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Filmbuch-Rezension: Markus Stiglegger “Grenzüberschreitungen“

Von , 24. Januar 2019 06:41

Ungefähr zeitgleich mit Christian Keßlers „Endstation Gänsehaut“ erschien beim Martin Schmitz Verlag auch der zweite Band von Prof. Dr. Markus Alexander Stigleggers „Grenz-Trilogie“. Wie Keßler beschäftigt sich auch Stiglegger hier mit dem Horrorfilm. Wie er in seinem Vorwort schreibt eher unfreiwillig, da er sich selber nicht als Horror-Koryphäe sieht, sondern immer wieder in die Rolle des Horrorexperten gedrängt wird. Was man an den beinah schon unzähligen Booklets, Audiokommentaren und Essays sieht, die er in den letzten Jahren produziert hat. Fast hat man das Gefühl, ohne Stiglegger-Siegel ist es in Deutschland kaum noch möglich etwas zum Thema „Horror“ zu publizieren. Somit haben sich bei ihm zu diesem Themengebiet ein ganzer Haufen Texte angesammelt, die er jetzt hier gebündelt untergebracht hat. Wie im ersten Band besteht der Inhalt des Buches „Grenzüberschreitungen“ zum allergrößten Teil aus Booklet-Texten, die über die letzten Jahre über unterschiedlichste DVD/BluRay-Veröffentlichungen verteilt erschienen sind.

Die Texte können, wie Stiglegger in seinem Vorwort betont, für akademischen Gebrauch genutzt werden. Oftmals wünscht man sich allerdings, sie würden mehr ins Detail gehen und Stigleggers betont analytischen Ansatz noch vertiefen. Dass letztendlich die Mehrzahl der Texte einen kompetenten, mitunter sehr spannenden Einstieg ins Thema bieten, ist hier sicherlich der kürzeren Form geschuldet und ihrem Ursprung als Begleittexte für DVD/BluRay-Veröffentlichungen, wodurch sie sich natürlich an ein anderes Publikum wenden als eine größere, wissenschaftliche Publikation. So dienen viele Texte in erster Linie dazu, dem mit der Materie noch nicht so vertrauten Leser auf ein bestimmtest Thema, Genre oder Film aufmerksam zu machen und im besten Falle zu einer eingehenden Recherche zu animieren. So übt sich Stiglegger teilweise (beispielsweise im Kapitel über Mumien- oder Hexenfilme) in dem Spagat, einem hochspannenden kulturell-historischem Einstieg, eine Aufzählung von für das Genre wichtigen (und manchmal auch weniger wichtigen) Filmen folgen zu lassen. Oder beispielsweise im Tierhorror-Kapitel etwas zu direkt auf „Wild Beasts“ – jenem Film dem das Booklet ursprünglich beigelegt wurde – zuzusteuern. Hier wäre es schöner gewesen, wenn der verfügbare Platz entweder für eine genauere Analyse des Tierhorrorfilms oder eben einfach nur von „Wild Beasts“ genutzt worden wäre. So hat man das Gefühl irgendwo kommt etwas zu kurz. Denn die große Stärke Stigleggers ist es, Zusammenhänge und Hintergründe aufzudecken, den roten Faden an die Oberfläche zu hohlen oder – wie der Untertitel des Buches es auch verspricht – in die Abgründe der Filmgeschichte zu blicken und zu zeigen, was sich dort unten befindet und warum. Die gelingt ihm in „Grenzüberschreitungen“ besonders gut in dem längeren Text über den sogenannten „J-Horror“ oder dem Lucio-Fulci-Portrait.

Andere Kapitel beschäftigen sich mit dem Omnibus-Film „Außerordentliche Geschichten“, „Texas Chainsaw Massacre“, „Das Omen“, Stephen-King-Verfilmungen, Zombies, Werwölfen und „Tanz der Teufel“. Hervorzuheben ist auch das Interview mit Lovecraft-Experten Kai Naumann, der viel interessantes zum Thema beizusteuern hat, welches gleich am Anfang steht. Wirklich transgressive Filme sind in diesem wunderbar in einem Rutsch durchzulesenden Buch – bis auf „Combar Shock“ und die Filme von Mitch Davis/Karim Hussain- nicht dabei, sondern eher altbekanntes. Aber der abschließende Band der von Stiglegger zu titulierten „Grenz-Trilogie“ erscheint noch in diesem Jahr und wird den Titel „Jenseits der Grenze“ tragen. Darauf darf man durchaus schon gespannt sein. Hinter das doch schon ganz gut abgehangene Horrorkino hat Stiglegger ja jetzt einen Haken gemacht und man darf nun auf Analysen von Filmen hoffen, die tatsächlich Grenzen hinter sich lassen.

Markus Stiglegger „Grenzüberschreitungen – Exkursionen in den Abgrund der Filmgeschichte“, Martin Schmitz Verlag, 240 Seiten, € 17,80

Filmbuch-Rezension: „Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film“

Von , 16. Januar 2019 13:36

Dem Buch „Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film“ bin ich zunächst mit Skepsis begegnet. Einerseits ist das Thema phantastischer Film in Deutschland ein ausgesprochen spannendes, welchem ich mit großem Interesse folge. Anderseits wird gerade aus dem Umfeld des sogenannten „Neuen Deutschen Genrefilm“ häufig nur über fehlende Filmförderung gejammert, wodurch den Filmemachern die Hände gefesselt würde. Und wenn dann mal etwas aus dem Umfeld kommt, ist es der Versuch, Hollywood-Hochglanz-Genre mit weitaus geringeren Mitteln nachzuahmen und die eigene Herkunft zu kaschieren. Was zwangsläufig nicht funktioniert. Dabei gibt es unglaublich tolle und kreative Ansätze, wenn man sich einmal die Mühe macht über den „Horror“-, „Action-“ oder „Thriller“-Rand zu schauen. Man muss sich nur mal die Mühe machen und offen sein für neue/andere Einflüsse.

Daher hat es mich sehr gefreut, dass gerade diesen sperrigen Werken, die ohne Förderung entstehen konnten und einen frischen, ganz eigenständigen Wind ins trübe Hinterherhecheln und Gemecker bringen, ein hochinteressantes und sehr lesenswertes Kapitel gewidmet wird. Unter dem Begriff „German New Weird“ subsumiert Tobias Haupts Filme wie Till Kleinerts „Der Samurai“, Nikias Chryssos‘ „Der Bunker“ und Sebastian Hilgers „Wir sind die Flut“. Alles wunderbare, ganz eigenständige Werke, die Hoffnung machen, dass hier etwas in Deutschland heranwächst, was neu, risikobereit, eigensinnig und fesselnd ist. Was sich eben nicht in Schubladen stecken lässt und mehr mit dem Hier und Jetzt (auch in Deutschland) zu tun hat, als diese typischen Genre-Filme, die auf schrecklich ironische Art und Weise ausgelutschte Genrestandards wiederkäuen und krampfhaft„auf amerikanisch“ machen. Hier kann man noch so exzellente Filme wie „Wild“ oder auch „Der Nachtmar“ mit aufnehmen.

Der Band beginnt mit einem historischen Abriss von Filmemacher Huan Vu (der selber den fantastischen „Die Farbe“ gemacht hat, eine der besten Loveraft-Verfilmungen, die gar nicht vorgibt in den USA zu spielen, sondern die Handlung auf kreative und logische Art und Weise nach Deutschland transferiert, wo der Film ja auch entstand) über Fantastik und Genrefilm in Deutschland. Dieser gibt einen guten Überblick über den heimischen Genrefilm, auch wenn einige Themen, wie z.B. der Kulturkampf im 3. Reich zwischen einem faschistischen Expressionismus und der Linie Rosenberg nicht in dem Maße eingegangen wird, wie ich es mir erwünscht hätte. Doch dies wäre für einen ersten Überblick wohl auch zu speziell und detailliert gewesen. Vielleicht kommt da ja noch irgendwann eine längere Analyse. Spannend ist das Thema ja.

Prof. Dr. Markus Stiglegger greift das Thema noch einmal auf, beleuchtet es aber unter Aspekt der Genretheorie und definiert erst einmal, was überhaupt ein Genrefilm ist, bevor er deutsche Filme darauf abklopft, in wie weit sie dem Bergriff Genre überhaupt entsprechen. Einen Schwerpunkt der Betrachtung legt er dabei auf „Der Nachtmahr“ und die „German Angst“-Episode von Michal Kosakowski, die er als typische, neuen deutschen Genrefilme definiert.

Lars R. Krautschick kommt in seinem Beitrag „Sozialkritik unter asozialen Bedingungen“ zunächst zu der überraschenden Erkenntnis, dass in den 10er Jahren des 21. Jahrhunderts mehr deutsche Genrefilme produziert werden, als in der Weimarer Republik (was ich ohne eine genaue Erhebung zunächst einmal bezweifeln würde). Er fragt sich dabei, ob dies ein Ausdruck einer speziell deutschen Angst wäre, die auf diese Weise verarbeitet wird. Hierzu schaut er sich die Filme „Rammbock“, „Blutgletscher“, „Beyond the Bridge“ und „Der Nachtmahr“ genauer an, um am Ende zu dem meiner Meinung nach diskussionswürdigen Fazit zu kommen, dass die neuen deutschen Genrefilme keine speziell deutsche Angst, sondern generelle, weltweit anzutreffende Ängste verarbeiten. Was seiner Meinung nach auch daran liegt, dass mit diesen eher globalen Ängsten auch eine internationale Vermarktung leichter fällt.

Um die Geschichte des deutschen Science-Fiction-Films geht es in dem Beitrag von Christian Pischel. Er sucht hier nach Verbindungen und Traditionen, die er aber nicht findet. Am Ende bleibt ihm nur festzustellen, dass es in Deutschland (speziell auch der DDR) einige herausragende SF-Filme gab, diese aber nur sporadisch auftreten und es keine zusammenhängenden (oder aufeinander aufbauende) Perioden gab, in denen Science Fiction im deutschen Film eine große Rolle gespielt hätten.

Rasmus Greiner analysiert schließlich ausführlich Jan Speckenbachs „Die Vermissten“.

„Fantastisches in dunklen Sälen “ ist eine spannende Sammlung kompetenter (manchmal kontroverse) Essays zum Thema Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film. Manchmal wünscht man sich, die Autoren hätten mehr Platz zur Verfügung, um noch tiefer in die Materie einzutauchen. Manche Inhalte doppeln sich auch leicht, hier wäre es wünschenswert gewesen, die Themenauswahl noch breiter aufzuspannen (vielleicht über die Einschränkung „Genrefilm“ hinaus). Beispielweise findet man in einer Fußnote der Einleitung die sehr wichtige Information: Demnach verlassen 50% der Zuschauer eine Sneak-Preview, sobald sie bemerken, dass es sich bei der Preview um einen deutschen Film handelt. Daher wäre es spannend, sich einmal auf dieses Phänomen zu konzentrieren. Warum hat der Deutsche Film generell so einen miserablen Ruf in der Heimat? Ein weiteres interessantes Thema wäre in diesem Zusammenhang auch die langsam anrollende Renaissance deutscher (Genre)Filme aus den 60er, 70er und 80er Jahre, die u.a. auch von Labels wie Subkultur oder Festivals wie dem Festival des deutschen psychotronischen Films oder den Hofbauer-Kongressen befeuert wird. Dies ist zwar nicht der Fokus des vorliegenden Buches (welches in erster Linie der Begleitband des letztjährige FILMZ-Symposium ist) wäre aber ein tolles „Fadenaufnehmen“ für ein weiteren Band.

Christian Alexius, Sarah Beicht (Hg.) Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film, Schüren Verlag, 160 Seiten, € 16,90

 

Filmbuch-Rezension: „Horror Kultfilme“

Von , 20. Februar 2018 21:59

Das Buch „Horror Kultfilme“ aus dem Schüren Verlag beruht auf einer von den drei Herausgebern organisierten und geleiteten Ringvorlesung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Die interdisziplinäre Vorlesungsreihe ist eine Initiative des dortigen „Arbeitskreises Visuelle Kultur“. Das Buch richtet sich also an an Leser, die einerseits vor einem wissenschaftlichen Ansatz und einer damit einhergehenden wissenschaftlichen Sprache keine Scheu haben. Wobei diese in den hier versammelten Artikeln nicht in eine für Laien fast schon unlesbare Fremdsprache abgleitet, sondern mit einer gewissen Konzentration gut lesbar ist. Andererseits ist das Buch vor allem für Leser interessant, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema „Horrorfilm“ beschäftigt haben.

So dürfte der Exkurs in das Genre des Vampirfilms und die Vorstellung des Romans „Dracula“ gleich im ersten Beitrag von Susanne Bach für den Kenner der Material eher uninteressant sein. Und der Freud-Bezug des Unheimlichen wurde auch schon an anderer Stelle ausführlich analysiert. Wobei es aber spannend ist, dass die Autorin gerade Francis Ford Coppolas nicht ganz so populäre „Dracula“-Verfilmung in den Mittelpunkt ihres Textes stellt.

Markus Stiglegger steuert einen sehr interessanten Artikel zu Dario Argentos Meisterwerk „Suspiria“ und dessen Einflüsse bei. Dies dürfte einem aufgrund seiner anderweitig veröffentlichten Texte zu „Suspiria“ und dem italienischen Genrefilm teilweise bekannt sein. Auch hier: Ein gut geschriebener Artikel für Einsteiger ins Thema, der viel Bekanntes noch einmal zusammenfasst.

Arno Rußland nutzt Mel Brooks „Frankenstein Junior“ weniger, um auf den Frankenstein-Mythos, sondern vielmehr die Mechaniken der Parodie einzugehen. Ein guter Ansatz, da Frankenstein bekannt genug ist, um die parodierten Elemente gut nachvollziehen zu können.

Sehr interessant fand ich Angela Fabris‘ Ansatz, Dario Argento und Mario Bava anhand von „Profondo Rosso“ und des etwas weniger bekannten, aber nichtsdestotrotz wegweisenden Frühwerks „The Girl Who Knew Too Much“ gegenüberzustellen. In der Regel reduziert sich der Vergleich ja immer auf Bavas „Blutige Seide“. Besonders spannend ist dieser Artikel im Vergleich zu Ingo Knotts Beitrag in „Dario Argento – Anatomie der Angst“, welcher sich – bei unterschiedlichem Fazit – mit demselben Thema beschäftigt.

Auch interessant ist Jörg Helbigs Beitrag über Pete Walkers Spätwerk „House of Long Shadows“ als postmodernes Spiel mit den Genrekonventionen. Besonders hat mir aber Sabrina Gärtners sehr gut geschriebener, analytischer Artikel zu Jessica Hausers „Hotel“ gefallen, in dem sie aufzeigt, wie mit Hilfe zahlreichen Verweisen und Zitaten, typischen Motiven, Klischees und Handlungsstrukturen ein komplexes Symbolsystem aufgebaut worden ist. Schade, dass gerade Frau Gärtner nicht im Autorenverzeichnis geführt wird.
Benjamin Moldenhauers Beitrag zu dem „drastischen Horrorfilm“ ist ein sehr gutes Konzentrat seines sehr empfehlenswerten Buches „Ästhetik des Drastischen“. Wer sich erstmalig mit seinen Thesen und Theorien erstmalig vertraut machen möchte, ist hier genau richtig. Wer jenes Buch bereits kennt, wird den Artikel wahrscheinlich eher zur Auffrischung überfliegen.

Michael Fuchs setzt sich mit dem „Animal Horror“ auseinander und nutzt „Jurassic Park“, „Mimic“ und „Shark Night“ als Beispiele. Ein spannendes Thema, von dem ich mir eine größere Arbeit in Buchform wünschen würde.

Frank Hentschel hat bereits ein schönes Buch zum Thema Filmmusik im Horrorfilm geschrieben („Töne der Angst“). Dort hatte er sich auf die 70er Jahre konzentriert. Sein lesenswerter Artikel hier ist so etwas wie ein „Sequel“, denn er beschäftigt sich mit der Horrorfilmmusik der letzten sieben Jahre.

„Kult-Horrorfilm“ endet mit einigen Listen, auf denen u.a. „Die 20 bedeutendsten Horrorfilm-Regisseure der Filmgeschichte“, „Die 30 besten Horrorfilme aller Zeiten“ (ausgerechnet ausgewählt nach ihrem Rotten-Tomato-Rating) oder“ Die 10 besten Horrorfilm-Remakes aller Zeiten …“,“…und die 5 schlechtesten“ zu finden sind. In meinen Augen ziemlich witzlose Seitenfüllerei, die sich auch hier an den Genre-Novizen richtet und diesem vielleicht im besten Fall einen ersten Pfad ins unbekannte Land aufzeigt. Alle Anderen dürften bei den Listen wahlweise gähnen, sich über fehlende Titel ärgern oder über hier zu unrecht aufgeführte Filme aufregen.

Nichtsdestotrotz ein interessantes Buch, welches ganz unterschiedliche Aspekte des Genres beleuchtet und ein sehr guter Einstieg ins Genre des Horrorfilms darstellt. Auch wenn einiges bekannt sein wird, findet auch der „alte Hase“ hier einige spannende Denkanstöße.

Jörg Helbig, Angela Fabris, Arno Rußegger (Hg.)Horror Kultfilme, Schüren Verlag, 200 Seiten, € 24,90

Filmbuch-Rezension: Markus Stiglegger “Grenzkontakte“

Von , 3. Februar 2017 15:55

Stiglegger, Stiglegger, Stiglegger… In den letzten paar Jahren ist dieser Name omnipräsent geworden, wenn man sich für die Welt des „unterschlagenen Films“ (Copyright by Splatting Image) interessiert. Man hat beinah das Gefühl, es gäbe in diesem Bereich keine einzige Veröffentlichung mehr, die ohne einen Audiokommentar, ein Booklet und/oder Videoessay von dem Professor für Fernsehen und Film an der Dekra Hochschule für Medien in Berlin auskommt. Was – wenn man mal die einschlägigen Foren querliest – bei einer bestimmten Klientel schon zu Überdruss und einer gewissen genervten Müdigkeit führt, die sich nicht selten in unsachliche und persönlich angreifende Kommentare niederschlägt. In dieser Phase höchster Produktivität ist nun das Buch „Grenzkontakte“, eine „Liebeserklärung an das Kino und die Filmkunst“ erschienen.

Im Gegensatz zu Stiggleggers sonstigen Veröffentlichungen, die zumeist im wissenschaftlichen Feld angesiedelt sind, kann man hierbei fast schon von „Stiglegger for the masses“ sprechen. Was in keinerlei weise despektierlich gemeint ist. Im Gegenteil, Stiglegger gelingt es ausgezeichnet, den aufgeschlossenen Filmfreund, der keine kulturwissenschaftliche Ausbildung genossen hat, an die Hand zu nehmen und in sehr gut lesbaren und trotzdem anspruchsvollen Texten an die Grenzen der filmischen Erfahrung, und darüber hinaus zu führen. Dabei hilft es sicherlich, dass einige Texte von vornherein als Booklet-Essays konzipiert waren. Zumindest sind die Schriften über Michael Manns „Thief“ und Abel Ferraras „Blackout“ identisch mit denen, die man in den entsprechenden Veröffentlichungen von OFDb Filmworks bzw. filmArt findet. Man kann wohl davon ausgehen, dass auch andere Texte in diesem Buch ein zweites Leben erhalten haben. Schließlich hat Stiglegger für die deutschsprachige Heimkino-Veröffentlichungen vieler in „Grenzkontakte“ vorgestellten Filme ebenfalls das Booklet geschrieben.

Was aber auch nicht schlimm ist, da nur die Allerwenigsten all diese Veröffentlichungen Zuhause im Regal stehen haben dürften. So ist „Grenzkontakte“ auch ein wunderbarer Querschnitt durch Stigleggers populäres Schaffen der letzten Jahre. Der Natur der Sache ist es da geschuldet, dass die einzelnen Kapitel unterschiedlich lang und von unterschiedlicher analytischer Tiefe sind. Der Auftakt, ein ausführliches Portrait des italienischen Maestros Mario Bava, verschafft dem Leser einen großartigen Überblick über dessen Schaffen und seine filmgeschichtliche Bedeutung. Wer sich bereits eingehend mit Bava beschäftigt hat, wird allerdings nicht allzu viel Neues entdecken. Ganz anders Stigleggers wundervoller Text über „Der Nachtportier“, der den Film von ganz unterschiedlichen Seiten eingehend beleuchtet, um ihn hochspannend und nachvollziehbar zu analysieren. Sehr berührt hat mich der fast schon zärtliche Text über einen meiner großen Helden, Andrzej Zulawski, der den Abschluss der Filmtexte bildet und einen würdigen Nachruf (auch wenn dies zur Zeit des Verfassen noch nicht absehbar ist) auf einen der ganz großen Meister der Filmkunst darstellt. Unbedingt lesenswert sind auch seine Anmerkungen zum existenzialistischem Kino eines Bruno Dumont, seine Annährungen an Roland Topors „Marquis“ oder seine Überlegungen zu Ryu Murakamis „Tokyo Decadence“, um nur einige herauszugreifen.

Am Ende des Buches steht dann noch ein Interview, welches Kai Naumann per Email mit Markus Stiglegger führte. Da beide gut befreundet ist, ist dies eine nette Plauderei, bei der Kai Naumann mehr oder weniger die Stichwörter liefert, die Markus Stiglegger Raum geben, um von seinen ersten Filmerfahrungen in der Kindheit, seinen vielzähligen Unternehmungen und seinen (durchaus beeindruckenden) Leistungen zu berichten. Alles in allem ist „Grenzkontakte“ genau das, was der Untertitel verspricht. Eine Exkursion ins Abseits der Filmgeschichte. Mit einem überaus kompetenten Reiseleiter, von dem man sich nur allzu gerne in das Unbekannte da draußen hinaus ziehen lässt.

Markus Stiglegger „Grenzkontakte – Exkursionen ins Abseits der Filmgeschichte, Martin Schmitz Verlag, 240 Seiten, € 17,80

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