Originalfassungen in Bremen: 30.04.15 – 06.05.15

Von , 29. April 2015 23:00

Jetzt gab es eine lange Pause bei den O-Fassungen in Bremen. Dies ist einerseits privaten Gründen geschuldet, andererseits dem extrem erhöhten Arbeitsaufkommen in meinem „echten“ Job. Da das Zusammenstellen der O-Fassungen ein ziemlicher Zeitfresser ist, habe ich diese Rubrik erst einmal unter den Tisch fallen lassen. Die nächsten Wochen wird es auch nichts geben, dies liegt aber dann daran, dass ich in den wohlverdienten Urlaub gehe und in dieser Zeit dann den Blog einfach mal Blog sein lasse. In dieser Woche gibt es aber noch eine Auflistung der Filme in Originalfassung und es spielt mir sehr in die Karten, dass in den Kinos dahingehend sehr wenig los ist.

The Gunman – Cinemaxx, Do./So. Um 19:00 – Nach Liam Neeson begibt sich nun der nächste Character-Darsteller in den harten Action-Zirkus. Sean Penn spielt einen Ex-Söldner, der gegen seine ehemaligen Kollegen eintreten muss.

Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron 3D – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 19:45 & CineStar, So. 3.5. um 19:30 – Furioser Abschluss der Phase 2 der Marvel-Comicverfilmungen. Superhelden Galore!

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Eden – Lost in Music – Schauburg, So., 3.5. um 21:15 – Der französiche Spielfilm zeichnet den Aufstieg und Fall eines Techno-DJs und seine Reise durch die Elektro-Szene in den 90er Jahren.

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Man For A Day – City 46, Di. 5.5. um 18:30 – Regisseurin Katarina Peters beobachtete den Verlauf eines Berliner Workshops der Gender-Aktivistin Diane Torr, in dem eine Gruppe von Frauen einen Tag lang als Mann leben. Eintritt frei! Mit Einführung und anschließender Diskussion.

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit – City 46, Do.-Sa. immer 18:00, So./Mo. Um 20:30 und Mi., 5.5. um 20:00 – Britischer Spielfilm mit dem tollen Eddie Marsan, der einen „Funeral Officer“ spielt. Das ist jemand, der für eine würdevolle Beerdigung anonym Verstorbener sorgt, bei der er oft als einziger Anwesender eine persönliche Abschiedsrede hält. Am Mittwoch mit einer Einführung von Heinz-Martin Krauß.

Der Prozess – City 46, Do./Sa. um 20:30 und Mo. um 18:30 – Orson Welles kongeniale Verfilmung des Kafka-Romans. Mit Anthony Perkins als Josef K., Jeanne Moreau und Romy Schneider.

Touch of Evil – City 46, Fr. um 20:30 und So./Di. um 18:00 – Noch einmal einer meiner absoluten Lieblingsregisseure: Orson Welles, der in diesen Tagen 100 Jahre geworden wäre. 1957 drehte er diesen Spät-Noir, der zu seinen besten Filmen zählt. Allein die Eröffnungsszene verursacht dem Cineasten einen wohlige Gänsehaut. Und Marlene Dietrich sowieso.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 04.05. um 19:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 04.05. um 21:45

DVD-Rezension: „Escape From Tomorrow“

Von , 28. April 2015 20:01

escapefromtomorrowGerade als Jim (Roy Abramsohn) mit seiner Familie in der „Disneyworld“ in Orlando zu Besuch ist, erfährt er am Telefon, dass er von seinem Chef gefeuert wurde. Jim versucht sich nichts anmerken zu lassen und mit Frau, Tochter und Sohn einen schönen Tag in einem der weltgrößten Vergnügungsparks zu verbringen. Doch bald schon wird er auf zunächst kleine Merkwürdigkeiten aufmerksam: Die Gesichter einiger Besucher sieht er plötzlich verzehrt, sein Sohn erscheint ihm fremd und feindselig und der ganze Park bedrohlich. Zudem laufen ihm immer wieder zwei blutjunge Französinnen über den Weg, die mit ihm zu Flirten scheinen. Bald kann Jim nicht mehr zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden.

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Keine Besprechung des Filmes „Escape From Tomorrow“ kommt umhin, zunächst einmal von den außergewöhnlichen Umständen zu berichten, unter denen der Film entstand. Und auch diese Rezension macht da keine Ausnahme, da diese für die Rezeption dieses surrealen Psycho-Trips nicht ganz unwichtig sind. Regisseur Randy Moore hatte sich in den Kopf gesetzt, den Film in „Disneyworld“ zu drehen. Nun ist es aber unmöglich in „Disneyworld“ Filmaufnahmen zu machen – ganz besonders für einen Spielfilm, der den Vergnügungspark nicht unbedingt von seiner fröhlichsten Seite zeigt. Für Moore war das authentische Flair aber so wichtig, und dass er beschloss, den Film trotzdem mit seinen Schauspielern vor Ort zu drehen – unter den Augen des disney’schen Wachpersonals. Und tatsächlich gelang es Randy Moore seinen Film im Guerilla-Stil zu vollenden. Wer sich „Escape From Tomorrow“ deshalb als wilden Handkamera-Wackelfilm vorstellt, der könnte falscher gar nicht liegen. „Escape From Tomorrow“ besticht durch elegante, beunruhigend schöne schwarz-weiß-Bilder, die nach einem sehr viel höheren technischen Aufwand aussehen, als heimliche Aufnahmen mit einer kleinen Digitalkamera im Grunde zulassen.

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„Escape From Tomorrow“ wird gemeinhin als Horrorfilm vermarktet, und das Filmplakat lässt einen einen blutigen Slasher erwarten. Doch damit hat Regisseur und Drehbuchautor Randy Moore nichts im Sinn. Er zeigt vielmehr das albtraumhafte Psychogramm eines Mannes in der Midlife-Crisis, der mit seinem aktuellen Lebensentwurf nicht mehr zufrieden ist. Der einen Ausweg aus seinem tristen Leben sucht, und sich weigert einzugestehen, dass er sich schon seit Längerem auf der Verliererstraße befindet. Symbolisiert werden seinen Hoffnungen auf ein anderes, interessanteres Leben durch zwei blutjunge Französinnen, die ihn wie das weiße Kaninchen in „Alice im Wunderland“, immer tiefer in einen Kaninchenbau ziehen, der da auf Namen wie burn-out, Depression und Zusammenbruch hört. Dies wird aber vom Film niemals direkt formuliert, sondern ist allein aus den verstörenden Bildern zu erahnen. Diese gemahnen dann natürlich erst einmal an David Lynch, aber in ihrer seltsamen Künstlichkeit auch an den anderen großen, surrealen Seelenforscher, Guy Maddin. Gerade Hauptdarsteller Roy Abramsohn, der an eine verfettete trailer-park Version von Tom Cruise erinnert, passt da aufgrund eines expressionistischen Spiels gut ins Bild.

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„Escape From Tomorrow“ strotzt von merkwürdigen Einfällen, die sich im Verlauf des Filmes immer mehr steigern. Sind es am Anfang noch die leicht verzehrte Wahrnehmung des Protagonisten, der in harmlosen Figuren plötzlich böse Fratzen zu erkennen glaubt, so nimmt der Wahnsinn bald immer mehr Fahrt auf und kumuliert in der zweiten Hälfte in einem kaum noch nachvollziehbaren Plot um Manipulationsmaschinen, sinisteren Wissenschaftlern und unheimlichen Robotern. Von hysterischen Hexen ganz zu schweigen. Dieses sich permanent steigernde Albtraumszenario wäre in dieser extremen Form im Grunde gar nicht nötig gewesen. Tatsächlich wirkt das im letzten Viertel entfesselte Inferno etwas zu selbstzweckhaft und gewollt, da sich Randy Moore obendrein entschließt, seine Geschichte mit immer kryptischer werdenden Bildern und verschlungener Wendungen aufzuladen.

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Viele Kritiker des Films haben dem Film vorgeworfen, seine besondere Entstehungsgeschichte als reines Gimmick abzutun und werfen dem Regisseur vor, ganz bewusst eine Konfrontation mit dem bekanntermaßen recht prozesswütigen Disney-Konzern provoziert zu haben, um dadurch möglichst viel Publicity zu bekommen. Dabei ist der Schauplatz in der Tat essentiell für das Funktionieren der Geschichte. Denn bereits die bloße Tatsache, dass der Film der kunterbunten Disney-Unterhaltungswelt mit seinem Gute-Laune-Terror die Farbe entzieht, wirkt ausgesprochen verstörend. Durch diesen merkwürdig beunruhigenden Effekt, wirkt der berühmte Vergnügungspark tatsächlich wie ein Fegefeuer der falschen Fröhlichkeit. Gerade in den kleinen, „falschen“ Details – wie zum Beispiel der Szene, in der unser Protagonist entdeckt, dass sich die Disney-Prinzessinnen für japanische Geschäftsleute prostituieren – sind es, die für ein ungutes, irreales Gefühl sorgen. Der Disney-Konzern war allerdings clever genug, nicht auf „Escape From Tomorrow“ zu reagieren, und so erlangte der Film auch nicht die anarchistische Berühmtheit, die sich Randy Moore sicherlich erhofft hatte.

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Unter abenteuerlichen Umständen gelang Regisseur und Drehbuchautor Randy Moore ein kleiner, aber feiner surrealer Horrortrip in die Psyche eines Mannes kurz vor dem psychischen Zusammenbruch. Dabei sabotiert Moore seine beunruhigenden, an Guy Maddin erinnernde Bilder im letzten Drittel etwas, indem er seinen Film mit allerlei kryptischen Windungen überlädt.

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Wie oben bereits angedeutet, sollte man aufgrund der abenteuerlichen Drehbedingungen ein nicht ganz optimales Bild erwarten. Doch die Koch Media DVD besticht mit einem brillanten Schwarz-Weiß-Bild, das gestochen scharf und sehr gut in den Kontrasten ist. Auch der Ton weißt keinen Makel auf. Was zumindest für den Originalton gilt. Die deutsche Synchronfassung ist leider kein besonderes Highlight, sondern gerade noch so akzeptabel. An Extras wurden noch zwei Audiokommentare mit auf die DVD gepackt. Einmal mit Regisseur/Drehbuchautor Randy Moore und seinem Kameramann Lucas Lee Graham und dann mit Hauptdarstellern Roy Abramsohn und Elena Schuber, die so tun als wären sie noch immer ihre Figuren aus dem Film. Ferner gibt es noch eine sehr informative 15-minütige Dokumentation über die Entstehung des Filmes.

Das Bloggen der Anderen (27-04-15)

Von , 27. April 2015 17:45

bartonfink_type2– Starten wir mit Italien. Auf critic.de unterhalten sich Michael Kienzl und Lukas Foerster über ihre Erlebnisse auf dem zweiten „Terza Visione“ in Nürnberg.

– Dazu passend hat Lukas Foerster auf seinem Blog Dirty Laundry alle von ihm dort gesehenen Filme kurz bewertet.

– Mauritia Mayer taucht auf Schattenlichter in einen italienischen „heist-Film“ ein, der leider noch immer auf eine deutsche Veröffentlichung wartet: „Sieben goldene Männer“ mit dem Dreigestirn Philippe Leroy, Gastone Moschin und Gabriele Tinti.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen guckt sich gerade durch einige italienische Kannibalen-Filme, wird aber nicht wirklich glücklich damit. Immerhin kann er Ruggero Deodatos „Mondo Cannibale 2“ etwas abgewinnen. Fans von Antonio Margheriti werden bei Schlombies Einschätzung seines Filmes „Asphalt-Kannibalen“ allerdings einen Herzschlag bekommen: „Uninspirierter, guckbarer Durchschnitt, dem sein 70er Jahre-Charme, das Tempo, die harte Handschrift und die Ausstrahlung Saxons den Arsch vor der Belanglosigkeit rettet.“

– Gerade eben wurde ein hierzulande leider nicht allzu bekannter, aber nichtsdestotrotz grandioser Klassiker des italienischen Gangsterfilms veröffentlicht: Sergio Sollimas brillanter „Revolver“ mit einem der schönsten Morricone-Scores aller Zeiten. Oliver Nöding erweist dem Film auf Hard Sensations seinen Respekt.

– Von den blutigen Straßen ins revolutionäre Mexiko. Udo Rotenberg auf L’amore in città über den Italo-Western „Killer Kid“ mit Anthony Steffen.

– Kommen zurück nach Deutschland. Auf seinem Blog Grün ist die Heide hat sich Udo einen Film mit den reißerischen Titel „Mädchen hinter Gittern“ vorgenommen, den Rudolf Zehetgruber 1965 in Szene setzte.

– Einer – wenn nicht der – besten deutschen Action/Gangster/Expoitation/und überhaupt-Filme ist Rolf Olsens „Blutiger Freitag“, der es auf die #53 der Serie „100 Deutsche Lieblingsfilme“ auf Eskalierende Träume geschafft hat. Sven Safarow findet die passenden Worte.

– Als ich kürzlich meine Besprechung zu „Charley Varrick“ verfasste, musste ich an zwei Dinge denken. Die erste Sache war der Auftritt von Joe Don Baker, der zu beeindrucken Bösewicht gab und im selben Jahr mit „Walking Tall“ auch seine berühmteste Hauptrolle innehatte. Dass ich diesen Film noch nie gesehen hatte, fand ich in Anbetracht seiner Leistung in „Charley Varrick“ bedauerlich. Interessanterweise hat sich nun Sebastian vom Nischenkino eben dieses Streifens angenommen.

– Das zweite war, dass man Walter Matthau gar nicht als so sehr mehr als „ernsten“ Schauspieler auf dem Plan hat. Da dachte ich dann noch an „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ und dass ich den schon immer mal wieder sehen wollte. Das hat gerade totalschaden von Splattertrash getan. Wie das Leben so spielt…

– Ebenfalls in den Besprechungen hier war vor einigen Tagen die Doku „Electric Boogaloo“ über die Cannon Studios. Christian Witte schreibt auf Cereality über zwei der erfolgreichsten Cannon-filme. Die beiden Breakdance-Musicals: „Breakin‘“ und den Namensgeber der Doku „Breakin‘ 2 – Electric Boogaloo“.

– Philipp Stroh von wieistderfilm?.de erklärt: „Warum Filme Festivals brauchen, und umgekehrt“.

– Dazu passt dann Petra Palmers Bericht auf Negativ über das Lichter Filmfest. Ferner schreibt sie auch über Stanislaw Muchas interessante Doku „Tristia – Eine Schwarzmeer-Odyssee“.

– Patrick Holzapfel hat sich auf Jugend ohne Film in einem sehr langen Essay Gedanken zu der Frage gemacht: „Ist die Vergangenheit des Kinos seine Zukunft?“ Er schreibt: „Dieses traurige Gefühl einer Nostalgie ist dominant. Nostalgieabende werden veranstaltet, „alte“ Filme werden gezeigt und man betont, was für eine Besonderheit es doch ist, dass man sie noch einmal auf Film projiziert zeigen wird. Das zieht sich von Retrospektiven auf Festivals, die zunehmende Bedeutung von Il Cinema Ritrovato in Bologna bis hin zu der unglaublichen Begeisterung für die Einfallslosigkeit eines neuen Star Wars Films. Man darf sich schon fragen, ob diese ganze Glorifizierung der Vergangenheit, das Schwärmen und die Nostalgie nicht der ultimative Sieg der Hollywoodmaschinerie mit ihren Remakes und Sequels ist, die Filmgeschichte als eine Spirale, 120 Jahre Hoffen auf die Vergangenheit. Damals war alles schöner? So einfach kann es gar nicht sein.“

– Urs Spörri hat auf B-Roll einige interessante Dinge zum Thema Filmförderung niedergeschrieben. Und John Waters wird 69. Grund genug für Andreas Köhnemann um den Pope of Trash in einem Portrait vorzustellen. Alex Matzkeit ist begeistert von dem britischen Schriftsteller und Drehbuch-Autoren Alex Garland, den er ausführlich vorstellt.

– Der Animationsfilm-Klassiker „Unten am Fluss“ zählt zu den schockierensten und traumatischsten Kino-Ereignissen meines bei der Kinopremiere Ende 1980 noch jungen Kinolebens. Schließlich war für mich zum dem Zeitpunkt Zeichentrick noch mit der heilen Disney-Welt besetzt. Oliver Armknechts Besprechung des Films auf film-rezensionen.de bringt die Erinnerungen wieder hoch. Weiterhin bespricht er noch Rosa von Praunheims neuen Dokumentarfilm „Härte“, der Doku und Spielfilm mischt. Klingt interessant.

– Theodor Frisorger auf Daumenkino mit einigen interessanten Gedanken über Tim Burtons neuen Film „Big Eyes“.

Symparanekronemoi empfiehlt den ungewöhnlichen Vampirfilm „A Girl Walks Home At Night Alone“.

– Und stu von den Drei Muscheln warnt vehement vor Russell Crowes Regiedebüt “Das Versprechen eines Lebens“.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood zu berichten.

DVD-Rezension: „Charley Varrick – Der grosse Coup“

Von , 25. April 2015 21:59

charleyvarrickCharley Varrick (Walter Matthau) kommt mit seiner kleinen Schädlingsbekämpfungs-Firma mehr schlecht als recht über die Runden. Daher hat er sich zusammen mit seiner Frau Nadine (Jacqueline Scott) und zwei Komplizen auf Banküberfälle in kleinen Städten spezialisiert. Als die vier wieder einmal eine Bank überfallen, geht alles schief. Nadine und ein Komplize werden erschossen, und die Beute entpuppt sich als Mafia-Geld in Millionenhöhe. Während sich sein junger Helfer Harman (Andrew Robinson) als unberechenbarer Trinker erweist, setzt die Bankchef und Mafia-Mittelsmann Maynard Boyle (John Vernon) einen Killer namens Molly auf die Spur der Bankräuber. Charley muss sich schnell etwas einfallen lassen, wenn er mit heiler Haut davonkommen will.. .

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Nach seinem großem Erfolg „Dirty Harry“ verabschiedete sich Don Siegel erst einmal aus der urbanen Steinwüste und kehrte aufs Land zurück. Dahin, von wo aus einige Jahre zuvor Clint Eastwood in „Coogans Bluff“ aufgebrochen war, um seine Wild-West-Methoden nach San Francisco zu tragen. Und die Provinz ist scheinbar voller solch geradliniger Typen, die ohne viel Federlesen und Gelaber genau das tun, was getan werden muss. Einer dieser Typen ist Charley Varrick, ehemaliger Stunt-Pilot, nun Besitzer einer kleinen Firma für Schädlingsbekämpfung aus der Luft, Bankräuber und „Last of the Independents“, wie sein Firmenoverall verrät. Charley ist ein Pragmatiker und gewiefter Taktiker, der nicht viele Worte verliert und selbst den Tod seiner geliebten Ehefrau mit stoischer Mine hinnimmt. Dass dieser Verlust nicht ganz spurlos an ihm vorbeigeht, wird lediglich durch kleine Gesten angedeutet – groß ausgespielt wird dieses persönliche Drama aber nicht.

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Charley Varrick ist eine Paraderolle für Walter Matthau. Sieht man den Film heute, kann man sich kaum noch vorstellen, dass ursprünglich Donald Sutherland diese Figur spielen sollte. Matthau und Varrick Verschmelzen förmlich miteinander und werden eine Person. Viel wird darüber geschrieben, wie ungewöhnlich doch die Besetzung des hartgesotten und dabei unglaublich coolen Verbrechers mit einem Schauspieler sei, der vor allem für seine Komödien bekannt und beliebt ist. Dabei werden aber immer wieder zwei Dinge vergessen. Matthau war am Anfang seiner Karriere bereits auf den heavy, den kriminellen Schurken, spezialisiert, wodurch Gangster und Killer durchaus zu seinem Rollenportfolio gehörten. Zweitens spielt Matthau auch in seinen Komödie ähnliche Profis mit Hang zum Kriminellen. Nur werden seine Figuren in Filmen wie „Der Glückspilz“ oder Extrablatt“ mit absurden Situationen konfrontiert, die ihre ganz auf sie zugeschnittene Welt auf den Kopf stellt, wodurch eine herrliche Komik entsteht. Man stelle sich nur vor, Charley Varrick würde mit einem Nervenbündel wie Jack Lemmon in „Buddy, Buddy“ oder „Ein verrücktes Paar“ konfrontiert.

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Aber „Der große Coup“ ist eben keine Komödie und der Matthau-Charakter kann seine ganze Professionalität und Coolness bewahren. Charley Varrick ist auch kein positiver Typ. Varrick manipuliert Menschen und nutzt sie für seine Zwecke aus. Er lässt auch ganz bewusst seinen Partner über die Klinge springen. Ob dies nur deshalb geschieht, weil dieser sich als unberechenbarer Alkoholiker erweist, oder ob Varrick diese Lösung seines Problems auch so in Erwägung gezogen hätte, bleibt offen. Nur Matthaus Kredit aus seinen sympathischen Rollen lassen den Zuschauer sofort an ersteres und weniger an letzteres denken. Überhaupt ist es interessant, dass uns Charley Varrick in der Gestalt Matthaus durchaus sympathisch und vor allem eher cool als kaltblütig erscheint. Donald Sutherland hätte dieser Figur sicherlich einen ganz anderen, skrupelloseren Touch gegeben.

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Auch die Nebenrollen sind durch die Bank weg hervorragend besetzt. Insbesondere das Schurken-Duo John Vernon und Joe Don Baker. John Vernon spielt den Bankchef mit besten Mafia-Kontakten als eleganten und durchaus nicht unsympathischen Charmeur und Gentleman. Nur seine stahlblauen Augen verraten ihn manchmal, wenn aus ihnen jede Freundlichkeit weicht, während das Gesicht noch ein einnehmendes Lächeln zeigt. Vernon erinnert irgendwie an einen großen Bruder, der einem liebevoll unter die Arme greift, kann aber auch zu keiner Sekunde seine Skrupellosigkeit verleugnen, die unter dem Maßanzug vibriert. Gleiches kann auch zu Joe Don Baker gesagt werden, der hier eine seiner ersten großen Rollen spielt. Noch unverschämt jung und schlank, scheint er seine Mitmenschen um mehr als einen Kopf zu überragen. Auch er gibt sich freundlich und kultiviert. Gerne zieht er an seiner Pfeife, was ihn als Kopfmenschen ausweisen soll. Doch sein Molly zeigt schnell, dass hinter der Fassade ein brutaler Schläger lauert, dem es zwar Freude bereitet, anderen Menschen Schmerzen zuzufügen, der dieses aber nie zugeben würde. Joe Don Baker hat nicht nur hier etwas hochgradig Beunruhigendes an sich, welches in einem spannenden Kontrast zu seinem Teddybären-Aussehen steht.

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Don Siegels Inszenierung des Films ist immer auf dem Punkt, ohne unwichtigen Szenen. Alles was gezeigt wird, wird auch für die Story benötigt. Da gibt es kein Füllmaterial oder kleine Schlenker. Von Anfang an läuft die Handlung wie ein perfektes Uhrwerk ab. Während in anderen Filmen die Hauptperson immer wieder Rückschläge hinnehmen muss, zieht Charley Varrick mit höchster Präzision sein Ding durch. Sobald er die gefährliche Situation, in der er sich befindet, erfasst hat, ist schon der Plan geschmiedet, wie er sich aus dieser tödlichen Fallen befreien und sogar noch mit einem Gewinn aus der Sache herauskommen kann. Don Siegel verzichtet auf irgendwelche Mätzchen, um zu zeigen wie clever doch das Drehbuch ist. Der Film ist wie Varrick: Er weiß was er kann und muss niemanden etwas beweisen. Herausragend die Kameraarbeit, die insbesondere zu Beginn den Film die Szenerie in wundervoll stimmige Bilder kleidet, und auch die mitreißende Musik von Lalo Schifrin, der hier coolen Wah-Wah-Funk mit typischer Americana verbindet. Allein das in diesem Kerle-Film vermittelte Frauenbild lässt einen kurz zusammenzucken. Denn diese erscheinen hier erst einmal als immer verfügbare und begattungswillige Objekte, die gerne mal etwas härter angefasst werden wollen. Oder sind doch selbstbestimmte Wesen, die sich einfach die Männer nehmen, auf die sie Lust haben? Dies liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters.

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Walter Matthau ist die Idealbesetzung für den lakonischen und unendlich coolen Bankräuber Charley Varrick. Don Siegels Film läuft ab wie ein perfektes Uhrwerk und erinnert dabei an ein saftiges Stück Steak, von dem alles überflüssige Fett abgeschnitten wurde. Großartige Musik, einen hervorragende Kameraarbeit und einprägsame Nebendarsteller runden das gute Bild dies ausgesprochen gradlinigen Gangster-Thrillers ab.

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Die neue Veröffentlichung aus dem Hause Koch Media kommt als 2-Disc-Speical-Edition daher. Grund dafür ist die 72-minütige Dokumentation „Last of the Independents – Don Siegel and the Making of Charley Varrick“, welche exklusive für diese Veröffentlichung produziert wurde und ebenso unterhaltsam, wie informativ daher kommt. Nach dieser hochinteressanten Doku sollten keine Fragen mehr offen sein. Die Dokumentation liegt auf Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln vor. Als zusätzliches Extra befindet sich auf Disc 1 noch eine englische Super-8-Fassung des Filmes, die etwas über eine viertel Stunde läuft. Bild und Ton des Hauptfilmes sind ausgezeichnet. Nur in sehr dunklen, schwach ausgeleuchteten Szenen fällt es etwas ab, was aber am Urpsprungsmaterial liegen dürfte.

DVD-Rezension: „Coherence“

Von , 21. April 2015 21:44

coherenceVier Paare treffen sich in einem etwas abgelegenen Haus zu einer gemeinsamen Dinner-Party. Nach anfänglichem, oberflächlichem Small-Talk, setzt man sich zum gemeinsamen Abendessen zusammen. Dabei kommt das Gespräch auf einen Kometen, der an eben jenem  Abend nah an der Erde vorbeifliegen soll und bereits in der Vergangenheit angeblich für merkwürdige Phänomene gesorgt hat. Auch an diesem Abend geschehen einige unerklärliche Dinge. Zunächst gehen die Handys kaputt, dann kommt es zu einem Stromausfall in der ganzen Gegend, von dem scheinbar nur ein Haus in der Nachbarschaft verschont wurde. Zwei  der Freunde machen sich auf den Weg, um in dem Haus, um von dort aus zu telefonieren. Als sie wenig später wieder zurückkehren, berichten sie ihren Freunden von einer höchst beunruhigenden Entdeckung…

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Es gibt immer wieder Filme, denen man am Besten ganz unvorbereitet begegnet. Über „Coherence“ wusste ich nur, dass es sich um einen Low-Budget-Science-Fiction-Streifen handeln sollte und der Film mit guten Kritiken förmlich überschüttet wurde. Den Ausschlag aber „Coherence“ in den DVD-Player zu werfen, war es, dass er von dem vorbildlichen Label „Bildstörung“ vertrieben wurde. Da „Bildstörung“ bisher ein hervorragendes Händchen bei der Filmauswahl bewiesen hat, kann man ruhig einmal blind zugreifen, wenn eine neue Scheibe auf den Markt kommt – auch wenn man den Film bis dahin gar nicht kennt. Und es hat sich auch wieder gelohnt, denn „Coherence“ ist bisher die beste Heimkino-Veröffentlichung, die mir in diesem Jahr untergekommen ist. Ein sehr dichtes Mysterium mit starker philosophischer Grundierung und dabei auch noch ausgesprochenen spannend.

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Entwickelt wurde „Coherence“ von dem Drehbuch-Autoren James Ward Byrkit, der hier sein Regie-Debüt abliefert. Entstanden für ein sehr schmales Budget und unter primitivsten Bedingungen, dreht Byrkit den Spieß um und erschafft gerade aus den Limitationen der Produktion ein packendes Stück Film, welches einmal mehr beweist, dass es im Kino nicht auf große Effekte, sondern vor allem Originalität und Imagination ankommt. Zwar greift Byrkit auf altbekannte Tricks zurück und lässt durch eine ständig herumwirbelnde, hin -und her gerissene Kamera eine Pseudonähe entstehen, wie sie auch die großen und kleinen Bockbuster mittlerweile inflationär nutzen. Aber der nervöse Pseudo-Doku/Heimfilmer-Look passt sich gut in die Geschichte ein und unterstützt die auf das nötigste reduzierte Handlung. Und er lässt eine durchaus intime Nähe zu den Figuren entstehen. Dass diese so lebendig wirken, liegt nicht nur an den hervorragenden Darstellern, sondern auch an der Herangehensweise. James Ward Byrkit, gab seinen Schauspielern kein Drehbuch zu lesen, sondern nur kurze Anweisungen, welche nur sie kannten. Das dadurch entstandene, improvisierte Spiel geht auf. Die Charaktere wirken wie Wesen aus Fleisch und Blut und sind mit ihren Fehlern, menschlichen Unzulänglichkeiten und ihrem Egoismus jederzeit greifbar und ihre Handlunge nachvollziehbar. Schnell hat man sich zurechtgefunden und die handelnden Personen kennengelernt. Die Ballerina, die immer noch deprimiert ist, weil sie in ihre Karriereplanung einmal aus Hochmut die falsche Entscheidung traf. Ihr Freund, der sich nicht sicher ist, wie er zu ihr steht und in wie weit er bereit wäre, seine Karriere ihren Bedürfnissen unterzuordnen. So wie sie sich nicht sicher ist, ob sie ihn bei seinen Plänen unterstützen würde. Dann gibt es noch die esoterische Gastgeberin, den alkoholkranken Schauspieler, dessen kurzer Moment des Ruhm scheinbar unbemerkt vergangen ist. Die Ex-Freundin, die sich als Gift für die freundschaftliche Atmosphäre herausstellt. Sie alle leben ihre Lebensentwürfe, trauern aber verpassten Gelegenheiten und vermeintlich falschen Abzweigungen in ihrem Leben nach.

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Und gerade mit diesen „falschen“ Wegen werden sie alle sehr direkt konfrontiert. Das einzige echte Science-Fiction-Element ist in „Coherence“ ein Komet, der nahe an der Erde vorbei zieht und für merkwürdige Phänomene sorgt. Diese sickern erst sehr langsam, fast schon beiläufig in die Handlung ein. Doch Stück für Stück eskaliert die Situation. Jedes Puzzleteil für die Lösung des Rätsels führt nur zu neuen Entwicklungen, die sich scheinbar nicht aufhalten lassen. Wer sich die Spannung an der Auflösung nicht nehmen lassen möchte, sollte nun direkt zum Fazit dieser Besprechung springen. Alle anderen können hier nun weiterlesen. Gleich zu Beginn von „Coherence“ erwähnt die von Emily Foxler gespielte Em den Film „Sliding Doors“ und wie unheimlich sie es fand, als dort eine kleine Entscheidung massiven Einfluss auf das Leben der Filmfiguren hatte. Mit diesem Horror werden sie und ihre Freunde im Verlauf des Filmes dann um ein vielfaches potenziert konfrontiert. Lebe ich mein echtes Leben? Oder bin ich in einem falschen Leben stecken geblieben? Bin ich überhaupt ich oder leben ich nur die schlechtere Variation von etwas, was mir eigentlich zugestanden hätte? Ist das mein Leben? Und wenn ja: Bin ich damit zufrieden? Am Beispiel der Em wird dieses Dilemma durchgespielt. Wenn sie am Ende von Fenster zu Fenster hetzt, auf der Suche nach einem „richtigen“ Leben, dann konfrontiert dies auch den Zuschauer mit der Frage: Was-wäre-wenn? Kann ich mit dieser Frage leben und akzeptieren, was ich geworden bin? Oder bleibt ein Leben lang diese Unsicherheit, dass alles doch eigentlich ganz anders sein müsste. Denkt man zu lange darüber nach, kann einen dies durchaus in den Wahnsinn treiben.

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Doch auch jenseits seines philosophischen Horrors funktioniert der Film als unheimliches Konstrukt, welches den Zuschauer nach dem anfänglichen Smalltalk schnell in den Griff bekommt und über die restliche Laufzeit nicht mehr loslässt. James Ward Byrkit versteht es glänzend seine Mystery-Bausteine übereinander zu stapeln und dadurch ein solides Gebäude zu errichten, indem man sich zunehmend unwohler fühlt. Geheimnisvolle Botschaften, merkwürdige Zwischenfällen und unheimlichen Gestalten. Hier geht die Taktik den Schauspielern nur die allernötigste Informationen zu geben und sie ständig in Unsicherheit über den Fortlauf der Geschichte und dem was als nächstes passiert voll auf. Denn die Nervosität und Überraschung der Darsteller greift auch auf den Zuschauer über. Hätte Byrkit vielleicht mehr Zeit und Geld gehabt, um seinen Film abzudrehen, hätte dieser vielleicht gar nicht die Sogwirkung entwickeln können, die er nun hat. Vielleicht ein Weckruf für hiesige Filmemacher, die sich immer laut darüber beschweren, dass ihnen für ihre Genre-Projekte kein Geld aus Fördermitteln zur Verfügung gestellt wird. Einfach mal gucken, welche Mittel da sind und dann kreativ damit umgehen. James Ward Byrkit hat es vorgemacht.

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Drehbuchautor James Ward Byrkit ist mit seinem Low-Budget-Regiedebüt ein ungewöhnlicher Science-Fiction-Mystery-Film gelungen, der sowohl als spannende Unterhaltung, als auch auf der philosophischen Ebene funktioniert. Wobei die Fragen, die letztere stellt, vielleicht sogar furchteinflößender sind, als die seltsamen Phänomen, denen sich die Hauptfiguren stellen müssen.

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Wie bei Bildstörung gewohnt, erfährt der Film hier wieder eine vorbildliche Präsentation. Bild und Ton sind so gut, wie es unter den Low-Budget-Produktionsbedingungen nur sein kann. Interessanterweise hat sich  Bildstörung bei dieser Veröffentlichung dazu entscheiden, den Film in zwei Fassungen zu veröffentlichen. Einmal als „normale“ DVD ohne nennenswerte Extras. Und dann als „Drop Out 024“ in einer limitierten Special Edition. Diese enthält einen  Audiokommentar mit Regisseur James Ward Byrkit, Hauptdarstellerin Emily Foxler und Co-Autor/Darsteller Alex Manugian, sowie ein 10-minütiges und in der Kürze auch sehr informatives „Behind the Scenes“, in dem die Entstehung des Filmes diskutiert wird. Ferner gibt es noch 4 Minuten Testaufnahmen, die ein Jahr vor den eigentlichen Dreharbeiten entstanden, einmal mit und einmal ohne Kommentar des Regisseurs. Weiterhin kann man noch jeweils 5-minütige Interviews mit den Darstellern Emily Foxler, Hugo Armstrong, und Lorene Scafaria anschauen. Das Booklet enthält die Regieanweisungen, die Regisseur James Ward Byrkit seinen Schauspielern gab. Und als Sahnehaube wurde noch eine Soundtrack-CD mit fast einer Stunde Musik von Kristin Øhrn Dyrud beigelegt.

Das Bloggen der Anderen (20-04-15)

Von , 20. April 2015 17:21

bartonfink_type2– Silvia Szymanski berichtet auf Hard Sensations in einem wieder einmal ganz wunderbaren Text über eines der großen cineastischen Highlights dieses Jahres: „Terza Visione 2“ in Nürnberg.

– Ebenfalls mit klassischem italienischem Film beschäftigt sich Mauritia Mayer auf Schattenlichter. Diesmal schreibt sie über einen schönen Klassiker von Antonio Margheriti: Den hierzulande (bisher)leider unveröffentlicht gebliebenen „ I lunghi capelli della morte“ mit der unvergleichlichen Barbara Steele.

– JackoXL bespricht auf Drei Muscheln den eher untypischen Giallo „Blutspur im Park“ mit Helmut Berger, der ihm sehr gut gefallen hat.

– „Hamburg wird brennen!“ denkt ja vielleicht der eine oder andere ab und zu. Jürgen Roland setzte dieses Vorhaben in der deutsch-italienischen Co-Produktion „Zinksärge für die Goldjungen“ um und das Ergebnis ist absolut sehenswert, wie auch totalschaden auf Splattertrash zu berichten weiß.

– Normalerweise hat TV-Gut hier ja keinen Platz, aber ab und zu mache ich mal ausnahmen. Z.B. wenn sich jemand an den frühen „Derrick“ wagt, wie jetzt Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen.

– Oder TV-Filme Spielfilmqualität haben und diese manchmal sogar überbieten. Der Name Dominik Graf ist ein guter Grant dafür. Oliver Nöding schaut sich auf Remember It for Later gerade durch dessen Oeuvre und ist von Filmen wie „Eine Stadt wird erpresst“, „Casandras Warnung“ oder „Er sollte tot“ sichtlich hingerissen.

– Weiter im deutschen Film: Philipp Stroh von wieistderfilm? Hat „German Angst“ gesehen und war nicht unbedingt begeistert.

– Ein Deutscher in Hollywood – nicht immer eine Geschichte mit Happy End. So auch bei Friedrich Wilhelm Murnau, über dessen letzten Hollywood-Produktion und deren Entstehungsgeschichte „City Girl“ gabelingeber auf Hauptsache (Stumm)Film im Detail referiert.

Murnaus Zeitgenossen Charlie Chaplin wird auf B-Roll von Andreas Köhnemann ein schönes Portrait gewidmet.  Lucas Barwenczik macht sich Gedanken über die Rückkehr der alten Männer im zeitgenössischen Actionfilm und Stefan Otto hat ein paar Filmbuch-Tipps auf Lager.

– Das Berliner Arsenal widmet der französischen Kamerafrau Sophie Maintigneux eine Werkschau. Michael Kienzl stellt sie auf critic.de vor.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film eine hochinteressante Besprechung des Films „Welcome to New York“ von Abel Ferrera mit Gerard Depardieu online gestellt.  Danach folgt eine Liebeserklärung an die weinenden Frauen im Kino.

– Ein weiterer Film auf der schmerzhaft anwachsenden „Muss-ich-immer-noch-gucken“-Liste: „Die Frau in den Dünen“, an den ich gerade auf Mise en cinéma erinnert werde.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Schneeland das indische Gangster-Epos „Gangs of Wasseypur“.

– Was die Twisted Twins Jen und Sylvia Soska darüber denken, dass ihre Episode in der deutschen Fassung der Splatter-Anthologie „The ABC of Death 2“ der Zensur zum Opfer fiel, kann man auf screen/read nachlesen. Und passend zu den Schwestern gibt es noch ein Interview mit den Vicious Brothers Colin Minihan und Stuart Ortiz zu ihrem neuen Film „Extraterrestial“.

– Sascha Nolte macht dem Namen seines Blogs Die seltsamen Filme des Herrn Nolte alle Ehre und hat die israelische Obskurität „Message From the Future“ des selbst erklärte Dichter, Maler, Filmemacher, Publizist und Dramatiker David Avidan aus dem Jahre 1981 ausgegraben.

– Oliver Armknecht hat auf film-rezensionen.de einen „Ein Vampirfilm im Iran in Schwarzweiß mit einer weiblichen Blutsaugerin, Sex, Gewalt und Drogen“ gesehen und fand daran durchaus Gefallen. Etwas weniger Freude hatte er an Til Kleinerts „Der Samurai“, den ich – trotz kleinerer Mängel – auf jeden Fall höher bewerten würde.

„Das Marvel-System – Fünf Parallelen zwischen Marvel Studios und dem klassischen Hollywood“ ist ein toller Titel für einen tollen Artikel von Alexander Matzkeit auf real virtuality.

DVD-Rezension: “Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“

Von , 18. April 2015 19:03

ElectricboogalooDer Dokumentarfilm des Australiers Mark Hartley berichtet über den unglaublichen Aufstieg und Fall der Cannon Group und ihrer Chefs Menahem Golan und Yoram Globus. Dafür hat Hartley zahlreiche Weggefährten der Beiden befragt und seinen Film mit vielen zeitgenössischen Interviews und reichlich Filmausschnitten aus der Welt der Cannon-Filme angereichert.

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Wer in den 80ern aufgewachsen ist und das Glück hatte, bereits so alt zu sein, dass er in eine der Videothek durfte, die gerade wie Pilze aus dem Boden schossen – oder wer zumindest einen Freund mit älteren Bruder hatte – der wird fast zwangsläufig mit den Produktionen des Hauses Cannon aufgewachsen sein. Noch heute sieht man öfter mal Menschen fast ausschließlich männlichen Geschlechts mit T-Shirts herumlaufen, auf denen das Cannon-Logo prangt. Chuck Norris, Michael Dudikoff und immer wieder Charles Bronson waren die Helden jener Tage. In preisgünstig heruntergedrehten Action-Krachern, die aber immerhin weitaus teurer aussahen als so manches, was heutzutage größtenteils am Computer entsteht, zeigten sie den Bösewichtern, wo Bartel den Most holt. Die Actionfilme der Cannon Group sind noch heute Legende, da vergisst man schon mal, dass sich Cannon auch auf dem Feld des Erotikfilms und des Musicals versucht hat. „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ räumt mit diesem Missstand auf.

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Regisseur Mark Hartley ist Australier und hat dem Exploitation-Kino seiner Heimat, dank seines Dokumentarfilm „Not Quite Hollywood“, nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern es auch weit über die Grenzen eines nur begrenzten Fankreises hinaus bekannt gemacht. Danach wandte er sich dem philippischen Exploitationfilm zu und stellt die herrliche Doku „Machete Maidens Unleashed“ fertig, die für das wilde Filipino-Kino dasselbe tat, wie „Not Quite Hollywood“ für die „Ozploitation“. Nun also richtet Hartley seinen Blick nach Hollywood und selbstverständlich nicht auf die großen Studios MGM, Warner oder Paramount, sondern auf ein Paar von filmverrückten Israelis, die glaubten, im Konzert der Großen lauthals mitsingen zu können: Menahem Golan und Yoram Globus. Ihre Cannon Group wurde von den Großen belächelt und verschmäht, doch ihre Filme fanden ihr Publikum. Natürlich kann man über die Güte der Filme streiten und über die Produktionsbedingungen nur den Kopf schütteln, doch eines kann man nicht: Menahem Golan und Yoram Globus absprechen, sie hätten nicht mit der fiebrigen Leidenschaft echter Cineasten gehandelt.

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Hartley stellt Cannon in eine Linie mit den heutigen Hollywood-Indies Miramax und Nu Image. Damit liegt er nicht falsch. Menahem Golan und Yoram Globus haben eine Menge Dinge begonnen, die heute gang und gebe sind. Z.B. nach Cannes zu fahren und einen Film nur aufgrund eines Posters und eines reißerischen Titels zu verkaufen, ohne dass eine Drehbuch, oder überhaupt eine Idee worum der Film gehen könne, vorlag. Auch die Art und Weise, wie Menahem Golan und Yoram Globus ihr Imperium führte war zur damaligen Zeit außergewöhnlich. Da wurden Filme am laufenden Band rausgehauen, Menahem Golan und Yoram Globus mischten sich immer wieder lautstark in die Produktion ein und warfen das Geld mit vollen Händen raus, um noch mehr Filme zu produzieren oder mal eben fast alle Theatersäle in England zu übernehmen. Was Menahem Golan und Yoram Globus waren, das sind echte Typen, wie man sie heute nicht mehr oft findet. Und so strahlt Hartleys Dokumentation – trotz aller auch kritischen Worte – eine ungeheure Faszination und Sympathie für die beiden Israelis aus, die gerne in Hollywood dazugehören wollten und nach Respekt rangen, aber für die Amerikaner immer wie exzentrische und etwas ungehobelte Emporkömmlinge wirkten, die man nicht ernst nehmen könne.

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Mark Hartley nimmt die beiden ernst und setzt ihnen ein Denkmal, welches allerdings nie zur Heldenverehrung kommt. Vor die Kamera hat er mehrere Dutzend ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner geholt, die nicht immer nur freundliche Dinge über Menahem Golan und Yoram Globus zu berichten wissen. Auch die Schauspieler, die hier Anekdoten zum Besten geben, sind häufig nicht gut auf die Beiden zu sprechen. Laurene Landon aus „America 3000“ verbrennt sogar vor laufender Kamera ihre VHS-Kopie des Filmes. Zwei Dinge fallen auf: Drei Schauspieler, die das Gesicht von Cannon geprägt haben, tauchen nur in Filmausschnitten auf, sind aber nicht an den Interviews beteiligt. Einmal Chuck Norris, dann Jean-Claude Van Damme und schließlich Sylvester Stallone, der Mitte der 80er einen unglaublichen Deal mit Cannon machte, die ihm immens viele US-Dollar für drei Filmen gaben, von denen aber dann gleich der erste – „Over the Top“ – fürchterlich floppte. Am schmerzlichsten vermisst man aber Chuck Norris, der sich heute scheinbar von den ultrabrutalen Cannon-Filmen distanziert, die seinen Mythos begründeten. Norris war damals zusammen mit Charles Bronson DER Cannon-Schauspieler. In „Electric Boogaloo“ wird erzählt, dass alle Drehbücher damals auf einen von zwei Stapeln kamen. Einen für Norris und einen für Bronson. Zum anderen ist es fast schon penetrant, wie stark die Cannon-Filme von allen Beteiligten abgewertet werden, die sie fortwährend als „shit“, „junk“ und „rubbish“ bezeichnen. Die Fans der alten Actionkracher werden hierzu sicherlich eine andere Meinung haben.

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Hartley pflegt in „Electric Boogaloo“ den Stil, den er schon in „Not Quite Hollywood“ und „Machete Maidens Unleashed“ etabliert hat. Viele Köpfe erzählen interessante Dinge über ihre Zeit mit und bei Cannon. Die Statements werden rasant aneinander geschnitten und mit Filmszenen unterfüttert, so dass ein zügiger Fluss entsteht. Dieser trägt dazu bei, dass man das Gefühl hat, eine stringente Geschichte und nicht viele Anekdoten zu hören. Allerdings ist Hartleys Tempos teilweise so hoch, dass man nur mit größte Mühe identifizieren kann, wer nun eigentlich was erzählt hat und welche Funktion dieser Menschen bei Cannon ausübte. Durch die hohe Faktenfülle schwirrt einem auch schon mal der Kopf. Aber die Geschichte der Cannon Group verläuft eben auch nicht linear, sondern hat viele Schlenker und spannende Nebenschauplätze, die in den 95 Minuten der Dokumentation gar nicht alle beleuchtet werden können. Neben den offensichtlichen Themen wie die frühe Karriere Menahem Golans und Yoram Globus‘ in Israel und den weltweiten Erfolg ihrer „Eis am Stiel“-Reihe und den Actionfilmen, werden auch die Musicals – insbesondere der erfolgreiche Tanzfilm „Breakin‘“, die Erotikfilme mit einer damals kokain- und alkoholabhängigen Sylvia Kristal erwähnt.

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Wichtig ist auch Cannons verzweifelter Versuch mit ambitionierten Filmen aus der Arthouse-Ecke, einen respektablen Ruf zu verschaffen. So wird oftmals vergessen, dass Menahem Golan und Yoram Globus auch Filme von Barbet Schröder, Franco Zeffirelli – der höchsten Lobes für Menahem Golan und Yoram Globus ist -, John Cassavettes, und unglaublicherweise auch Jean-Luc Godard produzierten. Genützt hat es ihnen nichts. Cannon blieb als Schmuddel-Schmiede verrufen. Der letztendliche Untergang des Imperiums wird von Harltey recht schnell abgehandelt. Zum Bankrott führten schließlich zu teure Prestige-Projekte, die an der Kino-Kasse floppten. Wie „Superman 4 – The Quest For Peace“ oder „Captain America“. Heute kaum fassbar, dass Cannon damals, lange vor der großen Comichelden-Welle, die Rechte an den populärsten DC- und Marvel-Figuren hatte. Hartley erwähnt einmal sogar einen „Spider-Man“-Film, der aber nicht über das Planungsstadium hinaus kam. „Electric Boogaloo“ endet dann mit einer wunderbaren Note. Eine Texttafel informiert darüber, dass Menahem Golan und Yoram Globus nicht am Film partizipierten, weil sie – als sie von Hartleys Projekt hörten – sofort selbst einen Dokumentarfilm über ihre Cannon Group in Auftrag gaben – und dieser ganz im alten Cannon-Style das „Original“ im Rennen um den Starttermin um ganze drei Monate schlug.

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Mit „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ setzt Mark Hartley seine wundervolle Exploitation-Trilogie fort. Mitunter sorgt der schnelle Schnitt und die Unmengen auftretender Personen dafür, dass man den Überblick verliert, wer denn nun genau was zu berichten weiß. Auch irritiert, dass von den Beteiligten kaum jemand ein gutes Haar an den Cannon-Produktionen lässt. Darüber hinaus ist „Electric Boogaloo“ aber ein unterhaltsamer und faszinierender Trip in die nähere Vergangenheit und macht Lust darauf, mal wieder einen dieser alten Chuck-Norris-Klopper einzulegen.

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Die Bildqualität ist in den Interview-Sequenzen hervorragend, bei den verschiedenen Filmausschnitten natürlich schwankend, jenachdem, was für eine Quelle genutzt wurde. Das lässt sich aber sehr gut verschmerzen. Die deutsche Fassung ist mit Voice-Over, wobei die verschiedenen Personen auch von einer Handvoll verschiedener Sprecher gesprochen werden. An Extras gibt es eine 13-minütige Sektion mit „Deleted and Extended Sequences“, in welcher der Charles-Bronson-Slasher-Cop-Crossover „10 To Midnight“ und „Norman Mailers „Tough Guys Don’t Dance“ diskutiert werden. Ferner Informationen über den damals geplanten „Spider-Man“-Film gegeben, der „Captain America“-Film und der 3D-Film „Treasure of the Four Crowns“ besprochen und eine länger Version des Interviews mit Michael Dudikoff gezeigt werden. In der knapp einminütgen „Menahem Golan Impersations“ imitieren einige Personen den Cannon-Gründer, in dem 40-Sekünder „Mark’s T-Shirt Collection“ zeigt Cutter Mark Helfrich zwei Cannon-T-Shirts und erzählt jeweils eine Anekdote dazu. Und „Roy und John lesen aus ihrer Lieblingskritik“ ist genau das und dauert 1:50 Minuten.

DVD-Rezension: “Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“

Von , 14. April 2015 22:13

frankensteinungeheuermeerDer Bruder des jungen Ryôta (Tôru Watanabe) verschwand einst auf hoher See. Durch einen Zufall gerät Ryôta an ein Segelboot und sticht mit den beiden Kumpels Ichino (Chôtarô Tôgin) und Nita (Hideo Sunazuka) sowie dem Dieb Yoshimura (Akira Takarada) in See. Bald geraten sie in ein Unwetter und machen eine erste Bekanntschaft mit dem gewaltigen Hummerwesen Ebira. Auf eine Südseeinsel gespült, stellen sie fest, dass diese als Basis der terroristischen Geheimorganisation „Roter Bambus“ dient, die von der Nachbarinsel Sklaven entführen. Auf der Nachbarinsel befindet sich auch der verschwundene Bruder Yata (Tôru Ibuki). Zusammen mit dem Insel-Mädchen Daiyo (Kumi Mizuno) machen sich unsere Helden auf, den „Roten Bambus“ zu besiegen und die Sklaven zu befreien. Gut, dass auch ein alter Bekannter auf der Insel schlummert…

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1966 war ein wichtiges Jahr für die 1954 gestartete Godzilla-Reihe. Die letzten beiden Filme hatten nicht mehr den großen Erfolg an der Kinokasse, den sich Toho gewünscht hatte. Also wurde beschlossen, den Stil der Reihe grundlegend zu ändern und die Godzilla-Filme zukünftig kostengünstiger herzustellen. Erstes Opfer dieser Entscheidung war Regisseur Ishirô Honda, der zuvor sage und schreibe acht Godzilla-Filme und darüber hinaus zahlreiche weitere Monsterfilme, für Toho inszeniert hatte. Er wurde durch Jun Fukuda ersetzt, der es in der Folgezeit auf fünf weitere Godzillas bringen sollte. Kostensparend wurden auch Kostüme aus den vorangegangenen Filmen wiederverwendet, was Godzilla und vor allem die ebenfalls in „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ auftauchende Motte Mothra, recht schäbig aussehen ließ. Statt auf dem Festland zu spielen, wird die Handlung des neuen Filmes auf eine Südseeinsel verpflanzt, wodurch man sich die teureren Städtemodelle, die regelmäßig unter den Füssen Godzillas platt gemacht wurden, sparen konnte. Dadurch wirkt der Film dann auch weitaus kleiner als seine Vorgänger.

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Godzilla-Fans müssen sich stark in Geduld üben, bis ihr Liebling erscheint. Erst nach 50 Minuten tritt die große Echse in Aktion. Davor schläft sie in einer Höhle auf der Insel. Wenn Godzilla dann endlich erwacht, benimmt er sich recht merkwürdig. Viele seiner Aktionen scheinen gar nicht in das Bild zu passen, welches man sich von dem beliebten Monster bisher gemacht hat. Eine Erklärung dafür liefert die Produktionsgeschichte. Tatsächlich war „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ als King-Kong-Streifen geplant. Godzilla wurde nur eingesetzt, weil er zu diesem Zeitpunkt das populärere Ungetüm war. Und in der Tat benimmt sich Godzilla hier reichlich affig. Er wirft mit Vorliebe Felsbrocken um sich, scheint sich in ein hübsches Insel-Fräulein zu vergucken und darf ganz Kong-like gegen attackierende Flugzeuge kämpfen. Insgesamt hätte der Film mit Kong vielleicht sogar besser funktioniert und die Insel-Landschaft mehr Sinn ergeben. Mit „fremden Charakter“ ausgestattet, vollzieht Godzilla aber auch die Wende hin zum Menschenfreund und Super-Monster, welches die Menschheit, sprich Japan, vor bösen Feinden beschützt.

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Godzillas Feinde sind in diesem Film weniger eindrucksvoll. Mothra taucht kaum auf und gehört sowieso zu den Guten. Ein anonymer Riesenvogel sieht mehr aus wie ein fliegender Staubwedel und wird von Godzilla ebenso schnell geröstet, wie er aus dem Nichts auftauchte. Godzillas Kampf gegen den gefiederten Freund ist obendrein schlecht choreographiert und eher hektisch, als eindrucksvoll. Da ist das Hummerwesen Ebira schon von anderem Kaliber, auch wenn ein riesiger Hummer nun nicht besonders gruselig oder eindrucksvoll daher kommt. Immerhin ist Ebiras Design recht schön geworden und die Szenen am Anfang, wenn man in stürmischer See nur seine gewaltigen Zangen sieht, sehr stimmungsvoll. Ein Highlight auch der brutale Kampf Godzillas gegen Eibra am Ende des Filmes, der sogar unter Wasser geführt wird. Demgegenüber ist das anfängliche Ping-Pong-Spiel der Beiden, welches mit Felsbrocken geführt wird, dann eher lustig und auch ziemlich albern anzusehen. Es wundert nicht, dass es für Eibira bei diesem einen Auftritt bleiben sollte.

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Da die Monster nur eine untergeordnete Rolle spielen, und es auch erst nach der Hälfte des Filmes überhaupt zu nennenswerten Zerstörungsorgien und Schlagabtäuschen kommt, muss sich „Frankenstein und die Monster aus dem Meer“ auf seine „menschliche“ Handlung verlassen. Diese ist zwar an den Haaren herbeigezogen, aber doch recht kurzweilig umgesetzt. Die Chemie zwischen unseren Helden stimmt und der zynische Dieb Yoshimura. Akira Takarada der zuvor auf Helden abonniert war, hat hier einmal eine zwielichtigen, harten Rolle inne, kann eine gewisse Präsenz entfalten. Im Gegensatz zu den Alibi-Figuren anderer kaijus nerven die menschlichen Helden hier, trotz einzelner Klamauk-Einlagen, nicht so sehr und entwickeln im Rahmen der Möglichkeiten auch Charakter. Da die drei nicht einfach so auf einer Insel stranden können, wurde noch eine mysteriöse Geheimorganisation mit in den Topf geworfen. Die nennt sich „Roter Bambus“ und gebärdet sich wie aus einem James-Bond-Film oder vielmehr aus dessen billigen Imitaten der 60er Jahre entsprungen. Was der „Rote Bambus“ da eigentlich treibt, was sein Ziel ist und wieso er über eine eigene Fliegerstaffel verfügt, wird nicht erklärt – ist aber für den Film auch völlig unwichtig. Wichtig ist nur, dass der „Rote Bambus“ böse ist und eine schicke Basis besitzt, die sich vorzüglich zum platt Trampeln eignet.

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Auch wenn „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ nicht zu den besten Godzilla-Filmen zählt, so ist er doch ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Serie. Ursprünglich als King-Kong-Film geplant, benimmt sich Godzilla hier reichlich „affig“ und legt den Grundstein für seine weitere Karriere als „Menschenfreund“. Das flotte Tempo der Inszenierung, tröstet über mach ärmlich aussehende Sets und Kostüme hinweg.

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Wie gewohnt lässt die Anolis-Veröffentlichung im Rahmen der „Kaiju Classics“ keine Wünsche offen. Im schicken Steelcase befinden sich gleich zwei DVDs. Eine mit der japanischen Fassung und eine mit der deutschen Kinofassung. Mir sind allerdings bis auf den Vor- und Abspann keine Unterschiede zwischen beiden Fassungen aufgefallen. Auch von der Bildqualität wissen beiden absolut zu überzeugen. Während die japanische Fassung neben der deutschen Synchro noch die englische Synchronisatation und natürlich die zu bevorzugende japanischen Tonspur enthält, ist es bei der Kinofassung nur die deutsche. Die Extras fallen etwas magerer aus als üblich. Die Japan-Fassung enthält wieder einen Audiokommentar des eingespielten Experten-Teams Jörg Buttgereit und Bodo Traber. Dort zu finden ist auch der japanische Trailer und reichlich internationales Werbematerial in einer selbstlaufenden und mit Musik unterlegten Bildgalerie. Sehr schräg ist die knapp 5-minütige, japanische Super-8-Fassung, die nur wenig Material aus „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ enthält, diese aber mit Szenen aus einem anderen Godzilla-Film anreichert und eine ganz andere Geschichte als der eigentliche Film erzählt. Auf der Disc mit der deutschen Kinofassung findet man dann den deutschen Trailer und das deutsche Werbematerial.  Das 20-seitige und hübsch bebilderte Booklet enthält einen gut geschriebenen und höchst informativen Text von Ingo Strecker. Ferner liegt noch ein Gutschein für den Kauf einer späteren Blu-ray-Veröffentlichung bei, der den Preis von € 14.99 auf € 5,99 senkt.

Das Bloggen der Anderen (13-04-15)

Von , 13. April 2015 20:07

bartonfink_type2– Aufgrund der Osterfeiertage fiel „Das Bloggen der Anderen“ in der letzten Woche aus. Nun hatte ich irgendwann einmal zwei Wochen in einem Rutsch nachgeholt und erinnere mich mit Schaudern daran, wie aufwändig das war. Daher beginnt meine „Blogger“-Woche auch schön am letzten Montag und nicht schon davor. Wobei ich zwei Ausnahmen mache. Die erste ist die Review des Filmes „Cordelias Kinder“ von Ronny Dombrowski auf cineastic. Warum? Weil mir der sehr sympathische Filmemacher Lars Kokemüller persönlich bekannt ist, ich seinen „Warum Hans Wagner den Sternenhimmel hasst“ mag und ich mich sehr darüber freue, dass sein nunmehr dritter Lowlow-Budgetfilm eine so positive Kritik bekommen hat.

– Die zweite Ausnahme ist Mauritia Meyer auf Schattenlichter, die bei einer Veranstaltung zugegen war, auf der ich gerne gewesen wäre, die ich wegen der räumliche Distanz  und chronischem Zeitmangel aufgrund der Familie wieder nicht geschafft habe:  „TERZA VISIONE – 2. FESTIVAL DES ITALIENISCHEN GENREFILMS“ in Nürnberg. Hier ihr Bericht. Und wo wir gerade dabei sind: Mario Bavas wunderbaren „Blutige Seide“ hat sie auch noch besprochen.

– Mit Mario Bava hat es auch yzordderrexxiii beschäftigt. Leider kann er dem – wie ich finde sehr unterhaltsamen und fantasievollen – „Vampire gegen Herkules“ nichts abgewinnen.

– Es freut mich, dass bullion von Tonight Is Gonna Be A Large One aufgrund meiner Review neugierig auf den Film „Odd Thomas“ geworden ist. Umso mehr, als dass er meine Meinung zum Film durchaus teilt.

Der Kinogänger bringt eine große Vorschau auf den Kino-Sommer 2015.

– Alexander Matzkeit hält auf real virtuality ein Plädoyer für das Tanzen auf der Straße – und hat auch gleich die passenden Filmvorbilder parat.

– Frank Stegemann erklärt auf Hard Sensations, warum „Rivalen im Sattel“ von Budd Böttcher vielleicht kein wichtiger Film ist, für Boetticher-Fans aber trotzdem unverzichtbar.

– Eine ausgesprochen positive Kritik gibt es für Christian Keßlers – auch von mir sehr gelobten –Buch „Wurmparade auf dem Zombiehof“ von Andreas Köhnemann auf B-Roll. Dort hat auch Lucas Barwenczik einen sehr langen und informativen Text über Netflix und andere VOD-Portale und deren Einfluss auf die Zukunft wie wir Filme sehen und auswählen geschrieben. Empfehlung!

– Lukas Foerster schreibt auf Dirty Laundry über einige aktuelle Filme aus China. Auf Englisch.

– Auf Schneeland empfiehlt Michael Schleeh den japanischen Film „The Kirishima Thing“ von  Daihachi Yoshida. „Ein großartiger Film, der leider, abgesehen von einigen Festivalauswertungen, zumindest in unseren Breiten etwas untergegangen ist.“

– Patrick Holzapfel analysiert auf Jugend ohne Film Rainer Werner Fassbinders „Ein Jahr mit 13 Monden“ und spricht über das Meer bei Šarūnas Bartas und bei Jean Epstein.

– Christian Genzel und Don Arrigone treffen sich auf Wilsons Dachboden, um über einen Film mit dem unglaublichen Titel „Nabonga, der Riesenaffee“ zu reden.  Der ist immerhin mit Buster „Buck Rogers“ Crabbe.

– Kürzlich sah ich Clive Barkers heute recht vergessenen „Lord of Illusions“ wieder und fragte mich, was ich wohl heutzutage von seinem zweiten Spielfilm „Cabal“ halten würde. Damals fand ich den faszinierend, aber kalt. Sascha Nolte hat ihn sich als Director’s Cut auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte angesehen und war begeistert.

– Witzigerweise unterhielt ich mich erst vor ein paar Tagen mit jemand über Uli Edels Klassiker „Christian F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und dachte bei mir, dass ich den nach vielen Jahren mal wieder ansehen sollte. Da kommt schon totalschaden von Splattertrash um die Ecke und hat genau dies getan.

– Oliver Nöding auf Remember It For Later über den damals wie ein Stein untergegangenen Mega-Flop „Die Piratenbraut“, der gleich mehrere Karrieren ins Nichts riss. Und über den Boney-M.-Film „Bienenstich und Discofieber“, dessen Besprechung sicherlich vergnüglicher klingt, als der Film tatsächlich ist – zumindest, wenn man ihn im nichtalkoholisierten Zustand allein im stillen Kämmerlein schaut.

Schlombies Filmbesprechungen präsentiert mal wieder eine neue Folge „Die Besprechungen der Anderen“.

Blu-ray-Rezension: “V/H/S – Viral”

Von , 4. April 2015 21:06

vhsviral1. Kevin ist süchtig danach, seine Freundin Iris zu filmen. Als eines Abends direkt vor seinem Haus die Polizei einen geheimnisvollen Eisverkäufer-Wagen verfolgt, sieht er seine Chance gekommen, ein YouTube-Star zu werden. Doch als er auf die Straße tritt, um die Jagd zu filmen, wird Iris von dem Wagen entführt. 2. Dante, ein erfolgloser Zauberer, kommt in den Besitz des Umhangs des Magiers Houdini, welcher über dämonische Kräfte verfügt. 3. Der Erfinder Alfonso hat im Keller seines Hauses ein Tor in eine parallele Dimension errichtet. Als es ihm gelingt dies zu öffnen, steht er seinem Doppelgänger aus der Parallelwelt gegenüber. Beide beschließen für 15 Minuten jeweils die Welt des Anderen zu erkunden. 4. Drei Skateboarder, die ihre gefährlichen Stunts filmen und ins Netz stellen, verschlägt es nach Mexiko, wo sie auf einem abgelegenen Areal durch einen dummen Zufall die Toten zum Leben erwecken.

Mittlerweile gehört das sogenannte „Found-Footage“ zu der ausgelutschtesten und auserzähltesten Filmprämisse überhaupt. Filmemacher, die mit dieser Form der pseudo-realen Filmerei etwas anzufangen wissen und ihr neue Aspekte abgewinnen, sind sehr rar gesät. Zumeist wird sich auf darauf verlassen, dass die scheinbar „echten“ Aufnahmen so stark verwackelt sind, dass filmische Unzulänglichkeiten nicht weiter auffallen. Man kann ja schließlich von einem Filmamateur, der seine neue Videokamera ausprobiert keine Kamerafahrten ala Kubrick erwarten. Oder doch? So inkompetent, wie diese Filme die Leute hinter der Kamera darstellen, führen sich in der Regel noch nicht einmal Vierjährige auf. Dies verärgert in der Regel sogar noch mehr, als der merkwürdige Hang der angeblich realen Kameramänner, das Grauen stets bis zum letzten Augenblick filmen zu wollen, anstatt sich in Sicherheit zu bringen. Doch solange die Ausrede „Found Footage“ es untalentierten Regisseuren ermöglicht, für wenig Geld ihre Machwerke runter zu kurbeln, wird das Genre wohl nicht aussterben. Es gibt aber auch immer wieder Ausnahmen von der Regel. Wenn sich z.B. kompetente Filmemacher darüber Gedanken machen, wie und warum sie „Found Footage“ einsetzen und in wie weit dieser Kniff ihre Geschichte unterstützt.

In der Horror-Anthologie „V/H/S“ (Kritik hier) hatten sich die Stars des Mumblecore – in der Definition von Wikipedia sind dies Filme mit einem kleinem bis sehr kleinem Produktionsbudget, improvisierten Dialogen, der Nutzung von Innenräumen, Auftritten von Laienschauspielern und generell einer Do-it-yourself-Ästhetik – versammelt, um gemeinsam einen kostengünstigen Horrorfilm herzustellen. Das Resultat war nicht an allen Stellen überzeugend (gerade der bekannteste Name – Ti West -lieferte das langweiligste Segment ab), aber der Film wirkte frisch und mit ebenso großen Enthusiasmus, wie Experimentierwillen gemacht. Zudem war er stellenweise kreuzunheimlich. Die Fortsetzung „S-VHS“ konnte ich bisher leider noch nicht sehen. Da sie in Deutschland nur gekürzt gezeigt werden durfte, nehme ich an, dass hier in Punkto Härte noch eine Schippe draufgelegt wurde. Die Kritiken im Netz sind überwiegend wohlgesonnen und bestätigen meine Vermutung. Gerade der zweite Teil konnte mit einigermaßen bekannten Namen aufwarten, wie Eduardo Sánchez, der einst mit „Blair Witch Project“ die ganze Lawine an billigen Nachahmern lostrat und Gareth Evans, der mit seinen ultraharten „The Raid“-Actionfilmen für Furore sorgte. Bei „V/H/S – Viral“ fehlt es an solchen Namen. Allein Nacho Vigalondo kennt man etwas besser, da er den ganz wunderbaren und leider viel zu wenig bekannten „Time Crimes“ gedreht hat und gerade sein Mystery-Thriller „Open Windows“ mit Elijah Woods auf den Markt kam.

„V/H/S – Viral“ dehnt die Vorgaben des „Found Footage“ teilweise so weit, dass man sich fragt, weshalb gerade dieses Format für die Geschichten verwendet wurde. In der Rahmenhandlung wird das Thema „gefundenes Videomaterial“ zwar aufgenommen, doch in keinen unbedingt zwingenden Zusammenhang gebracht. Da wird Videomaterial verwendet, durch das immer wieder alte „Bildreste“ durchscheinen, obwohl die Handlung mit einer Digitalkamera gefilmt wird. Aber auch dies ist nicht konsequent umgesetzt, da immer wieder aus anderen Perspektiven gefilmt wird. Von wem? Und wer hat das Material zusammengetragen und geschnitten? Vielleicht der geheimnisvolle Eisverkäufer-Wagen, der hier von allen möglichen videohungrigen und YouTube-geilen Leuten gejagt wird? Das stark an „Videodrome“ erinnerndes Ende deutet darauf hin, kommt aber nicht einmal auf Steinwurf an Cronenbergs Meisterwerk heran. Überhaupt leidet die von Marcel Sarmiento gedrehte Episode „Vicious Circles“ sehr an seiner hektischen Machart, die es dem Zuschauer über weite Strecken unmöglich macht, nachzuvollziehen, was überhaupt vor sich geht. Dadurch wird einem die Handlung egal und von Grusel oder Shock fehlt hier jede Spur. Man fühlt sich einfach nur genervt. Dass diese Rahmenhandlung weniger in die Geschichten einführt, als vielmehr eine ganz eigenständige, allerdings immer wieder durch die anderen Erzählungen unterbrochene, Geschichte darstellt, hilft auch nicht wirklich weiter.

Die zweite Geschichte, „Dante the Great“ von Gregg Bishop, um einen kleinen Zauberer, der den magischen Umhang Houdinis entdeckt und durch einen darin lebenden Dämon zu echten Zauberkräften kommt, ist nett, aber nicht mehr. Auch hier wird der „klassische“ Found Footage aufgehoben und „Dante the Great“ als Fake-Dokumentation präsentiert. Das wirkt dann alles etwas unbeholfen und gezwungen, ist aber immerhin unterhaltsam und mit Tempo inszeniert. Auch wenn man die Geschichte um den dämonischen Zauberumhang schnell vergisst, zählt sie zu den stärkeren Momenten von „V/H/S – Viral“. Die überzeugendste Arbeit liefert der Spanier Nacho Vigalondo ab, der einerseits das Found-Footage-Motiv konsequent und nachvollziehbar durchzieht, andererseits aber auch eine interessant-merkwürdige und in der Tat unangenehm gruselige Parallelwelt erschafft. Eine weitere Expedition in diese seltsame Welt könnte man sich durchaus auch in Spielfilmlänge vorstellen. Selbst wenn das Ende dann doch eher enttäuschend ausfällt und durch merkwürdig lächerliche Effekte an Wirkung einbüßt. Trotzdem ist „Parallel Monsters“ der einzige Grund, sich „V/H/S – Viral“ zuzulegen. Denn bereits die nächste Geschichte, „Bonestorm“ von Justin Benson und Aaron Moorhead, stellt den absoluten Bodensatz dieser einst so vielversprechenden Serie dar. Drei hochgradig unsympathische, zum Kotzen coole Skater-Boys gegen mexikanische Zombies, die an die „reitenden Leichen“ erinnern. Das alles so billig und ohne jegliches Gefühl für Timing und Horror abgefilmt, dass man zwangsläufig an einschlägige Amateur-Horrorfilme denken muss, deren Protagonisten oftmals ähnlich „realistische Sympathieträger“ sind, und in denen „geiler Splatter“ über einem vernünftigen Drehbuch stehen. Absolut verzichtbar.

Die auffällig kurze Laufzeit von 80 Minuten ist der Tatsache geschuldet, dass ursprünglich noch eine fünfte Episode zum Film gehören sollte: „Gorgeous Vortex“ von Todd Lincoln. In letzter Sekunde wurde diese allerdings aus den fertigen Film geworfen, da sie sich angeblich nicht ins Gesamtkonzept einfügen wollte. Da ich kein Konzept erkennen kann, denke ich aber, dass irgendwelche anderen Gründe den Ausschlag gaben. Da „V/H/S – Viral“ zur allgemeinen Überraschung eine FSK 16 bekommen hat, könnte ich mir vorstellen, dass die Produzenten in den USA die Episode auch aus Freigabe-Gründen gestrichen haben. Da ich „Gorgeous Vortex“ aber nicht kenne, bleibt dies erst einmal Spekulation. Die 2-Disc-Limited Edition, die OFDb Filmworks ebenfalls herausbracht hat, enthält die Episode als Extra und ist nicht FSK geprüft. Ob aber gerade „Gorgeous Vortex“ den Kauf des deutlich teureren Mediabooks zwingend erforderlich macht, kann ich wie gesagt nicht beurteilen.

„V/H/S – Viral“ kann leider zu keinem Moment an den ersten Teil der Serie anknüpfen. Obwohl Nacho Vigalondo eine sehr interessante Episode abgeliefert hat, von der man gerne mehr gesehen hätte, kann lediglich die Pseudo-Doku „Dante the Great“ für solide Unterhaltung sorgen. Die beiden anderen Episoden, insbesondere „Bonestorm“, können noch nicht einmal als Fingerübungen durchgehen und enttäuschen auf ganzer Linie.

Wie immer bei Filmen, die vorgeben sich aus gefundenen Videomaterial zu speisen, kann man über die Bildqualität keine wirklichen Aussagen machen, da eine nicht optimale Wiedergabe hier zum Konzept gehört. Der Ton ist überzeugend und irritiert hübsch durch einige Effekte. Die Extras sind nicht unbedingt erwähnenswert, aber schön, dass die Scheibe nicht „bare bones“ daherkommt. Es gibt ein 8-minütiges Making of von „Dante the Great“ und ein 5-minütiges der katastrophalen Episode „Bonestorm“.

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