In der Bahnhofsbuchhandlung bin ich zufällig über das neue Magazin “Cargo” gestolpert, welches ich hier nachdrücklich empfehlen möchte.
“Cargo” sieht nicht nur über den Tellerrand und erhält neben der Filmsektion auch Artikel über “benachbarte” Künste wie Video-Installationen/Fotografie (Nadim Vardag; Bill Viola), Theater und TV, sondern hat auch einen ganz ausgezeichneten Internet-Auftritt, der alle Möglichkeiten des Mediums voll ausnutzt (Blog, weiterführende Links, Kurz-Essays, Videos usw.).
Zwar stimme der Meinung der Autoren in ihren sehr gut und anspruchsvoll geschriebenen Artikeln nicht immer zu, aber es ist sehr stimulierend, einen fundierten und gehaltvollen Artikel zu lesen, der eine Gegenposition zur eigenen Meinung einnimmt. Besser als oberflächliches Mitgejubel/-gebuhe. Aktuelle Filmbesprechungen gibt es im Heft übrigens kaum. Dafür Berichte über die Berlinale, eine langes Gespräch mit Thomas Harlan, Kolumnen, Buchbesprechungen und, und, und…
Wem der Preis von (gerechtfertigten, da SEHR viel Text und so gut wie keine Werbung) Euro 8,90 zu teuer ist, dem sei die Internet-Seite des Heftes ans Herz gelegt, durch die man sich wirklich stundenlang klicken kann. Alles sehr gelungen und eine klare Kauf- und Surfempfehlung.
Eigentlich ist das Buch schon seit Anfang Oktober auf dem Markt, aber jetzt erst hat es die “Welt Online” entdeckt. Die empfehlenswerte Reclam-Reihe der “Filmgenres” erhält mit dem Beitrag “Film Noir” seine Fortsetzung. Eine umfassende Würdigung des aktuellen Bandes “Film Noir” findet man hier.
Die Reclam-Büchlein im berühmten (unter Schülern berüchtigten) Format erheben kein Anspruch auf Vollständigkeit, sondern folgen dem Konzept nach einer kompakten Einführung eine Reihe renommierter Filmkritiker/-schaffende einen für das Genre typischen Beitrag auszuwählen zu lassen und diesen dann auf 2-3 Seiten zu besprechen. Natürlich fehlt bei diesem Vorgehen der eine oder andere wichtige Film, während man sich bei anderen an den Kopf fasst, warum gerade dieser stattdessen ins Büchlein aufgenommen wurde. Zudem gibt es viele Doppelungen (Kubricks “Dr. Stangelove” taucht z.B. im Band “Komödie” und “Kriegsfilm” auf) zwischen den einzelnen “Genre”-Bänden – allerdings werden die Filme jeweils von unterschiedlichen Autoren rezensiert. Man sollte man auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren, denn die Beiträge sind überwiegend sehr gut geschrieben und eröffnen zum Teil ungewöhnliche und spannende Blickwinkel auf den besprochenen Film. Wer aber einen “Kanon” sucht, welchen Film er innerhalb des entsprechenden Genres unbedingt sehen muss, wird hier nicht fündig. Aber das ist auch nicht Zielsetzung dieser Reihe.
“Zweitausendeins” hat gerade zwei hochinteressante Bücher im Programm.
Zum einen “Lousie Brooks: Lulu forever” von Peter Cowie. Erschienen bei Schirmer/Mosel. Ein wunderbar bebildertes Buch über den – meiner Meinung nach – schönsten Filmstar der späten 20er und überhaupt eine der wunderbarsten Frauen, die jemals auf der Leinwand zu sehen waren. Eine wahre Fundgrube und ein ganz schön dicker Brocken Buch. Von 49,80 auf 9,95 runtergesetzt. Wer da zögert hat selber schuld! Lulu forever!!!!
Ebenfalls gerade bei “Zweitausendeins”: “Kunst von Filmregisseuren” von Karl French, erscheinen bei Gerstenberg. Bilder, Zeichnungen, Fotographien, Skizzen, Skulpturen von u.a. Fellini, Hitchcock, Kurosawa, Chaplin, Wenders, Greenaway, John Huston (!) uva. Insgesamt 25 Filmemacher zeigen ihre “andere” künstlerische Seite. Das Buch ist hübsch aufgemacht und hat einen informativen Text. Allerdings zeigt es (natürlich) nur einen kleinen Auschnitt der Werke. Zudem – aber das ist ja immer so – hätte man von dem einen oder anderen gerne mehr gesehen, während es bei anderen auch eine Seite weniger getan hätte. Insgesamt hoch interessant und jetzt für nur noch 7,95 zu haben (vorher 35,-).
PS: Wer sich für Musik interessiert: Bei Weltbild ist gerade das kiloschwere “The Beatles – Anthology” von 69,95 auf 16,95 gefallen.