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Blu-ray-Rezension: „E Tanta Paura – Magnum 45“

Von , 4. September 2019 07:16

Eine geheimnisvolle Mordserie hält Kommissar Lomenzo (Michele Placido) auf Trab. Der Täter hinterlässt bei seinen Opfer immer eine Seite aus dem „Struwwelpeter“. Durch seine attraktive Nachbarin Jeanne (Corinne Cléry) kommt Lomenzo auf eine heiße Spur, die ihn zur verlassenen Villa Hoffmann führt. Aber auch der undurchsichtige Chef einer mächtigen Detektei (Eli Wallach) scheint mehr über die Morde zu wissen, als er sollte. Scheinbar hängt alles mit einem Todesfall zusammen, der sich im elitären Kreis des „Clubs der Tierliebhaber“ in der Villa Hoffmann zu trug… .

Magnum 45“ ist natürlich ein ziemlich unsinniger Name für diesen ungewöhnlichen Giallo. Das Cover der deutschen VHS verspricht Polizei-Action mit Motorrädern und großen Knarren. Doch „Und so viel Angst“, wie der italienische Titel übersetzt heißt, ist ein ganz anderer Film, als die damalige Werbung glauben machen wollte. Er ist in der Tat aber auch ein ganz anderer Film, als man erwarten würde, wenn man weiß, dass es sich hier um einen Giallo/Poliziottesco-Hybriden handelt. Zwar weist er Elemente sowohl des Giallos (den unheimlichen Mörder, der bei seinen in genau choreographierten, grafischen Szene dahin gemeuchelten Opfern eine Visitenkarte in Form von Seiten aus dem „Struwwelpeter“ hinterlässt) als auch des Poliziottesco (der Kommissar, welcher sich plötzlich in einer Intrige der Mächtigen wiederfindet), doch Regisseur Paolo Cavara hat anderes im Sinn.

Bereits mit seinem ersten Giallo „Der schwarze Leib der Tarantel“ hatte er sein subversives Spiel mit Genrekonventionen betrieben. In beiden Filme wird untypischerweise der Kommissar und sein Liebesleben in den Vordergrund gerückt. In beiden Filmen wird der Kommissar von einem Schauspieler verkörpert, der – zumindest bis dahin – kein bekanntes Gesicht im Genrekino ist. In „Der schwarze Leib der Tarantel“ ist es Lina Wertmüllers Stammschauspieler Giancarlo Giannini, hier ein blutjunger und unverschämt gut aussehender Michele Placido. Placido wurde erst Mitte der 80er mit „Allein gegen die Mafia“ zum internationalen Star. Giannini und Placido verbindet darüber hinaus ein leicht melancholischer Blick. In beiden Filmen rückt Paolo Cavara auch immer wieder fremdartig wirkende Architektur in den Fokus, wenn auch im Falle von „Magnum 45“ weniger offensiv. Die Welt beider Filme wirkt irreal und hermetisch abgeschlossen. Cavara kreiert hier sein ganz eigenes Universum, welches nicht nach „normalen“ Standards funktioniert. Szenen führen ins Nichts, zwischen allen Figuren scheinen unsichtbare Fäden gesponnen zu sein, Logik wird gar nicht erst versucht vorzutäuschen und Zufälle werden einfach nicht thematisiert, sondern als Fakt vorausgesetzt.

Ein Beispiel hierfür ist die Figur der Jeanne. Eigentlich ist sie nur eine Nachbarin des Kommissars, der er zufällig im Aufzug begegnet und kurz darauf auf einer Party (bei der ihm auch prompt die Freundin von einem Modefotografen ausgespannt wird, was er mehr oder weniger mit einem Schulterzucken quittiert). Wenig später fahren sie durch die Gegend, um in der geheimnisvollen Villa Hoffmann zu landen, wo Jeanne Kommissar Lomenzo erzählt, dass sie hier einmal zu Besuch war und seltsame Dinge erlebt hat. Die daraufhin folgende Rückblende erfährt später dann eine erneute, der vorherigen Fassung widersprechende Version. Teilweise fragt man sich, ob Jeanne überhaupt real ist oder ein sexueller Wunschtraum Lomenzos. Denn abgesehen davon, dass sie allen Klischés entspricht (wunderschön, bisexuell, immer willig) spielt sie plötzlich eine wichtige Rolle in seinem Kriminalfall, Sie ist (natürlich) Modell und hat eine lesbische Affäre mit ihrer Kollegin. Was aber für den weiteren Film keine Rolle mehr spielt. Die Versionen ihrer Geschichte ändern sich mit dem Fortschritt der Ermittlungen und sie verschwindet so plötzlich aus der Handlung, wie sie aufgetaucht ist.

Die Auflösung des ganzen Komplotts lässt Cavara ebenfalls in der Schwebe. Zwar wird am Ende plötzlich ein Täter aus dem Hut gezaubert, doch dass er für die Morde verantwortlich war, mag man nicht wirklich glauben. Es ergibt sich kein rundes Bild (was bei Gialli zwar fast immer so ist, aber zumindest wird einem eine endgültige Wahrheit – so abstrus sie auch sein mag – zumindest vorgegaukelt). Hier ist gar nichts sicher. Am Ende bleibt tatsächlich das diffuse Gefühl einer allgegenwärtigen Bedrohung, welches durch die unwirkliche, manchmal traumgleiche Szenerie noch verstärkt wird. Einer Szenerie in der in nebligen Parks verlassene Tierkäfige stehen und Figuren scheinbar willkürlich irgendwo auftauchen und dann wieder verschwinden. Wo es eine grotesk anmutende Orgienszene inklusive Schimpansen und ausgesprochen explizit-bizarre Trickfilm-S/M-Porno-Sequenzen des legendären Gibba gibt. Eine Szenerie, in der „so viel Angst“ vorherrscht.

Für die schöne Fotografie ist ein alter Hase verantwortlich: Franco Di Giacomo, der schon bei „Zwei glorreiche Halunken“ die Kamera führte und für die Bildgestaltung in Argentos „Vier Fliegen auf grauem Samt“ und „Der Postmann“ verantwortlich war. Unter den Darstellern findet man – wie bei „Schwarzer Leib der Tarantel“ – wieder einmal die creme de la creme des europäischen Gernekinos, Wie den immer wieder grandiose John Steiner (in einer leider kleinen Rolle) oder Eli Wallach, der gut 10 Jahre nach „Zwei glorreiche Halunken“ deutlich gealtert Italien besucht. Die bezaubernde Corinne Cléry hat zwar nicht viel zu tun, bereichert den Film mit ihrer Anmut und Jacques Herlin kennt man aus unzähligen Sex-Komödien. Ungewöhnlich ist das kurze Auftauchen eines jungen Tom Skerritt, dessen Figur – ein Kollege des Kommissars – zwar reichlich überflüssig ist und zur Handlung gar nichts beiträgt, der Produktion aber einen weiteren internationalen Namen einbringt (auch wenn sein Durchbruch in „Alien“ erst drei Jahre später erfolgen sollte). Skerritt war im selben Jahr auch in einer kleinen Rolle in Duccio Tessaris Komödie „La Madama“ zu sehen. Dieser Abstecher im Jahre 1976 sollte dann aber auch sein einzige Ausflug nach Bella Italia bleiben.

Die vierte Filmveröffentlichung aus dem Hause Cineploit glänzt zunächst einmal durch eine wirklich schöne Aufmachung. Das Mediabook ist sehr gelungen und enthält ein sehr kluges Essay des ausgewiesenen Italo-Experten Udo Rotenberg, dessen Blog „L’amore in città“ ich hier schon häufiger empfohlen habe. Dieses liegt auf deutsch und englisch vor, was bedeutet, dass mit dieser Veröffentlichung nicht nur in den deutschsprachigen Landesgrenzen, sondern auch international gedacht wird. Das Bild ist in Ordnung und basiert augenscheinlich auf einer HD-Restaurierung, die das italienische Label Raro vorgenommen hat. Der Ton liegt auf Deutsch, Englisch und Italienisch vor. Bei der Italienischen Fassung kann man zwischen festen Deutschen und englischen Untertiteln wählen, wo die deutschen Untertitel an einigen Stellen so schnell auftauchen und wieder verschwinden, als dass man sie ohne Pause-Taste schnell genug lesen könnte. Der englische Ton ist der kräftigste, gefolgt von dem etwas klareren italienischen. Der deutsche Ton ist leider sehr dünn, was daran liegt, dass der Film hier nie im Kino lief und als Quelle die VHS-Kassette eines Klein-Labels dienen musste. Highlight ist ein halbstündiges Interview mit einer sehr lebhaften und bestens aufgelegten Corinne Clery. Ich fand noch das kleine Musik-Special sehr schön, in dem die Gruppe Lawa (hinter der der Label-Chef persönlich steckt), Daniele Patucchis eingängiges Thema sehr druckvoll neu interpretiert.

DVD-Rezension: Drei Söldnerfilme von „Anthony M. Dawson“

Von , 14. Juni 2014 21:16

Mitte der 80er erlebte ein Genre seine Blütezeit, welches heute – bis in den warmen Erinnerungen der Mit-40er – fast vergessen ist: Der Söldnerfilm. Dieses wurde fast im Alleingang von einem Mann auf dem Boden gestampft: Erwin C. Dietrich. Dietrich hatte mit dem Prototyp der in den 80ern folgenden Söldnerfilme – „Die Wildgänse kommen“ – im Jahre 1978 seine erste große, internationale Co-Produktion verwirklicht. Das Ganze funktionierte vor allem als Star-Vehikel, welches mit großen Namen wie Richard Burton, Roger Moore oder Hardy Krüger protzen konnte. Zwar zog der Film einige ähnlich gelagerte Filme, wie „Die Seewölfe kommen“ nach sich, doch Dietrich sollte den Söldnerfilm, so wie man sich heute an ihn erinnert, erst einige Jahre später in einer Handvoll deutsch-italienischer Co-Produktionen definieren. Nachdem Ascot-Elite bereits „Die Rückkehr der Wildgänse“ (Kritik hier) und „Im Wendekreis des Söldners“ (Kritik hier) veröffentlichte, kommen nun auch jene drei großen Söldnerfilme auf den DVD-Markt, die in den späten 80ern die Augen der Videothekenbesucher zum Leuchten brachten. Allen dreien ist der Hauptdarsteller Lewis Collins und der Regisseur Antonio Margheriti (alias Anthony M. Dawson) gemein, sowie die Besetzung der weiteren Rollen mit alternden Hollywoodstars und deutschen Synchronsprechern. Und noch eins fällt auf: In allen drei Werken stiehlt der großartige Manfred Lehmann dem etatmäßigen Helden Lewis Collins gehörig die Schau.

 

Geheimcode: Wildgänse (1984)

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Captain Robert Wesley (Lewis Collins) wird mit seinem Söldner-Team von dem Geschäftsmann Brenner (Hartmut Neugebauer) angeheuert, um im Auftrag der amerikanischen Drogenfahndung im Goldenen Dreieck ein großes Heroinlager zu vernichten, welches einem korrupten General gehört. Damit soll der Drogennachschub in die USA und Europa unterbunden werden. Unterstützt von Weiter lesen 'DVD-Rezension: Drei Söldnerfilme von „Anthony M. Dawson“'»

DVD-Rezension: “Die Rückkehr der Wildgänse“

Von , 7. Januar 2014 20:58

Die-Rueckkehr-Der-WildgaenseNach zehn Jahren immer noch nicht wirklich in der Heimat angekommen, erfahren die vier Vietnamveteranen Roger (Christopher Connelly), Richard (Oliver Tobias), Mark (Manfred Lehmann) und James (John Steiner) von ihrem ehemaligen Vorgesetzen, dass immer noch amerikanische Kriegsgefangene in Vietnam festgehalten werden. Die vier machen sich daraufhin auf, die Sache selber in die Hand zu nehmen, und die Gefangenen zu befreien. Dies läuft auch zunächst recht glatt, doch dann werden sie von der halben vietnamesischen Armee gehetzt…

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1978 verwirklichte der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich seinen Traum von einer internationalen, mit namenhaften Stars gespickten Großproduktion. Nachdem er in den späten 60ern und vor allem in den 70er Jahren hauptsächlich mit Sexfilmen sein Geld machte – und mit Jess Franco das Frauengefängnis-Genre zu neuem Leben erweckte – sollte „Die Wildgänse kommen“ mit Richard Burton, Roger Moore und vielen anderen Stars eine neue Ära einläuten. Daraus wurde dann – auch durch Streitigkeiten mit den Mitproduzenten – leider nichts. Doch Dietrich hatte ein neues Gerne für sich entdeckt, welches er dann Mitte der 80er Jahre kräftig molk: Den Söldnerfilm. Dieser wurde nach dem Abebben der Sexfilm-Welle zu seinem neuen Standbein. Co-produziert wurden diese Filme mit Italien und meistens führte Action-Spezi Antonio Margheriti, alias Anthony Dawson, Regie. „Die Rückkehr der Wildgänse“ (dessen italienischer Titel „Mission Cobra“ lautete) ist bereits der dritte Film in dieser kleinen Reihe. Die Regie übernahm ausnahmsweise Fabrizio De Angelis, besser bekannt als „Larry Ludman“, ein sehr erfolgreicher Produzent und eher mittelbegabter Regisseur. Aus den vorangegangenen Filmen wurde der junge Manfred Lehmann (hierzulande besser bekannt als „Bruce Willis‘ Stimme“) übernommen, der damit in allen vier Söldnerfilmen dabei war.

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Internationale „Starpower“ sollen der unvermeidliche Donald Pleasence als Priester in kurzen Hosen und Christopher Connelly als Anführer des Söldner-Kommandos bringen. Während Pleasence nur kurz auftaucht, um einige rassistische Äußerungen abzulassen und die vier Kumpels an die vietnamesische Grenze zu bringen, ist Connelly der eigentlich Hauptdarsteller, auch wenn er in den Credits nur an zweiter Stelle genannt wird. An erster Stelle steht der ehemalige Schweizer Musical-Star Oliver Tobias, der in der Rolle des „Burger“ in der Londoner Aufführung des Musicals „Hair“ bekannt wurde. In Milos Foremans Filmversion wird „Burger“ von Treat Williams gegeben, dem Tobias sehr ähnlich sieht. Tobias‘ Charakter heißt „Richard Wagner“ wird im Film aber nur „Rick“ gerufen. Trotz eines recht vielversprechenden Beginns, gelang Oliver Tobias nie der große Durchbruch als Schauspieler. Heute sieht man ihn vor allem in seichten deutschen TV-Produktionen, wie „Klinik unter Palmen“ oder den Rosemund-Pilcher-Verfilmungen. In „Die Rückkehr der Wildgänse“ darf er als Rick ordentlich Gas geben und wild in der Gegend rumballern. Auch in Situationen, in denen seine Kollegen ihn um mehr Zurückhaltung bitten.

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Neben offensichtlichen Vorbildern, wie „Die Wildgänse kommen“ und vor allen Dingen „Rambo 2: Der Auftrag“ und „Missing in Action„, bedient sich „Die Rückkehr der Wildgänse“ auch ganz ungeniert bei der damals ungeheuer populären TV-Serie „Das A-Team„. Connellys‘ Roger Carson erinnert an George Pepparts „Hannibal“, während Oliver Tobias Charakter deutlich an „Mad Murdrock“ angelehnt ist, und Manfred Lehmanns Mark scheinbar eine Prollversion von „Faceman“ abgeben soll. Connelly ist eigentlich auch schon viel zu alt für seinen Part. Gerade beim scharfen DVD-Bild erkennt man doch überdeutlich die Spuren des Alters ins einem Gesicht. Dass er in Vietnam an vorderster Front gekämpft haben soll, erscheint unwahrscheinlich. Aber das ist in der Filmwelt eines Italo-Söldner-Films natürlich irrelevant. Neben den Genannten schauen noch weitere, gern gesehene Gesichter vorbei. Allen voran natürlich der stoische John Steiner, der hier in einer Szene sogar seine Skimaske aus „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ recyceln kann. Allerdings merkt man ihm an, dass er sich nicht nur unterfordert fühlt, sondern auch keine große Lust auf den Film hatte. Ebenfalls immer wieder gern gesehen ist das Eisengesicht von Gordon Mitchell, der hier einen fiesen amerikanischen General gibt. Mitchell muss in seiner Rolle nicht viel mehr tun, als stocksteif dazustehen und böse zu gucken. Diese Aufgabe erledigt er mit Bravour und wenn Mitchell böse guckt, dann kann man es schon mal mit der Angst bekommen. Luciano Pigozzi, einst der italienische Peter Lorre, ist ebenfalls kurz zu sehen und wirkt hier mehr wie der italienische Orson Welles. Auch John Waynes Sohn Ethan hat eine kleine Rolle und sorgt für einen der bleibensten Momente des Filmes. Einmal schaut sogar Enzo G. Castellari vorbei, um den ehemaligen Vorgesetzten des Wildgänse-Teams zu spielen. Schade, dass er den Film nicht auch inszeniert hat.

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Nach einem langsamen, aber soliden Start, der sich darauf konzentriert zu zeigen, wie unerwünscht sich die Vietnam-Veteranen in ihrer Heimat fühlen, freut man sich darauf, dass die Action im Dschungel von Vietnam (bzw. den Philippinnen, die wie so oft das ehemalige Kriegsgebiet doubeln müssen) beginnt. Doch gerade hier gerät der Film zu einer zähen Angelegenheit. Regisseur De Angelis verfügt leider über kein besonders gutes Gespür für Timing. Einige Szenen werden endlos ausgewalzt, während andere viel zu schnell vorbei sind. So ist z.B. die Befreiung der amerikanischen Kriegsgefangenen kurz und unspektakulär, ihre Flucht dann aber wiederum viel zu lang und lahm. Auch hilft es nicht, wenn sich die Szenen immer wieder gleichen. Ständig werden die Helden mit Sperren des Vietcongs konfrontiert, die sie dann irgendwie in die Luft sprengen. Interessante Ansätze, wie der Schockeffekt einer schönen Vietnamesin, deren Körper über und über vernarbt ist, werden kurz abgehandelt, obwohl hier durchaus Potential für eine Charakterentwicklung der Hauptfiguren bestanden hätte. Aber daran ist De Angelis nicht interessiert, und so bleiben die Protagonisten den ganzen Film über klischeehafte Abziehbilder. Erschwerend hinzu kommt noch eine wirklich übel-rassistische Synchronisation. In dieser werden alle Asiaten als „Schlitzies“ und „Gelbärsche“ bezeichnet und nahe legt, dass ausnahmslos jeder Vietnamese ein blutrünstiges Monster sei, welches nur darauf lauert, den guten Amerikanern die Kehle durchzubeißen. Doch gerade dann, wenn man den Film unter „belanglos“ abgehakt hat, gelingt es De Angelis doch noch zu überraschen. Dem Publikum wird ein überaus deprimierendes und nihilistisches Finale präsentiert, welches noch über den Abspann hinaus nachwirkt.

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Italienisch-schweizerischer Söldnerfilm, der sich weniger an „Die Wildgänse kommen“, als vielmehr „Rambo 2“, „Missing in Action“ und sogar dem „A-Team“ orientiert. Leider zum Teil etwas zäh und uninteressant inszeniert, so dass sich, trotz gerne gesehener Gesichter, das Interesse in Grenzen hält. Zudem stößt die üble Art und Weise auf, in der alle Vietnamesen als unmenschliche Monster dargestellt und generell alle Asiaten rassistisch beschimpft werden. Erst ganz zum Schluss holt Regisseur Fabrizio de Angelis einen mächtigen und unerwarteten Magenschwinger hervor, der dem Film in den letzten Minuten dann noch zu einem nachhaltigen Eindruck verhilft.

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Der legendäre Produzent Erwin C. Dietrich gründete einst das Label Ascot Elite. Nachdem hier jahrelang vor allem aktuelle und anspruchsvolle Produktionen veröffentlicht wurden, erinnert man sich nun den Schätzen aus dem Archiv und veröffentlicht diese in ihrer „Cinema Treasures“-Reihe. So wird neben „Die Rückkehr der Wildgänse“, auch bald Margheritis „Im Wendekreis des Söldners“ erscheinen. Das Bild der DVD ist recht ordentlich, bedenkt man, dass es sich hier um eine eher preiswertere 80er-Jahre-Italo-Produktion handelt. Der Ton liegt in auf Deutsch und Englisch vor. Extras gibt es keine, aber eine ausführliche Trailer-Show mit zeitgenössischen Vorschauen auf u.a. alle vier Söldnerfilme des Hauses Dietrich.

DVD-Rezension: “Die letzte Rechnung schreibt der Tod”

Von , 2. November 2013 21:53

letzterechnungVier maskierte Männer überfallen die Lohnkasse einer großen Firma vor den Toren von Mailand. Als die Polizei anrückt, machen sich zwei der Männer mit der Beute davon, während die anderen Beiden zurückbleiben. In ihrer Not nehmen sie Geiseln und es gelingt ihnen ein Auto zu erpressen. Bei der Flucht können sie die Polizei abzuhängen, doch dabei kommt allerdings einer der Beiden ums Leben. Zurück bleibt der Kopf hinter dem Überfall, der Gangster Raul Montalbani (Claudio Cassinelli). Er macht sich auf die Suche nach seinen beiden Komplizen und der Beute. Diese sind aber bereits eifrig dabei, ihre Spuren zu verwischen…

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Anfang der 70er Jahre löste im italienischen Kino der sogenannte Polizieschi (oder auch Poliziottesco) den bis dahin an der Kinokasse immens erfolgreichen Italo-Western ab. Nach dem gewaltigen Erfolg von „Dirty Harry“ in den Staaten – der die Figur des Westerners in den urbanen Großstadtdschungel holte – vermischte sich in Italien der Cop-Film mit den sozialen Problemen des Landes zu einer explosiven Filmgattung. Interessanterweise schlug der Boom des italienischen Polizei- und Gangsterfilmes nicht nach Deutschland durch. Nur wenige Werke fanden sich hier auf der Leinwand wieder. Dies änderte sich erst mit den Aufkommen von Video, als einige der wichtigsten Werke dieser Gattung ihren Weg auf heimische Bildschirme fanden.

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Zu den wichtigsten Werken dieser Gattung zählt „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ nicht unbedingt und er erschien damals auch nicht auf dem VPS-Label, welches die Klassiker des Genres in Deutschland zugänglich machte, sondern auf dem obskuren Klein-Label „Videotonträger Dr. Dressler GmbH“. Was auch hübsch damit korrespondiert, dass „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ auch für kleines Geld entstanden ist. Nichtsdestotrotz saß mit Mario Caiano ein routinierter Mann im Regiestuhl, der gewohnt war, aus wenigen gegebenen Mitteln ein Maximum herauszuholen. Sein berüchtigtes Werk ist sicherlich der Naziploitation-Streifen „Nazi Love Camp 27“, aber auch im Italo-Western und im Polizieschi war er sehr aktiv. Seine beiden besten Filme sind allerdings der Gothic-Horror „Nightmare Castle“ mit der göttlichen Barbara Steele und der psychedelische Giallo „Eye in the Labyrinth“, der trotz Horst Frank in einer der Hauptrollen, keinen deutschen Verleih fand.

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„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ unterscheidet sich sehr von den Prototypen des Genres, in denen Titel wie „Gewalt rast durch die Stadt“ oder „Die Gewalt bin ich“ Programm sind. Wo schlagkräftige Cops immer etwas außerhalb der Dienstvorschriften unter der gleißenden Sonne Italiens, und untermalt von grooviger Musik, auf Verbrecherjagd gehen. Von der italienischen Sonne sieht am in „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ gar nichts. Der Film spielt im Herbst und die Stimmung macht einem fröstelnd. Alles wirkt kalt, feucht und trostlos. Dazu trägt auch das Filmmaterial bei, welches ausgebleicht wirkt und alles in ein entsättigtes Beige-Grün taucht. Dadurch erhält der Film noch einen zusätzlichen, billigen Anstrich, der aber gut zu der Geschichte und seinen schmierigen Charakteren passt. Denn Identifikationsfiguren gibt es hier keine. Am ehesten fiele diese Rolle dem Kommissar zu, der aber – vergleicht man ihn mit seinen Kollegen Maurizio Merli oder Tomas Milian – eher lethargisch wirkt und sich strikt an die Vorschriften hält. Sein gemütlich aussehender Partner verstärkt noch das Gefühl, dass die Polizei in diesem Fall nicht unbedingt dynamisch zu Werke geht. Und tatsächlich hinkt sie den Verbrechern immer hinterher.

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Diese werden von Charakterköpfen aus der zweiten Reihe gegeben. Zwar ist mit John Steiner sogar ein internationaler Star mit von der Partie, doch – das darf hier verraten werden – seine Gage dürfte in Anbetracht der Zeit, die er im Film verbringt, nicht exorbitant hoch gewesen sein. So obliegt es Claudio Cassinelli den formalen (Anti)-Helden zu geben. Wobei „Held“ den Nagel nicht wirklich auf den Kopf trifft, denn er spielt den Anführer der vier Räuber und ihn unterscheidet von seinen Komplizen nur, das er intelligenter ist als sie und tatsächlich so etwas wie einen Ehrencodex mit sich führt. Im Grunde ist er aber genauso skrupellos wie sie, was sie am Ende dann auch zu spüren bekommen. Cassinelli spielt den Raul Montalbani mit großer Präsenz und macht von Anfang an klar, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Seine Komplizen werden von Vittorio Mezzogiorno und Biagio Pelligra gespielt. Beide hat man schon in unzähligen anderen Produktionen in ähnlichen Rollen gesehen. Darum müssen ihre Figuren auch nicht weiter ausgearbeitet werden. Ein Blick in ihre Gesichter und man weiß automatisch, wo der Hase langläuft. Demgegenüber kann der ansonsten zuverlässige Elio Zamuto als eher dröger Commissario Foschi nicht unbedingt punkten. Dafür trägt er eine schicke, knappe Lederjacke. Als erotisches Beiwerk gibt es Silvia Dionisio in einer eher zwiespältigen Rolle zu sehen. Bei ihr ist man nie sicher, was nun eigentlich ihr Plan ist. Hat sie sich in Cassinellis Charakter verliebt oder hängt sie nur ihr Mäntelchen in den Wind? Eine etwas besser Ausdifferenzierung hätte hier der Rolle gut getan, die so doch nur ein Mittel zum Zweck ist, um den Film irgendwann zu Ende zu bringen.

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Die erste Hälfte von „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist ungeheuer dynamisch inszeniert. Die Gangster werden in zwei Gruppen gespalten und beide treten Hals über Kopf die Flucht an. Dabei wird permanent zwischen den Flüchtenden hin und her geschnitten, so dass der Film ständig in Bewegung ist und man kaum Zeit zum Durchatmen bekommt. Hierbei sei erwähnt, dass sich die Verfolgungsjagden auf dem Niveau der aufwändigen Produktionen von z.B. Lenzi befinden. Erst als die Flüchtenden ihre Verstecke erreichen, hält auch der Film an. Die nachfolgenden Aktionen ziehen sich dann auch etwas und sind recht vorhersehbar, auch wenn ein gialloesquer Mord nicht ganz ins Bild passen mag. So verliert der Film mit fortschreitender Laufzeit stetig an Tempo und auch die eingestreuten Gewaltspitzen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwas auf der Stelle getreten wird. Insbesondere ist dies der Fall, wenn die Polizei ermittelt. Hier werden auch die Handlungskürzungen auffällig, die es in der alten deutschen Videofassung gab und die hier nun im Original mit deutschen Untertiteln wieder integriert wurden. Da führen einige Szenen förmlich ins Nichts, wenn die Polizei erst aufwändig einen Informanten entlarvt, um ihn dann nicht weiter zu beachten. Zum Finale dann wir noch einmal an der Gewaltschraube gedreht, aber der Showdown wirkt trotzdem etwas überstürzt.

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„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist ein kleiner, dreckiger B-Film, der zwar nicht an die Klassiker des Polizieschi-Genres heranreicht, aber in der ersten Hälfte überaus rasant unterhält. In der zweiten Hälfte zieht er sich etwas, was auch der langweiligen Darstellung der Polizeiuntersuchung geschuldet ist. Nichtsdestotrotz kann der Film den Zuschauer bis zum blutigen Showdown bei der Stange halten.

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„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist die erste Veröffentlichung in der neuen „Polizieschi“-Reihe der Firma filmArt, der hoffentlich noch viele folgen werden. Das Bild ist mittelprächtig, was allerdings auch auf das nicht optimale Ausgangsmaterial zurückzuführen ist. Der Ton liegt in Deutsch mit einer durchschnittlichen Video-Synchronisation vor. Zuvor in der Videofassung geschnittene Szenen sind im Original mit Untertiteln eingefügt. Als Extras gibt es nur einen Trailer, dafür gibt es ein 12-seitiges Booklet von Heiko Hartmann , in dem „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ allerdings ständig „Die letzte Rechnung zahlt der Tod“ genannt wird.

Western Unchained: „Navajo Joe“ & „Tepepa“

Von , 1. März 2013 15:31

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Die Bande des Banditen Duncan (Aldo Sambrell) ermordet wahllos Indianer und verkauft ihre Skalps. Als sie das Dorf des jungen Indianers Joe (Burt Reynolds) niedermachen, setzt sich dieser auf ihre Fährte, um blutige Rache zu üben. Als die Banditen einen Zug überfallen und eine halbe Million Dollar stehlen, nimmt Joe ihnen die Beute ab und bringt das Geld zu seinem Bestimmungsort, eine abgelegene Stadt am Rande der Zivilisation. Dort bietet er den Einwohnern an, sie gegen die Banditen zu verteidigen. Obwohl diese dem Indianer nicht trauen und mit offener Feindseligkeit entgegentreten, sind sie doch bald gezwungen, Joes Angebot anzunehmen…

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Burt Reynolds bezeichnet „Navajo Joe“ als den schlechtesten Film, den er je gemacht hat. Er würde wohl nur in Gefängnissen und auf Schiffen gezeigt werden, weil dort niemand weglaufen könne. Wie Reynolds zu diesem Urteil kommt, lässt sich nur vermuten. Scheinbar hatte er bei der Annahme der Hauptrolle geglaubt, Sergio Corbucci wäre mit Sergio Leone identisch und war deshalb enttäuscht. Möglicherweise waren auch die Dreharbeiten kein Zuckerschlecken. Wenn man die Stunts sieht, die Reynolds offensichtlich selbst ausführt, dann kann man sich gut vorstellen, dass die Dreharbeiten für den Amerikaner sehr anstrengend und auch schmerzhaft waren.

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Natürlich ist „Navajo Joe“ kein schlechter Film. Sicherlich nicht Corbuccis Bester, aber gut, harte Unterhaltung. Reynolds sieht als Indianer Joe in der Tat etwas merkwürdig aus, was an dem übertriebenen Make-Up und der unpassend-albernen Perücke liegt. Zudem merkt man ihm an, dass er nicht mit dem Herzen dabei ist. So wird ihm die Show dann auch von dem großartigen Aldo Sambrell gestohlen, der sich mit Leib und Seele in die Rolle des bösen Halbbluts Duncan wirft. Die Actionszenen sind – wie immer bei Corbucci – sehr solide umgesetzt, und mit der Gewalt wird auch nicht gerade zimperlich umgegangen, was „Navajo Joe“ ein FSK 18 einbrachte.

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Der heimliche Star des Filmes ist Ennio Morricones Musik, die er unter dem Pseudonym Leo Nichols beigesteuert hat. Das Titelthema ist schlichtweg himmlisch und das unvergessliche Hauptthema fand auch prominent in Tarantions „Kill Bill“-Saga und Alexander Paynes „Election“ Verwendung. „Navajo Joe“ ist für Fans des Genres definitiv ein Must-See, auch wenn der Film nicht ganz an die großen Glanztaten seines Regisseurs heranreicht.

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Auch „Navajo Joe“ (Nummer 9 auf Tarantinos Top 20 Liste) ist ein Repack. Als Extras ist, wie bei der Erstveröffentlichung, das 11-minütige Featurette „On Behalf of American Indians“ an Bord, in dem Filmkritiker Antonio Bruschini das Werk bespricht. Die etwa 30-minütige Doku „An Indian Named Joe“ besteht aus Interviews mit Rugero Deodato (der hier als Regieassistent tätig war), Sergio Corbuccis Frau Nori und der Schauspielerin Nicoletta Machiavelli. Wie bei „Mercenario“ gibt es auch hier einen Vergleich der Drehorte gestern und heute (6 Minuten). Das Bild könnte etwas schärfer sein, ist aber sonst absolut in Ordnung. Der Ton liegt wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch vor. „Navajo Joe“ ist auch auf BluRay erschienen.

 

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Mexiko zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der ehemalige Revolutionär, Jesus Maria Moran (Tomas Milian), genannt Tepepa, steht bereits vor dem Exekutionskommando des Oberst Cascorro (Orson Welles), da rettet ihm der Engländer Dr. Henry Price (John Steiner) das Leben. Doch dies tut dieser nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil er in Tepepa den Mann vermutet, der am Tod seiner Verlobten Schuld ist. Und diesen will er eigenhändig umbringen. Doch Tepepa gelingt es immer wieder, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Enttäuscht von einer Revolution, die den Armen des Landes nichts eingebracht hat, sammelt Tepepa seine Männer um sich und beginnt erneut, gegen die Armee zu kämpfen…

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Tepepa“ ist eine ideale Ergänzung zu „Mercenario“. Der Film ist ebenfalls ein Revolutions-Western, Giulio Petroni geht aber weitaus ernster und weniger episodenhaft als Corbucci zur Sache. Diesmal schlüpft wieder Tomas Milian in eine Rolle, die er so oder in ähnlicher Form, oft verkörperte. Der ungebildete Bauer, der in die Wirren der Revolution geworfen wird. Hier spielt Milian aber weitaus ernsthafter als z.B. in „Zwei Companeros“. Sein Tepepa weiß, was er will, und er versteht, was Revolution ist. Zwar lässt auch er, wenn er die Möglichkeit erhält, keine Gelegenheit vorübergehen, sich selbst etwas Gutes zu tun, aber generell hat er in erster Linie das Wohl seiner Leute und den Kampf für soziale Gerechtigkeit im Sinn. Dabei spielt Milian weitaus weniger „krakelig“, als man es von ihm in solchen Rollen gewohnt ist.

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Auch der Humor hält sich in Grenzen. Nur über Milians eigenwillige Art, seinen Sombrero zu tragen, sollte man besser hinwegsehen. Dadurch wirkt die Figur alberner, als sie eigentlich angelegt ist. Auch in Tepepa taucht wieder ein Gringo auf, der das für ihn exotische Geschehen mit kühlen, westlichen Augen sieht. Der junge John Steiner erinnert hier vom Aussehen noch stark an Peter O’Toole zu Lawrence-von-Arabien-Zeiten. Seine Rolle ist aber etwas verschenkt. Zwar wird ihm eine Rachegeschichte untergeschoben, viel zur Handlung trägt er allerdings nicht bei. Hier und da darf er Tepepa retten oder sich die ganze Geschichte aus der Distanz ansehen, aber bis auf das Ende ist sein Dr. Price eigentlich unwichtig, wenn auch nicht störend.

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Aber wie Franco Nero als Kowalski in „Mercenario“ oder Gian Maria Volonté in „Von Angesicht zu Angesicht“ ist er mal wieder ein „Kapitalist“, der sich nur in Mexiko aufhält und bei der Revolution lediglich mitmischt, weil er einen eigenen Vorteil sucht. Wenn auch hier keinen monetären, sondern die Befriedigung seiner Rache. Milians Figur Tepepa ist sehr vielschichtig angelegt. Obwohl Held der Geschichte, und damit eigentlich Sympathieträger, erlaubt er sich einige folgenschwere Fehltritte und Grausamkeiten, die man zwar objektiv nachvollziehen kann, einen aber trotzdem erschüttern. Auch seine Einstellung Frauen gegenüber spricht nicht dafür, dass er tatsächlich alle Menschen als gleichwertig ansieht. Doch genau diese Widersprüche machen ihn interessant.

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Als Antagonist wurde der große Orson Welles verpflichtet, der seinen Stiefel routiniert runter spielt, aber merklich wenig mit dem Herzen involviert ist. Im Vergleich zu „Mercenario“ ist Tepepa der ruhigere und auch ernsthaftere Film. Der Zynismus eines Corbucci geht Giulio Petroni völlig ab, vielmehr meint man eine gewisse Melancholie zu verspüren, dass die Armen am Ende immer die Betrogenen sind und sich an den herrschenden Verhältnissen nichts ändert, sondern nur die Köpfe oben ausgetauscht werden.

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„Tepepa“ ist nun erstmals in Deutschland auf DVD veröffentlicht worden. Auf der Tarantino Liste steht er auf Platz 17. Im Kino und auf VHS war der Film bisher immer massiv gekürzt. Überhaupt war es bisher sehr schwierig, den Film überhaupt einmal ungeschnitten zu sehen zu bekommen, da auch die internationalen Veröffentlichungen gekürzt waren. Hier nun liegt er erstmals in voller Länge vor, worauf Regisseur Giulio Petroni direkt nach dem Start der DVD mit einem kurzen Grußwort aufmerksam macht. Giulio Petroni hat für diese Veröffentlichung auch einen Audiokommentar eingesprochen. Die 30-minütige Doku „Freude und Revolution“ besteht aus einem Interview mit Regisseur Giulio Petroni und einem Audiointerview mit Tomás Milian. Milian macht in seinem Part allerdings einen ausgesprochen selbstverliebten Eindruck, was sich aber auch mit den Schilderungen Petronis deckt. Von der dreiminütigen entfallenen Szene ist kein Ton mehr enthalten. Sie wird von Petroni kommentiert. Der alternative Vorspann und zwei Trailer zum Film runden die Extras ab. Das Bild ist sehr gut, der Ton wieder auf Deutsch, Italienisch und Englisch dabei. Leider „jault“ der deutsche Ton etwas. Was man zwar in den Dialogen nicht bemerkt, was aber bei Morricones grandioser Musik auffällt. Eine BluRay ist auch erschienen.

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