Nachrichten getagged: Bremen

Bericht vom 4. Bremer Filmfest

Von , 27. September 2018 15:20

Nach vier Jahren ist das Filmfest Bremen zwar größer und länger geworden, gefunden hat es sich aber noch nicht. Wie ich bereits im Februar schrieb, erschließt sich mir das Konzept (sofern es eines gibt) nicht so recht. Anderen geht es da ganz ähnlich. Als ich mich in meinem cinephilen und durchaus festivalaffinen Umfeld umhörte, ob noch jemand mit zum Filmfest kommen würde, waren die Reaktionen unisono: „Nee, weiß auch gar nicht was das sein soll, und was da so läuft“. Eine kleine Stichprobe, gewiss. Aber wenn selbst Leute, welche zur potentiellen Zielgruppe eines Bremer Filmfests gehören, so reagieren, wie sieht das dann vor Ort aus? Ich war jetzt sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Gestartet als „Leistungsschau“ der Bremer Filmszene mit der strengen Vorgabe, dass alle Filme irgendwie mit Bremen verbunden sein müssen (was vielleicht maximal zwei Tage trägt, aber dort auch nicht unbedingt das „normale“ Publikum zieht), ist der Aspekt „Bremen“ noch immer wichtig. Was ich auch sehr gut finde, denn diese Regionalität ist schon ein Alleinstellungsmerkmal und Bremer Filmemacher können, ebenso wie der Produktions- und Drehort Bremen, einmal ins Rampenlicht treten.

Doch ein echtes Filmfest ist das so noch nicht. Das haben wohl auch die Macher erkannt und das Ganze erst auf drei und nun vier Tage und weit mehr Spielstätten ausgedehnt. Das ist löblich und zeigt, dass der Wille da ist, hier etwas Großes zu schaffen. Leider wirkt das Programm noch arg beliebig. Der lokale Schwerpunkt ist geblieben, was absolut zu begrüßen ist. Um sich das Prädikat „International“ umhängen zu können, wurden zwei neue Schienen eingeführt, wo auch internationale Filme ohne Bremen-bezug gezeigt werden. Einmal „Humor/Satire“, was zeigen soll, dass die als humorlos verschrienen Hanseaten auch anders können. Das wirkt auf mich aber eher wie „crowd pleasing“, um damit die „normalen“ Kinogänger und die – wie ich sie nenne – Arthaus-Weinschwenker-Fraktion abzuholen. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen, aber ein eigenständiges Profil erhält das Filmfest dadurch nicht.

Zumal neben der leichten Muse, der zweiter Strang dann gleich für eher experimentelles („Innovation“) Kino eingerichtet wurde. Was ich ebenfalls sehr gut finde, aber im Weiter lesen 'Bericht vom 4. Bremer Filmfest'»

Kulturfestival dreizehn° in Bremen-Blumenthal: Das Filmprogramm steht

Von , 17. August 2018 14:45

Wie bereits hier geschrieben, findet vom 31.8. bis 2.9. das dreizehn°-Festival auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei (BWK) in Blumenthal statt. Neben einer großen Musikbühne, zwei Theaterbühnen, einer Literaturbühne und einer Experimentalbühne, Getränke- und Imbissständen wird es auch eine Kinobühne und ein (gar nicht mal so) kleines Filmprogramm geben. Dieses besteht (erwartbarer Weise) größtenteils aus Dokumentarfilmen, hat aber mit „Animals“ auch ein echtes Spielfilm-Highlight im Programm. Und für die Kleinen wurde auch gesorgt. Insgesamt eine runde und, wie ich meine, gut zum Festival passende Auswahl. Da finde ich es gleich doppelt schade, dass ich ich bei der Premiere des dreizehn°-Festival nicht dabei sein kann, da erst die Arbeit, dann das Übersee-Festival und schließlich noch der Urlaub rufen. Ich hoffe aber, das dreizehn°-Festival wird ein voller Erfolg, und ich kann 2019 (sofern es da nicht wieder Überschneidungen gibt) mal vorbeischauen.

Hier die Filme im Einzelnen:

Es gibt eine kleine Retrospektive mit Werken der Filmemacherin Kerstin Polte. Diese wird mit ihren Filmen „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ (mit Corinna Harfouch), „Kein Zickenfox“ (Dokumentarfilm) und „Sookee – von Seepferdchen und Schränken“ vor Ort sein.

„Der Gipfel- Perfoming G20“ – ein Dokumentarfilm über kreative Protestformen bei G20 von Regisseur Rasmus Gerlach, der ebenfalls zu Gast sein.

Der Kuaför aus der Keupstraße“ – Ein weiterer Dokumentarfilm, in dem der 10-jährige Jahrestag des Nagelbomben-Anschlags in Köln zum Anlass genommen wird, die damaligen Ereignisse zu rekonstruieren.

Ein „Open Screening“ in Kooperation mit dem Film Büro Bremen, bei dem Filmemacherinnen und Filmemacher ihre eigenen Kurzfilm präsentieren.

 

120 bpm“ – Ein Spielfilm-Drama um eine Gruppe von Aids-Aktivisten, die im Frankreich der 1990er-Jahre um Anerkennung und gegen das Schweigen kämpfen.

Logbook Serbistan“ – Ein Dokumentarfilm, der zusammen mit Geflüchteten auf der Balkanroute in Serbien gedreht wurde. In Kooperation mit dem Edith-Russ-Haus Oldenburg.

Du musst dein Ändern leben“ – Noch ein Dokumentarfilm.„Das Gefühl hier irgendetwas starten zu müssen.“ Dieser Drang und das ungenutzte Parkdeck eines Shoppingcenters in Neukölln sind der Anfang einer Vision.

Animals“ – Ein surrealer Psychothriller, in dem die Realitäten verschwimmen. Spielfilm mit der großartigen Birgit Minichmayr! Vom polnischen Regisseur Greg Zglinski, der auch den tollen „Wymyk“ (hierzulande leider nie gelaufen, aber ich besitze die polnische DVD) gemacht hat. Da wäre ich sehr gerne dabei!

 

Für die Kinder gibt es ein Kurzfilmprogramm und den Film „Die Königin von Niendorf“ über die zehnjährige Lea, die einen Sommer in Brandenburg verbringt und in eine Jungs-Clique hineinkommen will — dafür muss sie Mutproben bestehen.

Neues Kulturfestival: dreizehn° in Bremen-Blumenthal (31.8.-2.9.)

Von , 15. Juni 2018 06:40

Vom 31.8. bis 2.9. wird es in Bremen ein neues Kulturfestival geben. Das dreizehn°-Festival wird auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei (BWK) in Blumenthal stattfinden. Unglücklicherweise zeitgleich mit dem Übersee-Festival am 31.8./1.9 was ich extrem ärgerlich finde, da es auch thematisch einige Überschneidungen gibt und ich nicht ganz verstehe, warum sich zwei Festivals, die beide auch Bremer Künstlern/Musikern einen Bühne bieten wollen, sich gegenseitig torpedieren.

Für das dreizehn°-Festival haben haben die Macherinnen Katrin Windheuser vom neu gegründeten Verein Haikultur und Anne Angenendt laut Weser Kurier rund 250 Künstlerinnen und Künstler überregionaler Herkunft ebenso wie aus Bremen angefragt. Das Festival soll in zwei große Hallen: die sogenannte Fliegerhalle nahe der Weser und die Halle 221, sowie rund 20.000 Quadratmeter Außenfläche stattfinden. Es wird eine große Musikbühne, zwei Theaterbühnen, eine Kinobühne, eine Literaturbühne und eine Experimentalbühne, die abends zum Club wird geben. Außerdem Getränke- und Imbissstände.

Musikalisch soll das Spektrum von Jazz über kleinere klassische Konzerte bis zu Indie-Bands, Hip-Hop und elektronischer Musik reichen. Also – nochmal – ganz ähnlich zum Übersee-Festival. Ferner soll es Debatten, Stadtteilführungen und Workshops in Buchbinden, Siebdruck oder ein Film geben.

Bei den Kinoaufführungen bin ich natürlich hellhörig geworden und diese sind auch der Grund dafür, warum ich hier im Blog drüber berichte. Leider habe ich noch nirgendwo konkret etwas über genau diesen Programmpunkt gefunden, bin aber gespannt, was sich die Macherinnen da ausgedacht haben. Ich hoffe nur, es werden keine ausgelutschten Crowd-Pleaser wie die „Rocky Horror Picture Show“, sondern es geht eher in den Bereich gewagter Underground. Dann schaue ich auch mal vorbei. Nur nicht am 31.8./1.9. 😉

Hier noch der Link zur Facebook-Seite, die etwas aussagekräftiger als die normale Webseite ist: https://www.facebook.com/pg/dreizehngradfestival/

Open-Air-Kino in Bremen 2018

Von , 31. Mai 2018 22:55

Auch in diesem Jahr finden in und um Bremen einige Open-Air-Kino-Events statt.

Am Prominentesten sicherlich das Open-Air-Kino der Schlachthofkneipe, welches vom 6. Juni bis 22. Juli in der Arena am Schlachthof stattfindet (Eintritt: 5 Euro). Das ausgesprochen reichhaltige Programm wurde auch dieses Jahr wieder mit den Facebook Nutzern der Schlachthofkneipe zusammengestellt und kann hier eingesehen werden. Los geht es am 6. Juni mit dem empfehlenswerten Neo-Western „Hell or High Water“. Ansonsten sind zahlreiche beliebte Klassiker wie „Waynes World“, „Footlose“ oder „Zurück in die Zukunft“ dabei, aber auch neuere Produktionen wie „Inglourious Basterds“, „Super 8“ oder „Star Trek: Into Darkness“.

In eigener Sache möchte hier auch noch auf den 10. Juni hinweisen, wenn mein Kollegen Stefan und ich als Weird Xperience dort unter dem Motto „Sternennacht“ Ed Woods legendären „Plan 9 From Outer Space“ und den blutig-schleimigen Alien-Rip-Off „Mutant – Das Grauen im All“ präsentieren. Und am 29. Juni gibt es von uns noch eine „Lange Nacht des Bösen“ in der erst der „deutsche Bruce Lee“ und Schlagersänger Christian Anders antritt und danach der Tall Man in seine zweite Runde geht.

Weiter geht es am 3. und 4. August in Bremerhaven, wenn wieder das Kino im Hafen mit zwei maritimen Kinoabenden lockt. Die Filmauswahl hier steht leider noch nicht fest, sondern wird am 18. Juni bekannt gegeben. Los geht es immer um 21 Uhr mit einem Vorprogramm. Der Film beginnt dann um ca. 22 Uhr (bei Einbruch der Dunkelheit).

Und am 31. August gibt es in Bremen-Mahndorf ein Open-Air Kinoabend mit dem Film „Der kleine Nick“. Das Bürgerhaus Mahndorf lädt in Kooperation mit dem „City 46“ wieder ein zum Kinosommerabend für die ganze Familie auf der großen Open-Air-Leinwand auf seinem großen Gartengelände hinter dem Bürgerhaus. Davor gibt es Livemusik u.a. von der Trommelgruppe der Wilhelm-Olbers-Schule, Oscars Spielmanege für die Kinder, Grillwürstchen, Popcorn und Getränke. Bei Regen oder starkem Wind findet die Veranstaltung im Saal statt. Filmbeginn: Bei Dunkelheit, ca. 20:15 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber gerne entgegengenommen.

6. Favourites Film Festival im Cinema Ostertor

Von , 20. Mai 2018 21:43

Vom 23. bis zum 27. Mai 2018 findet nun zum nunmehr sechsten Mal das Favourites Film Festival auch in Bremen statt. Wie im Vorjahr ist das Festival wieder im Cinema im Ostertor beheimatet. Denn die Festivalmacherinnen Anna Jurzik und Paula Syniawa sehen das Cinema als ganz besonders dazu geeignet ein, um aus dem Kino ein lebendiges Festivalzentrum als Ort des Austauschs für Besucher zu machen.

Die Idee hinter dem Favorites Film Festival ist es, Filme aus aller Welt zu zeigen, die bereits auf anderen Festivals einen Publikumspreis gewonnen haben. Die Festivalmacherinnen suchen dabei aus rund 500 Publikumspreisgewinnern eine kleine Auswahl an Spiel- und Dokumentarfilmen, bei denen sie eine besondere „erzählerische Kraft und ästhetische Qualität“ sehen. Außerdem wird in einer Kurzfilmnacht auch wieder publikumspreisgekrönte Kurzfilme präsentiert und das Publikum kann daraus dann seinen Liebling wählen.

Die Filme des diesjährigen Programms erzählen laut der Macherinnen „von zumeist jungen Menschen, die ihren Platz in der Welt suchen und dabei mit ihrem Lebensumfeld kollidieren. In ihrem unbeholfenen Vortasten, in ihren wagemutigen Schritten in ein selbstbestimmtes Leben, in ihren verletzlichen Zukunftsträumen und in ihrer ebenso intuitiven wie radikalen Abwehr festgefahrener Denk- und Verhaltensmuster, spiegeln sich große Fragen nach dem Morgen“. Das Festival besteht also vor allen Dingen aus Coming-Of-Age-Geschichten und Filmen über gesellschaftliche Probleme. Genre-Filme sucht man hier vergeblich. Dass vier der sieben ausgewählten Langfilme von Frauen inszeniert wurden und weitere zwei Filme von gemischten Regie-Duos, kommentiert die Festivalsleitung wie folgt: „Wir haben uns bei der Programmauswahl keine Quote gesetzt und auch nicht explizit nach Filmen von Regisseurinnen gesucht. Jeder Film hat uns auf seine Weise überzeugt und emotional berührt – sowohl ästhetisch, als auch dramaturgisch und thematisch. Wir sind sehr froh über die Stimmigkeit der diesjährigen Auswahl, in der die einzelnen Filme aufeinander Bezug zu nehmen scheinen, sich ergänzen und gegenseitig bereichern“.

In Strimolov / Falling, dem Debütfilm der ukrainischen Regisseurin Marina Stepanska verlieben sich ein Musiker, der gerade aus der Entzugsklinik entlassen wurde, und eine Studentin ineinander. Beide befinden sich an einem wichtigen Wendepunkt in ihrem Leben und zeichnen mit ihrer Liebesgeschichte gleichzeitig ein Zeitbild der heutigen Ukraine.

Auch in Home der flämischen Regisseurin Fien Troch kehrt der Protagonist Kevin nach einer Zeit im Jugendgefängnis ins normale Leben zurück. Selten hat ein Film die Spannungen zwischen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern so atmosphärisch genau wie intensiv erlebbar gemacht.

Im niederländischen Film Layla M. sucht eine Abiturientin einen Weg, mit den Alltagsdiskriminierungen umzugehen, die sie als Muslima mit marokkanischen Wurzeln erfährt, und radikalisiert sich zunehmend. Sie heiratet heimlich den Islamisten Abdel, verlässt mit ihm das Land und gerät in kürzester Zeit in Situationen, aus denen es so schnell kein Zurück gibt.

Wallay nimmt seine Zuschauer ebenfalls mit auf eine Reise auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Als erzieherische Maßnahme wird der 13-jährige Ady, der in Frankreich aufgewachsen ist, von seinem Vater in dessen Heimatland Burkina Faso geschickt, wo er seine Verwandten kennenlernen und zum „Mann“ werden soll.

In Beach Rats verbringt Frankie seine Sommerferien mit seinen Macho-Kumpels am Strand von Coney Island, während er nachts beginnt, sich heimlich mit Männern aus schwulen Chatrooms zu treffen. Der poetische US-amerikanische Independent-Film von Regisseurin Eliza Hittman erzählt behutsam von einem jungen Mann, der in seinen Verhältnissen gefangen scheint.

Die Protagonisten des spanischen Dokumentarfilms The Silence of Others kollidieren mit einer Gesellschaft, die die Gräueltaten der Franco-Diktatur um jeden Preis vergessen will. Gemeinsam beginnt eine kleine Gruppe vom Küchentisch aus für eine Aufklärung der Verbrechen von damals zu kämpfen.

Eröffnet wird das Festival mit der bulgarisch-griechischen Koproduktion Slava / Glory des Regie-Duos Kristina Grozeva und Petar Valchanov. Erzählt wird die Geschichte des Schienenarbeiters Tsanko, der auf seinem Kontrollgang über die Gleise eine Tüte voll Geld findet und pflichtbewußt die Polizei verständigt. Von der PR-Sprecherin des Verkehrministeriums wird er daraufhin zum Helden stilisiert, um von bestehenden Korruptionsvorwürfen abzulenken. Slava erzählt ungeschönt und mit schwarzem Humor vom Kampf eines einfachen Mannes um sein Recht und zugleich von der tief gespaltenen bulgarischen Gesellschaft.

Besucher, die Arbeitslosengeld II beziehen, sich in einem laufenden Asylantragsverfahren befinden oder mit einem Duldungsstatus in Deutschland leben haben kostenlosen Eintritt.

Cinemaxx Bremen senkt drastisch die Preise – Grund zur Freude oder zur Sorge?

Von , 17. Mai 2018 23:50

Okay, jetzt ist es raus: Ab heute, dem 17. Mai, sollen im Cinemaxx Bremen alle Filme in 2D € 5,99 kosten. Egal, wie lang der Film ist, egal, ob Parkettplatz oder Loge. Nur für den Besuch eines 3D-Films oder für einen Platz in einem sogenannten VIP-Sessel muss ein Aufpreis gezahlt werden.

Klingt eigentlich nach einer sehr guten Nachricht. Wird das Kinovergnügen doch drastisch günstiger. Ich weiß noch, wie ich z.B. an einem Samstagabend mal eben locker bei fast 15 Euro pro Karte war (weil online gebucht, da wird ja – auch wenn es in meinen Augen so überhaupt keinen Sinn macht, weil ja jede Arbeit und der Materialaufwand beim Drucken beim Kunden liegt – immer noch eine Gebühr fällig). Aber mir stellen sich auch viele Fragen, die meine Freude augenblicklich schrumpfen lassen.

Geht es dem Cinemaxx wirklich so schlecht, dass die solche Dumping-Preise aufrufen müssen? Was bleibt dem Kino da eigentlich noch, wenn man mal die exorbitanten Verleihkosten die z.B. Disney für ihre Filme aufrufen, abzieht? Soll das dann über die Massen, die aufgrund des günstigeren Preises ins Kino strömen kompensiert werden. Klar, 100 Leute, die 5,99 ausgeben bringen mehr ein, als 30, die das Doppelte zahlen. Ich habe so meine Zweifel, dass die Rechnung aufgeht. Bisher lag Bremen ja mit den Kinobesuchen pro Einwohner immer mit vorne. Werden jetzt so viele ihre eingeschliffenen Streaming-Gewohnheiten aufgeben? Das bleibt abzuwarten, und ich bin tatsächlich sehr gespannt, was passiert.

Ängstlich gespannt bin ich darauf, was das für die Programmkinos bedeutet, die ja teilweise auch schon bei Ticketpreisen von 9-10 Euro sind. Preise, die nicht aus Gier – sondern schlicht und einfach aufgerufen werden, um zu überleben. Denn das müsste jedem klar sein: Kinos, die besondere Filme jenseits des Mainstream zeigen, wie City 46 oder Cinema Ostertor, kalkulieren immer am Existenzminimum. Werden die Programmkinos also gezwungen sein den Preiskampf mitzumachen? Oder bleiben sie bei ihren Ticketpreisen und riskieren es Zuschauer an das Cinemaxx zu verlieren und letztendlich die Pforten schließen zu müssen? Oder ist das Programm-/Kommunalkino-Publikum eh ein ganz anderes, welches hier wenig preissensibel reagiert? Aus meinem Bekanntenkreis, der die 40 deutliche überschritten hat, weiß ich – auch wenn das natürlich keine repräsentative Stichprobe ist – dass die zwar regelmäßig ins Kino gehen, aber die Multiplexe wie der Teufel das Weihwasser meiden. Die Multiplexe sind ihnen zu laut, das Publikum zu unruhig, die Atmosphäre wenig einladend und generell fehlt ihnen dort das Besondere, ja, familiäre, welches die kleineren, unabhängigen Kinos bieten.

So oder so. Das Cinemaxx hat einen ziemlich lauten Schuss abgegeben und ein Feld betreten, von dem man noch nicht weiß, ob es eine blühende Wiese oder ein Schlachtfeld ist, auf dem am Ende viele verrecken. Ich wage hier auch keine Prognose. Mein Gefühl ist allerdings gar kein Gutes. Mal schauen, was ich hier in einem Jahr schreiben werde und wer von den Kinos dann noch da ist. Ich hoffe doch sehr, es werden alle sein.

Im Weser Kurier kann man nachlesen, dass die Mitbewerber des Cinemaxx bisher noch gelassen sind. Das Cinespace argumentiert dort mit einer der dem Cinemaxx technisch überlegenen und generell modernen Ausstattung. Die Schauburg und das Cinema sehen aufgrund des unterschiedlichen Programmangebots erst einmal keine Gefahr und denken nicht über ähnliche Preissenkungen nach.
Thomas Settje vom Cinema Ostertor sagt aber auch: „Wenn die Leute die aktuellen Preise nicht mehr bezahlen, müssen wir das Kino irgendwann aufgeben“.

 

Vorschau und Gedanken zum 4. Filmfest Bremen

Von , 22. Februar 2018 15:06

Vor zwei Wochen schon kam die Nachricht rein, dass sich das Bremer Filmfest (20. – 23. September) in diesem Jahr noch einmal vergrößert. Nachdem das erste Filmfest noch genau 24 Stunden lief, werden es nun in 2018 vier volle Tage sein und die Spielstätten nicht nur auf die Schauburg beschränkt sein, sondern auch auf das Atlantis und das Theater am Goetheplatz mit einbeziehen. Vom ursprünglichen Konzept, nur Filme zu zeigen, die aus Bremen stammen, in Bremen oder von Bremern/mit Bremer Beteiligung gedreht wurden, wird im Kern nicht abgerückt – aber es wird ein wenig erweitert. In diesem Jahr gibt es nämlich auch eine international ausgeschriebene Wettbewerbssparte zum Thema Humor und Satire. Nordbuzz zitiert dazu einen der Veranstaltern: „Gezeigt wird hier alles, was filmisch gekonnt erzählt ist und sich durch einen Sinn für Humor auszeichnet, egal ob leise oder laut, ob ironisch, lakonisch, tragisch, absurd oder provokativ. Dabei sind alle Formate und Längen herzlich willkommen.“

Ich bin ja durchaus zwiegespalten, was das Bremer Filmfest angeht. Einerseits begrüße ich es natürlich sehr, dass hier etwas für die Bremer Filmszene getan wird und Bremen auch in den Köpfen der Bürger und Bürgerinnen als „Filmstadt“ verankert werden soll. Das macht dieses Festival einzigartig und unterscheidet es auch sehr deutlich von anderen Filmfestivals in Deutschland. Andererseits habe ich in den vergangenen Jahren aber auch nichts im Programm gefunden, was mich so sehr interessiert hätte, dass ich trotz engem Zeitmanagement (das letzte Festival fiel in eine Zeit, wo ich generell viel unterwegs war) unbedingt vorbeischauen wollte. Der internationale Wettbewerb zum Thema Humor und Satire spricht mich spontan auch nicht besonders an und macht auf mich erst einmal nur den Eindruck, dass hier ein Crowdpleaser gesucht wurde, um das Festival populärer zu machen. Was auch nichts verwerfliches ist und sicherlich der richtige Weg.

So schlagen doch zwei Herzen in meiner Brust. Das eine wünscht sich ein Festival, welches – wenn schon nicht mit Oldenburg oder Emden/Norderney, so doch zumindest mit Braunschweig oder Osnabrück vergleichbar wäre. Mit aktuellen, mutigen, wilden Filmen aus aller Welt. Andererseits finde ich es sehr charmant, die lokalen Filmemacher durch eine solche, groß beworbenen und als Event angekündigte Veranstaltung zu unterstützen. Die Frage ist aber: Müssen es dafür ganze vier Tage sein? Da die „Filmstadt Bremen“ leider nur sehr wenig Geschichte aufweisen kann (und die in Bremen gedrehten, größeren Film fast alle schon in den vergangenen Jahren gezeigt wurden), wird es auch dieses Jahr sicherlich keine große Retrospektive Bremer Kinomenschen geben. Obwohl mir da doch noch ein paar Kandidaten wie z.B der Hans Dreier (dreifacher Oscar-Gewinner und Art Director bei unzähligen Hollywood-Klassikern, dem immerhin auf dem 2. Filmfest Bremen ein Film gewidmet wurde), Karl Walter Lindenlaub (früher Stammkameramann von Roland Emmerich und noch heute erfolgreich in den USA tätig) oder Günter Meisner (großartiger Charakterdarsteller u.a. in „Lawinenexpress“ und „Im Glaskäfig) einfallen würden.

Irgendwie sitzt das Filmfest meines Empfinden nach in diesem Jahr zwischen zwei Stühlen: Dem der kleinen, lokalen „Leistungsschau“ und jenem mit dem Schielen auf etwas Größeres, als es momentan ist. Aber bis zum September sind ja noch einige Monate und bisher steht ja auch noch kein Programm. Ich bin zumindest sehr gespannt, wie sich das alles entwickelt und was uns dieses Jahr so alles erwartet. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass auch das vierte Bremer Filmfest ein Erfolg wird und sich daraus Großes für Bremen entwickelt.

Ein weiterer Programmpunkt steht jedenfalls schon fest: Auch diese mal wird es den beliebten Kurzfilmwettbewerb „Klappe!“ geben und dieser wird das Festival am Donnerstag, 20. September, auch eröffnen und einen ganzen Abend im Mittelpunkt stehen – inklusive Premieren, Preisverleihung und Party.

 

Lommel/Bremen

Von , 8. Dezember 2017 21:03

In der letzten Zeit habe ich das Kino in Bremen ziemlich vernachlässigt. Sowohl was das „echte Leben“ angeht, als auch die Berichterstattung hier im Blog. Dabei ist in unserer schönen Hansestadt mehr los, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Auch wenn man erst viele Jahre später davon erfährt. So war ich ausgesprochen überrascht, als ich gestern in der Stadtteil-Beilage des Weser Kuriers in einem Artikel lass, dass es 2011 in der Schwankhalle scheinbar einen Auftritt von Ulli Lommel gab.

Jener ist leider am letzten Samstag überraschend verstorben. Ich hatte ihm hier keinen Nachruf gewidmet, da ich einerseits mit Lommel, seinem Leben und Werk nicht so gut vertraut bin (bis auf seine schauspielerische Arbeit bei Fassbinder und seinen schönen Film „Die Zärtlichkeit der Wölfe“, den ich hier besprochen habe). Andererseits gibt es bereits einen ganz fantastischen Nachruf von Doris Kuhn auf der Seite der Zeit.

In dem erwähnten Artikel geht es auch nicht so sehr um Ulli Lommel, sondern um den Bremer Schauspieler und Musiker Denis Fischer. Als damaliger Künstlerischer Leiter der Schwankhalle in der Neustadt holte er 2011 Ulli Lommel nach Bremen und produzierte hier mit ihm „The Factory“. Darin ging es um Lommels Begegnungen mit Fassbinder, Warhol, Romy Schneider, Jackie Kennedy Onassis, Truman Capote, Frank Sinatra und anderen Stars der damaligen Zeit. Und ich frage mich heute, warum ich davon nichts mitbekommen habe? Ulli Lommel hier in Bremen – das hätte ich zu gerne gesehen. Aber obwohl ich aufgrund dieses Blogs mich regelmäßig über kinorelevante Themen informiere und Lommel spätestens seit seinen Fassbinder-Filmen (und dem schönen „Rumhänger“-Film „Detektive“ von Rudolf Thome) ein mir sehr bekanntes und gern gesehenes Gesicht war, hatte ich das nicht auf meinen Radar bekommen. Eine Gelegenheit, die jetzt leider nie wiederkommt.

Aber immerhin: Lommel selber scheint die Produktion hier in Bremen sehr viel Freude gemacht zu haben, denn eine Verfilmung von „The Factory“ – mit Denis Fischer in der Rolle von Andy Warhol – ist nun sein letzter Film geworden. Und dieser soll im Februar tatsächlich auf der Berlinale vorgestellt werden. Das wäre dann der erste Lommel-Film (zumindest meines Wissens nach, man korrigiere mich, wenn dem nicht so ist), der seit 2004 in Deutschland zu sehen ist. Das war damals der berühmt-berüchtigte „Daniel, der Zauberer“, welcher bei der IMDb zwar immer noch auf Platz 4 der schlechtesten Filme aller Zeiten steht, nun langsam seine Rehabilitierung erfährt. Bis dahin kann man Warhol-Darsteller Denis Fischer aber noch – soviel Werbung für das Viertel in dem ich lebe muss sein – im Bremer Kriminaltheater in Walle sehe. Dort spielt er die Hauptrolle in „Die Falle“. Ein Stoff an dem sich Alfred Hitchcock einst kurz vor seinem Tod die Rechte sicherte, aber nicht mehr realisieren konnte.

Sonntag: Julia Ostertag stellt ihren Film „Dark Circus“ im Cinema Ostertor vor

Von , 6. Dezember 2017 16:46

Veranstaltungs-Tipp in eigener Sache: Wie der eine oder andere Leser vielleicht schon weiß, organisiere ich neben meiner Blogger- und Autorentätigkeit auch noch zusammen mit meinem Mitstreiter Stefan die monatliche Filmreihe Weird Xperience.

Und nach langer Zeit dürfen wir im Rahmen dieser Reihe auch endlich wieder einen Gast begrüßen. Die großartige Julia Ostertag (bekannt u.a. durch ihren Film “Noise & Resistance”) wird da sein und ihr neues Werk DARK CIRCUS vorstellen. Eine mit minimalem Budget und größtem Aufwand und Liebe zum Detail gedrehte „Alice im Wunderland“-Geschichte: Undergroundfilm trifft auf erotischen Okkulthorror. Kritiker beschreiben Julia Ostertags Film als „einen dunklen Weg voller Latex, Blut und Lust“.

Der Film lief bereits auf Festivals in den Niederlanden, Frankreich, Mexico, dem Filmfest Braunschweig und dem Pornfilmfest Berlin und wurde in Brasilien mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Regisseurin Julia Ostertag sagt über die Entstehung des Films: „Ich bin beeinflusst vom magischen Kino des Alejandro Jodorowsky, sowie Kenneth Anger, Okkulthorror der 70er und dem Cinema of Transgression. Diese Einflüsse habe ich in dreijähriger Produktionszeit mit einem beeindruckenden Cast aus Performance-KünstlerInnen, SchauspielerInnen und StatistInnen aus der Berliner Fetisch- und Subkultur zu einem visuellen Trip umgesetzt.“

Johanna langweilt sich ziellos und uninspiriert inmitten des Berliner Großstadtlebens. Als sie ihren Job in einem Friseursalon verliert, beginnt sie von Tagträumen und Visionen ereilt zu werden. Sie folgt dem mysteriösen Ruf in eine Parallelwelt, in der sie in die Zirkel einer Gothic-Fetisch-Clique und zugleich in die magischen Fänge der „Mistress“ gerät.

Dark Circus ist die Geschichte einer Transformation, eine sinnliche Reise in die Abgründe des Unbewussten.

Der Soundtrack zum Film stammt von der Dark Ambient Ritual Band „Vortex“ des bekannten Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger.

Mehr Infos zum Film findet ihr hier: www.darkcircus.net

DARK CIRCUS läuft nur am Sonntag, den 10. Dezember um 20:45 Uhr im Cinema Ostertor.

Die Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin des Filmes Julia Ostertag wird zu Gast sein und vor und nach dem Film für Fragen zur Verfügung stehen.

Wir freuen uns schon sehr darauf!

Am Sonntag: Weird Xperience zeigt „Opera“

Von , 8. September 2017 23:20

Juchu! Am Sonntag, den 10. September starten Stefan und ich mit unserer Filmreihe Weird Xperience endlich wieder durch! Nach einem kurzen Zwischenspiel in der Schwankhalle und zwei wunderbaren Abenden beim Open-Air-Kino am Schlachthof, zieht es uns endlich wieder dorthin, wo wir uns am Wohlsten fühlen: In einen Kinosaal!

Ab September sind wir erst einmal für vier Vorstellungen (an jedem zweiten Sonntag des Monats zur besten Sendezeit um 20:45 Uhr) im Cinema Ostertor zu Gast und hoffen auf große Unterstützung, damit wir dort auch 2018 bleiben dürfen. Dafür haben wir ein feines Programm zusammengestellt, welches wir in Kürze vorstellen werden.

Beim ersten Film der „neuen Saison“ handelt es sich um Dario Argentos „Opera“, der einst bei uns in Deutschland nur auf VHS in einer fürchterlichen Vollbildversion und obendrein brutal geschnitten seine Premiere hatte. Wir zeigen ihn natürlich in seiner ganzen Breitwand-Pracht und selbstverständlich ungekürzt!

Die junge Opernsängerin Betty bekommt die weibliche Hauptrolle in einer Aufführung der Verdi Oper „Macbeth“, nachdem die ursprüngliche Hauptdarstellerin von einem Auto überfahren wurde. Die Oper wird von Marco, einem ehemaligen Horrorfilmregisseur inszeniert. Wie in seinen Filmen, wird die Oper auch hier zu einem Ort des Grauens. Ein unbekannter Verehrer Bettys entpuppt sich als mörderischer Psychopath, der seine grausigen Morde so arrangiert, dass die Sängerin dabei zusehen muss…

Der ebenso bildgewaltige, wie blutrünstige Psychothriller des italienischen Großmeisters Dario Argento zieht mit seinen eleganten Kamerafahrten und blutigen Morden den Zuschauer von Anfang an in seinen Bann. Andreas Köhnemann schreibt anlässlich der Wiederaufführung auf kino-zeit.de: „(Dieser) Giallo-Klassiker (…) ist ein filmisches Poem, das mindestens so viel Herz- wie Kunstblut aufbietet und daher bis heute nichts von seiner Wucht und seiner herrlich-obskuren Faszinationskraft verloren hat“. Und Prof. Markus Stiglegger bringt es auf den Punkt, wenn er in dem Standardwerk „Dario Argento: Anatomie der Angst“ schreibt: „Wenn letztlich nur ein Bild von Dario Argentos Kino bleiben sollte, dann müsste es dies sein: die in purem Terror aufgerissenen Augen von Cristina Marsillach, die in ‚Opera‘ durch Nadeln unter den Augenlidern gezwungen wird, der Ermordung ihres Liebhabers beizuwohnen – die Neugier zu sehen weicht dem Zwang zu sehen. Ein Entkommen ist unmöglich. Und ebenso ist es unmöglich, die Augen von Argentos Leinwand abzuwenden, so erschreckend seine Bilder auch sein mögen.“

Ein Film, gemacht für das Kino!

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