Nachruf: Tobe Hooper (1943-2017)

Von , 29. August 2017 20:33

Am vergangenen Sonntag verstarb Tobe Hooper mit nur 74 Jahren. Damit ist innerhalb weniger Monate nun schon der zweite enorm einflussreiche Genre-Regisseur von uns gegangen, dessen Erstlingswerk den modernen Horrorfilm stark geprägt, ja beinahe schon neu erfunden hat. Mit dem am 16. Juli verstorbenen George A. Romero verband ihn dann auch, dass er immer wieder auf das eine, revolutionäre Werk reduziert wird. Gelang es Romero aber noch, dieses fortzuführen und dadurch in seinen späten Jahren noch einmal die Gelegenheit bekam, seine Visionen umzusetzen, so war dies Hooper nicht vergönnt. Zwar konnte er selber 1985 noch „Texas Chainsaw Massacre 2“ realisieren, doch bei den weiteren Folgen dieses Franchise war er dann außen vor.  Stattdessen musst er sich in den letzten beiden Jahrzehnten mit billigem direct-to-video-Stoff herumschlagen, dem er nur selten seinen Stempel aufdrücken konnte.

Dabei hatte alles doch so gut angefangen. Nach dem Paukenschlag „The Texas Chain Saw Massacre“ drehte er den kleinen, aber unterhaltsamen „Blutrausch“  und den zwar relativ zahmen, aber trotzdem wunderschönen „Das Kabinett des Schreckens“. Mit „Das Kabinett des Schreckens“ zog der das Ticket nach Hollywood, wo er für Steven Spielberg „Poltergeist“ inszenierte. Sein scheinbar größter Triumph wurde aber auch zu einem Wendepunkt in seiner Karriere. Bis heute ist nicht klar, inwieweit er an „Poltergeist“ tatsächlich beteiligt war und wie viel Spielberg selber drehte. Heute gilt „Poltergeist“ vor allem als Spielberg-, und nicht als Hooper-Film. Wie auch der 1979 entstanden TV-Zweiteiler „Brennen muss Salem“ eher als Stephen-King-Verfilmung, denn als Werk von Tobe Hooper bekannt ist.

Die legendäre Filmproduktion Cannon gab ihm dann noch einmal – das letzte Mal in seiner Karriere – richtig Geld in die Hand. Aber trotz einer großen Fangemeinde heute, floppten sowohl der wundervolle „Lifeforce“, als auch das schöne „Invasion vom Mars“-Remake damals an der Kinokasse. Sein zweiter „Chainsaw“ – „The Texas Chainsaw Massacre 2“ – war da war etwas erfolgreicher, aber bei weitem nicht das, was Cannon sich vorgestellt hatte. Probleme mit den Zensurbehörden verschärften den Konflikt nur. Erst vier Jahre später drehte Hooper mit „Fire Syndrome“ seinen nächsten Film, den aber niemand sehen wollte.

Ab da war er im B-Video-Land gefangen. Den Tiefpunkt erreichtet er 1993 mit seinem nächsten Film: Dem grauenvoll schnarchigen „Tobe Hooper’s Living Nightmare“. Danach habe ich seine Karriere nicht mehr wirklich verfolgt. 2004 sah ich noch seine Remake „Toolbox Murders“, den ich recht schön fand – auch wegen der wunderbaren Angela Bettis.  Viel durfte Tobe Hooper dann leider nicht mehr drehen. Zwischen seinem, von den Vereinigten Arabischen Emiraten finanzierten und auch dort gedrehten, letzten Film „Djinn“ von 2013 und dem überall von der Kritik (aber auch den Fans) zerrissenen „Mortuary“ lagen ganze 7 Jahre.

Für mich ist Tobe Hooper einer der Großen, die nie wirklich die Anerkennung erfahren haben, die ihnen zusteht. Denn Hooper war mitnichten das „One Hit Wonder“ zu dem er auch jetzt in den Nachrufen immer gemacht wird. Den Vogel schießt hier die dpa ab, die anlässlich seines Todes mit Bezug auf seinen Klassiker „The Texas Chain Saw Massacre“ schrieb: „Hooper verhalf damit dem Genre des günstig produzierten Splatter-Horrors mit knapp bekleideten Frauen und kreischenden Teenies zum Durchbruch“. Ich bezweifle mal, dass der verantwortliche Autor den Film gesehen hat. Und ich bedauere, dass so viele Zeitungen diesen Wortlaut einfach nachgedruckt haben, denn darin kommen mal wieder alle Vorurteile gegen den Film und seinen Regisseur hoch.

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit dem berüchtigten „Kettensägenmassaker“ erinnern. Ja, ich war sehr enttäuscht. Das vom Titel versprochene Blutbad fand nicht statt. Mir gefiel da Hoopers zweiter Teil sehr viel besser. Dieser zeigte ja nämlich all das, was Menschen, die den ersten Film nie gesehen haben, sich unter genau ebendiesen vorstellten. Aus diesem Stoff formte Hooper dann eine rasante, absurde und rabenschwarze Komödie. Das Gegenteil seines Erstlings. Dieser wuchs bei mir aber immer mehr. Mit jeder neuen Sichtung packte er mich aufs Neue, schüttelte mich durch und seine krank-morbide Stimmung der permanenten Bedrohung machte mir mit jedem Male mehr Angst. Ich habe es (leider) nur selten erlebt, dass ein Film wirklich von Sichtung zu Sichtung besser und übermächtiger wird. „The Texas Chain Saw Massacre“ gehört auf jeden Fall dazu. Das letzte Mal sah ich den Film bei Open-Air-Kino am Schlachthof (welch passender Platz), wo wir ihn innerhalb unserer Bremer Filmreihe „Weird Xperience“ zeigten. An einem warmen Sommerabend und freiem Himmel. Es war großartig und für mich ein wirklich Highlight in unserer Reihe.

Anlässlich von Tobe Hoopers Tod habe ich auch nochmal „Das Kabinett des Schreckens“ geschaut, den ich bei der ersten Sichtung vor mehr als 20 Jahren auch nur so la-la fand. Und tatsächlich braucht der fast eine Stunde, bevor er so richtig in Gang kommt. Für jemanden, der ungeduldig auf Blut und Innerereien wartet eine Qual. Und auch wenn es dann rund geht, hält sich Hooper sehr zurück. Weiß man dies alles und ist mittlerweile in einem Alter, in der die Sturm-und-Drangphase schon viele Monde zurückliegt, kann man sich wunderbar in den Film fallen lassen und seine Qualitäten genießen. Im Grunde ist „Das Kabinett des Schreckens“ ja eine „Texas Chain Saw“–Variation. Vollständig mit überschaubaren Personenkreis und einer merkwürdigen Familie. Stilistisch trennen beide Film aber Welten. Hooper hat hier eine wunderbar morbide Rummelplatz-Atmosphäre geschaffen, ein Auge für kleine Details und wenn es dann in der Geisterbahn (das titelgebende „Funhouse“) zur Sache geht, schwelgt der Film in rot-grün-blauen Farben, die an Meister wie Bava und Argento denken lassen. Dazu kommt die erlesene Scope-Fotografie. Und worin Hooper nun wirklich brillant ist: Diese kranke, bedrohliche Stimmung zu kreieren, die hier nicht so unbehauen wie in „The Texas Chain Saw Massacre“ wirkt, aber immer noch da ist.

Vielleicht erhält Tobe Hooper ja nach seinem Tod noch die große Anerkennung, die ihm gebührt – auch jenseits von „The Texas Chain Saw Massacre“. Ich würde es ihm von Herzen gönnen.

Das Bloggen der Anderen (28-08-17)

Von , 28. August 2017 17:56

– Gestern ging es durch alle Medien (wenn auch die dpa einen ziemlichen Quatsch zusammengeschreibselt hat): Tobe Hooper ist tot. Der Mann, der immer wieder damit zu kämpfen hatte, dass sein Erstlingswerk gleich ein absoluter Meilenstein war und dem in den 80ern von den Produzenten selten gut mitgespielt wurde, verstarb am gestrigen Sonntag. Bemerkenswert, dass es zu seinem Tod ebensoviele Nachrufe gab, als es bei George A. Romero der Fall war. Das zeigt doch, dass Hooper wichtiger war, als es viele, die ihn nur auf „Texas Chainsaw Massacre“ reduzieren, wahr haben wollen. Hier die Nachrufe in den deutschsprachigen Filmblogs: Christian Witte auf seinem leider schon länger nicht mehr aktiven Blog Witte’s wöchentliche Tipps. Robert Zion auf seinem gleichnamigen Blog. Oliver Nöding auf critic.de

– Joachim Kurz zeichnet auf B-Roll ein düsteres Bild des Filmfestivalbetriebs: “Die deutsche wie internationale Festivallandschaft ist überwiegend eine reine Monokultur, die beherrscht wird von älteren Männern mit ausgeprägtem Machtbewusstsein und manchmal recht ähnlichem Filmgeschmack. Was unter anderem dafür sorgt, dass die großen Festivals und ihr Gerangel um Weltpremieren und Stargäste als Kamerafutter für den roten Teppich mitunter anmuten wie eine Versammlung von Alphatieren, die um den dicksten Anteil der gerade erlegten Beute rangeln“. Auch die amerikanische Alt-Right-Bewegung interessiert sich für das Kino und hat eine eigene, gefährliche Filmkritik entwickelt, die Filme für sich umdeutet und versucht ein „Alt-Right“-Kino zu etablieren, wie Lucas Barwenczik zu berichten weiß.

Filmlichtung weißt auf einen merkwürdigen Fall hin, indem der Roman einer Schauspielerin künstlich auf Platz 1 der Bestseller-Listen in den USA getrieben wurde und mutmaßt, welches Kalkül dahintersteckt und wie Hollywood darin verwickelt ist.

– Der großartige Bodo Traber, dessen Hörspiele ich sehr schätze, hat sich auf critic.de in einem längeren Text mit der „Invisible-Man“-Reihe der 40er Jahre auseinandergesetzt.

– Der Animationsfilmer Jean-François Laguionie sagte mir bisher nichts. Jetzt hat aber Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de nicht nur Laguionies Kurzfilm „Une bombe par hasard…“, sondern auch eine Dokumentation über Laguionies Leben vorgestellt.

Filmtourismus.de hat dem Kloster Eberbach einen Besuch abgestattet in welchem die Innenaufnahmen des Films „Der Name der Rose“ entstanden.

Der Kinogänger bringt den ersten Teil einer Vorschau auf den Kinoherbst 2017.

Kinogucker hat Uwe Bolls Autobiographie „Ihr könnt mich mal!“ gelesen und empfiehlt sie gerne weiter.

– Michael Schleeh ist von Jessica Hausers „Lourdes“ sehr angetan und erklärt auf Nachtsichtgeräte auch wieso.

– Lukas Foerster ist von John Fords „Men without Women“ beeindruckt, den er auf Dirty Laundry vorstellt.

– Totalschaden hat auf Splattertrash endlich mal wieder eine etwas längere Besprechung veröffentlicht und dies gleich zu einem meiner liebsten Gialli: „Der Mörder von Wien“.

– Mauritia Mayer hat trotz aller Schwächen ein Herz für „Nachts, wenn die Leichen schreien“ (bei mir noch eine hoffentlich verzeihliche Bildungslücke), wie sie auf Schattenlichter verrät.

– Schade, dass das Revival der Firma Hammer nicht so durchgeschlagen hat, wie gehofft. Laut kitsch-kult-klassisch fing es ja mit „Die Frau in schwarz“ ganz vielversprechend an.

– „Es gibt also eine ordentliche Menge Holz in diesem durchweg liebenswerten, weil nicht zuletzt gepflegt ironischem Aggroheimer von anno 70, der, so wahr ich dies hier tippe, ein legitimes Bindeglied zwischen den beiden Midnight Specials „Night Of The Living Dead“ und „The Last House On The Left“ bildet“. Das schreibt funxton über „I Drink Your Blood“.

– Ganz hat „The Lobster“ von Yorgos Lanthimos Schlombies Filmbesprechungen nicht überzeugt. Was aber scheinbar an dem übermächtigen Vorgänger „Dogtooth“ liegt.

Blu-ray-Rezension: „Der Berserker“

Von , 23. August 2017 17:00

Der kleine Gangster Giulio Sacchi (Tomas Milian) ist ein Soziopath wie er im Buche steht.Als er bei einem Bankraub vor Nervosität einen Polizisten erschiesst, wird er von seinen Komplizen zusammengeschlagen und vom Hof gejagt. Kurze Zeit später muss wieder ein Staatsdiener daran glauben, als er Sacchi dabei erwischt, wie er einen Zigarettenautomaten knacken will. Auf sich allein gestellt, versucht Sacchi einen großen Coup zu landen. Er überredet die Kleinkriminellen Vittorio (Gino Santercole) und Carmine (Ray Lovelock) mit ihm zusammen Marilù Porrino (Laura Belli), die Tochter eines Industriellen (Guido Alberti) zu entführen. Doch damit soll der blutige Weg des immer gewissenloser agierenden Gulio Sacchi erst seinen Anfang nehmen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Mit „Der Berserker“ haben Umberto Lenzi und sein kongenialer Hauptdarsteller Tomas Milian ein richtiges Brett abgeliefert, welches – wie sein Protagonist – keine Gnade kennt und einem permanent die verschwitzte Faust in den Magen rammt. „Der Berserker“ sah ich erstmals Mitte der 90er Jahre auf einer ranzigen VHS-Kopie des alten Verleihtapes. Eigentlich die perfekte Präsentationsform für diesen – neben vielleicht Deodatos „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ – unangenehmsten Poliziotteschi. Natürlich hat man gut 20 Jahre später vieles gesehen, was der Niedertracht dieses Filmes gleich kommt, und so war ich gespannt, ob „Der Berserker“ heute noch jene schmerzhafte Sprengkraft entwickeln kann wie damals. Um es kurz zu machen: Ja, er kann. Und wie. Zu verdanken ist dies in erster Linie einem brillanten Tomas Milian, der bei seiner Darstellung des Soziopathen Gulio Sacchi die richtige Balance zwischen vollkommen überzogenen Schauspiel und einer unglaublichen Lebendigkeit findet. Sacchi ist laut, vulgär, in seiner extremen Körperlichkeit (wie bei Milians „Strickmützen“-Cop Nico Giraldi und dem seelenverwandten Kleingauner Monnezza aus „Das Schlitzohr und der Bulle“ (ebenfalls von Lenzi und mit Silva als Milians Gegenspieler) verrenkt sich bei Milian jeder Teil des Körpers, wenn er jemanden von etwas überzeugen will­. Er schwitzt, schreit, grimassiert, zuckt – seine körperlichen Reaktionen sind ebenso unberechenbar wie er selber. Sacchi ist eine tickende Zeitbombe, bei der man nie weiß, wann sie das nächste Mal explodiert und wie groß der Schaden sein wird, den sie anrichtet. Man sollte aber darauf gefasst sein, dass er sehr groß sein wird. Da der Film aus Sacchis Perspektive erzählt wird und er derjenige ist, dem der Zuschauer durch die Handlung folgt, ihm also eine gewisse Identifikation aufgezwungen wird, macht dies den Film umso unangenehmer.

Milians Kunst ist es dabei, den „Berserker“ Sacchi, den der englische Titel als „Almost Human“ bezeichnet, trotzdem nicht als unrealistisches Schreckgespenst, sondern als Wesen aus Fleisch und Blut zu zeichnen. So unmöglich es ist, Sacchis Handlungen zu akzeptieren, so bleiben sie aber in Rahmen der Handlung jederzeit nachvollziehbar. Milians Sacchi ist ein Mensch. Kein angenehmer, aber ein Mensch mit all seinen Komplexen. Ein großkotzigen Wichtigtuer, der seine Ängste und die Sehnsucht nach Anerkennung und Respekt mit prolliger Angeberei kaschieren will. Der sich mit Alkohol und Pillen aufputscht und irgendwann alle Grenzen und jegliche Moral vergisst. Letzteres erlebt man auch physisch, wenn Milians Blick immer glasiger und die Haut immer grauer wird. Die Haare von Schweiß verklebt und und die Ringe unter den geröteten Augen immer tiefer. Sacchi tötet wahllos, aber nie mit Freude. Er entledigt sich anderer Menschen, wie man normalerweise Müll entsorgt. Als er dem Entführungsopfer seine Macht über ihr Leben demonstrieren will, fordert er seinen Komplizin auf, die junge Frau zu vergewaltigen. Ihm geht es hier nicht um etwas sexuelles, er will sie nur demütigen. Nur einmal meint man so etwas wie eine moralische Irritierung bei ihm festzustellen. Wenn er realisiert, dass er ein kleines Kind erschossen hat. Doch dies führt bei Sacchi nicht zum Einhalten. Er wischt diese Tat nach einem kurzen stutzen beiseite und brüstet sich später noch damit, was den Zuschauer in einen Gewissenskonflikt stürzt. Denn spätestens nach dieser Tat und seine Reaktion darauf ist Sacchi nicht für ihn nicht mehr tragbar. Doch Lenzi inszeniert ihn weiterhin als Identifikationsfigur, denn Sacchi ist mit weitem Abstand die interessanteste und lebendigste Figur in diesen Film, gegen die alle anderen verblassen müssen. In der Regel ist der Schurke ja auch die faszinierendste Gestalt in einem Film.Jemand, den man aufgrund seiner Skrupellosigkeit und oftmals auch Coolness heimlich bewundert. An Sacchi gibt es aber nichts zu bewundern. Ein Dilemma.

Die einzigen beiden Figuren, die positiv besetzt sein können, sind sein Komplize Carmine und Kommissar Brandi. Der von Ray Lovelock gespielte Carmine ist aber ein weicher, manipulierbarer Schlappschwanz, der sich Sacchi unterordnet. Nicht etwa, weil er für Sacchi irgendwelche Sympathien hegt oder vor ihm Angst hätte. Man hat das Gefühl, Carmine wüsste einfach nicht, was er sonst tun sollte. Willenlos tut er das, was ihm befohlen wird. Zu dumm, zu naiv um einen eigenen Willen zu entwickeln. Auch seine ungelenken Versuche das Entführungsopfer zu schützen wirken halbherzig und schwach. Nein, zur Identifikation lädt Carmine nun wirklich nicht ein. Bleibt die starke Hand des Gesetzes, die von dem ewigen Gangster-Darsteller Henry Silva gegeben wird. Silva ist eine grandioses Steingesicht. Und die perfekte Besetzung für die Killer in Fernando di Leos Meisterwerken „Der Mafiaboss“ und vor allem „Der Teufel führt Regie“. Doch als Kommissar Walter Grandi bleibt er leider ungewöhnlich blass. Was daran liegen kann, dass er mehr reagiert als agiert und in den Actionszenen außen vor bleibt. Bis auf seine Wut auf seine Vorgesetzten bleibt er auch ohne besondere Eigenschaften. Erst ganz am Schluss tritt er in Aktion, um äußerst fragwürdig zur Selbstjustiz zu greifen. Gerade dieses Ende hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, zeigt es doch, dass es auf der Welt nichts Gutes mehr gibt, sondern die Grenzen zwischen schießwütigen Gangstern und schießwütigen Polizisten, die sich ebenso nicht an Gesetze gebunden wähnen, verschwimmen.

Die einzige Figur, die tatsächlich so etwas wie Hoffnung gibt, dass die Welt nicht gänzlich verkommen ist, wird von Laura Belli gespielt. Das Entführungsopfer Marilù ist eine starke Frau, die weiß was sie will und sich keine falsche Illusionen macht. Die ihren Entführern jederzeit überlegen ist und gerade deshalb bei Sacchi diesen unbändigen Wunsch hervorruft, sie zu demütigen, erniedrigen und letztendlich zerstören. Und natürlich hat so jemand in der verkommen Welt des „Berserkers“ keine Chance. Sie wird vernichtet wie alles andere, was gut und schön ist.

Umberto Lenzi hat mit „Der Berserker“ einen hammerharten Tritt in die Weichteile inszeniert, der ganz von einem grandios asozialen Tomas Milian getragen wird, dem es gelingt seinen Soziopathen Gulio Sacchi nie zu einer comichaften Karikatur verkommen, sondern ihn bei aller Grausamkeit doch noch als Menschen erscheinen zu lassen. Und gerade das macht Lenzis Film so wahnsinnig unangenehm.

Mit der Nummer 9 ihrer Polizieschi Edition hat filmArt nach dem grandiosen „Milano Kaliber 9“ nun einen zweiten Klassiker nicht nur des italienischen Polizeifilm-Genres, sondern des italienischen Films überhaupt veröffentlicht. Wie erwartet ist auch das technische Niveau dieser Veröffentlichung wieder sehr gut. Die Blu-ray hat ein sehr gutes Bild, welches auch nicht durch diverse Filter „getötet“ wurde, sondern einen authentischen Kinolook besitzt, ohne dabei irgendetwas an Schärfe einzubüßen. Der deutsche Ton wird auf gleich zwei Spuren angeboten, von der sich eine „Videotonhöhe“ nennt. Der Unterschied zwischen beiden Spuren ist – soweit ich meinen Ohren trauen darf – dass die eine etwas mehr Wums hat, dafür aber auch dumpfer klingt, die andere dafür in der Sprache etwas klarer ist, dafür aber etwas dünner klingt. Das Highlight der Edition ist das einstündige Interview „The Journey of Tomas Milian – From Cuba to America“, mit einem sichtlich gealterten, kaum wiederzuerkennenden Tomas Milian, der sehr interessant und spannend aus seinem aufregenden Leben erzählt. Bei der Schilderung seiner Kindheit in einem lieblos-strengen Haushalt können einem fast die Tränen kommen und dies erklärt wohl auch seine arrogante Haltung, die er in Interviews in den 70ern – auf der Höhe seines Ruhmes – an den Tag legte. Milian hat auch einen kurzen Gruß als Intro zum Film eingesprochen. Weitere Extras sind der italienische und englische sowie ein US-Grindhouse Trailer. Es gibt zwei Audiokommentare. Den ersten mit dem Traum-Team Pelle Felsch und Christian Keßler, der andere mit Bennet Togler und Tillmann Beilfuß. Nicht zu vergessen ist auch das sehr lesenswerte Booklet von Oliver Nöding. Also eine rundum gelungene Veröffentlichung.

Das Bloggen der Anderen (21-08-17)

Von , 21. August 2017 17:59

– In dieser Woche habe ich die große Freude einen neuen Blog vorzustellen. Die Freude ist daher so groß, weil dort ein guter Freund von mir seine ersten Blogger-Schritte macht und seine Texte, wie ich finde, wirklich toll geworden sind. Unter dem Namen Retrospective Magazine berichtet er vom Stummfilmfestival in Bonn und anlässlich des 40. Todestages des „King“ Elvis Presley (dessen 40. Todestage seltsamer- und traurigerweise kaum ein Echo irgendwo fand) startet er eine Serie, in der er ALLE Elvis-Filme besprechen wird. Den Anfang macht natürlich „Love Me Tender“. Wie gesagt, ich find die Texte toll und kann nur jedem ans Herz legen, dass Retrospective Magazin in seine Bookmarks mit aufzunehmen.

– Gestern erschütterte die Nachricht vom Tode Jerry Lewis (der immerhin das stolze Alter von 91 Jahren erreichte) meine Facebook-Timeline. Ein erster Nachruf kommt von Der Kinogänger.

– Noch einmal Locarno, Teil 1: gabelingeber war mit Hauptsache (Stumm)Film in Locarno zu Besuch und stellt drei Filme vor, die ihn dort besonders beeindruckt haben.

– Noch einmal Locarno, Teil 2: In einem englischsprachigen Text geht Patrick Holzapfel auf Jugend ohne Film ausführlich auf Jacques Tourneur dem in Locarno eine Retrospektive gewidmet war.

– Lukas Stern schreibt auf critic.de über einige video-installative Arbeiten auf der documenta.

– Nostalgie bei Kinogucker. Er wirft einen Blick zurück auf die Filmbücher, welche die Cinema in den 80er Jahren veröffentlichte.

– Sano Cestnik zieht auf Eskalierende Träume in einem spannenden Text Parallelen zwischen dem deutschen Film „Melodie des Herzens“ von 1929 und Bo Arne Vibenius Kultfilm „Thriller – En grym film“.

Robert Zion verwöhnt seine Leser mit weiteren Auszügen aus seinen bereits vergriffenen Büchern über Vincent Price und William Castle.

Funxton hat sich John Woos amerikanischen Kriegsfilm „Windtalkers“ noch einmal angeschaut und schreibt in seinem durchaus kritischen Text u.a. „Was hier in die Luft gesprengt und an Munition verballert wird, das sucht verzweifelt seinesgleichen und findet es nicht“. Das empfand ich im Kino damals auch so, und da hatte der Film bei mir tatsächlich seine Wirkung nicht verfehlt. Erstmals wurde mir das ständige Geballer und Explodieren zu viel und ich hätte am liebsten geschrien: „Aufhören! Ich halte das nicht mehr aus!“. Für einen Kriegsfilm vielleicht sogar eine intendierte Absicht, den erstmals konnte ich den Horror des Krieges wenigstens im Ansatz nachvollziehen.

– Hurra, King Hus „Die Herberge zum Drachentor“ kehrt auf die Leinwand zurück! Warum Oliver Armknecht von film-rezensionen.de trotz der positiven Besprechung nur auf 6/10 Punkte kommt ist mir noch etwas schleierhaft, eine Empfehlung ist seine Review auf jeden Fall.

– „Bevor ich mir den Mund fransig rede: Ich halte El Bar nicht nur für einen der besten Filme des Regisseurs, sondern auch einen der besten Filme die ich dieses Jahr zu sehen bekommen habe, und zudem für einen der Paradebeispiele für frisches, großartiges Kino“ schreibt Sebastian von Nischenkino über Alex de la Iglesias neusten Streich und legt damit die Latte namens Erwartungshaltung ziemlich hoch. Ich bin sehr gespannt!

24. Internationales Filmfest Oldenburg: Die ersten Filme und Retrospektive

Von , 16. August 2017 16:49

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein großer Freund des Internationalen Filmfests in Oldenburg bin, wohin es mich jedes Jahr aufs Neue zieht. Zwar würde ich gerne auch mal die Festivals Norderney/Emden, Braunschweig, Osnabrück oder sehr gerne auch mal wieder Lübeck besuchen, aber als berufstätiger Familienvater muss man sich da leider (noch immer) einschränken, und aufgrund meiner vielen anderen zeitraubenden Aktivitäten ist dann eben derzeit nur ein Filmfest im Jahr drin. Umso größer meine Freude, dass das Oldenburger Filmfest – welches immer einen familiären Charakter hat, bei dem ich mich wohl fühle – jedes Jahr wieder ein sehr vielversprechendes und überraschendes Programm aus dem Hut zaubert. Da braucht es dann auch keinen Superstar wie Nicolas Cage, um mich glücklich zu machen.

Edward R. Pressman

Wie immer war ich gespannt, wem die diesjährige Retrospektive gewidmet sein wird. In der Vergangenheit hat gerade die Retro bei mir zu wunderbaren Entdeckungen geführt (George Armitage! Philippe Mora!!). Dieses Jahr wird erstmals ein Filmproduzent mit einer Retrospektive geehrt. Der Name Edward R. Pressman sagte mir jetzt erstmals nicht, aber ein Blick auf die von ihm produzierten Filme lässt die Augen größer werden und das Herz schneller schlagen: „Badlands“ (1973), „Phantom of the Paradise“ (1974), Wall Street (1987), „Bad Lieutenant“ (1992), „The Crow“ (1994), „American Psycho“ (2000), „Thank you for Smoking“ (2006). Laut der Pressemitteilung blickt „der gebürtige New Yorker auf eine inzwischen 50jährige Karriere zurück, in der er seit 1967 über 80 Kinofilme produzierte und zahlreiche Ehrungen erhielt. Als einer der ganz wenigen Produzenten in den USA, der seine Projekte mit Leidenschaft und Herz begleitet, hat Pressman Filme ermöglicht, die im kommerziellen System Hollywoods ohne ihn kaum entstanden wären. Künstlerisch ebenso ambitionierte wie eigensinnige Filmemacher wie Terence Malick, James Toback Abel Ferrara oder auch Brian de Palma konnten erste Filme umsetzen, die dann künstlerisch nachhaltig das amerikanische Kino berührt haben und ohne Pressman kaum denkbar wären. Ed Pressman wird während des gesamten Festivals in Oldenburg zu Gast sein und 8 seiner Filme im Rahmen der ihm gewidmeten Retrospektive vorstellen“.

Auch die ersten Programmhighlights wurden bekanntgegeben. Und die klingen alle sehr vielversprechend. Insbesondere die beiden Filme des mir bisher unbekannten Simon Rumley habe ich schon mal auf meine persönliche „Guck-ich“-Liste gesetzt. Aber auch „Junk Head“, „Touched“ und „A Violent Man“ haben bereits mein Interesse geweckt.

A Violent Man, USA 2017, von Matthew Berkowitz

Als der noch unbekannte MMA-Fighter Ty Matthews als Sparringspartner den bis dato unbesiegten Champion zu Boden bringt, bringt ein heimlich gefilmtes Video sein Leben auf einen Schlag durcheinander. Das Video geht viral und es dauert nicht lange, bis Ty zum heimlichen Star der Branche wird und ihm ein Meisterschaftskampf winkt. Als die Reporterin, die seine Geschichte
groß rausbringen will, tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, gerät er unter Verdacht. Ihm bleibt nichts über als zu kämpfen – um die Liebe seines Lebens, seine Unschuld, seine Freiheit. Regisseur
Matthew Berkowitz hat eine mutige und ungewöhnliche Besetzung vor die Kamera geholt. Ex-Football-Spieler Thomas Q. Jones (bekannt aus „Straight Outta Compton“), UFC Hall of Fame-Legende Chuck Liddell sind ebenso wie Denise Richards neben Charakterdarstellern wie Bruce Davison und Isaac de Bankolé zu sehen. WELTPREMIERE

Bernard & Huey, USA 2017, von Dan Mirvish

Zwei alte Freunde, wieder vereint. Die Comicfiguren vom Pulitzerpreisträger Jules Feiffer erwachen in der Komödie vom preisgekrönten Regisseur und Slamdance Mitbegründer Dan Mirvish zum Leben. Oscargewinner Jim Rash verkörpert Bernhard, der als erfolgreicher New Yorker Junggeselle den Frauen die Köpfe verdreht bis sein alter Freund Huey, Saturday Night Live Komiker David Koechner, wieder in sein Leben tritt. Die beiden Männer fallen zurück in alte Muster, Frauen aus dem Leben des jeweils anderen aufzureißen. Eine Komödie über zwei Männer, die sich selbst finden, während sie sich gegenseitig um den Verstand bringen. WELTPREMIERE

Crowhurst, UK 2017, von Simon Rumley

Inspiriert von einer wahren Geschichte erzählt Regisseur Simon Rumley die Geschichte von Donald Crowhurt, einem 35-Jährigen vierfachen Vater, der in See sticht um eine der letzten großen Abenteuer des 20. Jahrhunderts anzutreten – das Sunday Times Golden Race um die Welt. Der Geldpreis verspricht die Lösung aller Probleme des einfaches Elekronikers, und so schlägt der unerfahrene Segler alle Bedenken in den Wind und setzt die Segel. Eine wahre Geschichte, die Simon Rumley mit dem ihm eigenen Sinn für die dunkle und bizarren Abgründe im menschlichen Wesen umsetzt. Eine Reise in absolute Einsamkeit die sich immer weiter vom Kurs der Ratio entfernt. Simon Rumleys Kultstatus der Genre- und Underground Fans wird hier mit einer neuen Facette seiner Erzählkunst bereichert. WELTPREMIERE

Fashionista, USA 2017, von Simon Rumley

Das Leben der Secondhandladen-Besitzerin April zerbricht, als sie herausfindet, dass ihr Ehemann eine Affäre mit ihrer Mitarbeiter hat. Um Vergeltung zu üben, beginnt April ihrerseits daraufhin ein Verhältnis mit einem reichen Playboy, einem narzisstischen Kontroll-Freak mit extremen sexuellen Vorlieben. Sie flieht sich in ihre fast fetischartige Sucht nach „Fashion“ – und das nicht nur auf Kosten ihres Verstandes. Simon Rumley trägt ein grassierendes Phänomen unserer Zeit in das Genrekino und erzählt die Geschichte eines Fashion-Victims als tragische Fetisch Lovestory. Seine Hauptdarstellerin Amanda Fuller ist spätestens seit Rumleys hochgelobtem „Red White & Blue“ ein Darling der Indie-Underground Szene und liefert hier als April eine beängstigend gute Performance ab. DEUTSCHLANDPREMIERE

Junk Head, Japan 2017, von Takahide Hori

“Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt” – Im Fall des japanischen Künstler Takahide Hori begann diese Reise mit einer ersten Einstellung, einem ersten Bild. Nach unzähligen weiteren Einzelbildern, Momenten und selbstgebauten Settings, nach insgesamt 7 Jahren Arbeit, entführt Hori seine Zuschauer mit einem einzigartigen Stop-Motion-Epos in eine
weit entfernte Zukunft und eine zutiefst berührende, menschliche Geschichte. 1200 Jahre nach der Rebellion der Klone schicken die Menschen einen Expeditionstrupp tief hinunter zum Unterreich ihrer Nemesis, um wichtige Informationen zur Rettung der menschlichen Spezies zu sammeln. Der Begriff „Unabhängigkeit“ erfährt mit diesem Film eine neue Definition. Regie, Buch, Schnitt,
Kamera, Bauten und sogar einige der Stimmer der Figuren gehen auf das Konto des obsessiven Filmemachers. EUROPAPREMIERE

Quest, USA 2017, von Santiago Rizzo

Auf der Grundlage seines eigenen Lebens erzählt Santiago Rizzo die inspirierende Geschichte eines verlorenen Teenagers, die von seinem Mentor und Lehrer geschrieben wurde, der sein Leben rettete – Tim Moellering. Im Jahr 1995 geriet der 13-jährige Mills auf die Straße, als er der häuslichen
Gewalt seines Stiefvaters zu entkommen versucht. Er wird von der Polizei aufgegriffen, landet in Jugendstrafe und findet Freunde unter einer Sprayer Gang. Graffiti wird sein Ruf nach Freiheit und Hilfe. Während das System versagt, stellt ein Mann an seine Seite und weigert sich, den Jungen aufzugeben. Dash Mihok spielt diese Rolle des Tim Moellering mit Zurückhaltung und Eindringlichkeit und Hollywood Legende Lou Diamond Phillips glänzt als brutaler, seelisch vernarbter Stiefvater. Santiago Rizzi umschifft alle Gefahren zu großer Nähe zur Story und berührt nachhaltig mit diesem bemerkenswerten Debüt. WELTPREMIERE

Touched, Kanada 2017, von Karl R. Hearne

Nach seinen preisgekrönten Kurzfilmen, die bei so prestigeträchtigen Festivals wie Toronto und SXSW in Austin uraufgeführt wurden, legt Karl R. Hearne mit „Touched“ nun sein Spielfilmdebut vor. Teils Mystery Story, teils Geistergeschichte, verwebt Hearne so elegant wie gekonnt Genres zwischen Drama und Horror in dieser psychologisch ausgefeilten und emotional tiefgehenden Geschichte um zwei einsame Wesen, die ohne Liebe aufgewachsen sind. Hearne zeigt die zerbrechliche Kraft der menschlichen Güte und erzählt dennoch eine Geschichte, die sich dem Genre des Thrillers bedrohlich annähert. Ein außergewöhnliches Debüt. WELTPREMIERE

Das Bloggen der Anderen (14-08-17)

Von , 14. August 2017 17:10

– In dieser Woche gibt es in den deutschsprachigen Filmblogs zwei große Themenkomplexe: Locarno und das 4. Terza-Visione-Festival des italienischen Genrefilms. Da ich letzte Woche schon Locarno im Programm hatte, starte ich diesmal mit Terza Visione. Da dies diesmal zentral in Frankfurt stattfand und nicht wieder im von Bremen aus sehr fernen Bremen hatte ich meinen ersten Besuch fest eingeplant. Aber, ach, wie das immer so ist. Am Ende kann man noch so gut planen, das Leben kommt einem immer dazwischen. So fand auch die vierte Ausgabe ohne mich statt, was ich insbesondere schade finde, da dort die Gelegenheit bestanden hätte, mal einige Leute, die man nur von ihren Blogs oder Facebook kennt, persönlich kennenzulernen. Zum Beispiel david von Whoknows presents, der das ganze Festival über anwesend war und auf seinem Blog einen sehr ausführlichen und kompetenten Bericht geschrieben hat. André Malberg hat auf Eskalierende Träume ausführlich dar gelegt, weshalb das Screening einer 35mm-Fassung des Argento-Filmes „Phenomena“ für ihn ein besonderer Höhepunkt war.  Mauritia Mayer von Schattenlichter war zwar – zumindest meines Wissens nach – diesmal nicht bei Terza Visione, hat aber auf ihrem Blog über den Eröffnungsfilm „Danger: Diabolik“ geschrieben. Und Immagini in attimi erklärt anhand von Bildern, was es mit dem im Umfeld der Terza/Hofbauer-Clique häufig gebrauchten Wort „Trunst“ auf sich hat.

– Das Filmfestival in Locarno ist beendet. Bei Sennhausers Filmblog kann man nicht nur nachlesen, wer alles Preise gewonnen hat, sondern auch über den Hauptgewinner „Mrs. Fang“ von Wang Bing nachlesen, sondern auch über den interessant aussehenden „Doigts“ von F. J. Ossang und erfahren, warum man in Locarno normalerweise italienische Filme meiden sollte. Schwanenmeister verrät auf Negative Space, welche Highlights er aus Locarno mitgenommen hat. B-Roll hat Patrick Holzapfel nach Locarno geschickt, der nicht nur sein Logbuch weiterführt, sondern auch den deutschen Ötzi-Film „Der Mann aus dem Eis“ gesehen hat. Für critic.de ist Frédéric Jaeger dabei.

– Auf critic.de stellt Hannes Brühwiler den großen Jacques Tourneur vor.

„Schluss mit dem Spießertum!“ fordert Andreas Köhnemann auf B-Roll und knöpft sich u.a. Filmreihen wie „Fast&Furious“ vor. Und Patrick Holzapfel macht sich Gedanken über Klassiker-Wiederaufführungen.

– Oliver Armknecht hat für film-rezensionen.de ein Interview mit dem „Lucky Loser“-Regisseur Nico Sommer geführt.

Robert Zion hat auf seinem Blog einige interessante Auszüge aus seinem Buch „William Castle oder Die Macht der Dunkelheit“ online gestellt, in denen man etwas über Castles frühsten Schritte als Regisseur erfährt.

Filmlichtung hat einmal in einem amüsanten Artikel zusammengestellt, welche Autoren mit den Verfilmungen ihrer Bücher gar nicht zufrieden waren und warum nicht.

Hans Helmut Prinzler über Ingo Streckers wunderschönes Buch „Gorillawood“.

– Volker Schönenberger auf Die Nacht der lebenden Texte über Narciso Ibáñez Serradors ebenfalls wundervollen „Das Versteck“.

Kitsch-kult-klassisch ist von dem Anime „Keion!“, dem „unaufgeregten Portrait der fünfköpfigen Schülerband Ho-kago Tea Time“ sehr begeistert. Dazu schreibt Simon: „Yamada erzählt alles dies mit einer Ruhe, die einen fast an den Magier der Alltäglichkeit Hirokazu Koreeda (After the Storm, Unsere kleine Schwester) erinnert.“

– Und über just diesen Hirokazu Koreeda und seinen Film „After the Storm“ hat Flo Lieb auf symparanekronemoi geschrieben.

– Eine Bildungslücke bei mir. Obwohl zu meiner Schulzeit der Film „The Killing Fields“ in aller Munde war, habe ich ihn nie gesehen. Das muss wohl bald mal nachgeholt werden, wenn ich mir funxtons 10 von 10 Bewertung so durchlese.

– Tobias Tißen macht sich auf Flicksploitation Gedanken zu „Die Mumie“ als Auftakt zu Universals Dark Universe.

– Ah, zwei Lieblinge von mir! Christian bespricht auf Schlombies Filmbesprechungen die ersten beiden Filme um die „reitenden Leichen“: „Die Nacht der reitenden Leichen“ und „Die Rückkehr der reitenden Leichen“. Wird Zeit, dass ich mir die mal für das Heimkino zulege.

Das Bloggen der Anderen (07-08-17)

Von , 7. August 2017 19:10

Der Kinogänger gedenkt den Verstorben der letzten Woche: Sam Shepard und Jeanne Moreau. Im Andenken an die große Schauspielerin erinnert Sebastian vom Magazin des Glücks noch einmal an zwei ihrer Filme: „Mademoiselle“ und den unbekannteren „The Sailor from Gibraltar“.

– Weiterhin findet das Fimfest in Locarno statt, worüber sowohl bei Sennhausers Filmblog, als auch B-Roll berichtet wird. Thomas Sennhauser bespricht u.a. den sehr interessant klingenden „Madame Hyde“ mit Isabelle Huppert, „Good Manners“ von Juliana Rojas und Marco Dutra und „Gemini“ von Aaron Katz. Für B-Roll ist Patrick Holzapfel auf dem Festival, hat u.a. „Freiheit“ von Jan Speckenbach, der ihm nicht besonders gefiel, und führt ein Festivaltagebuch.

– Mein Lieblingsartikel in dieser Woche kommt einmal mehr von Whoknows presents, wo Manfred Polak vordergründig über den Ersten Internationale Kongress des Unabhängigen Films, der 1929 in der Schweiz stattfand und unter dessen Teilnehmern Sergej Eisenstein und Hans Richter waren. Tatsächlich aber eröffnet uns Manfred die weite Welt des Avantgarde-Films der 20er Jahre. Großartiger Lesestoff!

– Viktor Sommerfeld ist eine der neuen Stimmen auf Jugend ohne Film. Er beschäftigt sich mit „Le Pornographe“ von Bertrand Bonello.

– Sehr ausführlich setzt sich Filmlichtung mit Sergio Leones „Für eine Handvoll Dollar“ auseinander.

– Noch mehr Italien gibt es bei funxton. Er schreibt über den sehr merkwürdigen „Giallo“: „Die Falle“, der international den schönen Titel „Death Laid an Egg“ (die Übersetzung des italienischen Originaltitels) trägt.

– Volker Schönenberger schreibt auf Die Nacht der lebenden Texte im Zusammenhang mit der Blu-ray-veröffentlichung von Francos „Nacht der offenen Särge“: „Nicht-Fans von Franco könne man den Film wohl nur als trashiges Kuriosum empfehlen. Für Fans jedoch sei er eine kleine Offenbarung. Mir hat sich die Verehrung nie erschlossen, die Fans des spanischen Vielfilmers motiviert, Franco und sein Schaffen erbittert zu verteidigen. Aber immerhin war der Gute sympathisch und mit Leidenschaft bei der Sache.“ Letzteres stimmt natürlich. Und Franco ist immer eine Entdeckung wert und darf zu Recht mit Leidenschaft – nicht verteidigt, sondern angepriesen werden.

– Christian hat auf Schlombies Filmbesprechungen jetzt auch den vierten und fünften „Nightmare on Elm Street“ besprochen.

Kitsch-kult-klassik stellt Philippe Moras wichtige Dokumentation „Swastika“ vor. Und muss sich erst einmal von einem Trip zu den „Mystics of Bali“ erholen.

– Ebenfalls in Asien ist auch Oliver Nöding von Remember It For Later unterwegs, wobei ihm Ho Meng-Huas legendärer „Black Magic 2“ nicht wirklich überzeugt hat.

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