Nachrichten getagged: Ascot Elite

Blu-Ray-Rezension: „Good Time“

Von , 17. April 2018 22:08

Ein gerade auf Bewährung entlassener Ex-Sträfling Connie Niklas (Robert Pattinson) will sich um seinen geistig behinderten Bruder Nick kümmern. Allerdings verwickelt diesen prompt in einen Bankraub, woraufhin Nick geschnappt wird. Connie versucht daraufhin ihn irgendwie aus dem Knast zu bekommen, was aber nicht klappt. Als Connie dann erfährt, dass Nick mittlerweile in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, will er ihn daraus entführen. Und von da an geht so ziemlich alles schief…

Good Time“ wird gerne mal mit Nicolas Winding Refns „Drive“ verglichen. Was natürlich ein ziemlicher Unsinn ist und vollkommen auf die falsche Fährte führt. Wobei es durchaus auf den zweiten Blick Gemeinsamkeiten gibt, aber nicht jene, welche die Marketing-Leute herbei schreiben wollen. Ja, in beiden Filmen gibt es eine Farbdramatugie, die in kräftigen Neon-Farben schwelgt und auch der Synthie-Soundtrack klingt hübsch Retro. Doch die eigentliche Schnittstelle ist es, dass beide Filme Neo-Noirs sind, welche sich nicht um die großen, spektakulären Coups kümmern, sondern Geschichten aus der Unterschicht des Verbrechens, von den kleinen Kriminellen und nicht den großen Bossen erzählen. Und von den Gefühlen, die man nicht zulassen sollte und die unweigerlich zu falschen Entscheidungen und in finaler Konsequenz zum Untergang führen. Wobei dem von Robert Pattinson eindrucksvoll gegen den Strich gespielten Connie, die Intelligenz und coole Skrupellosigkeit der von Ryan Gosling gespielten Figur vollkommen abgeht.

Connie Niklas agiert rein aus dem Bauch hinaus. Er macht sich keine große Gedanken über die Folgen seines Handelns, und ob er damit Andere ins Verderben stürzt. Er ist beseelt von dem Glauben, das Richtige zu tun, plant nicht großartig voraus und versucht Probleme im Moment zu lösen, ohne an die Auswirkungen zu denken. Was zu einer Serie katastrophaler Fehlentscheidungen führt. In einem Film der Coen Brothers, die ein ähnliche Feld bestellen, würde dies höchstwahrscheinlich zu einer sehr schwarzen Komödie mit ätzendem Humor führen. Die Safdie-Brüder betonen im Interview zwar, dass auch sie ihren Film als schwarze Komödie sehen, gehen in der Praxis aber weitaus ernsthafter zu Sache. Zwar steckt ihr Drehbuch ebenfalls voller aberwitzig-skurriler Einfälle, doch zum Lachen oder zumindest Schmunzeln ist einem nicht zumute. Was allerdings fehlt ist eine gewisse Tragik, die einen Sympathien für die Hauptfigur hegen lassen. Connie ist in erster Linie eine gewaltiger und gewalttätiger Egoist, dem die Konsequenzen seines Handelns für andere ziemlich egal ist. Allein sein Bruder Nick bedeutet ihm etwas. Allerdings besitzt er keinerlei Empathie für dessen Situation und eine feste Überzeugung, was für Nick das Beste ist. Dass er Nick damit auf direktem Wege in den Knast bringt, wo dieser kaum eine Überlebenschance hat, sieht er auch nicht im Geringsten als sein Fehler. Sondern als unglücklichen Zustand, den es zu korrigieren gilt.

„Good Time“ lebt vor allem von seinen hervorragenden Schauspielern, Robert Patinson ist sehr überzeugend als Connie, und man könnte sich am Ende keine bessere Besetzung für die Rolle vorstellen. Ebenfalls hervorzuheben ist die großartige Jennifer Jason Leigh, die eine wundervolle Vorstellung als Connies völlig verpeilte Geliebte abliefert. Doch in den Schatten werden alle von Co-Regisseur Benny Safdie gestellt, der Connies zurückgeblieben Bruder Nick spielt. Dies tut er so natürlich und bewegend, dass man den Eindruck bekommen kann, hier wäre tatsächlich ein Schauspieler mit mentalem Handiacap gecastet worden. Zumindest in der Originalfassung. In der deutschen Fassung klingt seine verwaschen-vernuschelte Sprache weit weniger realistisch. Man erschreckt sich förmlich, wenn im Bonus-Bereich der BluRay Benny Safdie sich als aufgeweckter, gutaussehender und fröhlicher Interview-Partner entpuppt. Nick ist dann auch die Seele des Films. Der Motor für Connies unüberlegte und impulsiven Aktionen. Und eine Figur von tiefer Traurigkeit und Tragik. Wunderbar fangen die Safdie-Brüder dies in einer zu herzen gehenden und zutiefst ambivalenten Schlussszene ein, die einem auch durch die kongeniale Musikbegleitung durch Oneohtrix Point Never (alias Daniel Lopatin) mit Iggy Pop noch lange im Gedächtnis bleibt, wenn man den Rest des Filmes schon nur noch schemenhaft erinnert.

Das Bild der Ascot Elite-BluRay ist durchgehend gut. Satte Farben dort wo sie von den Regisseuren intendiert wurden und eine durchgehend angenehme Schärfe. Beim Ton fällt wieder eine unangenehme Mischung aus Effekten und Dialogen auf. Letztere sind deutlich leiser leiser als die Effekte, was dazu führt, dass man den Anlage lauter einstellt und die Effekten einen dann senkrecht auf dem Sofa stehen lassen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass dies in der deutschen Tonspur nicht ganz so drastisch ausfällt. Dafür ist die deutsche Synchro dem o-Ton deutlich unterlegen. Insbesondere was Benny Safdies Nick angeht. Überhaupt verliert der Film in der deutschen Bearbeitung einiges von seinem schonungslosen Realismus. Als Extras sind zwei kurze Interviews enthalten. Einmal mit Hauptdarsteller Robert Pattinson (5 Minuten) und dann mit den beiden Regisseuren (6 Minuten). Insbesondere das zweite ist trotz der Kürze sehr informativ ausgefallen.

DVD-Rezension: “Blade of the Immortal”

Von , 27. Januar 2018 14:51

Einst erhielt der Ronin Manji (Takuya Kimura) nach einem gewaltigen Blutbad von der 800 Jahre alten Nonne Yaobikuni „Blutwürmer“, die ihm unsterblich machen und dafür sorgen, dass selbst abgetrennt Gliedmaßen wieder anwachsen. Nach 52 Jahren unsterblichen Daseins ist Manji des Lebens müde. Da bittet ihn die junge Rin Asano (Hana Sugisaki) um Hilfe. Ihr Vater wurde ermordet und ihre Mutter entführt. Nun will sie Rache. Rin ist Manjis kleinen Schwester, die einst durch seine Schuld ums Leben kam, wie aus dem Gesicht geschnitten. So lässt sich Manji widerwillig auf den Auftrag ein. Die Mörder von Rins Vater sind die Mitglieder der Ittō-ryū-Schule unter ihrem Anführer Kagehisa Anotsu (Sōta Fukushi). Bald schon kommt es zur ersten blutigen Konfrontation…

Blade of the Immortal“ ist der 100. Film der großen Wundertüte Takashi Miike. Dieser Jubiläumsfilm gehört sicherlich nicht so zu einen Besten, gibt aber ein gutes Beispiel dafür ab, was man von Miike in seiner gerade mal 25-jährigen Karriere (das ergibt einen Durchschnitt von unglaublichen vier Filmen pro Jahr) erwarten kann. Wie sein ganzes Werk, welches von ernsthaften Dramen zu cartoonhaften Yakuza-Filmen voller überzogener Gewalt, von Kinderfilmen bis zu quietschbunten Computerspiel-Verfilmungen reicht, ist „Blade of the Immortal“ voller Wendungen, was Ton und Erwartung angeht. Das beginnt schon mit seinem Helden, dem unsterblichen Samurai Manji, der in der furiosen, in schwarz-weiß gehaltenen Eröffnungssequenz wie ein Mähdrescher durch die schier endlosen Reihen seiner Gegner pflügt. Später scheint Manji nicht mehr die Notwenigkeit in seiner Kunstfertigkeit zu sehen. Seine Gegner sind ihm allesamt haushoch überlegen und werden von ihm nur besiegt – ja weil er eben unsterblich ist. Eine große Müdigkeit und Egal-Stimmung durchzieht diese Kämpfe. Manji weiß ja, dass er gewinnen wird. Wozu also noch anstrengen? Vielleicht sieht „100-Filme-Mann“ Miike in dem „100-Mann-Mörder“ ja so etwas wie ein Alter-Ego, denn auch Miike kann heutzutage im Schlaf einen typischen „Miike“ inszenieren. Was er, wenn man einen genaueren Blick auf seinen riesigen Output wirf, manchmal vielleicht auch tut. Doch solange immer noch solche Meisterwerke wie beispielsweise „Audition“, „Gozu“, „Big Bang Love, Juvenile A“ oder auch „Hara-Kiri“ (die alle vier nicht unterschiedlicher sein könnten) dabei herauskommen, weiß man, dass die Flamme der Leidenschaft in Miike noch immer lodert und er mit der richtigen Motivation immer wieder Großes zu leisten im Stande ist.

Ähnlich wie bei Manji. Erst der Auftrag eines kleinen Mädchens, welches ihn an seine Schwester erinnert und an ein Trauma, dem er nicht entkommen kann, sorgen dafür, dass er sich wieder in den Kampf schleppt. Seine Unsterblichkeit hat ihn müde werden lassen. Sein unendliches Leben sorgt bei ihm vor allem für Zynismus.Natürlich ist das junge Mädchen seiner vor 50 Jahren ermordeten Schwester wie aus dem Gesicht geschnitten. Anders wäre es wohl kaum möglich gewesen, Manji noch einmal zu motivieren, einen Auftrag zu übernehmen. Doch so wird er noch einmal in einen epischen Konflikt geworfen und bekommt es mit allerlei skurrilen Gegnern zu tun. Während die Geschichte um Manji, trotz des Unsterblichkeits-Kniffs relativ klassisch daherkommt, so atmen die Bösewichter doch durch und durch den Atem einer Comic-Vorlage. Der erste Gegner führt die Köpfe seiner Opfer auf den Schultern spazieren und versteckt sein missgestaltetes Gesicht hinter einer Samurai-Maske. Der Zweite trägt eben jene „Stachel“-Frisur, die so vielen Manga-Figuren zu eigen ist – was einmal mit dem Spitznamen „Igel“ quittiert wird. Und auch die weiteren Antagonisten scheinen direkt aus den Seiten des zugrundeliegenden Mangas gefallen sein. Was Miike die Gelegenheit gibt, in „Blade of the Immortal“ seinen – wenn hier auch eher gedämpften – irrwitzigen Exzessen zu frönen und weniger einen klassischen Samuari-Film ala Kurosawa zu inszenieren.

Eine besondere Figur ist die des Gegenspielers Kagehisa Anotsu. Eine leicht androgyne Figur mit zu schönen Gesichtszügen, um wahr zu sein. Anotsu ist beseelt von einer Mission. Jener nämlich, alle Kampfschulen zu vereinigen. Dummerweise lässt er ein „Nein“ nicht gelten und wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn und damit dem Tode geweiht. Dabei wird Anotsu aber nicht komplett negativ gezeichnet. Er ist kein Irrer, der laut krakeelend und augenrollend seine Feinde kurz und klein macht. Auch kein düsterer Grübler. Im Grunde ist Anotsu die Antithese zu seinen Untergebenen, mit denen es Manji zunächst zu tun bekommt. Wenn er argumentiert wirkt er zunächst einmal ganz vernünftig, und er besitzt auch ein großes, sanftes Charisma, welches die Menschen für ihn einnehmen könnte. Aber gerade dadurch ist er so gefährlich. Denn er ist ein Dogmatiker. Jemand, der sich zum Führer berufen fühlt und keine zweite Meinung gelten lässt. Der ohne Skrupel über Leichen geht, um sein „heiliges“ und damit für ihn gerechtes Ziel zu erreichen. Aber auch jemand, der von einer besseren Welt träumt. Wobei für ihn kein Zweifel daran besteht, was die „bessere“ Welt ist. Wer denkt da nicht an gewisse religiöse Führer, die unter dem Vorwand der „gerechten Sache“ Terror verbreiten. „Kamen Rider“-Star Sōta Fukushi spielt diesen Kagehisa Anotsu mit minimalen Aufwand, aber größter Effektivität. Und er bildet einen Gegenpol zu Manji, der schon lange nicht mehr träumt und dessen einzige Vision darin besteht, endlich seinen Frieden zu finden. Manji will kein Führer sein. Weder für eine Idee, noch für einen anderen Menschen kämpfen. Dass er sich am Ende von der jungen Rin Asano anheuern lässt, hat dann auch mehr mit einem schlechten Gewissen und der Hoffnung zu tun, dass er so den Tod seiner Schwester irgendwie sühnen kann – und vielleicht am Ende endlich Erlösung findet.

Takashi Miikes 100. Film mag nicht sein Bester sein, aber ein hübsche Zusammenfassung seiner bisherigen Karriere. Der mit 136 Minuten und seinem epischen Finale vielleicht etwas zu lang geratener Film, wartet mit eben jenen Überraschungen und – wenn auch hier etwas dezenter als sonst – irrwitzigen Überzeichnungen auf, die für einen Miike-Film typisch sind.

Die Ascot Elite DVD hat ein durchschnittlich gutes Bild. Vordergrunde sind scharf, aber Hintergründe oder Totale wirken ganz leicht pixelig und dadurch ein wenig unscharf. Der Ton ist ausgezeichnet, wobei der japanische Ton realistischer wirkt. In der nicht vollständig überzeugenden deutschen Synchronisation erscheinen die Dialoge etwas zu sehr in den Vordergrund gemischt. Zudem wirken in der Synchronisation einige Figuren stimmlich zu alt, andere zu jung. Bonusmaterial gibt es auf dieser DVD – bis auf den Trailer – leider keins. Hier müsste man auf die deutlich teurre Blu-ray im Steelbook zurückgreifen, die ein fast zwei-stündiges „Making Of“ enthalten soll. Im Menü wird man mit dem extrem nervigen Pop-Rock-Song aus dem Abspann gequält.

DVD-Rezension: „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“

Von , 28. Juni 2017 06:41

Im Jahre 2307 wird die Erde von Eis und Schnee bedeckt. Die Reste der Menschheit haben sich in unterirdischen Siedlungen geflüchtet. Für die oberirdisch zu erledigende Arbeiten (und die Bordelle unter dem Eis) wurden sogenannt Humanoids (kurz „Noids“ genannt) geschaffen. Eines Tages kommt es zur Rebellion der Noids, die brutal niedergeschlagen wird. Doch einem der Rebellen, ASH-393 (Branden Coles), gelingt die Flucht. Fünf Jahre später wird Soldat Bishop (Paul Sidhu) von seinem Vorgesetzten General Trajan (Brad Potts) reaktiviert, um eine kleine Truppe an der Erdoberfläche zu begleiten und AHS-393 endlich einzufangen. Bishops Frau war während der Rebellion umgekommen und Trajan berichtet Bishop nun, ASH-393 habe seinerzeit Bishops ungeborenes Kind aus dem Mutterleib gerissen. Die Hoffnung, sein Kind lebendig zu finden, treibt Bishop nun an. Doch AHS-393 in der sogenannten „Todeszone“ dingfest zu machen, stellt sich als fast unmöglich heraus…

Gehen einem die Hauptdarsteller eines Films bereits nach wenigen Minuten tierisch auf die Nerven, dann weiß man, dass ein langer, harter Weg bis zum Ende vor einem liegt. Im besten Fall, kann man abschalten, manchmal muss man aber auch bis zum Schluss durchhalten – zum Beispiel, wenn man den Film besprechen will. Nun gibt es Filme, die sich durchaus lohnen gesehen zu werden, auch wenn einem die handelnden Personen durch die Bank unsympathisch bleiben. „Humanoid – Der letzte Kampf der Menschheit“ gehört aber leider nicht in diese Kategorie. Völlig ironiefrei wird hier mit viel geflüstertem Pathos ein billiges Klischee an das andere gereiht. Was hier alles an vollkommen überzogenen Standardsituationen aus den letzten 30 Jahren Actionkino aus der Mottenkiste geholt wird, das würde sich noch nicht einmal ein minderbegabter Parodist trauen. Klar, dem Mut, einfach mal wirklich jedes Klischee zu erfüllen und dieses dann noch ohne Anflug von Humor ins Lächerliche zu erhöhen, gebührt irgendwo auch Respekt. Leider ist das Resultat so schrecklich blöd und fade, dass man sein Haupt vor lauter Fremdschämen nur noch in beiden Händen wiegen möchte.

Schon der Auftakt lässt Schlimmes erahnen. Eine Gruppe rauer Gesellen wird losgeschickt, um den Anführer rebellierender Klone, die sich in der zugefrorenen „Todeszone“ zurückgezogen haben, zu fangen und zu töten. Diese Gruppe ist dann auch typengerecht mit einem großmäuligen Farbigen, einer blonden Nazi-Braut und einem coolen Asiaten besetzt. Ja, ein unscheinbarer Hipster gehört auch dazu, ist aber (natürlich) der Bruder des Hauptdarstellers. Diese tolle Truppe hat dann auch etwas zu oft „Aliens – Die Rückkehr“ gesehen und übertrifft den Nervfaktor der „Space Marines“ noch bei weitem. Kein Dialog, währenddessen die harten Jungs und das extra-taffe Mädel mit Hitler-Schwäche nicht lauthals lachend den Kopf in den Nacken werfen, sich High-Fives zuwerfen und sich gegenseitig mit blöden Anmach-Sprüchen voll labern. Ja, denen wünscht man dann in der Tat einen noch schnelleren Tod als dem Teenie-Kanonenfutter in einem unterdurchschnittlichen Slasher-Film.

Hauptfigur „Bishop“ (ist das jetzt eine „Aliens“ oder eine X-Men-Referenz? Eine eigenständige Idee der Macher schließe ich hier aus, und die dekorative Narbe auf Bishops Gesicht lässt letzteres vermuten) wird mit einer wilden Perücke und angeklebten Rauschebart als Säufer (bzw. Drogenabhängiger) eingeführt, der nach dem Tod seiner Frau den Halt unter den Füssen verloren hat. Klar, keine zwei Minuten später ist der Bart dann gestutzt und der Gute wieder clean, aber so ein Held braucht halt ein Trauma. Hauptdarsteller Paul Sidhu ist auch für die Story verantwortlich, auf der das Drehbuch beruht. Und es ist ja auch nett, dass das Babyface mit den Kayalstrichen unter den Augen sich die Rolle eines schweigsamen, harten Actionhelden auf den nicht gerade massigen Leib geschrieben hat. Man hätte sich nur gewünscht, er hätte etwas mehr Fantasie gehabt und nicht so einen tristen Quatsch fabriziert, dessen größte Überraschung darin besteht, dass nun aber auch wirklich jede – JEDE! – Standardsituation vorkommt, die man sich denken kann. Keine Originalität, keine Überraschung – nirgendwo. Da fällt dann Sidhus Mangel an schauspielerischen Talent und die komplette Abwesenheit von irgendwelcher Charisma umso deutlicher ins Gewicht. Das größte Wunder dieses Films ist es dann auch, dass irgendjemanden scheinbar das Drehbuch so gut gefiel, dass er dafür etwas Geld locker gemacht hat, statt Sidhu & Co. damit vom Hof zu jagen. Vielleicht lag es ja an Regisseur Joey Curtis dessen Erstling „Streets of Legend“ immerhin mal auf dem Sundance einen Preis gewann. Dies war zwar „nur“ der Cinematography Award für Kameramann Derek Cianfrance (der später selber als Regisseur tätig wurde und mit „Blue Valentine“ – bei dem Joey Curtis am Drehbuch mitschrieb! – und „The Place Beyond the Pines“ für Furore sorgte), aber scheinbar reichte das irgendeinem Produzenten aus, der nicht gesehen hat, dass „Streets of Legend“ in der IMDb eine Wertung von gerade einmal 2,8/10 hat. Eine Zahl, die ich auch auf seinen „Humanoid“ übertragen würde.

Bei „Humanoid“ hat Curtis keinen Derek Cianfrance zur Hand. Die Kamera wird hier von Ian Coad geführt, der damit keine Wunder vollbringt. Während der Actionszenen wird sie halt viel geschüttelt, ansonsten bewegt man sich auf durchschnittlichem TV-Niveau. Leider kann auch nie kaschiert werden, dass die Sets sehr billig aussehen und zu gefühlt 80% aus dem Computer stammen. Eine wirkliche Fusion von realen und Computerbildern findet auch nie statt. Ständig sieht es so aus, als wenn man irgendwo im Hinterhof gefilmt und da einfach ein paar Computereffekte drübergelegt hätte. Das beißt sich dann natürlich mit der (zugegeben nicht so schlechten) Power-Musik und Paul Sidhus mit rauer Stimme hin geflüsterten Monologen, die von Einsamkeit, dem Schmerz in seinem Leben und die Feindlichkeit der Welt handeln. Dabei wäre die Geschichte um die Humanoids – mutierte Klons, die menschenähnlicher wurden, als es ihren Erschaffern lieb war – durchaus Potenzial für einen guten Unterhaltungsfilm. Auch wenn man sie seit „Blade Runner“ nun schon tausendfach gesehen hat. Doch dann kommt auch schon wieder der Holzhammer raus und völlig subtil darf Nazi-Bitch Kix aus „Mein Kampf“ zitieren und was von überlegenden Rassen faseln. Ja, ja.. verstanden. Die Botschaft kam an. Die Humanoids sind dann auch der einzige positive Aspekt des Films. Die Szene, in der ein zotteliger Humanoid wie ein Berserker um sich schnappt, ist eines der rar gesäten Highlights des Filmes. Auch Branden Coles in der Rolle des gesuchten ASH-393 macht seine Sache besser als der Rest der Darsteller. Schade, dass hier nicht der Fokus lag. Am Ende bleibt dann doch nur die Erkenntnis: Die weiblichen Lust-Modelle der Humanoids haben große Brüste in denen sie Milch herstellen, welche hervorragend zu Keksen schmeckt. Mehr bleibt jetzt auch nicht zu sagen. Prost!

Hier wird völlig ironiefrei ein vollkommen ausgelutschtes Klischee an das Andere geklebt. Der fade Hauptdarsteller stolpert zusammen mit einigen hochgradig unsympathischen Stereotypen talentfrei durch die öde und vorhersehbare Story. Einzig die titelgebenden Humanoids zeigen etwas Potential.

Die Ascot Elite DVD bietet den Film im guten Durchschnitt. Das Bild ist okay, neigt manchmal allerdings dazu, ein wenig Schäfte vermissen zu lassen und insgesamt „milchig“ zu wirken. Dies könnte aber auch ein gewollter digitaler Effekt sein, um Eiseskälte zu simulieren. Der Ton ist sehr Basslastig. Die O-Tonspur weißt in manchen Dialogszenen leichte Tonschwankungen auf, die aber hörbar bei den Aufnahmen entstanden sein müssen. Die deutsche Synchro ist nicht besonders toll, aber auch nicht wirklich schlecht. Als Extras gibt es zwei entfallen Szenen, die ich mir aber nicht mehr angeschaut habe – und natürlich Trailer.

DVD-Rezension: “The Void“

Von , 15. Juni 2017 06:36

Während seiner nächtlichen Streife entdeckt Deputy Carter (Aaron Poole) ein schwerverletzten Mann (Evan Stern) am Straßenrand. Carter bringt diesen umgehend zum nächstgelegenen Krankenhaus, obwohl dort zur Zeit nur eine Notbesetzung ihren Dienst tut. Dort angekommen entwickelt sich die Nacht zu einem einzigen Albtraum: Vor dem Gebäude versammelt sich eine unheimliche Gruppe vermummter Gestalten, und im Krankenhaus verwandeln sich die Eingeschlossenen in rasende Killer und schleimige Monster…

Würde man eine Liste anfertigen, von welchen Genrefilmen sich die Macher des kanadischen „The Void“ inspiriert haben lassen, so wäre rasch der erste Absatz dieser Besprechung und vielleicht auch noch der zweite gut gefüllt. John Carpenters „Die Fürsten der Dunkelheit“ (mit Abstrichen auch „Assault on Precint 13“), „Hellraiser“ und „Re-Animator“ sind da nur die Beispiele, die als erstes ins Auge springen. Lucio Fulcis „Das Haus an der Friedhofmauer“ und „Die Geisterstadt der Zombies“ sind etwas weniger plakative Inspirationsquellen. Tatsächlich fühlt man sich angenehm an das Horrorkino der 80er Jahre erinnert. Was auch daran liegt, dass man erfreulicherweise auf seelenlose CGI-Effekte weitgehend verzichtet hat und ein beeindruckender Teil des Aufwands in wunderschöne, handgemachte Effekte geflossen ist. Da laufen dem Freund von Latexmasken und Kunstblut angenehme Schauer den Rücken herunter und man fragt sich unwillkürlich, warum die hohe Kunst der „echten“ Special Effects heutzutage fast schon vergessen ist, und selbst das Blut aus dem Computer stammt muss. Eine recht preisgünstige Produktion wie „The Void“ – die mit Crowdfunding-Mitteln realisiert wurde – schafft es doch auch, kreative Masken und handgemachte Effekte auf den Bildschirm zu zaubern.

Dass das alles dann auf Kosten einer originellen Geschichte geht, nimmt man mal so hin. Auch, dass die Charaktere nicht gerade mit dem feinen Pinsel, sondern eher mit der groben Bürste gezeichnet wurden. Überraschungen bleiben also aus, sofern man die „Originale“ kennt. Und ein Subplot, wie der um den Verlust eines Kindes durch das Protagonisten-Paar, wirkt zu dick aufgetragen, um wirken zu können. Auch aus dem Schurken hinter der apokalyptischen Geschichte hätte man mehr machen können. Hinter seiner freundlichen Maske bleibt er anfangs so blass und egal, dass man nach seiner Verwandlung in ein dämonisches Überwesen mit Gottkomplex Mühe hat, sich an seine vorherige Inkarnation überhaupt zu erinnern. Zu beliebig wird diese Figur aus dem Hut gezaubert. Immerhin schafft es Aaron Poole in der Hauptrolle, seinen Deputy Carter sehr sympathisch und lebendig zu gestalten. Ebenfalls relativ gut gelungen ist das Duo, welches zunächst als unheimliche und skrupellose Killer eingeführt wird, sich dann aber als wertvolle Helfer im Kampf gegen Sektenmitglieder und untote Kreaturen entpuppen. Allerdings merkt man dem Drehbuch zu sehr die Absicht an, diese beiden Charaktere als heimliche Helden zu etablieren. Das wirkt dann eher krampfhaft bemüht als cool, zumal die Figur des Sohnes vom Drehbuch vollkommen im Stich gelassen wird.

Doch davon abgesehen, weiß „The Void“ durchaus zu gefallen, was nicht nur an den einfallsreichen, bodenständigen „Creature Designs“ und der für eine FSK16 recht ungewöhnliche Härte liegt. Das Regie-Duo, welches bei einigen großen Blockbustern schon in der Special Effects Abteilung zusammengearbeitet hat, zieht seine Geschichte flott und angenehm humorlos durch. Keine ironisches Augenzwinkern in Richtung der Vorbilder, keine coolen Sprüche. Diese Ernsthaftigkeit tut dem Film sehr gut. Zudem machen Jeremy Gillespie und Steven Kostanski das Beste aus ihrem schmalen Budget und lassen das verlassene Krankenhaus tatsächlich zum „Tor zur Hölle“ werden. Die dichte, stimmungsvolle Inszenierung lässt einen trotz aller Vorhersehbarkeit ab und zu an den Nägeln kauen. Handwerklich kann man Gillespie und Kostanski also keine Vorwürfe machen. Kameraarbeit, Ausstattung, Lichtsetzung – alles vom Feinsten. Es wird spannend sein, den weiteren Weg der Beiden zu beobachten und zu sehen was passiert, wenn sie die Möglichkeit haben ein etwas eigenständiges, besser ausgearbeitetes Drehbuch zu realisieren. Bis dahin ist „The Void“ aber schon einmal eine erstklassige Visitenkarte mit der Empfehlung für höhere Weihen,

„The Void“ ist eine sympathische, blutig-schleimiger Eintopf aus Motiven der großen Horrorklassiker der 80er Jahre von Carpenter über Baker bis Fulci. Dabei bleibt die Eigenständigkeit etwas auf der Strecke und die Figuren sind mitunter recht grob geschnitzt. In Sachen Creature Design, blutige Effekte, Ausstattung und stimmungsvoller Kameraarbeit können die beiden Regisseure aber bereits eine eine Empfehlung in eigener Sache abgeben.

Das Bild der DVD ist recht gut, auch wenn es an einigen Stellen noch optimaler hätte ausfallen können. Da lässt dann die Schärfe etwas nach. Der Ton ist klar und deutlich, wobei kaum die Möglichkeit zu Surround-Effekten genutzt wird. Trotz einer sehr liberalen FSK 16 ist der recht blutige und harte Filme ungeschnitten. Echtes Bonusmaterial sucht man vergeblich. Lediglich mit Trailern wird man abgespeist.

DVD-Rezension: „Desierto – Tödliche Hetzjagd“

Von , 1. Dezember 2016 20:56

desiertoDer Mexikaner Moises (Gael García Bernal) versucht heimlich über Grenze in die USA zu gelangen. Doch kurz vor der Grenze, mitten im Niemandsland, gibt der Truck der Schleuserbande plötzlich seinen Geist auf. So muss sich eine Gruppe illegaler Immigranten zu Fuß durch die unwirtliche Wüste schlagen. Doch kaum haben sie die Grenze passiert, werden sie von einem Scharfschützen (Jeffrey Dean Morgan) aufs Korn genommen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, keine Mexikaner in „sein Land“ zu lassen…

vlcsnap-00810vlcsnap-00876

Nachdem er gerade noch mit seinem Vater Alfonso das Drehbuch zu dessen Hit „Gravity“ geschrieben, realisierte der Mexikaner Jonás Cuarón nun im Alleingang seinen zweiten Spielfilm. Bei „Desierto“ handelt es sich um eine kleine, unaufwändige Produktion, die der typischen, schnörkellosen Narrative eines klassischen B-Western folgt. Zwei Personen auf der Flucht, ein Jäger, die ebenso beeindruckende, wie feindliche Umwelt. Mehr braucht Cuarón nicht für seinen Film. Dass die Gruppe um Protagonist Moises (get it?) zunächst noch größer ist, dient allein dazu, einerseits die tödliche Entschlossenheit seines Gegners zu bestätigen, und andererseits genug Figuren zu haben, die den Stellvertretertod für den im Zentrum des Filmes stehenden Moises sterben können. Eine größere charakterliche Zeichnung wird der Beute des skrupellosen Jägers nicht zugestanden. Allerdings hält sich Jonás Cuarón auch bei seinen drei Protagonisten diesbezüglich stark zurück, was dem Film durchaus gut tut. Von Moises und Adela erfahren wir nur das allernötigste. Moises war bereits einmal in Amerika gewesen, ist hier aber durch unglückliche Umstände mit dem Gesetz in Konflikt geraten und abgeschoben worden. Nun will er zurück zu seiner Familie, die sich noch immer in Amerika aufhält. Adela wurde von ihren Eltern sanft gezwungen über die Grenze zu gehen, um im gelobten Land USA ein besseres Leben zu haben.

vlcsnap-00881vlcsnap-00884

Mehr muss man auch nicht wissen. Weitere Informationen hätten den sehr kompakten Filme nur zerredet und künstlich in die Länge gezogen. Es tut gut, dass Jonás Cuarón hier ökonomisch vorgegangen ist und alles überschüssige Fett abgeschnitten hat. Von seinem Antagonisten Sam gibt er sogar noch weniger preis. Weder Motivation, noch Hintergründe der Figur werden erklärt. Aus seinen Handlungen kann man ableiten, dass er Ausländer hasst und sein Land vor ihnen „verteidigen“ will. Auch, dass er eine tiefe Abscheu vor Autoritäten hat und für ihn „sein Land“ nicht mehr sein Land ist. Mit diesen Voraussetzungen hätte Sam auch gut als unmenschliche, gefühlskalte Killermaschine inszeniert werden können. Doch Cuarón geht zusammen mit seinem hervorragenden Schauspieler Jeffrey Dean Morgan einen anderen Weg. Trotz seiner verabscheuungswürdigen, unentschuldbaren Grausamkeiten, ist Sam doch nie ein entmenschlichter Bösewicht, der mit der stumpfen Effizienz eines Slashers oder der diabolischen Intelligenz eines (Film)-Serienmörders oder Superschurken vorgeht. Sam bleibt immer Mensch und gerade das macht einen so fassungslos. Das Böse ist keine schier übermenschliche Kraft, sondern ein schwitzender Typ aus Fleisch und Blut, der aus irgendwelchen verqueren Gründen glaubt, das Recht auf seiner Seite zu haben und etwas „Gutes“ zu tun. Das erschreckt gerade in den heutigen Zeiten sehr viel mehr, als ein unheimlicher Butzemann.

vlcsnap-00889vlcsnap-00890

Die Schwächen des Filmes bestehen in den Klischeefallen, in die er immer wieder tappt. Natürlich ist Hauptdarsteller Gael García Bernal ein guter bis sehr guter Schauspieler. Natürlich verkörpert er den verzweifelten Helden glaubwürdig und man fiebert gerne mit ihm mit. Doch Bernal ist eben auch immer ein netter Junge. Prädestiniert für den freundlichen, sich immer wieder für die Anderen einsetzender Kumpel. Während sein Gegenspieler Sam durchaus ambivalente Gefühle hervorbringt (in einem anderen Film hätte er auch gut und gerne ein cooler, abgeklärter Westernheld sein können), so ist Moises eindeutig als ein Guter ohne große Ecken und Kanten gezeichnet, wodurch seine Figur auch flach und langweilig ist. Und wenn er dann doch einmal überraschend aus seinem engen Rollenbild ausbricht, dann kann man fest davon ausgehen, dass er seinen Egoismus umgehend korrigiert und doch gleich wieder seiner Mit-Flüchtenden hilfreich zur Seite steht. Zudem nervt es, dass dem todsicheren Schützen Sam, der es ohne große Anstrengung schafft aus einem Kilometer Entfernung seinem armen Opfer durch das Auge zu schießen, urplötzlich seine eiskalte Präzision verliert, wenn er auf den Helden anlegt. Da trifft er dann aus zwei Metern Entfernung kein Scheunentor mehr. Natürlich wäre der Film zu ende, wenn Sam nicht immer wieder unter diesem eklatanten Mangel an Zielwasser leiden würde. Doch so spielt der Film derart vehement mit dem „Zufall“, dass es durchaus ärgerlich ist.

vlcsnap-00898vlcsnap-00903

Neben den nominellen Hauptdarstellern spielt in „Desierto“ die beeindruckende Naturkulisse eine wichtige Rolle. Die Wüste, die mächtigen, bizarr geformten Felsen, die Kakteenfelder. Sie lassen das Grenzgebiet zu Mexiko zu einem bedrohlichen, ausserweltlichen Ort werden, in welchem der Mensch nichts zu suchen hat. Eine Hölle, mit welcher der tödliche Jäger förmlich verschmilzt, und die wie ein Teil seiner offensichtlich gestörten und absonderlichen Psyche wirkt. All dies wird von Damia Garcias hervorragender Fotografie eindrucksvoll festgehalten. Sie sorgt zusammen mit der großartigen, immer weiter vorwärtstreibenden Musik von Woodkid (die hätte ich gerne auf CD) für ein spannendes, optisch wie akustisch eindrucksvolles Erlebnis. Nicht nur deshalb ist die Wahl Mexikos, gerade „Desierto“ in das Oscar-Rennen um den besten fremdsprachigen Film zu schicken, nachvollziehbar. Der andere Grund dürfte ein kräftiger Seitenhieb auf die Pläne des frisch gekürten Präsidenten Trumps sein, Mexikaner notfalls mit einer unüberwindbaren Mauer daran zu hindern, in „sein geliebtes Land“ einzudringen.

vlcsnap-00908vlcsnap-00909

Ein spannender, optisch und akustisch eindrucksvoller Film mit einem interessanten, von Jeffrey Dean Morgan sehr physisch gespielten Antagonisten, welcher allerdings unter allzu vielen vermeidbaren Klischees leidet und einen vielschichtigeren Helden hätte gebrauchen können.

vlcsnap-00912vlcsnap-00915

Wie eigentlich immer bei Ascot elite ist das Bild für eine DVD sehr gut. Das Bild so scharf, dass man auch bei dingen die in weiter Entfernung sind Details sieht. Auch der Ton weiß zu überzeugen und gerade das Zusammenspiel zwischen Geräuschen, Dialogen und der tollen Filmmusik überzeugt. Gar nicht berzeugt leider mal wieder die Bonus-Sektion. dann hier gibt es bis auf den Trailer nichts zu sehen.

DVD-Rezension: „The Voices“

Von , 1. November 2015 22:55

thevoicesDer freundliche Jerry Hickfang (Ryan Reynolds) arbeitet bei einer Firma, die Badewannen herstellt. Hier hat er sich in die ausgesprochen attraktive Fiona (Gemma Arterton) verliebt, die von dem naiv und ungelenk wirkenden Jerry aber nicht viel wissen will. Was niemand weiß: Jerry hat schwere psychische Probleme und hat seine Medikamenten abgesetzt. Jetzt ist Jerrys Welt bunt und schön, doch er beginnt auch wieder Stimmen zu hören. Beispielsweise die von seinem gutmütigen Hund Bosco. Aber auch die seiner teuflischen Katze Mr. Whiskers, die ihn mit Beleidigungen überhäuft und zum Töten animieren will…

vlcsnap-00108vlcsnap-00103
Als „bitterböser Spass mit Kultpotential“ wird dieser Film auf dem Cover der DVD lautstark angepriesen. Auf der Rückseite finden sich Zitate, die den Film allen ernstes als „knallbunten Spaß“ bezeichnen. Der wunderbare, aber stark irreführende, Trailer schneidet die skurrilsten Szenen so zusammen, dass man eine schwarze und herrlich schräge Komödie erwartet. Wirft man die DVD in den Player wird man von bunt gekleideten Menschen und dem „Happy Song“ begrüßt. Alles schreit nach bösen, aber letztendlich doch nur nett-schrägem Entertainment. Genau dies gibt ein vollkommen falsches Bild von „The Voices“ wieder. Versetzt man sich in die Lage seines bedauernswerten Protagonisten ist hier gar nichts witzig. „The Voices“ nimmt uns mit in den Kopf eines zutiefst ge-, aber auch zerstörten Menschen. Dass alles so hübsch bunt und mit Pastelltönen durchsetzt ist, liegt allein daran, dass Jerrys kranke Seele irgendwie versucht, sich in einer heilen, schönen Welt zu verstecken. Jerrys, an Wes Anderson oder frühen Tim Burton gemahnende, bewusst künstlich-gediegen gehaltene Umwelt ist aber nicht real. Wie in Stanislaw Lems „Futurologischen Kongress“ liegt hinter dieser für Jerry so wünschenswerten und sicheren Welt eine ganz andere Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit voller Schmutz, Fäkalien und geronnen Blut.

vlcsnap-00116vlcsnap-00122
Es darf sogar bezweifelt werden, dass die lustigen rosa Overalls der Firma Milton, wo Jerry sein Geld verdient, wirklich so aussehen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass sich Jerry diese Bonbon-Farben an seinem Arbeitsplatz imaginiert. Ebenso wie seine nette Mittelstands-Wohnung jenseits von Jerrys Wahrnehmung ein finsteres, stinkendes Schmutzloch ist, wie die kurzen Szenen zeigen, in denen der Film die Perspektive wechselt. Auch ist Jerry nicht „tollpatschig“, wie es der deutsche Covertext niedlich beschreibt. Seine Naivität und vermeintliche „Tollpatschigkeit“ entstammt allein seinem Versuch, seine Heile-Traumwelt-Blase ständig aufrecht zu erhalten und sich „traumweltkonform“ zu verhalten. Nein, Jerry ist keine komische Figur, die der Lächerlichkeit preisgeben wird. Er ist aber auch kein dämonischer Psychopath. Jerry ist eine zutiefst tragische Figur und „The Voices“ keine schwarze Komödie, sondern ein todtrauriger Film um eine misbrauchte Seele. Sein zartes Gemüt wurde nicht nur durch den abwesenden und autoritären Vater zerstört, sondern vielmehr von seiner Mutter, die den kleinen Jungen einst zwang, sie von ihrem Leid zu erlösen. Wenn am Ende dann der „Happy Song“ erklingt, treibt es einem fast die Tränen in die Augen – repräsentiert er doch Jerrys tiefsten Sehnsüchte nach einer heilen, glücklichen Welt, die sich so aber nie erfüllen können.

vlcsnap-00125vlcsnap-00129
Sowohl Regisseurin Marjane Satrapi, als auch Hauptdarsteller Ryan Reynolds erscheinen zunächst unpassend für diesen Stoff. Die iranische Comiczeichnerin und Filmemacherin Satrapi erschien 2009 mit einem großen Knall auf der cineastischen Bildfläche, als sie selbst ihre autobiographische Graphic Novel „Persepolis“ für die Leinwand adaptierte. Auch in ihrem ersten Realfilm „Huhn mit Pflaumen“ ging es mehr um ihre eigene Geschichte und die Kultur aus der sie stammt. Ihr dritter Film „La bande des Jotas“ ging demgegenüber vollkommen unter, deutete aber schon den Weg an, den sie mit „The Voices“ einschlagen sollte. Laut IMDb handelt „La bande des Jotas“ , indem Marjane Satrapi auch die Hauptrolle spielt, von zwei Freundinnen, die durch einen unfreiwilligen Koffertausch in einen Gangsterstreit geraten. Auf den zweiten Blick passt Satrapi bei „The Voices“ sehr gut auf den Regiestuhl, den auch „Persepolis“ hatte Episoden, die nur an der Oberfläche erheiternd wirkten, aber darunter einen tiefen Schmerz in sich trugen. Zudem setzt die Comic-Künstlerin Jerrys Sicht der Welt auch in eine durchweg konsequente, künstliche Comic-Realität um.

vlcsnap-00135vlcsnap-00144
Und Ryan Reynolds zeigt, dass er mehr ist als nur ein schönes Hollywood-Gesicht. Wobei diese Bezeichnung so auch gar nicht stimmt. Zwar wird Reynolds gerne als gutaussehender All-American-Hero eingesetzt (wie in dem Megaflop „Green Lantern“), doch sieht man genauer hin, ist Reynolds Gesicht gar nicht schön. Es ist unsymmetrisch, die Augen liegen zu dicht beieinander und es wirkt wie das Gesicht eines einfach gestrickten amerikanischen Junge vom Lande. Nicht besonders helle, dafür aber dem Herz auf dem rechten Fleck. In „The Voices“ beweist er, dass er in der Lage ist, dieses gar nicht richtig greifbare Gesicht ausgesprochen wandlungsfähig einzusetzen, und im Sekundentakt von nett auf attraktiv, debil, dämonisch, verzweifelt und wieder zurück zu wechseln.

vlcsnap-00145vlcsnap-00146
„The Voices“ ist nicht ohne Makel. Die Idee Jerrys gute und psychotische Seite durch einen Hund und eine Katze zu repräsentieren ist schon ziemlich dick aufgetragen. Generell wird die Psychologie der Hauptfigur mit dem ganz breiten Pinsel gezeichnet, so dass es auch der letzte im Publikum versteht. Vielerorts wird auch die Uneinheitlichkeit des Filmes bemängelt. Dass er sich nicht entscheiden kann zwischen Komödie, Thriller und Horrorfilm. Dass Marjane Satrapi einfach zu viel hineingestopft hat. Wenn man sich allerdings abermals vor Augen führt, dass der Film ganz Jerrys verzehrte Sichtweise einnimmt, so ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Stimmung und Ausrichtung des Filmes ebenso schwankt, wie Jerrys Gemütszustand. Man kann also auch argumentieren, Marjane Satrapi sei ganz bewusst nicht den einfachen Weg gegangen ist und „The Voices“ als die witzig-böse Komödie inszeniert hat, als die der Film überall vermarktet wird. Stattdessen hat sie einen Weg eingeschlagen, der dem Zuschauer beständig den Boden unter den Füssen wegzieht. Gerade mit seiner Unentschlossenheit nimmt der Film dem Zuschauer die Sicherheit, die es ihm erlauben würde, sich im Angesicht des Grauens in Jerrys Leben, einfach belustigt auf die Schenkel zu schlagen.

vlcsnap-00155vlcsnap-00159

„The Voices“ ist keine schwarzhumorige, schräge Komödie, wie einen die Werbung weiß machen will. „The Voices“ ist ein zutiefst trauriger Film über eine ge- und zerstörte Seele. Ryan Reynolds überrascht hier mit seiner Wandlungsfähigkeit in der Rolle des psychisch schwerkranken Jerry, der steht’s das Gute will, aber das Böse tut.

vlcsnap-00162vlcsnap-00164
Die DVD aus dem Hause Ascot Elite weist ein ausgezeichnetes Bild auf. Die kräftigen bunten Töne werden ebenso gut wiedergegeben, wie auch leichte Pastelltöne und ein tiefes Schwarz. Die englische und die deutsche Tonspur sind gut zu verstehen und auf der 5.1.-Anlage gibt es auch den einen oder anderen Toneffekt. Leider krankt die Veröffentlichung bei den Extras. Hier gibt es zwar drei kurze Featurettes, diese sind aber recht inhaltsleer und erzählen nichts, was man nach Anschauen des Film nicht auch selber wüsste.

DVD-Rezension: „The Dead Lands“

Von , 1. Mai 2015 21:43

DeadlandsDer Stamm des jungen Maori Hongi (James Rolleston) erhält Besuch von Wirepa (Te Kohe Tuhaka), dem Häuptlingssohn eines verfeindeten Stammes. Wirepa täuscht vor, im Namen des Friedens zu kommen, nutzt jedoch einen Vorwand, um Hongis Stamm erbarmungslos abzuschlachten. Nur Hongi und ein paar Frauen überleben. Hongi schwört Rache und folgt Wirepa und dessen Männern durch die „Dead Lands“. Dies ist ein verfluchtes Gebiet, in dem einst über Nacht ein ganzer Stamm verschwand und das nun von einem unheimlichen Wesen regiert wird, welches jeden, der sein Land durchquert, verspeist. Bald schon wird Hongi mit dem „Monster“ konfrontiert, welches sich als riesenhafter Krieger (Lawrence Makoare) herausstellt. Hongi gelingt es, den Krieger auf seine Seite zu ziehen, und gemeinsam setzten sie sich auf Wirepa Fährte…

vlcsnap-00369vlcsnap-00371
Die Prämisse des neuseeländischen Films „The Dead Lands“, und insbesondere sein Trailer, wecken Assoziationen zu Mel Gibsons brutalem Epos „Apocalypto“. Ging es dort um den Untergang der Maya-Kultur, so erzählt der neuseeländische Regisseur Toa Fraser von den Ureinwohnern seiner Heimat: Den Maori. Wie Gibson lässt er seine Figuren dabei in der archaischen Sprache der Ureinwohner sprechen. Und wie Gibson, zeigt er viel Action und lässt das Blut in Fontänen spritzen. Was ihm aber vollkommen abgeht, ist jener epischer Atem, der „Apocalypto“ auszeichnete. Trotz des vielversprechenden und nicht ganz alltäglichen Ansatzes, hat Toa Fraser dann doch nur einen B-Actionfilm gedreht, der eine philosophische Tiefe zwar ab und zu behauptet, aber stets an der Oberfläche bleibt, um eine schon tausendfach gesehene, ausgelutschte Rachegeschichte zu erzählen. Über die Kultur der Maori lernt man nicht viel und was man durch Frasers Film mitbekommt, wirkt auf den unvorbereiteten, westlichen Zuschauer zunächst einmal albern.

vlcsnap-00374vlcsnap-00376
Dies merken auch einige Kritiker an, die dem Film vorwerfen, sich aufgrund der für uns eher lustig anmutenden Riten, in Trash-Gebieten zu bewegen. Ein natürlich unhaltbarer, eher dummer Vorwurf. Denn man merkt deutlich, dass es Toa Frasers erklärtes Ziel war, so dicht und realistisch wie möglich die Maori-Kultur dran zu sein. Und dazu gehört auch wildes Augenrollen und das Herausstrecken der Zunge während eines Kampfes. Was man Fraser eher vorwerfen kann ist es, dass er die Maori-Kultur nicht wirklich nutzt, um uns die Ureinwohner und ihre Kultur vorzustellen. So bleibt es beispielsweise unbeantwortet, ob Kannibalismus unter den Maori wirklich verbreitet war oder dies eine Erfindung des Filmes ist. Für „das Monster“ scheint das Verspeisen seine Gegner durchaus etwas ganz Natürliches zu sein, aber auch Wirepa erwähnt einmal, der Kopf seines Feindes würde bei einem großen Fest verspeist. Und in einer späteren Szene laben sich die verdurstenden Krieger an dem Blut eines der ihren. Auch den mythischen Hintergrund und die Allgegenwart der Verstorbenen muss man sich mehr denken, als dass dies näher erläutert wird, wodurch die Szenen in denen Hongi plötzlich mit seiner toten Großmutter spricht, erst einmal komisch wirken. Nun muss nicht alles ausformuliert werden und „The Dead Lands“ ist auch keine Semi-Dokumentation. Aber er wäre die Chance gewesen, den Menschen außerhalb Neuseelands eine fremde, unterdrückte Kultur nahezubringen. Und da „The Dead Lands“ auch Neuseelands offizielle Oscar-Bewerbung war, kann man davon ausgehen, dass dies durchaus beabsichtigt war.

vlcsnap-00380vlcsnap-00391
Diese Oberflächlichkeit wirkt sich leider auch auf die Protagonisten aus. Unser Held Hongi bleibt blass, sein Weg vom ungeschickten, ängstlichen Häuptlingssohn zum starken Krieger wahllos und voller Sprünge hin und zurück. Auch erhält er keine Konturen, die ihn uns näher zum Herzen bringen. Gegenspieler Wirepa sieht mehr aus wie der Bösewicht aus einem Endzeitfilm und füllt seine Rolle dann auch gänzlich mit Klischees. Wirkliches Profil erhält er nicht, außer, dass er narzisstisch, böse und brutal ist. Und auch nicht besonders clever, denn er wählt mit großer Autorität immer den falschen Weg und ist dabei extrem beratungsresistent. Nur zwei Figuren bleiben einem am Ende im Gedächtnis: Das „Monster“ und eine junge Amazone. Das Monster, welches eigentlich nur ein überaus kräftiger Krieger mit kannibalischen Neigungen und einer finsteren Familiengeschichte ist, wird von Lawrence Makoare gespielt, der hinter Masken versteckt in einigen „Herr der Ringe“-Filmen dabei war. Hier kann er einmal zeigen, dass er eine starke Präsenz besitzt, die auch einen Film tragen kann. Man verzeiht ihm auch gerne, dass er einige platt-pathetische Sprüche aufsagen muss, und seine Figur auch nicht unbedingt eine Ausbund an Originalität ist. Spannender ist da schon eine, von Raukura Turei gespielte, junge Amazone, die sich mit dem Monster einen gnadenlosen, gut choreographierten Kampf liefert, der das Highlight des Filmes bildet. Leider ist ihr nur wenig Zeit auf der Leinwand vergönnt.

vlcsnap-00394vlcsnap-00405
Die Actionszenen sind recht kompetent umgesetzt, auch wenn die Kamera ab und zu die Details aus dem Auge verliert. Unglücklich ist es allerdings gelöst, wenn die Gruppe der Finsterlinge gegen unsere zwei Helden antreten muss. Dann nämlich tänzeln sie wie einst die Kämpfer in den alten Shaw-Brothers-Filmen umher, um schließlich immer schön einzeln anzugreifen. Aber vielleicht gehörte diese „faire Kampfführung“ ja auch zur Maori-Kultur. Ich bezweifle es aber. Ansonsten fällt auf, dass Regisseur Toa Fraser gerne in die Vollen geht und das Blut spitzen lässt. Allerdings ohne dabei die rohe Brutalität zu erreichen, die das oben angeführte Beispiel „Apocalypto“ erzeugte. Dafür lässt Fraser seine Figuren dann aber durch den neuseeländischen Dschungel hetzten, der zwar imposant ist, aber in den Bildern des Kameramanns Leon Narbey nie die mythische Qualität erreicht, die für den Film angebracht gewesen wäre. So wirken die Bilder eher klein, überschaubar und manchmal merkwürdig flach. Es fehlt einfach die Wucht, die unter anderem im Trailer suggeriert wurde und von einem Film wie „The Dead Lands“ auch irgendwo erwartet wird.

vlcsnap-00446vlcsnap-00448
Der neuseeländische Regisseur Toa Fraser hat mit „The Dead Lands“ einen soliden B-Actionfilm ohne jegliche epische Wucht gedreht, der weit hinter dem Potential zurück bleibt, welches die Beschäftigung mit der Maori-Kultur, lange vor der Kolonialisierung Neuseelands, geboten hätte. Stattdessen erzählt Fraser eine sehr simple und austauschbare Rachegeschichte, aus der am Ende nur Lawrence Makoares Portrait eines hünenhaften, kannibalischen Kriegers wirklich in Erinnerung bleibt.

vlcsnap-00450vlcsnap-00447

In Sachen Bild- und Tonqualität lässt sich diese bei Ascot Elite erschienene DVD nicht lumpen. Das Bild ist sehr scharf, die Farben – wo es sich so gehört – kräftig, das Schwarz auch wirklich schwarz. Auch der Ton kann überzeugen und spielt seine Dschungel-Effekte überzeugend aus. Nur die – solide – deutsche Synchronisation ist im Grunde überflüssig. Ist es doch die Intention des Regisseurs, dass die Schauspieler in der Sprache der Maori sprechen, um auch deren Kultur zu skizieren. Als Extras gibt es einige unkommentierte Szenen von den Dreharbeiten (6 Minuten), ebenso unkommentiertes Kampftraining (2 Minuten) und Einblicke in den Fitnessraum (4 Minuten). Die Blu-ray soll noch einige Interviews mit an Bord haben.

DVD-Rezension: “Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“

Von , 18. April 2015 19:03

ElectricboogalooDer Dokumentarfilm des Australiers Mark Hartley berichtet über den unglaublichen Aufstieg und Fall der Cannon Group und ihrer Chefs Menahem Golan und Yoram Globus. Dafür hat Hartley zahlreiche Weggefährten der Beiden befragt und seinen Film mit vielen zeitgenössischen Interviews und reichlich Filmausschnitten aus der Welt der Cannon-Filme angereichert.

vlcsnap-00370vlcsnap-00369

Wer in den 80ern aufgewachsen ist und das Glück hatte, bereits so alt zu sein, dass er in eine der Videothek durfte, die gerade wie Pilze aus dem Boden schossen – oder wer zumindest einen Freund mit älteren Bruder hatte – der wird fast zwangsläufig mit den Produktionen des Hauses Cannon aufgewachsen sein. Noch heute sieht man öfter mal Menschen fast ausschließlich männlichen Geschlechts mit T-Shirts herumlaufen, auf denen das Cannon-Logo prangt. Chuck Norris, Michael Dudikoff und immer wieder Charles Bronson waren die Helden jener Tage. In preisgünstig heruntergedrehten Action-Krachern, die aber immerhin weitaus teurer aussahen als so manches, was heutzutage größtenteils am Computer entsteht, zeigten sie den Bösewichtern, wo Bartel den Most holt. Die Actionfilme der Cannon Group sind noch heute Legende, da vergisst man schon mal, dass sich Cannon auch auf dem Feld des Erotikfilms und des Musicals versucht hat. „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ räumt mit diesem Missstand auf.

vlcsnap-00372vlcsnap-00373

Regisseur Mark Hartley ist Australier und hat dem Exploitation-Kino seiner Heimat, dank seines Dokumentarfilm „Not Quite Hollywood“, nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern es auch weit über die Grenzen eines nur begrenzten Fankreises hinaus bekannt gemacht. Danach wandte er sich dem philippischen Exploitationfilm zu und stellt die herrliche Doku „Machete Maidens Unleashed“ fertig, die für das wilde Filipino-Kino dasselbe tat, wie „Not Quite Hollywood“ für die „Ozploitation“. Nun also richtet Hartley seinen Blick nach Hollywood und selbstverständlich nicht auf die großen Studios MGM, Warner oder Paramount, sondern auf ein Paar von filmverrückten Israelis, die glaubten, im Konzert der Großen lauthals mitsingen zu können: Menahem Golan und Yoram Globus. Ihre Cannon Group wurde von den Großen belächelt und verschmäht, doch ihre Filme fanden ihr Publikum. Natürlich kann man über die Güte der Filme streiten und über die Produktionsbedingungen nur den Kopf schütteln, doch eines kann man nicht: Menahem Golan und Yoram Globus absprechen, sie hätten nicht mit der fiebrigen Leidenschaft echter Cineasten gehandelt.

vlcsnap-00389vlcsnap-00383

Hartley stellt Cannon in eine Linie mit den heutigen Hollywood-Indies Miramax und Nu Image. Damit liegt er nicht falsch. Menahem Golan und Yoram Globus haben eine Menge Dinge begonnen, die heute gang und gebe sind. Z.B. nach Cannes zu fahren und einen Film nur aufgrund eines Posters und eines reißerischen Titels zu verkaufen, ohne dass eine Drehbuch, oder überhaupt eine Idee worum der Film gehen könne, vorlag. Auch die Art und Weise, wie Menahem Golan und Yoram Globus ihr Imperium führte war zur damaligen Zeit außergewöhnlich. Da wurden Filme am laufenden Band rausgehauen, Menahem Golan und Yoram Globus mischten sich immer wieder lautstark in die Produktion ein und warfen das Geld mit vollen Händen raus, um noch mehr Filme zu produzieren oder mal eben fast alle Theatersäle in England zu übernehmen. Was Menahem Golan und Yoram Globus waren, das sind echte Typen, wie man sie heute nicht mehr oft findet. Und so strahlt Hartleys Dokumentation – trotz aller auch kritischen Worte – eine ungeheure Faszination und Sympathie für die beiden Israelis aus, die gerne in Hollywood dazugehören wollten und nach Respekt rangen, aber für die Amerikaner immer wie exzentrische und etwas ungehobelte Emporkömmlinge wirkten, die man nicht ernst nehmen könne.

vlcsnap-00387vlcsnap-00394

Mark Hartley nimmt die beiden ernst und setzt ihnen ein Denkmal, welches allerdings nie zur Heldenverehrung kommt. Vor die Kamera hat er mehrere Dutzend ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner geholt, die nicht immer nur freundliche Dinge über Menahem Golan und Yoram Globus zu berichten wissen. Auch die Schauspieler, die hier Anekdoten zum Besten geben, sind häufig nicht gut auf die Beiden zu sprechen. Laurene Landon aus „America 3000“ verbrennt sogar vor laufender Kamera ihre VHS-Kopie des Filmes. Zwei Dinge fallen auf: Drei Schauspieler, die das Gesicht von Cannon geprägt haben, tauchen nur in Filmausschnitten auf, sind aber nicht an den Interviews beteiligt. Einmal Chuck Norris, dann Jean-Claude Van Damme und schließlich Sylvester Stallone, der Mitte der 80er einen unglaublichen Deal mit Cannon machte, die ihm immens viele US-Dollar für drei Filmen gaben, von denen aber dann gleich der erste – „Over the Top“ – fürchterlich floppte. Am schmerzlichsten vermisst man aber Chuck Norris, der sich heute scheinbar von den ultrabrutalen Cannon-Filmen distanziert, die seinen Mythos begründeten. Norris war damals zusammen mit Charles Bronson DER Cannon-Schauspieler. In „Electric Boogaloo“ wird erzählt, dass alle Drehbücher damals auf einen von zwei Stapeln kamen. Einen für Norris und einen für Bronson. Zum anderen ist es fast schon penetrant, wie stark die Cannon-Filme von allen Beteiligten abgewertet werden, die sie fortwährend als „shit“, „junk“ und „rubbish“ bezeichnen. Die Fans der alten Actionkracher werden hierzu sicherlich eine andere Meinung haben.

vlcsnap-00400vlcsnap-00407

Hartley pflegt in „Electric Boogaloo“ den Stil, den er schon in „Not Quite Hollywood“ und „Machete Maidens Unleashed“ etabliert hat. Viele Köpfe erzählen interessante Dinge über ihre Zeit mit und bei Cannon. Die Statements werden rasant aneinander geschnitten und mit Filmszenen unterfüttert, so dass ein zügiger Fluss entsteht. Dieser trägt dazu bei, dass man das Gefühl hat, eine stringente Geschichte und nicht viele Anekdoten zu hören. Allerdings ist Hartleys Tempos teilweise so hoch, dass man nur mit größte Mühe identifizieren kann, wer nun eigentlich was erzählt hat und welche Funktion dieser Menschen bei Cannon ausübte. Durch die hohe Faktenfülle schwirrt einem auch schon mal der Kopf. Aber die Geschichte der Cannon Group verläuft eben auch nicht linear, sondern hat viele Schlenker und spannende Nebenschauplätze, die in den 95 Minuten der Dokumentation gar nicht alle beleuchtet werden können. Neben den offensichtlichen Themen wie die frühe Karriere Menahem Golans und Yoram Globus‘ in Israel und den weltweiten Erfolg ihrer „Eis am Stiel“-Reihe und den Actionfilmen, werden auch die Musicals – insbesondere der erfolgreiche Tanzfilm „Breakin‘“, die Erotikfilme mit einer damals kokain- und alkoholabhängigen Sylvia Kristal erwähnt.

vlcsnap-00409vlcsnap-00405

Wichtig ist auch Cannons verzweifelter Versuch mit ambitionierten Filmen aus der Arthouse-Ecke, einen respektablen Ruf zu verschaffen. So wird oftmals vergessen, dass Menahem Golan und Yoram Globus auch Filme von Barbet Schröder, Franco Zeffirelli – der höchsten Lobes für Menahem Golan und Yoram Globus ist -, John Cassavettes, und unglaublicherweise auch Jean-Luc Godard produzierten. Genützt hat es ihnen nichts. Cannon blieb als Schmuddel-Schmiede verrufen. Der letztendliche Untergang des Imperiums wird von Harltey recht schnell abgehandelt. Zum Bankrott führten schließlich zu teure Prestige-Projekte, die an der Kino-Kasse floppten. Wie „Superman 4 – The Quest For Peace“ oder „Captain America“. Heute kaum fassbar, dass Cannon damals, lange vor der großen Comichelden-Welle, die Rechte an den populärsten DC- und Marvel-Figuren hatte. Hartley erwähnt einmal sogar einen „Spider-Man“-Film, der aber nicht über das Planungsstadium hinaus kam. „Electric Boogaloo“ endet dann mit einer wunderbaren Note. Eine Texttafel informiert darüber, dass Menahem Golan und Yoram Globus nicht am Film partizipierten, weil sie – als sie von Hartleys Projekt hörten – sofort selbst einen Dokumentarfilm über ihre Cannon Group in Auftrag gaben – und dieser ganz im alten Cannon-Style das „Original“ im Rennen um den Starttermin um ganze drei Monate schlug.

vlcsnap-00397vlcsnap-00399

Mit „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ setzt Mark Hartley seine wundervolle Exploitation-Trilogie fort. Mitunter sorgt der schnelle Schnitt und die Unmengen auftretender Personen dafür, dass man den Überblick verliert, wer denn nun genau was zu berichten weiß. Auch irritiert, dass von den Beteiligten kaum jemand ein gutes Haar an den Cannon-Produktionen lässt. Darüber hinaus ist „Electric Boogaloo“ aber ein unterhaltsamer und faszinierender Trip in die nähere Vergangenheit und macht Lust darauf, mal wieder einen dieser alten Chuck-Norris-Klopper einzulegen.

vlcsnap-00402vlcsnap-00403

Die Bildqualität ist in den Interview-Sequenzen hervorragend, bei den verschiedenen Filmausschnitten natürlich schwankend, jenachdem, was für eine Quelle genutzt wurde. Das lässt sich aber sehr gut verschmerzen. Die deutsche Fassung ist mit Voice-Over, wobei die verschiedenen Personen auch von einer Handvoll verschiedener Sprecher gesprochen werden. An Extras gibt es eine 13-minütige Sektion mit „Deleted and Extended Sequences“, in welcher der Charles-Bronson-Slasher-Cop-Crossover „10 To Midnight“ und „Norman Mailers „Tough Guys Don’t Dance“ diskutiert werden. Ferner Informationen über den damals geplanten „Spider-Man“-Film gegeben, der „Captain America“-Film und der 3D-Film „Treasure of the Four Crowns“ besprochen und eine länger Version des Interviews mit Michael Dudikoff gezeigt werden. In der knapp einminütgen „Menahem Golan Impersations“ imitieren einige Personen den Cannon-Gründer, in dem 40-Sekünder „Mark’s T-Shirt Collection“ zeigt Cutter Mark Helfrich zwei Cannon-T-Shirts und erzählt jeweils eine Anekdote dazu. Und „Roy und John lesen aus ihrer Lieblingskritik“ ist genau das und dauert 1:50 Minuten.

DVD-Rezension: „Borgman“

Von , 17. Februar 2015 19:35

borgman_dvd
Eines Tages steht vor der Tür des gut situierten Ehepaares Richard (Jeroen Perceval) und Marina (Hadewych Minis) ein Landstreicher (Jan Bijvoet), der sie bittet, bei ihnen ein Bad nehmen zu dürfen. Als er dann noch behauptet, Marina zu kennen, rastet Richard aus und verprügelt den Mann. Am Abend findet Marina den verletzten Landstreicher, der sich nun Camiel Borgman nennt, in ihrem Gartenhaus. Sie pflegt ihn und lässt ihn heimlich weiter im Gartenhaus wohnen. Bald schon nimmt Borgman auch Kontakt zu den Kindern des Ehepaares auf, die ihm scheinbar vertrauen. Gleichzeitig kontaktiert er seine Freunde Pascal (Tom Dewispelaere) und Ludwig (Alex van Warmerdam), später kommen noch Brenda (Annet Malherbe) und Ilonka (Eva van de Wijdeven) hinzu. Gemeinsam räumen sie zunächst den Gärtner des Anwesens und dessen Ehefrau aus dem Weg. Frisch frisiert nimmt Borgman daraufhin die Stelle als neuer Gärtner bei Richard und Marina an und holt umgehend seine Freunde als angebliche Helfer mit ins Haus…

vlcsnap-00128vlcsnap-00132

Alex van Warmerdams Film „Borgman“ lief im letzten Jahr auf einigen Filmfestivals, neben Cannes waren es vorzugsweise jene, die sich dem fantastischen Film verschrieben haben. Ob „Borgman“ nun dahin passt oder nicht, kann man mit ja und nein beantworten. Zwar werden in „Borgman“ immer wieder übernatürliche Dinge angedeutet, aber sie spiele keine große Rolle. Scheinbar besitzt die Titelfigur Camiel Borgman die Fähigkeit, die Träume anderer zu beeinflussen. Immer wieder wird gezeigt, wie er des nachts nackt auf der Brust der Protagonistin sitzt, die sich unter ihm in Albträumen windet. Selbstverständlich zitiert van Warmerdams dabei Johann Heinrich Füslis „Nachtmahr“, aber ist Borgman dieser Dämon? Gleich zu Beginn wird gezeigt, wie sich drei Männer aufmachen, Borgman in seinem unterirdischen Versteck zu vernichten. Einer davon ist ein Priester, dessen verbrämter Gesichtsausdruck zeigt, dass er sich auf einer heiligen Mission wähnt. Doch bis auf diese Szene und eine kurze Sequenz, in der plötzlich zwei abgemagerte Wundhunde scheinbar aus dem Nichts im Hause der Familie auftauchen (ob diese nur Borgmans Freunde Ludwig und Pascal oder Brenda und Ilonka in anderer Gestalt sind, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen), hält sich Van Warmerdam mit übersinnlichen Phänomenen stark zurück. Seine Bande an merkwürdigen Außenseitern, die da in das Leben einer gut situierten Mittelklasse-Familie eindringt, braucht auch keine Hilfe von „unten“, sondern nur einen festen Willen und eiskalte Skrupellosigkeit, um ihren Plan (welcher zunächst diffus bleibt) in die Tat umzusetzen. Dabei gehen sie mit einer emotionslosen Professionalität vor, wie man sie aus caper-movies kennt. Jeder kennt seinen Platz im Geflecht und führt mit größter Präzision seine Aufgaben durch. Es ist aber nicht so, dass hier eine Maschine in Gang gesetzt wird, die sich nicht aufhalten ließe. Natürlich könnte sich die Familie gegen die perfiden Manipulationen wehren, doch Borgman kennt ihre Natur zu gut, und Marina und Richard agieren zu dumm und zu egozentrisch, um das große Bild zu erkennen.

vlcsnap-00136vlcsnap-00138

Die Geschichte des Fremden, der plötzlich in das Leben einer Familie tritt, um diese kräftig durcheinander zu rütteln, kennt man aus Renoirs „Boudu – Aus den Wassern gerettet„, Pasolinis „Teorema“ oder Miikes „Visitor Q„. Zwar gehen diese Geschichte in der Regel nicht immer gut aus, doch steht am Ende zumeist ein manchmal schmerzhaftes Selbsterkennen der Beteiligten, die sich ihrer wahren Natur oder zumindest einer lohnenswerten Alternative gegenüber stehen sehen. Doch in „Borgman“ bleibt der Familie diese Erleuchtung vorenthalten. Bis zum Schluss begreifen sie ihr eigenes Wesen nicht, verstehen nicht, was sie in den Abgrund führt und dass ihr Verhalten, ihre Egozentrik und Arroganz es waren, die den Angreifern ein so leichtes Spiel gemacht hat. Ja, sie verstehen noch nicht einmal, dass sie Opfer eines Angriffs geworden sind, so borniert gehen sie von ihrer Unfehlbarkeit aus. Das moderne Designer-Haus, welches mitten in die Natur geklotzt wurde, ist ein Sinnbild für Richard und Marina. Auf den ersten Blick beeindruckend und vielleicht sogar begehrenswert, will es bei näherer Betrachtung gar nicht in seine Umwelt passen. Dort wirkt es wie fetter, kalter und unpersönlicher Brocken, ein alles dominierender und einnehmender Fremdkörper, der alles andere mit kalter Brutalität verdrängt. Auch innerhalb des Hauses wirkt alles steril und ungemütlich. Erst wenn am Ende das Haus ganz von Borgman und seinen Mitstreitern vereinnahmt wurde, scheint es sich zu verändern. Dann wirkt das Wohnzimmer plötzlich wie ein Lounge-Bar aus den 70er Jahren, und das auch das elterliche Schlafzimmer bekommt eine schwül-barocke Note. Nein, einladend ist es immer noch nicht, aber immerhin zeigt es Charakter. ebenso wie Borgman und Genossen, die man auch nicht gerne zu sich nach Hause einladen würde, die aber sich aber immerhin bewusst sind, was sie sind und was sie wollen. Im Gegensatz zu Richard und seiner Frau Marina, die ein Scheinleben führen, bei dem Selbst- und Fremdwahrnehmung gehörig auseinander klaffen.

vlcsnap-00142vlcsnap-00148

Marina hält sich für eine liberale Frau mit künstlerische Ambitionen und eine gute Mutter. Doch tatsächlich erfüllt sie keine dieser Kriterien. Nicht nur, dass sie den rassistischen Äußerungen ihres Ehemanns nicht entschlossen entgegen tritt, sie selbst verhält sich dem dänischen Dienstmädchen gegenüber, wie eine strenge Herrin gegenüber der Dienstmagd und betont immer wieder, dass diese nicht den sozialen Stand besitzt, wie ihre Familie. Ihren künstlerische Ambitionen geht sie eher gelangweilt und planlos nach, statt mit Leidenschaft. So als wenn diese eben zum guten Ton dazu gehören. Und als Mutter versagt sie, wenn sie die Aufsicht und Erziehung ganz ohne Not an das Kindermädchen abgibt und dabei völlig den Kontakt zu ihren Kindern verliert, die sich dann auch schnell anderen Bezugspersonen zuwenden. Richard ist der simpelste und damit auch langweiligste Charakter in diesem Film. Cholerisch verprügelt er Obdachlose, knallt afrikanischen Arbeitssuchenden die Tür vor der Nase zu und hintergeht in seiner Firma scheinbar auch seinen Partner. An seiner Frau ist er ebenso wenig interessiert, wie an seinen Kindern, die er schnell mal an ihm Unbekannte abschiebt, als es ihm lästig ist, sie zur Schule zu fahren. Und so bereiten den Boden für den eigenen Untergang. Während Jeroen Perceval als Richard seine Rolle recht offen und eindimensional als aggressives Ekelpaket anlegt, gelingt Hadewych Minis als Marina der Spagat zwischen verbitterter Erkenntnis, dass ihr Leben nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt hat und gleichzeitigem arroganten Stolz auf darauf, wie man finanziell und sozial dasteht. Diese Ambivalenz zeichnet sich auch im ganzen Auftritt Hadewych Minis‘ – die entfernt an Julianne Moore erinnert – ab, der sie mal als attraktiv-mondäne Frau und manchmal als ein leicht übergewichtiger Trampel erscheinen lässt. Eine faszinierende Schauspielerin von der mehr gerne mehr sehen würde.

vlcsnap-00155vlcsnap-00167

Ebenfalls faszinierend ist Jan Bijvoet in der Titelrolle. Schon zu Beginn, lässt er unter der Zottelfrisur und dem wilden Bart einen distinguierten Gentleman durchscheinen. Seine Art sich zu bewegen und auszudrücken passt dann auch gar nicht zu seinem Waldschrat-Outfit. Vielleicht ist es dann auch genau das, was Marina dazu bringt, ihm zu helfen und eine immer stärker werdende Faszinationen für diesen geheimnisvollen Typen zu entwickeln. Ohne übertriebene Gesten, mit fast unbewegtem Gesicht, füllt Bijvoet den Film ganz mit seiner Persönlichkeit aus und sein Borgman liegt wie ein bedrohlicher Schatten über jeder Szene. Kongenial sind auch seine Partner besetzt. Tom Dewispelaere als Pascal und Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam in der Rolle des Ludwig, wirken zunächst wie ein Komiker-Pärchen, offenbaren aber bald, dass sie unter ihrer scheinbar harmlose-lustigen Fassade ebenso kaltblütig und gefährlich sind, wie Borgman selber. Auch die großartige Annet Malherbe als Brenda und Eva van de Wijdeven als Illonka vermitteln einem mit ihrer scheinbaren Normalität, und verwundert auch nicht, dass die mollige Malherbe mühelos und sehr glaubwürdig die Rolle einer fürsorglichen Ärztin annehmen kann. Da man der Zuschauer aber schnell lernt, dass diese scheinbare Fürsorge jederzeit in tödliche Aktionen umschlagen kann, entsteht ein unangenehmes Gefühl.

vlcsnap-00160vlcsnap-00168

„Borgman“ wird häufig mit Michael Hanekes „Funny Games“ verglichen. Aber obwohl eine thematische Verwandtschaft mit diesem besteht, erinnert „Borgman“ doch vielmehr an die „stillern“ Filme eines Michael Hanke und weniger mit dem sehr plakativen, „lauten“ „Funny Games“. Vor allem erinnert er an „Caché“ und „Das weiße Band„, die auch dieses unheilvolle Vibrieren unter den Bildern besaßen, welches von einer diffusen, noch nicht greifbaren Gefahr zeugt. Auch die blasse Farben und die oftmals in Tableaus angeordneten Szenen, in denen sich die Figuren verlieren, erinnern an die Werke des Österreichers. Doch während dieser dem Zuschauer die Auflösung seiner filmischen Rätsel absichtlich verweigert, ist Alex van Warmerdam nicht ganz so grausam. Zwar wählt auch er bewusst nicht den einfachen Weg und erklärt dem zuschauer seinen Film bis ins Letzte, aber er gibt mit einigen wenigen Hinweisen und vor allem aber dem Eingangszitat und dem Schlussbild, dem Zuschauer genug Futter, um die Puzzleteile zu einem – wenn auch noch unvollständigen, letztendlich aber doch recht eindeutigen Bild zusammenzusetzen.

vlcsnap-00169vlcsnap-00170

Alex van Warmerdams Film erzählt in (beun)ruhigen(den) Bildern davon, wie eine Gruppe Fremder sich mit eiskalter Professionalität in das Leben einer finanziell gutgestellten, aber arroganten und egoistischen Familie einschleicht, und diese durch perfide Intrigen vernichtet. Die kühle und stilbewußte Erzählweise erinnert dabei an die Filme Michael Hanekes, erweist sich aber als zugänglicher. Getragen wird der Film von einem faszinierenden Jan Bijvoet in der Titelrolle und sehr guten Nebendarstellern.

vlcsnap-00171vlcsnap-00173
Das Bild der bei Pandastrom erschienen DVD wirkt an vielen stellen etwas zu hell. Dass die Farben in vielen Szenen eher blass und kontrastarm sind, mag einem visuellen Konzept folgen, doch insbesondere die Schwarztöne wirken oftmals eher dunkelgrau. Der Ton ist sehr klar, auf irgendwelche Effekte wird verzichtet. Leider ist das Bonusmaterial nur sehr spärlich. Neben dem Trailer gibt es lediglich 6 Minuten nicht verwendeten Materials, welches allerdings von daher interessant ist, dass hier dem Freund des dänischen Kindermädchens ein gänzlich anderes Schicksal als im fertigen Film widerfährt.

DVD-Rezension: “Wer – Das Biest in Dir“

Von , 10. Februar 2015 21:24

WEREine amerikanische Familie, wird bei ihrem Camping-Urlaub in Frankreich bestialisch abgeschlachtet. Nur die Ehefrau kann lebensgefährlich verletzt entkommen und berichtet von einem tierähnlichen, riesigen Wesen, welches ihren Sohn gefressen hätte. Kurze Zeit später nimmt die französische Polizei einen Tatverdächtigen fest. Es ist der riesenhafte Talan Gwynek (Brian Scott O’Connor), Sohn rumänischer Einwanderer. Für die Polizei scheint festzustehen, dass Talan der gesuchte Mörder ist. Die amerikanische Menschenrechtsanwältin Kate Moore (A.J. Cook) übernimmt den Film und schon bald kommen ihr Zweifel, ob Talan – der an einer seltnen Krankheit leidet, die es ihm fast unmöglich macht sich zu bewegen – wirklich der Täter ist. Tatsächlich kommen sie und ihr Team schon bald einigen Ungereimtheiten auf die Spur, die auf ein Komplott hindeuten. Um Talans Unschuld zu beweisen, ordnet sie einige medizinische Tests an Talan an. Diese haben allerdings mörderische Konsequenzen…

vlcsnap-00077vlcsnap-00078

Scheinbar kommen Werwölfe gerade wieder in Mode. Zeitgleich mit „WolfCop“ veröffentlicht Ascot Elite auch den Spielfilm „Wer“, dessen Titel mitnichten als Frage, sondern vielmehr die Vorsilbe des deutschen Wortes „Werwolf“ zu verstehen ist. Während „WolfCop“ dem Thema einen leichten, spaßigen Ton gab, bemüht sich „Wer“ um mehr Ernsthaftigkeit und Grusel. Dabei wählt Regisseur und Drehbuchautor William Brent Bell einen neuen Ansatz, um sich mit der Figur des Werwolfs auseinander zu setzten. Sein Werwolf ist kein normaler Mensch, der sich in Vollmondnächten in einen reißenden Wolf verwandelt, sondern ein riesiger, übermäßig stark behaarter Mann, der sich bei Vollmond gar nicht erst verwandelt, sondern lediglich übermenschliche Körperkräfte entwickelt. Dargestellt wird dieser Talan Gwynek von dem Schauspieler Brian Scott O’Connor, der damit auch gleich die größte Bereicherung dieses Filmes darstellt.

vlcsnap-00082vlcsnap-00085

O’Connor spielt bei seinem Debüt vor der Filmkamera mit einer ungeheuren, beängstigenden Ausstrahlung. Gleichzeitig weiß er sich aber auch zurückzunehmen und gerade in der sehr viel stärkeren ersten Hälfte, interpretiert er Talan sehr überzeugend als sehr zurückhaltende, schüchterne Person. Dass Talan den Beschützerinstinkt der jungen Anwältin Kate Moore weckt, ist durchaus nachvollziehbar. Kommen dem Zuschauer doch aufgrund der zurückhaltenden Spielweise O’Connors doch durchaus Zweifel, ob dieser riesige Kerl tatsächlich das titelgebende Monster ist oder doch jemand ganz anderer hinter den brutalen Morden steckt. Gerade in der Szene, in welcher er zusammen mit seiner Mutter und dem Team um Anwältin in ein Laboratorium geführt wird, erscheint er ganz als sanfter Riese, der Hilfe benötigt und nur aufgrund seines monströsen Aussehens zum Sündenbock gemacht wurde. Leider wirft Regisseur Bell diese spannende Prämisse bald in hohem Bogen über Bord. Wodurch nicht nur ambivalente Gefühle des Zuschauers weckt, sondern auch die Frage, was hinter den Morden und der scheinbar augenblicklich erfolgte Festnahme Talans steckt, aufgeben werden. Stattdessen lässt Bell seinen bis dahin interessanten Horror-Thriller in einen actionbetonten Splatterfilm umkippen, der zwar pausenlose Hektik und stapelweise zerfetzte Leiber und zerplatzte Köpfe auffährt, dabei jedoch jegliche gruselige Spannung und nachvollziehbare Figurenzeichnung vergisst.

vlcsnap-00087vlcsnap-00096

In dieser deutlich schwächeren zweiten Hälfte werden vor allem die Liebhaber atemloser Verfolgungsjagden und blutigen Splattereffekten, unter die sich, neben zahlreichen computerbasierten, auch eine handvoll Handgemachtes schummeln, bedient. Doch wenn das Monster im Akkord Polizisten zermatscht, dann führt dies recht schnell zu einer Abstumpfung, die keinerlei Spannung mehr generieren kann. Erschwerend kommt hinzu, dass das Handlungsgerüst, welches in der ersten Hälfte aufgebaut wurde, dabei einrissen oder zumindest marginalisiert wird. Es gibt auf alle Frage nur einfache Antworten, keinerlei Überraschungen und insbesondere die Figur der Anwältin Moore beginnt sich widersprüchlich zu ihrem in der ersten Hälfte etablierten Charakter zu verhalten. Der sich völlig falsch anfühlende Epilog, gibt dem anfangs so vielversprechenden Film dann den Todesstoß. Was ärgerlich ist, denn nicht nur hätten die anfangs ausgelegten Handlungsfäden, sondern vor allem die Frage nach Schuld und Unschuld Talans und die damit verbundenen Zweifeln, das Potential zu einem weitaus interessanteren Film gehabt.

vlcsnap-00100vlcsnap-00105

So aber werden ambivalente Charaktere, wie der französische Polizist, plötzlich zu platten Unsympathen mit finsterer Agenda. Überhaupt ist es auffällig, dass die positiv gezeichneten Figuren, dieser in Frankreich spielenden Geschichte, alles Amerikaner sind, während die Europäer durch die Bank weg von zweifelhaftem Charakter sind. Seriendarstellerin A.J. Cook spielt die taffe amerikanische Anwältin Kate Moore und wirkt dabei immer einen Tick zu hübsch und mädchenhaft. Gänzlich vom Drehbuch im Stich gelassen wird Simon Quarterman als ihr ehemaliger Geliebter Gavin Flemyng, dessen Figur nie wirklich erklärt wird, wodurch seine charakterliche Verwandlung in der zweiten Hälfte des Filmes ineffektiv und egal bleibt. Gänzlich verzichtbar ist Vik Sahay als Hacker Eric Sarin. Auch diese Figur erfährt keine dringend bedürftige Erklärung, wer sie ist und was sie denkt. Der gutaussehende und durchaus charismatische Sahay steht im Grunde nur in der Gegend herum oder läuft der Hauptdarstellerin hinterher, ohne eine wirkliche Funktion zu erfüllen.

vlcsnap-00112vlcsnap-00109

Optisch entwickelt William Brent Bell einen Stil, der die guten alten „Dogma“-Filme wie elegante Kamerafahrten aussehen lässt. Ganz offensichtlich versucht Bell das populäre „Found Footage“-Genre mit einer konventionellen Erzählweise zu kombinieren. Dabei lässt er seine Kamera ordentlich wackeln, filmt aus merkwürdigen, „unfilmischen“ Winkeln, arbeitet mit abrupten Reißschwenks und schneidet so, dass man schnell die Orientierung verliert. Alles Merkmale des „Found Fooage“-Genres, ebenso wie die vielfache Verwendung sekundärer Quellen. Häufig wird Material aus Überwachungskameras oder Ausschnitte aus Fernsehreportagen in den Film hineingeschnitten. Vermutlich ist es Bells Ziel, die scheinbare, unmittelbare, „realistische“ Dynamik von „Found Footage“ in seinen Film einfließen zu lassen. Das kann man als interessanten Hybrid betrachten oder schrecklich nervig finden. Immerhin umgeht er damit die bei echten „Found Footage“-Filmen immer wieder auftauchende Frage, warum jemand in einer Ausnahmesituation nicht einfach aufhört zu filmen, um seine Haut zu retten.

vlcsnap-00116vlcsnap-00114

Während „Wer“ in der erste Hälfte durchaus interessant Ansatzpunkte hat, werden diese von dem wortwörtlichen „overkill“ der zweiten Hälfte in den Boden gestampft. Was ärgerlich ist, hätte der Film doch – vor allem auch dank seines imposanten Hauptdarstellers Brian Scott O’Connor – Potential zu weitaus mehr gehabt, als einer nur Metzelorgie im Wackelkamera-Look.

vlcsnap-00117vlcsnap-00121

Das Bild der DVD aus dem Hause Ascot Elite lässt sich schlecht bewerten, da Regisseur William Brent Bell versucht, einen „realistischen“ Found-Footage-Stil zu kreieren. Dazu wackelt die Kamera, gibt es oftmals gewollte Unschärfen und wirken die Szenen, wie von einer Amateur-Videokamera aufgenommen – mit all den bekannten Schwächen. Da dies bewusst als Stilmittel eingesetzt wird, kann die schwankende Bildqualität aber der Veröffentlichung nicht negativ angekreidet werden. Der Sound ist okay, wenn auch die deutsche Synchro etwas dünn klingt. Die Extras sind nicht der Rede wert. Es gibt ein 11-minütiges Featurette, welches aber aus viel zu vielen Filmausschnitten besteht, sowie kurze Interviews mit den Produzenten Matthew Peterman & Morison Paulsen, Hauptdarstellerin A.J. Cook und Regisseur/Drehbuchautor William Brent Bell, die sich zusammen auf 12 Minuten summieren. Ein 2-minütiges Feature über die Stunts und diverse Trailer runden diesen Bereich ab.

Panorama Theme by Themocracy