DVD-Rezension: „The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchen-Pensionat“

Von , 31. Mai 2014 20:51

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In einem Städtchen am Rhein wird eine junge Frau in der Nacht vor ihrer Hochzeit brutal ermordet. Bald schon macht das Gerücht die Runde, dass der Mord auf das Konto der mythischen Loreley (Helga Liné) geht, die sich in Vollmondnächten in ein Monster verwandelt und die Herzen junger Mädchen frisst, um selber jung zu bleiben. Um die Bewohnerinnen des nahen Mädchenpensionats vor einem solchen Schicksal zu bewahren, beschließt die Leitung des Pensionats den Jäger Sigurd (Tony Kendell) als Schutz anzustellen. Doch das Morden geht weiter…

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Obwohl „The Loreley’s Grasp“ in Deutschland spielt und die rheinische Legende von der Loreley (neben Elementen aus der „Nibelungen“-Sage, die hier ebenfalls unter mit eingebaut werden), sagen wir mal kreativ interpretiert, hatte dieser 1974 entstandene spanische Film den Weg nach Deutschland bisher nicht finden können. Möglicherweise aufgrund der für seine Zeit recht expliziten Mordszenen, vielleicht aber auch, weil der Film nach allem aussieht, aber nicht nach der Rheingegend. Tatsächlich wurden nur einige wenige Szenen tatsächlich auf und am Rhein gedreht. Der Hauptteil allerdings in und um Madrid, was man ihm auch ansieht. Wenn beispielsweise Loreley recht verführerisch vor einem Gewässer auf einem Felsen sitzt, dann wird noch nicht einmal mit der wohlwollendste Zuschauer auf die Idee kommen, dabei könnte es sich tatsächlich um den Rhein handeln. Von den Darstellern ganz abgesehen. Während man der gebürtigen Berlinerin die Loreley noch gerne abnimmt, fällt es doch schwer, sich Luciano Stella alias Tony Kendell als Figur namens Sigurd vorzustellen. Von Italo-Western- und Jess-Franco-Veteran Luis Barboo als Alberich mal ganz abgesehen. Das Amüsement beim deutschen Zuschauer dürfte gleich dem sein, wenn ein US-Amerikaner sieht, wie in bundesdeutschen Winnetou-Filmen Jugoslawien plötzlich zum Wilden Westen wird.

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Regisseur Amando de Ossorio, der auch für die Geschichte und das Drehbuch verantwortlich war, ist vor allem mit seiner vierteiligen „Reitende Leichen„-Saga berühmt geworden. die älteren werden sich sicherlich noch mit Freude daran erinnern, als diese zu später Stunde im Rahmen von Horrorfilm-Reihe mit der „wilden Hilde“ auf RTL liefen. Neben den reitenden Leichen, dürfte „Loreley’s Grasp“ zu seinen bekanntesten Werken gehören. Die Geschichte folgt auch in etwa dem bei den „Reitenden Leichen“ eingeführten Muster. Eine alte Legende, die plötzlich wieder zum Leben erwacht und eine zuvor definierte Gruppe einen nach dem anderen dezimiert. Hier sind es die Schülerinnen eines Mädchenpensionats (für die Optik) und die Bewohner einer kleinen Stadt am Rhein. Dabei geht de Ossorio sehr grafisch vor. Die Szenen, in denen den Opfern das Herz in Großaufnahme herausgerissen wird, sind nicht nur für das Jahr 1974 ziemlich deftig, sondern stellen auch in de Ossorios Werk einen Höhepunkt an Explizitheit dar. „Loreley’s Grasp“ ist damit de Ossorrios härtestes Werk und die FSK16-Freigabe ist (besonders in Hinblick auf den im gleichen Jahr entstandenen und im Vergleich ausgesprochen harmlosen, aber trotzdem noch immer auf dem Index stehenden „Geisterschiff der schwimmenden Leichen“) beachtlich. Wahrscheinlich wurde hier wohlwollend berücksichtigt, dass die Effekte recht durchschaubar sind (was allerdings auch für den abgeschlagenen Pappmaché-Kopf im „Geisterschiff“ gilt).

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Obwohl technisch sauber und mit einem Gespür für stimmungsvolle Fotografie gedreht, fehlt es „Loreley’s Grasp“ an Spannung und Grusel. Da recht schnell ersichtlich ist, wer hinter der Morden steckt und diese dann auch recht gleichförmig an unbedeutenden Figuren ausgeübt werden – von den Hauptcharakteren gerät lange Zeit niemand in echte Gefahr – bleibt die Spannung auf der Strecke und dem Grusel wird dadurch der Gar aus gemacht, dass man vom Monster häufig eine als solche gut zu erkennende Gummikrallenhand oder ein rechte billige und eher lustig aussehende Monstermaske zu sehen sind. Vermutlich tut hier das gute und scharfe Bild der DVD noch ihr übriges dazu, jegliche Illusion von einer unheimlichen Kreatur zu zerstören. Trotzdem weiß der Film in der Fülle der Handlungselemente zu unterhalten. Neben den blutigen Morden, gibt es hübsche Mädchen im Nachtgewand oder Bikini, einen verrückten Professor mit absurden Experimenten, dann natürlich die knapp bekleidete Loreley und am Ende noch eine Höhle mit grünen Wassernixen und Niblungenschatz. Dass hier nichts ernst zu nehmen ist, wird spätestens klar, wenn Tony Kendell als „Sigurd“ (eine Hommage an den legendären Comiczeichner Hansrudi Wäscher?) in viel zu engen Hosen mit kilometerweitem Schlag von den Pensionatsbewohnerinnen in bester „Kommissar X“-Tradition angehimmelt wird.

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Auf Seiten der Schauspieler gibt es viele bekannte Gesichter zu entdecken. Neben Tony Kendell, der mit de Ossorrio bereits bei dessen „Rückkehr der reitenden Leichen“ dabei war, ist es Helga Liné, die in den späten 60er Jahren aber vor allem in den 70ern zahlreiche spanische Genrefilme mit ihrer Anwesenheit veredelt hat und in den frühen 80ern mit dem damals noch jungen Pedro Almodóvar zusammenarbeitete. Viel hat sie in diesem Film zwar nicht zu tun, außer wahlweise erhaben-melancholisch oder verführerisch-selbstbewusst auszusehen. Die gelingt der schönen Berlinerin dann allerdings auch sehr gut. Neben ihr ist die 15 Jahre jüngere, und ebenfalls wunderschöne Silvia Tortosa zu sehen, die hier eine leitende Angestellte des Pensionats spielt und dabei jünger aussieht als manche der hübschen Bewohnerinnen. Silvia Tortosa blickt mittlerweile auf eine lange Filmkarriere zurück, in der sie in allen möglichen Genres dabei war, oftmals als Anhängsel des Helden. In Spanien wurde sie allerdings vor allem durch ihre zahlreichen Auftritte in der Klatschpresse, wo ausführlich über ihre zahlreichen Liebschaften und Ehen berichtet wurde. In „Loreley’s Grasp“ hält sie sich recht bedeckt, aber im Internet stößt man auf zahlreiche Bilder, auf denen sie sich im Alter von 60 Jahren – wohl anlässlich des Erscheinens ihrer Memorieren – sehr freizügig hat ablichten lassen.

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In „Loreley’s Grasp“ interpretiert „Reitende-Leichen“-Regisseur Amando de Ossorio die Legende von der Lorelei ganz neu und macht aus ihr ein Herzen verschlingendes Monster. Kostengünstige Splattereffekte sorgen für einen ungewöhnlich blutrünstigen Film. Mangelnde Spannung und Grusel wird durch eine krude Geschichte, die alle möglichen deutschen Legenden wild miteinander verquirlt, gern gesehene Schauspieler aus der zweiten Reihe und vielen hübsche Mädchen ausgeglichen.

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Der Film erschien, wie eingangs geschrieben, bisher noch nicht in Deutschland. Weder im Kino, noch auf VHS. 2012 wurde er zunächst von Schock DVD als „Limited Edition“ in Österreich veröffentlicht. Da selbstverständlich keine deutsche Synchronisation vorlag, wurde von Shock selber eine deutsche Sprachfassung erstellt. Man hört allerdings doch sehr deutlich, dass hier nicht viel Geld zur Verfügung stand. Zudem werden teilweise Hintergrundgeräusche verschluckt. Nun ist die identische Schock DVD-Scheibe auch in Deutschland erschienen. Wobei der Werbespruch „Endlich erstmals ungeschnitten in deutscher Sprache“ zwar in dem Sinne stimmt, als die DVD dieselbe ist, wie die vor zwei Jahren in Österreich veröffentlichte. Neben der deutschen Tonspur sind noch eine englische (die etwas dumpf kling) und eine spanische (die zu bevorzugen, aber auch nicht ganz makellos ist) dabei, sowie deutsche Untertitel. Am Bild gibt es nichts auszusetzen. Dieses ist klar und die Farben kräftig. An Extras gibt es den spanischen Trailer, eine Bildergalerie mit Standfotos (leider im falschen Format und dadurch in die Breite „gedrückt“) und die spanische Titelsequenz. Auf der Verpackung sind unter „Extras“ noch „Uncut Version!“ aufgeführt, was auf den ersten Blick vermuteten lässt, es wäre ein noch längere Fassung als Bonus mit dabei. Dies stimmt aber nicht, das bezieht sich auf den Hauptfilm (und hat unter „Extras“ somit eigentlich nichts zu suchen). Ein letztes Wort zu Menü. Dieses erinnert stark an das alte Laser Paradiese Intro und hat zwar die nette Idee, das Menü und die Untermenüs in einem Buch zu zeigen, aber das animierte „Umblättern“ dauert nervig lange.

“Weird Xperience”: Morgen Vatertagsfreuden mit „Tetsuo – The Iron Man“

Von , 28. Mai 2014 23:06

 

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Recht spät, aber hoffentlich noch nicht zu spät, hier der Veranstaltungshinweis auf unsere nächste „Weird Xperience„-Veranstaltung im City 46, die bereits morgen um 20:30 Uhr im City 46 stattfindet.

Ich stelle hier einfach mal auf die Schnelle unseren Newsletter rein. Darin sind alle wesentlichen Informationen enthalten:

Vatertag mal anders. Statt Radtour und Bier, lieber abgefahrenes japanisches Kultkino bei Weird Xperience!

Liebe Freunde des obskuren Filmes,

Morgen um 20:30 Uhr zeigen wir Shin’ya Tsukamotos legendäres Cyberpunk-Opus „Tetsuo – The Iron Man“

Ein Metallfetischist implantiert sich selbst Industriemetall unter die Haut. Das Experiment geht leider schief und in der Wunde sammeln sich Maden, er schreit vor Schmerzen und läuft davon.

Ein anderer Mann wird von Alpträumen geplagt, in denen sich Menschen in Metallwesen verwandeln. Eines morgens schneidet er sich beim Rasieren und entdeckt Glänzendes unter seiner Haut. Auf dem Weg zu seiner Arbeit wird er von einer Frau angegriffen, deren Arme aus Industrieabfall bestehen. Innerhalb von Stunden verwandelt sich der Büroangestellte immer mehr zu einem Metallwesen und es kommt zu einem Show-Down mit dem Fetischisten.

Der Film wechselt zwischen Real-, Wunsch- und Traumsequenzen, wobei die Unterscheidung nicht immer eindeutig ist. Er spielt mit unterdrückten Ängsten, versteckten Sehnsüchten und realen Zwängen.

Auf 16mm in schwarz/weiß gedreht kommt er fast ohne Dialoge aus, es läuft Industrial-Music von Chu Ishikawa, inspiriert von den Einstürzenden Neubauten und DAF. Wegweisend ist die sich ständig bewegende Kamera.

Die End-80er waren die interessanteste Zeit der künstlerischen Körperhorrorfilme. Neben den Arbeiten von David Cronenberg („Videodrome“, „Die Fliege“), wären da auch Jörg Buttgereits „Nekromantik“ (1987) und „Nekromantik 2“ (1991), sowie Clive Barkers „Hellraiser“ (1987) zu nennen. Unter diesen ist Shin’ya Tsukamotos Film der wohl radikalste. 1992 und 2010 folgten zwei Fortsetzungen.

„Tetsuo – The Iron Man“ gewann den Preis als bester Film auf den FantaFestival in Rom 1989 und den Audience Award beim Fantastic Film Festival in Schweden.

Als Vorfilm zeigen wir Tsukamotos früher entstandenen Kurzfilm „Futsu saizu no kaijin“ (The Phantom Of Regular Size), der als Vorübung für „Tetsuo“ verstanden werden kann.

Hier der Trailer:

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Originalfassungen in Bremen: 29.05.14 – 04.06.14

Von , 28. Mai 2014 22:52

Diese Woche gibt es wieder ein hübsch buntes O-Ton-Programm in den Bremer Kinos. Von experimenteller Filmkunst bis zum Big-Budget-Blockbuster ist alles dabei. Insbesondere trägt das Favourites Film Festival, welches zum zweiten Mal im City 46 stattfindet, dazu bei, die Programmvielfalt noch einmal ordentlich zu erweitern. Und morgen gibt es auch wieder „Weird Xperience“.

Maleficent – Die dunkle Fee – Cinemaxx, Do./So./Di. um 19:30 in 3D und So., 1.6. um 16:50 in 2D – „Dornröschen“ aus der Perspektive der bösen Fee, welcher Angelina Jolie ihre beeindruckende Gestalt leiht. Die Kritiken waren überwiegend gut, wobei insbesondere Frau Jolies Leistung hervorgehoben wird.

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X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Cinemaxx, Fr., 30.5. um 19:30 in 3D und Sa. 31.5. um 19:30 in 2D – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie “Eingeweihte”.

Edge of Tomorrow 3D – Cinestar, So., 1.6. um 20:20 – Tom Cruise und Emily Blun in einem Big-Budget-Blockbuster von Doug Liman. Klingt wie „Starship Troopers meet Groundhog Day“. Der Trailer sah überraschenderweise gar nicht so schlecht aus.

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Die zwei Gesichter des Januars – Schauburg, So. und Mi. um 21:00 – Thriller nach Patricia Highsmith mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst und Oscar Isaac in den Hauptrollen. Regiedebüt des Drehbuchautoren Hossein Amini mit der Musik des Bremer-Filmpreis-Trägers Alberto Iglesias. 1962 befreundet sich ein junger Amerikaner in Athen mit einem amerikanischen Ehepaar und wird in der Folge in einen Mord hineingezogen.

Maman und ich – Atlantis, So., 1.6. um 20:00 – Französischer Film über einen Mann, der von seiner dominanten Mutter in die Tochterrolle gedrängt wird und erst mein 30 sein „Coming Out“ als heterosexueller Mann erlebt.

Watermark – Cinema, Mi., 17:00 und So. 15:00 – Dokumentarfilm über die Bedeutung des Wassers für das Leben.

Tetsuo – The Iron Man – City 46, Do., 29.5. um 20:30 – Wahnwitziger Cyperpunk-Klassiker zwischen Experimentalfilm und Manga. Von Shin’ya Tsukamoto! In der Reihe Weird Xperience.

A Serious Man – City 46, Do. um 18:00 und So. um 19:00 – Drama von Joel Coen & Ethan Coen über einen normalen jüdischen Mann, der plötzlich durch diverse Schicksalsschläge geprüft wird.

As Times Goes By in Shanghai – City 46, Di., 3.6. um 20:00 – Doku über die älteste Jazz-Band der Welt.

Beware of Mr. Baker– City 46, Fr./Sa. um 20:00 – Dokumentarfilm über den legendären Schlagzeuger Ginger Baker, der mit Bands wie “Cream” oder “Blind Faith” weltberühmt wurde.

The Golden Dream – City 46, Do., 29.5. um 19:00 – Favourites Film Festival: Mexikanischer Spielfilm um drei 15-jährige Teenager, die aus ihrem Slum in Guatemala Richtung USA flüchten. Dafür gab es den Nachwuchspreis „Un Certain Talent“ der internationalen Filmfestspiele in Cannes.

Love is Blind – City 46, Do., 29.5. um 21:00 – Favourites Film Festival. Estnischer Spielfilm um eine scheinbar geistig behindere junge Frau, die ebenso scheinbar einer Vergewaltigung zum Opfer fiel. aber was ist tatsächlich passiert?

Hijacking: Todesangst – In der Gewalt von Piraten – City 46, Fr., 30.5. um 19:00 – Favourites Film Festival. Dänischer Spielfilm um die Crew eines Frachtschiffes, die vor Somalia von Piraten als Geiseln gehalten werden.

Out in the Dark – City 46, Fr. 30.5. um 21:00 – Favourites Film Festival. Israelischer Spielfilm über einen jungen Palästinenser, der sich in einen Israeli verliebt.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 02.6. um 19:30

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 02.6. um 21:45

DVD-Rezension: „Rigor Mortis – Leichenstarre“

Von , 27. Mai 2014 20:41

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Der ehemals beliebte Schauspieler Chin (Chin Siu-ho) hat schon lange keinen Erfolg mehr. Er zieht sich in eine kleine Wohnung in einem heruntergekommenen Wohnsilo zurück. Dort versucht er seinem Leben ein Ende zu setzen, wird von seinem Nachbarn Yau (Anthony Chan) aber in letzter Sekunde gerettet. Yau, der heute Reis verkauft, war früher Vampirjäger und in dem Hochhaus soll es schon seit langer Zeit spuken. Als der alte Onkel Tung (Richard Ng) stirbt, versucht dessen Frau ihn mit Hilfe schwarzer Magie ins Leben zurückzuholen. Dabei verwandelt sich Tung in einen Vampir. Auch die anderen Geister werden immer aktiver. Chin und Yau nehmen den Kampf auf…

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Denkt man hier in Europa an Vampire, hat man zunächst Dracula und sein Gefolge vor Augen. Aber auch in Asien gibt es Vampire. Hier sind es allerdings keine Grafen, die in den Grüften verwitterter Schlösser ihr untotes Unwesen treiben, sondern hier kommt Magie ins Spiel. Besonders gewöhnungsbedürftig ist für uns die Fortbewegungsart dieser Vampire: Sie hüpfen. Im Westen sind sie das erste Mal in dem Hammer/Shaw-Brothers-Crossover „Die sieben goldenen Vampire“ aufgetaucht. Auch wenn hier Peter Cushing abermals den Grafen Dracula zu vernichten sucht, führt ihn seine Jagd nach China, wo er nicht nur Kung-Fu-Kämpfer trifft, sondern eben auch auf hüpfende Vampire. In den 80ern war dieses Sub-Genre aufgrund der sehr erfolgreichen „Mr. Vampire“-Serie sehr populär. Der Film zog drei Fortsetzungen und unzählige Imitationen nach sich.

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Auf die „Mr. Vampire“-Filme bezieht sich auch Juno Mak mit seinem Regiedebüt „Rigor Mortis – Leichenstarre“. Für die Hauptrolle engagierter er Siu-Ho Chin, der nicht nur im ersten Teil der damalige Serie dabei war, sondern auch in vielen anderen Vampir-filmen,. Er konnte aber nie außerhalb dieser Nische den großen Durchbruch feiern. Auch Anthony Chan ist aus der „Mr. Vampire“-Serie bekannt, wo er in zwei Teilen mit von der Partie war. Eigentlich hat er sich bereits 1993 aus der Schauspielerei zurückgezogen, aber für „Rigor Mortis“ ist er noch einmal aus dem Ruhestand gekommen. Richard Ng ist ein sehr bekanntes Gesicht, wenn man sich für den Honkong-Film der 80er interessiert. Damals spielte er in zwei ausgesprochen populären Komödien-Reihen mit. Den „Lucky Stars“, um Sammo Hung und Jackie Chan, sowie der „Pom Pom“-Serie um zwei unfähige Polizisten.

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Wo sich „Rigoris Mortis“ aber von dem Vorbild deutlich unterscheidet, ist sein Humorlosigkeit. Die „Mr. Vampire“-Filme waren zwar immer gruselig, hatten neben furiosen Actionszenen, aber auch einen recht hohen Humoranteil. Diesen eliminiert Mak zugunsten einer düster, bedrückenden Stimmung. Was den Actionanteil angeht, so zieht Mak zum Finale hin zwar einige Register, doch die Action steht bei ihm nicht im Fokus, sondern ist zwangsläufige Folge der Versuche der Vampirjäger, dem Grauen Einhalt zu gebieten. Diese Szenen werden von Mak sehr kompetent umgesetzt, sind aber wie der ganze Film sehr CGI-lastig. Was allerdings nicht unangenehm auffällt, da in „Rigor Mortis“ gleich von Beginn an eine sehr künstlich erscheinende Umgebung etabliert wird, und die Fähigkeiten der Kämpfer magischen Komponenten und mitnichten jahrelangem Training geschuldet sind.

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Juno Mak verlässt sich ganz auf das beeindruckende Design seines Filmes, der durchgehend in einem alten, heruntergekommenen Wohnkomplex spielt. Die leeren Gänge, durch die eine obdachlose Mutter mit ihrem Jungen, ebenso wie eine Geisterprozession, streift, verursachen dem Zuschauer tatsächlich Unbehagen. Das verwitterte, früher vielleicht einmal moderne, heute zu einem verfallenen, grauen Betonklotz verkommene Gebäude, ist unheimlicher ist als so manches Gruselschloss. Zudem besitzt Mak ein Talent dafür, eine morbid-bedrohliche Stimmung zu zaubern. Abstriche muss man allerdings bei Drehbuch und in der Charakterzeichnung machen. Der Film erzählt im Grunde eine recht einfache Geschichte, die allerdings durch eine Vielzahl von Figuren und Episoden unnötig verkompliziert wird. Dem Film fehlt der Fokus. So verschwindet die Hauptperson plötzlich für längere Zeit aus der Handlung, weil sich dies willkürlich einer Nebenfigur zuwendet. Auch ist nie wirklich klar, was für Regeln für die Vampire und ihre Bekämpfung gelten. Dies mag beim asiatischen Publikum als Grundwissen vorausgesetzt werden, beim westlichen Publikum dürften viele Aktionen auf Unverständnis stoßen.

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Ein weiteres Problem ist die wie bereits erwähnt die Charakterisierung der handelnden Figuren. Da diese zu keinem Zeitpunkt der Handlung mit einem tieferen Hintergrund ausgefüllt werden, bleiben sie einerseits flach und an der Oberfläche, andererseits erscheinen auch ihre Handlungen zufällig und unmotiviert. Der Held will sich am Anfang erhängen, da scheinbar seine Familie starb. Mehr Hintergründe braucht man zwar für die weitere Geschichte nicht, aber es wird nie richtig klar, weshalb er sein Vorhaben nicht wiederholt und sich plötzlich anfängt, für andere Menschen zu interessieren. So bleibt die Figur blass, und wenn sie dann für einige Zeit gar nicht mehr an der Handlung teilnimmt, vermisst man ihn ebenso wenig, wie man für sie jubelt, wenn sie in den Kampf gegen den Vampir zieht. Die Figur Siu-Ho Chin (die in einem netten Twist des Drehbuchs scheinbar identisch mit ihrem gleichnamigen Darsteller sein soll) ist einem egal. Auch die obdachlose Frau und ihr weißblonder Junge fremd, da wir sie nicht wirklich kennenlernen. Und bei den Motiven, warum eine liebende Ehefrau wider besseres Wissen plötzlich zur mordlüsternden Furie wird, hält sich der Film auch nicht lange auf. Neben dieser Figur ist die des Vampirjägers sicherlich die unbefriedigte, da er einerseits nicht besonders sympathisch erscheint, trotzdem aber so etwas wie das emotionale Zentrum des Filmes darstellen soll. Spannendes Mitfiebern ist somit ausgeschlossen. Der Film funktioniert rein über die visuelle Komponente.

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Juno Mak, in seiner Heimat als Popsänger berühmt geworden und hierzulande zuvor lediglich als als verzweifelter Mörder in dem in Deutschland nur extrem verstümmelt erschienenen „Revenge: Sympathy for the Devil“ (Kritik siehe hier) aufgefallen, besitzt ein gutes Auge für Bilder, die eine dichte Atmosphäre entstehen lassen und im Kopf hängen bleiben. Vor allem gilt dies für die Szenen mit dem Vampir und den beiden dämonischen Schwestern, die scheinbar in einem Wassertank aufgenommen wurden, so dass die Bewegungen der Figuren und ihrer Kleider unnatürlich verlangsamt und fließend wirken. Auch das Make-Up des Vampires ist im guten Sinnen des Wortes schauerlich. Bei den Schwestern wirkt sich aber das zu stark eingesetzte CGI eher negativ aus. Der Film weist besonders zum Ende hin einige einiger Brutalitäten und Blutstürzen auf, die aber immer im Rahmen des Erträglichen bleiben. Trotzdem verwundert es etwa, dass der Film ein FSK16 bekommen hat. Aber dies hat Ascot scheinbar gleich korrigiert, und ein paar Trailer draufgepackt, die die DVD dann doch noch mit einer FSK18-Freigabe daherkommt. Das verkauft sich bei Horror-Filmen ja auch immer besser.

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„Rigor Mortis“ versucht das Gerne des chinesischen Vampir-Films wiederzubeleben. Im Gegensatz zu dem Ende der 80er enorm erfolgreichen „Mr. Vampir“-Filmen – mit denen er sich zahlreiche Darsteller teilt – verzichte der Film allerdings vollkommen auf Humor, sondern setzt seine Geschichte ernsthaft und finster um. Dabei lebt „Rigor Mortis“ von seiner beeindruckenden visuellen Qualität. Die Charaktere bleiben aber leider genau so flach und unpersönlich, wie die Geschichte unnötig kompliziert und teilweise undurchsichtig ist.

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Das Bild der Ascot-DVD hat gute, schwarze Farbtöne und ist sehr klar. Nur an der Schärfe hätte man noch leicht nach oben regeln können. Der Ton ist gut und weiß mit einigen kleinen Effekten zu gefallen. Das 11-minütige Making-Of ist guter Durchschnitt für solche oberflächlichen Statement-Zusammenschnitte, bringt aber auch die ein oder andere interessante Information.

Das Bloggen der Anderen (26-05-14)

Von , 26. Mai 2014 22:48

bartonfink_type2– Am 15. dieses Monats starb der japanische Regisseur Norifumi Suzuki. Reda von Der breite Grat ist recht traurig darüber, dass selbst Japanfilm-Blogs diesen Mann mit nur wenigen Zeilen abgespeist haben. Also hat er selber ein langes Interview, welches er mit Suzuki 2007 geführt hat, hervorgeholt und auf seinem Blog als Nachruf veröffentlicht.

– Die Filmfestspiele in Cannes sind vorbei und der Hauptpreis ging an den Film, der von Anfang an als großer Favoit galt: „Winter Sleep“. Wer noch einmal die die letzte Woche in Cannes Revue passieren lassen möchte, kann dies sowohl bei Michael Sennhauser auf Sennhausers Filmblog, als auch auf Negativ, wo Rüdiger Suchsland ein Festivaltagebuch geführt hat, tun.

– Jean-Luc Godard war nicht in Cannes. Aber er hat einen Videobrief geschrieben, weshalb er nicht dabei ist, wenn sein neuster Film gezeigt wird. Und natürlich ist sein Brief gleich wieder ein Godard-Film geworden. Auf Daumenkino kann man ihn sich anschauen.

– Dass ich einer Verteuflung des deutschen Films sehr kritisch gegenüberstehe, hat sich sicherlich bereits herum gesprochen. Daher bin ich auch immer an Literatur zum deutschen Film interessiert und bin Sebastian dankbar, dass er auf Magazin des Glücks das mir bisher unbekannte und scheinbar gerade erschienene Buch „Nachkriegskino“ von Gerhard Bliersbach vorstellt.

– Udo Rotenberg bespricht auf L’Amore in cità die beiden „Sieben goldene Männer“-Gauner-Komödien, die 1965 bzw. 1966 von  Marco Vicario gefilmt wurden.

– Auf Hard Sensations gibt es „Reden über schreiben über Film“ – Teil 5. Diesmal mit dem supersympathischen Thilo Gosejohann, der mir manchen Satz aus der Seele spricht.

– Auch mal eine interessante Meinung. Yzordderrexxiii verteidigt „Howling 2“, den er hier unter dem mir bisher nicht geläufigen – aber durchaus treffenden – Titel „Stirba – The Werewolf Bitch“ führt. Ich fand das beste an dem Film ja immer noch den Abspann, in dem gefühlt 100x gezeigt wird, wie Sybil Danning sich das Hemd vom Busen reißt.

– Schlombie von Schombies Filmbesprechungen hat sich an die kontroverse Zoophilie-Doku „Zoo“ gewagt und hätte hier mehr erwartet. Und nachdem er den direkten Vorgänger noch sterbenslangweilig fand, hat ihm der vierte Teil der „Reitenden Leichen“ wieder Spaß gemacht.

– Letzten Dienstag habe ich „Godzilla“ im Kino gesehen. Eine Kritik brauche ich nicht zu schreiben, denn YP und PD bringen auf Filme im Dialog meinen Gedanken zu dem Film auf den Punkt.

– Neulich habe ich hier auf dem Bog das Buch „Lars von Trier goes Porno“ besprochen. Jetzt hat filmosophie auf ihrem Blog filmosophie nachgezogen.

– totalschaden hat auf Splattertrash einen der politisch unkorrektesten Filme der Shaw-Brothers-Ära an Bord. „Vier gnadenlose Rächer“, der im Original den bezeichnenden Tital „Crippled Avengers“ trägt und vier behinderte Kämpfe auf ihrem Rachepfad folgt.

– Oliver Nöding nimmt sich auf Remember It For Later die nächste Serie vor: Die „Kommissar X“-Filme, die ich hier auch schon mal am Wickel hatte. Er beginnt natürlich mit dem ersten Film: „Kommissar X – Jagd auf Unbekannt“ und kommt erst einmal bis zu Nummer Fünf Und er hat dabei viel Spaß.

– Selbst als bekennender Jess-Franco-Film habe ich doch bei dem beeindruckenden Schaffen des Spanieres immer noch Lücken. Z.B. den sehr frühen „Rififí en la Ciudad“, den Sascha Nolte auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte bespricht und ihn „den Film des Meisters, den man auch Vati, Mutti und dem Nachbarn ans Herz legen kann“ nennt. Muss ich sehen!

– Am Mittwoch startet das Japan Filmfest Hamburg und auf Japankino gibt es einige Tipps, was man sich dort ansehen sollte.

– Apropos Japan. Michael Schleeh empfiehlt auf Schneeland nachdrücklich den Film „L’Amant“ von Ryuichi Hiroki.

– Da hatte ich mich schon drauf gefreut: Ein Film aus den wiederbelebten Hammer Studios, dem ein gut aussehender Trailer vorweg geschickt wurde. Nur, wenn man die Kritik von Thorsten Krüger auf Komm und sieh durchliest, dann ist am Ende bei „The Quite Ones“ wohl nichts brauchbares herausgekommen. Schade.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood zu berichten.

– Annika Stelter ist auf Die Filme, die ich rief weiter auf Filmtour. Die aktuellen Stationen sind 1976 und 1977. Im Jahre 1976 begegnet sie ihrem großen Idol David Bowie in „Der Mann, der vom Himmel fiel“ und 1977 ist wird sie von „Eraserhead“ in eine andere Welt entführt.

– Ein deutscher Gangsterfilm, der sich an den 80ern orientiert. Das klingt interessant und die Beschreibung zu „Harms“ klingt auch nicht schlecht. Frank Schmidtke ist damit auf cineastic.de nicht ganz damit warm geworden, aber einen Blick ist das Werk sicherlich wert. Als ich die Plakate für „Edge of Tommorrow“ gesehen habe, habe ich laut gegähnt. Schon wieder ein SF-Film mit Tom Cruise? Dann habe ich im Kino den Trailer gesehen und bin zumindest neugierig geworden. Laut Ronny Dombrowski ist das Ergebnis auch gar nicht so übel ausgefallen.

– „Wenn der Wind weht“, war für mich damals nicht nur Pflichtprogramm in der Schule, sondern auch die erste (oder sagen wir zweite: „Watership Down“ war noch davor) Begegnung mit einem ernsthaftem Animationsfilm jenseits von Disney. Oliver Armknecht lässt den Film noch einmal in seinem Animations-Special auf film-rezensionen.de Revue passieren. Ferner nimmt er sich auch unseren Eröffnungsfilm des letztjährigen „Phantastivals“ vor: „Haunter“ von Vincenzo Natali, der ihm recht gut gefallen hat.

– Eine schöne Review des Films „Galgenvögel“ gibt es auf Hauptsache Stummfilm. Statt wieder einige Kurzreviews jüngerer Film mit einzubinden – wie er es in letzter Zeit immer tat – schreibt gabelinger einiges über den Hintergrund und das Personal des Filmes, was mir gut gefällt. Übrigens ist Wiliam Wylers „Galgenvögel“ eine weitere Verfilmung des „Three Godfathers“-Stoff, den auch John Ford zweimal verfilmte.

– Lukas Foerster bespricht auf Dirty Laundry den japanischen Film „The Shadow of Fear“, den Ko Nakahira 1964 inszenierte. Das klingt alles sehr interessant. Ich halte mal die Augen nach diesem Streifen offen.

– Alexander Matzkeit hat auf dem Stuttgart International Festival of Animated Film den belgischen Regisseur Ben Stassen interviewt. Das ganze Interview (auf Englisch) findet man auf real virtuality.

Und zu guter Letzt: Eine Liste der 10 durchschlagensten, fiktiven Filmdrogen auf Reihe Sieben. Darauf ein Moloko Plus!

DVD-Rezension: “Das Grauen kommt nachts”

Von , 22. Mai 2014 21:44

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Dr. Herbert Lyutak (Mickey Hargitay) ist ein Serienkiller, der versucht junge Mädchen zu vergewaltigen, und sie dann umbringt. Gleichzeitig arbeitet der Psychiater aber auch eng mit der Polizei zusammen, die vergeblich versucht die Morde aufzuklären. Als eines Tages ein Mord geschieht, der nicht auf Lyutaks Konto gehen, versucht er auf eigene Faust herauszufinden, wer dahinter steckt.Dabei dreht sich die Spirale von Mord und Wahnsinn immer schneller…

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„Heißes Delirium“ würde der italienische Originaltitel übersetzt heiße. Der deutsche Titel lautet etwas irreleitend „Das Grauen kommt nachts“. „Heißes Delirium“ trifft es aber besser. Denn im Delirium dürfte sich so mancher Zuschauer nach diesem Erlebnis fühlen. Es ist auch etwas schwer, eine Kritik zu Renato Polsellis Werk zu verfassen, denn dazu muss man eine gewollte Objektivität ablegen und versuchen, dem werten Leser ein Gefühl davon zu vermitteln, was der Film mit einem macht. Wer es nicht schafft, in den Rausch, den Film auslösen kann, einzutauchen, lustvoll zu delirieren und sich einfach vom überbordenden Wahnsinn mitreißen zu lassen, der wird nur kopfschüttelnd davor stehen und diejenigen, die von „Das Grauen kommt nachts“ so begeistert schwärmen, als arme Irre („Ich liebe Dich, aber ich bin ein impotenter Irrer!“) abstempeln. Er wird nur die abstruse, zum Teil hoffnungslos unlogische Handlung sehen, ohne sich an ihrer Bizarrheit („Ich bin’s. Der Kartoffel“) erfreuen zu können. Mickey Hargitays hemmungsloses Grimassieren („Ich haben einen instinktiven Verdacht metaphysischen Charakters“) wird diesem Zuschauer wahrscheinlich ebenso sauer aufstoßen, wie die enervierenden „Marzia!“-Rufe am Ende des Filmes. Er wird es nicht als Ausdruck des Irrsinns, der von der Leinwand auf den sich dem Film bedingungslos öffnenden Enthusiasten ergießt, wahrnehmen können. Polselli zeigt eine andere Welt, einen anderen Film. Eine in der das Delirium regiert und die Akteure nicht mehr aus seinen Krallen entlässt.

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Der Film erschien Anfang der 80er Jahre bei einem obskuren Video-Kleinstlabel, welches wohl auch die Synchronisation in Auftrag gab. Da augenscheinlich nicht viel Geld zur Verfügung stand, muss hier der billigste Anbieter genommen worden sein. Die Synchronisation klingt zu keinem Zeitpunkt so, als wüssten die Verantwortlichen, was und wie sie das da eigentlich vertonen sollten. Die Dialogen scheinen zum Teil so wortwörtlich aus dem Italienischen übersetzt worden zu sein,  so dass sie, in die deutsche Sprache überführt, ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben und dafür nun zu holprigen Seltsamkeiten verkommen sind, die auf ihre Art und Weise dann fast schon wieder wie ein poetisches Dada-Gedicht klingen. Hinzu kommen Sprecher, die zwischen Hysterie und Apathie oszillieren und keine Zwischentöne zu kennen scheinen. Doch dieses nur scheinbare Manko potenziert den seltsam ausserweltlichen Effekt des Filmes noch. Insbesondere der Sprecher des Dr. Lyutak, der etliche Jahre älter klingt als die Figur, deklamiert seine Sätze mit dem Charme einer leiernden Schallplatte, die zu langsam abgespielt wird. Doch auf eine seltsame Art und Weise passt es. Wenn Mickey Hargitay sich wie wild durch das Gesicht fährt und dabei nicht das manische Geschrei der italienischen Originaltonspur, sondern die melancholisch-monotone Synchronstimme erklingt, hat dies einen Verfremdungseffekt, den viele avantgardistische Regisseure suchen, und der hier ganz zufällig gefunden wird.

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Polsellis Film macht vielen falsch, aber dabei alles richtig. Lange Zeit glaubte ich, dass die Handlung keinen Sinn machen und nur Vorwand für möglichst viel nackte Haut und grimassierende Schauspieler liefern würde. Nun, beim vierten oder fünften Mal, dass ich diesen Film sehe, habe ich plötzlich den roten Faden entdeckt und festgestellt, dass mein erster Gedanke falsch war. Tatsächlich gibt es eine nachvollziehbare und – in den Grenzen des Genres – sogar logische Handlung. Nur ist diese unter meterdickem Irrsinn verborgen (und auch die „ungewöhnliche“ Synchronisation führt einen hier und dort auf die falsche Spur). Polselli packt einfach viel zu viel Fleisch auf sein Handlungsgerüst, so das dieses also solches kaum noch wahrnehmbar ist. Seien es Mickey Hargitays enthusiastische Darbietung, die knalligen Farben und freizügigen Traumsequenzen oder der lustige Kartoffel, aufdreht wie eine Louis-de-Funes-Imitation der B-Klasse. Dann sind da die Morde und die sich wie im Fieberwahn drehende, völlig unberechenbare Kamera. Und selbstverständlich diese unglaublichen Figuren, die immer agieren, als würden sie sich in einer nur ihnen bekannten, für alle anderen nicht sichtbaren, Realität bewegen.

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Und dann gibt es auch noch Rita Calderoni. Wahrscheinlich ist sie im traditionellen Sinn eine schlechte Schauspielerin, aber bei Gott, sie ist eine begnadete Darstellerin. Sie umweht eine spezielle Aura, die man nicht in Wort fassen kann. Würde man es tun, hörte es sich wahrscheinlich platt und hilflos an. Sie ist nicht göttlich schön wie Edwige Fenech, nicht von dieser unbedingten Präsenz wie Barbara Steele. Aber sie umweht eine ihr ganz eigene, kummervolle Erotik. Sie ist die Frau mit der man schlafen will, obwohl man weiß, dass es ein Fehler ist, weil sie voller Probleme und trauriger Geschichten steckt. Diesen Effekt wusste Polselli nicht nur hier zu nutzen, er verströmt auch in seinen anderen Werken, in welchen er Rita Calderoni immer wieder einsetzte. Und auch bei anderen Regisseuren brachte sie diese spezielle Qualität mit. Wenn sie in „Nuda per Satana“ von Luigi Batzella, in einem Spinnenetz hängt und von einer schlecht getricksten Plüschspinne angegriffen wird, behält sie trotzdem noch diese melancholisch-würdevolle Haltung.

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Meine erste Erfahrung mit „Das Grauen kommt nachts“ machte ich irgendwann in der zweiten Hälfte der 90er Jahre. Mangels allgegenwärtiger Verfügbarkeit obskurer Filme, verabredete man sich im damals noch jungen Internet in Newsgroups (Foren in der heutigen Form gab es noch nicht) oder in Mailinglisten, um untereinander Videotapes zu tauschen. Eines Tages fiel mir auf diese Weise auch „Das Grauen kommt nachts“ in die Hände. Es war eine Kopie der wasweißichwievielten Generation. Die Bildqualität war dementsprechend und bei einer Szene rätselte ich lange, ob ich sie nur nicht verstand, weil das Bild so schlecht war, und ich nicht wirklich sehen konnte, was vor sich ging, oder weil sie einfach keinen Sinn machte. Auf jeden Fall faszinierte mich dieser seltsame Film augenblicklich. Bald schon fand ich heraus, dass es unterschiedliche Versionen des Filmes gab und tatsächlich stolperte ich schon bald ein anderes Tape, auf dem sich eine Fassung befand, die sich in einigen Szenen deutlich von der mir bekannten unterschied. Z.B. durch den Anfang, der plötzlich in Vietnam spielte. Leider hatte auch diese Version eine lausige Bildqualität und die oben gestellte Frage nach dieser bestimmten Szene stellte sich mir noch immer. Jahre später ließ mir ein guter Mann eine Kopie der US-DVD zukommen und erstmals erstrahlte der Film in seinem ganzen Glanz (auch wenn man auf die surreale deutsche Tonspur verzichten musste). Auch das Rätsel wurde gelüftet. Es lag einerseits am schlechten Bild, andererseits schaut in dieser Szene jemand durch eine löchrige Wand und kann auch nichts erkennen. Als nun filmArt eine deutsche DVD ankündigte, war dies nicht nur für mich ein Grund für uneingeschränkte Euphorie, die sich bei der Aussicht auf gleich vier verschiedene Schnittfassungen zur Ekstase wandelte.

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„Das Grauen kommt nachts“ ist kein Film für jedermann. Die einen werden ihn als langweiligen und unglaublich schlecht gemachten Müll abtun. Andere werden sich über den Film und seine offensichtlichen Unzulänglichkeiten schief lachen, um ihn anschließend als „Trash“ abzufeiern. Und dann gibt es noch die, denen sich seine somnambule Seltsamkeit ins Herz schleicht. Für diese stellt diese perfekte Edition ein wahres Schatzkästchen dar.

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Als Freund des Filmes „Das Grauen kommt nachts“, muss man filmArt für diese Doppel-DVD zu tiefem Dank verpflichtet sein. Diese kommt nämlich gleich mit vier (!) unterschiedlichen Fassungen daher. Wer sich in der Vergangenheit mit „Das Grauen kommt nachts“ beschäftigt hat, weiß sicherlich, dass der Film immer wieder in anderer Form aufgetaucht ist, was seinen Mythos nur noch verstärkt hat. Die erste Scheibe enthält die Hauptfassung, also quasi den „Director’s Cut“. Es ist der Film, wie er damals in Italien veröffentlicht wurde, d.h. ohne Vietnam-Bezüge. Diese Fassung läuft 97:34 Minuten und besitzt ein wunderbar klares und farbintensives Bild. So gut hat man den Film – zumindest in Deutschland – bisher nicht zu Gesicht bekommen. Ferner wird diese Scheibe noch um die sogenannte „Sex-Fassung“ (93:41 Minuten) ergänzt. Um Gerüchten, die im Internet herumschwirren, gleich den gar aus zu machen: Dies ist keine Hardcore-Variante. Es werden alternative Szene aus einer sehr schlechten Quelle (scheinbar von einem bereits häufig kopierten VHS-Tape) hineingeschnitten. Der auffälligste Unterschied ist der Mord Miss Heindrich, der hier gänzlich anders und sehr viel offenherziger vollzogen wird. Auf der zweiten Scheibe befindet sich die deutsche Langfassung. Dies ist im Grunde die italienische Fassung mit dem Vietnam-Vorspann und einem anderen Ende (99:23Minuten). Die deutsche Kurzfassung (79:01 Minuten) besitzt auch den Vietnam-Vorspann, ist aber massiv gekürzt. Als quasi fünfte Version findet man auch der Scheibe noch die Szenen, die nur in der US-Fassung vorkommen. Diese laufen zusammen knapp eine halbe Stunde und haben es in sich. So gibt es nur hier zwei zusätzliche Morde, die in keiner anderen Fassung vorkommen. Eine dieser Szenen ist komplett neu, in der anderen nimmt eine bereits bekannte Sequenz einen gänzlich anderen, mörderischen Ausgang. Ferner gibt es es noch weitere zum Teil drastische Abweichungen von der italienischen Fassung und auch das Ende ist neu. Die Szenen liegen in exzellenter Qualität vor, daher finde ich es sehr schade, dass die US-Fassung nicht komplett auf der Scheibe ist. Ich hätte dies besser gefunden als die zusammengestückelte Sex-Fassung – aber Sex verkauft sich eben besser. Neben diesen vielen Fassungen hat es auch das Special „The Theorem of Delirium“ von der US-DVD auf diese Veröffentlichung geschafft. Hier gibt es knappe 15 Minuten lang Interviews mit Renato Polselli und Mickey Hargitay. Ein weiteres Highlight ist der hervorragende Audiokommentar von Christian Keßler und Pele Felsch, der die italienische Fassung begleitet. Besonders schön: Christians überschäumende Begeisterung, als er das erste Mal das Ende dieser Version sieht. Desweiteren gibt es als PDF noch einen Fotoroman des Filmes. Wie immer ist auch wieder ein ausführliches Booklet dabei. Geschrieben von Heiko Hartmann, der am Ende Christian Keßler und Ivo Ritzer dankt, deren sehr speziellen und unterschiedlichen Schreibstile er in seinem Booklet zusammenführen möchte. Ob ihm dies gelungen ist, mag jeder selber entscheiden. Mir hat dieser Schreibstil überhaupt nicht zugesagt, auch wenn eine Menge Informationen zum Film untergebracht wurden.

35mm und Digitales Kino – Good Vs. Evil?

Von , 21. Mai 2014 21:16
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Blick in den Projektionsraum des alten Kino 46.

In seinem Blog Digitale Leinwand hat Gerold Marks die Frage aufgeworfen: „Was hat das Digitale Kino für euch in den letzten 5 Jahren verändert?“ und andere Blogs aufgefordert, im Rahmen einer „Blogparade“ zu dieser Frage Stellung zu beziehen.

Darauf hatte Alexander Matzkeit in seinem Blog real virtuality mit einem etwas provozierenden Text geantwortet. Überspitzt formuliert sagt er darin aus, dass das Festhalten an 35mm-Material (oder CDs oder Büchern) den Datenträger über den Inhalt stellt. Er schreibt u.a.: „Wer dem Rattern des Projektors, der puren Existenz des Filmmaterials, dem Krisseln des Korns hinterherweint, betreibt Fetischismus. Er oder sie ersetzt das Erlebnis Kino durch eine physische Manifestation, die auf einer Ansammlung historischer Zufälle basiert, egal wie bewährt sie sein mag. Er oder sie begrenzt die Utopie dessen, was Kino sein kann. Was Kino werden muss.“ Zu diesem Artikel hatte ich einen längeren Kommentar verfasst, der zu einer kurzen Diskussion führte. Am Ende bat mich Alex, meine Gedanken doch als Teil von Gerolds oben erwähnter Blogparade auf meinen Blog zu stellen. Dies möchte ich jetzt hier auch in überarbeiteter und ergänzter Fassung tun.

Objektiv gesehen hat Alex ja ganz recht mit Deiner Forderung sich vom “Krams” zu trennen und am Ende allein die Information/die Daten zu behalten, nicht aber „die Konserve“ in der sie steckt. Seine Argumente sind auch rational absolut nachvollziehbar. Natürlich zählt in erster Linie der Inhalt, nicht der Träger. Die Musik, nicht die CD. Der Film, nicht die DVD. Die Geschichte, nicht das Buch.

Allein – ich kann diese Ansicht nicht teilen. Da grummelt es bei mir im Bauch, wenn ich lese “Meine Musik kaufe ich (fast nur noch) digital, meine Bücher lese ich (wann immer es sich lohnt) auf dem Kindle” oder “All das Gerede von Haptik und “es gibt sie noch, die schönen Dinge” zündet bei mir nicht mehr”, obwohl ich vom Kopf her weiß dass dieses Grummeln nicht gerechtfertigt ist. Vielleicht liegt es zum Teil daran, dass ich in meinem Leben nicht so häufig umgezogen bin, wie Alex. Bei jedem Umzug trennt man sich ja von Überflüssigen. Bei meinem letzten Umzug sind fünf Umzugskisten mit kopierten VHS-Tapes (also keine Originale) auf die Mülldeponie gewandert (drei Kisten mit Raritäten habe ich allerdings behalten). Ich habe es in knapp 44 Jahren auf gerade einmal zwei Umzüge “geschafft”. D.h. ich habe mir immer sehr langfristig ein “Nest” gebaut. Und in dieses Nest gehören für mich die Dinge, die ich liebe. Meine Bücher, meine Comics, meine Filme, meine CDs/LPs. Ich mag es noch immer, einfach mal am Regal entlangzugehen und die Bücherrücken anzusehen, hier und da mal wieder ein Buch (oder eine DVD) daraus in die Hand zu nehme, drin zu blättern und es wieder zurückzustellen. Es gibt mir ein gutes Gefühl, es ist eine Liebe zum Inhalt, der sich in einer festen, “begreifbaren” Form ausdrückt.

Ich habe lange Diskussionen mit Bekannten geführt, die sich keine CDs mehr kaufen, sondern alles über Spotify & Co. digital beziehen. Deren Argumente pro digital waren unschlagbar. Aber für mich ist das trotzdem nichts. Ich kann es nur nicht “hart” begründen, da es vor allem mit “weichen” Faktoren zu tun hat. Eben der Bauch, der mir sagt: “Du musst es anfassen können”. Die Nostalgie, das Gefühl, wie es früher war – im analogen Zeitalter – wenn man ein Buch oder eine LP von seinem knappen Taschengeld gekauft hat. Ich denke, mit objektiven Argumenten kommt man hier auch nicht weiter, weshalb so manch leidenschaftlich geführten Debatten zu diesem Thema am Ende zu nichts führen. Man ist so oder so gestrickt und ich denke, das eigene Verhalten hängt auch viel von den Umständen ab, in denen man groß geworden ist. Ich habe es z.B. schon als Kind geliebt, in Museen zu gehen, in Bibliotheken herumzustöbern und war immer stark beeindruckt von riesigen Bücherwänden. Ich habe den Geruch der Bücher aufgesogen, die Seiten befühlt und fand das großartig. Ebenso ist das mit Film.

Und hier bekomme ich endlich auch den Schlenker zu Gerolds Frage auf „Digitale Leinwand“ hin. Klar, hat digitales Kino sehr viele Vorteile. Aber ich bevorzuge weiterhin 35mm. So, wie Vinyl-Sammler, die CDs auch nur im Notfall kaufen und immer von der “Seele” reden, die im digitalen Prozess verloren geht. Wie sie das Knacken und Knistern als “Lebenszeichen” der LP sehen, welche ihre Geschichte erzählt, so geht es mir mit Filmkratzern, Bildsprüngen oder ähnlichem bei einem 35mm-Film. Natürlich kann/sollte man das vom Film selber trennen. Hier erlebt man Bild und Ton, dort eben das Material. Aber für mich ist das eine Einheit. Wenn ich eine alte 35mm-Kopie sehe, dann weiß ich, dass sie “ein Leben” hinter sich hat (und ich finde auch das Bild lebendiger). Das ist wahrscheinlich eine hoffnungslos romantische (und vielleicht auch falsche) Vorstellung, aber was wäre das Leben ohne ein bisschen Romantik?

“Wer dem Rattern des Projektors, der puren Existenz des Filmmaterials, dem Krisseln des Korns hinterherweint, betreibt Fetischismus.” schreibt Alex. Ja, das mag stimmen. Aber ich sehe jetzt nicht, was daran so schlimm sein soll? Der eine mag es so, der andere so. Meiner Meinung nach ist es ebenso falsch 35mm als überholt und unnötig abzutun, wie digitale Technik zu verdammen. Ich bin vergangenen Sonntag ganz bis nach Hamburg gefahren, um beim „Monster machen mobil“ dabei zu sein. Zu sehen gab es “Gruft der Vampire” (den ich auf DVD habe) und „Die 3 Supermänner räumen auf“. Ersterer war eine recht gute Kopie, letzterer extrem rotstichig und voller Sprünge und „Schnee“ bei den Rollenwechseln. Hat es mir etwas ausgemacht? Nein, nicht im Geringsten. Eher ganz im Gegenteil. Das Prinzip eines Festivals wie „Monster machen mobil“ ist es eben, Filme so zu zeigen, wie sie ursprünglich für das Kino gedacht waren: Auf 35mm. Und das Publikum hier will es auch nicht anders sehen. Sie bringen dem 35mm-Material die gleiche – ja, nennen wir es ruhig fetischistische – Liebe entgegen wie ich. Ich will diese Filme nicht digital sehen! Auch wenn die Kopien in noch so schlechtem Zustand sind, ich würde sie immer als „Original“ bevorzugen. Wenn diese Filme digital aufbereitet werden, sehen sie in meinen Augen nicht mehr „echt“ aus. Es fehlt mir das Flair, es fehlt mir das Leben. Nein, objektiv bin ich da nicht. Ich kann nur sagen, dass das Kino gut gefüllt war und ich glaube, niemand hätte hier eine digitale Version der Filme vom Beamer sehen wollen. Jeder wollte 35mm „schmecken“.

Aber dies ist sicherlich nicht repräsentativ. Für unsere Reihe „Weird Xperience“ im Kommunalkino City 46 waren (und sind) wir immer bemüht, unsere Filme als 35mm Kopien zu zeigen. Einmal begab es sich beim „Killer von Wien“, dass die 35mm Kopie für die erste Vorstellung am Donnerstag nicht verfügbar war und stattdessen eine DVD gezeigt wurde. Als wir davon am Sonntag erfuhren (dort war die zweite Vorstellung angesetzt und die 35mm-Kopie endlich da), waren wir darüber entsetzt und fragten, wie viele Zuschauer denn deshalb dann wieder nach Hause gegangen seien. Die Antwort: Niemand. Es war ihnen egal.

Gestern war ich wieder im Kino. Im Cinemaxx bei Gareth Edwards “Godzilla”. In 3D. Hat es mir etwas ausgemacht, dass der Film digital war? Nein, hat es nicht. Der Film wurde digital gedreht, da kann man ihn auch digital zeigen. Moderne Filme sind ja auf diesen klaren, brillanten – böse Zungen würden behaupten „sterilen“ – Look ausgelegt. Die künstlerische (oder auch kommerzielle) Entscheidung war es von Anfang an, digital zu drehen. Digital ist auch nicht böse. Es kann auch verdammt gut aussehen und es ist beeindruckend, wenn man jedes noch so kleine Härchen messerscharf auf der riesigen Leinwand sehen kann. Es ist eben ein anderes Filmerlebnis, als die zuvor beschriebenen 35mm-Vorführungen. Und es ist die Zukunft. Damit muss man sich abfinden, denn 35mm wird schon sehr bald nur noch ein Format für Liebhaber sein und die allerwenigsten Produktionen werden auf echtes Filmmaterial zurückgreifen.

Ich sehe das wie bei Fotokameras. Fast jeder hat eine Digitalkamera, aber ein paar wenige schwören weiterhin auf echten Film. Ich würde einmal behaupten, beiden Fraktionen machen schöne und weniger schöne Fotos. Ich für meinen Teil finde, dass schöne Fotos auf Film besser aussehen, wärmer sind. Aber wenn derjenige, der die Fotos geschossen hat nun einmal keinerlei Talent hat, ist es egal ob er eine digitale oder analoge Kamera benutzt. Das Ergebnis wird immer Schrott sein.

Weitere Teilnehmer an dieser Blogparade zum Thema „Digitales Kino“:

http://schoener-denken.de/
http://celluloidcerebro.wordpress.com/

Originalfassungen in Bremen: 22.05.14 – 28.05.14

Von , 21. Mai 2014 20:48

Wieder eine O-Ton-Woche, bei der man nicht groß Meckern kann. Einige Blockbuster, aber auch stille, kleine Filme. so könnte es von mir aus jede Woche sein.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit – Cinemaxx, Fr.+So. um 20:20 in 2D und Do., Sa., Mo. um 19:30 in 3D & Cinestar; 25.5. um 20:00 – Der bereits siebte (!) X-Men-Film setzt eine der beliebtesten Kapitel der Comic-Saga in bewegte Bilder um: Days of Future Past. Für Marvel-, Comic- und vor allem X-Men-Fans ein Fest und Muss. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, wenn ich auch bezweifle, dass aufgrund der mittlerweile unzähligen Figuren und der doch durchaus komplizierten Storyline bisherige Nicht-Fans der Serie und der Comics, das gleiche Vergnügen bei dem Film haben werden, wie „Eingeweihte“.

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Urlaubsreif – Cinemaxx, Fr.+Di. um 19:30 – US-Komödie mit Adam Sandler und Drew Barrymore als zwei Alleinerziehende Eltern, die sich nicht ausstehen können und zufällig im Urlaub in Afrika wieder aufeinandertreffen.

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Godzilla 3D – Cinemaxx, So., 25.5. um 19:30 – Der/die/das große Grüne ist zurück! Unter der Regie des Briten Gareth Edwards steigt Gojira wieder aus den Fluten. Die Kritiken für den Film (u.a. vom Godzilla-Experten Jörg Buttgereit) sind durch die Bank weg gut. Ich selber bin ein wenig zwiegespalten. Die Mosntersequenzen, die Atmosphäre und die vielen Anspielungen sind schlichtweg großartig. Allerdings gibt es auf Seiten des Drehbuchs eine gewaltige Logiklöcher und die Charaktere sind auch eher blass. Trotzdem ist der Film für Godzilla-Freunde sehenswert.

Bad Neighbors – Cinemaxx, So., 25.5. um 17:45 – US-Komödie mit den Stars Seth Rogen und Zac Efron. Neben einem etwas spießigen Ehepaar mit Baby zieht eine feierwütige Studentenverbindung ein.

Zulu – Schauburg, So., 25.5. um 21:00 – Thriller von “Largo Winch”-Regisseur Jérôme Salle.  In Südafrika ermittelt ein Polizei-Team in einen Mordfall, der sie in die Zeit der Apartheid zurückführt. Mit Forrest Whitaker und Orlando Bloom.

Paris um jeden Preis – Schauburg, Mi., 28.5. um 19:30 – Französischer Film um eine Pariser Designerin mit marokkanischen Wurzeln, deren Aufenthaltsbewilligung abgelaufen ist und die sich nun plötzlich in Marokko zurechtfinden muss.

Die zwei Gesichter des Januars – Atlantis, So., 25.5. um 20:00 – Thriller nach Patricia Highsmith mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst und Oscar Isaac in den Hauptrollen. Regiedebüt des Drehbuchautoren Hossein Amini mit der Musik des Bremer-Filmpreis-Trägers Alberto Iglesias. 1962 befreundet sich ein junger Amerikaner in Athen mit einem amerikanischen Ehepaar und wird in der Folge in einen Mord hineingezogen.

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Watermark – Cinema, Do.-Mi. (außer So.) immer 17:00 – Dokumentarfilm über die Bedeutung des Wassers für das Leben.

Beware of Mr. Baker – City 46, Do.,So.,Mo. und Mi. immer um 20:00 – Dokumentarfilm über den legendären Schlagzeuger Ginger Baker, der mit Bands wie „Cream“ oder „Blind Faith“ weltberühmt wurde.

Die Haut, in der ich wohne – City 46, Sa. 20:30 und Mo. 18:00 – Großartiger Psycho-Thriller mit Horror und SF-Untertönen des spanischen Meisterregisseurs Pedro Almodovar. Mit einem tollen Antonio Banderas in der Hauptrolle.

My beautiful country – Die Brücke am Ibar – City 46, Di., 27.5. um 19:00 – Das Favourites Film Festival (FFF) beginnt im City 46 mit diesem Film, der beim FFF in Berlin 2013 den Publikumspreis Berlin gewann. Im Kosovokrieg 1999 verliebt sich eine junge serbische Witwe in einen schwer verletzten albanischen Soldaten.

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 26.5. um 20:20

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 26.5. um 21:45

Französische Sneak Preview – Gondel, Mi., den 28.05. um 21:00

Filmbuch-Rezension: CineGraph (Hrsg.) “Verboten! Filmzensur in Europa”

Von , 20. Mai 2014 19:06

verboten_filmzensur in europaDas cinefest ist ein internationales Festival des deutschen Film-Erbes, welches seit 2004 jährlich in Hamburg stattfindet und von dem Teile dann später noch in den Städten Berlin, Prag, Wiesbaden, Zürich und Udine gezeigt werden. Veranstaltet wird es von CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung und dem Filmarchiv des Bundesarchivs in Berlin. Das cinefest ist aber nicht nur ein Filmfestival, sondern auch ein filmwissenschaftlicher Kongress, der sich jedes Jahr ein anderes europäisches Filmthema vornimmt. Passend zum Kongress werden dann thematisch passende Filme gezeigt. So wurden Vergangenheit zu hochinteressante Themen wie z.B. „FilmEuropa Babylon. Mehrsprachenversionen der 1930er Jahre in Europa“, „Film im Herzen Europas. Deutsch-Tschechische Filmbeziehungen im 20. Jahrhundert“, „cinema trans-alpino. Deutsch-Italienische Filmbeziehungen“ oder „Europas Prärien und Cañons. Western zwischen Sibirien und Atlantik“ bearbeitet. Im letzten Jahr war es „Verboten! – Filmzensur in Europa“. Hierzu ist auch wieder ein schöner Katalog bei der edition text+kritik erschienen.

Wobei der Begriff „Katalog“ viel zu kurz fasst. Es ist vielmehr ein reich bebildertes Buch zum Thema Filmzensur, welches auch unabhängig von der Veranstaltung cinefest gelesen werden kann und viele interessante Informationen bereit hält. Es ist also nicht zwangsläufig notwendig, die im Buch vorgestellten File auf dem cinefest gesehen zu haben. Das Buch gliedert sich in sechs größere Abschnitte, die jeweils durch einen kurzen Text eingeführt werden. Der erste handelt von Filmzensur in der Weimarer Republik und beinhaltet nach einem kurzen Text von Olaf Brill (Autor des „Caligari Complex“) u.a. solche bekannten Werke wie „Cafe Electric“ und „Panzerkreuzer Potemkin“.

Im zweiten Teil geht es um Zensur in der NS-Zeit. Neben „skandalösen“ Werken wie „Ekstase“, sind es hier auch Werke, die den Herrschenden zu Avantgardistisch waren, wie „Das Stahltier“. Der dritte Teil handelt dann von der Bundesrepublik, wo es zu vielfältigen Zensurmaßnahmen kam. Sei es die verfälschende Synchronisation und die massiven Kürzungen, die in „Casablanca“ sämtliche Nazis verschwinden ließ, die nackte Knef in „Die Sünderin“ oder Peter Fleischmanns böse Sexfim-Parodie „Dorotheas Rache“.

Im vierten Teil richtet sich der Blick auf die DDR und Filme wie „Das Beil von Wandsbek“ und „Die taube auf dem Dach“. Ein besonderer Augenmerk wird auch auf die verbotenen DEFA-Trickfilme gelegt. Danach wird im fünften Teil die tschechische Filmzensur, u.a. anhand eines der berühmsten tschechischen Filme, Milos Foremans „Der Feuerwehrball“, untersucht.

Abschließend wird noc ein Blick nach England geworfen, wo es auch immer wieder Probleme mit der Zensur gab, z.B. bei Ken Rusells „Die Teufel“. Ein besonders kurioser Fall ist Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ ist, den der Regisseur nach massiven Anfeindungen persönlich aus Großbritannien verbannte.

Zu jedem Film gibt es umfangreiche Stab und Inhaltsangaben, einen informativen Text zum Hintergrund und der Zensurgeschichte, sowie zeitgenössische Kritiken. Gerade letztere sind sehr interessant zu lesen, da sie sich einerseits häufig die Meinung der Zensoren zu eigenen machen, andererseits ein gutes Bild von der gesellschaftlichen und politischen Stimmung zeichnen, in der die Filme damals uraufgeführt wurden.

Neben den sechs eben angesprochenen Komplexen, finden sich im Buch noch einige spannende Dokumente, wie z.B. ein feuriger Brief von Stanley Kubrick an einen Filmkritiker, der seinem Film „Uhrwerk Orange“ damals faschistisches Gedankengut unterstellte. Ein kleines Zensur-Lexikon erklärt die wichtigsten Begriffe und Institutionen.

Das Buch enthält auch einige Werbeseiten, die zwar thematisch zum cinefest passen, andererseits den Leser, der für das Werk 25 Euro hingeblättert hat, möglicherweise befremden. Dazu sei gesagt, dass das Buch in erster Linie eben der Katalog zum Festival und Kongress ist und damit wahrscheinlich auch ein Teil dieses Sponsorings auch das cinefest mit finanziert. Zum anderen enthält das Buch eine DVD, auf der neben drei ehemals verboten oder zensierten Kurzfilmen aus Deutschland („Polizeibericht – Überfall“ (1928), „Zwei Windhunde“ (1934) und „Besonders wertvoll“ (1968), sowie umfangreichen Textmaterialien, auch ein kompletter Spielfilm zu finden ist. Bei diesem handelt es sich um die DDR-Produktion „Jadup und Boel“ von Rainer Simon, der auch im Buch besprochen wird.

„Verboten! – Filmzensur in Europa“ bietet einen sehr guten Einstieg ins Thema und weckt die Neugierde, sich eingehender mit dem Thema und den hier vorgestellten Filmen zu beschäftigen. Hierzu wäre vielleicht eine weiterführende Literaturliste hilfreich gewesen. Auf diese muss man allerdings verzichten. Aber dies ist nur ein kleiner Kritikpunkt an einem spannenden und informativen Buch.

CineGraph (Hrsg.): „Verboten! Filmzensur in Europa“, edition text + kritik, 168 Seiten und eine DVD. Euro 25.00

Das Bloggen der Anderen (19-05-14)

Von , 19. Mai 2014 22:12

bartonfink_type2– Letzte Woche verstarb der österreichische Regisseur Michael Glawogger. Überraschenderweise hinterließ dies keine so große Resonanz in den Blogs, wie ich erwartet hätte. Ich selber kenne (noch) zu wenig von ihm, um einen Nachruf zu verfassen, deshalb verweise ich gerne auf Film im Dialog, wo sich YP und PD ausführlich mit Glawoggers Werk auseinandersetzen.

– Ebenfalls viel zu früh verstorben ist der Künstler H.R. Giger, der auch einige wegweisende Designs für Filmkreaturen erschuf. Am bekanntesten dürfte das Alien aus dem gleichnamigen Film sein. Auf Facebook löste sein Tod eine wahre Lawine an Kommentaren aus, in den Blogs blieb es aber auch hier seltsam ruhig. Den einzigen längeren Nachruf habe ich bei den Fünf Filmfreunde gefunden.

– Die Filmfestspiele in Cannes haben diese Woche begonnen. Für Negativ schreibt Rüdiger Suchsland über Filme und Erlebnise rund ums Festival.

– Auch Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog schreibt über das diesjährige Festival.

– Auf critic.de interviewt Frédéric Jaeger den ehemaligen Chefredakteur der Cahiers du Cinéma Charles Tesson, der seit drei Jahren die älteste Nebenreihe der Filmfestspiele von Cannes, die Semaine de la Critique, leitet.

– Gerade in den Kinos angelaufen: Der deutsche Genrebeitrag „Stereo“, der mit Rüdiger Vogel und Moritz Bleibtreu zwei zugkräftige Namen aufbieten kann. Die Kritiken sind auch nicht schlecht, wie z.B. auf Filmgazette, wo ihm Harald Steinwender 8 von 10 Punkten gibt und Oliver Armknecht von film-rezensionen.de ist mit 7 von 10 dabei.

– Auf B-Roll findet sich dann ein Interview mit dem Regisseur von „Stereo“, Maximilian Erlenwein. Interessanterweise berichtet er, dass die größte Unterstützung bei seinem Film vom ZDF mit seinem „Kleinen Fernsehspiel“ kam. Wenn man sich vor Augen führt, dass die auch den Zombiefilm „Rammbock“ durchgewunken haben, scheinen an dieser Stelle genau die richtigen Leute zu sitzen und man kann gespannt sein, was sich dort in der Zukunft noch tut. Anlässlich des 10jährigen kino-zeit.de Jubiläums gibt es auch wieder ein Interview mit einem „Talent to watch“. Diesmal der Filmemacher Thomas Lauterbach.

– Lukas Foerster hat „The Legend of Hercules“ von Renny Harlin gesehen. Als ich neulich den Trailer sah, habe ich die Hände vors Gesicht geschlagen. Nun lese ich bereits zum zweiten Mal die Meinung, dass dieser Film zwar nicht das ist, was man erwartet, aber so exzentrisch und eigenwillig, dass er zu etwas ganz anderem wird. Klingt seltsam, aber wenn man Lukas Foersters Text auf seinem Blog Dirty Laundry liest, versteht man, was gemeint ist.

Mein Lieblingstext der Woche stammt von Dennis Vetter und ist auf Eskalierende Träume zu finden. Dort verknüpft er den Blog Eskalierende Träume, seine Leser und die Leute dahinter mit dem Flugblatt für aktivistische Filmkritik, welches in Oberhausen entstand und bereits bei beim letzten „Bloggen der Anderen“ Thema war. Schön geschrieben und motiviert einen einmal mehr zu eigenen, leidenschaftlichen Texten zum Thema Film.

– Dennis‘ Text wird auch auf Revolver zitiert, wo sich Christoph Hochhäusler so seine Gedanken zum Thema macht.

– Auf seinem eigenem Blog Parallel Film hat der Filmemacher eine kleine Galerie einsamer Männer eingerichtet.

– Auf Filmosophie schreibt filmosophie über den slowakischen Film „My Dog Killer“, der vor Kurzem auch in Bremen im Rahmen des Balkan-Filmfests lief. Und dennis empfiehlt einen Videoclip über Filmtitel.

– Thomas Groh stellt auf filmtagebuch seine Einführung zu Brian De Palmas „Blow Out“ (einem meiner Lieblingsfilme), die er im vergangenen Jahr im Kino Arsenal in Berlin zu Beginn der Filmreihe „Real Eighties“ gehalten hat, zum Nachlesen bereit.

– Auf Hard Sensations berichtet Silvia Szymanski über „TERZA VISIONE“ – das 1. Festival des italienischen Genrefilms, welches Ende April in Nürnberg stattfand. Und wie man es von Silvia gewohnt ist, ist der wunderbare Bericht keine Abhaken von Filmreviews, sondern ein ganz eigenständiges, kleines Prosastück.  Und in der Reihe „reden über schreiben über film(e)“ geht es diesmal in den Print-Bereich und die Redaktion des Filmmagazins „Deadline“ steht Rede und Antwort.

– Auf Reihe Sieben schreibt Martin Beck über den leider bisher in Deutschland bisher noch nicht veröffentlichten „Borgman“, den ich schon sehr lange mal sehen wollte und der auch hier sehr gut ankommt.

– Der neue Film von Sion Sono heißt „Why Don’t You Play in Hell“. Michael Schleeh hat ihn gesehen und mochte ihn, auch wenn er ihn auf Schneeland „ziemlich selbstreferentielles (Spektakel), das sich in seinen Überdrehtheiten zu erschöpfen scheint“ nennt.

– reda stellt auf Der breite Grad die letzten drei Teile der „Girl Boss“-Reihe vor, wobei er gerade vom letzten Teil „Girl Boss: Crazy Ball Game“ sehr angetan ist, welcher seiner Meinung nach einen würdigen Abschluss der Reihe darstellt.

– Udo Rotenberg schreibt auf Grün ist die Heide über den eher unbekannteren Helmut-Käutner-Film „Schwarzer Kies“, dem er eine „mitreißende, wie zerstörerischen Mischung aus Maßlosigkeit und Hedonismus“ attestiert.

Deep Red Radio empfiehlt den Thriller „Linda’s Child“ und warnt zugleich vor falschen Erwartungen, die durch die Bewerbung des Filmes entstehen könnten.

– Harald Mühlbeyer erzählt auf screenshot wieder von einer Grindhouse-Nacht in Mannheim, bei der zwei Jess-Franco-Filme gezeigt wurden. Nämlich „Säge des Todes“ und „Das Frauenhaus“. Der Autor scheint kein großer Fan des spanischen Sleaze-Meisters zu sein, denn er schreibt: „Es ist eine wissenschaftlich gesicherte Tatsache, dass von soundsovielen Jess Franco-Filmen ein derartiger Prozentsatz giftig schlecht ist, dass bei einem Doppeltermin die Wahrscheinlichkeit auf mindestens eine hochprozentige Gurke diese und jene Quote noch übertrifft.“ Dem möchte ich hier vehement widersprechen und die relativ positiven Besprechungen beider Filme widersprechen dieser böse Theorie ja auch quasi.

– Bleiben wir beim Schmuddel. Hier ist „Play Motel“ von Mario Gariazzo ein ganz spezial gelagerter Sonderfall. Warum, das erklärt totalschaden auf Splattertrash.

– Und wieder eine blinde Stelle in meiner Filmerziehung: John Cassavetes. Als Darsteller bekannt und beleibt, habe ich sein filmisches Werk bisher noch nicht gesichtet. Dabei liegt „Tod eines chinesischen Buchmachers“ schon seit vielen Jahren unausgepackt in meinem DVD-Regal. Sascha Nolte klärt mich ein wenig auf, indem er auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte über „Minnie and Moskowitz“ schreibt.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later nun die ersten beiden Sequels von „Stirb langsam“ am Wickel. Während er dem zweiten Teil eine Hymne der Liebe schreibt, hat er so seine Probleme mit Teil 3. Interessant, denn bei mir wäre es genau andersherum.

Das Magazin des Glücks stellt anhand von drei Filmen den Lyriker, Prosaist, Stückeschreiber und Filmemacher Thomas Brasch vor.

– Den Film „Die Farbe“ von Huan Vu halte ich für ein ausgesprochen schönes Beispiel dafür, wie deutscher Genrefilm sein sollte. Wer den Film noch nicht kennt: Robin Schröder hat auf Mise en cinéma einen schöne Besprechung geschrieben.

– Und zu guter Letzt: Nachdem er sich ausgesprochen kritisch mit dem neuen „Godzilla“ auseinander gesetzt hat und meint: „Erst durch Godzilla werdet ihr merken, was ihr an Pacific Rim hattet“, antwortet Alexander Matzkeit auf real virtuality ein wenig provokativ auf Gerold Marks Frage „Was hat das Digitale Kino für euch in den letzten fünf Jahren verändert?“ Ich habe in einem der Kommentare auch meine Gedanken dazu formuliert, werde das aber wohl noch als eigenständigen Artikel hier in erweiterter Form noch einmal als Teil der von Digitale Leinwand angestoßenen Blogparade posten.

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