sinne des Wortes ein „augenöffnendes“ Erlebnis war.

– Frédéric Jaeger war auf dem 7. Bilderrausch Filmfest in Basel und berichtet hierüber auf critic.de. Außerdem hat er ein Interview mit den Direktoren des Bildrausch Filmfest Basel geführt.

Ein japanischer Neue-Welle-Regisseur verfilmt Cornell Woolrich? Mehr darüber liest man auf Dirty Laundry.

Film-Rezenisonen.de weist auf das Schweizer Neuchâtel International Fantastic Film Festival, kurz NIFFF, hin und Oliver Armknecht reviewt „Le Redoutable“ ein Komödie über Jean-Luc Godard vom „The Artist“-Regisseur Michel Hazanavicius. Kann das gut gehen?

„Chemie und Liebe“ ist eine Filmkomödie, die 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone (die DDR gab es da ja noch nicht) entstand. Regie führte Arthur Maria Rabenalt. Auf Whoknows presents stellt david den Film und seinen interessanten, aber nicht wirklich unproblematischen Regisseur vor. Sehr lesenswert. Interessant auch, dass der Kameramann von „Jud Süss“ (der auch diesen Film fotografierte), später die „Sissi“-Filme in Bilder fasste. War mir bis dato nicht bekannt.

– Valerie Dirk hat auf Jugend ohne Film einen interessanten Text über den Film „Reisender Krieger“ von Christian Schocher online gestellt. Und Rainer Kienböck berichtet von der wundervollen Il Cinema Ritrovato 2017 über den polnischen Film „Niedzielne igraszki“ von Robert Gliński, der nach seiner Fertigstellung 1983 vier Jahre im Regal liegen musste, da er nicht in die damalige Parteipolitik passte.

– Allen Ortes wird der neue Film von Sergio Sollimas Sohn Stefano hoch gelobt. So auch von Sebastian von Nischenkino, der „Suburra“ ebenfalls vorbehaltlos empfiehlt.

– Zwei „kleinere“ Filme bekannter Genre-Reüssieren sind gerade in neuen Editionen erschienen. LZ von screenread hat Wes Cravens Auftragsarbeit „Tödlicher Segen“ und Larry Cohens letzten eigenen Film „Ambulance“ gesehen und ist von beiden durchaus angetan.

– Ich habe es hier und an anderer Stelle schon öfters erwähnt: Ich verehre den großen Buster Keaton. Sein Film „Die verflixte Gastfreundschaft“ von 1923 habe ich allerdings noch immer nicht gesehen. Eine schmerzliche Lücke, wie mir gabelingebers Besprechung auf Hauptsache (Stumm)Film gerade wieder ins Gedächtnis ruft.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen widmet sich in dieser Woche u.a. zwei Sherlock Holmes-Verfilmungen und dem brillanten Ameisen-Horror „Phase IV“.

– Bergman-Schauspieler go Psycho-Thriller. Funxton wurde von Laslo Benedeks „The Night Visitor“ überrascht.

DVD-Rezension: „Die Narbenhand“

Von , 22. Juni 2017 18:06

Der einzelgängerische Philip Raven (Alan Ladd) ist ein Auftragskiller, der allein mit einer kleinen Katze in einem schäbigen, kleinen Apartment in San Franscisco lebt. Nach dem Mord an einem Erpresserpärchen wird er von seinem Auftraggeber Willard Gates (Laird Cregar), Rechte Hand eines Industriellen und nebenbei Betreiber eines Nachtclubs, mit „schmutzigen“ Geldscheinen bezahlt, die bald schon die Polizei auf Ravens Spur bringen. Die Untersuchung leitet Detective Michael Crane (Robert Preston). Wie es der Zufall so will, wird dessen Verlobte, die singende Magierin Ellen Graham (Veronica Lake) von einem Senator aus Washington angeheuert, um undercover in Gates Nachtclub in Los Angeles anzuheuern und herauszufinden, wer geheime Informationen an die Japaner weitergibt. Auch Raven macht sich auf nach Los Angeles, um Gates zu stellen, und bald schon kreuzen sich ihre Wege…

Die Narbenhand“ ist in zweierlei Hinsicht ein bemerkenswertes Debüt. Zum einen ist erstmals Alan Ladd in einer größeren Rolle zu sehen, der durch diesen Film zu einem der großen Hollywood-Stars der 40er und 50er Jahre aufstieg – zum anderen dürfte „Die Narbenhand“ einer der ersten Filme sein, die die Figur des Profi-Killers in den Mittelpunkt stellen. Der „Gun For Hire“, was auch der Originaltitel dieses Klassikers ist. Laut Wikipedia war „Die Narbenhand“ auch das Vorbild für Melvilles „Der eiskalte Engel“. Ladd erweist sich als Idealbesetzung für den Killer Raven. Man traut ihm eben so zu, jemanden kaltblütig über den Haufen zu knallen, wie einer armen, kleinen Katze Milch zu geben. Auch in seinem Gesicht, welches noch nicht „schön“ in Szenen gesetzt wird, wie in seinen späteren Filmen, spiegelt sich die Zerrissenheit zwischen innerer Abgestorbenheit und der Sehnsucht nach etwas menschlicher Wärme. Ladd ist gleichzeitig heiß und kalt – und damit tatsächlich der Prototyp des „Eiskalten Engels“.

Der nominelle Held des Filmes ist allerdings Robert Preston, der in den Titeln auch groß an zweiter Stelle nach Veronica Lake aufgeführt wird. Alan Ladd muss sich – trotz einiger kleiner Nebenrollen, die er zuvor gespielt hatte – mit einem kleinen „introducing“ am Ende begnügen. Der etwas ungelenk und langweilig wirkende Preston hat auch weitaus weniger Szenen als Ladd. Tatsächlich spielt er eigentlich nur eine größere Nebenrolle. Das ist auch gut so, denn Prestons Det. Lt. Michael Crane wirkt einfach fade. Ein guter Polizist mit konservativer Weltsicht, der freudestrahlend seiner Verlobten ein Leben in der Küche, wo sie auf den tollen Göttergatten wartet, als reinstes Paradies in Aussicht stellt. Eine Rolle, in der man sich die großartige Veronica Lake nicht unbedingt vorstellen kann. Zumal sie hier einen draufgängerischen und unabhängigen Typ spielt. Die Szene in denen sie Preston anhimmelt und davon spricht, dass sie sich nichts schöneres vorstellen kann als ihm abends die Pantoffeln zu bringen, wirken dementsprechend deplatziert und peinlich. An der Seite des sehr viel interessanteren und gefährlichen Ladd fühlt sich die Lake dann auch sichtlich wohler, und ihre unbestreitbar knisternde Chemie führt dazu, dass beide noch in sechs weiteren Filmen ein Paar geben sollten. Insbesondere in „Der gläserne Schlüssel“ funkt es so sehr zwischen den beiden, dass die Leinwand förmlich elektrisiert wird.

„Die Narbenhand“ strotzt nur so vor wundervollen Szenen, die sich einem tief ins Gedächtnis brennen. Wenn Raven am Anfang brutal ein Zimmermädchen schlägt, weil diese eine kleine Katze aus seinem Zimmer jagen wollte. Oder wenn er am Ende in höchster Not eine miauende Katze erstickt, damit diese ihn nicht verraten kann und sein Gesicht widerspiegelt, dass er damit gerade einen Teil von sich selbst getötet hat. Unvergessen auch Veronica Lakes ebenso erschrockenes, abgestoßenes, aber auch mitleidiges Gesicht, wenn sie realisiert, was Raven da gerade getan hat. Besonders intensiv ist der Augenblick in dem Raven kurz überlegt, ob er ein gehbehindertes kleines Mädchen, welches ihn als Zeugin belastet könnte, umbringen soll oder nicht – und wie er sich dann zögernd für Letzteres entscheidet. Hier ist die Summe der Teile mehr als das Ganze, denn zusammengehalten wird dies alles von einem Drehbuch, welches durch ein erhöhtes Maß unwahrscheinlicher Zufälle, konservativen Zeitgeist, langen Musiknummern und patriotischen Aufrufen zusammengehalten wird. Dass Veronica Lakes Charakter gleichzeitig Sängerin, hochtalentierte Show-Magierin, Freundin des ermittelnden Polizisten und Undercover-Agentin sein soll, ist schon sehr hartes Brot. Dass sich dann im Zug ausgerechnet Ladd neben sie setzt, ist ebenfalls im höchsten Grade vom Drehbuch erzwungen. Man mag kaum glauben, dass diese hochgradig konstruierte Geschichte so auch in dem zugrundeliegende Roman des legendären Autoren Graham Greene vorkommt. Doch angesichts der hervorragenden Einzelszenen, nimmt man das mal so dahin.

Während „die Guten“ hier also eine ebenso untergeordnete wie langweilige Rolle spielen, zeichnet sich „Die Narbenhand“ durch seine wundervollen Bösewichte aus. Allen voran der dicke Laird Cregar als Willard Gates, der zwar ohne zu zögern Morde in Auftrag gibt, aber immer wieder betont, wie sehr ihm Gewalt zusetzt und der sich geschickt aus der schmutzigen Seite des Geschäfts heraushält. Und natürlich Marc Lawrence als sein Chauffeur und rechte Hand, Tommy. Ein finsteres Spiegelbild Ravens, der sein tödliches Geschäft nicht eiskalt und effektiv aufführt, sondern heiß und voller Freude. Ein Sadist wie er im Buche steht, der im Mordgeschäft seine Erfüllung gefunden hat. Tommy blitzen die Augen, sobald er daran denkt, jemanden vom Leben in den Tod zu bringen. In einer Szene erzählt er Willard Gates voller Begeisterung und sehr detailliert, was er mit einem potentiellen Opfer vor hat, während sich dieser in Anbetracht der bunt ausformulierten Grausamkeiten in größter Pein windet. Lawrence sollte in seiner langen Karriere noch viele Gangster und Bösewichte spielen und als solcher zweimal gegen James Bond antreten, in „Diamantenfieber“ und „Der Mann mit dem golden Colt“. In den 90er spielte er auch zweimal kleine Rolle unter der Regie von Robert Rodriguez. In „From Dusk Till Dawn“ und „Four Rooms“.

„Die Narbenhand“ ist zurecht ein Klassiker des Film Noir. Der Film glänzt in vielen Momenten, die sich lange ins Gedächtnis brennen und die definierend für das Genre des „Killer-Films“ sind. Als Ganzes ist er dann allerdings doch mit seinen zu lang geratenen Musiknummern und dem zu sehr auf unglaubliche Zufälle bauenden Drehbuch zu zerfasert, um zu den ganz Großen seiner Gattung zählen zu können. Trotzdem sei allen Filmfreunden dieses erste Zusammentreffen der Noir-Ikonen Alan Ladd und Veronica Lake sehr ans Herz gelegt.

Die 24. Ausgabe der Film Noir-Reihe des Hauses Koch Media fällt wieder durch ein gutes, wenn auch diesmal nicht ganz optimales Bild auf. Bei näherem Hinsehen, könnte es an einigen Stellen etwas schärfer sein, was aber den Sehgenuss in keinster Weise schmälert. Der Originalton ist klar und deutlich. Die deutsche Tonspur dementsprechend auch okay, klingt allerdings etwas künstlich, da alle Geräusche ebenfalls neu vertont wurden. Die Synchronisation ist sehr solide und wartet mit bekannten Sprechern auf. Als Extras gibt es den original Kinotrailer und eine Bildergalerie mit Werbematerial.

Das Bloggen der Anderen (19-06-17)

Von , 19. Juni 2017 16:44

bartonfink_type2– Sascha Schmidt von Okaeri sprach auf der Nippon Connection 2017 mit Jasper Sharp von Midnight Eye und Autor von „Behind the Pink Curtain“ über den japanischen Roman Porno.

– Alexander Matzkeit stellt auf real virtuality vier Bücher vor, die ihm geholfen haben, Hollywood zu verstehen.

– Beim Kinogucker gibt es wieder lehrreiches über alte Kinotechnik: Diesmal „Der Bobby“.

– Was im Kinosommer noch so alles ins Haus steht, das weiß Der Kinogänger.

– Rüdiger Suchsland rechnet in der 157 Folge von Cinema Moralia auf out takes mit der Deutschen Filmförderung ab.

– Rainer Kienböck beschäftigt sich auf Jugend ohne Film mit Chris Maker und nimmt als Ausgangspunkt dessen Festival-Trailer, den dieser zum 50. Geburtstag der Viennale gestaltet hat.

– Olga Galicka schreibt auf B-Roll über das weibliche Gewaltpotential im Film. Und Andreas Köhnemann verteidigt das Remake.

– Schwanenmeister stellt auf negative space das Programm des 4. Terza Visione Festivals in Frankfurt vor.

– Oliver Nöding bespricht auf Remember It For Later zweimal großartiges deutsches Kino. Einmal den Über-Film „Blutiger Freitag“ von Rolf Olsen, der – Subkultur und unzähligen Crowdfundern wie mir sei Dank- nun in einer ultimativen Fassung veröffentlicht wurde, sowie Roger Fritz Debütwerk „Mädchen Mädchen“ (ebenfalls von Subkultur), zu dem Eckhart Schmidt das Drehbuch schrieb.

– Lukas Foerster empfiehlt auf Dirty Laundry zwei mir gänzlich unbekannte Filme: „Lumiere d’ete“ von Jean Gremillon, 1943, und „Desire to Be a Bad Man“ von Tsutomu Tamura, 1960. Klingt beides sehr spannend.

– Das ist so ein Film, den ich damals als Jugendlicher mal im TV aufgeschnappt hatte und unter dem ich mir etwas ganz anderes vorgestellt hatte. Ich weiß noch, dass ich den nicht gut fand – aber nicht, weil er schlecht war, sondern weil ich mit ihm nichts anzufangen wusste. Trotzdem bleiben einige Bilder im Kopf hängen und sind jetzt, vielleicht 30 Jahre später, immer noch präsent. Es wäre also mal an der Zeit „Der Mann, der die Katzen tanzen ließ“ wiederzusehen. Insbesondere, wenn funxton ihn so sehr lobt.

– Mauritia Mayer von Schattenlichter verschlägt es diesmal nach England, wo sie uns „And Soon the Darkness“ von Robert Fuest ans Herz legen möchte.

– 18 Jahre ist es nun her, dass Daniel Myrick und Eduardo Sánchez das „Blair Witch Project“ auf die Filmwelt losgelassen haben und 1.000de (größtenteils uninspirierte, doofe) Nachahmer gefunden haben. Christian von Schlombies Filmbesprechungen schaut zurück.

– LZ beleuchtet auf screen/read ausführlich Mel Gibsons „Hacksaw Ridge“.

Das Bloggen der Anderen (12-06-17)

Von , 12. Juni 2017 17:34

bartonfink_type2Nach über einem Monat Blog-Abstinenz (die auch mal wieder ganz gut getan hat) aufgrund von Urlaub, Workshops, Feiertagen, „35 Millimeter“-Artikeln und genereller Bocklosigkeit geht es jetzt wieder weiter.

– Ein Thema, welches mich seit langer, langer Zeit auch immer wieder umtreibt ist eines, ob eine „Eventisierung“ des Kinos diese als Abspielstätten für Filme retten kann und ob nicht dieses „Mehr“ an Drumherum nicht fast schon eine Verpflichtung ist, um sich als Kino heute noch Gehör zu verschaffen. Mit unserer Filmreihe „Weird Xperience“ versuchen wir ja genau das. Den Leuten eine Einführung  bieten und die Möglichkeit, nach dem Film noch zu diskutieren. Ursprünglich hatten wir noch ein musikalisches Rahmenprogramm, um so eine Art „After-Movie-Lounge“ zum Klönen und Schnacken,  aber dies wurde bisher nicht so angenommen, wie gehofft. Urs Spörri beschäftigt sich auf B-Roll eingehend mit diesem Thema und zeigt viele Arten auf, wie solch eine „Eventierung“ mit einem Mehrwert versehen kann. Toller, sehr erhellender Artikel. Für Patrick Holzapfel wäre unser Weird-Xperience-Ansatz wohl nichts, denn er plädiert für das Schweigen nach dem Film. Lucas Barwenczik beschäftigt sich auf sehr interessante Weise mit „The Immigrant“, der vor 100 Jahren uraufgeführt wurde.

– Auf seinem Blog Jugend ohne Film hat Patrick Holzapfel zusammen mit Valerie Dirk ein sehr langes, ausführliches Interview mit Alexander Horwath, dem scheidenden Direktor des Österreichischen Filmmuseums geführt.

– In Frankfurt fand mal wieder das Filmfestival Nippon Connection statt. Michael Schleeh von Schneeland war da und berichtet über Kohei Taniguchis Independent-Wrestling-Komödie „Dynamite Wolf“. Und auch Morgen Luft von Cinematographic Tides war anwesend und schreibt über „Her Love Boils Bathwater“ von Ryōta Nakano, der ihr ausgesprochen gut gefallen hat.

– Oliver Nöding war auf dem 1. Morbid Movies und hat da allerlei Merkwürdiges und Bizarres gesehen, wie die tolle und ebenso traurige, wie lebensbejahende Doku „Sick: The Life and Death of Bob Flanagan, Supermasochist“ oder den berüchtigten Einlauf-Porno „Water Power“. Mehr auf Remember It For Later.

– Auf dem Zürcher Kasernenareal hat sich ein einzigartiges Experimentalfilm- und Video-Festival eingenistet, über das Lukas Foerster auf critic.de berichtet.

– Sascha Schmidt weist auf Okaeri auf die Veranstaltung „Anime Berlin: Pop, Poesie und Propaganda“ hin.

– film-rezensionen.de stellt das Filmfest Emden-Norderney vor, welches noch bis Mittwoch läuft. Ein kleiner „Seitenfüller“, aber nichtsdestotrotz ganz interessant: „Kinocharts Deutschland – Die erfolgreichsten Filme aller Zeiten“ nach Besucherzahlen und nicht nach Umsatz. Nach Christian Anders „Brut des Bösen“ gibt es endlich wieder Martial Arts aus Deutschland: „Plan B – Scheiss auf Pan A“.

– Carolin Werthmann schreibt auf blickabtausch über „Manifesto“ von Julian Rosefeldt. Nach der Premiere des Films auf dem Sundance Festival zu Beginn des Jahres war er nun als Installation im Museum Villa Stuck in München zu sehen.

– Manfred Polak beschäftigt sich auf Whoknows presents mit einem Film, den ich – seit ich ihn irgendwann mal in einem dritten Programm aufgeschnappt hatte – sehr mag. Nicht nur, weil der Verlobte meiner Cousine so perfekt den Opale nachmachen kann. Der Film heißt „Das Testament des Dr. Cordelier“ und ist eine französische  Jekyll/Hyde-Verfilmung von Jean Renoir.

– Sascha Nolte von Die seltsamen Filme des Herrn Nolte hat Paul Bartels Kultfilm „Eating Roul“ gesehen.

– Noch nicht gesehen, aber das muss irgendwann mal nachgeholt werden: Neil Marshalls „The Descent“. Insbesondere nachdem Mauritia Mayer ihn auf Schattenlichter so lobt.

– Ebenfalls ganz nach oben auf der „Muss-ich-gucken“-Liste gerutscht: „Brutale Schatten“ von Jacques Deray, den funxton nachdrücklich empfiehlt.

– Eine Empfehlung spricht auch Volker Schöneberger auf Die Nacht der lebenden Texte aus: Für „Suburra“ von Sergios Sohn Stefano Sollima.

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