Category: Bücher

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 21 erhältlich

Von , 1. Juli 2017 15:55

Eigenlob stinkt, aber in diesem Falle muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich verdammt stolz bin auf das „35 Millimeter Retro-Filmmagazin“ für das ich jetzt schon seit zwei Jahren regelmäßig schreibe, und welches ich seit letztem Jahr auch als stellvertretender Chefredakteur mitverantworte. Die letzten beiden Ausgaben waren meiner Meinung nach das bisher Beste, was wir bisher veröffentlicht haben. Mein großes Kompliment an meine tollen Mitstreiter! Dazu ist die neue Ausgabe auf richtig dick geworden. So macht diese Aufgabe wirklich sehr viel Freude. Für das aktuelle Heft habe ich so einiges zu der „Czarna Seria“ geschrieben, einer Reihe von Dokumentarfilmen, die Mitte der 50er in Polen entstanden sind. Und eine Besprechung der „Dorothea Angermann“-DVD stammt auch von mir.

Titelstory: DER DOKUMENTARFILM

Titelstory – Der Mensch und die Masse

Titelstory – Walt Disney – True-Life-Adventures – das Unterhaltungskino entdeckt die Dokumentation

Titelstory – Arne Sucksdorff – Eine gespaltene Welt

Titelstory – Die „Czarna Seria“ – Polens schwarze Wirklichkeit

Titelstory – Mondo Cane – Alternative Fakten im Dokumentarfilm

Titelstory – Direct Cinema – Erklär mir die Welt

Titelstory – John Grierson – Vater des Dokumentarfilms

Titelstory – LUIS BUÑUEL – Las Hurdes – Land ohne Brot

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Josef von Sternberg – Teil 1: Das Spiel von Licht und Schatten

NACHTS IM NEBEL AN DER THEMSE – Die frühen deutschen Wallace-Filme

AUS DEM NACHMITTAG EINES FAUNS – Naturalismus und Symbolismus in Manuel Luís Vieiras O FAUNO DAS MONTANHAS

LON CHANEYS FINSTERE GEHEIMNISSE – DIE INNER SANCTUM-MYSTERIES – Teil 2

UNIVERSAL HORROR – Marketingkonstrukt oder Subgenre? – Teil 1

MR. WONG, DETECTIVE – Hollywoods vergessener Detektiv

INDIA CINEMA – Bimal Roy (Regisseur) – Ein schweigsamer Meister Indiens

DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA – Mario Bava Collectors Edition Nr. 3

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 4: Die Freundinnen und Der Schrei

KAFKA GEHT INS KINO – Eine Zeitreise in Die Anfangszeit der bewegten Bilder

KOLUMNE: DER VERGESSENE FILM – Der Magier (1926)

Heft #21 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: Ingo Strecker „Gorillawood – Das große Buch der Hollywood-Gorillas“

Von , 17. Juni 2017 16:43

Manchmal merkt man gleich, wenn es die große Liebe ist. Mir erging es so, als ich Ingo Streckers wundervolles Buch „Gorillawood“ aus dem Briefumschlag zog. Ein dicker, großformatiger Schinken, der den Einen vielleicht an ein Telefonbuch, mich jedoch augenblicklich an Michael Weldons „The Psychotronic Video Guide“- erinnert hat. Noch so ein Buch, welches mein Herz im Sturm eroberte – damals bevor ich Internetzugang hatte und damit (fast) alle Informationen aus der Welt des merkwürdigen Films auf einen Knopfdruck.

„Gorillawood“ handelt von den Männern, die sich vor allem ab den 30er Jahren in Hollywood wortwörtlich zum Affen machten. Die Gorillamänner, die unter schweren Kostümen schwitzten und ackerten, damit Tarzan gegen einen „waschechten“ Gorilla kämpfen konnte oder diverse Komiker voller Panik davonrennen. Oder wie ein Kollege von mir kopfschüttelnd meinte: „Das ist ja nun wirklich ein Buch für die Nische in der Nische“. Das stimmt wohl auch – und es ist großartig. Mir war zuvor nie bewusst gewesen, dass es wirklich Männer gab, die zusammen mit ihrem Kostüm von Filmproduktionen quasi ausgeliehen wurden. Und dass diese Männer mit ihren markanten, leicht zu unterscheidenden und damit gut wiederzuerkennende Kostümen dann in mehrere Filmen auftraten. Irgendwie hatte ich die seltsame Vorstellung, für jeden Film wäre ein neues Kostüm genäht worden, welches dann irgendein unbekannter Stuntman übergeworfen bekam. Aber weit gefehlt. „Gorillamann“ war damals ein Beruf und die Kostüme, die sich allesamt im Besitz der Darsteller befanden, wurden von diesen nicht nur gehegt und gepflegt, sondern teilweise auch erstellt. Sie waren ein kostbares Arbeitsmaterial, welches den Broterwerb sicherte. So musste z.B. Emil Van Horne seine Karriere beenden, als sein Kostüm von seiner Vermieterin, der er Geld schuldete, einfach als Pfand einbehalten wurde.

Die Männer unter dem Fell sind so unterschiedlich, wie ihre Schöpfungen. Da ist der Filipino Charles Gemora, der König der Gorillamänner“, der von der Filmaustattung und Make-Up kam, und die herrlichsten Gorillakostüme für sich und andere entwarf. Ray Corrigan – ein veritabler B-Western-Star, der teilweise auch in Filmen, in denen er eine „menschliche“ Hauptrolle spielte, ins Fell schlüpfte. Emil Van Horne, der nebenbei auch in Burlesque-Shows den Affen markierte. Steve Calvert, der eigentlich Barkeeper in Hollywood war. Und dann gab es noch andere. Ihre teilweise unglaublichen Lebensgeschichten hier werden nacherzählt und ihre Kostüme – und vor allem auch ihre Art die Affen zu spielen – ausführlich vorgestellt.

Und das Fantastische an diesem Buch ist es, dass Ingo Strecker tatsächlich jeden Film, in dem die Gorillamänner mitgewirkt haben, bespricht. In seinen reichlich und absolut wundervoll bebilderten Besprechungen, liegt sein Augenmerk natürlich zunächst einmal auf dem Gorillamann. Auf dessen Darstellung, wie er an die Rolle kam und natürlich das Kostüm, welches er benutzte. Aber Ingo Strecker hält sich nicht nur damit auf. Er gibt auch die Handlung der größtenteils seltenen und hierzulande unbekannten Filme detailliert wieder, und schreibt viel über dessen Einordnung in der Filmgeschichte, über die Studios und die „menschlichen“ Darsteller. So lernt man eine Menge über Serials, heute nahezu vergessene Komiker und über die Schauspieler in A-, B- und C-Filmen und ihre Geschichten. So schafft es Ingo Strecker mal eben im Vorbeigehen, gleich eine ganze Geschichte des mittlerweile untergegangen, klassischen Hollywoods in all seinen unterschiedlich budgetieren Ausprägungen von A bis Z auf Papier zu zaubern. „Gorillawood“ ist nicht nur eine Geschichte der „Gorillamänner“ sondern auch eine des B-Films, so wie es ihn heute nicht mehr gibt.

Die beeindruckende Recherchearbeit, die hinter diesem Buch steckt, ist wahrlich enorm. Dazu ist es auch ein unfassbares Wunder, welch grandioses Bildmaterial Ingos Strecker für sein Buch zusammengetragen hat. „Gorillawood“ lädt herzlich ein zum Schmökern, Staunen und darin versinken. Ich habe „Gorillawood“ in einem Rutsch verschlungen und konnte mir danach kaum noch vorstellen, dass es auch gute Filme ohne Gorillas geben soll. Oder frei nach Loriot: „Ein Film ohne Gorillamänner ist möglich, aber sinnlos“.

Ingo Strecker Gorillawood – Das große Buch der Hollywood-Gorillas“, tredition, 516 Seiten, € 34,80

Filmbuch-Rezension: „Der verletzliche Blick – Regie: Dario Argento“

Von , 29. April 2017 16:57

Vor knapp vier Jahren erschien bei Bertz+Fischer das Buch „Dario Argento – Anatomie der Angst“ (Rezension hier), als erstes deutschsprachiges Buch, welches sich auf wissenschaftliche Art und Weise mit dem italienischen Regisseur Dario Argento beschäftigte. Der Ansatz war damals, die Filme für sich sprechen zu lassen. Also dem Regisseur die Deutungshoheit über sein Werk zu nehmen, und sich somit ganz allein auf das zu beziehen, was für alle sichtbar ist. Eine Methode, die von vielen Filmwissenschaftlern immer wieder protegiert wird. Nun ist ein neues, deutschsprachiges Buch über Argento erscheinen. Geschrieben wurde es von Robert Zion, der bereits Bücher über William Castle und Vincent Price veröffentlicht hat. Und Robert Zion geht nun den anderen Weg und gibt Argentos Stimme wieder Gehör. Seine Untersuchungen der Argento’schen Filme unterfüttert er mit zahlreichen Zitaten des Regisseurs und verortet die Filme in dessen Biographie, wie er auch biographische Details aus Argentos Leben für seine Interpretation und Bewertung der Film zu Rate zieht. Dieser konträre Ansatz zu „Anatomie der Angst“ macht „Der verletzliche Blick – Regie: Dario Argento“ damit zu einer spannenden Ergänzung zu jener Veröffentlichung.

Robert Zion beschränkt sich auf zehn Filme, die er als Argentos Hauptwerk definiert, oder die er für Argentos künstlerische Entwicklung am Wichtigsten hält. Über die Auswahl kann man natürlich streiten. So steigt Zion erst bei „Vier Fliegen auf grauem Samt“ ein und verbucht die beiden Vorgängerfilme unter „Fingerübungen“. Auch Argentos ungewöhnlichstes Werk „Die Halunken“, welches so vollkommen aus seinem sonstigen Oeuvre herausfällt und daher meiner Meinung nach eine nähere Betrachtung verdient hätte, wird nur in ein paar wenigen Sätzen als misslungen abgewatscht. Auch das umstrittene Spätwerk wird außer acht gelassen. Zions Buch endet mit „Sleepless“. In Anbetracht der Tatsache, dass gerade diese Filme von den Fans regelmäßig in der Luft verrissen und regelrecht mit Hass übergossen werden, hätte ich mir an dieser Stelle einmal eine konträre Meinung gewünscht. Doch da auch Zion Filme wie „The Card Player“ oder „The Mother of Tears“ als größtenteils missraten und damit für den Kern seines Buches als unerheblich ansieht, werden sie allenfalls gestreift. Ein wenig Bauchgrummeln macht mir auch die Herabsetzung anderer Regisseure, insbesondere Lucio Fulcis und hier explizit dessen „New York Ripper“, demgegenüber Robert Zion eine in Abscheu übergehende Aversion hegt.

Was Robert Zion zu den von ihm in den Fokus gestellten Argento-Filmen zu sagen hat, ist aber hochinteressant und dürfte auch für den Kenner der Materie einige neue Einsichten bieten. Dabei ist spannend, wie „Phenomena“ als Wendepunkt in Argentos Filmographie – und seiner Art Filme zu machen – herausgestellt wird. Zuvor waren Argentos Filme laut Zion abstrakt und von jungschen Archetypen geprägt. Mit „Phenomena“, den Zion als ersten – wenn auch nicht ganz gelungenen – autobiographischen Film Argentos ansieht, ändert sich dies. Die Figuren werden psychologisch unterfüttert und statt an Jung, orientiert sich Argento nun an Freud. Auch das Abstrakte seiner Kunst nimmt ab. Argentos Fokus ändert sich dadurch und man kann seine Filme von seiner ganzen Herangehensweise und Intention in ein „Vorher“ und „Nachher“ einteilen. Auch in „Terror in der Oper“ findet Zion zahlreiche autobiographische Details und gleichzeitig eine Psychologisierung der Bilder. „Aura“ ist für ihn schließlich das, was „Phenomena“ sein wollte – ein Schlüsselfilm, der viel über Argento erzählt, und von ihm als versteckte Autobiographie konzipiert wurde. Besonders erfreulich ist die Wertschätzung, die Zion dem oftmals stark unterschätzen „The Stendhal Syndrome“ zukommen lässt. Für ihn ist „The Stendhal Syndrome“ Argentos Meisterwerk. Eine Bewertung, die sicherlich kontrovers diskutiert werden kann, aber von Zion sehr überzeugend hergeleitet wird. Aufschlussreich sind die vielen Verweise dieses Films auf die Welt der Malerei, die Zion hier herausarbeitet. Interessant sind auch seine knappen Ausführungen zu „Das Phantom der Oper“ im „Sleepless“-Kapitel, welche den Film durchaus in einem neuen, positiven Licht erscheinen lassen. „Sleepless“ selber bildet nicht nur den Schlusspunkt des Buches, sondern für Robert Zion auch den perfekten Abschluss für Argentos Karriere als bedeutender Filmemacher. Dementsprechend werden Argentos weitere Filme nur noch im Vorübergehen angerissen. Für Robert Zion ist Argento ein Künstler des 19. Jahrhunderts, der seine Kunst nicht mehr ins 21. Jahrhundert transportieren konnte.

Abgerundet wird das Ganze durch einen 25-seitigen Epilog, der noch einmal sehr schön die vorhergehenden Punkte bezüglich Argentos Stils – wie die Parallelen zur Malerei -, seiner Inhalte und seiner Bedeutung für die Filmgeschichte noch einmal aufgreift und verdichtet.  Eine detaillierte Filmographie seiner Kinofilme (bei der der TV-Film „Do You Like Hitchcock?“ zwar aufgenommen wurde, seine sonstigen TV-Arbeiten aber leider keine Beachtung finden) und ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis beschließen das Buch.

Robert Zion hat ein sehr interessantes Buch über Dario Argento geschrieben, welches dem Leser viele spannende, neue Denkansätze nahe bringt, die natürlich auch kontrovers diskutiert werden können. Insbesondere, was die Bewertung einiger Filmen (vor allem außerhalb von Argentos Werk) angeht. Sehr gelungen ist die Erläuterung der Hauptthesen anhand von 14 farbigen Bildtafeln in der Mitte des Buches. Der einzige Kritikpunk wäre das mangelnde Lektorat, welches am Anfang des Buches (und dann nochmal im „Phenomena“-Kapitel) durch unnötige Rechtschreibfehlern und einer Vorliebe für endlose Schachtelsätze auffällt. Dies gibt sich dann aber recht bald im weiteren Verlauf des Buches und soll auch bei einer bald anstehenden zweiten Auflage überarbeitet werden. Von daher steht einer Empfehlung nichts im Wege.

Robert Zion Der verletzliche Blick – Regie: Dario Argento“, Books on Demand, 368 Seiten, € 28,99

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 20 erhältlich

Von , 26. April 2017 16:03

Bei unserem „35 Millimeter“-Magazin gab es in den letzten Monaten einen ziemlichen Wechsel bei den Stammautoren. Es ist jede Menge frisches Blut dazu gekommen, was dem Magazin meiner Meinung nach sehr gut getan hat. Ausgabe #20 ist nun das erste Heft dieser „neuen Ära“ und ich bin gespannt, wie es bei unseren Lesern ankommt. In der Titelstory dreht sich diesmal alles um die Universal-Studios und dabei wird nicht nur auf die Horrorfilm eingegangen, was ich sehr erfrischend finde. Ich selber habe diesmal etwas über den mexikanischen Horrorfilm und die „Momia Azteca“-Trilogie geschrieben.

TITELSTORY: UNIVERSAL STUDIOS

TITELSTORY – DIE MUMIE: Karl Freunds Vermächtnis an die Universal Studios
TITELSTORY – Boris Karloff: Gefangen im Käfig des
TITELSTORY – Watson, ich kombiniere – Sherlock Holmes und die UNIVERSAL
TITELSTORY – LON CHANEYS FINSTERE GEHEIMNISSE – DIE INNER SANCTUM-MYSTERIES – Teil 1
TITELSTORY – Motion is Emotion – Douglas Sirks Universal-Melodramen
TITELSTORY – CARL LAEMMLE presents… – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood

MUMIE MEXICAN STYLE – Der mexikanische Horrorfilm und die „Momia Azteca“-Trilogie

HITLERS HOLLYWOOD – Interview mit Regisseur Rüdiger Suchsland

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 3: Reifeprozesse

WOLFGANG NEUSS UND WOLFGANG MÜLLER – Marx Brothers im Adenauerland

FILM NOIR – The Dark World of Richard Fleischer

FREUD, FEMME FATALE UND FEMINISMUS – Teil 2 – Die Frau im Werk Otto Premingers

LUIS BUNUEL – Teil 2: Wiederkehrende Motive in seiner mexikanischen Schaffensphase

KOLUMNE: CINEMAZZURRO – DIE LETZTEN ZWEI VOM RIO BRAVO

RAJ KAPOOR – Der indische Vagabund

Heft #20 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: Benjamin Moldenhauer “Ästhetik des Drastischen – Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm“

Von , 7. April 2017 16:18

„Ästhetik des Drastischen – Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm“ ist der etwas sperrige Titel eines der interessantesten Filmbücher, die mir in den letzten Jahren untergekommen sind. Die erweiterte Fassung der Dissertation des Bremer Kulturwissenschaftlers Benjamin Moldenhauer ist ein echter Brocken, der aber gar nicht schwer im Magen liegt, sondern dem Kopf ordentlich Futter bietet, um möglicherweise bereits verkrustete Denkschemata zum Thema Horror und Gewalt aufzubrechen, an die frische Luft zu holen und ordentlich durchzulüften. Dabei wird nicht Altbekanntes wiedergekäut, sondern eine sehr nachvollziehbaren filmästhetische Theorie des Horrorfilms zur Gewalt der Bilder hergeleitet. Dabei gelingt Benjamin Moldenhauer das Kunststück, seinen wissenschaftlichen Text so zu formulieren, dass man als Laie, der nicht im Bereich Kulturwissenschaften oder Psychologie promoviert hat, trotz der vielen Fachbegriffe kein Problem hat, den Kernaussagen zu folgen.

Man muss allerdings auch die Bereitschaft aufbringen, sich von Moldenhauer durch die vielzähligen theoretischen Ansätze, seine Interpretationen und die sich daraus ergebenden neuen Denkansätze führen zu lassen. Das soll heißen: „Ästhetik des Drastischen“ ist keine Strandlektüre und erfordert vom Lesen schon ein gehobenes Maß an Konzentration und geistiger Regheit.

Für mich sehr aufschlussreich und gewinnbringend war vor allem der erste Teil des Buches, welcher sich primär mit der Geschichte des Horrorfilms und seiner Rezeption beim Publikum und in der Theorie auseinandersetzt. Das ist hervorragend formuliert und hergeleitet. Demnach war der Horrorfilm bis 1960 vor allem von dem Verdrängten der Seele, dem freudschen Kampf von Über-Ich, ich und Es geprägt. Eine Deutung, die sich bis heute gehalten hat. Für Moldenhauer stellt aber die Premiere von „Psycho“ im Jahre 1960 eine Zäsur da, da hier ein neues Element dazu kam und dem freudschen Prinzip des „Heimlichen“ und „Unheimlichen“ eine ganz konkrete Angst entgegen gesetzt wurde. Horror heißt hier dann wirklich Schrecken und Angst. Die Filme zielten auf die Erfahrung des Publikums und wollte einen körperliche Reaktion hervorrufen. Primär ging es um die Furcht um die eigene körperliche Unversehrtheit, der Furcht, dass einem selber etwas schlimmes, schmerzhaftes zustoßen könne. Was dies sein könnte, wurde nun „drastisch“ auf der Leinwand gezeigt. Das „Monster“ lebt also nicht mehr in der eigenen Seele, sondern ist Bedrohung von außen, die darauf aus ist uns grausame Schmerzen zuzufügen. Und diese Bedrohung muss nicht zwangsläufig übernatürlicher Herkunft sein, sondern kann ihre Wurzeln auch in dem Grausamen haben zu dem Menschen fähig sind.

Der anschließende Teil, der sich vor allem eine weitergehende Erklärung psychologischer Theorien und die Abrechnung damit ist, wäre meines Dafürhaltens nicht zwangsläufig nötig, um Moldenhauers Theorie des Drastischen nachzuvollziehen, ist für an psychologischer Theorie Interessierte aber ein zusätzliches Bonbon.

In der zweiten Hälfte des Buches wird die Theorie des Drastischen an vier konkreten Beispielen detailliert erläutert. Diese sind Tobe Hoopers „Texas Chain Saw Massacre„, Wes Cravens „Last House on the Left„, Alexandre Ajas „The Hills Have Eyes„-Remake und Rob Zombies „The Devil’s Rejects„. Einerseits erläutert Moldenhauer hier, was diese vier Filme in dem Zuschauer auslösen, andererseits nimmt er den Leser auch gleich mit auf eine Reise durch das Backwoods-Genre, dem Rape’n‘-Revenge-Film, den sogennanten „Torture Porn“, stellt Originale und Remakes gegeneinander und arbeitet die unterschiedlichen Wirkungen der Filme auf den Zuschauer heraus. Besonders interessant sind dabei seine Beobachtungen zu „The Devil’s Rejects“, dem er merklich zwiegespalten gegenübersteht.

Zusammengefasst, eines der spannendsten und geistreichsten Bücher über den oftmals verfemten, häufig einseitig betrachteten oder überpsychologisieren Horrorfilm, das frische und jederzeit gut nachvollziehbare Argumente für eine neue Herangehensweise an die theoretischen Grundlagen dieses Genres liefert. Klare Empfehlung.

Benjamin Moldenhauer Ästhetik des Drastischen – Welterfahrung und Gewalt im Horrorfilm„, Bertz+Fischer, 360 Seiten, € 25,00

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 19 erhältlich

Von , 1. März 2017 06:37

Das neue „35 Millimeter – Retro-Filmmagazin“ ist da! Diesmal ist von mir selber aufgrund einer anderen Aufgabe, die ich für „35 Millimeter“ übernommen habe (Details folgen irgendwann im März), kein großer Artikel dabei. Lediglich eine DVD-Rezi für den „Student von Prag“ und ein Interview zur ersten Buchveröffentlichung habe ich beigesteuert. Aber meine lieben Kollegen legten sich auch diesmal wieder kräftig ins Zeug und so ist wieder ein bunter Strauss schöner Artikel zusammengekommen. Ich persönlich freue mich dabei sehr über den wundervollen (und recht voluminösen) Beitrag „Die Rache des Kameramannes“ von unserem neuen Gastautor Christoph.

TITELSTORY: DER SKANDALFILM

TITELSTORY – DAS MÄDCHEN ROSEMARIE – Ein Deutsches Sittenbild der Adenauer-Ära
TITELSTORY – LOLITA – „How could they ever make a movie of ‚Lolita’?“
TITELSTORY – DAS SCHWEIGEN – Film, Kunst und die Gretchenfrage
TITELSTORY – KIRCHE VS. KUNST – Baby Doll und die Macht der Geistlichen
TITELSTORY – IM WESTEN NICHTS NEUES – Krieg um die Zensur
TITELSTORY – SKANDAL IM HOLLYWOOD-BEZIRK – Wie der Hays-Code Amerikas Anstand retten sollte
TITELSTORY – Anders als die Anderen – Frühes schwules Kino
TITELSTORY – LUIS BUNUEL – Teil 1: Das skandalöse Potential seiner frühen surrealistischen Filme

RUBRIK: ON SET – 90 JAHRE METROPOLIS – Das Jubiläum eines Misserfolgs, das ein Erfolg werden sollte

DIE RACHE DES KAMERAMANNS – Władysław Starewicz und das geheime Liebesleben der Insekten

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 2: Chronik einer Liebe

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – WAR OF THE COLOSSAL BEAST

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Friedrich Wilhelm Murnau – Teil 5: Murnaus Vermächtnis

RUBRIK: ORIGINAL & REMAKE – Die Zehn Gebote

FREUD, FEMME FATALE UND FEMINISMUS – Teil 1 – Die Frau im Werk Otto Premingers

35-MILLIMETER-BUCHREIHE #1 – Victor Sjöström – Film can be art

KOLUMNE: CINEMAZZURRO – DIE MÜHLE DER VERSTEINERTEN FRAUEN

Heft #19 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: Markus Stiglegger “Grenzkontakte“

Von , 3. Februar 2017 15:55

Stiglegger, Stiglegger, Stiglegger… In den letzten paar Jahren ist dieser Name omnipräsent geworden, wenn man sich für die Welt des „unterschlagenen Films“ (Copyright by Splatting Image) interessiert. Man hat beinah das Gefühl, es gäbe in diesem Bereich keine einzige Veröffentlichung mehr, die ohne einen Audiokommentar, ein Booklet und/oder Videoessay von dem Professor für Fernsehen und Film an der Dekra Hochschule für Medien in Berlin auskommt. Was – wenn man mal die einschlägigen Foren querliest – bei einer bestimmten Klientel schon zu Überdruss und einer gewissen genervten Müdigkeit führt, die sich nicht selten in unsachliche und persönlich angreifende Kommentare niederschlägt. In dieser Phase höchster Produktivität ist nun das Buch „Grenzkontakte“, eine „Liebeserklärung an das Kino und die Filmkunst“ erschienen.

Im Gegensatz zu Stiggleggers sonstigen Veröffentlichungen, die zumeist im wissenschaftlichen Feld angesiedelt sind, kann man hierbei fast schon von „Stiglegger for the masses“ sprechen. Was in keinerlei weise despektierlich gemeint ist. Im Gegenteil, Stiglegger gelingt es ausgezeichnet, den aufgeschlossenen Filmfreund, der keine kulturwissenschaftliche Ausbildung genossen hat, an die Hand zu nehmen und in sehr gut lesbaren und trotzdem anspruchsvollen Texten an die Grenzen der filmischen Erfahrung, und darüber hinaus zu führen. Dabei hilft es sicherlich, dass einige Texte von vornherein als Booklet-Essays konzipiert waren. Zumindest sind die Schriften über Michael Manns „Thief“ und Abel Ferraras „Blackout“ identisch mit denen, die man in den entsprechenden Veröffentlichungen von OFDb Filmworks bzw. filmArt findet. Man kann wohl davon ausgehen, dass auch andere Texte in diesem Buch ein zweites Leben erhalten haben. Schließlich hat Stiglegger für die deutschsprachige Heimkino-Veröffentlichungen vieler in „Grenzkontakte“ vorgestellten Filme ebenfalls das Booklet geschrieben.

Was aber auch nicht schlimm ist, da nur die Allerwenigsten all diese Veröffentlichungen Zuhause im Regal stehen haben dürften. So ist „Grenzkontakte“ auch ein wunderbarer Querschnitt durch Stigleggers populäres Schaffen der letzten Jahre. Der Natur der Sache ist es da geschuldet, dass die einzelnen Kapitel unterschiedlich lang und von unterschiedlicher analytischer Tiefe sind. Der Auftakt, ein ausführliches Portrait des italienischen Maestros Mario Bava, verschafft dem Leser einen großartigen Überblick über dessen Schaffen und seine filmgeschichtliche Bedeutung. Wer sich bereits eingehend mit Bava beschäftigt hat, wird allerdings nicht allzu viel Neues entdecken. Ganz anders Stigleggers wundervoller Text über „Der Nachtportier“, der den Film von ganz unterschiedlichen Seiten eingehend beleuchtet, um ihn hochspannend und nachvollziehbar zu analysieren. Sehr berührt hat mich der fast schon zärtliche Text über einen meiner großen Helden, Andrzej Zulawski, der den Abschluss der Filmtexte bildet und einen würdigen Nachruf (auch wenn dies zur Zeit des Verfassen noch nicht absehbar ist) auf einen der ganz großen Meister der Filmkunst darstellt. Unbedingt lesenswert sind auch seine Anmerkungen zum existenzialistischem Kino eines Bruno Dumont, seine Annährungen an Roland Topors „Marquis“ oder seine Überlegungen zu Ryu Murakamis „Tokyo Decadence“, um nur einige herauszugreifen.

Am Ende des Buches steht dann noch ein Interview, welches Kai Naumann per Email mit Markus Stiglegger führte. Da beide gut befreundet ist, ist dies eine nette Plauderei, bei der Kai Naumann mehr oder weniger die Stichwörter liefert, die Markus Stiglegger Raum geben, um von seinen ersten Filmerfahrungen in der Kindheit, seinen vielzähligen Unternehmungen und seinen (durchaus beeindruckenden) Leistungen zu berichten. Alles in allem ist „Grenzkontakte“ genau das, was der Untertitel verspricht. Eine Exkursion ins Abseits der Filmgeschichte. Mit einem überaus kompetenten Reiseleiter, von dem man sich nur allzu gerne in das Unbekannte da draußen hinaus ziehen lässt.

Markus Stiglegger „Grenzkontakte – Exkursionen ins Abseits der Filmgeschichte, Martin Schmitz Verlag, 240 Seiten, € 17,80

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 18 erhältlich

Von , 18. Januar 2017 16:02

Etwas spät der Hinweis darauf, dass bereits seit Ende Dezember das neue „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erhältlich ist. Titelthema ist diesmal das deutsche Nachkriegskino, wozu ich einen langen Artikel über den Regisseur und Drehbuchautoren Will Tremper geschrieben habe. Eine ausgesprochen schillernde Gestalt und „ein unmöglicher Typ“.

TITELSTORY: DEUTSCHES NACHKRIEGSKINO
– Einführung: Das Kino unserer Großväter
– DIE MÖRDER SIND UNTER UNS – Aber wir haben die Pflicht Anklage zu erheben
– HILDEGARD KNEF – Geliebt, verdammt, verehrt
– HELMUT KÄUTNER – Vom Filmpoeten zum Gesellschaftskritiker
– WILL TREMPER – Ein unmöglicher Typ
– DER DEUTSCHE HEIMATFILM NACH 1945 – Ein Balanceakt zwischen Trivialität und filmhistorischer Relevanz

DAS WERK EINES MEISTERS IST ZU ENTDECKEN – Friedrich Wilhelm Murnau – Teil 4

A CHRISTMAS CAROL – Die Verfilmungen von Charles Dickens Erzählung

PSYCHOLOGIE DES HORRORS – Roger Cormans Edgar Allan Poe-Verfilmungen

DER FREMDE BLICK – Michelangelo Antonioni und seine Filme – Teil 1: Pfiffe in Cannes

RUBRIK: ORIGINAL & REMAKE – DIE SIEBEN SAMURAI / DIE GLORREICHEN SIEBEN

RUBRIK: ON SET – 2. CINEFONIE-TAG SAARBRÜCKEN

KOLUMNE: CINEMAZZURRO – DAS ZEHNTE OPFER

KOLUMNE: QUOD ERAT MONSTER! – DER GOLEM

Heft #18 kann man HIER für € 4,00 zzgl. Versand beziehen.

Buch-Rezension: Armin Junge “Banzai! Japanese Cult Movie Posters“

Von , 28. Dezember 2016 17:30

banzai_cover_frontalIch habe ein Faible für Filmplakate. Wenn mich meine Frau lassen würde, wäre das ganze Haus damit tapeziert. Lässt sie mich aber nicht. Darum muss ich meiner Leidenschaft anderweitig frönen. Glücklicherweise gibt es ja einige Bücher, die sich dem Thema Filmplakat verschrieben haben und in denen man diese wundervollen Kunstwerke in Ruhe betrachten kann. Mein liebster Schatz ist da das voluminöse und schwere „The Art of the Modern Movie Poster: International Postwar Style and Design“, welches einst bei Thalia auf dem Grabbeltisch lag.

Aber auch der Verlag Creepy Images hat sich hier schon oft verdient gemacht. Das wohl weltweit einzige Fanzine, das sich ausschließlich seltenen Plakaten und Aushangfotos der 60er, 70er und 80er Jahre widmet, hat bereits 2012 ein wundervolles Buch mit dem Titel „Muchas Gracias, Senor Lobo“ herausgebracht, welches Filmplakate und Aushangfotos aus aller Welt versammelt, die eines gemeinsam haben: Sie werben für einen Film mit dem spanischen Horrordarsteller Paul Naschy. Nun ist ein weiteres Filmbuch bei Creepy Images erschienen. Der Name: „Banzai! Japanese Cult Movie Posters“ von Armin Junge. Wie der Titel schon verrät handelt es sich hier um eine umfangreiche Sammlung japanischer Filmposter. Wer nun erwartet, nur die Poster japanischer Filme vorzufinden wird angenehm überrascht. Einen Großteil nehmen internationale Produktionen ein, für die in Japan dann spezielle Plakate im typisch japanischen Stil designet wurden. Auch aus hiesigen Landen sind einige Vertreter darunter, wie der berühmte „Schulmädchen Report“ oder „Prostitution Heute“.

Überhaupt ist man überrascht, welche Filme in Japan einen Kinostart bekamen. Auffällig ist auch, dass man auf den Postern oftmals Schwierigkeiten hat, herauszufinden, ob es sich nun um einen japanischen oder einen amerikanischen oder europäischen Film handelt, denn die Gesichter wurden häufig ganz dezent und subtil „japanisiert“. Die japanischen Filmposter folgen in de Regel einem Muster: Ein großes, hübsch bearbeitetes Foto einer Schauspielerin oder eines Schauspielers in Aktion, darum drapiert einige besonders aufregende Szenen aus dem Film. Wobei es von Genre zu Genre auch unterscheide gibt. So sind Horrorfilm ganz besonders reich bebildet und bunt, während bei den Sexfilmen vor allem die weiblichen Attribute der Hauptdarstellerin im Vordergrund stehen.

Das Buch teilt sich auf in sechs Bereiche; Bei den „Bad Girls“ geht es um die japanischen Pinky-Violence-Filme, die Sasori-Serie und Sexfilme, wie zum Beispiel die deutschen „Schulmädchen-Report“-Filme. „Tough Guys“ deckt die James-Bond-Filme ab, Yakuza- und Samuraifilme wie die „Lone Wolf & Cub“-Serie, Italo-Western und ähnliches. Im großen „Horror“-Teil findet man viele britische Hammer-Produktionen, Italo-Gothic-Horror aus den 60ern und die ganzen Klassiker. „Mondo“ sind, wie der Name schon sagt, Mondo-Shockumentaries. Unter „Shocking“ ist dann alles zusammengefasst, was eine etwas härtere Gangart hat. Roman Porno mit hohem Bondage-Anteil, „verfemte“ Filme wie „Hexen, bis aufs Blut gequält“, Kannibalenfilme, die „Ilsa“-Filme usw. Im Abschnitt „Science Fiction & Fantasy“ begegnen wir dann Godzilla und seinen Kollegen, aber „Planet der Affen“, Westworld und viele mehr.

banzai-beispielseitenDer Autor des Buches, Armin Junge, kommt aus der Werbebranche. Er lebte und arbeitete viele Jahre in Japan, Südkorea, China und Russland. Als großer Liebhaber des Exploitationkinos, hat er Hobby und Beruf miteinander verbunden, den neben den Filmen an sich, interessiert ihn auch die Art ihrer Bewerbung. Mittlerweile besitzt er die wohl größte Sammlung japanischer Filmplakate außerhalb Japans. Da Armin Junge kein Filmhistoriker ist, sind die kleinen Texte die ab und zu eingestreut werden eher Auflockerung als wirklich tiefgreifende Analyse oder Information. Für jemanden, der mit dem japanischen Kino aber so gar nichts am Hut hat, sind sie durchaus hilfreich. Leider erfährt man auch nicht viel über die verschiedenen Plakatarten, Besonderheiten einelner Studios oder etwas über die prägenden Künstler. Aber das war offensichtlich auch nicht der Anspruch dieses im besten Sinne des Wortes „Bilderbuch“. Schade sind allerdings die die sehr spartanischen Bildunterschriften. Bis auf den englischen (!) Titel und das Jahr erfährt man rein nichts. Kein Originaltitel, Produktionsland des Filmes oder gar Regisseur und Studio. Aber das lässt sich angesichts des wundervollen und teilweise atemberaubenden Filmplakate verschmerzen.

Ein Buch zum immer wieder durchblättern, staunen und genießen. Jetzt wünsche ich mir nur noch eins: Einen dicken Band über polnische Filmplakate.

Armin Junge „Banzai! Japanese Cult Movie Posters“, Creepy Images, 296 Seiten DIN A4, komplett in Farbe, über 560 Abbildungen von japanischen Original-Kinoplakaten, Euro 28,00

Filmbuch-Rezension: Christian Keßler “Das versteckte Kino“

Von , 19. Dezember 2016 13:26

verstecktekinoEr hat es wieder getan. Nachdem er seinen Leser zweimal in kurzer Folge „Vierzig Gründe, den Trashfilm zu lieben“ geliefert hat, hat Christian Keßler nun „Das versteckte Kino“ ins grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit geholt. Der Aufbau des Buches gleicht seinen beiden Vorgängern, der Ton ist aber ein anderer. Während in „Wurmparade auf dem Zombiehof“ und „Der Schmelzmann in der Knochenmühle“ viel Liebe über die Filme aus dem unteren Videothekenregal ausgeschüttet wurde, ist es hier vor allem Respekt, der bei den Vorstellungen der Film überwiegt. Und während bei „Wurmparade“ und „Schmelzmann“ eigentlich klar ist, warum die dort vorgestellten Filme keinen Platz in der „normalen“ Filmgeschichte gefunden haben, so ist es bei den Filmen, über die Christian Keßler in „Das versteckte Kino“ schreibt, doch höchst verwunderlich, dass das Gros bis heute nicht im goldenen Rahmen in der Hall of Fame der Cinephilie hängen.

Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Filme wie „Heathers“, „Die Frau mit der 45er Magnum“ oder „Johnny zieht in den Krieg“ dürften jedem Filmfreund, der etwas weiter über den Tellerrand schaut, durchaus geläufig sein. Hier nimmt sich Christian Keßler einfach das Recht des Hausherren heraus, auch über Filme zu schreiben, auf die die selbstgewählte Kategorie „verstecktes Kino“ nicht zu 100% zutrifft. Der Großteil der Filme sind allerdings wirklich weit weniger bekannt. Manche erzeugen irgendwo weit hinten in der Erinnerung einen Wiederhall, wie „Die Chorknaben“, „Joe“ oder „Wo is‘ Papa?“. Andere sind ganz aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden wie „Marjoe“, „The Groove Tube“ oder „Alabama’s Ghost“.

Hier darf man Christian Keßler sehr dankbar dafür sein, dass er sie aus dem dunklen-feuchten Schatten der Filmgeschichte an die Sonne zerrt. Oder man verflucht ihn, weil es mitunter recht schwer ist, einer (legalen) Kopie dieser Werke Herr zu werden, um sich in den heimischen vier Wänden selbst von ihren Vorzügen zu überzeugen. Was bei diesem Buch verwundert ist ein neuer Ton bei Christian Keßler. Wurde es in den vorherigen Veröffentlichungen peinlichst vermieden, Filme zu erwähnen, die der Autor nicht mag, so nimmt er hier kein Blatt vor den Mund. Etwas, was insbesondere „The Breakfast Club“ zu spüren bekommt. Ferner haben sich zwei kleine, wenn auch belanglose Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen, auf die ich hier aber nicht eingehen will, da sie für den Kontext vollkommen unwichtig sind. Ich erwähne es hier auch nur, weil sie mich in dem Moment doch sehr irritiert haben.

Aber das soll nicht davon ablenken, dass Christian Keßler mit „Das versteckte Kino“ ein großer Wurf gelungen ist. Das Buch macht einen noch reiferen Eindruck als die – ebenfalls sehr empfehlenswerten – „Trashfilm“-Bücher. Der unverwechselbare Keßler-Groove ist hier etwas zurückhaltender und der Ernsthaftigkeit vieler der hier vorgestellten Filme angemessen. Aber trotzdem spürt man in jeder Zeile, dass ihm dieses Buch eine Herzensangelegenheit ist und wie sehr es ihn wurmt, dass die hier besprochen Filme bisher nicht den ihnen eigentlich zustehen Platz in der Filmgeschichte einnehmen konnten. Warum auch immer. Umso wichtiger ist diese wundervolle Missionarstätigkeit der Liebe.

Christian Keßler “Das versteckte Kino – Die besten Filme,von denen Sie niemals gehört haben!, Martin Schmitz Verlag, 336 Seiten, € 18,80

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