Weser Kurier-Interview mit Lars Jessen

Da ich doch länger als geplant offline war, habe ich es versäumt darauf hinzuweisen, dass in der Schauburg der Film „Dorfpunks“ im Beisein des Regisseurs Lars Jessen („Der Tag an dem Bobby Ewing starb„) und seiner Hauptdarsteller aufgeführt wurde.

Der Film, der auf einem semi-autobiographischen Roman von Rocko Schamoni beruht, hat von der Filmkritik bisher eher durchwachsene Kritiken bekommen. Da ich das zugrunde liegende Buch über alles geliebt habe, wird es mir sicherlich sehr schwer fallen, ein objektives Urteilen zu fällen. Ich werde es beizeiten trotzdem versuchen.

In der Zwischenzeit hier ein heute im Weser Kurier veröffentlichtes Interview mit Lars Jessen:

Die Rebellion der Punks vom Dorf

Die Rebellion der Punks vom Dorf  

Bremen. Lars Jessen kennt die jugendliche Rebellion in den Dörfern. „Wenn du fünfmal gegen einen Kuhstall trittst, wird das irgendwann langweilig“, sagt er auf die Frage, ob Rebellion auf dem Dorf überhaupt Sinn habe.

Jessen, 1969 in Kiel geboren, ist Regisseur und stellte am vergangenen Sonntag in der Schauburg seinen neuen Film „Dorfpunks“ vor. Darin geht es um eine Clique jugendlicher Punks, die 1984 in dem kleinen Ort Schmalenstedt versuchen, ihre Rebellion auszuleben. Jessen hat den autobiografischen Roman über die Jugend des Künstlers Rocko Schamoni verfilmt.

Zur Bundeswehr gegangen

„Ich bin nie Punk gewesen und werde es wohl auch nicht werden“, sagt Jessen. Bis zu seinem 20. Lebensjahr wohnte er in Meldorf: 7000 Einwohner. „Ich saß nie mit Lederjacke und Irokesenhaarschnitt auf dem Marktplatz.“ Aber natürlich habe auch er sich ein wenig Rebellion gegönnt, allerdings etwas anders als die Schauspieler in seinem Film: „Ich habe mir erlaubt, zur Bundeswehr zu gehen“, erzählt er lachend. Weil er in einem eher linksorientierten Haushalt aufgewachsen sei, „kam das bei meinen Eltern natürlich nicht so toll an“, erinnert er sich und grinst.

Der Absprung aus seinem Elternhaus und der dörflichen Enge sei gut und notwendig gewesen, sagt er heute. Für ein Geschichtsstudium zog Jessen nach Kiel. „Klar, ich hätte auch in Meldorf bleiben und eine Ausbildung anfangen können. Dann wäre ich wohl immer noch da“, sagt er. „Doch irgendwann kommt man in die Phase, in der man alles infrage stellt – auch den Wohnort.“

Inzwischen wohnt Jessen in Hamburg, in Ottensen. So ganz könne er den Dorfbewohner aber auch dort nicht abstreifen, meint er. „Jeder macht sich sein Dorf doch selbst.“ Auch Städter hätten ihre Lieblingskneipe, den favorisierten Bäcker und Fleischer. Und alles müsse möglichst nah zur Wohnung liegen. Es gebe nur einen maßgeblichen Unterschied zum Dorfleben, sagt Jessen: „Man kann, wenn man will, fortgehen.“ Das sei im Dorf, gerade für junge Leute ohne Auto, schwierig.

„Bremen ist schon eine tolle Stadt“, begeistert sich Jessen. Er habe hier sehr viel gedreht und kenne daher die Stadt schon ganz gut.

Als er hört, dass Bremen auch Dorf mit Straßenbahn genannt wird, schüttelt Jessen den Kopf: „Ach, das ist doch Understatement.“ Bremen habe durchaus Züge einer Großstadt. Schließlich gebe es hier alles, was man so brauche. „Und auch die Kneipen haben hier schön lange auf.“ In Köln sei in vielen Kneipen schon um ein Uhr Schicht im Schacht. „Hier im Viertel findet man dagegen immer was, wo man auch ganz spät noch hingehen kann.“

Schüler als Hauptdarsteller

Die Hauptdarsteller in Lars Jessens zweitem Kinofilm nach „Am Tag, als Bobby Ewing starb“ sind größtenteils Schüler und Zivildienstleistende. „Die waren nur dann punkig, wenn sie es sein sollten“, erinnert sich der Regisseur an die Dreharbeiten. „Aber bei unseren Dreharbeiten in Schmalenstedt haben wir tatsächlich noch welche getroffen“, sagt Jessen. Genau wie im Film hätten sie am Marktplatz gehockt und für Ärger unter den Dorfbewohnern gesorgt. „Heute tragen sie halt Hip-Hop-Klamotten und keinen Iro mehr.“

Der Film Dorfpunks läuft ab diesen Donnerstag zweimal täglich in der Schauburg. Das Kinoprogramm gibt es täglich in unserer Zeitung, im Internet unter www.bremerfilmkunsttheater.de oder unter der Telefonnummer 79 25 50

Quelle: Weser Kurier

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