DVD-Rezension: “Kommissar X – In den Klauen des goldenen Drachen”

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Professor Akron ist es in Singapur gelungen, einen Filter zu erschaffen, der die Wirkung eines Laserstrahls um ein Vielfaches verstärken kann. Natürlich möchte der gute Professor seine Erfindung nur zum Wohle der Menschheit einsetzen. Doch die kriminelle Unterwelt erkennt schnell, dass die geniale Erfindung auch für verbrecherische Zwecke eingesetzt werden kann. Darum setzt der „Goldene Drache“, das geheimnisvolle Oberhaupt einer mächtigen Verbrecherbande, alles daran, den Filter in seine Gewalt zu bringen. Als dabei auch Akrons Tochter in Gefahr gerät, ruft dieser Tom Rowland und dessen Freund Jo Walker alias Kommissar X zu Hilfe…

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In den Klauen des Goldenen Drachen“ war im Jahre 1966 schon der dritte Kommissar-X-Streifen, der das Licht deutscher Kinosäle erblickte. Die Produktion lief also auf Hochtouren. Nachdem im zweiten Teil bereits Ceylon Schauplatz des Geschehens war, spielt auch der dritte Teil wieder in Südostasien. „Die Spur führt nach Singapur“ heißt es auf dem Filmplakat und somit ist dieser Staat auch die exotische Kulisse dieses neuen Kommissar-X-Abenteuers. Nachdem Rudolf Zehetgruber das eher mäßige Sequel inszeniert hatte, übernahm nun wieder Gianfranco Parolini alias Frank Kramer das Zepter. Ein Wechselspielchen, welches sich bei Teil 3 und 4 wiederholen sollte. Parolini lässt hier interessanterweise das im vorherigen – und auch in den nachfolgenden Filmen immer wieder durchexerzierte – Konzept der drei männlichen Handlanger des Hauptschurken fallen. Stattdessen bedient sich der „Goldene Drache“ einer Armee vornehmlich weiblicher Helfershelfer. Darunter sticht insbesondere Gisela Hahn als skrupellose Killerin hervor, die sich – welche Wunder – auch nicht von Jo Walkers Verführungskünsten von ihrer Mission abbringen lässt. Sicherlich ein Novum in der Reihe.

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Überhaupt besitzt diese Folge der Reihe die interessantesten Frauenfiguren. Selbstverständlich in den Grenzen dessen, was solch eine klischeebeladene und sein Machismo zelebrierende Reihe zulässt. Neben Gisela Hahn sei hier noch Luisa Rivelli erwähnt, die hier ein wenig „femme fatale“ spielen darf. Wie gesagt, immer innerhalb des, auch hier, recht enggesteckten Rahmens, in dem sich die Damen in der Serie bewegen können. Demgegenüber ist Barbara Frey als schutzbedürftige Tochter des Wissenschaftlers zwar süß, aber doch eher uninteressant. Sehr viel interessanter ist demgegenüber ihr Vater, eine Art Mad Scientist, der vom Edgar-Wallace-Urgestein Ernst Fritz Fürbringer gespielt wird. Fürbringer gab in den ersten Wallace-Krimis den Sir Archibald – den Vorgänger des legendären Sir John.

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Jo Walkers Schürzenjägerqualitäten treten in diesem Film geradezu überdreht zutage. Fast scheint es so, als ob Walker ein Triebtäter sei, dem beim Anblick eines Rockes augenblicklich Schaum vor den Mund tritt und der wie ein geiler Bock sofort auf sein nächstes Opfer springen muss. Wirkt Walkers permanentes Flirten und Küssen in den anderen Filmen eher parodistisch, so hat sein Verhalten hier etwas zutiefst Manisches, was recht unangenehm wirkt. Vielleicht will Parolini hier andeuten, dass Walker etwas kompensieren muss. Vor allem, wenn man die Szene sieht, in der Walker bitterliche Tränen weint, als er glaubt, sein Partner Captain Rowland hätte das Zeitliche gesegnet.

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Brad Harris gelingt es in „Den Klauen des Goldenen Drachen“ spielend, seinen Kumpel Tony Kendall auszustechen. In keinem anderen Film der Serie darf sich Harris so eindrucksvoll präsentieren. Ob er jetzt oben ohne seinen eindrucksvollen Oberkörper präsentiert, höchstpersönlich einige Kunststücke auf Wasserskiern vorführt oder eine heiße Sohle aufs Parkett legt. Diese Tanzszene, in der er zunächst allein, dann im Duo mit Kendall zu einer flotten Beatmusik einen wilden Tanz aufführt, ist ohne Zweifel DAS Highlight der „Kommissar X“-Serie. Harris eigenwilliger Tanzstil ist mindestens 10 von 10 Punkten wert. Das kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Tony Kendall macht in dieser Szene zwar auch eine gute Figur, aber gegen einen Harris außer Rand und Band kommt er einfach nicht an.

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Gegenüber dem Vorgängerfilm „Drei gelbe Katzen“ hat Parolini das Tempo wieder deutlich angezogen. Der Dialog wird auf einem Minimum gehalten und dafür fast jede Szene mit ordentlicher Action gewürzt. Zeit zum Luftholen bleibt da kaum. Zudem wurde mit dem geheimen Stützpunkt der Drachenbande endlich wieder ein stimmungsvolles Ausstattungsstück gebaut. Überhaupt zeugt das Produktionsdesign – sei es im Versteck der Bande oder im Labor des Professors – von viel Liebe und Phantasie. Garniert wird das Ganze mit einem flotten Soundtrack vom Bosnier Mladen Gutesa, der bereits den ersten Film der Reihe musikalisch untermalte. Wie auch Zehetgruber hat sich auch Parolini eine kleine Rolle in den Film geschrieben. Hier, wie später auch in den „Drei blauen Panther“, spielt er recht elegant einen Helfer des Schurken.

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Es fällt auch auf, dass sich dieser Film wieder mehr von der James-Bond-Reihe inspirieren ließ. Insbesondere muss man hier an den drei Jahren vorher entstandenen „Liebesgrüße aus Moskau“ denken, aus dem nicht nur die Anfangssequenz – in der Walker mehr als einmal scheinbar fast das Zeitliche segnet -, sondern auch die Idee eines Anschlags im Zug entliehen wurde. Und wie der „Goldene Drache“ sich einer ineffektiven Handlangerin entledigt, hat man dort so ähnlich auch schon gesehen.

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Ein Highlight der „Kommissar X“-Reihe. Ein glänzend aufgelegter Brad Harris stiehlt Tony Kendall die Show und sorgt spätestens bei seiner innovativen Tanzeinlage für strahlende Gesichter. Das Tempo ist hoch und lässt keine Langweile aufkommen. Die exotische Kulisse und die Geschichte um die allgegenwärtige Drachenbande mit ihrem mysteriösen Anführer sorgen für echtes Eurospy-Feeling.

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Nachdem die DVD des zweiten Teils „Drei gelbe Katzen“ mit einigen spannenden Extras, wie dem Audiokommentar mit Brad Harris, aufwarten konnte, sieht es beim „Goldenen Drachen“ eher mau aus. Gerade mal zwei Trailer und etwas Werbematerial haben ihren Weg auf die Scheibe gefunden. Dafür liegt „In den Klauen des Goldenen Drachen“ nun erstmals in seiner kompletten Form vor. Für diese Veröffentlichung wurde der Film von Anolis aufwändig mit Hilfe des Originalnegativs, einer alten 35mm Kopie und der TV-Fassung, rekonstruiert, Dies führt ab und an zu deutlicher Qualitätsschwankung in Bild und Ton, dies ist aber zu verschmerzen. Zudem liegt wieder ein informatives Booklet von Jörg M. Jedner bei.

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