Category: Bücher

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 29 erhältlich

Von , 8. November 2018 23:14

Titelthema der aktuellen Ausgabe ist der 1. Weltkrieg, der vor 100 Jahren endete. Ich habe dazu einiges über Slapstick-Filme, die im 1. Weltkrieg spielen, geschrieben und war überrascht, dass es da sehr viel mehr gab, als ich zuerst dachte. Und auch die Kollegen waren wieder sehr aktiv und haben spannendes, interessantes, überraschendes und seltsames beigetragen. Ein wirklich farbenfroher Strauss an tollen Artikeln.

Ich bin immer wieder freudig überrascht, wohin sich das Magazin in seinen bisher 29 Ausgaben entwickelt hat und schreibe bereits fleißig an meinem Artikel für die Nummer 30, in der es dann Schwerpunktmäßig um das spanische Kino gehen wird.

Dem aktuellen Heft liegen für Abonnenten übrigens nicht nur ein Booklet zu „Für eine Handvoll Dollar“ bei, sondern auch kostenfrei beiliegenden Sonderausgabe #4 zum Braunschweig International Filmfestival, bei dem wir in diesem Jahr Medienpartner sind und am Samstag um 23:00 Uhr den finnischen Gruselfilm „Das weiße Rentier“ von 1952 präsentieren. Da werde ich dann auch mit vor Ort sein.

Heft #29 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 28 erhältlich

Von , 31. August 2018 16:21

Unter dem wie ich finde sehr schönen Titel „Sommer, Sonne, Sumpf“ widmet sich das „35 Millimeter – Retro-Filmmagazin“ in der aktuellen Ausgabe Filmen, in denen eines dieser drei Dinge ein große Rolle spielt. Das passt doch sehr gut zum Jahrhundertsommer, der jetzt nach und nach ausläuft.

Ich habe mich diesmal mit den Mexiko-Filmen nach Karl May beschäftigt. Die allerdings nicht unter der heißen Sonne Mexikos, sondern wieder in Kroatien entstanden sind. Warum das so ist und vieles mehr über „Der Schatz der Azteken“ und „Die Pyramide des Sonnengottes“ könnt ihr in der bereits 28. Ausgabe von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ lesen. Zudem habe ich noch ein paar DVD-Besprechungen beigesteuert.

Ganz tolle Artikel der Kollegen gibt es natürlich auch wieder. Welche genau, könnt ihr hier sehen.

Heft #28 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

 

 

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 27 erhältlich

Von , 15. Juli 2018 22:17

Wenn sich jemand fragt, weshalb man hier derzeit nichts Neues liest: Ich bin eigentlich gar nicht da, sondern noch bis Ende des Monats im Urlaub. Da ich aber gerade Zugriff auf WLAN und gleichzeitig auch etwas Zeit habe, wollte ich schnell auf die neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ hinweisen. Hier habe ich diesmal nur wenig zu beigetragen, nämlich gerade mal eine Seite zum Titelthema „Filmbösewichte“. Diese habe ich dann dem großartigen und leider unter tragischen Umständen viel, viel zu früh gestorbenen Laird Cregar gewidmet.

Da ich wie gesagt gerade im Urlaub verweile, habe ich das neue Heft schon fast durch. Und ich muss sagen: Der meines Erachtens nach schon sehr hohe Standard der letzten Ausgaben wurde mal wieder gehalten – und vielleicht sogar noch einmal ein kleines Stückchen höher gelegt.

Was erwartet einen noch so (den Text übernehme ich jetzt mal mehr oder weniger wortwörtlich von der 35-Millimeter-Homepage)? Martin Abraham stellt in DÄMONEN, SCHURKEN UND VAMPS das Böse im Hindi-Film vor. Christoph Seelinger setzt sich in DIE MACHT DES BLUTES, DIE SINNLOSIGKEIT DER EXISTENZ mit der Figur des „Coffin Joe“ im Horror-Klassiker AT MIDNIGHT I WILL TAKE YOUR SOUL (1964) auseinander. Matthias Pfeiffer befasst sich in BÖSE DOKTOREN DES WEIMARER FILMS mit Dr. Caligari und Dr. Mabuse. Lars Johansen und Clemens Williges widmen sich drei Hollywoodgrößen, die auf böse Rollen festgelegt waren – Bela Lugosi dauerhaft, Basil Rathbone und Myrna Loy zeitweilig. Alexander Schultz analysiert in MÄNNER IM KREIS Randolph Scotts Beziehung zu den Bösewichtern in Budd Boettichers Ranown-Zyklus. Matthias Merkelbach beleuchtet in DÄMONIN AUS LIEBE die Entwicklungsgeschichte der Femme fatale im Film Noir.

Jenseits des Titelthemas beschäftigt sich Christian Genzel anlässlich der deutschen Blu-ray-Veröffentlichungen von G.W. Pabsts WESTFRONT 1918 (1930) und KAMERADSCHAFT (1931), ausführlich mit diesen beiden zentralen Werken des frühen deutschen Tonfilms. Jörg Mathieu stellt die neue FRITZ LANG-Box der Murnau-Stiftung vor.

Björn Küster gibt in seinem Artikel DER SANDALENFILM Einblick in das vernachlässigte Genre Peplum. In der Kolumne OPERATION: EUROPLOITAION – TODESGRÜSSE VOM MITTELMEER bringt Christoph Seelinger DRACULA IN ISTANBUL (1953) ans Tageslicht. Martin Abraham unternimmt mit seiner Rubrik einen Ausflug ins CINEMA MALAYSIA, stellt den Superstar P. Ramlee vor. Und in seiner Kolumne NORDISCHE SCHÄTZE präsentiert Martin Abraham die dänische Komödie VI ER ALLESAMMEN TOSSEDE (1959).

In seinem Artikel EYES WIDE APART AND EYES WIDE OPEN würdigt Prof. Dr. Tonio Klein die Ausnahmekünstlerin Ida Lupino. Oliver Nöding beleuchtet in seiner Kolumne IM ZWIELICHT: FILM NOIR OHNE FILTER Joseph H. Lewis‘ wegweisenden Reißer GEFÄHRLICHE LEIDENSCHAFT (1950). Robert Zion wendet sich im zweiten Teil seiner Kolumne AUF DEM PFAD DER VERLORENEN mit RITT ZUM OX-BOW (1943) den Anfängen des Noir Westerns zu.

In der Rubrik ON SET ist Clemens Williges’ Einführungsvortrag zur Aufführung von Harold Lloyds AUSGERECHNET WOLKENKRATZER! (1923) im Hallenbad – Kultur am Schachtweg im Rahmen der Movimentos Festwochen in Wolfsburg nachzulesen. In der neuen Kolumne MEILENSTEINE DES FRÜHEN KINOS widmet sich Clemens Williges zwei vergessenen Meisterwerken von Lois Weber: THE DUMB GIRL OF PORTICI (1916) und SHOES (1916). Abschließend gibt Williges in seiner Kolumne DER VERGESSENE FILM mit THE HORROR OF PARTY BEACH (1964) bereits einen Ausblick auf die Titelstory #28: SOMMER – SONNE – SUMPF.

Heft #27 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: “Weimarer Kino – neu gesehen“

Von , 26. Juni 2018 12:26

Vom 15. bis 25. Februar 2018 fand auf der Berlinale die Retrospektive „Weimarer Kino – neu gesehen“ statt. 28 deutsche Filme aus den Jahren 1918 bis 1933 wurden gezeigt. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick beschrieb den Ansatz der Retro wie folgt: „Quer durch die Genres dokumentiert die Retrospektive den Zeitgeist der Weimarer Republik und reflektiert Identitätsfragen. Das Spektrum reicht von der schwungvollen Tonfilmoperette über wortwitzige Komödien bis hin zu sozial und politisch engagierten Filmen. Die Filme sind von enormer Frische und Aktualität“. Die gezeigten Filme wurden grob in die drei thematische Schwerpunkte: „Exotik“, „Alltag“ und „Geschichte“ gegliedert.

Das gleichnamige Buch zur Retrospektive hätte jetzt diese Struktur übernehmen können, hat sich aber scheinbar ganz bewusst dagegen entscheiden. Zwar tauchen die genannten Schwerpunkte in den einzelnen Kapiteln wieder auf, doch das Buch spannt einen sehr viel größeren Bogen. Statt sich auf die gezeigten 28 Filme zu konzentrieren, wird versucht, die 15 Jahre des Weimarer Kinos in größeren Blöcken zu beleuchten. Zwangsläufig werden dabei dann nicht nur die unbekannteren Filme erwähnt, sondern auch Klassiker wie „Metropolis“, „Nosferatu“, „Berlin – Symphonie der Großstadt“ oder „Madame Dubary“. Diese stehen allerdings einmal nicht im Fokus, sondern dienen nur der Illustrierung des übergeordneten Themas.

Das erste Essay wurde von Jörg Schöning verfasst und untersucht auf spannende Weise die Historienfilme des Weimarer Kinos, welche zunächst die Französische Revolution, später dann die Zeit nach der deutschen Revolution behandeln. Hierbei ist besonders interessant, wie sich der Fokus über die Jahre verschiebt, und diese Großfilme zum Spiegelbild der politischen Lage in der Weimarer Republik werden. Ebenfalls ausgesprochen lesenswert ist der Beitrag von Philipp Stiasny, der sich den „lebenden Toten, Verlorenen und Heimkehrer des Weimarer Kinos“ widmet. Stiasny arbeitet heraus, wie beherrschend das Thema des aus dem Krieg Zurückkehrenden nach dem ersten Weltkrieg war und wie es auch in Filmen wie „Nosferatu“ Einzug findet, die man nicht unbedingt als Heimkehrer-Metapher im Blick hat.

Annika Schaefer nimmt sich recht nüchtern der Arbeitswelten im Weimarer Spielfilm an. Natürlich werden hier zunächst einmal die Klassiker des kommunistischen Films, wie „Kuhle Wampe“ oder „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“, vorgestellt. Aber das Thema wird umfassender angegangen und Schaefer untersucht auch die Darstellung von Arbeitslosigkeit (für die Menschen der Weimarer Republik ein Albtraum) und die romantisierten Darstellung von Arbeit, beispielsweise in Tonfilm-Operetten. Ioana Crăciuns Kapitel handelt von der Darstellung von Kindheit und Jugend im Weimarer Kino. Der Text ist etwas trocken und erfordert vom Leser eine größere Konzentration. Schwerpunkt ist hier vor allem das Thema Pubertät, weshalb auch Pabsts „Tagebuch einer Verlorenen“ mit Louise Brooks einen größeren Platz einnehmen kann.

Ganz besonders spannend ist Tobias Nagls Abschnitt über Orientalismus und (Post)Kolonialismus, der sich zunächst mit den großen Abenteuer-Serials des Weimarer Kinos beschäftigt, die ihre Heldinnen und Helden in mehrteiligen Spielfilmreihen um die ganze Welt schicken. Aber auch „Opium“ von Robert Renert erweckt Neugier. Die stereotype und rassistische Darstellungsweise exotischer Kulturen, der verklärte Blick in die Kolonien und vor allem die Geschichte „exotischer“ Gesichter im Weimarer Kino, wie der chinesisch-amerikanischen Schauspielerin Anna May Wong und dem afrodeutschen Schauspieler Louis Brody, sind weitere Themen dieses spannenden Kapitels. Ein Höhepunkt des Buches.

Thomas Tode widmet sich dem experimentellen und avantgardistischen Film, der vor allem aus der linken Künstlerszene kam, dessen moderne Filmmethoden dann aber auch im Werbefilm und Mainstream Einzug hielt. Ein interessanter Überblick über ein Feld, welches normalerweise zu oft unter den Tisch fällt. Kai Nowaks schließt das Buch mit dem Kapitel „Umkämpfte Filme – Skandal und Zensur im Kino der Weimarer Republik“ ab. Der Ansatz, die Entwicklung des gesellschaftlichen und politischen Klimas in der Weimarer Republik anhand der Zensurgeschichte des Films nachzuzeichnen, ist ausgesprochen spannend. Wobei die „Skandale“ scheinbar immer „von oben“ zu solchen gemacht wurden. Das zeitgenössische Kinopublikum findet bei dieser Betrachtung weniger Erwähnung. Einiges von dem, was man hier lesen kann, wurde auch bereits in dem vor vier Jahren erschienenen “Verboten! Filmzensur in Europa” abgehandelt.

Neben den acht Hauptkapiteln gibt es noch sechs kurze Abschnitte, in denen jeweils ein/e zeitgenössische/r Filmemacher/in sich einen Film der Weimarer Zeit vornimmt und sich dazu einen analytischen oder einfach persönlichen Text verfasst. Andreas Veiel schreibt über Gerhard Lamprechts „Der Katzenstieg“ (1927), Wim Wenders über „Heimkehr“ (Joe May, 1928) und „Song“, Richard Eichberg, 1934), Dietrich Brüggemann über „Ihre Majestät die Liebe“ (Joe May, 1931), Philipp Stölzl über „Der Favorit der Königin“ (Franz Seiz, 1922), Ulrike Ottinger über „Im Auto durch zwei Welten“ (1927-1931) und Jutta Brückner über die Filme von Ella Bergman-Michel.

Insgesamt ein sehr lesenswertes, facettenreiches Buch, welches weit über einen Retrospektiven-Katalog hinausgeht – ja, die Retrospektive mehr zum Aufhänger für eine eingehende Beschäftigung mit dem Kino in der Weimarer nutzt. Für jeden, der sich für den Film jenseits des bekannten Kanons in dieser Zeit (oder für die Zeit der Weimarer Republik an sich) interessiert, unverzichtbar.

Karin Herbst-Meßlinger, Rainer Rother, Annika Schaefer (Hrsg.) Weimarer Kino – neu gesehen, Bertz+Fischer, 252 Seiten, € 29,00

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 26 erhältlich

Von , 2. Mai 2018 22:07

Und wieder ist eine neue Ausgabe des „35 Millimeter – Retro-Filmagazin“ erschienen. Mittlerweile bereits die 26. Ausgabe.

Als Titelthema kümmern wir uns diesmal um das jüngste der fünf großen Hollywood-Studios der goldenen Ära: Der RKO. Ich habe dazu einen Artikel über Orson Welles „ramponiertes“ Meisterwerk „Der Glanz des Hauses Amberson“ beigetragen, und wieder einmal gedacht: Was würde ich dafür geben, wenn es möglich wäre einmal die vollständige und von Welles intendierte Fassung dieses Filmes sehen zu können. Aber die ist wohl leider auf immer und ewig verschollen.

Außerdem durfte ich nicht nur einer neuen Kolumne auf den Namen „Operation Europloitation – Todesgrüße vom Mittelmeer“ taufen, sondern ihr auch als erster Autor Leben einhauchen. Dabei habe ich mich dem großartigen „La Donna del Lago“ von Luigi Bazzoni gewidmet. Zukünftig wird diese Kolumne von immer wieder wechselnden Autoren gefüllt. Ach ja, und eine Rezension zu „Die Bucht der Schmuggler“ habe ich auch noch untergebracht.

Noch sehr erwähnenswert: Neu-Kollege Robert Zion startet seine neue Kolumne AUF DEM PFAD DER VERLORENEN – DER NOIR WESTERN (1943-1962) mit einem vier Seiten umfassenden Kolumnenspecial. Wovon die weiteren, wieder richtig toll geratenen Artikel von meinen Kollegen handeln, könnt ihr unten im Inhaltsverzeichnis sehen. Ich jedenfalls habe das Heft wieder mit höchstem Genuss durchstöbert.

Heft #26 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: Reiner Boller „Wilder Westen made in Germany“

Von , 29. März 2018 18:45

An Reiner Bollers wundervollem Buch „Wilder Westen made in Germany“ habe ich nur eins auszusetzen: Es ist schuld daran, dass ich in letzter Zeit viel zu wenig Schlaf bekam, weil ich abends immer viel zu lange drin gestöbert habe. Das dicke, 523 Seiten starke Schmökerwerk platzt nur so vor Anekdoten, Produktionsinformationen, Interviews und sonstigen spannenden Fakten. Was Reiner Boller hier an Recherchearbeit geleistet hat, ist einfach unglaublich. Man findet in seinem Buch Produktionsmemos, Briefe, zeitgenössische Berichte/Interviews/Filmkritiken und vieles mehr. Und Boller hat auch immer wieder selber die Protagonisten seines Buches aufgesucht und mit ihnen über jene deutschen Westernfilme gesprochen, in denen sie selber mitgewirkt haben. Die Fülle der Informationen erschlägt einen manchmal fast. Und manche Geschichten, z.B. wie „Winnetou I“ entstanden ist, lesen sich beinahe schon wie kleine Thriller.

Die Karl-May-Filme der 60er Jahre stehen dann natürlich auch im Mittelpunkt des Buches und einige Titel werden teilweise mit über 40 Seiten bedacht. Doch Boller konzentriert sich nicht nur auf diese heute noch sehr populären Filme, sondern nimmt den Titel seines Buches sehr genau. So erfährt man im ersten Kapitel einiges über deutsche Stummfilme mit Wild-West-Thematik, später wird auf Trenkers „Der Kaiser von Kalifornien“ ebenso eingegangen, wie auf die Hans-Albers-Filme „Sergeant Barry“ und „Wasser fürCanitoga“. Und immer weiß Boller viele Interessante Geschichten von den Dreharbeiten, den beteiligten Personen oder den Umständen der Produktion zu berichten.

Während der „Karl-May-Welle“ versuchten sich auch andere Produzenten an den Erfolg des Western-Genres zu hängen und heuerten Leute wie Rolf Olsen oder Jürgen Roland an, um diese Filme teilweise in denselben Kulissen wie die Karl-May-Filme zu drehen. Jugoslawien wurde für die deutschen Western-Produktionen auch jenseits von „Winnetou“ & Co. das, was Almeria für die Italiener war. Apropos Italiener. Boller widmet sich auch ausführlich all jenen Italo-Western, bei denen deutsche Produzenten ihre Hand bzw. ihr Geld im Spiel hatten. Eine Tradition, die mit „Für eine Handvoll Dollar“ erfolgreich begann.

Neben den „reinen“ Western wagt Boller auch einen Blick nach links und rechts des Kriegspfades. So gehören für ihn die Mexiko-Abenteuer nach Karl May, mit denen der große Konkurrent des „Winnetou“-Produzenten Wendland, Artur Brauner, versuchte eine dicke Scheibe vom Karl-May-Kuchens abzuschneiden. Aber auch die Alaska-Abenteuer nach Jack London oder Südamerika-Filme wie Werner Herzogs grandioser „Aguirre – der Zorn Gottes“ oder „Cobra Verde“.

Natürlich wird das in den 70er Jahren sehr produktive Westernkino der DEFA mit Gojko Mitić nicht vergessen, sowie die zahlreichen TV-Produktionen bis hin zu „Winnetou – Der Mythos lebt“, jener RTL-Dreiteiler, der Weihnachten 2017 über den Bildschirm flackerte. Und auch „Doc Snyder“ taucht auf, wenn auch sehr zum Verdruss von Reiner Boller, der diesem Film – im Gegensatz zum „Schuh des Manitu“ – so gar nichts abgewinnen kann.

Die 110 hier versammelten Film werden in der Regel in folgenden Abschnitten vorgestellt: Story, Entstehung und Dreharbeiten, Western-Fazit, Zitate aus zeitgenössischen Kritiken. Manchmal etwas mehr, wie bei den ersten Karl-May-Filmen, manchmal etwas weniger, wie bei den meisten italienisch-deutschen Co-Produktionen. Darüber hinaus gibt es unter der Überschrift „Namen im deutschen Western“ noch 48 Porträts, die von natürlich Lex Barker und Pierre Brice, aber auch Horts Wendland, Harald Reinl oder Martin Böttcher hin zu Leuten wie Brad Harris und Marisa Mell oder beliebten Nebendarstellern wie Walter Barnes reichen.

„Western made in Germany“ ist in tolles, unglaublich detailliert recherchiertes und dabei sehr unterhaltsames, ja teilweise sogar ausgesprochen spannendes Buch über ein Thema von dem man dachte, es sei schon sehr viel drüber erzählt worden. Bollers Buch beweist allerdings, dass dies nicht stimmt. Ein Standardwerk, welches sich jeder Filminteressierte (ob nun Westernfan oder nicht) ins Filmbuchregal stellen sollte. Nur sollte man eben darauf achten, nicht abends noch mit dem Schmökern anzufangen, wenn man morgens früh raus muss.

Reiner BollerWilder Westen made in Germany, Mühlbeyer Filmbuchverlag, 523 Seiten, € 29,90

Filmbuch-Rezension: “Linientreu und populär – Das Ufa-Imperium 1933-1945“

Von , 7. März 2018 22:07

Nach der sehr anregenden Lektüre des Buches „Linientreu und populär. Das Ufa-Imperium 1933–1945“ ist mir wieder eines schmerzlich bewusst geworden. Man soll auf sein Herz und nichts anderes hören. Nach dem Abi stand für mich fest: Ich wollte Geschichte studieren. Das war meine Leidenschaft, mein Leistungskurs und das Fach hatte zu Schulzeiten immer dafür gesorgt, dass der Notendurchschnitt etwas gehoben wurde. Meine Eltern fanden das nicht so gut. Wirtschaft wäre doch eine bessere Wahl. Leider ging ich dann zur Studienberatung und der Herr dort (Tiefensee war sein Name, der sich mir für immer ins Gedächtnis gebrannt hat) hat mir meinen Studienwunsch vehement ausgeredet. Geschichte, nein… da könne man eigentlich gleich zum Arbeitsamt gehen. Aber Wirtschaft.. ja… das wäre die Zukunft. Dumm und naiv wie ich damals war, glaubte ich ihm, erfüllt den Wunsch meiner Eltern, studierte ein Fach, was mich so eigentlich gar nicht richtig interessierte und das Schicksal nahm seinen Lauf. Heute ärgere ich mich darüber sehr und verfluche meine eigene Dummheit. Meinen Kindern werde ich darum immer mit auf den Weg geben: Höre auf Dein Herz – der Rest kommt dann von selber.

Warum ich das schreibe? Weil ich mich nach den vielen filmtheoretischen Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, mich bei dem filmhistorischen Buch „Linientreu und populär. Das Ufa-Imperium 1933–1945“ augenblicklich puddelwohl gefühlt und es in einem Rutsch verschlungen habe.

Wie der Titel schon sagt, beleuchtet das Buch die Zeit von 1933 bis 1945, als die Ufa zunächst um die Gunst der neuen Machthaber in Deutschland buhlte, trotzdem aber vor allem als wirtschaftliches Unternehmen agierte. Bald schon wurde es von den Nationalsozialisten allerdings gänzlich vereinnahmt und dem staatlich kontrollierten Konzern Ufa-Filmgesellschaft GmbH (trotz der Namensähnlichkeit gerade nicht identisch mit der Ufa AG) zugeschlagen. Das durchdachte und sehr gut gegliederte Buch beginnt mit einem informativen und durch Dokumente belegten Überblick darüber, wie die Ufa die Machtübernahme 1933 erlebte und zunächst glaubte, ein paar Zugeständnisse würden reichen, um die Geschäfte normal weiterzuführen. Diesem Artikel von Rainer Rother folgt dann ein folgerichtig ein von Friedemann Beyer verfasstes Porträt der Ufa unter der Ägide des rechts-national Zeitungsverlegers Alfred Hugenberg, der die Ufa 1927 übernahm und auf einen national-konservativen Kurs brachte. Hugenberg war auch Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei, die zusammen mit den Nationalsozialisten 1933 die Regierung bildete. Hugenberg war dabei kurzzeitig Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung im Kabinett Hitler.

Aus der Perspektive der Publikumsnachfrage und weniger des Filmangebots beleuchtet Joseph Garncarz die Filmproduktion der Ufa und räumt mit einigen Vorurteilen auf. Roel Vande Winkel nimmt sich dem ungemein spannenden Thema an, wie die Ufa in den Jahren 1939 bis 1945 ins europäische Ausland expandierte, immer den Spuren der Wehrmacht folgend und vom Verbot ausländischer Filmen profitierend. Da wurde der Krieg genutzt, um sich einen eigenen Monopolmarkt zu schaffen. Dazu passend: Christophe Gauthies Porträt des Raoul Ploquin, einer durchaus schillernden Persönlichkeit, und der Alliance Cinématographique Européenne. Ebenfalls hoch interessant. Da freut es mich, dass am Ende dieses Artikels eine zukünftige, größere Studie zu diesem Thema angekündigt wird.

Wenig weiß man vom NS-Kulturfilm für den immerhin ein Visionär und Pionier wie Walter Ruthmann arbeitete. Ein nahezu unbekanntes, aber auch wichtiges Kapitel, dem sich Kay Hoffmann annimmt. Dazu passt gut Annika Schaefers Text über die Inszenierung von Arbeit und Arbeitern im NS-Spielfilm. Faszinierend fand ich den Vergleich dreier NS-Erfolgsfilme, die alle drei nach denselben drei Erfolgsformeln funktionierten: „Frauen, Krieg und Flieger“. Schön herausgearbeitet von Elissa Mailänder. Ein guten Einblick in das Star-System der Ufa – oder zumindest den Versuch ein solches in Deutschland zu etablieren, de facto gab es da außer Hans Albers aber niemanden, den man auch international hätte vermarkten können – gibt der Text von Tobias Hochscherf. Brigitte Jacob und Wolfgang Schäche berichten über das gigantische Bauprojekt der „Filmstadt Babelsberg“, welches dann niemals durchgeführt wurde. Rolf Aurich ergänzt dies noch um die tatsächlich entstandene Ufa-Lehrschau und die kurzlebige, mit vielen hochfliegenden Plänen gestartete Deutsche Filmakademie, die beide in Babelsberg als Teil der „Filmstadt“ installiert wurden.

Das wichtigste und erschütterndste Kapitel dieses Buches widmet sich Zwangsarbeit bei der Ufa von 1940 bis 1945. Ich kann allen nur Almuth Püschel aufwühlenden Text ans Herz legen. Es ist ungemein wichtig, sich auch über dieses dunkle und oftmals unterschlagene Kapitel zu informieren. Jens Westemeiers Bericht über die Erinnerungen des niederländischen Zwangsarbeiters Piet Reijnens rundet diesen Themenkomplex dann ab. Auch wenn man Reijnens Erinnerungen (u.a. berichtet er von Snuff-Filmen, die die Ufa als Lehrstücke für die Wehrmacht produziert haben soll) nicht immer 1:1 glauben darf (sie widersprechen sich oft und sind nachprüfbar falsch – was mit seiner Traumatisierung zusammenhängen kann), geben sie doch ein Zeugnis davon, was die Zwangsarbeit bei der Ufa mit einer menschlichen Seele angerichtet hat. Zuletzt geht es in Jörg Schönings Artikel um die skandalöse Geschichte der Ufa nach dem 2. Weltkrieg, als der Konzern Spielball unterschiedlichster politischer und kapitalistischer Interessen wurde.

Fazit: „Das Ufa Imperium“ ist ein ebenso spannendes wie aufschlussreiches Buch, welches die legendäre Ufa von Seiten beleuchtet, die weniger bekannt sind und in der „offiziellen“ Geschichtsschreibung auch eher am Rande behandelt werden. Und damit für alle filmgeschichtlich Interessierte eine Pflichtlektüre.

Rainer Rother und Vera Thomas (Hrsg.) Linientreu und populär – Das Ufa-Imperium 1933-1945″, Bertz+Fischer, 224 Seiten, € 17,90

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 25 erhältlich

Von , 21. Februar 2018 14:05

Die erste 35MM-Ausgabe des neuen Jahres liegt vor. Die erste auch unter der Ägide unseres neuen Chefredakteurs Clemens Williges. Und das Heft ist wieder richtig schön geworden. Schwerpunkt ist diesmal Alfred Hitchcock. Theoretisch ein ziemlich ausgelutschtes und auserzähltes Thema. Das wissen wir auch und haben uns in Ecken und Nischen begeben, über die noch nicht tausendmal geschrieben wurde. Da sind einige sehr spannende Themen zusammengekommen.

Mir wurden ganze vier Seiten spendiert, auf denen ich mich über Hitchcocks französischsprachigen Propagandafilme „Bon Voyage“ und „Aventure malgache“ auslassen durfte. Weitere Themen sind seine Komödien, die Stummfilme, die Rolle seiner Ehefrau Alma Reville und vieles mehr. Reinschauen lohnt sich!

Des weiterengibt es noch die Kolumnen zum Film Noir von Oliver Nöding, zu Indischen und Skandinavischen Kino von Martin Abraham, zum Monsterfilm von Leonard Elias Lemke und, und, und…

Aber seht selbst:

Heft #25 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: „Horror Kultfilme“

Von , 20. Februar 2018 21:59

Das Buch „Horror Kultfilme“ aus dem Schüren Verlag beruht auf einer von den drei Herausgebern organisierten und geleiteten Ringvorlesung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Die interdisziplinäre Vorlesungsreihe ist eine Initiative des dortigen „Arbeitskreises Visuelle Kultur“. Das Buch richtet sich also an an Leser, die einerseits vor einem wissenschaftlichen Ansatz und einer damit einhergehenden wissenschaftlichen Sprache keine Scheu haben. Wobei diese in den hier versammelten Artikeln nicht in eine für Laien fast schon unlesbare Fremdsprache abgleitet, sondern mit einer gewissen Konzentration gut lesbar ist. Andererseits ist das Buch vor allem für Leser interessant, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema „Horrorfilm“ beschäftigt haben.

So dürfte der Exkurs in das Genre des Vampirfilms und die Vorstellung des Romans „Dracula“ gleich im ersten Beitrag von Susanne Bach für den Kenner der Material eher uninteressant sein. Und der Freud-Bezug des Unheimlichen wurde auch schon an anderer Stelle ausführlich analysiert. Wobei es aber spannend ist, dass die Autorin gerade Francis Ford Coppolas nicht ganz so populäre „Dracula“-Verfilmung in den Mittelpunkt ihres Textes stellt.

Markus Stiglegger steuert einen sehr interessanten Artikel zu Dario Argentos Meisterwerk „Suspiria“ und dessen Einflüsse bei. Dies dürfte einem aufgrund seiner anderweitig veröffentlichten Texte zu „Suspiria“ und dem italienischen Genrefilm teilweise bekannt sein. Auch hier: Ein gut geschriebener Artikel für Einsteiger ins Thema, der viel Bekanntes noch einmal zusammenfasst.

Arno Rußland nutzt Mel Brooks „Frankenstein Junior“ weniger, um auf den Frankenstein-Mythos, sondern vielmehr die Mechaniken der Parodie einzugehen. Ein guter Ansatz, da Frankenstein bekannt genug ist, um die parodierten Elemente gut nachvollziehen zu können.

Sehr interessant fand ich Angela Fabris‘ Ansatz, Dario Argento und Mario Bava anhand von „Profondo Rosso“ und des etwas weniger bekannten, aber nichtsdestotrotz wegweisenden Frühwerks „The Girl Who Knew Too Much“ gegenüberzustellen. In der Regel reduziert sich der Vergleich ja immer auf Bavas „Blutige Seide“. Besonders spannend ist dieser Artikel im Vergleich zu Ingo Knotts Beitrag in „Dario Argento – Anatomie der Angst“, welcher sich – bei unterschiedlichem Fazit – mit demselben Thema beschäftigt.

Auch interessant ist Jörg Helbigs Beitrag über Pete Walkers Spätwerk „House of Long Shadows“ als postmodernes Spiel mit den Genrekonventionen. Besonders hat mir aber Sabrina Gärtners sehr gut geschriebener, analytischer Artikel zu Jessica Hausers „Hotel“ gefallen, in dem sie aufzeigt, wie mit Hilfe zahlreichen Verweisen und Zitaten, typischen Motiven, Klischees und Handlungsstrukturen ein komplexes Symbolsystem aufgebaut worden ist. Schade, dass gerade Frau Gärtner nicht im Autorenverzeichnis geführt wird.
Benjamin Moldenhauers Beitrag zu dem „drastischen Horrorfilm“ ist ein sehr gutes Konzentrat seines sehr empfehlenswerten Buches „Ästhetik des Drastischen“. Wer sich erstmalig mit seinen Thesen und Theorien erstmalig vertraut machen möchte, ist hier genau richtig. Wer jenes Buch bereits kennt, wird den Artikel wahrscheinlich eher zur Auffrischung überfliegen.

Michael Fuchs setzt sich mit dem „Animal Horror“ auseinander und nutzt „Jurassic Park“, „Mimic“ und „Shark Night“ als Beispiele. Ein spannendes Thema, von dem ich mir eine größere Arbeit in Buchform wünschen würde.

Frank Hentschel hat bereits ein schönes Buch zum Thema Filmmusik im Horrorfilm geschrieben („Töne der Angst“). Dort hatte er sich auf die 70er Jahre konzentriert. Sein lesenswerter Artikel hier ist so etwas wie ein „Sequel“, denn er beschäftigt sich mit der Horrorfilmmusik der letzten sieben Jahre.

„Kult-Horrorfilm“ endet mit einigen Listen, auf denen u.a. „Die 20 bedeutendsten Horrorfilm-Regisseure der Filmgeschichte“, „Die 30 besten Horrorfilme aller Zeiten“ (ausgerechnet ausgewählt nach ihrem Rotten-Tomato-Rating) oder“ Die 10 besten Horrorfilm-Remakes aller Zeiten …“,“…und die 5 schlechtesten“ zu finden sind. In meinen Augen ziemlich witzlose Seitenfüllerei, die sich auch hier an den Genre-Novizen richtet und diesem vielleicht im besten Fall einen ersten Pfad ins unbekannte Land aufzeigt. Alle Anderen dürften bei den Listen wahlweise gähnen, sich über fehlende Titel ärgern oder über hier zu unrecht aufgeführte Filme aufregen.

Nichtsdestotrotz ein interessantes Buch, welches ganz unterschiedliche Aspekte des Genres beleuchtet und ein sehr guter Einstieg ins Genre des Horrorfilms darstellt. Auch wenn einiges bekannt sein wird, findet auch der „alte Hase“ hier einige spannende Denkanstöße.

Jörg Helbig, Angela Fabris, Arno Rußegger (Hg.)Horror Kultfilme, Schüren Verlag, 200 Seiten, € 24,90

„35 Millimeter“-Magazin: Doppelausgabe 23/24 erhältlich

Von , 21. Dezember 2017 14:00

Wer seinen Lieben (oder sich selbst) noch kurzfristig etwas Schönes unter den Tannenbaum legen möchte, dem sei an dieser Stelle die aktuelle Ausgabe des 35-Millimeter-Retro-Filmmagazins empfohlen, welche sich diesmal – passend zu dieser Zeit des Jahres – mit dem Weihnachtsfilm beschäftigt. Und da es eine Doppelausgabe ist, kommen auch alle, die es nicht so mit Glühwein, Zimtsternen und Weihnachtsliedern haben, auf ihre Kosten. Denn in der zweiten Hälfte der Aufgabe geht es gleich härter zur Sache: Da heißt das Titelthema „Der Gangsterfilm“. Dazu kommen natürlich wieder die regelmäßigen Rubriken, Kolumnen und interessanten Artikel jenseits der beiden Titelthemen. Ich habe mich diesmal tatsächlich ganz auf die Weihnachtszeit konzentriert und geschaut was passiert, wenn der Weihnachtsmann von Marsmenschen entführt wird.

Hier das komplette Inhaltsverzeichnis der extradicken Doppelausgabe:

Heft #23/24 kann man HIER für € 6,50 zzgl. Versand beziehen.

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