Sommerpause

Von , 18. Juli 2016 23:44

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So, es ist wieder soweit. Ich verabschiede mich für ein paar Wochen in die Sommerpause.

Das klingt jetzt erholsamer als es ist. Die meisten Tage (und Nerven) werden für meinen großen Umzug draufgehen.

Dann habe ich noch ein paar aufwendige und zeitintensive Schreibarbeiten außerhalb des Blogs zu erledigen, und irgendwann möchte ich mich ja auch von den Strapazen des letzten halben Jahres erholen.

Ich werde – wenn alles nach Plan läuft – am 8. August wieder da sein.

Bis dahin alles Gute.

Euer,

Marco

DVD-Rezension: „Casbah – Verbotene Gassen“

Von , 16. Juli 2016 20:47

casbahIm Schutze der Casbah und ihren engen, verwinkelten Gassen, lebt der berüchtigten Juwelendieb Pepe Le Moko (Tony Martin). Für die Bewohner der Casbah ist er ein Held, für den neue Polizeichef von Algiers (Thomas Gomez) ein Stachel im Fleisch, den er lieber heute als morgen verhaften und seinen Vorgesetzten in Paris präsentieren möchte. Dabei gerät er immer wieder mit seinem Inspektor Silmane (Peter Lorre) aneinander, der ebenfalls schon lange versucht, Pepe Le Moko dingfest zu machen. Doch Silmane weiß, dass dies nur mit Geduld und List möglich ist. Als sich Pepe in die wunderschöne Touristin (Marta Toren) verliebt, scheint für Silmane die rechte Zeit gekommen…

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Gleich zu Beginn des Filmes wird der Begriff „Casbah“ erklärt. Es ist eine große Festung, durchzogen mit „verboten Gassen“, voll von Händlern, Dieben, zwielichtigen Gestalten und neugierigen Touristen. Ein Staat im Staat mit seinen eigenen Gesetzten und einem eigenen König: Pepe Le Moko. Pepe ist eine ebenso charismatische, wie tragische Gestalt. Innerhalb der Casbah ist er der uneingeschränkte Herrscher und weiß die Bewohner der Festung hinter sich. Doch er kann sein Königreich nicht verlassen. Denn nur hier ist er vor dem Zugriff der Staatsmacht sicher. So sitzt er denn in seinem goldenen Käfig. Die Zeit vertreibt er sich mit Gaunereien, der schönen Barbesitzerin Inez und seinen willfährigen Freunden. Ein besonderes Gegenüber ist der Polizist Slimane. Dieser hat sich zur Aufgabe gemacht, Pepe Le Moko zu schnappen. Doch Slimane kennt die Casbah und weiß um die Vorteile, die Pepe im gegenüber ausspielen kann. Statt in blinden Aktionismus zu verfallen, begreift Slimane das Ganze als Schachspiel. Geduldig wartet er auf den richtigen Augenblick, jederzeit bereit, wie ein Schlange die tödlichen Fänge in Pepe Le Moko zu schlagen.

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Slimane ist eine Paraderolle für Peter Lorre. Ihm zuzusehen, wie er ganz cool, manchmal etwas lethargisch, aber hinter jedem Zwinkern jederzeit auch Gefährlichkeit ausstrahlend seine Kreise um Pepe Le Moko zieht, ist ein großartiges Vergnügen. Slimane gleicht einem Hai, der ein potentielles Opfer an der Wasseroberfläche erspäht hat und nun unter diesem gleichmäßig seine Bahnen zieht, immer enger und enger… bis er zupackt. „Cashbah“ zeigt wieder einmal, wie weit Lorre seiner Zeit voraus war, wenn es um seine Art des Schauspiels geht. Hier verschluckt er mal einen Satz, dort nuschelt er gedankenverloren vor sich hin, bricht Sätze einfach ab. Dies verleiht seiner Figur eine Wahrhaftigkeit, die sich stark von der glatten Theaterhaftigkeit des Hauptdarstellers Tony Martin oder den pompösen Auftritten eines Thomas Gomez als Polizeichef Louvain unterscheidet. Und über allem schwebt eine schwere Melancholie, die Slimane in jeder Szene ausströmt. Er weiß, dass er Pepe Le Moko fangen wird, und dies das Ende seines Gegenspielers sein wird. Damit wird auch ein Teil seines Lebens, seiner Persönlichkeit verschwinden. Doch er weiß auch, dass es für ihn hier keine andere Alternative gibt.

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„Casbah“ ist bereits die dritte Verfilmung des Stoffes, Der Roman erschien 1931 und wurde von Henri La Barthe unter dem Pseudonym Détective Ashelbé (H-L-B) geschrieben. Die erste Verfilmung fand in Frankreich statt und die Rolle des Pepe Le Moko im gleichnamigen Film zementierte den Star-Staus des jungen Jean Gabin. Im ersten amerikanischen Remake übernahm sein Landsmann Charles Boyer die Rolle des herzenbrechenden Gauners und startete damit seine Hollywood-Karriere. Die Figur des Pepe Le Moko war so populär, dass es nicht nur Parodien gab, sondern auch das französische Stinktier Pepe Le Pew in den Warner-Brother-Cartoons seinen Namen wegen des anderen Pepe erhielt. In „Casbah“ wird Pepe Le Moko von Tony Martin gespielt, und hier liegt das Problem. Tony Martin ist ein schauspielender Sänger oder singender Schauspieler. Diese wurden in den 40er Jahren gerne eingesetzt, um die Handlung eines Filmes aufzulockern und daraus einen Familienfilm mit Massenappeal zu machen. Man denke nur an die reichhaltigen Gesangsnummern zwischen verliebten Pärchen in den Laurel&Hardy-Langfilmen oder in den späteren Marx-Brothers-Komödien, wie z.B. „Die Marx Brothers im Kaufhaus“, in dem ebenfalls Tony Martin für Romantik und Gesang zuständig war. Obwohl Martin ein durchaus vorhandenes Charisma nicht abzusprechen ist, zerstören seine Gesangsnummern die mühevoll aufgebaute Atmosphäre, und lassen Martin wie einen Operetten-Banditen und weniger wie einen gerissen und unter der anziehenden Oberfläche gefährlichen Gangster wirken. Dies arbeitet dann leider kräftig gegen den Film.

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Abgesehen von dieser künstlerischen Fehlentscheidung ist der Film superb besetzt. Die als Star angekündigte, atemberaubende Yvonne de Carlo tritt zwar nur in einer kleineren Rolle in Erscheinung, schmeichelt den Augen der Zuschauer als exotische Barbesitzerin aber ungemein. Einen größeren Part übernimmt die Schwedin Märta Torén – hier als Marta Toren aufgeführt. Sie spielt die Frau, für die Pepe Le Moko Kopf und Kragen riskiert. Und man kann ihn verstehen. Die damals gerade 21jährige wurde bereits als The Next Ingrid Berman gefeiert. Die Torén bringt eine natürliche, unaufgeregte Schönheit mit, ein unbefangenes Strahlen. Auch wenn ihr der Part der Gaby nicht viel abverlangt, schafft sie es in jeder ihrer Szenen ganz von selbst im Mittelpunkt zu stehen. Märta Torén hätte ein großer Star werden können, wenn es das Schicksal nicht böse mit ihr gemeint hätte. Gelangweilt von Hollywood suchte sie in Italien größere schauspielerische Herausforderungen. Dort lernte sie Regisseur Leonardo Bercovici kennen und brachte eine gemeinsame Tochter zur Welt. Doch das Glück währte nur kurz. Mit nur 31 Jahren starb sie an einem Gehirnschlag. Sieht man „Casbah“, weiß man, was der Filmwelt da für ein hell glänzender Stern verloren gegangen ist.

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„Casbah“ ist bereits die dritte Verfilmung des populären Stoffes um „Pepe Le Moko“. Vor allem funktioniert der Film als Vehikel für einen grandiosen Peter Lorre, doch auch die Damen können hier glänzen. Hauptdarsteller Tony Martin bringt zwar das nötige Charisma für die Hauptrolle mit, allerdings leidet der Film unter dem Versuch der Produzenten ihn durch zahlreiche Gesangsnummern in Richtung exotisches Musical zu drücken. Durch diese Einlagen, sowie die recht konventionelle Inszenierung durch John Berry, bleibt der Film trotz des wunderbar aufgelegten Peter Lorre und der betörenden Schönheit des Duos Yvonne de Carlo/Marta Toren hinter den beiden Vorgängern zurück.

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Die Nummer 23 der Koch Media „Film Noir Collection“ hat ein etwas weiches Bild, welches ansonsten aber ohne weitere Makel ist. Auch der englische Ton ist sauber und angenehm zu hören. Die deutsche Synchro ist zeitgenössisch und sehr schön anzuhören. Die DVD enthält sowohl die kürzere deutsche Kinofassung, als auch die sieben Minuten längere amerikanische Fassung, die 7 Minuten länger läuft. Leider ist der Extras-Bereich ausgesprochen mau ausgefallen. Gerade mal eine Bildgalerie hat es auf die Scheibe geschafft. Empfehlenswert ist aber wieder einmal das informative, 12-seitige Booklet von Frank Arnold.

Freitag: Regisseurin Maren Ade stellt „Toni Erdmann“ in der Schauburg vor

Von , 14. Juli 2016 22:24

Toni_ErdmannEin kurzfristiger Hinweis für morgen, Freitag, den 15. Juli.

Die deutsche Tragikomödie „Toni Erdmann“ von Maren Ade wurde in Cannes gefeiert, und dass keine Goldene Palme drin war, ist eins der großen Mysterien des diesjährigen Jahrgangs. „Toni Erdmann“ ist einer der wenigen Filme auf die sich alle einigen können, und der bereits als große Hoffnung des deutschen Films hochgeschrieben wird.

Am morgigen Freitag um 19:30 Uhr, wird die Regisseurin ihren neuen Film persönlich in der Schauburg vorstellen und im Anschluss Publikumsfragen beantworten.

TONI ERDMANN erzählt die Geschichte von Winfried (Peter Simonischek), einem Musiklehrer mit einem ausgeprägtem Hang zum Scherzen, und seiner Tochter Ines (Sandra Hüller), einer Karrierefrau, die um die Welt reist, um Firmen zu optimieren. Da Winfried zu Hause nicht viel von seiner Tochter sieht, beschließt er, sie spontan bei ihrem großem Outsourcing-Projekt in Rumänien zu besuchen.

Statt sich anzukündigen, überrascht er sie mit Scherzgebiss und Sonnenbrille in der Lobby ihrer Firma. Ines bemüht sich, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und schleppt ihren Vater in seinen alten Jeans mit zu Businessempfängen und Massageterminen. Der Besuch führt jedoch nicht zu einer Annäherung. Winfried nervt seine Tochter mit lauen Witzen und unterschwelliger Kritik an ihrem leistungsorientierten Leben zwischen Meetings, Hotelbars und unzähligen E-Mails. Es kommt zum Eklat zwischen den beiden.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 15 erhältlich

Von , 13. Juli 2016 16:40

35mm-15Und wieder ist eine neue Ausgabe des „35 Millimeter“-Magazins fertig. Und es ist, wie ich finde, diesmal eine besonders schöne Ausgabe geworden. Nicht nur wegen des entsprechenden Titelthemas. Ich habe diesmal drei Artikel am Start: Zunächst geht es um die beiden düsteren Psycho-Thriller „Lady in a Cage“ und „Wiegenlied für eine Leiche“ in denen Olivia de Havilland die Hauptrolle spielt. Daran schließt sich dann ein ausführliches Portrait der ehrenwerten Dame an, die mit 100 Jahren nun der älteste, noch lebende Star aus Hollywoods goldenem Zeitalter ist. Ferner habe ich mir noch die platinblonde Sexbombe Jean Harlow vorgenommen. Ein Artikel, auf den ich schon so ein kleines bisschen stolz bin. Die Kollegen war aber auch wieder gut drauf, und darum kann ich das Heft aus vollstem Herzen empfehlen.

TITELSTORY: CLASSIC BEAUTIES
GENE TIERNEY – Zum 25. Todestag – A Shattered Life?
TANZ AUF DEM NOIR-VULKAN – Zum 105. Geburtstag – Ginger Rogers im sozialen Sumpf
MARILYN MONROE – Zum 90. Geburtstag – Ein Interview mit Filmhistoriker Peter Schnug
JEAN HARLOW – Zum 105. Geburtstag – Die platinblonde Sexbombe
OLIVIA DE HAVILLAND – In Lady in a Cage und Wiegenlied für eine Leiche
OLIVIA DE HAVILLAND – Zum 100. Geburtstag – Sanfte Augen, starker Wille
OLIVE THOMAS – Zum 100jährigen Filmdebüt – Eine Moritat aus den frühen Tagen Hollywoods – Teil 1: Aus Lumpen zum Glamour
BETTY GRABLE – Zum 100. Geburtstag – The Girl with the Million-Dollar Legs
MARLENE DIETRICH – Zum 115. Geburtstag – Die blonde Venusfalle
LOUISE BROOKS – Zum 110. Geburtstag – Die Rebellin Hollywoods
ALLA NAZIMOVA – Zum 100jährigen Filmdebüt – The fallen „Star without a Rival“

RUBRIK: ORIGINAL & REMAKE „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ (1933)/ „Das Kabinett des Professor Bondi“ (1953)/ „House of Wax“ (2005)

LOVERS ON THE RUN – Das kriminelle Unterwegssein in Road-Movies

DEUTSCHE SYNCHRONSPRECHER TEIL 5 – Heinz Engelmann

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – Die Mumie (1932)

CAMERA BESTIARIUS – TIERDARSTELLUNG IM FRÜHEN FILM TEIL 1: Von der Bühne in das Kino der Attraktionen – Die ersten auf Celluloid gebannten Tiere

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Friedrich Wilhelm Murnau – Teil 1: Vom Suchen und (nicht) Finden

KOLUMNE: LICHTBLICKE MIT BRAUNEM TON TEIL 9 – Zwischen Kunst und Ideologie : Der Mann, dem man den Namen stahl (1945)

KOLUMNE: DER VERGESSENE FILM – The Return of the Vampire (1943)

 

Heft #15 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

Das Bloggen der Anderen (11-07-16)

Von , 11. Juli 2016 21:16

bartonfink_type2– Michael Sennhauser hat sich auf dem Neuchâtal International Fantastic Filmfestvial getummelt. Wie in den Vorjahren berichtet er auf Sennhausers Filmblog wieder über zahlreiche interessante Genrefilme, die Stück für Stück auf meine „Watchlist“ wandern. Irgendwann muss ich da auch mal hin. Besprochene Filme sind u.a. Agnieszka Smoczynska Meerjungfrauen-Horror-Musical „The Lure“, Michael O’Sheas trauriger Coming-of-Age-Film „The Transfiguration“,Babak Anvaris “Under the Shadows”, der in Teheran spielt und die Luftangriffe im Iran-Irak-Krieg 1988 aus der Sicht eines kleinen Mädchens zeigen, und Christian Tafdrups Film „Parents“ um eine rätselhafte Verjüngung und deren familiäre Folgen.

– Lukas Stern führt auf critic.de ein umfassendes Interview mit „Tony Erdmann“-Regisseurin Maren Ade. Michael Kienzl berichtet vom Il Cinema Ritrovato in Bologna, wo Produzent Carl Laemmle Jr. eine retrospektive spendiert wurde. Er ist dabei erstaunt, was unter diesem Produzenten im ohnehin schon freizügigen Pre-Code-Kino alles möglich war.

– Beim vom Il Cinema Ritrovato war auch das Team von Jugend ohne Film und hat seine Erlebnisse noch einmal zusammengefasst.

– Jugend ohne Film-Gründer Patrick Holzapfel beginnt auf B-Roll eine neue Reihe über den Stand des Kinos heute. Im ersten Teil schreibt er über das große Kinosterben und wie sich die Kinolandschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Andreas Köhnemann hat einen interessanten Artikel über Religion im US-Kino verfasst.

– Bei uns in Bremen lief „The Neon Demon“ nur eine Woche. Und natürlich habe ich es in der kurzen Zeit nichtgeschafft, ihn im Kino zu sehen. Wenn ich Mauritia Mayers enthusiastische Kritik zum Film auf Schattenlichter lese, kommen mir da schon etwas die Tränen. Ich hoffe mal, das Kommunalkino schießt irgendwann noch mal eine Vorstellung nach.

– Oliver Nöding hat sich auf Remember It for Later in den selbst in Fankreisen eher unbekannten Giallo „Un sussurro nel buio“ von Marcello Aliprandi verliebt.

– Udo Rotenberg erinnert auf Grün ist die Heide am Beispiel von William Dieterles „Die Fastnachtsbeichte“ noch einmal daran, was für ein umwerfender Schauspieler Götz George schon in jungen Jahren war.

– Ronny Dombrowski auf Cinetastic.de über den Anime „Belladonna of Sadness“: „ So ungewöhnlich diese Bilderflut des Experimentalkinos auch ist, mit seinem Plädoyer gegen die Ausbeutung von Frauen ist dieser Film auch heute noch brandaktuell.“

– Ein treffendes Statement triff auf funxton, wenn er über „Scarletto – Schloss des Blutes“ schreibt: „(man) wähnt (..) sich unversehens im Olymp psychotronischer Filmkunst. Oder, vielmehr: man wähnt sich nicht, man ist!“ Umgehauen hat ihn auch Bernard Roses „Candyman“, wobei er einen Großteil der Wirkung dem Soundtrack des großartigen Philipp Glas (ein persönlicher Favorit von mir) zuschreibt.

– Bastian Quednau zeigt sich auf film-rezensionen.de begeistert von der „Rocky“-Fortsetzung „Creed“. Da ich solche Lobeshymnen nun schon öfter gehört habe, wandert der Film umgehend auf meinen Wunschzettel. Das Gegenteil von begeistert ist Oliver Armknecht vom deutschen Amateurfilm „ABC of Superheroes“.

– Christian Genzel erinnert auf Wilsons Dachboden anlässlich des Dokumentarfilms „Bad Boy Kimmer“ noch einmal an den Skandal, als der Schweizer Kummer von Los Angeles aus, namhafte deutsche Publikationen mit gefakten Hollywood-Interviews versorgte.

– Walter Hills wundervoll seltsamer „Straßen in Flammen“. Totalschaden schreibt auf Splattertrash: „Musik, Optik, Darsteller; all das wird in diesem Meisterwerk zu einem rauschhaften Vergnügen, welches jegliche Kritik an der flachen Geschichte oder den stereotypen Rollen einfach in einer Welle als Neonlicht, Gitarrenriffs und Großstadtschluchten hinwegspült.“ Yeah!

– Bald kommt die Forstsetzung von Roland Emmerichs „Independence Day“ in die Kinos. Grund für Marco Mewes von Duoscope, noch einmal einen intensiven Blick auf den Film von 1996 zu werfen.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality wieder real virtualinks.

Blu-ray Rezension: „Der gläserne Schlüssel“

Von , 6. Juli 2016 22:38

schluessel_brFrüher war Paul Madvig (Brian Donlevy) ein Krimineller, heute ist er ein korrupter, aber auch erfolgreicher Politiker. Während er im Vordergrund den charismatischen Bürgerfreund gibt, hält im Hintergrund seine rechte Hand Ed Beaumont (Alan Ladd) die Fäden zusammen. Nachdem sie ihn in aller Öffentlichkeit geohrfeigt hat, setzt sich Madvig in den Kopf, Janet Henry (Veronica Lake), die Tochter des ehrenwerten Senators Ralph Henry (Moroni Olsen) zu heiraten. Um sich bei Henry einzuschmeicheln, lässt Madvig den Nachtclub des Gangster Nick Vama (Joseph Calleia) ausheben, mit welchem er zuvor gemeinsame Sache gemacht hat. Vama sinnt auf Rache. Zeitgleich unterält Madvigs kleine Schwester Opal (Bonita Granville) ein Verhältnis mit Janets Bruder Taylor (Richard Denning). Einem Spieler, der bei Vama große Schulden hat. Als Taylor ermordet wird, fällt der Verdacht auf Madvig. Ed Beaumont hat nun alle Hände voll zu tun, um seinem Chef den Kopf zu retten…

Dashiel Hammett ist einer der ganz großen Wegbereiter der amerikanischen Krimi-Literatur. Als einer der Väter des „Hard-boiled“-Romans, ist sein Schaffen bis heute enorm einflussreich. Wim Wenders hat während seines missglückten Hollywood-Ausflugs versucht, Hammett mit seinem gleichnamigen Film ein Denkmal zu setzen. Aber auch für den amerikanischen Filmgeschichte war Hammett immens wichtig. Seine Romane wurden früh und mehrfach verfilmt. Am Bekanntesten ist sicherlich „Die Spur des Falken“, der Film, welcher Humphrey Bogart zum Star machte. Doch dies war bereits die dritte Verfilmung des Romans. Auch „Der gläserne Schlüssel“ war bereits die zweite Adaption des gleichnamigen Romans. Sieben Jahre zuvor war der Stoff bereits von Frank Tuttle mit George Raft und Edward Arnold in den Hauptrollen verfilmt worden. Ferner schuf Hammett das Screwball-Amateuerdetektiv-Duo Nick und Nora Charles aus den „Der dünne Mann“-Filmen. Und sein Debütroman „Red Harvest“ war Inspiration für Akira Kurosawas „Jojimbo“ (was Kurosawa allerdings bestritt), der wiederum als „Für eine Handvoll Dollar“ und „Last Man Standing“ neu in Szene gesetzt wurde.

„Der gläserne Schlüssel“ erzählt eine komplexe Geschichte, ohne sich dabei in den zahlreichen Handlungsfäden und Nebenfiguren zu verlieren. Nomineller Hauptdarsteller ist der wie immer zuverlässige Brian Donlevy, der den bulligen Politiker Paul Madvig spielt. Madvig kokettiert gerne mit seiner nicht ganz sauberen Vergangenheit und seine Nähe zum Mob. Da ist es nur folgerichtig, wenn Donlevy ihn auch wie einen – durchaus sympathischen – Gangster anlegt. Tatsächlich macht der Film keinen Hehl aus der Korruptheit seines Helden, der auch gerne mal von den Fäusten Gebrauch macht, um seine Meinung durchzuboxen. Man wundert sich, wie der Film durch die engen Maschen des Hays Office geschlüpft ist. Der andere hier auftauchende Politiker ist ein Waschlappen, der sich gerne dorthin neigt, woher der Wind weht. Der Staatsanwalt ist eine lächerliche Gestalt ohne eigenen Willen und ein Zeitungsverleger in der Hand der Mafia. Es ist kein besonders positives Bild, welches Regisseur Stuart Heisler da von Amerika und seinen Würdenträgern zeichnet.

Auch die eigentliche Hauptfigur, Madvigs rechte Hand Ed Beaumont, wird ihn kein positives Licht gestellt. Ed handelt als willfähriges Werkzeug seines Meisters Madvig. Um dessen Unschuld zu beweisen, ist ihm kein Trick zu schmutzig. Er lässt sich auch lieber halb tot prügeln, als gegen die Interessen seines Auftraggebers zu handeln. Woher diese verbissene Loyalität kommt, wird im Film nicht ganz klar. Madvig hat Ed wohl mal aus der Klemme geholfen. Eds bedingungslose Treue, lädt aber diverse Kommentatoren im Netz dazu sein, über eine Liebesbeziehung zwischen Ed und Madvig zu spekulieren. Ein Aspekt, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Auch in Eds Beziehung zu dem, von dem großartigen William Bendix verkörperten, Schläger Jeff spielt eine homoerotischer Unterton eine tragende Rolle. Jeff behandelt Ed fast zärtlich, gibt ihm Kosenamen, bevor er ihn mit aller Brutalität und Körperlichkeit als Punching Bag benutzt. Bei ihrem letzten Zusammentreffen lädt Jeff Ed zunächst auf eine Flasche Whiskey ein und umarmt ihn liebevoll, während er voller Vorfreude davon spricht, dass er ihn gleich totprügeln wird. Interessantes, wenn auch irrelevantes Detail am Rande: Während der Dreharbeiten freundeten sich Alan Ladd und William Bendix an, und es entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft zwischen Beiden.

Eine spannende Rolle spielen auch die eigensinnigen und selbstbestimmten Frauen in diesem Film. Sei es Madvigs kleine Schwester, die durch ihre starrköpfige Liebe zum spielsüchtigen Taylor eine Katastrophe hinauf beschwört. Oder die Ehefrau des Zeitungsverlegers, die sich sobald sie vom Bankrott ihres Mannes erfährt, vor dessen Augen sofort Ed Beaumont an den Hals wirft. Im Mittelpunkt steht aber natürlich die wundervolle Veronica Lake. Hier empfiehlt es sich auch, den Film im Original zu schauen, um die rauchig-verruchte Stimme der Lake genießen zu können. Diese vermutet man bei einem so zierlichen Persönchen gar nicht, aber sie passt hervorragend zu ihrer forschen, fordernden Rolle. Veronica Lake besitzt diesen belustigten, zynischen Unterton in ihrem erotischen Timbre. Das macht sie, neben ihrem wunderschönen und unverwechselbaren Äußeren, zur perfekten Femme Fatale. Ihre Janet Henry ist eine interessante Rolle, denn sie hält selbstbestimmt die Fäden in der Hand und lässt sich nicht vor fremde Karren spannen. Auch wenn Madvig damit prahlt, dass er sie erobert hätte, so ist es doch eher so, dass sie ihm erlaubt hat, in ihre Nähe zu kommen, um ihn in den Abgrund stürzen zu lassen. Mit Ed verbindet sie vor allem die Beziehung zu Madvig, auch wenn man eine unterschwellige, sexuelle Neugierde zwischen ihnen spürt. Dass Beiden dann ein geradezu lächerliches Happy End aufgebrummt wird, ist ausgesprochen ärgerlich. Denn diese Konzession an die Hollywood-Konventionen will so gar nicht zu dem Rest des Filmes passt, und schwächt diesen dadurch vollkommen unnötig.

Die Dashiell-Hammett-Verfilmung erstaunt durch einen hohen Grad an Brutalität und einer generell skeptischen Weltsicht. Das Paar Alan Ladd und Veronica Lake harmoniert perfekt miteinander, auch wenn sie sich eher wie Tiger umkreisen. Hervorgehoben müssen aber auch die Nebendarsteller werden. Allen voran der wie immer großartige William Bendix, der seiner im Grunde eindimensionalen Figur ungeahnte Untiefen verleiht. Allein das unglaubwürdige und auch vollkommen unpassende Ende trübt ein wenigen den ansonsten guten Eindruck.

„Der gläsernen Schlüssel“ ist die 22. Folge aus der „Film Noir Collection“ des Hauses Koch Media. Das Bild ist zwar nicht gerade brillant, macht aber auch nicht den Eindruck einer billigen „Public Domain“-Presse. Etwas körnig, dafür scharf und ohne Verschmutzungen. Der englische Ton ist für sein Alter klar und deutlich und definitiv der deutschen TV-Synchronisation vorzuziehen, da diese recht leblos und mit ihren nachträglich eingefügten Geräuschen sehr künstlich wirkt. Zudem kommt man nur so in den Genuss der wunderbaren Stimme von Frau Lake. Falls man mal etwas nicht versteht, kann man die englischen Untertitel zuschalten. Deutsche gibt es leider keine. Das Bonusmaterial ist lächerlich. Drei kurze Clips, die aus der US-Vorlage stammen und zusammen keine 9 Minuten gehen. Zudem wird hier vor allem oberflächlich auf die anderen Filme eingegangen, die in der amerikanischen „Film Noir Collection“ erschienen, aus der das Master dieser Veröffentlichung augenscheinlich stammt. Sehr viel informativer ist da das sehr gut geschriebene, 12-seitige Booklet von Frank Arnold. Ansonsten gibt es noch eine Bildergalerie und den Trailer.

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