Blu-ray-Rezension: „Todes-Brigade“

Von , 22. September 2020 23:55

Eine Bande schwer bewaffneter Motorradfahrer richtet unter den transsexuellen Prostituierten des Pariser Straßenstrichs ein Massaker an. Der Polizist Gérard Latuada (Thierry De Carbonnières) – eigentlich bei der Sitte – wird dem Fall zugeteilt. Bei seinen Ermittlungen wird er mit großen und kleinen Gangstern, Swinger-Clubs und Sexpartys konfrontiert. Bald schon schlägt die Mörderbande erneut zu und unter ihren Opfern befindet sich auch Latuadas Schwester. Ab jetzt ist es persönlich…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

So etwas wie „Todes-Brigade“ konnte es nur in den 80ern geben. Das solch ein Film heutzutage noch einmal produziert würde, ist völlig undenkbar. „Todes-Brigade“ ist so ein Film, für den das Wort Sleaze erfunden wurde. Ein dreckiges, menschenverachtendes, voyeuristisches Spektakel, das sich kein Deut um Sitte und Anstand schert. Was einem heutzutage schon den einen oder anderen Kloß im Hals beschert. Da werden Frauen ausschließlich als Nutten oder unselbständige Weibchen dargestellt (das die Verlobte des Helden Anästhesistin sein soll, ist da eine Ausnahme – wenn Besuch kommt ist es trotzdem selbstverständlich, dass sie erst einmal den Kaffee für die HERRschaften kocht). Gerne in Reizwäsche oder ganz unbekleidet. Und dann werden sie wahlweise vergewaltigt, mit Messern aufgeschlitzt oder sonst wie bedroht. Der psychopathische Killer ist natürlich ein (Zitat:) „Scheiß Schwuler“. Ausländer selbstverständlich alle Verbrecher. So weit, so schwer verdaulich. Aber auch wieder ein Zeitdokument, was zeigt, wo die Gesellschaft Anfang der 80er Jahre noch stand. Heute wäre solch ein Film praktisch unmöglich. Oder nur im Gewand der Parodie denkbar.

Besonders erstaunlich ist, dass dieser Sleaze-Batzen von Max Pécas stammt. Pécas war seit Ende der 50er im Filmgeschäft unterwegs und spezialisierte sich zunächst auf Krimis mit viel Sex, Crime, Gewalt und düsterer Stimmung. Ende der 60er verlegte er sich mehr auf elegant und sorgfältig gemachte Sexfilme, bis er mit dem Aufkommen der Hardcore-Pornographie zu Teenie- und Ferienkomödien wechselte. Pécas war immer ein Regisseur, der vor allem das drehte, was Erfolg brachte. Er war nie ein Visionär oder Autorenfilmer. Auch bei seinen erotischen Filmen ging er (bis auf den harten Sexfilm „Luxure“) nie zu weit und achtete immer darauf, dass er im Rahmen des Zeigbaren blieb. Gerade deshalb reibt man sich verwundert die Augen, wenn man die Freizügigkeiten, die ganze Schmierigkeit und Brutalität von „Todes-Brigade“ sieht. Sie passt im Grunde so gar nicht zu Pécas restlichem Werk. Und man kann spekulieren, dass er auch nicht besonders glücklich mit dem Film war.

Das Drehbuch, an welchem scheinbar Pécas zusammen selber mit schrieb. Sein Co-Autor war der französische Krimiautor Roger Le Taillanter. Dieser leitete als Hauptkommissar in den 70ern die „Brigade de répression du banditisme“ und die Brigade mondaine“. Angeblich wollte er mit dem Drehbuch eigene Erinnerungen an diese Zeit verarbeiten. Nun, man kann kaum glauben, dass sich das alles zu seiner aktiven Zeit bei der „Brigade“ so oder ähnlich abgespielt hat. Zumindest hofft man dies. Es wäre höchst interessant einmal ein Statement von Le Taillanter (oder auch gerne Pécas) zum fertigen Film zu hören. Und wie das Drehbuch letztendlich entstanden ist. Fest steht jedenfalls, dass dieses nicht nur ausgesprochen gewalttätig, homophob, xenophob, frauenfeindlich und voller unsympathischer Charaktere ist, sondern auch von der Struktur her eine ziemliche Katastrophe. Die erste Hälfte besteht praktisch nur aus einer Abfolge scheinbar unzusammenhängender Episoden, bei denen es schwer fällt genau herauszufinden, wer jetzt da gerade gegen oder mit wem. Viele der hier aufgenommen Fäden führen auch einfach ins Nicht. Dafür wird das alles mit äußerster Brutalität und der Extraportion Sleaze umgesetzt. Wenn am Anfang die immer wahrsten Sinne des Wortes zerschossenen Transvestiten auf dem Obduktionstisch liegen und die Kamera immer mal wieder über ihre Geschlechtsteile wandert, während die Polizisten grinsend und feixend in der Ecke stehen, dann weiß man schon in welche Richtung es weitergeht.

Die Hauptrolle spielt der ausgesprochen blasse Thierry de Carbonnières, dem es nicht im Entferntesten gelingt so etwas wie Charisma zu entwickeln. Zwar ist er in der weitaus besseren und fokussierten zweiten Hälfte, wenn er sich zu Racheengel wandelt etwas präsenter, doch auch hier wirkt er immer wie ein Kind, welches einen auf ganz hart machen will. Eine Schau ist demgegenüber sein irrer Gegenspieler Costa, der von Jean-Marc Maurel mit vollem Körpereinsatz, unfassbaren Grimassen und rollenden Augen gegeben wird. Und der damit den Unterhaltungswert des Filmes ordentlich nach oben schraubt. Unter den Damen sticht positiv Lillemour Jonsson als Edel-Call-Girl hervor, während Gabrielle Forest als Freundin des Kommissars eine rein funktionelle Rolle hat. Schade, dass die großartige Brigitte Lahaie (hier unter dem Pseudonym Brigitte Simonin) nur eine kleine Rolle als Polizisten abbekommen hat und recht schnell von der Bildfläche verschwindet.

Mehr bleibt über „Todes-Brigade“ nicht zu sagen. Wenn man sich darauf einlassen möchte, dieses schmierige Bollwerk schlechten Geschmackes als Dokument einer Zeit zu sehen, dann kann man sich sicherlich gut unterhalten fühlen. Denn sein Bemühen um Härte, Coolness und Machismo wirkt heute sehr erheiternd. Langweilig ist das Ganze auf gar keinen Fall, hinterlässt allerdings auch einen gewissen Nachgeschmack.

Die Veröffentlichung durch filmArt präsentiert den Film vollkommen ungeschnitten. Die zuvor fehlenden Szenen wurden im Originalton mit deutschen Untertiteln eingefügt. Die Bildqualität ist okay, sieht ordentlich nach B-Ware aus der Mitte der 80er aus und passt sich damit perfekt dem Inhalt des Filmes an. Neben der Originalfassung sind zwei Synchronfassungen mit dabei. Die eine wurde der Legende nach von der Produktionsfirma angefertigt, um den Film in Deutschland zu verkaufen und ist eigentlich komplett unhörbar. Oder zumindest eine Quelle unaufhörlichen Wunderns. Dass die Rollen von Sprecher von völlig unpassenden Amateur-Sprechern, die möglicherweise nicht unbedingt sattelfest in der Deutschen Sprache waren – okay. Aber auch das Synchrondrehbuch wurde eher improvisiert und klingt so, als hätte es damals schon Google Translate gegeben. Unfassbar. Die zweite Synchro wurde dann für die VHS-Veröffentlichung angefertigt und ist demgegenüber um einiges solider. Und zur Not ist auch der O-Ton mit deutschen Untertiteln noch mit am Start. FilmArts Veröffentlichung kommt als Blu-ray-/DVD-Kombo daher. Den Film gibt es dann auch gleich vier Mal. In der ungeschnittenen Originalfassung (BR/DVD), der deutschen Pressefassung (BR), der deutschen VHS-Fassung (DVD) und in einer verlängerten „(S)Exportfassung“ (auf der BR mit SD-Inserts), die etwas mehr nackte Tatsachen enthält. Davon braucht man eigentlich nur die ungeschnittene O-Fassung, aber aus Vollständigkeitsgründen ist die Auswahl ganz nett. Auf der DVD befinden sich dann auch noch mal die SD-Inserts der „(S)Exportfassung“.

Das Bloggen der Anderen (21-09-20)

Von , 21. September 2020 21:32

– Till Kadritzke schreibt auf critic.de über zwei weitere Filme vom Filmfest Toronto. Hans Schifferle hat ein sehr liebevolles Porträt des mir bisher vollkommen unbekannten 80s-Pornstar Melissa Melendez verfasst. Und Frédéric Jaeger ist sehr begeistert des auch von mir hoch geschätzten Quentin Dupieux: „Monsieur Killerstyle“.

– Peter Gutting vergibt auf cinetastic 8 von 10 Punkten für Oskar Roehlers Fassbinder-Bio-Pic „Enfant terrible“.

Filmlichtung hat in den letzten Wochen sehr viel über den „Ghostbusters“-Franchise geschrieben. Jetzt ist er bei der Neuauflage von 2016 angekommen. Der Film wurde ja ausgesprochen negativ aufgenommen. Die Einschätzung von Filmlichtung empfinde ich (ohne den Film bisher gesehen zu haben, aber die großartigen SNL-Damen Kristen Wiig und Kate McKinnon reizen mich schon) als sehr ausgewogen und fair.

– Drei hochexplosive, grandiose Mafia-Thriller aus Italien. Wer Fernando Di Leos „trilogia del milieu“ bisher nicht gesehen hat, hat etwas verpasst. Warum? Das erklärt Sebastian auf Magazin des Glücks.

„Die Rebellion der lebenden Leichen“ aka „ Blutrausch der Zombies“ ist einer jener wundervollen Paul-Naschy-Filme, in denen man sich wohlfühlt, wie in einem ausgelatschten Hausschuh. Und bei mir der Beginn einer lang anhaltenden Liebe für das iberische Horrorkino. Auch Bluntwolf von Nischenkino verliert gerne viele Worte über den Film.

– Neulich hier eingetrudelt und noch auf einem besonderen Stapel für eine hoffentlich bald folgende, private New-York-in-den-frühen-80er-retro: „Maniac“ von William Lustig. Schattenlichter hat ihn auch gerade geschaut.

– Und noch einer vom großen Haufen ungesehener Filme. Für den epischen „Delta Force“ fehlt mir bisher die Zeit und Muße. Aber vielleicht hole ich das nach Volker Schönenbergers Review auf Die Nacht der lebenden Texte bald mal nach.

– Apropos, muss ich auch mal wieder schauen: „The Class of 1999“, den ich ebenso unterhaltsam in Erinnerung habe, wie ihn Schlombies Filmbesprechungen beschreibt. Und noch ein guter und wertvoller Tipp von Schlombie: Robert Siodmaks „Nachts, wenn der Teufel kam“.

Blu-ray-Rezension: „Direct Contact“

Von , 17. September 2020 16:46

Der ehemalige Marine Mike Riggins (Dolph Lundgren) ist beim Waffenschmuggel erwischt worden und sitzt in einem Gefängnis im Ostblock fest. Eine Chance wieder in Freiheit zu kommen, bietet sich als ihm ein Mitarbeiter der US-Botschaft (Michael Paré) ein Geschäft anbietet: Mike soll im Gegenzug für seine Freiheit die Amerikanerin Ana Gale (Gina May) aus den Händen skrupelloser Entführer befreien. Bald schon entpuppt sich die Mission als Höllenkommando, denn Anas Entführer ist kein der brutale General Drago (Bashar Rahal), der mit seiner bewaffneten Armee das Land im eisernen Griff hat. Doch Mikes Mission gelingt. Allerdings muss er schnell feststellen, dass ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt wurde – und schon findet er sich mit Ana von Armee, Mafia und Killern gejagt…

Ich gebe zu, mit den Werken aus der Nu-Image-Fabrik kenne ich mich leider bisher noch gar nicht aus. Dass Nu Image die Nachfolge der legendären Cannon-Produktion antrat, habe ich erst aus Marco Siedelmanns Buch „Stories From the Trenches“ erfahren. Bei der Recherche merkte ich aber, dass ich doch schon einige Filme aus der Action-Schmiede gesehen habe. „Direct Contact“ stammt aus der Nu Image-Unterfirma Millennium Films, die gerne günstig in Bulgarien (wo man ein einheimisches Studio aufgekauft hat) und Südafrika filmen. Auch mit dem Alterswerk des Herrn Lundgren bin ich bisher nicht besonders vertraut. Wobei ich mir hier bereits auf die Fahnen geschrieben habe, mich hier etwas eingehender damit zu beschäftigen, da man über seine 2000er und 2010er Filme häufig gutes hört. Insbesondere, wenn er selber auch hinter der Kamera Platz genommen hat.

Im Falle von „Direct Contact“ hat er darauf verzichtet und dem leider bereits verstorbenen Nu-Image-Co-Gründer Danny Lerner den Regiestuhl überlassen. Was nicht unbedingt ein Vorteil ist. Denn Lerner ist kein besonders inspirierter Regisseur. Eher ein unambitionierter Handwerker. Es gelingen ihm zwar zwei-drei wirklich schöne Einstellungen, der Rest ist allerdings funktionale Routine. Zudem macht er sich auch nicht die Mühe, die Plotlöcher im Drehbuch zu kaschieren und der Film wimmelt von Anschlussfehlern. Immerhin versucht Lerner nicht mehr zu verkaufen als er im Bauchladen hat. Hier wird einfach mal das Gaspedal durchgedrückt und es links und rechts ordentlich krachen und rumsen lassen. Dass dabei einiges an Stock-Footage aus älteren Millennium-Produktionen verwendet wurden, ist mir während des Filmes nicht aufgefallen, und habe ich erst im Nachhinein gelesen. Das Alt-Material ist also ziemlich gut integriert.

Weniger gut integriert ist James Chalke als Bösewicht im Hintergrund. Chalke ist einer der schlechtesten Schauspieler, die ich in den letzten Jahren gesehen habe und man fragt sich ständig, wie er bloß in den Film geraten ist. Oder generell zum Film gekommen. Da er lediglich in Millennium-Produktionen und dort oft zusammen mit Dolph Lundgren auftritt, kann man persönliche Beziehungen vermuten. Dafür reißen Michael Paré und Bashar Rahal als weitere Fieslinge alles wieder raus. Paré passt sehr gut als hinterhältiger Intrigant von der CIA und spielt seinen Part abgeklärt und elegant im schwarzen Mantel runter. Rahal ist als General Drago wirklich hassenswert und ekelhaft. Man fiebert förmlich seinem finalen Abgang entgegen, der gerne spektakulärer hätte ausfallen können. Aber das bleibt dem größeren Namen Paré vorbehalten.

Hauptdarsteller Dolph Lundgren ist ja mittlerweile eine Institution aus den goldenen 80er Jahren, wie sein Kollege Van Damme. Er hünenhafte Schwede kommt hier etwas langsam und gerade in den Kampfszenen etwas hüftsteif rüber. Kein Vergleich mit bereits erwähnten Van Damme oder gar den B-Stars der nächsten Generation wie Scott Adkins. Aber er ist einfach ein sympathischer und sehr charismatischer Kerl, mit dem man gerne mal ein Bier trinken würde. Und dass er sich offensichtlich trotz genannter Defizite nicht doubeln lässt, macht die ganze Sache einfach ehrlicher und liebenswert. Zudem hat der gute Dolph auch schauspielerisch einiges mehr zu bieten als z.B. ein Steven Segal, um jetzt mal ein abschreckendes Beispiel zu nennen.

Gedreht wurde in Bulgarien und vor allem in der Hauptstadt Sofia, was für eine tolle Kulisse sorgt. Bulgarien ist hier allerdings nicht Bulgarien sondern ein fiktives Ostblock-Land namens Goma. Hier laufen die Menschen, welche gerade nicht Uniformen tragen und Menschen erschießen oder in Pelzmänteln zeigen, dass sie zur lokalen Mafia gehören, gerne in Kostümen herum, die wirken, wie aus einem Film über den Holocaust geklaut (was sie wahrscheinlich auch sind). Der Osteuropäer ist also entweder Gangster mit Herz, sadistischer Militär oder das chancenloses Opfer dieser beiden Stereotypen, welches in Armut und Bauernstall lebt. Es leben die Klischees. In den Szenen in den General Drago und seine Männer die wehrlose Landbevölkerung – und hier mit Vorliebe die um ihre Männer trauernden Witwen – ohne ein Zucken der Wimpern abknallen (ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein) weckt tatsächlich Erinnerungen an die unmenschliche Verbrechen der Deutschen im Faschismus. Wahrscheinlich war es auch so intendiert, wobei sich die alte Frage stellt, ob man den Schrecken des Holocaust für Unterhaltungsfilme ausbeuten darf. Ich enthalte mich hier mal.

Aber genug der Kritik. „Direct Contact“ macht Spaß. Er gönnt sich kaum eine Pause und geht immer in die Vollen. Die 91 Minuten verfliegen nur so, und es wird zu keiner Sekunde langweilig. Das alles ist zwar sehr simpel und stumpf, verhehlt dies aber auch nicht und umarmt seinen B-Film-Flair mit beiden Armen. Das Blut spritz in dieser ungekürzten Fassung meterweit, die Stunts sehen gut und spektakulär aus. Die Stimmung passt, und man gibt sich nicht cleverer als man ist. Und vor allem wird hier noch auf echt Handarbeit gesetzt. CGI findet man hier kaum, und wenn die bedauernswerten Stuntman durch die Luft wirbeln fragt man sich unwillkürlich, ob ein Leben in Bulgarien nichts zählt. Doch, „Direct Contact“ bietet guten Spaß für Action-Fans, die die härtere Gangart bevorzugen. Viel bleibt nicht hängen, aber das macht nichts. Kann man „Direct Contact“ dann eben gleich noch einmal gucken.

Das Bild der Blu-ray ist gut, der Ton, welcher auf Deutsch und Englisch vorliegt, dynamisch. Der Film ist SPIO/JK freigegeben worden und im Gegensatz zu einigen früheren Veröffentlichungen komplett ungeschnitten. Leider gibt es außer einigen Trailern keinerlei Extras. Aber das war bei solch einer Produktion auch nicht zu erwarten.

Das Bloggen der Anderen (14-09-20)

Von , 14. September 2020 21:42

Da wollte ich doch nach der langen Pause wieder mit meinem Blog durchstarten, da wurde ich durch Krankheit gleich wieder aus dem Verkehr gezogen. Jetzt ist alles soweit überstanden, und es kann weitergehen.

– Eines der wahrscheinlich schönsten Filmfestivals (und alter Sehnsuchtsort von mir) ist das Il Cinema Ritrovato in Bologna. Robert Wagner schreibt auf critic.de über die in diesem Jahr aufgrund von Corona etwas anderer Ausgabe. Till Kadritzke wiederum hat sich zwei Filme aus dem diesjährigen Festival in Toronto vorgenommen. Und das Berliner Arsenal zeigt im September alle Kinofilme von Michael Mann. Grund für Tilman Schumacher diese einmal Revue passieren zu lassen.

– Bluntwolf hat im Nischenkino den Killerkaninchen –Klassiker „Night of the Lepus“ angesehen. Muss ich auch mal irgendwann gucken. Recht häufig habe ich dahingegen Argentos „Neunschwänzige Katze“ gesehen (also, den Film). Nicht sein stärkster, aber gewiss auch nicht sein schwächster. Bluntwolf findet ihn auch ungerechterweise unterschätzt.

– Luciano Emmer sagte mir bisher nichts, dank Sebastian vom Magazin des Glücks bin ich jetzt aber schlauer. Er stellt vier Spielfilme vor, die Emmer zwischen 1950 und 1954 realisiert hat.

– Volker Schönenberger empfiehlt auf Die Nacht der lebenden Texte den tschechischen Spielfilm „Hexenhammer“ von 1970, der kürzlich bei Ostalgica erschienen ist. Da ich die englische Blu-ray beim letzten Arrow-Sale geschossen habe, werde ich mich jetzt auch mal zeitnah mit diesem Meisterstück beschäftigen. /

Filmsucht.org ist begeistert von Nicolas Rays „In A Lonley Place“ in dem Humphrey Bogart die Hauptrolle spielt. Ich erinnere mich, dass der Film im alten Goldmann/Citadel-Buch über „Bogart und seine Filme nicht gut weg gekommen ist, aber in den letzten Jahren zu Recht als vergessenes Meisterwerk rehabilitiert wurde.

Bob Fosses „Star 80“ habe ich noch nicht gesehen, erinnere mich aber SEHR gut an die Bilder der nackten Mariel Hemingway in der Cinema. Hey.. da war ich 13… NATÜRLICH erinnere ich mich daran. Nach funxton begeisterten Review des Filmes, muss den Rest wohl auch mal anschauen. Auch „La Tua Presenza Nuda!“ muss – glaubt man funxton – eine Sichtung wert sein. Ist notiert.

– Auch „Bohemian Rhapsody“ habe ich noch nicht gesehen. Und bisher auch kein Interesse gehabt. Denn erwartet habe ich genau das, was Oliver Nöding auf Remember It For Later über den Film schreibt.

„Kin-dza-dza!“ haben wir mal für Weird Xperience im Auge gehabt, uns aber nicht recht darunter etwas vorstellen können. Nach Oliver Armknechts positiver Besprechung auf film-rezensionen.de weiß ich zwar mehr. Schlauer bin ich aber auch nicht.

Vorschau: Das 27. Internationale Filmfest Oldenburg

Von , 12. September 2020 13:29

Was für ein seltsames Jahr so ganz ohne Festivals. Wobei zumindest was die Musik angeht, das Überseefestival bei uns in Bremen bewiesen hat, dass man mit Enthusiasmus, tollen Helfern und guten, kreativen Ideen ja immerhin ein abgespecktes Alternativprogramm auf die Beine stellen kann, welches den größten Schmerz lindert und den Menschen etwas Zuversicht und Hoffnung gibt. Auch wenn es nicht „the real thing“ ist.

Bei dem Internationalen Filmfest Oldenburg (16. bis 20. September) sieht es ähnlich aus. Auch hier ließ man sich von Corona nicht in die Knie zwingen und entschloss sich früh, ein hybrides Filmfestival anzubieten, welches einerseits die Möglichkeit bietet, Festivalatmosphäre vor Ort zu schnuppern und anderseits moderne Technik zu nutzen, um auch die am Filmfest teilhaben zu lassen, die nicht ins Kino möchten/können. Ich bin selber kein großer Freund davon, selber ganze Filmfestivals zu streamen. Das wäre für mich immer eine zweite Option, da das Kinoerlebnis und das „Weggucken“ auf dem kleinen Laptop-Screen zwei ganz unterschiedliche Dinge sind, wobei letzteres dem Werk der Künstler meistens nicht gerecht wird. Doch das ist mein persönliches Gefühl und ich freue mich, dass das Filmfest Oldenburg solch eine Möglichkeit anbietet.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich dieses Jahr nach Oldenburg fahren werde. In diesem Jahr werden nur drei Kinos bespielt und diese haben natürlich aufgrund der Hygeniemaßnahmen nur begrenzte Kapazitäten. Daher ist das Risiko nach Oldenburg zu fahren und dann mit leeren Händen dazustehen und unverrichteter Dinge wieder zurück nach Bremen fahren zu müssen recht groß. Zwar werden wohl Lounges eingerichtet, in denen man (also die Presse) die Filme auf dem Laptop streamen kann, aber das kann man auch ohne den Aufwand Zuhause machen und das hat – siehe oben – für mich nicht viel mit Festivalstimmung zu tun. Andererseits bin ich seit 2009 treuer Gast des Festivals und großer Fan. Das Filmfest Oldenburg gehört für mich immer zu den Höhepunkten des Jahres und darauf in 2020 verzichten zu müssen, würde schon stark schmerzen. Wie gesagt – noch schwanke ich.

Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mich ausführlich mit dem diesjährigen Programm auseinanderzusetzen. Hier meine Tipps für dieses Jahr bzw. die Filme, die ich mir gerne ansehen würde. Die Texte habe ich aus den Pressemitteilungen übernommen.

ALONE, USA 20, von John Hyams (Internationale Premiere)
Seine Filme setzen zur Zeit den Maßstab im amerikanischen Actionkino. In »Alone« erzählt John Hyams eine atemlose Jagd, in der jede Punchline und jeder Twist die Suspenseschraube anziehen und den Zuschauer nicht mehr vom Haken lassen. Ein echter Wirkungstreffer.

AMERICAN THIEF, USA 20, von Miguel Silveira (Internationale Premiere)
Eine geheime Verschwörung, die die Präsidentschaftswahlen 2016 zum Scheitern bringen soll, ist das Bindeglied zwischen einem jungen Hacker, einem abtrünnigen Verschwörungs-Vlogger und einem mysteriösen Programmierer künstlicher Intelligenz. Miguel Silveiras hybrider Spielfilm wurde von 2015 bis 2018 um wahre Ereignisse in New York City herum gedreht. Die fiktionale Welt kollidiert hier mit der Realität, da die Schauspieler als ihre fiktionalen Figuren Zeugen der realen Ereignisse werden und auf diese reagieren. Das Ergebnis ist ein elektrisierender Thriller, der einen Blick auf einen polarisierenden Moment in der amerikanischen Geschichte wirft.

BLACK JADE, USA 20, von Guy Longstreet (Weltpremiere)
Die höchsten Ideale und tiefsten Schrecken Amerikas verflechten sich im Debütfilm von Guy Longstreet. Darin spielt Gareth Koorzen Raymond Sykes, einen Schriftsteller mit großen Träumen, der für einen Neuanfang mit seiner Frau Dorothy nach Los Angeles gezogen ist. Doch alte Wunden und Ressentiments werden wieder aufgewühlt, als Dorothys Schwester Adel den beiden einen unerwarteten Besuch abstattet. Ein Abstieg in Rays innere Welt voller Angst, Fantasie und Paranoia, wo die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit sich aufzulösen beginnt.

THE FIVE RULES OF SUCCESS, USA 20, von Orson Oblowitz (Europäische Premiere)
»X« hat zwar keinen Namen, aber dafür fünf Regeln – und jede Menge Probleme. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, legt ihm eine feindselige Gesellschaft Steine in den Weg. Mit den Stilmitteln des Undergroundkinos entwirft Oblowitz ein Höllengemälde voller Unsicherheit und Ungerechtigkeit. Wildes Kino zwischen Underground und Genre.

HAPPY TIMES, USA/ITA/ISR 19, von Michael Mayer (Deutschlandpremiere)
Mit »Happy Times« erschafft Regisseur Michael Mayer eine kurzweilige Splatter-Komödie, die im absolut richtigen Maße übertreibt. Es gelingt dem Film perfekt, die Symptome einer saturierten Gesellschaft darzustellen und weit in die dunkelsten Ecken der menschlichen Psyche vorzudringen.

THE JESUS ROLLS, USA 19, von John Torturro (Deutschlandpremiere)
Eine kurzweilige und unwiderstehlich charmant aus der Zeit gefallene Hommage an das wilde Kino der 70er Jahre und die Auferstehung vom Bowling-Anarchisten »The Jesus«, der schrägsten Figur aus dem an Absurditäten nicht armen Oeuvre der Coen Brothers.

THE LONG WALK, LAO 19, von Mattie Do (Deutschlandpremiere)
Mattie Do ist eine der aufregendsten Filmemacherinnen unserer Zeit und ihr dritter Film eine magische Geistergeschichte, die sich traumwandlerisch an die Seite von Peter Weirs »Picknick at Hanging Rock« gesellt: ein Film so schön, dass er süchtig macht.

THE LONGEST NIGHT, ARG 20, von Moroco Colman (Weltpremiere)
Moroco Colman kehrt nach Oldenburg zurück, um die Weltpremiere seines herzzerreißenden zweiten Spielfilms zu feiern. Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt der Film die Geschichte des berüchtigsten Serienvergewaltigers in der Geschichte Argentiniens, der in der Universitätsstadt Córdoba lebte, wo er zwischen 1985 und 2004 mehr als 93 Frauen vergewaltigte, während er ein Doppelleben als engagierter Ehemann und Vater führte. Die Tapferkeit einer jungen Frau, die 20 Jahre lang in der Öffentlichkeit verborgen war, wird ein Raubtier fangen, das sich der Polizei entzog und eine Revolution inspirierte.

THE MADNESS INSIDE ME, USA 20, von Matthew Berkowitz (Weltpremiere)
Madison arbeitet als forensische Psychiaterin in New York. Nachdem ihr Mann ermordet wird, gelingt es ihr, den Täter zu identifizieren, doch im letzten Moment zieht sie ihre Aussage zurück. Von nun an verfolgt sie den inzwischen freigelassenen Mörder auf eigene Faust.

MIRACLE FISHING, USA 20, von Miles Hargrove (Internationale Premiere)
Nur mit den Bildern der alten VHS Videokamera zusammengestellt, ist »Miracle Fishing« berührender und packender als alles, was Hollywood mit seinen Megabudgets fertigbringt. Das Tagebuch einer Entführung und das Portrait einer wunderbaren Familie und ihrer Freunde.

PRECARIOUS, USA 20, von Weston Terray (Internationale Premiere)
Ein filmisches Juwel, das der Story und seinen Figuren so viel Raum im noch kleinsten Tunnel gewährt, dass man nur zu gerne mit ihnen durch die fantastischen Labyrinthe irren und sich durch die düstersten Gänge zwängen möchte.

SAVAGE STATE, FRA/CAN 19, von David Perrault (Deutschlandpremiere)
Ein feministischer Western, so sinnlich und erzählerisch ungezähmt wie Sam Fullers Klassiker »Forty Guns«. Eine französische Familie auf dem Ritt ostwärts. David Perrault wirbelt das Western Genre auf und legt den Colt in Frauenhände.

SHE DIES TOMORROW, USA 20, von Amy Steimetz (Internationale Premiere)
Schlimmer als die Angst ist nur die Angst vor der Angst. Und Angst ist vor allem eines: ansteckend. Amy ist fest davon überzeugt, dass sie morgen sterben wird und langsam aber sicher infiziert der destruktive Gedanke ihr gesamtes Umfeld wie ein bösartiger Virus.

SHORTA, DEN 20, von Frederik Louis Hviid & Anders Ølholm (Deutschlandpremiere)
Die Polizeibeamten Jens und Mike sind auf Routinepatrouille im Ghetto von Svalegården, als die Nachricht vom Tod eines jungen Mannes in Polizeigewahrsam über das Radio eintrifft und die aufgestaute Wut der örtlichen Jugend enfesselt. Plötzlich sind die beiden Polizisten Freiwild und müssen um einen Ausweg aus dem Ghetto kämpfen.

DIE STIMME DES REGENWALDES, SUI 19, von Niklaus Hilber (Deutschlandpremiere)
Ein leidenschaftlicher Kampf gegen die Zerstörung des Regenwaldes und ein Umweltaktivist, der zur Zielscheibe eines ganzen Landes wird.

UNTIMELY, IRN 20, von Pouya Eshtehardi (Europäische Premiere)
Hamin ist ein junger Gefreiter, der seinen Militärdienst auf einem Wachturm an der Grenze zwischen Iran und Pakistan leistet. Ungeduldig wartet er auf einen freien Tag, um an der Hochzeitsfeier seiner Schwester teilzunehmen und gerät in einen Streit mit seinem Kommandanten. Oben im Wachturm lässt Hamin die vergangenen Jahre und die Dinge, die ihm und seiner Schwester seit ihrer Kindheit widerfahren sind, Revue passieren.

Die Retrospektive ist in diesem Jahr Wilhelm Friedkin gewidmet. Hierzu interessant:

Live-Gespräch mit William Friedkin
Als besonderes Highlight wird William Friedkin im Rahmen eines großen virtuellen Live-Gesprächs nach Oldenburg zugeschaltet. Das Gespräch wird ohne Paywall allen Interessierten zugänglich gemacht werden.

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