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DVD-Rezension: „Desierto – Tödliche Hetzjagd“

Von , 1. Dezember 2016 20:56

desiertoDer Mexikaner Moises (Gael García Bernal) versucht heimlich über Grenze in die USA zu gelangen. Doch kurz vor der Grenze, mitten im Niemandsland, gibt der Truck der Schleuserbande plötzlich seinen Geist auf. So muss sich eine Gruppe illegaler Immigranten zu Fuß durch die unwirtliche Wüste schlagen. Doch kaum haben sie die Grenze passiert, werden sie von einem Scharfschützen (Jeffrey Dean Morgan) aufs Korn genommen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, keine Mexikaner in „sein Land“ zu lassen…

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Nachdem er gerade noch mit seinem Vater Alfonso das Drehbuch zu dessen Hit „Gravity“ geschrieben, realisierte der Mexikaner Jonás Cuarón nun im Alleingang seinen zweiten Spielfilm. Bei „Desierto“ handelt es sich um eine kleine, unaufwändige Produktion, die der typischen, schnörkellosen Narrative eines klassischen B-Western folgt. Zwei Personen auf der Flucht, ein Jäger, die ebenso beeindruckende, wie feindliche Umwelt. Mehr braucht Cuarón nicht für seinen Film. Dass die Gruppe um Protagonist Moises (get it?) zunächst noch größer ist, dient allein dazu, einerseits die tödliche Entschlossenheit seines Gegners zu bestätigen, und andererseits genug Figuren zu haben, die den Stellvertretertod für den im Zentrum des Filmes stehenden Moises sterben können. Eine größere charakterliche Zeichnung wird der Beute des skrupellosen Jägers nicht zugestanden. Allerdings hält sich Jonás Cuarón auch bei seinen drei Protagonisten diesbezüglich stark zurück, was dem Film durchaus gut tut. Von Moises und Adela erfahren wir nur das allernötigste. Moises war bereits einmal in Amerika gewesen, ist hier aber durch unglückliche Umstände mit dem Gesetz in Konflikt geraten und abgeschoben worden. Nun will er zurück zu seiner Familie, die sich noch immer in Amerika aufhält. Adela wurde von ihren Eltern sanft gezwungen über die Grenze zu gehen, um im gelobten Land USA ein besseres Leben zu haben.

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Mehr muss man auch nicht wissen. Weitere Informationen hätten den sehr kompakten Filme nur zerredet und künstlich in die Länge gezogen. Es tut gut, dass Jonás Cuarón hier ökonomisch vorgegangen ist und alles überschüssige Fett abgeschnitten hat. Von seinem Antagonisten Sam gibt er sogar noch weniger preis. Weder Motivation, noch Hintergründe der Figur werden erklärt. Aus seinen Handlungen kann man ableiten, dass er Ausländer hasst und sein Land vor ihnen „verteidigen“ will. Auch, dass er eine tiefe Abscheu vor Autoritäten hat und für ihn „sein Land“ nicht mehr sein Land ist. Mit diesen Voraussetzungen hätte Sam auch gut als unmenschliche, gefühlskalte Killermaschine inszeniert werden können. Doch Cuarón geht zusammen mit seinem hervorragenden Schauspieler Jeffrey Dean Morgan einen anderen Weg. Trotz seiner verabscheuungswürdigen, unentschuldbaren Grausamkeiten, ist Sam doch nie ein entmenschlichter Bösewicht, der mit der stumpfen Effizienz eines Slashers oder der diabolischen Intelligenz eines (Film)-Serienmörders oder Superschurken vorgeht. Sam bleibt immer Mensch und gerade das macht einen so fassungslos. Das Böse ist keine schier übermenschliche Kraft, sondern ein schwitzender Typ aus Fleisch und Blut, der aus irgendwelchen verqueren Gründen glaubt, das Recht auf seiner Seite zu haben und etwas „Gutes“ zu tun. Das erschreckt gerade in den heutigen Zeiten sehr viel mehr, als ein unheimlicher Butzemann.

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Die Schwächen des Filmes bestehen in den Klischeefallen, in die er immer wieder tappt. Natürlich ist Hauptdarsteller Gael García Bernal ein guter bis sehr guter Schauspieler. Natürlich verkörpert er den verzweifelten Helden glaubwürdig und man fiebert gerne mit ihm mit. Doch Bernal ist eben auch immer ein netter Junge. Prädestiniert für den freundlichen, sich immer wieder für die Anderen einsetzender Kumpel. Während sein Gegenspieler Sam durchaus ambivalente Gefühle hervorbringt (in einem anderen Film hätte er auch gut und gerne ein cooler, abgeklärter Westernheld sein können), so ist Moises eindeutig als ein Guter ohne große Ecken und Kanten gezeichnet, wodurch seine Figur auch flach und langweilig ist. Und wenn er dann doch einmal überraschend aus seinem engen Rollenbild ausbricht, dann kann man fest davon ausgehen, dass er seinen Egoismus umgehend korrigiert und doch gleich wieder seiner Mit-Flüchtenden hilfreich zur Seite steht. Zudem nervt es, dass dem todsicheren Schützen Sam, der es ohne große Anstrengung schafft aus einem Kilometer Entfernung seinem armen Opfer durch das Auge zu schießen, urplötzlich seine eiskalte Präzision verliert, wenn er auf den Helden anlegt. Da trifft er dann aus zwei Metern Entfernung kein Scheunentor mehr. Natürlich wäre der Film zu ende, wenn Sam nicht immer wieder unter diesem eklatanten Mangel an Zielwasser leiden würde. Doch so spielt der Film derart vehement mit dem „Zufall“, dass es durchaus ärgerlich ist.

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Neben den nominellen Hauptdarstellern spielt in „Desierto“ die beeindruckende Naturkulisse eine wichtige Rolle. Die Wüste, die mächtigen, bizarr geformten Felsen, die Kakteenfelder. Sie lassen das Grenzgebiet zu Mexiko zu einem bedrohlichen, ausserweltlichen Ort werden, in welchem der Mensch nichts zu suchen hat. Eine Hölle, mit welcher der tödliche Jäger förmlich verschmilzt, und die wie ein Teil seiner offensichtlich gestörten und absonderlichen Psyche wirkt. All dies wird von Damia Garcias hervorragender Fotografie eindrucksvoll festgehalten. Sie sorgt zusammen mit der großartigen, immer weiter vorwärtstreibenden Musik von Woodkid (die hätte ich gerne auf CD) für ein spannendes, optisch wie akustisch eindrucksvolles Erlebnis. Nicht nur deshalb ist die Wahl Mexikos, gerade „Desierto“ in das Oscar-Rennen um den besten fremdsprachigen Film zu schicken, nachvollziehbar. Der andere Grund dürfte ein kräftiger Seitenhieb auf die Pläne des frisch gekürten Präsidenten Trumps sein, Mexikaner notfalls mit einer unüberwindbaren Mauer daran zu hindern, in „sein geliebtes Land“ einzudringen.

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Ein spannender, optisch und akustisch eindrucksvoller Film mit einem interessanten, von Jeffrey Dean Morgan sehr physisch gespielten Antagonisten, welcher allerdings unter allzu vielen vermeidbaren Klischees leidet und einen vielschichtigeren Helden hätte gebrauchen können.

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Wie eigentlich immer bei Ascot elite ist das Bild für eine DVD sehr gut. Das Bild so scharf, dass man auch bei dingen die in weiter Entfernung sind Details sieht. Auch der Ton weiß zu überzeugen und gerade das Zusammenspiel zwischen Geräuschen, Dialogen und der tollen Filmmusik überzeugt. Gar nicht berzeugt leider mal wieder die Bonus-Sektion. dann hier gibt es bis auf den Trailer nichts zu sehen.

DVD-Rezension: „The Voices“

Von , 1. November 2015 22:55

thevoicesDer freundliche Jerry Hickfang (Ryan Reynolds) arbeitet bei einer Firma, die Badewannen herstellt. Hier hat er sich in die ausgesprochen attraktive Fiona (Gemma Arterton) verliebt, die von dem naiv und ungelenk wirkenden Jerry aber nicht viel wissen will. Was niemand weiß: Jerry hat schwere psychische Probleme und hat seine Medikamenten abgesetzt. Jetzt ist Jerrys Welt bunt und schön, doch er beginnt auch wieder Stimmen zu hören. Beispielsweise die von seinem gutmütigen Hund Bosco. Aber auch die seiner teuflischen Katze Mr. Whiskers, die ihn mit Beleidigungen überhäuft und zum Töten animieren will…

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Als „bitterböser Spass mit Kultpotential“ wird dieser Film auf dem Cover der DVD lautstark angepriesen. Auf der Rückseite finden sich Zitate, die den Film allen ernstes als „knallbunten Spaß“ bezeichnen. Der wunderbare, aber stark irreführende, Trailer schneidet die skurrilsten Szenen so zusammen, dass man eine schwarze und herrlich schräge Komödie erwartet. Wirft man die DVD in den Player wird man von bunt gekleideten Menschen und dem „Happy Song“ begrüßt. Alles schreit nach bösen, aber letztendlich doch nur nett-schrägem Entertainment. Genau dies gibt ein vollkommen falsches Bild von „The Voices“ wieder. Versetzt man sich in die Lage seines bedauernswerten Protagonisten ist hier gar nichts witzig. „The Voices“ nimmt uns mit in den Kopf eines zutiefst ge-, aber auch zerstörten Menschen. Dass alles so hübsch bunt und mit Pastelltönen durchsetzt ist, liegt allein daran, dass Jerrys kranke Seele irgendwie versucht, sich in einer heilen, schönen Welt zu verstecken. Jerrys, an Wes Anderson oder frühen Tim Burton gemahnende, bewusst künstlich-gediegen gehaltene Umwelt ist aber nicht real. Wie in Stanislaw Lems „Futurologischen Kongress“ liegt hinter dieser für Jerry so wünschenswerten und sicheren Welt eine ganz andere Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit voller Schmutz, Fäkalien und geronnen Blut.

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Es darf sogar bezweifelt werden, dass die lustigen rosa Overalls der Firma Milton, wo Jerry sein Geld verdient, wirklich so aussehen. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass sich Jerry diese Bonbon-Farben an seinem Arbeitsplatz imaginiert. Ebenso wie seine nette Mittelstands-Wohnung jenseits von Jerrys Wahrnehmung ein finsteres, stinkendes Schmutzloch ist, wie die kurzen Szenen zeigen, in denen der Film die Perspektive wechselt. Auch ist Jerry nicht „tollpatschig“, wie es der deutsche Covertext niedlich beschreibt. Seine Naivität und vermeintliche „Tollpatschigkeit“ entstammt allein seinem Versuch, seine Heile-Traumwelt-Blase ständig aufrecht zu erhalten und sich „traumweltkonform“ zu verhalten. Nein, Jerry ist keine komische Figur, die der Lächerlichkeit preisgeben wird. Er ist aber auch kein dämonischer Psychopath. Jerry ist eine zutiefst tragische Figur und „The Voices“ keine schwarze Komödie, sondern ein todtrauriger Film um eine misbrauchte Seele. Sein zartes Gemüt wurde nicht nur durch den abwesenden und autoritären Vater zerstört, sondern vielmehr von seiner Mutter, die den kleinen Jungen einst zwang, sie von ihrem Leid zu erlösen. Wenn am Ende dann der „Happy Song“ erklingt, treibt es einem fast die Tränen in die Augen – repräsentiert er doch Jerrys tiefsten Sehnsüchte nach einer heilen, glücklichen Welt, die sich so aber nie erfüllen können.

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Sowohl Regisseurin Marjane Satrapi, als auch Hauptdarsteller Ryan Reynolds erscheinen zunächst unpassend für diesen Stoff. Die iranische Comiczeichnerin und Filmemacherin Satrapi erschien 2009 mit einem großen Knall auf der cineastischen Bildfläche, als sie selbst ihre autobiographische Graphic Novel „Persepolis“ für die Leinwand adaptierte. Auch in ihrem ersten Realfilm „Huhn mit Pflaumen“ ging es mehr um ihre eigene Geschichte und die Kultur aus der sie stammt. Ihr dritter Film „La bande des Jotas“ ging demgegenüber vollkommen unter, deutete aber schon den Weg an, den sie mit „The Voices“ einschlagen sollte. Laut IMDb handelt „La bande des Jotas“ , indem Marjane Satrapi auch die Hauptrolle spielt, von zwei Freundinnen, die durch einen unfreiwilligen Koffertausch in einen Gangsterstreit geraten. Auf den zweiten Blick passt Satrapi bei „The Voices“ sehr gut auf den Regiestuhl, den auch „Persepolis“ hatte Episoden, die nur an der Oberfläche erheiternd wirkten, aber darunter einen tiefen Schmerz in sich trugen. Zudem setzt die Comic-Künstlerin Jerrys Sicht der Welt auch in eine durchweg konsequente, künstliche Comic-Realität um.

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Und Ryan Reynolds zeigt, dass er mehr ist als nur ein schönes Hollywood-Gesicht. Wobei diese Bezeichnung so auch gar nicht stimmt. Zwar wird Reynolds gerne als gutaussehender All-American-Hero eingesetzt (wie in dem Megaflop „Green Lantern“), doch sieht man genauer hin, ist Reynolds Gesicht gar nicht schön. Es ist unsymmetrisch, die Augen liegen zu dicht beieinander und es wirkt wie das Gesicht eines einfach gestrickten amerikanischen Junge vom Lande. Nicht besonders helle, dafür aber dem Herz auf dem rechten Fleck. In „The Voices“ beweist er, dass er in der Lage ist, dieses gar nicht richtig greifbare Gesicht ausgesprochen wandlungsfähig einzusetzen, und im Sekundentakt von nett auf attraktiv, debil, dämonisch, verzweifelt und wieder zurück zu wechseln.

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„The Voices“ ist nicht ohne Makel. Die Idee Jerrys gute und psychotische Seite durch einen Hund und eine Katze zu repräsentieren ist schon ziemlich dick aufgetragen. Generell wird die Psychologie der Hauptfigur mit dem ganz breiten Pinsel gezeichnet, so dass es auch der letzte im Publikum versteht. Vielerorts wird auch die Uneinheitlichkeit des Filmes bemängelt. Dass er sich nicht entscheiden kann zwischen Komödie, Thriller und Horrorfilm. Dass Marjane Satrapi einfach zu viel hineingestopft hat. Wenn man sich allerdings abermals vor Augen führt, dass der Film ganz Jerrys verzehrte Sichtweise einnimmt, so ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Stimmung und Ausrichtung des Filmes ebenso schwankt, wie Jerrys Gemütszustand. Man kann also auch argumentieren, Marjane Satrapi sei ganz bewusst nicht den einfachen Weg gegangen ist und „The Voices“ als die witzig-böse Komödie inszeniert hat, als die der Film überall vermarktet wird. Stattdessen hat sie einen Weg eingeschlagen, der dem Zuschauer beständig den Boden unter den Füssen wegzieht. Gerade mit seiner Unentschlossenheit nimmt der Film dem Zuschauer die Sicherheit, die es ihm erlauben würde, sich im Angesicht des Grauens in Jerrys Leben, einfach belustigt auf die Schenkel zu schlagen.

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„The Voices“ ist keine schwarzhumorige, schräge Komödie, wie einen die Werbung weiß machen will. „The Voices“ ist ein zutiefst trauriger Film über eine ge- und zerstörte Seele. Ryan Reynolds überrascht hier mit seiner Wandlungsfähigkeit in der Rolle des psychisch schwerkranken Jerry, der steht’s das Gute will, aber das Böse tut.

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Die DVD aus dem Hause Ascot Elite weist ein ausgezeichnetes Bild auf. Die kräftigen bunten Töne werden ebenso gut wiedergegeben, wie auch leichte Pastelltöne und ein tiefes Schwarz. Die englische und die deutsche Tonspur sind gut zu verstehen und auf der 5.1.-Anlage gibt es auch den einen oder anderen Toneffekt. Leider krankt die Veröffentlichung bei den Extras. Hier gibt es zwar drei kurze Featurettes, diese sind aber recht inhaltsleer und erzählen nichts, was man nach Anschauen des Film nicht auch selber wüsste.

DVD-Rezension: „The Dead Lands“

Von , 1. Mai 2015 21:43

DeadlandsDer Stamm des jungen Maori Hongi (James Rolleston) erhält Besuch von Wirepa (Te Kohe Tuhaka), dem Häuptlingssohn eines verfeindeten Stammes. Wirepa täuscht vor, im Namen des Friedens zu kommen, nutzt jedoch einen Vorwand, um Hongis Stamm erbarmungslos abzuschlachten. Nur Hongi und ein paar Frauen überleben. Hongi schwört Rache und folgt Wirepa und dessen Männern durch die „Dead Lands“. Dies ist ein verfluchtes Gebiet, in dem einst über Nacht ein ganzer Stamm verschwand und das nun von einem unheimlichen Wesen regiert wird, welches jeden, der sein Land durchquert, verspeist. Bald schon wird Hongi mit dem „Monster“ konfrontiert, welches sich als riesenhafter Krieger (Lawrence Makoare) herausstellt. Hongi gelingt es, den Krieger auf seine Seite zu ziehen, und gemeinsam setzten sie sich auf Wirepa Fährte…

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Die Prämisse des neuseeländischen Films „The Dead Lands“, und insbesondere sein Trailer, wecken Assoziationen zu Mel Gibsons brutalem Epos „Apocalypto“. Ging es dort um den Untergang der Maya-Kultur, so erzählt der neuseeländische Regisseur Toa Fraser von den Ureinwohnern seiner Heimat: Den Maori. Wie Gibson lässt er seine Figuren dabei in der archaischen Sprache der Ureinwohner sprechen. Und wie Gibson, zeigt er viel Action und lässt das Blut in Fontänen spritzen. Was ihm aber vollkommen abgeht, ist jener epischer Atem, der „Apocalypto“ auszeichnete. Trotz des vielversprechenden und nicht ganz alltäglichen Ansatzes, hat Toa Fraser dann doch nur einen B-Actionfilm gedreht, der eine philosophische Tiefe zwar ab und zu behauptet, aber stets an der Oberfläche bleibt, um eine schon tausendfach gesehene, ausgelutschte Rachegeschichte zu erzählen. Über die Kultur der Maori lernt man nicht viel und was man durch Frasers Film mitbekommt, wirkt auf den unvorbereiteten, westlichen Zuschauer zunächst einmal albern.

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Dies merken auch einige Kritiker an, die dem Film vorwerfen, sich aufgrund der für uns eher lustig anmutenden Riten, in Trash-Gebieten zu bewegen. Ein natürlich unhaltbarer, eher dummer Vorwurf. Denn man merkt deutlich, dass es Toa Frasers erklärtes Ziel war, so dicht und realistisch wie möglich die Maori-Kultur dran zu sein. Und dazu gehört auch wildes Augenrollen und das Herausstrecken der Zunge während eines Kampfes. Was man Fraser eher vorwerfen kann ist es, dass er die Maori-Kultur nicht wirklich nutzt, um uns die Ureinwohner und ihre Kultur vorzustellen. So bleibt es beispielsweise unbeantwortet, ob Kannibalismus unter den Maori wirklich verbreitet war oder dies eine Erfindung des Filmes ist. Für „das Monster“ scheint das Verspeisen seine Gegner durchaus etwas ganz Natürliches zu sein, aber auch Wirepa erwähnt einmal, der Kopf seines Feindes würde bei einem großen Fest verspeist. Und in einer späteren Szene laben sich die verdurstenden Krieger an dem Blut eines der ihren. Auch den mythischen Hintergrund und die Allgegenwart der Verstorbenen muss man sich mehr denken, als dass dies näher erläutert wird, wodurch die Szenen in denen Hongi plötzlich mit seiner toten Großmutter spricht, erst einmal komisch wirken. Nun muss nicht alles ausformuliert werden und „The Dead Lands“ ist auch keine Semi-Dokumentation. Aber er wäre die Chance gewesen, den Menschen außerhalb Neuseelands eine fremde, unterdrückte Kultur nahezubringen. Und da „The Dead Lands“ auch Neuseelands offizielle Oscar-Bewerbung war, kann man davon ausgehen, dass dies durchaus beabsichtigt war.

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Diese Oberflächlichkeit wirkt sich leider auch auf die Protagonisten aus. Unser Held Hongi bleibt blass, sein Weg vom ungeschickten, ängstlichen Häuptlingssohn zum starken Krieger wahllos und voller Sprünge hin und zurück. Auch erhält er keine Konturen, die ihn uns näher zum Herzen bringen. Gegenspieler Wirepa sieht mehr aus wie der Bösewicht aus einem Endzeitfilm und füllt seine Rolle dann auch gänzlich mit Klischees. Wirkliches Profil erhält er nicht, außer, dass er narzisstisch, böse und brutal ist. Und auch nicht besonders clever, denn er wählt mit großer Autorität immer den falschen Weg und ist dabei extrem beratungsresistent. Nur zwei Figuren bleiben einem am Ende im Gedächtnis: Das „Monster“ und eine junge Amazone. Das Monster, welches eigentlich nur ein überaus kräftiger Krieger mit kannibalischen Neigungen und einer finsteren Familiengeschichte ist, wird von Lawrence Makoare gespielt, der hinter Masken versteckt in einigen „Herr der Ringe“-Filmen dabei war. Hier kann er einmal zeigen, dass er eine starke Präsenz besitzt, die auch einen Film tragen kann. Man verzeiht ihm auch gerne, dass er einige platt-pathetische Sprüche aufsagen muss, und seine Figur auch nicht unbedingt eine Ausbund an Originalität ist. Spannender ist da schon eine, von Raukura Turei gespielte, junge Amazone, die sich mit dem Monster einen gnadenlosen, gut choreographierten Kampf liefert, der das Highlight des Filmes bildet. Leider ist ihr nur wenig Zeit auf der Leinwand vergönnt.

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Die Actionszenen sind recht kompetent umgesetzt, auch wenn die Kamera ab und zu die Details aus dem Auge verliert. Unglücklich ist es allerdings gelöst, wenn die Gruppe der Finsterlinge gegen unsere zwei Helden antreten muss. Dann nämlich tänzeln sie wie einst die Kämpfer in den alten Shaw-Brothers-Filmen umher, um schließlich immer schön einzeln anzugreifen. Aber vielleicht gehörte diese „faire Kampfführung“ ja auch zur Maori-Kultur. Ich bezweifle es aber. Ansonsten fällt auf, dass Regisseur Toa Fraser gerne in die Vollen geht und das Blut spitzen lässt. Allerdings ohne dabei die rohe Brutalität zu erreichen, die das oben angeführte Beispiel „Apocalypto“ erzeugte. Dafür lässt Fraser seine Figuren dann aber durch den neuseeländischen Dschungel hetzten, der zwar imposant ist, aber in den Bildern des Kameramanns Leon Narbey nie die mythische Qualität erreicht, die für den Film angebracht gewesen wäre. So wirken die Bilder eher klein, überschaubar und manchmal merkwürdig flach. Es fehlt einfach die Wucht, die unter anderem im Trailer suggeriert wurde und von einem Film wie „The Dead Lands“ auch irgendwo erwartet wird.

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Der neuseeländische Regisseur Toa Fraser hat mit „The Dead Lands“ einen soliden B-Actionfilm ohne jegliche epische Wucht gedreht, der weit hinter dem Potential zurück bleibt, welches die Beschäftigung mit der Maori-Kultur, lange vor der Kolonialisierung Neuseelands, geboten hätte. Stattdessen erzählt Fraser eine sehr simple und austauschbare Rachegeschichte, aus der am Ende nur Lawrence Makoares Portrait eines hünenhaften, kannibalischen Kriegers wirklich in Erinnerung bleibt.

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In Sachen Bild- und Tonqualität lässt sich diese bei Ascot Elite erschienene DVD nicht lumpen. Das Bild ist sehr scharf, die Farben – wo es sich so gehört – kräftig, das Schwarz auch wirklich schwarz. Auch der Ton kann überzeugen und spielt seine Dschungel-Effekte überzeugend aus. Nur die – solide – deutsche Synchronisation ist im Grunde überflüssig. Ist es doch die Intention des Regisseurs, dass die Schauspieler in der Sprache der Maori sprechen, um auch deren Kultur zu skizieren. Als Extras gibt es einige unkommentierte Szenen von den Dreharbeiten (6 Minuten), ebenso unkommentiertes Kampftraining (2 Minuten) und Einblicke in den Fitnessraum (4 Minuten). Die Blu-ray soll noch einige Interviews mit an Bord haben.

DVD-Rezension: “Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“

Von , 18. April 2015 19:03

ElectricboogalooDer Dokumentarfilm des Australiers Mark Hartley berichtet über den unglaublichen Aufstieg und Fall der Cannon Group und ihrer Chefs Menahem Golan und Yoram Globus. Dafür hat Hartley zahlreiche Weggefährten der Beiden befragt und seinen Film mit vielen zeitgenössischen Interviews und reichlich Filmausschnitten aus der Welt der Cannon-Filme angereichert.

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Wer in den 80ern aufgewachsen ist und das Glück hatte, bereits so alt zu sein, dass er in eine der Videothek durfte, die gerade wie Pilze aus dem Boden schossen – oder wer zumindest einen Freund mit älteren Bruder hatte – der wird fast zwangsläufig mit den Produktionen des Hauses Cannon aufgewachsen sein. Noch heute sieht man öfter mal Menschen fast ausschließlich männlichen Geschlechts mit T-Shirts herumlaufen, auf denen das Cannon-Logo prangt. Chuck Norris, Michael Dudikoff und immer wieder Charles Bronson waren die Helden jener Tage. In preisgünstig heruntergedrehten Action-Krachern, die aber immerhin weitaus teurer aussahen als so manches, was heutzutage größtenteils am Computer entsteht, zeigten sie den Bösewichtern, wo Bartel den Most holt. Die Actionfilme der Cannon Group sind noch heute Legende, da vergisst man schon mal, dass sich Cannon auch auf dem Feld des Erotikfilms und des Musicals versucht hat. „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ räumt mit diesem Missstand auf.

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Regisseur Mark Hartley ist Australier und hat dem Exploitation-Kino seiner Heimat, dank seines Dokumentarfilm „Not Quite Hollywood“, nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern es auch weit über die Grenzen eines nur begrenzten Fankreises hinaus bekannt gemacht. Danach wandte er sich dem philippischen Exploitationfilm zu und stellt die herrliche Doku „Machete Maidens Unleashed“ fertig, die für das wilde Filipino-Kino dasselbe tat, wie „Not Quite Hollywood“ für die „Ozploitation“. Nun also richtet Hartley seinen Blick nach Hollywood und selbstverständlich nicht auf die großen Studios MGM, Warner oder Paramount, sondern auf ein Paar von filmverrückten Israelis, die glaubten, im Konzert der Großen lauthals mitsingen zu können: Menahem Golan und Yoram Globus. Ihre Cannon Group wurde von den Großen belächelt und verschmäht, doch ihre Filme fanden ihr Publikum. Natürlich kann man über die Güte der Filme streiten und über die Produktionsbedingungen nur den Kopf schütteln, doch eines kann man nicht: Menahem Golan und Yoram Globus absprechen, sie hätten nicht mit der fiebrigen Leidenschaft echter Cineasten gehandelt.

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Hartley stellt Cannon in eine Linie mit den heutigen Hollywood-Indies Miramax und Nu Image. Damit liegt er nicht falsch. Menahem Golan und Yoram Globus haben eine Menge Dinge begonnen, die heute gang und gebe sind. Z.B. nach Cannes zu fahren und einen Film nur aufgrund eines Posters und eines reißerischen Titels zu verkaufen, ohne dass eine Drehbuch, oder überhaupt eine Idee worum der Film gehen könne, vorlag. Auch die Art und Weise, wie Menahem Golan und Yoram Globus ihr Imperium führte war zur damaligen Zeit außergewöhnlich. Da wurden Filme am laufenden Band rausgehauen, Menahem Golan und Yoram Globus mischten sich immer wieder lautstark in die Produktion ein und warfen das Geld mit vollen Händen raus, um noch mehr Filme zu produzieren oder mal eben fast alle Theatersäle in England zu übernehmen. Was Menahem Golan und Yoram Globus waren, das sind echte Typen, wie man sie heute nicht mehr oft findet. Und so strahlt Hartleys Dokumentation – trotz aller auch kritischen Worte – eine ungeheure Faszination und Sympathie für die beiden Israelis aus, die gerne in Hollywood dazugehören wollten und nach Respekt rangen, aber für die Amerikaner immer wie exzentrische und etwas ungehobelte Emporkömmlinge wirkten, die man nicht ernst nehmen könne.

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Mark Hartley nimmt die beiden ernst und setzt ihnen ein Denkmal, welches allerdings nie zur Heldenverehrung kommt. Vor die Kamera hat er mehrere Dutzend ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner geholt, die nicht immer nur freundliche Dinge über Menahem Golan und Yoram Globus zu berichten wissen. Auch die Schauspieler, die hier Anekdoten zum Besten geben, sind häufig nicht gut auf die Beiden zu sprechen. Laurene Landon aus „America 3000“ verbrennt sogar vor laufender Kamera ihre VHS-Kopie des Filmes. Zwei Dinge fallen auf: Drei Schauspieler, die das Gesicht von Cannon geprägt haben, tauchen nur in Filmausschnitten auf, sind aber nicht an den Interviews beteiligt. Einmal Chuck Norris, dann Jean-Claude Van Damme und schließlich Sylvester Stallone, der Mitte der 80er einen unglaublichen Deal mit Cannon machte, die ihm immens viele US-Dollar für drei Filmen gaben, von denen aber dann gleich der erste – „Over the Top“ – fürchterlich floppte. Am schmerzlichsten vermisst man aber Chuck Norris, der sich heute scheinbar von den ultrabrutalen Cannon-Filmen distanziert, die seinen Mythos begründeten. Norris war damals zusammen mit Charles Bronson DER Cannon-Schauspieler. In „Electric Boogaloo“ wird erzählt, dass alle Drehbücher damals auf einen von zwei Stapeln kamen. Einen für Norris und einen für Bronson. Zum anderen ist es fast schon penetrant, wie stark die Cannon-Filme von allen Beteiligten abgewertet werden, die sie fortwährend als „shit“, „junk“ und „rubbish“ bezeichnen. Die Fans der alten Actionkracher werden hierzu sicherlich eine andere Meinung haben.

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Hartley pflegt in „Electric Boogaloo“ den Stil, den er schon in „Not Quite Hollywood“ und „Machete Maidens Unleashed“ etabliert hat. Viele Köpfe erzählen interessante Dinge über ihre Zeit mit und bei Cannon. Die Statements werden rasant aneinander geschnitten und mit Filmszenen unterfüttert, so dass ein zügiger Fluss entsteht. Dieser trägt dazu bei, dass man das Gefühl hat, eine stringente Geschichte und nicht viele Anekdoten zu hören. Allerdings ist Hartleys Tempos teilweise so hoch, dass man nur mit größte Mühe identifizieren kann, wer nun eigentlich was erzählt hat und welche Funktion dieser Menschen bei Cannon ausübte. Durch die hohe Faktenfülle schwirrt einem auch schon mal der Kopf. Aber die Geschichte der Cannon Group verläuft eben auch nicht linear, sondern hat viele Schlenker und spannende Nebenschauplätze, die in den 95 Minuten der Dokumentation gar nicht alle beleuchtet werden können. Neben den offensichtlichen Themen wie die frühe Karriere Menahem Golans und Yoram Globus‘ in Israel und den weltweiten Erfolg ihrer „Eis am Stiel“-Reihe und den Actionfilmen, werden auch die Musicals – insbesondere der erfolgreiche Tanzfilm „Breakin‘“, die Erotikfilme mit einer damals kokain- und alkoholabhängigen Sylvia Kristal erwähnt.

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Wichtig ist auch Cannons verzweifelter Versuch mit ambitionierten Filmen aus der Arthouse-Ecke, einen respektablen Ruf zu verschaffen. So wird oftmals vergessen, dass Menahem Golan und Yoram Globus auch Filme von Barbet Schröder, Franco Zeffirelli – der höchsten Lobes für Menahem Golan und Yoram Globus ist -, John Cassavettes, und unglaublicherweise auch Jean-Luc Godard produzierten. Genützt hat es ihnen nichts. Cannon blieb als Schmuddel-Schmiede verrufen. Der letztendliche Untergang des Imperiums wird von Harltey recht schnell abgehandelt. Zum Bankrott führten schließlich zu teure Prestige-Projekte, die an der Kino-Kasse floppten. Wie „Superman 4 – The Quest For Peace“ oder „Captain America“. Heute kaum fassbar, dass Cannon damals, lange vor der großen Comichelden-Welle, die Rechte an den populärsten DC- und Marvel-Figuren hatte. Hartley erwähnt einmal sogar einen „Spider-Man“-Film, der aber nicht über das Planungsstadium hinaus kam. „Electric Boogaloo“ endet dann mit einer wunderbaren Note. Eine Texttafel informiert darüber, dass Menahem Golan und Yoram Globus nicht am Film partizipierten, weil sie – als sie von Hartleys Projekt hörten – sofort selbst einen Dokumentarfilm über ihre Cannon Group in Auftrag gaben – und dieser ganz im alten Cannon-Style das „Original“ im Rennen um den Starttermin um ganze drei Monate schlug.

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Mit „Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films“ setzt Mark Hartley seine wundervolle Exploitation-Trilogie fort. Mitunter sorgt der schnelle Schnitt und die Unmengen auftretender Personen dafür, dass man den Überblick verliert, wer denn nun genau was zu berichten weiß. Auch irritiert, dass von den Beteiligten kaum jemand ein gutes Haar an den Cannon-Produktionen lässt. Darüber hinaus ist „Electric Boogaloo“ aber ein unterhaltsamer und faszinierender Trip in die nähere Vergangenheit und macht Lust darauf, mal wieder einen dieser alten Chuck-Norris-Klopper einzulegen.

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Die Bildqualität ist in den Interview-Sequenzen hervorragend, bei den verschiedenen Filmausschnitten natürlich schwankend, jenachdem, was für eine Quelle genutzt wurde. Das lässt sich aber sehr gut verschmerzen. Die deutsche Fassung ist mit Voice-Over, wobei die verschiedenen Personen auch von einer Handvoll verschiedener Sprecher gesprochen werden. An Extras gibt es eine 13-minütige Sektion mit „Deleted and Extended Sequences“, in welcher der Charles-Bronson-Slasher-Cop-Crossover „10 To Midnight“ und „Norman Mailers „Tough Guys Don’t Dance“ diskutiert werden. Ferner Informationen über den damals geplanten „Spider-Man“-Film gegeben, der „Captain America“-Film und der 3D-Film „Treasure of the Four Crowns“ besprochen und eine länger Version des Interviews mit Michael Dudikoff gezeigt werden. In der knapp einminütgen „Menahem Golan Impersations“ imitieren einige Personen den Cannon-Gründer, in dem 40-Sekünder „Mark’s T-Shirt Collection“ zeigt Cutter Mark Helfrich zwei Cannon-T-Shirts und erzählt jeweils eine Anekdote dazu. Und „Roy und John lesen aus ihrer Lieblingskritik“ ist genau das und dauert 1:50 Minuten.

DVD-Rezension: „Borgman“

Von , 17. Februar 2015 19:35

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Eines Tages steht vor der Tür des gut situierten Ehepaares Richard (Jeroen Perceval) und Marina (Hadewych Minis) ein Landstreicher (Jan Bijvoet), der sie bittet, bei ihnen ein Bad nehmen zu dürfen. Als er dann noch behauptet, Marina zu kennen, rastet Richard aus und verprügelt den Mann. Am Abend findet Marina den verletzten Landstreicher, der sich nun Camiel Borgman nennt, in ihrem Gartenhaus. Sie pflegt ihn und lässt ihn heimlich weiter im Gartenhaus wohnen. Bald schon nimmt Borgman auch Kontakt zu den Kindern des Ehepaares auf, die ihm scheinbar vertrauen. Gleichzeitig kontaktiert er seine Freunde Pascal (Tom Dewispelaere) und Ludwig (Alex van Warmerdam), später kommen noch Brenda (Annet Malherbe) und Ilonka (Eva van de Wijdeven) hinzu. Gemeinsam räumen sie zunächst den Gärtner des Anwesens und dessen Ehefrau aus dem Weg. Frisch frisiert nimmt Borgman daraufhin die Stelle als neuer Gärtner bei Richard und Marina an und holt umgehend seine Freunde als angebliche Helfer mit ins Haus…

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Alex van Warmerdams Film „Borgman“ lief im letzten Jahr auf einigen Filmfestivals, neben Cannes waren es vorzugsweise jene, die sich dem fantastischen Film verschrieben haben. Ob „Borgman“ nun dahin passt oder nicht, kann man mit ja und nein beantworten. Zwar werden in „Borgman“ immer wieder übernatürliche Dinge angedeutet, aber sie spiele keine große Rolle. Scheinbar besitzt die Titelfigur Camiel Borgman die Fähigkeit, die Träume anderer zu beeinflussen. Immer wieder wird gezeigt, wie er des nachts nackt auf der Brust der Protagonistin sitzt, die sich unter ihm in Albträumen windet. Selbstverständlich zitiert van Warmerdams dabei Johann Heinrich Füslis „Nachtmahr“, aber ist Borgman dieser Dämon? Gleich zu Beginn wird gezeigt, wie sich drei Männer aufmachen, Borgman in seinem unterirdischen Versteck zu vernichten. Einer davon ist ein Priester, dessen verbrämter Gesichtsausdruck zeigt, dass er sich auf einer heiligen Mission wähnt. Doch bis auf diese Szene und eine kurze Sequenz, in der plötzlich zwei abgemagerte Wundhunde scheinbar aus dem Nichts im Hause der Familie auftauchen (ob diese nur Borgmans Freunde Ludwig und Pascal oder Brenda und Ilonka in anderer Gestalt sind, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen), hält sich Van Warmerdam mit übersinnlichen Phänomenen stark zurück. Seine Bande an merkwürdigen Außenseitern, die da in das Leben einer gut situierten Mittelklasse-Familie eindringt, braucht auch keine Hilfe von „unten“, sondern nur einen festen Willen und eiskalte Skrupellosigkeit, um ihren Plan (welcher zunächst diffus bleibt) in die Tat umzusetzen. Dabei gehen sie mit einer emotionslosen Professionalität vor, wie man sie aus caper-movies kennt. Jeder kennt seinen Platz im Geflecht und führt mit größter Präzision seine Aufgaben durch. Es ist aber nicht so, dass hier eine Maschine in Gang gesetzt wird, die sich nicht aufhalten ließe. Natürlich könnte sich die Familie gegen die perfiden Manipulationen wehren, doch Borgman kennt ihre Natur zu gut, und Marina und Richard agieren zu dumm und zu egozentrisch, um das große Bild zu erkennen.

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Die Geschichte des Fremden, der plötzlich in das Leben einer Familie tritt, um diese kräftig durcheinander zu rütteln, kennt man aus Renoirs „Boudu – Aus den Wassern gerettet„, Pasolinis „Teorema“ oder Miikes „Visitor Q„. Zwar gehen diese Geschichte in der Regel nicht immer gut aus, doch steht am Ende zumeist ein manchmal schmerzhaftes Selbsterkennen der Beteiligten, die sich ihrer wahren Natur oder zumindest einer lohnenswerten Alternative gegenüber stehen sehen. Doch in „Borgman“ bleibt der Familie diese Erleuchtung vorenthalten. Bis zum Schluss begreifen sie ihr eigenes Wesen nicht, verstehen nicht, was sie in den Abgrund führt und dass ihr Verhalten, ihre Egozentrik und Arroganz es waren, die den Angreifern ein so leichtes Spiel gemacht hat. Ja, sie verstehen noch nicht einmal, dass sie Opfer eines Angriffs geworden sind, so borniert gehen sie von ihrer Unfehlbarkeit aus. Das moderne Designer-Haus, welches mitten in die Natur geklotzt wurde, ist ein Sinnbild für Richard und Marina. Auf den ersten Blick beeindruckend und vielleicht sogar begehrenswert, will es bei näherer Betrachtung gar nicht in seine Umwelt passen. Dort wirkt es wie fetter, kalter und unpersönlicher Brocken, ein alles dominierender und einnehmender Fremdkörper, der alles andere mit kalter Brutalität verdrängt. Auch innerhalb des Hauses wirkt alles steril und ungemütlich. Erst wenn am Ende das Haus ganz von Borgman und seinen Mitstreitern vereinnahmt wurde, scheint es sich zu verändern. Dann wirkt das Wohnzimmer plötzlich wie ein Lounge-Bar aus den 70er Jahren, und das auch das elterliche Schlafzimmer bekommt eine schwül-barocke Note. Nein, einladend ist es immer noch nicht, aber immerhin zeigt es Charakter. ebenso wie Borgman und Genossen, die man auch nicht gerne zu sich nach Hause einladen würde, die aber sich aber immerhin bewusst sind, was sie sind und was sie wollen. Im Gegensatz zu Richard und seiner Frau Marina, die ein Scheinleben führen, bei dem Selbst- und Fremdwahrnehmung gehörig auseinander klaffen.

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Marina hält sich für eine liberale Frau mit künstlerische Ambitionen und eine gute Mutter. Doch tatsächlich erfüllt sie keine dieser Kriterien. Nicht nur, dass sie den rassistischen Äußerungen ihres Ehemanns nicht entschlossen entgegen tritt, sie selbst verhält sich dem dänischen Dienstmädchen gegenüber, wie eine strenge Herrin gegenüber der Dienstmagd und betont immer wieder, dass diese nicht den sozialen Stand besitzt, wie ihre Familie. Ihren künstlerische Ambitionen geht sie eher gelangweilt und planlos nach, statt mit Leidenschaft. So als wenn diese eben zum guten Ton dazu gehören. Und als Mutter versagt sie, wenn sie die Aufsicht und Erziehung ganz ohne Not an das Kindermädchen abgibt und dabei völlig den Kontakt zu ihren Kindern verliert, die sich dann auch schnell anderen Bezugspersonen zuwenden. Richard ist der simpelste und damit auch langweiligste Charakter in diesem Film. Cholerisch verprügelt er Obdachlose, knallt afrikanischen Arbeitssuchenden die Tür vor der Nase zu und hintergeht in seiner Firma scheinbar auch seinen Partner. An seiner Frau ist er ebenso wenig interessiert, wie an seinen Kindern, die er schnell mal an ihm Unbekannte abschiebt, als es ihm lästig ist, sie zur Schule zu fahren. Und so bereiten den Boden für den eigenen Untergang. Während Jeroen Perceval als Richard seine Rolle recht offen und eindimensional als aggressives Ekelpaket anlegt, gelingt Hadewych Minis als Marina der Spagat zwischen verbitterter Erkenntnis, dass ihr Leben nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt hat und gleichzeitigem arroganten Stolz auf darauf, wie man finanziell und sozial dasteht. Diese Ambivalenz zeichnet sich auch im ganzen Auftritt Hadewych Minis‘ – die entfernt an Julianne Moore erinnert – ab, der sie mal als attraktiv-mondäne Frau und manchmal als ein leicht übergewichtiger Trampel erscheinen lässt. Eine faszinierende Schauspielerin von der mehr gerne mehr sehen würde.

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Ebenfalls faszinierend ist Jan Bijvoet in der Titelrolle. Schon zu Beginn, lässt er unter der Zottelfrisur und dem wilden Bart einen distinguierten Gentleman durchscheinen. Seine Art sich zu bewegen und auszudrücken passt dann auch gar nicht zu seinem Waldschrat-Outfit. Vielleicht ist es dann auch genau das, was Marina dazu bringt, ihm zu helfen und eine immer stärker werdende Faszinationen für diesen geheimnisvollen Typen zu entwickeln. Ohne übertriebene Gesten, mit fast unbewegtem Gesicht, füllt Bijvoet den Film ganz mit seiner Persönlichkeit aus und sein Borgman liegt wie ein bedrohlicher Schatten über jeder Szene. Kongenial sind auch seine Partner besetzt. Tom Dewispelaere als Pascal und Regisseur und Drehbuchautor Alex van Warmerdam in der Rolle des Ludwig, wirken zunächst wie ein Komiker-Pärchen, offenbaren aber bald, dass sie unter ihrer scheinbar harmlose-lustigen Fassade ebenso kaltblütig und gefährlich sind, wie Borgman selber. Auch die großartige Annet Malherbe als Brenda und Eva van de Wijdeven als Illonka vermitteln einem mit ihrer scheinbaren Normalität, und verwundert auch nicht, dass die mollige Malherbe mühelos und sehr glaubwürdig die Rolle einer fürsorglichen Ärztin annehmen kann. Da man der Zuschauer aber schnell lernt, dass diese scheinbare Fürsorge jederzeit in tödliche Aktionen umschlagen kann, entsteht ein unangenehmes Gefühl.

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„Borgman“ wird häufig mit Michael Hanekes „Funny Games“ verglichen. Aber obwohl eine thematische Verwandtschaft mit diesem besteht, erinnert „Borgman“ doch vielmehr an die „stillern“ Filme eines Michael Hanke und weniger mit dem sehr plakativen, „lauten“ „Funny Games“. Vor allem erinnert er an „Caché“ und „Das weiße Band„, die auch dieses unheilvolle Vibrieren unter den Bildern besaßen, welches von einer diffusen, noch nicht greifbaren Gefahr zeugt. Auch die blasse Farben und die oftmals in Tableaus angeordneten Szenen, in denen sich die Figuren verlieren, erinnern an die Werke des Österreichers. Doch während dieser dem Zuschauer die Auflösung seiner filmischen Rätsel absichtlich verweigert, ist Alex van Warmerdam nicht ganz so grausam. Zwar wählt auch er bewusst nicht den einfachen Weg und erklärt dem zuschauer seinen Film bis ins Letzte, aber er gibt mit einigen wenigen Hinweisen und vor allem aber dem Eingangszitat und dem Schlussbild, dem Zuschauer genug Futter, um die Puzzleteile zu einem – wenn auch noch unvollständigen, letztendlich aber doch recht eindeutigen Bild zusammenzusetzen.

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Alex van Warmerdams Film erzählt in (beun)ruhigen(den) Bildern davon, wie eine Gruppe Fremder sich mit eiskalter Professionalität in das Leben einer finanziell gutgestellten, aber arroganten und egoistischen Familie einschleicht, und diese durch perfide Intrigen vernichtet. Die kühle und stilbewußte Erzählweise erinnert dabei an die Filme Michael Hanekes, erweist sich aber als zugänglicher. Getragen wird der Film von einem faszinierenden Jan Bijvoet in der Titelrolle und sehr guten Nebendarstellern.

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Das Bild der bei Pandastrom erschienen DVD wirkt an vielen stellen etwas zu hell. Dass die Farben in vielen Szenen eher blass und kontrastarm sind, mag einem visuellen Konzept folgen, doch insbesondere die Schwarztöne wirken oftmals eher dunkelgrau. Der Ton ist sehr klar, auf irgendwelche Effekte wird verzichtet. Leider ist das Bonusmaterial nur sehr spärlich. Neben dem Trailer gibt es lediglich 6 Minuten nicht verwendeten Materials, welches allerdings von daher interessant ist, dass hier dem Freund des dänischen Kindermädchens ein gänzlich anderes Schicksal als im fertigen Film widerfährt.

DVD-Rezension: “Wer – Das Biest in Dir“

Von , 10. Februar 2015 21:24

WEREine amerikanische Familie, wird bei ihrem Camping-Urlaub in Frankreich bestialisch abgeschlachtet. Nur die Ehefrau kann lebensgefährlich verletzt entkommen und berichtet von einem tierähnlichen, riesigen Wesen, welches ihren Sohn gefressen hätte. Kurze Zeit später nimmt die französische Polizei einen Tatverdächtigen fest. Es ist der riesenhafte Talan Gwynek (Brian Scott O’Connor), Sohn rumänischer Einwanderer. Für die Polizei scheint festzustehen, dass Talan der gesuchte Mörder ist. Die amerikanische Menschenrechtsanwältin Kate Moore (A.J. Cook) übernimmt den Film und schon bald kommen ihr Zweifel, ob Talan – der an einer seltnen Krankheit leidet, die es ihm fast unmöglich macht sich zu bewegen – wirklich der Täter ist. Tatsächlich kommen sie und ihr Team schon bald einigen Ungereimtheiten auf die Spur, die auf ein Komplott hindeuten. Um Talans Unschuld zu beweisen, ordnet sie einige medizinische Tests an Talan an. Diese haben allerdings mörderische Konsequenzen…

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Scheinbar kommen Werwölfe gerade wieder in Mode. Zeitgleich mit „WolfCop“ veröffentlicht Ascot Elite auch den Spielfilm „Wer“, dessen Titel mitnichten als Frage, sondern vielmehr die Vorsilbe des deutschen Wortes „Werwolf“ zu verstehen ist. Während „WolfCop“ dem Thema einen leichten, spaßigen Ton gab, bemüht sich „Wer“ um mehr Ernsthaftigkeit und Grusel. Dabei wählt Regisseur und Drehbuchautor William Brent Bell einen neuen Ansatz, um sich mit der Figur des Werwolfs auseinander zu setzten. Sein Werwolf ist kein normaler Mensch, der sich in Vollmondnächten in einen reißenden Wolf verwandelt, sondern ein riesiger, übermäßig stark behaarter Mann, der sich bei Vollmond gar nicht erst verwandelt, sondern lediglich übermenschliche Körperkräfte entwickelt. Dargestellt wird dieser Talan Gwynek von dem Schauspieler Brian Scott O’Connor, der damit auch gleich die größte Bereicherung dieses Filmes darstellt.

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O’Connor spielt bei seinem Debüt vor der Filmkamera mit einer ungeheuren, beängstigenden Ausstrahlung. Gleichzeitig weiß er sich aber auch zurückzunehmen und gerade in der sehr viel stärkeren ersten Hälfte, interpretiert er Talan sehr überzeugend als sehr zurückhaltende, schüchterne Person. Dass Talan den Beschützerinstinkt der jungen Anwältin Kate Moore weckt, ist durchaus nachvollziehbar. Kommen dem Zuschauer doch aufgrund der zurückhaltenden Spielweise O’Connors doch durchaus Zweifel, ob dieser riesige Kerl tatsächlich das titelgebende Monster ist oder doch jemand ganz anderer hinter den brutalen Morden steckt. Gerade in der Szene, in welcher er zusammen mit seiner Mutter und dem Team um Anwältin in ein Laboratorium geführt wird, erscheint er ganz als sanfter Riese, der Hilfe benötigt und nur aufgrund seines monströsen Aussehens zum Sündenbock gemacht wurde. Leider wirft Regisseur Bell diese spannende Prämisse bald in hohem Bogen über Bord. Wodurch nicht nur ambivalente Gefühle des Zuschauers weckt, sondern auch die Frage, was hinter den Morden und der scheinbar augenblicklich erfolgte Festnahme Talans steckt, aufgeben werden. Stattdessen lässt Bell seinen bis dahin interessanten Horror-Thriller in einen actionbetonten Splatterfilm umkippen, der zwar pausenlose Hektik und stapelweise zerfetzte Leiber und zerplatzte Köpfe auffährt, dabei jedoch jegliche gruselige Spannung und nachvollziehbare Figurenzeichnung vergisst.

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In dieser deutlich schwächeren zweiten Hälfte werden vor allem die Liebhaber atemloser Verfolgungsjagden und blutigen Splattereffekten, unter die sich, neben zahlreichen computerbasierten, auch eine handvoll Handgemachtes schummeln, bedient. Doch wenn das Monster im Akkord Polizisten zermatscht, dann führt dies recht schnell zu einer Abstumpfung, die keinerlei Spannung mehr generieren kann. Erschwerend kommt hinzu, dass das Handlungsgerüst, welches in der ersten Hälfte aufgebaut wurde, dabei einrissen oder zumindest marginalisiert wird. Es gibt auf alle Frage nur einfache Antworten, keinerlei Überraschungen und insbesondere die Figur der Anwältin Moore beginnt sich widersprüchlich zu ihrem in der ersten Hälfte etablierten Charakter zu verhalten. Der sich völlig falsch anfühlende Epilog, gibt dem anfangs so vielversprechenden Film dann den Todesstoß. Was ärgerlich ist, denn nicht nur hätten die anfangs ausgelegten Handlungsfäden, sondern vor allem die Frage nach Schuld und Unschuld Talans und die damit verbundenen Zweifeln, das Potential zu einem weitaus interessanteren Film gehabt.

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So aber werden ambivalente Charaktere, wie der französische Polizist, plötzlich zu platten Unsympathen mit finsterer Agenda. Überhaupt ist es auffällig, dass die positiv gezeichneten Figuren, dieser in Frankreich spielenden Geschichte, alles Amerikaner sind, während die Europäer durch die Bank weg von zweifelhaftem Charakter sind. Seriendarstellerin A.J. Cook spielt die taffe amerikanische Anwältin Kate Moore und wirkt dabei immer einen Tick zu hübsch und mädchenhaft. Gänzlich vom Drehbuch im Stich gelassen wird Simon Quarterman als ihr ehemaliger Geliebter Gavin Flemyng, dessen Figur nie wirklich erklärt wird, wodurch seine charakterliche Verwandlung in der zweiten Hälfte des Filmes ineffektiv und egal bleibt. Gänzlich verzichtbar ist Vik Sahay als Hacker Eric Sarin. Auch diese Figur erfährt keine dringend bedürftige Erklärung, wer sie ist und was sie denkt. Der gutaussehende und durchaus charismatische Sahay steht im Grunde nur in der Gegend herum oder läuft der Hauptdarstellerin hinterher, ohne eine wirkliche Funktion zu erfüllen.

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Optisch entwickelt William Brent Bell einen Stil, der die guten alten „Dogma“-Filme wie elegante Kamerafahrten aussehen lässt. Ganz offensichtlich versucht Bell das populäre „Found Footage“-Genre mit einer konventionellen Erzählweise zu kombinieren. Dabei lässt er seine Kamera ordentlich wackeln, filmt aus merkwürdigen, „unfilmischen“ Winkeln, arbeitet mit abrupten Reißschwenks und schneidet so, dass man schnell die Orientierung verliert. Alles Merkmale des „Found Fooage“-Genres, ebenso wie die vielfache Verwendung sekundärer Quellen. Häufig wird Material aus Überwachungskameras oder Ausschnitte aus Fernsehreportagen in den Film hineingeschnitten. Vermutlich ist es Bells Ziel, die scheinbare, unmittelbare, „realistische“ Dynamik von „Found Footage“ in seinen Film einfließen zu lassen. Das kann man als interessanten Hybrid betrachten oder schrecklich nervig finden. Immerhin umgeht er damit die bei echten „Found Footage“-Filmen immer wieder auftauchende Frage, warum jemand in einer Ausnahmesituation nicht einfach aufhört zu filmen, um seine Haut zu retten.

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Während „Wer“ in der erste Hälfte durchaus interessant Ansatzpunkte hat, werden diese von dem wortwörtlichen „overkill“ der zweiten Hälfte in den Boden gestampft. Was ärgerlich ist, hätte der Film doch – vor allem auch dank seines imposanten Hauptdarstellers Brian Scott O’Connor – Potential zu weitaus mehr gehabt, als einer nur Metzelorgie im Wackelkamera-Look.

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Das Bild der DVD aus dem Hause Ascot Elite lässt sich schlecht bewerten, da Regisseur William Brent Bell versucht, einen „realistischen“ Found-Footage-Stil zu kreieren. Dazu wackelt die Kamera, gibt es oftmals gewollte Unschärfen und wirken die Szenen, wie von einer Amateur-Videokamera aufgenommen – mit all den bekannten Schwächen. Da dies bewusst als Stilmittel eingesetzt wird, kann die schwankende Bildqualität aber der Veröffentlichung nicht negativ angekreidet werden. Der Sound ist okay, wenn auch die deutsche Synchro etwas dünn klingt. Die Extras sind nicht der Rede wert. Es gibt ein 11-minütiges Featurette, welches aber aus viel zu vielen Filmausschnitten besteht, sowie kurze Interviews mit den Produzenten Matthew Peterman & Morison Paulsen, Hauptdarstellerin A.J. Cook und Regisseur/Drehbuchautor William Brent Bell, die sich zusammen auf 12 Minuten summieren. Ein 2-minütiges Feature über die Stunts und diverse Trailer runden diesen Bereich ab.

DVD-Rezension: “WolfCop”

Von , 6. Februar 2015 20:00

WolfcopDer versoffene und faule Polizist Lou Garou (Leo Fafard) schiebt seinen Dienst in einer kanadischen Kleinstadt. Nachdem er eines Nachts zu einem Einsatz im nahegelegenen Wald gerufen wird, ändert sich sein Leben. Am nächsten Morgen erwacht er mit einem Pentagramm auf seiner Brust und geschärften Sinnen. Doch Lou kümmert das zunächst wenig, und er säuft erst einmal weiter. Als er sich dann aber bei Vollmond in ein haariges Monster verwandelt, sieht sich selbst Lou Garou dazu gezwungen, nach den Hintergründen zu fahnden. Unterstützt wird er dabei von seinem kauzigen Kumpel Willie (Jonathan Cherry) und seiner ehrgeizigen Kollegin Tina (Amy Matysio). Als Wolfcop gerät er dabei in eine finstere Verschwörung, die weit zurück reicht und Lou in tödliche Gefahr bringt…

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Es ist heutzutage durchaus eine Wohltat, wenn sogenannte „Trash“-Filme (ein fürchterliches Wort) einmal nicht mit dem ironischen Zwinker-Zwinker in den Augen daherkommen. Wenn sie sich nicht in ihrer eigenen Schlechtigkeit suhlen und Fließbandware als „Kult“ (noch so ein Unwort) verkaufen wollen, weil sie ja so crazy und billig gemacht sind. Ab und zu guckt doch mal ein B-Filmchen um die Ecke, welches sein Herz auf dem rechten Flecken hat und eine verrückte Idee nicht in billiges Zellophan, sondern festes Geschenkpapier wickelt. „WolfCop“ ist solch ein B-Filmchen. Einen Polizisten zum Werwolf mutieren zu lassen, und diesen dann noch auf Streife zu schicken, ist eine dieser Ideen, bei denen man sich fragt, warum zuvor noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Okay, Vampire als Polizisten gab es schon, aber gegen ein haariges Monster haben die blassen Blutsauger hier in Sachen Originalität keine große Chance. Der Werwolf in Polizeiuniform ist dann auch das prägnante Element in diesem mit 76 Minuten recht kurzen Film. Und man darf es Regisseur und Drehbuchautor anrechnen, dass er seine dünne Geschichte nicht künstlich aufbläht, sondern knackig zum Ende führt. Ob das in dem, bereits vor dem Abspann angekündigten, „WolfCop 2“ auch der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

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„WolfCop“ fühlt sich an, wie eine dieser Direct-to-video-Produktionen, die Ende der 80er/Anfang der 90er in die Videotheken kamen. In einer Zeit also, in der gerade noch statt billiger, lebloser CGI, Geld in gute, alte Handarbeit gesteckt wurde. So sind die Masken und Special Effects in „WolfCop“ dann auch kostengünstig, aber atmen den Charme von etwas Echtem, Anfassbaren. Und man spürt förmlich die Freude, mit der die Maskenbildner und Special Effects Leute sich hier austoben. Latex, Prothesen, Kunstblut. Die ganze Palette altehrwürdiger Maskenkunst wird hier aufgefahren und mit sichtlichem Spaß und Kreativität eingesetzt. Man sollte nur keine atemberaubenden Transformationen wie in „American Werewolf“ oder „Das Tier“ erwarten. Dafür stand augenscheinlich auch nicht das Budget zur Verfügung. Aber mit einigen geschickten Kameraeinstellungen zaubert Lowell Dean hier durchaus überzeugende und angenehm altmodische Effekt-Szenen. Nur bei einigen Explosionen und kurzen Verwandlungsszenen ganz am Ende, kommt auch Dean nicht umhin, auf den Computer zurückzugreifen, was ihm aber verziehen werden darf.

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Auch wenn der haarige Polizist durchaus eine Innovation darstellt, die Geschichte tut es nicht. Sie bleibt dünn, vorhersehbar und offenbart auch ein paar Durchhänger. Jedoch wird gar nicht erst versucht dies Mängel durch ein übergroßes Spektakel zu kaschieren, sondern man steht in bester B-Film-Tradition dazu, was den Film näher an die Grindhouse-Filme der 70er und 80er rückt, als so manches gewollt cooles Neo-Retro-Filmchen. Zwar wird „WolfCop“ als Horrorkomödie vermarktet, aber der Komödienanteil ist dankenswerter Weise bis auf zwei-drei Stellen nicht übermäßig forciert, sondern ergibt sich aus der Absurdität der Geschichte, die von den Darstellern ernsthaft und ohne Parodiecharakter gespielt wird. Dies gilt insbesondere für den Hauptdarsteller Leo Fafard, der zwar „im wahren Leben“ seine Brötchen als „generator operator“ hinter der Kamera verdient, sich aber als Idealbesetzung für Lou Garou (kleines Wortspiel mit loup-garou, dem französischen Wort für Werwolf) entpuppt. Selbst ohne Make-Up hat er schon etwas „wölfisches“ an sich und spielt seine Rolle, die durchaus auch als Slapstick-Charakter hätte angelegt werden könnte, ernsthaft und mit starker physischer Präsenz. Auch seine Mitstreiter schlagen sich recht gut, vor allem Amy Matysio als Hilfssheriff Tina, eine Rolle, die in falschen Händen auch schnell zu einer nervigen Witzfigur hätte geraten können. Nicht vergessen sollte man auch Sarah Lind als überaus heiße Jessica, deren Auftritte man – nicht unbedingt durch ihre Schauspielkünste, aber immerhin – nicht so schnell vergisst. Nur Jonathan Cherry als Lous etwas verrückter Kumpel und Aidan Devine als Sheriff neigen dazu, die Grenze zur Albernheit ein paar Mal zu überschreiten.

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„WolfCop“ wurde mit Hilfe der Cinecoup film accelerator competition finanziert. So etwas wie einer Online-Casting-Show für Filmfinanzierungen. Er setzte sich aufgrund eine 2-minütigen Trailers gegen 89 Konkurrenten durch und erhielt eine Fan-Finanzierung, die den Dreh des Filmes erst möglich machte, und noch die Garantie dafür, dass der Film in seiner Heimat Kanada einen Kinostart bekam. Und der Film liefert dann auch das, was die Fans aufgrund der Prämisse erwarten durften. Leichte, und überraschend blutige, Unterhaltung, die keinen großen Anspruch erhebt, außer seinem Publikum eine gute Zeit zu bescheren. Was ihn ungleich sympathischer macht als die sterilen CGI-Monsterfilme, die eiskalt auf den Geldbeutel ihrer Zuschauer starren und dabei vergessen, warum es im sogenannten „Trash“-Film geht: Nämlich das Herz am rechten Fleck zu haben, und sein Thema soweit ernst zu nehmen, dass man mit dem Film, statt über ihn lacht.

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Der kanadische Low-Budget-Film „WolfCop“ erweist sich als sympathisches und ganz und gar anspruchsloses Party-Filmchen, dass zugunsten von guten, alten handgemachten Effekten, fast vollständig auf billige CGI verzichtet. Ein gut besetzter Hauptdarsteller, schöne Frauen und literweise Kunstblut runden das positive Bild ab, in dem Komödie über weite Strecken nicht mit albernen Plattheiten gleichgesetzt wird.

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Die Bildqualität der Ascot Elite DVD ist gut. Die Farben an manchen Stellen wunderbar kräftig. Hier und Dort weist das Bild allerdings einen gewissen „Video-Look“ auf, der etwas billig wirkt. Die Synchronisation ist okay, aber die Originaltonspur ist eindeutig zu bevorzugen, da die wunderbar tiefe Stimme des Hauptdarstellers in der deutschen Fassung zu hell und beliebig ist. Die Extras der DVD sind nicht besonders spektakulär. Es gibt eine 5-minütiges Featurette in dem der Cast bei den Dreharbeiten herumalbert und mehrere Takes eine alternativen Szene zu finden sind, in der Hilfssheriff Tina statt eines abgerissenen Gesichts einen Penis findet. Dann gibt es noch ein Musikvideo, drei kurze Videos über „Cinecoup – The Film Accelerator“, worüber der Film finanziert wurde und letztendlich noch sechs „Missions Videos“, die zusammen eine Laufzeit von knapp 13 Minuten ergeben. Das aufschlussreichste Feature ist aber ein Audiokommentar mit Lowell Dean (Autor und Regisseur) und Emmersen Ziffle (Spezial Make-up). Gegenüber der von mir gesichteten DVD, soll die Blu-ray noch ein 45-minütiges „Making Of“ enthalten.

DVD-Rezension: “The Executor – Der Vollstrecker”

Von , 3. Februar 2015 21:28

executorNach dem großen Atomkrieg ist das Wasser knapp geworden. Eine Gruppe Überlebender hat sich in eine Höhe zurückgezogen, wo sie Nahrungsmittel züchten. Doch ohne Wasser wird es auch bald keine Nahrung mehr geben. Der Vater des jungen Tommy (Luca Venantini) ist einst losgezogen, um die letzten Wasser-Reservoirs zu finden, doch er kehrte nie zurück. Nun wird ein letzter Trupp in die Wüste geschickt, um das kostbare Nass zu den Überlebenden zu bringen. Tommy hat sich in einen der Tanker geschlichen, mit denen das Wasser transportiert werden soll. Als der Convoy von Crazy Bull (Fernando Bilbao) und seiner wilden Bande überfallen wird, kann Tommy als Einziger entkommen. Auf der Flucht trifft er den Einzelgänger Tiger (Robert Iannucci), der ihm nicht ganz selbstlos auf der Suche nach dem Wasser hilft. Bald schon werden sie aber erneut mit Crazy Bull und seinen Leuten konfrontiert und gefangengenommen…

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Als 1981 in Australien ein einsamer „Road-Warrior“ namens „Mad Max“ durch die Wüste bretterte, war dies nicht nur ein weltweiter Erfolg, sondern hatte auch einen großen Einfluss auf die italienische Filmproduktion. Dort hatte man eben noch versucht, sich ein großes Stück vom „Krieg der Sterne„-Kuchen abzuschneiden, jetzt schwenkte man um auf die weitaus kostengünstiger herzustellenden Endzeitfilme. Bereits 1982 kamen die ersten Italo-Kracher auf dem Markt: Joe D’Amatos „2020 – Texas Gladiators“ und die beiden hervorragende „Metropolis 2000“ (der beste Film, der jemals in einer Kiesgrube gedreht wurde) und „The Riffs – Die Gewalt sind wir!„, beide von Action-Spezialist Enzo G. Castellari. 1983 war dann das große Jahr der italienischen Endzeitfilme. Gleich neun (!) Produktionen kamen in diesem einem Jahr ins Kino. Danach flaute der Ausstoß an Italo-Endzeit ebenso schnell wieder ab, wie er gekommen war. Bis 1989 folgten nur noch 12 weitere Filme, die gerne noch damals populäre US-Produktionen wie „The Terminator“ oder „The Running Man“ mit in die postapokalyptische Suppe mischten. Giuliano Carnimeos „The Executor – Der Vollstrecker“ kam während des Hochjahres 1983 raus und imitierte ganz schamlos das große Vorbild „Mad Max 2“. Während der italienische Titel „Il giustiziere della strada“ ungeniert den US-Titel „The Road Warrior“ kurzerhand ins Italienische übersetzt, klatschten die Deutschen ihrem „Executor“ noch den selben Zusatz – „Der Vollstrecker“ dran, der hierzulande auch schon „Mad Max 2“ zierte.

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Regisseur Giuliano Carnimeo kommt vom Italo-Western, wo er unter dem Pseudonym Anthony Ascot häufig mit George Hilton zusammen drehte. Sein schönster Film dürfte allerdings der Giallo „Das Geheimnis der blutigen Lilie“ mit der wunderschönen Edwige Fenech (und natürlich George Hilton) sein, der im Original den poetischen Titel „Perché quelle strane gocce di sangue sul corpo di Jennifer?“ trägt. Sein letzter Film, „Ratman“ war dann 1989 weniger schön ausgefallen und vor allem dadurch bekannt geworden, dass hier der mit 72cm kleinste Mensch der Welt, Nelson de la Rosa, die titelgebende Mutation spielt. Immerhin konnte Carnimeo dort auf bekannte Genregrößen wie David Warbeck, Janet Agren und Werner Pochath zurückgreifen. Große Namen findet man in „The Executor“ vergeblich. Zwar tauchen in Nebenrollen der damals sehr gut beschäftigte „italienische Peter Lorre“ Luciano Pigozzi alias Alan Collins und „Django„-Bösewicht Eduardo Fajardo auf, doch insbesondere Fajardo dürfte seinen Part an einem Nachmittag abgedreht haben. Filmbösewicht Fernando Bilbao kennen die Spezialisten aus seinen Auftritten in diversen Jess-Franco-Filmen oder Christian Anders unglaublichen „Die Brut des Bösen„. was man seinem Film durchaus ansieht. Die beiden nominellen Hauptdarsteller Robert Iannucci (ein Model) und die attraktive Alicia Moro sind demgegenüber unbeschriebene Blätter. Wobei die Moro immerhin noch in so schrägen Werken wie Juan Piquer Simóns „Slugs“ und José Ramón Larraz‘ „Edge of the Axe“ dabei war. Robert Iannucci sollte nach „The Executor“ für immer von der Bildfläche verschwinden.

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Der gelockte Iannucci macht seine Sache in „The Executor“ aber nicht schlecht. Wobei auch keine großen schauspielerischen Anforderungen an seine Rolle gestellt werden. Im Grunde fährt oder latscht er nur durch die Gegend und gibt mehr oder weniger coole Sprüche von sich. Dabei wirkt er zwar immer ein wenig zu gutaussehend und weich, aber da hat man schon schlimmeres gesehen. Immerhin praktiziert er keine unnatürliche Körperhaltung wie sein Kollege Mark Gregory in den beiden „The Riffs“-Filmen. Iannucci Rolle heißt „Tiger“ und soll ein ganz abgebrühter Hund sein. Tatsächlich überlässt er einmal das Kind Tommy ohne mit den Wimpern zu zucken der Schurkenbande, doch natürlich rettet er es dann in letzter Sekunde. Wobei er sich damit immerhin so viel Zeit lässt, dass der arme Tommy seines Armes verlustig geht. Tommy wird von Luca Venantini gespielt, der im Vorjahr auch in „Ein Zombie hing am Glockenseil“ mitgespielt hat und heute noch sporadisch vor der Kamera aktiv ist. Sein Vater ist der vielbeschäftige Nebendarsteller Venantino Venantini, der auch in „The Executor“ eine kleine Rolle hat. Leider ist Tommy das typische Filmkind. Nervig, neunmalklug und mit Gewalt auf „niedlich“ und „liebenswert“ getrimmt, was selbstverständlich nach hinten losgeht und die Abneigungen des Zuschauers nur noch befeuert. Immerhin haben die drei Drehbuchautoren – so denen auch Fulci-Stammautor Dardano Sacchetti gehört – hat man eine kleine Überraschung eingebaut. Als Tommy in einem gelungen Schreckenssekunde der Arm abgerissen wird, stellt sich heraus, dass dieser mechanisch ist. Praktischerweise kann der von Pigozzi gespielte „Papillon“ diesen dann wieder anschrauben und auch noch so manipulieren, dass er zur tödlichen Waffe wird. Dass der junge Tommy – der vielleicht 11 oder 12 ist – dabei mit reichlich Bier abgefüllt wird, erklärt vielleicht, warum der Film lange Zeit in Deutschland auf dem Index stand. Einen Grund für diese vorbeugende Maßnahme ist nämlich sonst nirgendwo zu finden.

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Carnimeo macht das Beste aus seinem geringen Budget. Die Drehorte beschränken sich auf eine Kiesgrube, bei der man im Hintergrund auch schon mal kleine Häuschen und Schuppen stehen sieht, sowie eine Höhle, die in gleicher Ausstattung auch in Tonino Riccis im gleichen Jahr entstandenen „Rush“ Verwendung fand. Hier drapiert er alles um drei große Actionszenen herum. Einer mehr oder weniger spektakulären Autoverfolgung am Anfang, den Angriff der Bösen auf die Wassertanker der Gute – eine Szene, die bis hin zur Aufmachung des Anführers der Angreifer, so sehr „Mad Max 2“ nachempfunden ist, dass man man sie als durchaus als billige Kopie bezeichnen kann, sowie dem großen Finale am Schluss, welches Carnimeo mit Zeitlupenaufnahmen und Explosionen würzt. Dazwischen passiert nicht viel, oftmals sehen wir „Tiger“ und Tommy einfach beim Wandern durch die Kiesgrube zu. Kleinere Scharmützel, wie der Angriff der Strahlungsopfer bei der Wasserquelle, lockern das Ganze aber immer wieder so gut auf und helfen über einige Längen und den nervigen Tommy hinweg. Keine große Hilfe ist allerdings die Musik von Detto Mariano, welche von obskur, aber hörbar bis hin zu sinnlosem Gefiepe reicht.

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Western-Regisseur Giuliano Carnimeo alias Anthony Ascot ist Routinier genug, um sein ausgesprochen kostengünstiges Kiesgruben-„Mad Max“-Rip-Off „Der Executor“ trotz einiger Längen, eines nicht gerade charismatischen Haupt- und eher nervigen Kinderdarstellers recht unterhaltsam zu gestalten.

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Das Bild der in der Reihe „Cinema Treasures“ ist keine Offenbarung, aber für einen Anfang der 80er Jahre billig heruntergekurbelten Streifen recht gut. Der Ton liegt lediglich auf Deutsch vor und hat in einer Szene erhebliche Probleme mit Störgeräuschen. Als Basis würde ein französisches Master verwendet, so sind dann auch die in der alten detuschen Fassung fehlenden Szenen auf Französisch mit deutschen Untertiteln enthalten. Bei den Extras herrscht leider gähnende Leere.

DVD-Rezension: „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“

Von , 30. Januar 2015 21:22

sexabenteuer der drei musketiereNachdem der junge D’Artagnan (Peter Graf) seine ersten sexuellen Erfahrungen gemacht hat, macht er sich auf den Weg nach Paris, um seinen Kindheitstraum zu erfüllen: Er will Musketier werden. Auf dem Weg dorthin trifft er nicht nur die drei Musketiere, sondern auch einige Damen, die es auf seine Manneskraft abgesehen haben…

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Der Kniff, Sexfilme in einen Kostümfilm-Kontext zu setzen, gerne auch nach einer populären literarischen Vorlage, wird auch heute noch gerne im horizontalem Genre angewendet. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand. Das Publikum freut sich auf frivole Dinge, die scheinbar in den Kontext einer bekannten Geschichte eingebettet sind und damit zumindest einen Hauch von Anspruch haben, und nicht im Hinterhof und Wohnzimmer des Produzenten entstanden sind. Kostüme und alte Schlösser erwecken zudem den Eindruck, dass hier eben etwas mehr Mühe und Sorgfalt aufgewandt wurde, weil ja ein höheres Budget dahinter zu stecken scheint. Darüber hinaus versprechen die bekannten literarischen Figuren eine freche Parodie und eben nicht improvisiertes Gerammel mit Anhalterin und Porsche-Fahrer. Zumindest war so meine Erwartungshaltung bei Erwin C. Dietrichs „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere„. Schließlich ist Dietrich nicht nur ein Routinier in Sachen Sexfilm, sondern hatte im Vorjahr einen der schönsten deutschsprachigen Filme der frühen 70er gedreht – den bitteren Flower-Power-Abgesang „Ich – ein Groupie„, ebenfalls mit Ingrid Steeger, die auch bei den Musektieren als Star geführt wird. Doch „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“ erweist sich dann doch als ziemlich uninspirierter Fließband-Film, der sich gar nicht erst die Mühe macht, seine Armseligkeit zu verstecken, sondern sie – das immerhin nötigt Respekt ab – ganz offensiv präsentiert.

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Obwohl Ingrid Steeger das große Zugpferd des Filmes ist, be- bzw. entkleidet sie hier nur eine Nebenrolle und verschwindet nach knapp einer halben Stunde aus der Handlung. Davor besteht ihre einzige Aufgabe darin, sich in einem nicht näher definierten Kornfeld mit dem Darsteller des D’Artagnan im Getreide zu wälzen. Einmal darf sie immerhin barbusig den Degen ziehen und in dem einzigen erotischen Momente des Filmes entblättert sie gedankenverloren einen Maiskolben. Viel mehr darf sie hier nicht zeigen, wobei ihr komisches Talent sicherlich einer „echten“ Kostümfilm-Parodie sehr gut zu Gesicht gestanden hätte. Doch „Die Sexabenteuer der drei Musketiere“ ist eben keine Parodie, sondern nur ein platter Sexfilm. Zwar kündigt das Plakat schon an, dass es sich hier um einen Film handelt, der „sehr sehr frei nach Dumas“ gedreht wurde, doch tatsächlich nutzt er keine der Kernelemente der Vorlage, bis auf die Namen der Musketiere und die Tatsache, dass der junge D’Artagnan nach Paris möchte, um dort Musketier zu werden. Aber das war’s auch schon mit Dumas. Dabei hätten sich viele Szenen des berühmten Romans (und seiner vielen Verfilmungen) für eine freizügige Verballhornung angeboten. Hier aber treffen D’Artagnan und die Musketiere nur einmal nach gut nach der Hälfte der Spielzeit aufeinander. Statt aus diesem Zusammentreffen aber etwas zu machen, raten die Musketiere dem jungen D’Artagnan, seine Karriereplanung noch einmal zu überdenken und dann trennen sich die Wege wieder. Lustig ist das alles zu keinem Zeitpunkt.

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Befremdend ist es auch, wie wenig Sorgfalt bei dem Film an den Tag gelegt wurde. Selbst Peter Baumgartner, dessen Kamera so manche Dietrich-Produktion veredelte, scheint an dem Film und seinen Motiven gänzlich desinteressiert zu sein. Im Schnitt folgt ein Anschlussfehler nach dem anderen. In den Szenen, in denen die drei Musketiere hoch zu Pferde gezeigt werden, bemühen sich die Darsteller nur halbherzig einen sanften Trab zu simulieren. Dass sich dabei der immer gleiche Hintergrund keinen Millimeter bewegt, ist zunächst noch amüsant, doch der Scherz (?) hat sich spätestens bei dritten Mal erschöpft. Wenn dann noch aus der Distanz und von hinten echte Reiter gezeigt werden, diese überhaupt keine Ähnlichkeit mit den Musketieren haben, lockt dies nur noch ein müdes Lächeln hervor. Überhaupt scheinen einem aus den Kostümen unserer drei Freunde förmlich die Motten entgegen zu fliegen, und die übertriebenen Perücken erwecken auch zu keinem Zeitpunkt die Illusion, es könnte sich um echtes Haupthaar handeln. Auch D’Artagnans Kleidung macht keinen sonderlich gepflegten Eindruck, aber vielleicht war das ja so in der Zeit Louis XIII und Dietrich ist hier nur ein unerbittlicher Realist.

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In dem auf der DVD enthaltenen Interview mit Raphael Britten und Erwin C. Dietrich, verraten die beiden, dass es bei den Dietrich-Filmen zumeist kein Drehbuch gab und quasi jeden Tag auf’s Neue überlegt wurde, was man so filmt. Dies ist in „Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“ ganz besonders evident, da sich nicht einmal die Mühe gemacht wird, so etwas wie eine Geschichte zu erzählen oder zumindest einen Spannungsbogen zu generieren. Fast eine Stunde lang besteht der Film aus Szenen, in der D’Artagnan es bei Tage mit der Steeger und in der Nacht mit einer unbekannten Dunkelhaarigen treibt, während die drei Musketiere in einem Lokal sitzen und sich Zoten erzählen. Diese drehen sich um irgendwelche Klosterbrüder und ihre neckischen Spiele, was aber nur mäßig amüsant ist. Später kommt es zu einer unangenehmen Szene, in der die drei Musketiere das Schloss des Grafen de Voyeur (haha) stürmen, den Grafen unter großem Gelächter umbringen und sich dann mit dessen Frau verlustigen, die das aber ganz toll findet, da ihre Ehemann aufgrund einer Verletzung seinen ehelichen Pflichten nicht mehr nachkommen konnte. Wie hier Mord und Vergewaltigung als fröhlicher Witz inszeniert werden, stößt doch etwas sauer auf.

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Außer Ingrid Steeger tauchen im Film keine bekannten Namen auf. Hauptdarsteller Peter Graf (nicht verwandt mit dem Steffi-Vater) verschwand nach dem Film spurlos von der Bildfläche. Warum sein D’Artagnan eine trotz des angeblich so jungen Alters bereits eine weiße Strähne im Haupthaar trägt, bleibt unbeantwortet. Dass Herr Graf untenherum allerdings sehr gut ausgestattet war, wird überraschenderweise in einigen Szenen sehr offensichtlich. Die Musketiere werden von Achim Hammer, Jürg Coray und Thomas Larisch gegeben, die ebenfalls keinen Eindruck hinterlassen. In einer Szene jedoch wird Achim Hammer von einer der Damen derartig der Rücken zerkratzt, dass man zumindest festhalten muss, dass er mit großem körperlichen Einsatz dabei war. Was die holde Weiblichkeit angeht so bleibt – bis auf die Steeger – auch niemand im positiv im Gedächtnis oder fällt durch besonders große Attraktivität auf. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

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„Die Sex-Abenteuer der drei Musketiere“ ist ein ziemlich öder Film, ohne eine wirkliche Geschichte, Witz und erst recht nicht Erotik. Einziges Highlight bleiben die spärlichen Auftritte von Ingrid Steeger in der ersten Hälfte des Filmes. Auffällig ist insbesondere die lieblos-schludrige Art, mit der der Film hergestellt wurde. Leider eine Enttäuschung.

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Die in der „New Ingrid Steeger Collection“ erschienene DVD bietet ein fehlerfreies Bild, welches allerdings auch nicht mehr aus dem gräulich-blass wirkenden Filmmaterial herausholen kann. Der Film wirkt durch die Bank weg billig. Das Interessanteste an der DVD ist das Extra. Ein Interview mit Raphael Britten und Erwin C. Dietrich, in dem beide einige interessante Anekdoten zu den gemeinsamen Filmen zum Besten geben. Zudem beantwortet es auch eine Frage, die ich selber einmal für eine Einführung in den Film „Ich – ein Groupie“ erfolglos recherchiert habe: „Wer ist der Typ der die nackte Ingrid Steeger bei einer schwarzen Messe umbringt?“. Jetzt weiß ich es endlich, dass es Raphael Britten ist und freue mich, dass sich das andere Leute auch gefragt habe. Des weiteren gibt es noch eine Fotogalerie und es wurde ein italienisches Sexmagazin namens „Cinestop“ abgefilmt, in dem der Film als schwarz-weißer Foto-Comic erschienen war.

DVD-Rezension: “Young Ones“

Von , 27. Januar 2015 21:24

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In der Zukunft. Nachdem es jahrelang nicht mehr geregnet hat, ist der Boden ausgedörrt und Wasser zu einem kostbaren Gut geworden. Trotz der widrigen Bedingungen hat Ernest Holm (Michael Shannon) sein einstmals fruchtbares Land, welches nun nur noch Staub ist, nicht aufgegeben. Er betreibt einen kleinen Handel mit den den Arbeitern, die eine Wasserleitung durch das Land legen und hofft, dass es ihm gelingt die Männer zu überzeugen auch seinen Boden zu bewässern. Seine Tochter Mary (Elle Fanning) ist in den junge Flem Lever (Nicholas Hoult) verliebt, der Ernest ein Dorn im Auge ist. Anders als Ernest ist Flem weitaus rücksichtsloser, wenn es darum geht, sein Recht zu bekommen, wodurch die beiden Männer immer wieder aneinander geraten…

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Manchmal fragt man sich ernsthaft, was in den Köpfen derer vor sich geht, die die markigen Werbesprüche auf den DVD-Covern texten. Gut, Klappern gehört zum Handwerk, aber in der heutigen Zeit, wo Filme beispielsweise auf Amazon gleich von den Käufern bewertet werden, sollte man doch ehrlich sein und nicht Erwartungen schüren, die so gar nicht in der Intention des Filmemachers liegen. Um es kurz zu machen :“Mad Max trifft The Road“ ist hanebüchener Quatsch. Aus „Mad Max“ (zweiter Teil) mag die Thematik mit dem knappen Wasser und das Wüstenszenario entfernt etwas mit „Young Ones“ zu tun haben, bei „The Road“ versagt auch bei mir die Vorstellungskraft, außer dass hier zunächst ein Vater im Mittelpunkt steht und sein Sohn von Kodi Smit-McPhee gespielt wird, der – einige Jahre jünger – auch Viggo Mortensens Sohn in eben „The Road“ spielte. Doch natürlich soll der Vergleich beim Käufer assoziieren, dass man es hier mit handfester Action und einem finster-bedrohlichen Endzeitszenario zu tun hat. Dazu noch einige martialische Screenshots auf die Hülle geknallt und schon verkauft sich das Ding wie geschnitten Brot. Tatsächlich aber sorgt dies eher für miese Bewertungen enttäuschter Käufer, wie man auf Amazon gut nachlesen kann.

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Nein, Endzeit-Action sucht man hier vergeblich. Regisseur Jake Paltrow, der jüngere Bruder der berühmteren Gwyneth, hatte eine zeitlose Familiengeschichte im Sinn. Diese könnte ebenso im Wilden Westen, wie in den 20er oder 50er Jahren spielen. Es geht um den Kampf ums Ackerland und um Väter und Söhne. Es geht darum, wie die alte Generation von einer neuen abgelöst wird, die ihre Werte nicht mehr teilt. Dass der Film tatsächlich in der Zukunft spielt, ist eher zweitrangig. Die Science-Fiction-Elemente werden auch nur dezent eingesetzt, denn nicht die Technik ist wichtig, sondern die Menschen und ihre Beziehungen untereinander. So beschränken sich diese dann auch auf ein Roboter-Maultier, die Technologie, welche scheinbar die Mutter in einem Hospital am Leben erhält und eben die Tatsache, dass kein Regen mehr fällt, was Wasser zu einem kostbaren Gut macht. Tauscht man diese futuristischen Elemente gegen ein echtes Maultier, lebenserhaltende Systeme und eine große Dürre aus, könnte der Film auch im Hier und Jetzt spielen.

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Die große Stärke – oder Schwäche, das kommt auf dem Standpunkt an – des Filmes sind seine Auslassungen. Zwar entwirft Paltrow, der auch das Drehbuch schrieb, eine scheinbar komplexe Dystopie, doch er malt diese nicht aus. Tatsächlich serviert er dem Zuschauer Puzzlestücke, die dieser zu einem größeren Bild zusammenfügen kann, aber nicht muss. So stellt sich die Frage, wieso in dem Staat, in dem Holm mit seiner Familie lebt, scheinbar Anarchie herrscht. Hier kommt es zu mehreren Übergriffen, gleich am Anfang erschießt Holms beispielsweise zwei Wasserdiebe, doch Konsequenzen haben diese Taten nicht. Eine ordnende Hand scheint vollkommen abwesend. Demgegenüber steht der Nachbarstaat, in dem es scheinbar Wasser im Überfluss und eine funktionierende Polizeigewalt gibt. Warum dem so ist und in welcher Beziehung beide Staaten zueinander stehen, wird nicht erklärt. Ebenso scheint es so, als ob es eine Vorgeschichte gäbe, die dem Zuschauer verborgen bleibt. So wird nie ausgesprochenen, was Holms Frau passiert ist (scheinbar ein durch Holms Trunksucht verursachter Unfall). Auch zum Vater des jungen Flem scheint Holms eine besondere Beziehung zu haben, die seine Abneigung dem Sohn gegenüber erklären könnte. Diese Vorgeschichte ist aber aus dem Skript herausgeschnitten worden, ähnlich wie der erste Teil von John Steinbecks Buch „Jenseits von Eden“, welcher in der berühmten Verfilmung nur noch als literarischer Geist gegenwärtig ist. Wie dort Adam Trask seinen Sohn Cal nicht lieben kann, weil er ihn an seinen Bruder Charles erinnert, so scheint es hier ebenfalls eine Geschichte vor der Geschichte zu geben, die zwar auf die Ereignisse in „Young Ones“ einwirkt, aber nie angesprochen wird.

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Paltrow hält seinen Film in einem sonnen-ausgeblichen Ton, der an die Wüstenszenen in „Krieg der Sterne“ erinnert. Eine interessanter Kniff ist es, den Film zu dreiteilen. Während der erste Teil ganz dem von einem wie immer überzeugenden Michael Shannon gespielten Ernest Holm gehört, wechselt die Perspektive im zweiten Teil, in dessen Mittelpunkt der vermeintlich negative Charakter Flem Lever steht, dessen Motive und Einstellungen einem hier näher gebracht werden, wodurch ein ambivalentes Bild entsteht. Insbesondere im dritten Teil, der dann aus Sicht von Ernests Sohn Jerome erzählt wird. Dieser wird von Kodi Smit-McPhee gespielt, der die größte Überraschung dieses Filmes ist, denn er macht im Laufe der Spielzeit eine überzeugende Wandlung durch. Albert er am Anfang noch kindlich mit seinem Vater herum und wirkt in seinen zu kurzen Hosen und dem eher weibischen Gehabe weich und lächerlich, wandelt er sich gerade in der letzten Hälfte zu einem Menschen, der ohne Rücksicht auf die Gefühle seiner Schwester und seines noch ungeborenen Neffen, konsequent seine Idee von Gerechtigkeit durchsetzt. Im letzten Bild wirkt sein Gesicht dann gar nicht mehr kindlich, sondern hart und unerbittlich, wenn es um Prinzipien geht. Im Vergleich zu den ihren männlichen Kollegen, ist die von mir seit „Somewhere“ geschätzte Elle Fanning leider ein Totalausfall. Sie agiert in fast jeder ihrer Szenen derartig übertrieben und hysterisch, dass man ihr am liebsten eine Ohrfeige verpassen würde, wenn man nicht so gut erzogen wäre.

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Auch wenn das DVD-Cover etwas anderes verspricht, „Young Ones“ ist eine eher stille Dystopie und in erster Linie eine Familiendrama. Bis auf eine hysterische Elle Fanning sind alle Darsteller gut besetzt und glaubwürdig. In diesem Drama geht es weniger um futuristische Visionen, als vielmehr um uralte Generationenkonflikte, was die Geschichte zeitlos macht.

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Die Ascot Elite DVD bietet ein gewohnt sehr gutes Bild. Die Farben sind zwar stark ausgebleicht, doch dies ist ein Stilmittel des Regisseurs und keine Schwäche der DVD. Der Ton ist klar und kräftig. Als Extras gibt es neben dem Trailer nur ein ca. 8-minütiges Special, welches während der Dreharbeiten in Südafrika entstand und in dem Nicholas Hoult, Elle Fanning und Kodi Smit-McPhee kurze Statements abgeben und bedauern, dass sie nur wenig Zeit mit Michael Shannon verbringen konnten.

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