Buch-Rezension: John Waters “Carsick“

Von , 29. Januar 2016 17:00

carsickMit dem Begriff „Kult-Regisseur“ wird (viel zu) oft um sich geworfen. Doch es gibt einen Mann, der dieses Prädikat mit vollem Recht für sich beanspruchen kann: John Waters. Waters ist beinahe schon selbst ein eigenes Filmgenre, und insbesondere seine frühen Filme kann man mit Fug und Recht als „einzigartig“ betiteln. Mit dem Mitternachtskino-Erfolg „Pink Flamingos“ und den darauf folgenden „Female Trouble“ und „Desperate Living“ verschob er die Grenzen des guten Geschmacks so sehr, dass die Filme für manchen zu echten Belastungstests wurden. Wer einmal das „singende Arschloch“ aus „Pink Flamingos“ oder die berühmte Szene, in der Divine hinter einem Hund herläuft, um dessen Exkremente zu verspeisen gesehen hat, der weiß, wovon ich rede. Erst Anfang der 80er wurde Waters etwas ruhiger. Nach dem Übergangswerk „Polyester“ (wieder mit seiner Muse Divine und der netten Erfindung Odorama – einer Rubbelkarte, die einen für die jeweilige Filmszene speziellen – und nicht immer feinen – Geruch verströmt) kam er mit dem für seine Verhältnisse enorm erfolgreichen Film „Hairspray“ beim Mainstream an. Wobei Mainstream vielleicht schon zu hoch gegriffen ist, da sich Waters auch hier kontroverser Themen und einiger wunderbaren Entgleisungen bediente – dies aber sehr viel massenkompatibler als in seinen vorangegangenen Filme. Mit wunderbaren, leichter verdaulichen, aber immer noch gerne fest zubeißenden Filmen ging es weiter. In „Cry Baby“ gab er dem jungen Johnny Depp eine erste Kino-Hauptrolle, in „Serial Mom“ durfte Kathleen Turner als „perfekte Mutter“ Leute morden, die ihren Müll nicht ordnungsgemäß trennen. Mit seinem bislang letzten Film „A Dirty Shame“ – einer Farce um Sexsüchtige – wandte er sich dann wieder mehr seinen Wurzeln zu, allerdings weigehend ohne deren ungeheuerlichen Geschmacklosigkeiten. In den USA ist John Waters durch zahlreiche TV-Auftritte, seine herausragende Rolle als unermüdlicher Kämpfer für die Rechte Homosexueller, Bücher und Stand-Up-Comedy-Shows sehr viel bekannter als hierzulande. Eine Tatsache, die einem erst so richtig bewusst wird, wenn man sein jüngstes Buch, „Carsick“ gelesen hat. Interessanterweise erst sein drittes Buch, welches auf deutsch veröffentlicht wurde (nach „Schock“ von 1982 und „Abartig“ von 1997).

Für „Carsick“ unternahm John Waters ein Experiment. Er fuhr per Anhalter von seinem Zuhause in Baltimore zu seinem Appartement in San Francisco. Um sich geistig auf diese Fahrt vorzubereiten entwarf Waters vorher zwei Szenarien, die er mit „Das Beste, was mir passieren kann“ und „Das Schlimmste, was mir passieren kann“ überschrieb. Diese beiden Novellen stehen dem realen Erlebnisbericht vor und geben einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des Filmemachers. Zudem streut Waters einige nette Anekdoten über seine Schauspieler und Kollegen in die fiktiven Geschichten. Am Ende des Buches dankt Waters seinen Sekretärinnen und schreibt, eine von ihnen hat ihm gestanden, dass sie nicht so ganz den Unterschied zwischen dem „Besten“ und dem „Schlimmsten“ erkannt hätte. Und tatsächlich wimmelt es in beiden Novellen nur so vor Wahnsinnigen, Mördern und „Perversen“. Mit dem feinen Unterschied, dass diese in dem „Besten“ Figuren sind, die direkt aus Waters Filmen entsprungen sein können. Da gibt es masturbierende Bankräuber, einen magischen Anus, Pillen einwerfende Polizisten, Waters hat Sex mit einem Crashcar-Fetischisten und am Ende erwartet ihn eine neue Liebe. Bei dem „Schlechtesten“ Dingen kreuzen zwar ebenfalls skurrile und bizarre Gestalten seinen Weg, doch dies sind die Töchter von sadistischen Mädchenmörderinnen, wahnsinnige Kindesentführer oder fanatische Fans. Unterhaltsam sind beide Novellen, nur besitzt die zweite einen stark beunruhigenden Unterton, der einen zutiefst frösteln lässt. Letztendlich zeigen beide Novellen aber auch sehr eindrücklich, wo für Waters der Unterschied zwischen Gutem (lebensbejahender Irrsinn) und Schlechtem (lebensverneinender Irrsinn) liegt.

Nach diesen beiden fiktiven Fahrten wird es ernst und Waters stellt sich tatsächlich an die nächste Straße und hält den Daumen raus. Und natürlich hat die Realität wenig mit seiner überbordenden Fantasie zu tun. Tatsächlich besteht die meiste Zeit aus Warten. Nur selten hält ein Auto an und nimmt Waters mit. Und wenn, dann ist es auch häufig jemand, der ihn erkannt wurde. Man darf davon ausgehen, dass es einem Anhalter aus der anonymen Masse da noch schlechter ergangen wäre. Trotzdem beschreibt Waters auch diesen Abschnitt des Buches humorvoll, immer interessant und auch sehr entlarvend. Waters macht keinen Hehl daraus, dass er sich gegenüber seinen aus der Ferne auf ihn aufpassenden Sekretärinnen wie eine Primadonna verhält, zu Panikattacken neigt und jedem versucht unter die Nase zu reiben, wer er ist. Inklusive einer leichte Enttäuschung, wenn man ihn nicht kennt. Aber diese Schwächen machen ihn nur sympathisch und so ist dieser Abschnitt des Buches – auch wenn der actionreiche Wahnsinn der beiden Novellen komplett fehlt – der spannendste Teil des Buches. Denn die Leute, die Waters mitnehmen, sind real und allesamt sehr freundlich und aufgeschlossen. Und es ist höchst interessant zu lesen, dass sie zwar im Gegensatz zu Waters fiktiven Autofahrern ganz normal sind und trotzdem absolut einzigartig. Man kann mit Waters Augen einen kleinen Blick in ihr Leben werfen, bevor sie dann wieder auf dem Highway des Lebens verschwinden. Ob Waters es schafft, im wahren Leben San Francisco zu erreichen, sei an dieser Stelle nicht verraten. Wohl aber, das „Carsick“ ein Buch ist, welches Spaß macht und insbesondere in den ersten beiden Teilen das unendliche Warten auf einen neuen John-Waters-Film erleichtert. Auch, wenn mir der letzte, eher unspektakuläre Teil sogar noch besser gefallen hat.

John Waters “Carsick – Meine unglaubliche Reise per Anhalter durch Amerika“, Ullstein extra Verlag, 368 Seiten, € 14,99

Das Bloggen der Anderen (25-01-16)

Von , 25. Januar 2016 19:14

bartonfink_type2– Noch zwei schöne Nachträge zu den weniger schönen Todesmeldungen der letzten Woche. YP und PD unterhalten sich auf Film im Dialog über ihre Erinnerungen an Alan Rickman und Patrick Holzapfel nimmt auf B-Roll David Bowies Filmkarriere unter die Lupe.

– Auf B-Roll berichtet auch Andreas Köhnemann über das diesjährige Sundance-Festival.

– Ein Filmfestival der ganz anderen Art war der 15. Hofbauerkongress von dem Michael Kienzl und Lukas Foerster auf critic.de schwärmen. Schöner Titel des Artikels: „Wenn Filme lasziv die Hüften kreisen lassen“.

– Dazu passt auch wunderbar der 2. Mondo Bizarr Weekender, bei dem Oliver Nöding zu Gast war. Seine hinreißende Besprechung von Fulcis „Geisterstadt der Zombies“ und Filmen wie „The Green Slime“ findet man wie gewohnt auf Remember It For Later.

– H.G. Lewis verfolgte mich regelrecht Ende letzten Jahres. Erst haben wir mit einem H.G.Lewis-Double-Feature „Weird Xperience“ wiedereröffnet und dann steuerte ich einen langen Artikel über Lewis für die „Horror“—Ausgabe des „35 Millimeter“-Magazin bei. Und jetzt taucht schöne eine „Blood Feast“-Besprechung bei Die drei Muscheln auf. Allerdings nicht von mir, sondern von MrDepad.

– Apropos „35 Millimeter“-Magazin. In der Redaktion gab es neulich eine Diskussion über Marlene Dietrich. Daher möchte ich meinen jungen Kollegen den Artikel über „Marokko“ von Cameron auf Drei Cineasten sehr ans Herz legen. x

– Stellvertretender Chefredakteur von „35 Millimeter“ ist übrigens Ansgar Skulme, der auf Die Nacht der lebenden Texte einen informativen Artikel über Tod Brownings „Mark of the Vampire“ hinterlassen hat.

– Auf screen/read wird über das Symposium der Filmbüros NRW berichtet, welches sich die Frage: „Hat das deutsche Genrekino eine Zukunft?“ geschrieben hat. Sehr interessant und vielleicht sogar etwas zu kurz. Da hätte ich gerne noch mehr gelesen.

– Apropos Zukunft des deutschen Genrekinos: Auf film-rezensionen.de führt Oliver Armknecht ein Interview mit „Bunker“-Regisseur Nikias Chryssos.

– Katrin Krause von Hard Sensations kann den Film „The Big Short“ empfehlen, der die Finanzkrise von 2007 auf beinah satirische Weise erklärt.

– Auch den Beiden von Duoscope hat „The Big Short“ sehr gut gefallen.

– Ein Film, den ich einst im Dritten gesehen habe und der mich bis heute nicht losgelassen hat ist Seijun Suzukis hochgradig seltsamer „Branded to kill“. Nach Bluntwolfs Review der neuen Blu-ray auf Nischenkino wird der jetzt umgehend bestellt.

– Auch einst im TV gesehen und immer sehr gemocht habe ich „A Boy and His Dog“. Schlombie mochte den gar nicht und verpasste diesem herrlich schrägen Film auf Schlombies Filmbesprechungen brutale 1 von 5 Punkten. Dass er gleichzeitig „Kartoffelsalat“ 3 von 5 zubilligte, verschweige ich hier mal. Ansonsten hat er noch „Die Filmbesprechungen der Anderen“ zusammengestellt.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality wieder seine real virtuallinks an Bord.

Funxton hat auf seinem Blog einige Ridley-Scott-Filme besprochen, wobei er sich auf die schwächere Phase in Scotts Karriere mit Filmen wie z.B. “Black Hawk Down” und “White Squall” konzentriert.

– Mauritia Mayer stellt auf Schattenlichter einen der besten Italo-Western aller Zeiten vor: „Leichen pflastern seinen Weg“.

– Noch ein Italo-Western, nochmal Klaus Kinski. Totalschaden hat sich auf Splattertrash „Das Gold von Sam Cooper“ vorgenommen.

– Bei seiner anhaltenden Untersuchung der Wurzeln der Commedia sexy all’italiana widmet sich Udo Rotenberg auf seinem Blog L’amore in città diesmal “Drei Liebesnächte“ von Renato Castellani, Luigi Comencini und Franco Rossi.

– Michael Schleeh fühlte sich nach der Sichtung des japanischen „Assassination Classroom“ wie „nach einem Schleudergang in der Waschmaschine“. Warum kann man auf Schneeland lesen.

– Nicholas Roegs „Hexen hexen“. Kinderfilm oder nicht? Ja, aber nicht für jedes Kind, meint Rochus Wolff auf seinem Kinderfilmblog.

– Warum „Speed 2“ doof aber kein Desaster ist, erklärt Flo Lieb auf symparanekronemo.

Blu-ray-Rezension: “Der gnadenlose Vollstrecker”

Von , 22. Januar 2016 19:23

gnvollstreckerAus der Schatzkammer der Mandschu-Kaiserin wird eine stattliche Summe Gold gestohlen. Die Kaiserin gibt dem Befehlshaber der Garden 10 Tage Zeit, das Gold wiederzubeschaffen. Dieser gibt den Auftrag an seinen besten Mann weiter. Leng Tian-Ying (Chen Kuan Tai), wird auch „der Blutige“ genannt, da er keine Gefangenen macht und auch nicht davor zurückschreckt, Unbewaffnete förmlich zu exekutieren. Leng sammelt fünf seiner treusten Gefolgsleute um sich und macht sich auf den Weg, die Diebe zu bestrafen und das Gold zurückzuholen. Doch die Männer geraten immer wieder in Hinterhalte und so schrumpft Lengs kleine Truppe recht schnell. Schließlich wird Leng vom Anführer der Diebe, Fang Feng-Jia (Ku Feng), eine tödliche Falle gestellt…

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Über den Film „Der gnadenlose Vollstrecker“ lass ich erstmals im Jahre 2000 in der zweiten und leider auch letzten Ausgabe des großartige Fanzine „Absurd 3000“, welches meinen Filmgeschmack und -verständnis vielleicht sogar noch mehr prägte, als die legendäre „Splatting Image“. In einem langen Artikel stellte Hagen Weiss damals den Regisseur Chih-Hung Kuei (alias Gui Zhihong) vor. Chih-Hung Kuei ist einer der aufregendsten (wenn auch leider bis heute unbekannteren) Regisseure der Shaw Brothers Studios. „Der gnadenlose Vollstrecker“ ist sein einziger Film, der dem Genre des Schwertkampf-Films zugeordnet werden kann. Seine anderen Filme, wie der großartige „The Tea House“ und sein Nachfolger „Big Brother Cheng“ (beide ebenfalls mit Chen Kuan Tai) und seine wilden Horrorfilme, wie„Killer Snakes“ oder „The Boxer’s Omen“, harren hierzulande noch einer Veröffentlichung. Auch im Women-in-Prison-Genre hinterließ Chih-Hung Kuei mit seinem berüchtigten „Das Bambuscamp der Frauen“ viel Eindruck und zusammen mit Ernst Hofbauer war er für den Schulmädchen-meets-Kung-Fu-Mash-Up „Karate, Küsse, blonde Katzen“ zuständig. „Der gnadenlose Vollstrecker“ ist ein Remake des 11 Jahre vorher entstanden „Invincible Fist“, den Chang Che mit Lo Lieh und David Chiang in den Hauptrollen inszenierte. Es soll sogar ein Jahr vor dem „Gnadenlosen Vollstrecker“ eine billige Taiwan-Version des Stoffes gegeben haben, welche sich „Demon Strike“ nannte und in der – wie im „Gnadenlosen Vollstrecker“ – Jason Pai Piao mitspielt.

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Chih-Hung Kueis „Der gnadenlose Vollstrecker“ unterscheidet sich deutlich von den Schlacht-Epen, die ein Chang Cheh inszenierte. Aber auch den wunderbaren, surreal-künstlichen Traumwelten eines Yuen Chor oder den eher realistischen angehauchten Shaolin-Filmen eines Chia-Liang Liu steht „Der gnadenlose Vollstrecker“ nicht besonders nah. Er entstand in einer späten Phase in der Geschichte der Shaw Brothers Studios. Erst 1980 kam er in die Kinos, oder sollte man sagen „bereits“? Denn tatsächlich wirkt er seiner Zeit gute 10 Jahre voraus und erinnert stärker an das Hongkong-Kino der frühen 90er, als an die Hochphase der Shaw Brothers Produktionen in den 70ern. Und er ist einer der besten Werke aus Hongkongs Fließbandschmiede. Im Vergleich zu den unterhaltsamen, aber häufig eher eindimensionalen Geschichten dieser Filme, wartet „Der gnadenlose Vollstrecker“ mit einer düsteren Komplexität auf, die man nicht unbedingt erwartet.

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Hier verschwimmen drastisch wie selten die Grenzen zwischen Gut und Böse. Während beispielsweise die Mandschu in den Filmen aus Hongkong fast immer die Rolle der Bösewichte einnahmen, repräsentieren sie hier die nominalen Helden, während die chinesische Bevölkerung auf der anderen Seite des Gesetztes steht. Doch dies ist nur die gelernte Perspektive des Zuschauers, weil der Film aus Sicht unsere Protagonisten erzählt wird und diese eben auf der Seite der Mandschu stehen. Man könnte die Geschichte des Films auch problemlos umdrehen und dann würden aus den „bösen“ chinesischen Räubern plötzlich heldenhafte Freiheitskämpfer. In einer Szene reiten die Mandschu-Beamten durch ein Dorf und müssen dort all das Elend der chinesischen Bevölkerung sehen: Die hungernden Kinder und ausgemergelten Alten in ihren Lumpen. Das Grauen des Mandschu-Regimes, die Saat, die die „Verbrecher“ zu ihrem Raub getrieben hat. Dies verleitet einen der Beamten dazu, Mitleid für die Opfer der Mandschu-Herrschaft zu empfinden. Doch Chi Hung Kweis Welt ist ebenso gnadenlos wie der „Vollstrecker“. Mitleid ist hier keine Stärke, sondern eine Schwäche, die direkt zu einem qualvollen Tode führt. Denn an beiden Fronten stehen Männer, die sich selbst im Recht sehen und kein Mitgefühl gegenüber dem Gegner walten lassen.

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„Der gnadenlose Vollstrecker“ ist dann auch einer der finstersten, pessimistischsten und brutalsten Filme, die je unter dem Banner, der generell nicht geraden zimperlichen Shaw Brothers, entstanden sind. Insbesondere die Brutalität wirkt noch heute sehr viel direkter und schmerzhafter als das durchchoreographierte Blut-Ballett, das man aus Hongkong in den 70er Jahren gewohnt war. Sie ist näher am japanischen Samurai-Film als dem chinesischen Martial-Arts-Kino. Was vermutlich auch an dem japanischen Action Koordinator Yasuhiro Shikamura liegt, der häufig mit Chi Hung Kwei zusammenarbeitete. Die Kämpfe sind kurz, heftig und von einer enormen Intensität. Doch nicht nur die zahlreich durch die Luft wirbelnde, abgetrennte Gliedmaßen und meterhohen Blutfontänen lassen aufmerken. Auch Szenen in denen sich die Kontrahenten durch lodernde Feuer wälzen und langsam bei lebendigem Leibe verbrennen, lassen einen sich die Augen reiben. Selbst wenn man bei genauerem Hinsehen die feuerfesten Schutzanzüge erahnen kann, wirken diese Szenen sehr schmerzvoll. Aber nicht nur physische Gewalt macht den Film so brutal. Die Bilder der hungernden und dahinvegetierenden Bevölkerung oder der rücksichtslose Umgang der „Helden“ mit den Verdächtigen und die qualvollen Tode der vergifteten Opfer sind Stoff, aus dem Albträume sind.

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Unterstützt wird die finstere Geschichte um Pflichtbewusstsein, Ehre, Habgier und Verzweiflung durch eine außergewöhnliche Fotografie, deren Wurzeln in den italienischen „gothic horror“-Filmen zu liegen scheint. Oftmals ist das Bild durchdrungen von kräftigen roten und grünen Farben, ausdrucksstarkem Licht und Schatten. Zum Ende hin, wird die Handlung in ein nebeldurchzogene, regnerisches Sumpflandschaft verlegt, aus der die Toten emporzusteigen scheinen. Besonders im Gedächtnis bleibt die Szene, in welcher „der Blutige“ Leng Tian-Ying und sein Kontrahent Fang Feng-Jia in dessen Hütte aufeinandertreffen. Im Beisein von Fangs blinden Tochter, die beiden Tee serviert, tun sie so, als wären sie gute Freude, obwohl sie sich mit gezogenen Waffen gegenüberstehen, und die Situation jederzeit zu eskalieren droht. Obwohl dies so auch in dem Original „Invincible Fist“ vorkam, kann man von der ganzen Stimmung und dem set up vermuten, dass John Woo gerade diese Szene als Vorbild für die beinahe identische Einstellung in „The Killer“ nutzte.

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Einer der besten und noch immer modern wirkenden Filme aus dem goldenen Shaw Brothers Zeitalter. Chih-Hung Kuei ist ein außerordentlicher Regisseur, den es hierzulande noch zu entdecken gilt. Visuell aufregend, brutal und zutiefst nihilistisch, sticht „Der gnadenlose Vollstrecker“ weit aus der Masse der unzähligen Shaw Brothers Produktionen hervor.

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Auch in der Shaw Brothers Collector’s Edition des Hauses fimArt ist „Der gnadenlose Vollstrecker“ ein Highlight. Wie die anderen Filme der Reihe auch, ist „Der gnadenlose Vollstrecker“ als Blu-ray/DVD-Combo erschienen. Das Bild ist wie gehabt sehr gut, auch wenn ihm – bedingt durch das Anfang der 80er verwendete Filmmaterial – die beinahe plastische Schärfe der 70er Jahre Produktionen teilweise fehlt. Doch Farben und Schwarztöne können absolut überzeugen. Der deutsche Ton hat ein ganz dezentes Rauschen, der Mandarin-Ton ist klarer, dafür aber auch steriler. Der Film war in seiner alten deutschen Kino- und Videofassung um 9 Minuten gekürzt, die fehlenden Stellen sind hier wieder da und im Original mit ausblendbaren deutschen Untertiteln belassen. Zusätzlich ist noch eine isolierte Musik und Toneffekt-Spur auf Basis der Mandarin-Fassung beziehtdabei. Als Extras gibt es neben den deutschen und chinesischen Trailer noch eine Bildergalerie, sowie ein 12-seitiges Booklet mit den deutschen Aushangfotos und Werberatschlägen.

Das Bloggen der Anderen (18-01-16)

Von , 18. Januar 2016 21:17

bartonfink_type2– Leider war dies mal wieder eine sehr traurige Woche und gleich drei Todesfälle gab es zu betrauern. Der Tod David Bowies kam für mich – wie wohl wirklich für jeden anderen auch – vollkommen überraschend und hat mich mehr mitgenommen, als ich gedacht hätte. Seit letztem Montag läuft Bowie bei mir in Dauerrotation und mit jedem neuen Lied wird mir klar, wie groß der Verlust für die Musikwelt und tatsächlich auch für mich persönlich ist. Da Bowie auch in einigen Filmen aktiv war, gibt es natürlich auch in der deutschsprachigen Filmblog-Szene Menschen, die an ihn erinnern. Ganz persönlich Joachim Kurz auf B-Roll,  und in kürzerer Form bei Der Kinogänger. Ebenfalls aus dem Nichts kam die Todesmeldung vom großartigen Alan Rickman (für mich neben Vincent Price das beste Argument, einen Film im Originalton anzuschauen). Auch hier fand Der Kinogänger passende Worte, ebenso wie Oliver Lysiak von den Fünf Filmfreunden, Maximilian Kosing von Cereality und Juli von Pieces of Emotion. Im stolzen Alter von 91 Jahren ist auch eine deutsche Leinwandlegende der 50er, Ruth Leuwerik, verstorben. Ihrer gedenkt nicht nur Sebastian vom Magazin des Glücks, sondern auch sehr ausführlich Udo Rotenberg mit einem schönen Stück über ihren Film „Immer wenn der Tag beginnt“ auf Grün ist die Heide.

– Noch nachgereicht: Der Jahresrückblick von Hard Sensations, der mit seinem Listenwahnsinn dem Jahresrückblick, der in der letzten Woche vorgestellten Kollegen von Eskalierende Träume, in nichts nachsteht. Ferner schreibt Alex Klotz über den portugiesischen Film „The Crime of the Old Village“ von 1964 und Guido Rohm führt ein fiktives Zwiegespräch über Nikias Chryssos „Der Bunker“.

„Der Bunker“ (läuft übrigens am 11. März in Bremen innerhalb unserer Reihe „Weird Xperience“) hat es auch Oliver Nöding von Remember It For Later sehr angetan. Ferner gibt es hier noch einige Berichte vom 14. Hofbauer-Kongress, wo nach dem niederschmetternden „Die Spalte“ gleich der unbeschreibliche „Mädchen beim Frauenarzt“ des Namenspatrons gezeigt wurde. Und mit der John-Ford-Retro geht es auch weiter, u.a. mit „Up the River“ in dem Spencer Tracy seine erste Filmrolle und Humphrey Bogart seine erste Hauptrolle hatte.

Noch einmal „Der Bunker“, diesmal empfohlen von Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Des Weiteren im Fokus: „Anomalisa“, der neue Film von Charlie Kaufman, „eine gewöhnliche Geschichte um einen vom Leben gelangweilten Mannes mithilfe einer sehr ungewöhnlichen Stop-Motion-Technik“, die Oliver besonders gut gefallen hat.

– Weit weniger enthusiastisch, aber immer noch gut wird „Anomalisa“ von Ronny Dombrowski auf cinetastic.de besprochen.

„The Lobster“ habe ich auf vielen Bestenlisten des Jahres 2015 gesehen und was Vitellone über den Film auf Die drei Muscheln schreibt, klingt danach, dass ich mir dieses surreale Werk des mit „Dogtooth“ bekannt gewordenen Griechen Yorgos Lanthimos unbedingt mal anschauen sollte.

– Auf Duoscope nähern sich Marco und Bianca aus zwei ganz unterschiedlichen Blickwinkeln dem Film „The Danish Girl“.

– Sonja Hartl interviewt auf B-Roll Amy Berg, die nun nach Kurt Cobain und Amy Winehouse eine Dokumentation über ein weiteres Mitglied des 27er-Clubs in die Kinos gebracht hat: Janis Joplin.  Leon Frisch schreibt anlässlich von „The Revenent“ über das Verhältnis Mensch/Natur im Film. Lucas Barwenczik sinnt auf wie gewohnt sehr lesenswerte Art und Weise über die Frage nach, ob es zu lange Filme gibt.

– Patrick Holzapfel stellt auf Jugend ohne Film den Filmemacher Sharunas Bartas vor.

– „Ich war noch nie an Lauheit interessiert. Das ist für mich gleichbedeutend mit Langeweile. Lieber versaue ich einen Film auf großartige Weise, als einen ’netten‘ Film zu machen“ sagt der französische Filmemacher Guillaume Nicloux im Interview mit Französischer Film.de

– Man kann die Welt ebenso in Chaplin- und Keaton-Menschen aufteilen, wie in Katzen- und Hunde-Menschen. Ich gehöre zu den Keaton-Menschen und habe darum fasziniert den Artikel von david auf Whoknows presents gelesen, der in dem unbekanntem Slapstick „A Sea Dog‘s Tale“ Spuren einer verworfenen Keaton-Idee gefunden hat.

– Volker Schönenberger setzt sich auf Die Nacht der lebenden Texte mit Tod Brownings Klassiker „Feaks“ auseinander.

– Schlombie konnte die mit bisher unbekannte, tschechische Westernparodie „Limonaden Joe“ nicht überzeugen. Ich bekomme jedoch bei seiner Review auf Schlombies Filmbesprechungen durchaus Lust drauf.

– Erinnerungen 1: symparanekronemo bespricht „Speed“, den ich seit seiner Kinoaufführung eigentlich gar nicht mehr so richtig wiedergesehen habe. Damals empfand ich den Film aber als höchst beeindruckende Actionrakete. Wäre spannend, was ich heute darüber denke.

Dass „Gulag“ ein TV-Film war, wie ich jetzt bei funxton gelernt habe, wusste ich gar nicht, als ich den mit Freunden irgendwann in der zweiten Hälfte der 80er auf Video gesehen habe. Ich weiß aber noch, dass wir uns darunter eher etwas Härteres vorgestellt hatte. Immerhin: Ich kann mich heute noch daran erinnern, den damals auf VHS gesehen zu haben. Von daher…

– Erinnerungen 2: „Alienkiller“ von John McNaughton habe ich damals auch gesehen, auch wenn ich mich gar nicht mehr an die Handlung erinnern kann, sondern nur an das Gefühl, den gar nicht so schlecht gefunden zu haben, wie er damals nach „Henry“ aufgenommen habe. Heiko Hartmann von Allesglotzer hilft meinem Gedächtnis auf die Sprünge.

– Irgendjemand hat kürzlich die deutsche Lederhosen-Sex-Klamotte „Graf Dracula (beißt jetzt) in Oberbayern“ (mit Gianni Garko!!!) ziemlich verrissen. Totalschaden von Splattertrash ist etwas gnädiger. Beim grandiosen „Coffy -Die Wildkatze“ mit der furiosen Pam Grier gibt es dann aber keine zwei Meinungen.

– Alex Matzkeit hat auf real virtuality wieder interessante Links hauptsächlich aus der englischsprachigen Blogosphäre gesammelt.

Blu-ray Rezension: „Es ist schwer ein Gott zu sein“

Von , 16. Januar 2016 16:54

schwergottDer Planet Arkanar ähnelt der Erde in der Zeit vor 800 Jahren. In der Erwartung, hier die Geburt einer Renaissance mitzuerleben, wird von der Erde eine Gruppe Wissenschaftler nach Arkanar geschickt. Sie geben sich als adlige Nachkommen lokaler Gottheiten aus und leben unerkannt unter den Einwohnern Arkanars. Ihre Aufgabe ist es, die dortige Entwicklung aufzuzeichnen und ihre Berichte zur Erde zu übertragen. Dabei dürfen sie aber niemals in das Geschehen eingreifen, sondern müssen unter allen Umständen passive Beobachter bleiben. Doch es kommt anders als gedacht. Die Mitglieder der Universität werden ermordet, die Renaissance findet nicht statt. Stattdessen werden die Bücherfreunde und Intellektuellen von den grauen Truppen verfolgt und niedergemetzelt. Dem als Don Rumata getarnten Wissenschaftler Anton (Leonid Yarmolnik) fällt es unter diesen Umständen immer schwerer, seine Neutralität zu wahren…

Es ist schwer ein Gott zu sein“ gehört zu jenen Filmen, die einen erst einmal sprachlos, ja sprach-unfähig machen. Was soll man schreiben, wenn der Kopf noch vollgestopft ist mit Bildern, sich der Körper gerädert anfühlt und man nicht sagen kann, ob das Grummeln im Bauch nun die Begeisterung und das Unwohlsein ist. Aleksei German hat mit seinem letzten Film ein Monster geschaffen und wenn man prosaisch sein möchte – und sich ein wenig die Tatsachen zurechtbiegt – könnte man behaupten, es wäre ein Monster, welches ihn schließlich umgebracht hat. Seit dem Ende der 60er Jahre hatte German vor, die Geschichte der beiden russischen Science-Fiction-Autoren Arkadi und Boris Strugatzki zu verfilmen. Er hat dann in den 70ern und 80ern immer wieder neue Anläufe genommen, und immer wieder schien das Projekt kurz vor dem Beginn zu stehen, bis dann das Schicksal oder die Weltpolitik zuschlugen und die Pläne zunichte machten. Einmal war er sogar drauf und dran, Peter Fleischmann bei dessen Version der Geschichte abzulösen. Dann war es endlich soweit und wider allen Erwartungen konnte German mit der Verfilmung beginnen. Am Ende sollte es 7 lange Jahre dauern, bis die Arbeiten an dem Film abgeschlossen waren. German selber erlebte die Fertigstellung seines Filmes, die dann sein Ehefrau Svetlana Karmalita und sein Sohn Aleksei German Jr., übernahmen, nicht mehr. Er starb am 21. Februar 2013, nur knapp neun Monate vor der Weltpremiere seines Film auf dem Filmfestival in Rom.

Für den Zuschauer ist „Es ist schwer ein Gott zu sein“ kein einfacher Film, aber ein intensives Erlebnis. Drei stunden lang wartet man durch Dreck, Schleim, Blut und Scheiße. German hat eine Welt entworfen, die einerseits natürlich an das Mittelalter und die Darstellungen eines Pieter Breugel, dem Jüngeren oder Hieronymus Bosch erinnern, andererseits dem modernen Menschen so fremd erscheint, als wäre er tatsächlich auf einem fernen Planeten. Die Akribie mit der German zu Werke geht, seinen Film bis ins kleinste Detail kontrolliert und dabei eine ebenso realistische, wie abstoßende Welt kreiert, ist bewundernswert. Schön ist es nicht, was wir sehen. Gleich in der ersten Szene streckt uns jemand den nackten Arsch entgegen und entleert seinen Darm. Es wird gerotzt, gekotzt, geschissen, geblutet. Eingeweide kullern zu Boden, schleimiges Blut wird sich ins Gesicht geschmiert, hab verdautes ausgespien. Man fragt sich unwillkürlich was gewesen wäre, hätte German seinen Film nicht in betörendem schwarz-weiß, sondern in Farbe gedreht. Hätte man das ausgehalten? Oder sind es gerade die wunderbaren monochromen Bilder, die einem den Boden unter den Füssen wegziehen?

Die Menschen sind hässlich, voller Defekte. Man riecht den Gestank dieser Welt förmlich, als ob er aus dem Bildschirm kriechen würde. Das Gewusel der Menschen macht einen schwindelig. Immer wieder schauen Gesichter direkt in die Kamera, als würde sie überrascht und skeptisch auf den Zuschauer ins einem gemütlichen Heim blicken. Dies hat einen merkwürdigen, unangenehmen Effekt. Man fühlt sich nicht sicher, hat den Verdacht, die Menschen auf der anderen Seite des Bildschirmes könnten einen sehen, wollten mit einem interagieren. Etwas, was man im Angesicht der hier gezeigten Greuel unter keinen Umständen möchte. German schenkt uns nichts. Diese Welt ist grausam. Hinter der nächsten Ecke könnte schon der tödlich Axthieb oder die einen durchbohrenden Pfeile lauern. Zwischen den Figuren gibt es keine positiven Gefühle. Allein unser „Held“ Don Rumata scheint so etwas wie Zuneigung empfinden zu können. Doch es ist für ihn keine Erleichterung, sondern eine Qual.

Man liest überall, dass German keine Geschichte erzählen würde. Tatsächlich ist es extrem schwer, der Handlung zu folgen und zu verstehen, was vor sich geht. Obwohl scheinbar Fans der Autoren Strugatzki dem Film attestieren, die Handlung des Romans gut – wenn oftmals auch nur durch die Kenntnis der Vorlage erkennbar – wiederzugeben. Es spielt aber auch keine Rolle, ob man eine klar strukturierte, einfach zu verstehende Geschichte hat oder nicht. So ist Germans Film auch gar nicht konzipiert. Er wirft ein gerade dadurch, dass man nicht auf Anhieb alles versteht in die Rolle, die die Besucher von der Erde einnehmen. Man ist hier fremd, man versteht nicht was vorgeht. Man ist verwirrt, versucht an dem Wenigen, was man hat, Halt zu finden. Man torkelt mehr durch den Film, als dass man schreitet. Man fühlt, schmeckt, riecht ihn. Germans Film wird häufig mit denen Andrei Tarkovskys, speziell „Andrej Rubljow“ verglichen. Dieser Vergleich ist nicht ganz von der Hand zu weisen, doch viel mehr noch erinnert er an den großen Ungarn Bela Tarr, der mit seinen Filmen ebenfalls eine merkwürdige, bekannte – aber doch auch verstörend andere Realität erschuf. Der sich ebenfalls viel Zeit nimmt, den Zuschauer in diese Welt zu ziehen. Der, ebenso wie German, seine Film in schwarz-weiß und mit vielen sehr langen Plansequenzen erschafft. Wie bei Tarr ist man in „Es ist schwer ein Gott zu sein“ ganz, ganz nah dran an den Figuren, den Gesichtern. Den Leibern und der Bewegung.

German hat seinen Film als Gleichnis auf die heutigen Verhältnisse in Russland gesehen. Tatsächlich ist er eine Allegorie auf die heutigen Verhältnisse überall auf der Welt. Auf Missstände, die die Menschen schon seit Jahrhunderten begleiten. Und die Ohnmacht derer, die unter den Verhältnissen leiden und doch nichts ändern können. Obwohl sie vielleicht die Mittel dazu hätten – doch sie wissen, dass ein Übel immer nur wieder von einem andern abgelöst wird.

German hat seinen Film als Gleichnis auf die heutigen Verhältnisse in Russland gesehen. Tatsächlich ist er eine Allegorie auf die heutigen Verhältnisse überall auf der Welt. Auf Missstände, die die Menschen schon seit Jahrhunderten begleiten. Und die Ohnmacht derer, die unter den Verhältnissen leiden und doch nichts ändern können. Obwohl sie vielleicht die Mittel dazu hätten – doch sie wissen, dass ein Übel immer nur wieder von einem andern abgelöst wird.
Für die bei Bildstörung erschiene Blu-ray gibt es nur ein Wort: Perfekt. Wieder einmal hat Bildstörung seinen hervorragenden Ruf bestätigt und eine ultimative Fassung dieses Meisterwerks vorgelegt. Das Bild ist gestochen scharf, der wuchtige Ton liegt auf Russisch mit ausblendbaren deutschen Untertiteln vor. Da in einer der vielen Dokumentationen zum Film betont wird, wie wichtig German das Sounddesign und Sprache war, ist die Entscheidung, hier keine deutsche Synchronisation nachzuschieben, absolut nachvollziehbar. Auch das Bonusmaterial lässt keinerlei Wünsche offen. Neben einem hochinformativen und 40 Seiten starken Booklet von Anton Dolin platzt die beiliegen Bonus-DVD nur so vor hochwertigen Extras, die zusammen genommen die epische Länge des Hauptfilmes noch einmal schlagen. Neben einem filmbegleitenden Gespräch mit Barbara Wurm und Olaf Möller, finden sich hier folgende Dokumentationen: “Aleksei German” – Ein Interview von 1988 (45:18 Min.), “Jenseits der Kamera”, ein weiteres Interview mit Alexei German aus dem Jahr 2009 (51:59 Min.), “Germans Blutdruck ist heute 122/85”, quasi ein Making Of (42:41 Min.) und “Die Geschichte des Arkanar-Massakers”, hier liefert Daniel Bird einige Erklärungen und Hintergrundinfos zur Verfilmung und der Unterschiede gegenüber des zugrundeliegenden Romans (Englisch mit dt. UT, 27:14 Min.). Ferner gibt es noch Interviews mit der Drehbuchautorin und Witwe des Regisseurs Svetlana Karmalita (37:00 Min.), sowie Aleksei German Jr., dem Sohn des Regisseurs (9:35 Min.). Weiterhin gibt es noch den Kinotrailer zum Film und Bildergalerien.

Das Bloggen der Anderen (11-01-16)

Von , 11. Januar 2016 22:18

bartonfink_type2– Dem Monat geschuldet finden sich in vielen Blogs die individuellen Jahresbesten-Listen. Tops und Flops, aber auch persönliche Highlights. Alex Matzkeit hat sich auf real virtuality die Mühe gemacht, die Besten-Listen von 50 Blogs (meiner war auch dabei, da fühle ich mich geehrt und sage Danke) auszuwerten und in eine Rangfolge zu bringen. Des Weiteren haben folgende Blogs das Jahr in Listen und Kommentare zusammengefasst: Michael Schleeh auf Schneeland (Top 20), Eskalierende Träume (alle 10 Redaktionsmitglieder haben ganz unterschiedlich lange, wortreiche Listen gepostet), Stefan Ertl auf new filmkritik (unkommentiert und ohne Rangfolge), David auf Whoknows presents (mit sehr ausführlichen, kommentierten Listen – und einem überraschenden Verriss für „It Follows“), Jan Noyer auf Der Kuleschow Effekt (Tops & Flops und Kommentierung), Thomas auf Schöner Denken (Top10 und die schönsten Filmmomente), symparanekronemoi (mit einem ausführlichen Rückblick), Die drei Cineasten (die Filmentdeckungen 2015 der Blogger) und Duoscope (mit einem Rückblick auf das Filmjahr 2015 in Dialogform) und film-rezenionen.de (kurz kommentierte Top 10 der vier Mitarbeiter).

– „The Guest“ hatte ich ja auf Platz 3 meiner eigene Top 10 der aktuellen Filme gepackt. Darum freue ich mich sehr, dass Adam Wingards Film auch bei Mauritia Mayer großen Anklang fand. Wie man auf Schattenlichter nachlesen kann.

– Am 8. November war Silvia Szymanski einen Tag lang bei KARACHO 1. Festival des Actionfilms in Nürnberg. Auf Hard Sensations hat sie darüber geschrieben.

– Ebenfalls in Nürnberg und von den gleichen Machern ist gerade der letzte Hofbauer-Kongress zu Ende gegangen. Oliver Nöding von Remember It For Later war da und hat sensationeller Weise scheinbar den ganzen Kongress über fast schon „live“ seine Besprechungen ins Netz gestellt. Welches breite Spektrum gezeigt wurde, sieht man an seinen Blogeinträgen: „Hörig bis zur letzten Sünde“, „Thriller: En grym film“, „Skandalöse Emanuelle – Die Lust am Zuschauen“, „Die spanische Fliege“ (von 1955) und „Das Spukschloss im Salzkammergut“.

– Bluntwolf schreibt auf Nischenkino über den Paul-Naschy-Film „Die Todeskralle des grausamen Wolfes“ und kommt völlig zurecht zu dem Schluss: „Vivat, Paul Naschy!“.

– Ich muss gestehen, dass ich mich bis heute nicht an „Astro-Zombies“ (dem Film) herangetraut habe, obwohl dieser doch quasi zum Kanon des sogenannten „Trashfilms“ gehört. Zu viel schlecht Schlechtes hatte ich über ihn gehört. Totalschadens recht wohlwollende Besprechung auf Splattertrash könnte mich aber doch schwach machen.

– Ich oute mich jetzt mal: Ich habe eine große Schwäche für Bollywood. Allerdings habe ich die Filmszene dort seit einigen Jahren vollkommen aus den Augen verloren. Vielleicht ist das auch ganz gut so, denn Dennis Basaldella empfiehlt in seinem lesenswerten Artikel auf B-Roll über das moderne Bollywood-Kino auch vor allem jene Filme, mit denen ich Bollywood-Fan geworden bin. Patrick Holzapfel widmet sich anlässlich von diCaprios Gesichtsbewachsung in „The Revenant“ dem Thema Bärte im Film.

– Auf Jugend ohne Film unternimmt Rainer Kienböck einen Streifzug durch das Genre der Screwball-Komödie und Claudia Siefen durch die Landschaften Eric Rohmers.

– Funxton empfiehlt auf seinem Blog den Neo-Western „Bone Tomahawk“ über den ich schon viel Gutes gehört habe: „Für Anthropologen und Ästheten somit eher ungeeignet, für jeden, der pures Genrekino schätzt, derweil eine Pflichtvorstellung.“

– Dank Christian Genzels Blog Wilsons Dachboden weiß ich jetzt, dass Anna Nicole Smith 1996 mal den Bruce Willis in einem „Stirb langsam“-Verschnitt gab. Wieder was gelernt.

– Schlombie ist auf Schlombies Filmbesprechungen von „Schock!“, einem 40er Jahre-Gruseler mit einem jungen Vincent Price, den der unterschätzte Alfred L. Werker gedreht hat, recht angetan.

– Ansgar Skulme stellt auf Die Nacht der lebenden Texte den Pre-Code-Schocker „Murders in the Zoo“ vor.

– Laut Carsten Happe auf Filmgazette, hat Genre-Liebling Álex de la Iglesia mit seiner Lobhuddelei „Messi“ seinen ersten schlechten Film abgeliefert. Ich bin überrascht. Klaus Kreimeier hat zwischenzeitlich zwei neue „magische Momente“ gefunden: In „Die durch die Hölle gehen“ und „Das unbekannte Gesicht“.

– Wo jetzt „Creed“ (Golden Globe für Stallone!) anläuft, haben YP und PD sich auf Film im Dialog noch einmal des ersten „Rocky“-Films angenommen.

– Unter dem Titel „Blickwinkelkritik“ findet man auf Daumenkino drei Kritiken zu dem Film “Underdog“ von Kornél Mundrusczó,

– Michael Schleeh hat fünf ganz unterschiedliche Kurzfilme gesehen und stellt diese auf Schneeland vor.

– Und Alex Matzkeit hat wieder auf real virtuality wieder Real Virtualinks aus der englischsprachigen Blogosphäre gesammelt.

“Weird Xperience”: Freitag 8.1. im Lagerhaus/etage3 – FRANKENHOOKER

Von , 7. Januar 2016 21:55

Morgen, Freitag, den 8.1., präsentieren Stefan und ich wieder WEIRD XPERIENCE  im Lagerhaus. Diesmal zeigen wir die US-Splatter-Komödie „Frankenhooker“ von 1990.

Um allen Bremern und Buten-Bremer etwas Appetit zu machen, kopiere ich hier mal ganz frech Stefans Text zum Film rein, den er auf unserer Weird Xperience-Seite gepostet hat.

Am 8. Januar, 20:30 Uhr ist es wieder soweit, Weird Xperience ist in der Etage 3 und zeigt eine amerikanische Version des klassischen Frankenstein-Stoffs im Fun-Splatter-Style.

frankenhooker-resurrection3Der schüchterne Hobby-Chirurg John Franken verliert durch einen Unfall den einzigen Lichtblick in seinem Leben: Seine Verlobte Elizabeth. Nur ihren Kopf kann er retten. Die Lösung liegt nah, er lädt Prostituierte auf eine Party mit Versprechen auf Geld und prima Drogen. Die Drogen gibt es auch wirklich, doch lassen sie leider die anwesenden Frauen platzen. Aus den übriggebliebenen Teilen bastelt John sich einen Körper für seine Geliebte, doch die verhält sich anders als zuvor.

1990 war die Hochzeit des Fun-Splatters. Nachdem Mitte der 80er sich der todernste, immer härter werdende Splatter sich einerseits kaum noch selbst übertreffen konnte, andererseits im Mainstream („The Silence oft the Lambs“) angekommen war, versuchten ein paar Regisseure mit Humor und exploitativen Zugaben dem Genre neues Blut zu geben. Am bekanntesten sind hier wohl die Filme von Peter Jackson („Bad Taste“, „Meet the Feebles“, „Braindead“). Doch auch Frank Henenlotter schuff hier ein Exploit-Monster. Bekannt geworden durch seine bizarren Filme „Basket Case“ und „Brain Damage“ lässt er es bei „Frankenhooker“ richtig krachen. So verstand er sich auch nie als Horror-Filmer, sondern viel mehr als Exploitationsregisseur, da er mit diesen Mitteln seine Filme rauer und ein wenig gemeiner anlegen kann, um den Zuschauer anders zu reizen. Neben seinen Filmen kümmert er sich auf seinem eigenen Videolabel um unbekannte Roughies aus den Siebzigern.

frankenhhoker6In der Hauptrolle als moderner Doktor Frankenstein begeistert James Lorenz, der trotz seiner Ausstrahlung nie den großen Durchbruch schaffte, aber einige Filme durch seine Anwesenheit veredelte: STREET TRASH, LAST EXIT TO BROOKLYN, ROBOCOP 3, KING OF NEW YORK. Des Weiteren sehen wir in der zweiten Hauptrolle Patty Mullen, Penthouse Pet des Jahres 1988, die hier alles gibt, inklusive Fat Suit.

Wir freuen uns mit euch auf eine kleine Zeitreise in die unglaubliche Welt und Phantasien ins Jahr 1990. Deutscher Untertitel: „Verschraubt und vernagelt

USA 1990, R: Frank Henenlotter, D: James Lorinz, Joanne Ritchie, Patty Mullen, J. J. Clark, Carissa Channing, Shirl Bernheim, 81 Min.

#GratisJanuar – Filmproduktionsfirma „Radikal & Arrogant“ verschenkt Filme!

Von , 6. Januar 2016 16:11

Im Oktober 2014 haben Stefan und ich im Rahmen unserer Filmreihe Weird Xperience, damals noch im City 46, den tollen Film „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ gezeigt. Damals zu Gast war der sympathische Regisseur und Drehbuchautor dieses Werkes Lars Kokemüller aus Hamburg. Seitdem war der gute Lars mit seiner Produktionsfirma „Radikal & Arrogant“ nicht untätig und hat zwei weitere Filme fertiggestellt. Jetzt erreichte mich folgende Email:

Die Firma Radikal & Arrogant Filmproduktion UG (haftungsbeschränkt) wünscht Euch allen ein frohes und erfolgreiches, neues Jahr!

Wir haben beschlossen, das neue Jahr mit einem Knall zu starten: Ab sofort, bis 01. Februar, sind alle unsere Spielfilme im Rahmen unserer Aktion „Gratis Januar“ kostenlos auf Vimeo on Demand zu streamen!

Einfach den Aktionscode „gratisjanuar“ eingeben und vier außergewöhnliche Independentfilme genießen!

Wir hoffen, Euch allen mit dieser Aktion eine Freude machen zu können und freuen uns über Weiterverbreitung der frohen Botschaft, sowie Rezensionen und Kommentare bei Vimeo!

Folgende Filme kann man sich noch den ganzen Januar über kostenlos ansehen:

hanswagnerWARUM HANS WAGNER DEN STERNENHIMMEL HASST
https://vimeo.com/r/1E0C/cll5Q2laUE
„Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ ist ein melancholisches Großstadt-Märchen zwischen krudem Humor und finsteren Horror-Kulten.
„Ein Film der auf den deutschen Film-Nachwuchs hoffen lässt!“ – Deadline

EMMA HAT FLÜGEL
https://vimeo.com/r/1E0E/cll5Q2laUE
Emma hat Flügel erzählt mit rauem Indie-Charme und melancholischem Humor vom Sommer in Hamburg, der undurchschaubaren Künstlerin Emma und den Unwegsamkeiten der Liebe.
„Bester Hamburger Underground“ – Hamburger Morgenpost

 

CORDELIAS KINDER
https://vimeo.com/r/1E0B/cll5Q2laUE
Cordelias Kinder ist ein kauziger Film, der mit düsterer Poesie von Horror und Alltag einer mörderischen Familie erzählt.
„(…)Erfrischend anders, mehr komisch als tragisch und mindestens doppelt so abgedreht!“ – Deadline

ZECKENKOMMANDO VS. CTHULHU
https://vimeo.com/r/1E1z/cll5Q2laUE
Eine abgefahrene Found-Footage-Punkrock-Komödie zwischen Slacker-Film voller Popkultur-Referenzen und Fantasy-Abenteuer.
„Punk ist eben nicht bloß Rockmusik mit Tätowierungen und cooleren Klamotten, sondern zum Beispiel auch das, was Zeckenkommando machen. Besser kann man es leider nicht beschreiben“ – Intro

„Rettet die Schwedin!“ – Crowdfunding-Aufruf für die Rettung des Filmes „Der Perser und die Schwedin““

Von , 5. Januar 2016 16:39

Zum neuen Jahr soll man ja gute Vorsätze einhalten – oder wenn das zu schwer ist, jenes dann eben mit einer guten Tat beginnen. Dann entscheide ich mich mal für die zweite Möglichkeit und weise mit großer Freude auf eine Crowdfunding-Aktion für eine gute Sache hin.

Der legendäre Hofbauer-Kongresses, findet regelmäßig in Nürnberg stattfindet und lockt Kinoenthusiasten mit fast, und ganz, vergessenen, besonderen Zelluloid-Werke in die schöne fränkische Stadt, um sich in den heiligen Hallen des KommKinos gemeinsam in eine wunderbar merkwürdige Welt zu begeben, die Kino eben auch sein kann. Aus dem Dunstkreis dieser Kongresse stammt auch die Crowdfunding-Aktion, für die ich hier die Trommel rühren möchte. Denn die KommKino-Leute haben eine von scheinbar nur noch zwei existierenden Kopien des Films „Der Perser und die Schwedin“ in ihrem Fundus. Dieser Film sorgte offenbar auf einem der letzten Kongresse für solche Furore, dass sich das junge Label „Forgotten Film Entertainment“ sich diesem annehmen möchte. Denn eine der Kopien zeigt bereits rapide Auflösungserscheinungen. Doch eine Restauration und HD-Abtastung ist teuer und damit der Film der Nachwelt erhalten bleibt, brauchen sie unser Geld. Bei einer Spende von Euro 25,- tut man ein gutes Werk und bekommt gleichzeitig noch die – dann hoffentlich existente – DVD zugeschickt. Finden sich genug edle Spender, sind für die Euro 25,- sogar eine Blu-ray (sprich dann Mediabook) drin. Ich habe meinen Obolus bereits abgedrückt – jetzt seit ihr dran. Denn die Zeit tickt und noch fehlt ein ganzes Stück zum Glück.

Zum Crowdfunding (und noch mehr Infos) geht es HIER.

Noch ein paar Worte zum Film von Oliver Nöding:

„DER PERSER UND DIE SCHWEDIN ist mehr als nur ein Film: Er ist ein Mysterium ersten Ranges. Ein rätselhaftes, absolut einzigartiges, heute nahezu unerklärliches Werk voller Wunder und verschrobener Schönheit. Ein kultisches Artefakt einer längst vergangenen Epoche, das für immer in Vergessenheit zu geraten droht. DER PERSER UND DIE SCHWEDIN muss erhalten bleiben, um die Menschen auch weiterhin zu berühren und zu verzaubern. Und ihr könnt daran teilhaben.

DER PERSER UND DIE SCHWEDIN hat die Kraft, seinen Zuschauer umgehend zu Filmfans zu machen, so er denn noch keiner ist. Aber selbst einem mit allen Wassern gewaschenen Cineasten, der meint, alles schon gesehen zu haben, wird die entwaffnende Unschuld dieses Films ein zweites Mal die Augen öffnen. Wer angesichts der heute in sterilen Multiplexen dargebotenen Einfalt und der eigenen Abgebrühtheit der Erregung und Begeisterung seines ersten Kinobesuchs hinterhertrauert, findet hier sein Shangri-La.

DER PERSER UND DIE SCHWEDIN: Hinter dem etwas schmucklosen deutschen Titel verbergen sich lustvolle Assoziationen, erotische Versprechungen, ungezügelte Exotik, rauschhafte Entgleisungen und pralle, pochende Lust. Es ist der erste und wohl auch einzige Film des vollkommen unbekannten Iraners Akramzadeh, der es sich im Stile eines großen Künstlers auf heiliger Mission nicht nehmen ließ, auch das Drehbuch zu schreiben und die Hauptrolle zu spielen. Wir wissen heute nicht mehr, was er sich von diesem Werk versprach oder was er danach machte: Aber man spürt sofort, dass in dieses verträumte Herzensprojekt jeder Tropfen verfügbaren Bluts und Kleingelds hineingegossen wurde. DER PERSER UND DIE SCHWEDIN kann mit Fug und Recht als Magnum opus, als Lebens- und Meisterwerk bezeichnet werden. Akramzadeh schuf ein möglicherweise autobiografisch angehauchtes Sitten- und Liebesmelodram, einen im brodelnden London der frühen Sechzigerjahre angesiedelten Nachtschwärmerfilm, der das ganze emotionale Spektrum eines Lebens im Überschwang der wallenden Hormone einfängt. DER PERSER UND DIE SCHWEDIN bringt heimische Bildschirme zum tanzen.“

Und zu guter Letzt noch der Trailer:

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