Das Filmtagebuch – Folge III

Endlich finde ich die Zeit mein Filmtagebuch weiterzuführen. Sozusagen passend als Wochenend-Lektüre. Da mir auch in den letzten 3 Wochen kein toll klingender Name für das Filmtagebuch eingefallen ist, nenne ich es jetzt: *tusch* „Das Filmtagebuch“. Bring es doch auf den Punkt, oder?

Wie schon erwähnt, gab es eine dreiwöchige Pause vom letzten Eintrag bis zu diesem hier. In der Zeit habe ich natürlich auch so manchen Film geschaut. Um den Eintrag hier aber nicht in eine allzu episch Länge zu ziehen, lass ich ein paar dieser Filme einfach mal weg. Vielleicht baue ich sie dann beim nächsten Mal ein. Mal guck’n.

Beginnen möchte ich meine filmische Reise durch die letzten drei Wochen in Łódź (deutsch ausgesprochen „Lodsch“, genau, da wo der Theo hinfahren soll). Und welcher Film eignet sich dort am Besten für einen Kinobesuch? Genau, der neue Film von Roman Polanski. Polanski hat ja in Łódź sein filmisches Handwerk erlernt und seine ersten Film gedreht. Generell ist Łódź für Filmfans ganz interessant, da an der dortigen Filmhochschule nicht nur Polanski, sondern auch Wajda, Kieslowski, Skolimowski – ach, eigentlich fast alle große polnischen Regisseur studiert haben. Insbesondere für den Animationsfilm ist Łódź auch heute noch sehr bedeutend. Okay, ich gebe zu – das war’s auch schon an Reizen, denn die Stadt ist abgrundtief hässlich. Nachdem die gewaltige und berühmte Textilindustrie dort nach dem Krieg zerschlagen wurde, ist in die Stadt nichts mehr investiert worden. Der Lebensstandard dort ist äußerst gering, dafür die Arbeitslosenquote exorbitant hoch. Und so sieht die Stadt dann auch aus. Eine halbzerfallene Trümmerlandschaft, in der sich eigentlich nur David Lynch wohl fühlen könnte – und auch tut. Denn Herr Lynch ist nicht nur ein großer Fan der dortigen Filmhochschule, sondern auch des maroden Flairs der Stadt, in der er dann auch spontan, nach einem Besuch des örtlichen Filmfests, Teile seines letzten Filmes „Inland Empire“ gedreht hat. Dazu aber später mehr.

Jetzt zurück zum letzten Polanski: „The Ghost Writer„. Leider hat sich meine Hoffnung, diesen Film in einem altehrwürdigen Kino zu sehen, zerschlagen. Tatsächlich habe ich auch kein einziges altes Kino in Łódź gefunden. So ging es dann in ein Multiplex der „Cinema City“-Kette.

„The Ghost Writer“ hat mir recht gut gefallen. Kein Meisterwerk, aber ein solider und atmosphärisch dicht erzählter, kleiner Thriller. Besonders positiv sind mir die Hauptdarsteller aufgefallen. Insbesondere Pierce Brosnan als Tony-Blair-Verschnitt und Olivia Williams als seine Ehefrau. Die kleinen Seitenhiebe auf die Blair-Bush-Thematik sind zum Teil ganz nett umgesetzt, wenn auch immer an der Grenze zum zu dick aufgetragenen. Spannende und angenehm unaufgeregt inszenierte Unterhaltung. Der wahre „Ghost“ des Filmes war für mich Eli Wallach, der hier einen kurzen Auftritt hat. Da habe ich mich in der Tat doch sehr erschrocken, denn Wallach sieht schrecklich krank und mehr tot als lebendig aus.

Der nächste Film war dann Tim Burtons „Alice in Wonderland„, den ich im Orange IMAXX in Warschau gesehen haben. Ich war ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Okay, nette Nachmittagsunterhaltung, aber mehr auch nicht. An einen Film von Tim Burton habe ich da schon höhere Erwartungen. Einzig Helena Bonham-Carter als „Red Queen“ und Anne Hathaway als „White Queen“ stechen heraus. Insbesondere den Auftritt von Hathaway fand ich sehr gelungen. Ihr übertriebenes „Ich-bin-die-Gute“-Getue wirkt wirklich creepy. Wunderbar die Szene, als sie der jungen Alice ein widerliches Gebräue aus Leichenteilen und anderen Unappetitlichkeiten zubereitet und dabei einerseits ihren Ekel zur Schau stellt, man darunter aber doch deutlich ihre Euphorie und Extasse spürt. Johnny Depp als „Mad Hatter“ bekommt zwar den Star-Credit über dem Titel, aber sonst nicht viel zu tun. Die von ihm dargstellte Figur wirkt zwanghaft skurril und künstlich aufgebläht. Ganz schlimm sein „Break-Dance“ am Ende. Gänzlich blass bleibt der sonst so verlässliche Crispin Glover als Bösewicht. Insgesamt wirkt der Film auf mich, als ob da jemand unbedingt „Burton-esque“ wirken möchte. Dass es der Meister selber ist, finde ich in diesem Zusammenhang traurig.

Dritter Film im Bunde war der neue Woody Allen, „Whatever Works„. Sehr schön, ein im besten Sinne des Worts klassischer Woody Allen. Dies liegt wohl in erster Linie daran, dass Allen das Drehbuch schon seit 1977 im Schreibtisch liegen hatte und es nun wieder herauszog, als ein Schauspieler-Streik vor der Tür stand und er schnell mit seiner neuen Produktion starten musste. Dementsprechend erinnert der Film auch an die New-York-Geschichten, die er Anfang der 80er drehte. Was ja nicht schlecht sein muss, nur eben nicht besonders überraschend. Ansonsten gibt es alles, was man an Allen mag: pointierte Dialoge um allererlei metaphysische Fragen und die Beziehung der Geschlechter zueinander. Großartig Larry David in der Hauptrolle. Ein alter, ständig zeternder Misanthrop. Eine Rolle, die einerseits 100% Allen ist, andererseits von Allen selber nicht gespielt werden könnte. Nach diesem gelungenen Auftritt habe ich mir geschworen, endlich mal die Serie „Curb Your Enthusiasm“ anzusehen. Ich glaube, dass ist noch eine echte Bildungslücke bei mir. Sehr interessant ist das Marketing des Filmes. Während in den USA und in Deutschland klar Larry David im Zentrum der Werbeaktionen steht, verspricht das polnische Filmplakat eine völlig andere Geschichte und zeigt ein junges Pärchen – welches übrigens in dem Film eine zwar wichtige, aber nicht besonders große Rolle spielt.

So, Endspurt zum letzten Film im Quartett: „Shutter Island“ von Martin Scorsese. Was soll ich sagen? Dass Scorsese seine große Zeit hinter sich hat, dürfte in den letzten 10 Jahren ja klar geworden sein. Eigentlich ist auch „Shutter Island“ vor dem Hintergrund der ruhmreichen Vergangenheit eine Enttäuschung, aber… ich mag den. Und das, obwohl er genau jenes alterskranke und halb verrottete Kaninchen aus dem Hut zaubert, welches bei mir in der Regel einen Film oder ein Buch sofort in die Mülltonne wandern lässt. Aber ich habe mich trotzdem gut unterhalten gefühlt. Die Inszenierung ist stimmungsvoll, die Kameraarbeit hübsch solide und den Leonardo sehe ich mittlerweile immer wieder gerne. Wobei ich bei ihm in letzter Zeit auch immer Angst vor einer „Ver-DeNiro-sierung“ habe. D.h., dass er sich nur noch auf sein Image als großartiger Schauspieler verlässt und dann im Autopiloten seine Show abzieht. Aber bisher hält sich der Junge sehr gut und hat mich noch nicht enttäuscht. Mir hat „Shutter Island“ mit all seinem Überfluss an Genre-Zitaten und seiner „Von allem etwas mehr“-Attitüde auf jeden Fall Spaß gemacht. Trotzdem wünschte ich mir, dass Scorsese irgendwann noch einmal zeigt, dass der Schöpfer solche großartiger Filme wie „Hexenkessel„, „Taxi Driver„, „Wie ein wilder Stier„, oder von mir aus auch „GoodFellas„, doch noch ganz nicht tot ist.

So, eigentlich wollte ich noch was über „Inland Empire“ schreiben, aber da der Text hier nun eh schon länger als beabsichtigt ist, schone ich mir das fürs nächste Mal auf.

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2 Antworten zu Das Filmtagebuch – Folge III

  1. Claudio sagt:

    Danke für den Tipp mit Curb Your Enthusiasm. Grossartige Serie so weit ich das von ein paar Auschnitten auf Youtube sagen kann.

    Bei Alice im Wunderland kann ich dir auch nur zustimmen. Sogar meine kleine Schwester (15) fand ihn eher langweilig

  2. Arkadin sagt:

    Soweit ich das überblicken kann, ist „Curb…“ auch noch nicht in Deutschland gelaufen. Über England kann man aber die ersten 6 Staffeln auf DVD beziehen. Ich mag diesen Ausschnitt hier mit einem Gastauftritt von Michael „Kramer“ Richards:

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