DVD-Rezension: „Jen Ko – In seinen Fäusten brennt die Rache“

Jen Ko
Als Jen Ko (Henry Yu Yung) seine Ausbildung an der Militärakademie beendet hat, wird er von seinen Vorgesetzten sogleich mit einer geheimen Mission betraut. Er soll in der Stadt Lung Tau den Bandenchef Fong gefangenen nehmen. Dieser beherrscht nicht nur die Gegend dort, sondern ist auch für den Tod von Jen Kos Vater verantwortlich. Jen Ko macht sich auf den Weg. Allerdings hat Fong schon von Jen Kos Auftrag erfahren und sieben beinharte Kung-Fu-Kämpfer angeheuert, die ihn und seine schmutzigen Geschäfte beschützen sollen…

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Mit „Jen Ko – In seinen Fäusten brennt die Rache“ hat filmArt wieder einmal einen Film aus der Versenkung geholt, der nicht besonders bekannt ist, scheinbar aber noch alten Videozeiten doch so einige Fans hat, wenn man sich so einmal die einschlägigen Internetforen anschaut. Was durchaus verständlich ist. Zwar zeichnet sich „Jen Ko“ nicht unbedingt durch besondere Originalität oder Tiefgang aus, aber er unterhält über seine Laufzeit von 86 Minuten ohne große Durchhänger. Was daran liegt, dass der Film im Großen und Ganzen eine Abfolge von gut, und überraschend hart, inszenierten Kämpfen ist. Die dünne Rahmenhandlung dient dann auch lediglich dazu, den Film nicht zu einer reinen Action-Clip-Parade verkommen zu lassen. Natürlich kann man sich denken, dass unser Held sich an den sieben Kämpfer, die der Bösewicht zur Unterstützung hat kommen lassen, abarbeiten muss. Und so kommt es dann auch. Alles Drumherum ist Zierrat, welches man aber gerne mitnimmt, damit der Film nicht allzu monoton daher kommt.

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Da gibt es beispielsweise das blinde Mädchen und ihren scheinbar geistig arg zurückgeblieben Begleiter. Diese sind nicht unbedingt wichtig für die Handlung, lassen den Helden aber in einem guten, edlen Licht dastehen und sorgen für ein wenig Gefühl. Zudem kann das blinde Mädchen natürlich hervorragend entführt und/oder bedroht werden, was dem Helden eine zusätzliche Motivation gibt, gegen die Bande zu kämpfen – und in eine Falle gelockt zu werden. Typischerweise haben die sieben bösen Söldner (eigentlich nur fünf, da zwei reines Kanonenfutter darstellen) unterschiedliche Fähigkeiten und Kräfte. Am Interessantesten ist natürlich der Kämpfer mit der hageren, blassen – beinahe vampirähnlichen – Gestalt, der einen langen Zopf trägt, welcher mit Messern gespickt ist und als tödliche Waffe eingesetzt werden kann. Warum er in der deutschen Kino-Synchronisation „Schweineschwanz“ genannt wird, bleibt ein Rätsel, dem man lieber nicht näher auf den Grund gehen möchte.

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Überhaupt muss die deutsche Kino-Synchronisation gesondert erwähnt werden, handelt es sich hierbei doch um einer Erzeugnis der Deutschen Synchron Filmgesellschaft des berühmt-berüchtigten Karlheinz Brunnemann, welcher einst zusammen mit Synchron-Guru Rainer Brandt Roger Moore und Tony Curtis in der Kult-Serie „Die 2“, die coolen Sprüche in den Mund legte. Auch solo macht Brunnemanns Synchronisation keine Gefangenen, auch wenn ihr die Berliner Schnodderigkeit der Brandtschen Texte abgeht. Dafür ist hier selbst die kleinste Nebenrolle mit einer berühmten Stimme besetzt. Das reicht dann von Thomas Danneberg über Arnold Marquis bis Arne Elsholz. Dabei entfernt sich allerdings der Text weit vom Original, wie man anhand der Video-Synchronisation, welche ebenfalls auf der DVD zu finden ist, und die sich enger ans Original hält, feststellen kann. Trotz aller inhaltlichen Freiheiten macht die Kino-Synchro aber sehr viel mehr Spaß und klingt auch weitaus lebendiger.

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Als Regieassistent fungierte bei dieser Hongkong-Taiwan-Co-Produktion ein junger John Woo, der seine ersten Schritte im Filmgeschäft unternahm. Allerdings konnte er hier noch keine der später für ihn typischen Markenzeichen einbringen. An der Stunt-Arbeit war ebenfalls jemand beteiligt, der einige Jahre später groß durchstarten sollte: Jackie Chan. Wer genau aufpasst, kann ihn auch einmal kurz erspähen, wenn er als einer der Wächter des bösen Fong von der Seite – und noch vor seiner Augenvergrößerung – zu sehen ist. Die überaus dynamischen und kraftvoll inszenierten Kämpfe, sind dann auch die Höhepunkte des Filmes und wurden in der alten deutschen Kinofassung – obwohl relativ unblutig – noch entschärft. Insbesondere im Finale beweisen Regisseur Jimmy L. Pascual und sein Stunt-Team, viel Sinn für mitreißende Kampf-Choreographie.

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Neben dem bereits oben erwähnten Jackie Chan, gehören noch weitere bekannte Namen zu denjenigen, die sich um die Actionszenen kümmerten. So Jackie Chans Schulkamerad Yuen Wah, der sich später vor allem als Filmbösewicht mit Sammo Hung einige der spektakulärsten Filmkämpfe der frühen 80er Jahre liefern sollte. Auch Mars, bis heute ein treuer Begleiter Jackie Chans, ist ist dabei. Als Action Coordinator zeichnet Woo-ping Yuen verantwortlich. Dieser dürfte spätestens nach seiner Arbeit als Action-Choreograph bei Ang Lees „Tiger & Dragon“, den beiden „Kill Bill“-Filmen und der „Matrix“-Trilogie einer der größten Namen auf seinem Gebiet sein. Regisseur Jimmy L. Pascual war vor allem bis 1976 Produzent und gelegentlicher Drehbuchautor. Auf dem Regiestuhl saß er nur zweimal. Einmal hier und dann noch zwei Jahre später als Co-Regisseur bei einem obskuren philippinischen Film namens „Sleeping Dragon“. Hauptdarsteller Henry Yu Yung war zwar noch bis 2008 als Darsteller aktiv, allerdings nur noch in Neben- und Kleinstrollen. Immerhin spielte er aber 1974 noch eine der Hauptrollen in John Woos Regiedebüt „The Young Dragons“.

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Mit „Jen Ko – In seinen Fäusten brennt die Rache“ hat filmArt wieder einmal einen höchst unterhaltsamen Kung-Fu-Klopper ausgegraben, der zwar lediglich eine dünne Geschichte, wie man sie schon unzählige Male gesehen hat, bietet, dafür aber mit dynamischen und mitreißenden Kampfszenen punkten kann. Für diese waren einige jungen Männer verantwortlich, die in den kommenden Jahrzehnten noch eine wichtige Rolle im, nicht nur im asiatischen, Actionkino spielen sollten.

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Beginnen wir zunächst einmal mit den schlechten Nachrichten. Die Bildqualität der filmArt-DVD ist wirklich lausig oder – um es freundlich auszudrücken – dem Medium DVD nicht angemessen. Vielmehr sieht das Bild leider so aus, als ob man eine Videokopie der zweiten Generation anschauen würde. Zunächst glaubte ich, dass es sich hierbei lediglich um Szenen handeln würde, die aus einer schlechten Quelle eingefügt worden wären, doch tatsächlich sieht der ganze Film so aus. Die aus der Videofassung „Zwei Fäuste wie der Blitz“ eingefügten Szenen haben zwar das falsche Bildformat und sehen auch nicht gerade top aus, aber immer noch ein wenig besser als die Kino-Fassung im richtigen Bildformat. Natürlich ist es schön, dass filmArt diesen seltenen Film trotzdem veröffentlicht hat, aber angesichts des Preises, der sich nicht gerade im „Schnäppchen-Bereich“ bewegt, wäre es vielleicht angebracht gewesen, ihn als Bonus bei einer anderen Veröffentlichungen hinzuzufügen. So wie es beispielsweise CMV schon ein paar Mal getan hat. Dass dann auch noch aus Platzgründen die auf dem Cover angekündigten Extras „Trailershow“ und die „alternative Anfangsszene“ fehlen, passt da ins enttäuschende Bild. Immerhin wurden dem Film aber gleich vier Tonspuren spendiert. Eine auf Mandarin (aber leider ohne Untertitel), eine auf Englisch und zwei deutsche. Dabei handelt es sich um die oben besprochene Kino-Synchronisation und die später angefertigte Video-Tonspur. Letztere ist näher am Originaltext, wirkt dafür mit seinen unbekannten Sprechern aber auch etwas billig und lustlos. Auch die englische Tonspur ist – wie man es aus England kennt – sehr steril. Daher ist die spaßige Kino-Synchronisation zu empfehlen. Letztere zischt stark bei „S“-Lauten, das ist aber zu verschmerzen. Zum Schluss noch eine Info für Leute, die auf so etwas Wert legen: Die im Stil einer alten Videokassette gehaltene DVD-Hülle sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich mit seiner Lederoptik auch gut an.

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