Das Bloggen der Anderen (28-01-19)

Von , 28. Januar 2019 18:42

– Nachdem ich letzte Woche schon großspurig meinte, das wären jetzt die letzten Rückblicke auf das Jahr 2018, muss ich doch noch einmal zurückrudern. Weil noch zwei interessante und erfreulich persönliche Jahresfazits erschienen sind. Sehr ausführlich, aber auch sehr lebhaft und mit vielen Tipps für den Notizzettel ist der Rückblick von david auf Whoknows presents geraten. Sogar noch länger (!) und auch schön zu lesen: Der Blick zurück von Christian Witte auf Witte’s Wöchentliche Tipps. Das war’s jetzt aber wirklich mit 2018. Egal, wer da jetzt noch etwas schreibt.

– Nach dem Blick nach hinten, der Blick nach vorne: Filmlichtung verrät, auf welche Horrorfilme er sich 2019 am meisten freut. Und gleich die ersten Beiden, lassen auch bei mir das Herz schneller schlagen.

– Anna Wollner hat für kino-zeit.de mit Yorgos Lanthimos über seinen neuen Film „The Favourite“ gesprochen. Beatrice Behn schreibt über „Holocaust und Erinnerungspolitik in der DDR“. Und Schauspielerin Mateja Meded setzt sich damit auseinander, wie ungerecht Frauen beim Film behandelt werden.

– Dazu passend hat auch Skadi Loist und Peter Hartig auf out takes den Gründen nachgeforscht, warum die Filmbranche so wenige Regisseurinnen hat.

– Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog ist auf den 54. Solothurner Filmtagen und hat dort mit „Tscharniblues II“ von Aron Nick, „Immer und ewig“ von Fanny Bräuning und vor allem „Sohn meines Vaters“ von Jeshua Dreyfus einige interessante Filme gesehen.

– In Oldenburg leider verpasst, bei den Oscars nominiert – hierzulande dann leider weder im Kino, noch auf DVD/BR, sondern nur als Streaming zu sehen: Paul Schraders hochgelobter „First Reformed“. Simon Kyprianou von Die Nacht der lebenden Texte hat ihn gesehen.

„A Kiss Before Dying“, das Regiedebüt des nach Hollywood emigrierten Berliners Gerd Oswald beruht auf einer Romanvorlage von Ira Levin. Funxton ist begeistert.

– Ich habe ja etwas Angst irgendwann „Die Rückkehr der Killertomaten“ noch einmal anzuschauen. Zu Schulzeiten war der Film aber ein Hit und Zitatelieferant. Die positive Review bei Schlombies Filmbesprechungen macht mir aber Mut.

– Auf Schattenlichter heißt es „Gangster sterben zweimal“, und neben einer Besprechung gibt es noch einen kleinen „Drehorte heute und gestern“-Vergleich kostenlos dazu.

– Zum Abschluss einen Kurzfilm. Rochus Wolff hat auf seinem Kinderfilmblog „Musik für ein Appartement und sechs Trommler“ – quasi den Vorgänger von „Sound of Noise“ verlinkt. Das macht Spaß!

Filmbuch-Rezension: Markus Stiglegger “Grenzüberschreitungen“

Von , 24. Januar 2019 06:41

Ungefähr zeitgleich mit Christian Keßlers „Endstation Gänsehaut“ erschien beim Martin Schmitz Verlag auch der zweite Band von Prof. Dr. Markus Alexander Stigleggers „Grenz-Trilogie“. Wie Keßler beschäftigt sich auch Stiglegger hier mit dem Horrorfilm. Wie er in seinem Vorwort schreibt eher unfreiwillig, da er sich selber nicht als Horror-Koryphäe sieht, sondern immer wieder in die Rolle des Horrorexperten gedrängt wird. Was man an den beinah schon unzähligen Booklets, Audiokommentaren und Essays sieht, die er in den letzten Jahren produziert hat. Fast hat man das Gefühl, ohne Stiglegger-Siegel ist es in Deutschland kaum noch möglich etwas zum Thema „Horror“ zu publizieren. Somit haben sich bei ihm zu diesem Themengebiet ein ganzer Haufen Texte angesammelt, die er jetzt hier gebündelt untergebracht hat. Wie im ersten Band besteht der Inhalt des Buches „Grenzüberschreitungen“ zum allergrößten Teil aus Booklet-Texten, die über die letzten Jahre über unterschiedlichste DVD/BluRay-Veröffentlichungen verteilt erschienen sind.

Die Texte können, wie Stiglegger in seinem Vorwort betont, für akademischen Gebrauch genutzt werden. Oftmals wünscht man sich allerdings, sie würden mehr ins Detail gehen und Stigleggers betont analytischen Ansatz noch vertiefen. Dass letztendlich die Mehrzahl der Texte einen kompetenten, mitunter sehr spannenden Einstieg ins Thema bieten, ist hier sicherlich der kürzeren Form geschuldet und ihrem Ursprung als Begleittexte für DVD/BluRay-Veröffentlichungen, wodurch sie sich natürlich an ein anderes Publikum wenden als eine größere, wissenschaftliche Publikation. So dienen viele Texte in erster Linie dazu, dem mit der Materie noch nicht so vertrauten Leser auf ein bestimmtest Thema, Genre oder Film aufmerksam zu machen und im besten Falle zu einer eingehenden Recherche zu animieren. So übt sich Stiglegger teilweise (beispielsweise im Kapitel über Mumien- oder Hexenfilme) in dem Spagat, einem hochspannenden kulturell-historischem Einstieg, eine Aufzählung von für das Genre wichtigen (und manchmal auch weniger wichtigen) Filmen folgen zu lassen. Oder beispielsweise im Tierhorror-Kapitel etwas zu direkt auf „Wild Beasts“ – jenem Film dem das Booklet ursprünglich beigelegt wurde – zuzusteuern. Hier wäre es schöner gewesen, wenn der verfügbare Platz entweder für eine genauere Analyse des Tierhorrorfilms oder eben einfach nur von „Wild Beasts“ genutzt worden wäre. So hat man das Gefühl irgendwo kommt etwas zu kurz. Denn die große Stärke Stigleggers ist es, Zusammenhänge und Hintergründe aufzudecken, den roten Faden an die Oberfläche zu hohlen oder – wie der Untertitel des Buches es auch verspricht – in die Abgründe der Filmgeschichte zu blicken und zu zeigen, was sich dort unten befindet und warum. Die gelingt ihm in „Grenzüberschreitungen“ besonders gut in dem längeren Text über den sogenannten „J-Horror“ oder dem Lucio-Fulci-Portrait.

Andere Kapitel beschäftigen sich mit dem Omnibus-Film „Außerordentliche Geschichten“, „Texas Chainsaw Massacre“, „Das Omen“, Stephen-King-Verfilmungen, Zombies, Werwölfen und „Tanz der Teufel“. Hervorzuheben ist auch das Interview mit Lovecraft-Experten Kai Naumann, der viel interessantes zum Thema beizusteuern hat, welches gleich am Anfang steht. Wirklich transgressive Filme sind in diesem wunderbar in einem Rutsch durchzulesenden Buch – bis auf „Combar Shock“ und die Filme von Mitch Davis/Karim Hussain- nicht dabei, sondern eher altbekanntes. Aber der abschließende Band der von Stiglegger zu titulierten „Grenz-Trilogie“ erscheint noch in diesem Jahr und wird den Titel „Jenseits der Grenze“ tragen. Darauf darf man durchaus schon gespannt sein. Hinter das doch schon ganz gut abgehangene Horrorkino hat Stiglegger ja jetzt einen Haken gemacht und man darf nun auf Analysen von Filmen hoffen, die tatsächlich Grenzen hinter sich lassen.

Markus Stiglegger „Grenzüberschreitungen – Exkursionen in den Abgrund der Filmgeschichte“, Martin Schmitz Verlag, 240 Seiten, € 17,80

Das Bloggen der Anderen (21-01-19)

Von , 21. Januar 2019 22:11

– Es war mal wieder soweit. Gleich zu Beginn dieses Jahres fand ein weiterer Hofbauer-Kongress in Nürnberg statt. Wie man hört erst einmal der letzte in diesem Jahr. Auf critic.de haben eine beeindruckende Anzahl von „Kongress-Teilnehmern“ in einem sehr langen Artikel ihre Erfahrungen, Gefühle, Freuden, Lieblinge und überhaupt die ganz große Liebe zu diesem Event in leidenschaftliche Sätze gegossen. Must read der Woche.

– Zu den Kongress-Besuchern gehört auch Katrin Doerksen, die auf kino-zeit.de noch ein paar Jahrzehnte zurückgeht und vom Beginn des Tonfilms in Deutschland berichtet und dann noch einige Empfehlungen für das 40. Filmfestival Max Ophüls Preis ausspricht. Hier werden vor allem deutsche Filme gezeigt und obwohl ich nicht nach Saarbrücken reisen werde, habe ich mir für das laufende Jahr schon mal einiges auf den Zettel geschrieben. Besonders freue ich mich auf „A Young Man With High Potential“ von Linus de Paoli, dem Regisseur von „Dr. Ketel“, der vor Jahren auf dem Filmfest in Oldenburg abräumte, und der Till Kleinerts wunderbaren „Der Samurai“ produzierte. Ferner auf den deutschen SF-Film „Das letzte Land“ von Marcel Barion und ganz besonders auf die Doku „Helmut Berger, meine Mutter und Ich“ von Valesca Peters

– Nachdem man sich hier auf neue interessante deutsche Filme gefreut hat, holt einen Rüdiger Suchsland auf out takes wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und beschreibt in einem sehr guten und leider allzu wahren Artikel, welche Filme hierzulande wert genug geschätzt werden, um in die Vorauswahl für den deutschen Filmpreis zu kommen: „Die Veröf­fent­li­chung der Voraus­wahl zum deutschen Filmpreis bietet wieder einmal ein Panop­tikum der Mittel­mäßig­keit und künst­le­ri­schen Bedeu­tungs­lo­sig­keit, dass es zum Himmel schreit.“

– Für mich als Familienvater mit zwei Kindern, die langsam anfangen ins Kino zu gehen einer der wichtigsten Artikel der Woche: Rochus Wolff zählt auf dem Kinderfilmblog seine 10 größten Hoffnungen für gute Kinderfilme 2019 auf. Eine gute Orientierung, auch wenn unsere für 90% noch zu jung sind. Aber „Checker Tobi“ ist schon gebucht – auch weil die gesamte Familie Fan seines wundervollen TV-Formats sind, wie ich letzte Woche schon an gleicher Stelle ausführte.

Noch eine Jahresbestenliste. Auch wenn ich beim letzten Mal angekündigt habe, das wäre es jetzt. Doch eine Liste, wo der wunderschöne „In den Gängen“ wie auch bei mir auf Platz 1 steht, wie bei Die drei Cineasten, muss hier noch einmal gepostet werden. Die weiteren Plätze sind auch eher ungewöhnlich und laden zum Notizen machen ein. Vor allem „Kurso“ möchte ich jetzt sehen.

Die Filmlöwin ist entsetzt angesichts des Films „Womit haben wir das verdient“, der scheinbar eine feministische Culture-Clash-Komödie sein möchte, aber – trotz der hochverehrten Caroline Peters – scheinbar richtig übel geworden ist. Was ich beim betrachten des Trailers auch schon befürchtet hatte.

– Kommen wir zu angenehmeren Dingen: Die seltsamen Filme des Herrn Nolte beschäftigt sich diesmal mit dem hochgradig bizarren Weltuntergangsfilm „Die Macht des Feuers“, über den ich schon einiges vielversprechendes gehört habe.

– Schlombies Filmbesprechungen fand „Das schwarze Museum“, welches ich mal für einen Artikel über die sogenannte „Sadean Trilogy“ für die „35 Millimeter – Retro-Filmmagazin“ analysiert habe, hübsch verspielt, und er hat recht damit. „Tag“ von einem meiner Lieblingsfilmemacher, Shion Sono, kommt nicht ganz so gut weg. Was sich leider auch mit anderen Meinungen zu diesem Film deckt. Da muss ich mir wohl mal bald selber ein Bild machen.

– Totalschaden von Splattertrash singt ein Loblied auf Umberto Lenzis unheimlich soziopathischen „Berserker“. Zurecht!

– Ansgar Skulme beschäftigt sich auf Die Nacht der lebenden Texte noch einmal eingehend mit Fritz Langs „Das Testament des Dr. Mabuse“, welches gerade von Atlas eine Blu-ray-Update spendiert bekommen hat – aber leider nicht viel mehr. Da bleibt bei mir doch die Criterion im Schrank.

Filmbuch-Rezension: „Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film“

Von , 16. Januar 2019 13:36

Dem Buch „Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film“ bin ich zunächst mit Skepsis begegnet. Einerseits ist das Thema phantastischer Film in Deutschland ein ausgesprochen spannendes, welchem ich mit großem Interesse folge. Anderseits wird gerade aus dem Umfeld des sogenannten „Neuen Deutschen Genrefilm“ häufig nur über fehlende Filmförderung gejammert, wodurch den Filmemachern die Hände gefesselt würde. Und wenn dann mal etwas aus dem Umfeld kommt, ist es der Versuch, Hollywood-Hochglanz-Genre mit weitaus geringeren Mitteln nachzuahmen und die eigene Herkunft zu kaschieren. Was zwangsläufig nicht funktioniert. Dabei gibt es unglaublich tolle und kreative Ansätze, wenn man sich einmal die Mühe macht über den „Horror“-, „Action-“ oder „Thriller“-Rand zu schauen. Man muss sich nur mal die Mühe machen und offen sein für neue/andere Einflüsse.

Daher hat es mich sehr gefreut, dass gerade diesen sperrigen Werken, die ohne Förderung entstehen konnten und einen frischen, ganz eigenständigen Wind ins trübe Hinterherhecheln und Gemecker bringen, ein hochinteressantes und sehr lesenswertes Kapitel gewidmet wird. Unter dem Begriff „German New Weird“ subsumiert Tobias Haupts Filme wie Till Kleinerts „Der Samurai“, Nikias Chryssos‘ „Der Bunker“ und Sebastian Hilgers „Wir sind die Flut“. Alles wunderbare, ganz eigenständige Werke, die Hoffnung machen, dass hier etwas in Deutschland heranwächst, was neu, risikobereit, eigensinnig und fesselnd ist. Was sich eben nicht in Schubladen stecken lässt und mehr mit dem Hier und Jetzt (auch in Deutschland) zu tun hat, als diese typischen Genre-Filme, die auf schrecklich ironische Art und Weise ausgelutschte Genrestandards wiederkäuen und krampfhaft„auf amerikanisch“ machen. Hier kann man noch so exzellente Filme wie „Wild“ oder auch „Der Nachtmar“ mit aufnehmen.

Der Band beginnt mit einem historischen Abriss von Filmemacher Huan Vu (der selber den fantastischen „Die Farbe“ gemacht hat, eine der besten Loveraft-Verfilmungen, die gar nicht vorgibt in den USA zu spielen, sondern die Handlung auf kreative und logische Art und Weise nach Deutschland transferiert, wo der Film ja auch entstand) über Fantastik und Genrefilm in Deutschland. Dieser gibt einen guten Überblick über den heimischen Genrefilm, auch wenn einige Themen, wie z.B. der Kulturkampf im 3. Reich zwischen einem faschistischen Expressionismus und der Linie Rosenberg nicht in dem Maße eingegangen wird, wie ich es mir erwünscht hätte. Doch dies wäre für einen ersten Überblick wohl auch zu speziell und detailliert gewesen. Vielleicht kommt da ja noch irgendwann eine längere Analyse. Spannend ist das Thema ja.

Prof. Dr. Markus Stiglegger greift das Thema noch einmal auf, beleuchtet es aber unter Aspekt der Genretheorie und definiert erst einmal, was überhaupt ein Genrefilm ist, bevor er deutsche Filme darauf abklopft, in wie weit sie dem Bergriff Genre überhaupt entsprechen. Einen Schwerpunkt der Betrachtung legt er dabei auf „Der Nachtmahr“ und die „German Angst“-Episode von Michal Kosakowski, die er als typische, neuen deutschen Genrefilme definiert.

Lars R. Krautschick kommt in seinem Beitrag „Sozialkritik unter asozialen Bedingungen“ zunächst zu der überraschenden Erkenntnis, dass in den 10er Jahren des 21. Jahrhunderts mehr deutsche Genrefilme produziert werden, als in der Weimarer Republik (was ich ohne eine genaue Erhebung zunächst einmal bezweifeln würde). Er fragt sich dabei, ob dies ein Ausdruck einer speziell deutschen Angst wäre, die auf diese Weise verarbeitet wird. Hierzu schaut er sich die Filme „Rammbock“, „Blutgletscher“, „Beyond the Bridge“ und „Der Nachtmahr“ genauer an, um am Ende zu dem meiner Meinung nach diskussionswürdigen Fazit zu kommen, dass die neuen deutschen Genrefilme keine speziell deutsche Angst, sondern generelle, weltweit anzutreffende Ängste verarbeiten. Was seiner Meinung nach auch daran liegt, dass mit diesen eher globalen Ängsten auch eine internationale Vermarktung leichter fällt.

Um die Geschichte des deutschen Science-Fiction-Films geht es in dem Beitrag von Christian Pischel. Er sucht hier nach Verbindungen und Traditionen, die er aber nicht findet. Am Ende bleibt ihm nur festzustellen, dass es in Deutschland (speziell auch der DDR) einige herausragende SF-Filme gab, diese aber nur sporadisch auftreten und es keine zusammenhängenden (oder aufeinander aufbauende) Perioden gab, in denen Science Fiction im deutschen Film eine große Rolle gespielt hätten.

Rasmus Greiner analysiert schließlich ausführlich Jan Speckenbachs „Die Vermissten“.

„Fantastisches in dunklen Sälen “ ist eine spannende Sammlung kompetenter (manchmal kontroverse) Essays zum Thema Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film. Manchmal wünscht man sich, die Autoren hätten mehr Platz zur Verfügung, um noch tiefer in die Materie einzutauchen. Manche Inhalte doppeln sich auch leicht, hier wäre es wünschenswert gewesen, die Themenauswahl noch breiter aufzuspannen (vielleicht über die Einschränkung „Genrefilm“ hinaus). Beispielweise findet man in einer Fußnote der Einleitung die sehr wichtige Information: Demnach verlassen 50% der Zuschauer eine Sneak-Preview, sobald sie bemerken, dass es sich bei der Preview um einen deutschen Film handelt. Daher wäre es spannend, sich einmal auf dieses Phänomen zu konzentrieren. Warum hat der Deutsche Film generell so einen miserablen Ruf in der Heimat? Ein weiteres interessantes Thema wäre in diesem Zusammenhang auch die langsam anrollende Renaissance deutscher (Genre)Filme aus den 60er, 70er und 80er Jahre, die u.a. auch von Labels wie Subkultur oder Festivals wie dem Festival des deutschen psychotronischen Films oder den Hofbauer-Kongressen befeuert wird. Dies ist zwar nicht der Fokus des vorliegenden Buches (welches in erster Linie der Begleitband des letztjährige FILMZ-Symposium ist) wäre aber ein tolles „Fadenaufnehmen“ für ein weiteren Band.

Christian Alexius, Sarah Beicht (Hg.) Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film, Schüren Verlag, 160 Seiten, € 16,90

 

Das Bloggen der Anderen (14-01-19)

Von , 14. Januar 2019 17:44

– Die letzten Jahresrückblicke sind eingetrudelt und ich denke mal ,das war’s jetzt auch mit 2018. Zeit in die Gegenwart und Zukunft zu blicken. Bis dahin kann man aber noch schauen, was die Kollegen im vergangenen Jahr entzückt oder entsetzt hat. Den Anfang machen die Braunschweiger von Daumenkino. Lukas Foerster hat seinen Rückblick auf Dirty Laundry in ein paar Listen verpackt. Bei film-rezensionen.de hat die gesamte Redaktion Tops und Flops zusammengefasst, wobei ich bei einigen „Enttäuschungen“ schon zusammenzucken musste. Auch bei Douscope glaube ich, die beiden sympathischen Autoren waren im wahrsten Sinne des Wortes „in falschen Film“, den ihr Fazit für das Filmjahr 2018 ist wahrlich erschütternd: „2018 war eine cineastische Katastrophe“. Nun, insbesondere auf den Filmfestivals habe ich das doch anderes erlebt. Digitale Leinwand hat abschließend noch einmal zusammengefasst, welche Filme 2018 am Erfolgreichsten waren und noch einiges mehr.

Meinen liebsten Artikel der Woche hat Rochus Wolff auf kino-zeit.de verfasst. Er schreibt darüber, die Streeamingdienste eine große Hilfe für cinephile Familien darstellen können und nicht das Ende des Kinos (wohl aber des linearen Fernsehens) bedeuten. Ein Text der sich zu 100% mit meinen Lebenserfahrungen deckt.

– Apropos Streaming: Der Neon Zombie hat sich anhand von „Bird Cage“ einige sehr interessante Gedanken darüber gemacht, wie Streaming-Dienste wie Netflix ihre eigenen Hypes entwickeln, Einfluß auf Reviews nehmen und so letztendlich ihre Filme mit Guerilla-Marketing pushen.

Filmlichtung hat eine interessante Fakten zu dem australischen Film „The Story of the Kelly Gang“ von 1906 zusammengetragen und warum der damals längste Spielfilm der Welt in seinem Heimatland verboten wurde.

– Simon Wiener schreibt auf Jugend ohne Film über den sehr fordernden „An Elephant Sitting Still“ von Hu Bo.

– Jamal Tuschick lässt auf Hard Sensations einige Zeilen über Jafar Panahis „Drei Gesichter“ zurück, den er – ganz im Gegensatz zu mir – öde fand.

– Oliver Nöding ist auf Remember It For Later wieder zu John Ford zurückgekehrt und hat einen langen und sehr lesenswerten Artikel über „They Were Expendable“ geschrieben.

– Oliver Armknecht stellt auf film-rezensionen.de einen Film vor, auf den sich meine Kinder schon sehr freuen: „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“. Was mir kurz die Gelegenheit gibt, das TV-Format „Checker Tobi“ (hat auch einen eigenen YouTube-Channel – einfach mal suchen) sehr zu loben und es – nicht nur – anderen Eltern ans Herz zu legen, falls sie es nicht kennen. Diese Doku-Serie für Kinder ist wirklich wahnsinnig gut und nimmt seine kleinen Zuschauer ernst ohne dass dabei die Freude am Entdecken zu kurz kommen würde. Absolut grandios: Die Folge über Tod und Sterben. Wobei unsere Kinder den „Pups-Check“ am besten fanden.

– Heute fast vergessen, aber eine Wiederentdeckung wert: Lutz R. Bierend auf Die Nacht der lebenden Texte über Mel Brooks „Silent Movie“.

– Apropos fast vergessen. Bis auf Schlombies Filmbesprechungen jetzt eine Review von „Schrei, wenn Du kannst“ aufgetaucht ist, hatte ich diesen kleinen Neo-Slasher im Fahrwasser von „Scream“ (zu recht?) völlig vergessen. Dabei habe ich den damals sogar im Kino gesehen.

Filmrezension: „A Thought of Ecstasy“

Von , 8. Januar 2019 06:34

August 2019. Der Deutsche Frank (RP Kahl) glaubt in dem neu erschienenen Buch „Desert LA“ von einem Ross Sinclair die Geschichte seiner ehemaligen Geliebten Marie wiederzuerkennen. Hat sie dieses Buch geschrieben? Wie kann es sein? Marie ist doch tot? Als er für einen Job nach Los Angeles kommt, macht er sich auf die Suche nach Marie. Die Verlegerin des geheimnisvollen Buches (Deborah Kara Unger) bringt ihn auf eine Spur, die ihn in die kalifornische Wüste führt. Hier trifft er auf Nina (Ava Verne), die ihn auf merkwürdige Weise in ihren Bann zieht..

A Thought of Ecstasy“ ist ein Film, der das Publikum radikal spalten wird. Man kann ihn für prätentiös, gestelzt und mit gewagten Sexszenen krampfhaft auf Provokation gebürstet halten und dafür sicherlich auch gute Argumente vorbringen können. Man kann sich aber auch einfach in den Fluss der Bilder gleiten lassen, sich fortziehen lassen in diese ebenso karge, wie geheimnisvolle Gegend, die irgendwo in diesem seltsamen Riss zwischen Traum und Wachen, Leben und Tod liegt. Sich hypnotisieren lassen, von der dunklen, rauen Stimme Deborah Kara Ungers, die das Geschehen nicht nur aus dem off mit Passagen des mysteriösen, scheinbar von einer Toten unter dem Pseudonym Ross Sinclair geschrieben Romans „Desert LA“ kommentiert, sondern auch sonst wie eine der Nornen die Fäden in der Hand hält und den Helden der Geschichte dahin lockt, wo er sich seiner Vergangenheit und seinem Schicksal stellen muss.

Egal, wie man den Film letztendlich rezipiert, die formidable Kameraarbeit von Markus Hirner (interessanterweise erst seine erste Spielfilmarbeit) kann man nicht zur Diskussion stellen. Hirners Kamera fängt die karge Wüsten-Landschaft ebenso unvergesslich ein, wie es Filme wie „Twentynine Palms“ oder „Zabriskie Point“ tun. Man spürt die Hitze, den Staub und die sandigen Felsen unter den Füssen. Sie erforscht nächtliche Ecken am Rande von Los Angeles, die wie erträumt wirken und einen Einsamkeit und Stille fühlbar machen. Sie verwandelt Räume in beinahe schon lebende Organismen in irrealem Rotlicht. Begleitet wird dies von einem kongenialen, grandiosen elektronischen Soundtrack für den sich Matti Gajek und Sebastian Szary  verantwortlich zeichnen. Musik, die einen mitnimmt auf diese geheimnisvoll-erotische Reise in jene Welt, welche sich Frank langsam als seine ganz eigene offenbart.

RP Kahls Film wird oft mit dem Werk David Lynchs verglichen. Was beiden gemein ist, sind die nächtlichen Fahrten durch ein Amerika, welches wie eine Traumlandschaft wirkt. Auch das Spiel mit Identitäten, welches an „Lost Highway“ erinnert. Die mysteriöse Gestalt im Hintergrund, die das Schicksal der Figuren lenkt. Hier Deborah Kara Ungers, dort Robert Blake. Überhaupt ist Kahl ein Filmbesessener, der seinen Film mit Zitaten und Verweisen füllt. Da findet sein Held im Apartment der geheimnisvollen Schönen eine (deutsche!) DVD von Peter Lorres „Der Verlorene“ (in dem es auch um das Thema Schuld geht, wie auch in „A Thought of Ecstasy“, in dem Frank ein ebensolcher Verlorener ist, wie der von Lorre gespielte Mörder, der von den Nazis gedeckt wurde). Aber auch Filme wie „OldBoy“ oder „Carnival of Souls“ schweben über „A Thought of Ecstasy“. In einer wundervollen Einstellung telefoniert Unger vor einer Leinwand, auf der gerade Radley Metzgers wunderschöner „Therese und Isabell“ läuft. Dem großen Meister des erotischen Films ist „A Thought of Ecstasy“ auch gewidmet und man freut sich einerseits, dass jemand dem leider 2017 verstorbenen Metzger auf diese Weise gedenkt, andererseits wird einem das Herz schwer, dass sein Werk bis heute in Deutschland so stiefmütterlich behandelt wird und es hierzulande bisher keine vernünftige Auswertungen seines großartigen Werkes gibt.

Wie bei Metzger stehen auch bei RP Kahl starke, schöne Frauen (wie die faszinierende Ava Verne) im Vordergrund, die Kahl in teilweise hocherotischen Bildern einfängt. Dabei wird mehr als einmal (zumindest im „Director’s Cut“) die Grenze zum Hardcore überschritten. Dieser fügt sich aber harmonisch ein und wirkt wechselweise erregend oder einfach nur beiläufig natürlich. Dabei verfängt sich der Protagonist in einem Strudel von Voyeurismus und Obsessionen, bei denen BDSM eine Rolle spielt. Dass Protagonist Frank dabei zum Filmemacher wird, der das sexuelle Treiben mit der Kamera einfängt, legt nahe, dass „A Thought of Ecstasy“ auch ein hochpersönlicher Blick in den Kopf des Filmemachers RP Kahl darstellt. Und das jene Szenen, in denen Frank als kleine, nackte Gestalt eine Sanddüne irgendwo im Nirgendwo herunter taumelt, dem Zuschauer zurufen soll:  Sieh her, hier bin ich. Nackt. Ich entblöße mich vor Dir. Das sind meine Seele, meine Obsession, meine Leidenschaft. Ich habe Euch alles gezeigt, jetzt verschwinde ich aus dieser Welt, die ich Euch gezeigt habe. Am Ende des Filmes existiert ein Buch namens „A Thought of Ecstasy – A Diary From the Realm of the Dead“ welches aus der Zwischenwelt von Leben und Tod, Realität und Traum gefallen scheint. In der realen Welt existiert ein Film namens „A Thought of Ecstasy“. Einer, der einem vielleicht nicht gleich all seine Geheimnisse offenbart, den man sacken und dann ein zweites und drittes Mal ansehen muss, um immer wieder Neues zu entdecken und zu dechiffrieren. Ein Film, der wächst.

“A Thought of Ecstasy” ist bei Koch Media in zwei  Ausführungen als Director’s Cut mit FSK18 erschienen: Als normale Ausgabe mit Audiokommentar und Interview, und noch einmal als Special Edition im Mediabook mit sehr viel mehr Extras und Booklet.

Wer einmal unverbindlich hineinschauen möchte, der kann dies auch am übermorgen, Donnerstag den 10. Januar um 22:45 Uhr auf 3SAT tun, wo die entschärfte FSK16 Fassung läuft.

Das Bloggen der Anderen (07-01-19)

Von , 7. Januar 2019 17:28

– Wie kann man besser ins neue Jahr starten, als mit Lukas Foersters wundervollen Bericht „Jede Projektion ein Akt der Zärtlichkeit“ über „lustbetonte Off-Festivals, die sich um ihre Anschlussfähigkeit an den Betrieb nicht scheren – und es ihren Besuchern ermöglichen, über die Bedingungen ihrer Entfremdung selbst zu entscheiden“ auf critic.de. Prominent erwähnt werden neben dem Hofbauer-Kongress der STUC.

– Und dann ist die erste Woche des Jahres 2019 natürlich auch geprägt von vielen Jahresrückblicken. Einerseits Besten-Listen bei real virtuality, symparanekronemoi, sdb-film.de und kitschkultklassisch und etwas ausführlicher kommentierte Bilanzen des Jahres bei Der Kinogänger, Magazin des Glücks und the-gaffer.de.

– Spannend: Bert Rebhandl nimmt auf Cargo auseinander, was vor 50 Jahren in der damals führenden Filmzeitschrift „Filmkritik“ stand.

– Pure Liebe. Rainer Knepperges auf new filmkritik (!) mit einem weiteren berauschenden Bild-Text-Essay: „Auge und Umkreis (III)“.

– Mein Bekanntenkreis ist begeistert – ich habe da leider (noch) eine Lücke: Alex Cox‘ legendärer „Repo Man“ – kompetent vorgestellt von Christian Genzel auf Wilsons Dachboden.

– Leider in Oldenburg versäumt, jetzt weit oben auf der „Must-see“-Liste. Insbesondere nach funxtons begeisterter Review: „First Reformed“ von Paul Schrader. Ferner hat sich funxton noch den deutschen Gangsterfilm „Nur Gott kann mich richten“ von Özgür Yildirim mit dem unvermeintlichen Moritz Bleibtreu angesehen und ist überraschend angetan.

– Auf Schlombies Filmbesprechungen geht es diesmal sehr, sehr leise zu. Den Geräusche können bei den beiden von ihm besprochenen Filmen den Tod bedeuten: „A Quite Place“ und „Don’t Breathe“.

– Neues von Schattenlichter. Diesmal nichts Italienisches aus den 70ern, sondern ein zeitgenössischer Film aus den USA. Ryan Goslings Regie-Debüt „Lost River“ konnte die Autorin überzeugen.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 30 erhältlich

Von , 5. Januar 2019 13:17

Pünktlich zum neuen Jahr trudelte die neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ ein. Diesmal geht es im Titelthema um das Spanische Kino, und ich hatte die Ehre mich auf fünf Seiten mit dem Frühwerk von Jess Franco auseinanderzusetzen. Was für mich eine sehr lohnende und spannende Angelegenheit war, die mir mal wieder ganz neue Facetten eines meiner Lieblingsfilmemacher aufgezeigt hat. Wer noch einmal behauptet, Franco wäre ein „talentloser Trash-Regisseur“ soll sich doch bitte einmal solch ein kleines Noir-Meisterwerk wie „Rififí en la ciudad“ ansehen.

Aber auch meine tollen Mitstreiter haben allerlei spannende Themen rund ums Spanische Kino zusammengetragen. Und Kollege Christian Genzel berichtet noch einmal vom Internationalen Filmfest Braunschweig, bei dem wir von „35 Millimeter“ Medienpartner waren. Was mir Gelegenheit gibt, in dieser Ausgabe – neben einem Kurzauftritt bei „Redaktion befragt“ – noch kurz ein drittes Mal (mit Bild!) aufzutauchen.

Weitere Themen:

Segundo de Chomón – der spanische Méliès
„Der Tod eines Radfahrers“ – Spaniens Film Noir
„Im Turm der sieben Buckligen“ – General Francos erster Horrorfilm
Edgar Nevilles
Sara Montiel
Salvador Dali im Film
Kolumnen: „Operation: Europloitation“, „Nordische Schätze“, „Film Noir“, „Noir Western“, „Original und Remake“ und „Der vergessene Film“
Das Metropolis Orchester Berlin
Bericht 29. Film- und Musikfest in Bielefeld
Vlady Bystrov im Residenzschloss Braunschweig
James Whale
Joseph Kane

Heft #30 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

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