Wie der geneigte Leser sicherlich schon mitbekommen hat, bin ich nicht immer einverstanden mit der Qualität der Filmkritik in unserem Tagesblättchen “Weser Kurier”. Natürlich gibt es auch rühmliche Ausnahmen, wie die Kritiken von Alexandra Albrecht (die viel versprechende Frau Astrid Labbert scheint es nicht mehr zu geben – zumindest habe ich lange nichts mehr von ihr gelesen).
Auf der Seite der empfehlenswerten Zeitschrift “Cargo” bin ich auf einen Bericht über die Tagung des Verbands der Deutschen Filmkritik gestoßen, bei dem überraschenderweise auch auf den “Weser Kurier” Bezug genommen wird und der so manches erklärt:
“Florian Vollmers, langjähriger Freier für Filmthemen beim Bremer Monopolblatt Weser-Kurier, gab Einblick in die Vorgänge in Regionalzeitungs-Kulturredaktionen. Auf breiter Front werden Stellen gestrichen, Freien die Türen zugeschlagen, redaktionell erstellte Texte durch in den Pauschalen inbegriffenes Agenturmaterial ersetzt.”
Quelle: http://www.cargo-film.de
Den ganzen (sehr lesenswerten) Artikel mit dem Titel “Blick in den Abgrund” findet man HIER.
Noch so etwas wie ein Nachtrag zu meinem Posting gestern. “Antichrist” wird ja zur Zeit in wirklich allen Medien auf das Ausführlichste rezensiert, interpretiert und diskutiert. Ich habe aus dem Wust an Material einmal zwei Interviews mit ihm herausgesucht, die ich sehr interessant finde.
Auf “Spiegel Online” ist ein längeres Interview zu finden, in dem sich Von Trier auf die ihm eigene Art als kranker Geist inszeniert und die Interviewer ein wenig provoziert. Ich glaube zwar, dass Von Trier wirklich an einer Depression leidet, aber auch, dass er gerne damit kokettiert, um ein Kunstfigur “Von Trier” zu kreieren. Auf diese Weise muss er von seinem wahren Selbst nicht zuviel preisgeben. Im Spiegel-Interview bezeichnet sich Von Trier als Controll-Freak – und ich glaube, er genießt die Kontrolle, die er so über das öffentliche Bild des Regisseurs Von Trier hat. Denn die Journalisten schnappen nur allzu gern nach den Brocken, die er ihnen hinwirft, da sie so wunderbar zum Image des “genialen Verrückten” passen. Hier ist er dem großen Alfred Hitchcock nicht unähnlich, der ja auch die Kunstfigur “Hitch” erschuf, welche in Interviews so wunderbar zu unterhalten verstand, aber ihm auch gleichzeitig einen Schutz bot, um nicht zu persönlich zu werden. Und noch eins ist beiden gemeinsam: Man hört ihnen verdammt gerne zu
Richtig zu hören gibt es Lars von Trier dann in einem 41 minütigen Audio-Interview, welches auf der Homepage der Zeitschrift “Cargo” zur Verfügung gestellt wird. Auch sehr empfehlenswert.
Ferner gibt es noch zwei Texte zum Film, in denen sich die literarischen Schwergewichte Daniel Kehlmann und Elfriede Jelinek mit dem Film “Antichrist” auseinander. Den Kehlmann Text kann man auf der Homepage der “Zeit” nachlesen, den von Jelinek gibt es bisher nur in der Printausgabe der Zeitschrift “Cargo” (also los zum Kiosk und kaufen, denn die Zeitschrift lohnt sich sowieso). Eine Zusammenfassung beider Texte ist in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht worden und auf Filmportal.de zu lesen.
In der Bahnhofsbuchhandlung bin ich zufällig über das neue Magazin “Cargo” gestolpert, welches ich hier nachdrücklich empfehlen möchte.
“Cargo” sieht nicht nur über den Tellerrand und erhält neben der Filmsektion auch Artikel über “benachbarte” Künste wie Video-Installationen/Fotografie (Nadim Vardag; Bill Viola), Theater und TV, sondern hat auch einen ganz ausgezeichneten Internet-Auftritt, der alle Möglichkeiten des Mediums voll ausnutzt (Blog, weiterführende Links, Kurz-Essays, Videos usw.).
Zwar stimme der Meinung der Autoren in ihren sehr gut und anspruchsvoll geschriebenen Artikeln nicht immer zu, aber es ist sehr stimulierend, einen fundierten und gehaltvollen Artikel zu lesen, der eine Gegenposition zur eigenen Meinung einnimmt. Besser als oberflächliches Mitgejubel/-gebuhe. Aktuelle Filmbesprechungen gibt es im Heft übrigens kaum. Dafür Berichte über die Berlinale, eine langes Gespräch mit Thomas Harlan, Kolumnen, Buchbesprechungen und, und, und…
Wem der Preis von (gerechtfertigten, da SEHR viel Text und so gut wie keine Werbung) Euro 8,90 zu teuer ist, dem sei die Internet-Seite des Heftes ans Herz gelegt, durch die man sich wirklich stundenlang klicken kann. Alles sehr gelungen und eine klare Kauf- und Surfempfehlung.