Blu-ray-Rezension: „Crash“

Von , 23. Juni 2020 17:43

Der Filmproduzent James Ballard (James Spader) verursacht einen Verkehrsunfall, bei dem ein Mann ums Leben kommt. Selber schwer verletzt, beginnt Ballard nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus eine Affäre mit Helen Remington (Holly Hunter), der Witwe des Getöteten. Über sie wird er mit einer Gruppe von Leuten bekannt gemacht, die tödliche Autounfälle berühmter Persönlichkeiten nachstellen und sexuelle Erregung empfinden, wenn Autos fatal ineinander krachen. Anführer dieser Gruppe ist der geheimnisvolle Vaughan (Elias Koteas), den Ballard bereits im Krankenhaus kennengelernt hat, als Vaughan seine Wunden fotografieren wollte. Ballard erliegt immer mehr der Faszination für Vaughan und schließlich stößt auch Ballards Ehefrau Catherine (Deborah Kara Unger) zu der Gruppe der Unfall-Fetischisten.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

In meiner Erinnerung war “Crash” immer mit einer Farbe verbunden: Einem eiskalten Blau. Und ich gebe zu, vor dem Wiedersehen mit “Crash” tatsächlich etwas gefröstelt zu haben. Zwar war es gut 20 Jahre her, dass ich Cronenbergs Film – damals noch zu VHS-Zeiten aus der Videothek ausgeliehen – gesehen habe, aber viele Szenen waren mir noch immer sehr präsent. Und noch mehr dieses seltsame Gefühl, welches sich mit dem Film verband. Eine Faszination, aber auch etwas Unangenehmes, was man nicht direkt fassen konnte. Figuren, die man nicht oder gerade doch verstand, wobei man letzteres vielleicht nicht unbedingt vor sich selbst zugeben möchte. Cronenbergs Figuren sind egozentrisch, ohne Empathie. Sie kreisen um sich selbst, zusammengehalten nur von der gemeinsamen Suche nach Befriedigung und etwas, was ihre leere Existenz füllt. Beim Ehepaar Ballard ist es zunächst der Sex. Tagsüber suchen sie sich ihre Abenteuer. Sie lässt sich in einem Flugzeughangar von einem Mechaniker oral verwöhnen, doch ihr Interesse gilt nicht dem Mann hinter ihr, sondern der kalten, glatten Oberfläche des Flugzeugs vor ihr. Er fällt förmlich über eine Mitarbeiterin her, tierisch, ohne Freude, ganz dem schnellen eigenen Höhepunkt entgegen strebend – der ihm dann doch verwehrt wird. Am Abend versuchen sich die Ballards dann mit ihren Erlebnissen gegenseitig heiß zu machen, was auch nur bedingt funktioniert. Echte Leidenschaft füreinander? Fehlanzeige. Eher hat man das Gefühl, dass man sich gerne übertrumpfen möchte und sich seine Geschichten mehr für sich selber und zur Bestätigung der eigenen Libido erzählt.

Dieser eklatante Mangel an Empathie stößt zunächst einmal von den Figuren ab, die sich in einem ganz eigenen Kosmos zu bewegen scheinen. Als James einen tödlichen Unfall verursacht und eine Leiche durch seine Windschutzscheibe kracht, verspürt er weder Schrecken, Angst oder Ekel, sondern nur ein erstauntes Interesse an dem Toten. Vielmehr erregt ihn die entblößte Brust der Fahrerin im verunglückten Wagen. Dass er fahrlässig einen Menschen umgebracht hat, scheint ihn nicht weiter zu beschäftigen. Und wenn, ist es für ihn eher Kollateralschaden auf dem Weg zu einer neuen, sexuellen Erfahrung. Der Chance seine im Grunde langweilige Existenz mit einem erregenden Gefühl zu füllen. Vielleicht wirklich einmal so etwas wie Ekstase zu empfinden. Verstörenderweise scheint es allen Figuren um Ballard herum so zu gehen. Sogar für die Witwe von Ballards Opfer scheint der tote Ehemann nicht viel mehr zu sein als ein Spielzeug, welches jetzt kaputt gegangen ist, aber schnell gegen ein neues ersetzt werden kann. Und tatsächlich sieht man sie bald schon beim Sex mit dem “Mörder“ ihres Mannes. Diese im Grunde irrationale und „falsche“ Verhaltensweise verstört und entfremdet ebenso, wie die „Shows“ um Vaughan herum, in denen tödliche Autounfälle als Amüsement und zur Erregung des Publikums nachgestellt werden. Und eine fast schon surreale Szene, in der die Protagonisten in einer unwirklichen Unfallszenerie herumwandern, neugierig die Opfer bestaunen, sich in erotischen Posen vor den blutverschmierten Autos fotografieren oder sich fasziniert unter die Schwerverletzten mischen.

Man kann mit den Figuren in „Crash“ im wahrsten Sinne des Wortes nicht „warm werden“. Sie bleiben kalt, fremd, ja auch ein wenig unheimlich (denn wer möchte im wahren Leben schon solchen emotionalen verkrüppelten, ich-fixierten Menschen begegnen) und abstoßend. Aber Cronenberg lässt uns in ihre Welt schauen ohne zu werten. Man blickt hinein, wundert sich, ist durchaus fasziniert, versucht hinter den Sinn des Ganzen zu kommen, muss sich sein eigene Gedanken zum Gesehenen machen. Cronenberg nimmt einen nicht väterlich an die Hand und führt einen herum. Er stößt einen hinein in diese seltsam-verwirrende Welt und lässt einen dort allein mit seinen Gefühlen zurück. Dies macht die Stärke von „Crash“ aus. Es ist kein bequemer Film. Keiner in dem man sich wohl fühlt. Das Verhalten der Figuren beunruhigt einen, macht einen vielleicht auch wütend. Aber es lässt einen nicht gleichgültig. Es trifft einen im Inneren, macht etwas mit einem.

Tatsächlich Leidenschaft findet man selten in „Crash“. Wenn die Figuren miteinander Sex haben, geschieht dies meist auf eine seltsam distanzierte Weise. Kaum blicken sie sich dabei ins Gesicht. Meisten wird der Beischlaf von hinten vollzogen, voneinander abgewandt. Befindet sich die Gesichter dann doch einmal zugewandt, verschließt man die Augen, um sich wieder ganz auf sich selbst zurückzuwerfen. Es scheint auch immer um Kontrolle zu gehen. Man kontrolliert seine Lust, seinen Höhepunkt. Der andere ist Mittel zum Zweck. Einzig in der Sexszene zwischen James und Vaughan scheint es so etwas wie ein Interesse an dem Anderen, an dessen Körper zu geben. Ja, wenn schon nicht Liebe (zu so etwas sind die Menschen in „Crash“ gar nicht mehr fähig), dann doch zumindest Interesse und Neugier. Auch bei Vaughan geht es um Kontrolle. Um kontrollierten Kontrollverlust. Vaughan schafft ein Umfeld, welches er kontrolliert, aber welches zu einer Situation führt, deren Ausgang er nicht kennt. Das verschafft ihm seinen Kick. Sei es nun beim Nachstellen von Verkehrsunfällen, wenn er mit seinem im Laufe des Filmes immer mehr zerbeulten Wagen Jagd auf andere macht oder eben beim Sex die aktive Rolle an James abgibt. Bei allem was er tut steht nur ein Mensch im Mittelpunkt: Vaughan. Alle anderen dienen nur dazu, ihm seine ihm eigene Befriedigung zu verschaffen.

„Crash“ ist ein bedrückender Kommentar auf die Entfremdung der Menschen, den Verlust des Mitgefühls, die konsequent selbst vorangetriebene Vereinsamung. Den Rückzug in einen Raum, der einen noch mehr von seinen Mitmenschen trennt: Das Auto, welches als Exoskelett der Egomanen wird. Zur mächtigen Verlängerung des eigenen Körpers. Ein typisches Thema bei Cronenberg. Die Technik, die den menschlichen Körper verändert, mit ihm verschmilzt. Hier treibt der Mensch diese Veränderung selbst voran. In fatalen Unfällen wird der Körper durch das Auto deformiert, verändert, mechanischer gemacht. Gut sehen an der Figur der Gabrielle, welche sich nur noch mit Krücken fortbewegen kann, deren Gelenke von künstlichen Schrauben gehalten, deren Körper durch ein Korsett in Form geschnürt wird – und an deren Oberschenkel sich vaginaartige Narbenwucherungen gebildet haben. Oder an James selber, dessen Beine nach dem Unfall von unzähligen Schrauben gehalten werden. Das Verschmelzen mit den Fahrzeugen, das auf sich selbst zurückgeworfene Selbst im Inneren der Maschine, der „Crash“ mit anderen und der Tod als ultimativer Orgasmus, weil man zum liebevolle Verschmelzen mit einem geliebten Anderen gar nicht mehr in der Lage ist, sondern in einer lieblosen und (Selbst)optimierungsfixierten Welt selber schon Maschine geworden. Davon erzählt „Crash“ und es ist keine optimistische, sondern eine zutiefst bedrückende Geschichte.

Cronenberg gelingt all dies in wundervoll ambivalenten Bildern einzufangen, die seinen Stammkameramann Peter Suschitzky ebenso wunderschön, wie erschreckend abstoßend gestaltete. Wunden, Blut und Verstümmelungen werden als ästhetische Alternativen zum klassischen Schönen gezeigt. Die Schauspieler leisten Unfassbares und zeigen einen großen Mut. Nicht nur in Bezug auf die Nacktheit des Körpers, sondern auch der Seele. Insbesondere die wunderschöne, immer etwas geheimnisvoll und undurchsichtig wirkende Deborah Kara Unger muss hier hervorgehoben werden. Gerade in der Szene, in der ein zunächst harmloses Liebesspiel mit Vaughan auf dem Rücksitz zu einer brutalen Vergewaltigung entwickelt, die von ihrem Ehemann mit einer Mischung aus Neugier und Erregung beobachte wird. Wie sie die tiefe Verletzung ihrer Seele und ihres Körpers zeigt ist beeindruckend. Aber auch Spader, der mit seinem Yuppie-Image spielt, eigentlich zu jugendlich und beinah kindlich wirkt, aber eben auch die perfekte Verkörperung der seelenlosen, ich-bezogenen 90er ist, die auch Monstren wie Brett Easton Ellis‘ Patrick Bateman erschaffen konnten. Wie überhaupt „Crash“ eine große Nähe zu „American Psycho“ besitzt, der ähnlichen Themen bearbeitete. Ebenfalls fantastisch: Holly Hunter. Und interessant: In einer Szene nimmt sie während eines gemeinsamen „Videoabend“ sexuelle Handlungen an James und der von Rosanna Arquette ebenfalls großartig gespielten Gabrielle vor, während sie sich von Bildern von Autocrash stimulieren lässt. Eine ähnliche Szene gibt es in Jörg Buttgereits „Nekromantik 2“ und irgendwie reizt es einen auch, gerade diese beiden Filmen, in denen es um spezielle Fetische und aber auch die Vereinsamung geht, miteinander in Verbindung zu setzen. Und was wäre „Crash“ ohne die packende und ebenso simple, wie hochkomplexe Musik Howard Shores, die in jede gute Soundtrack-Sammlung gehört? „Crash“ ist ein allen Bereichen ein unbequemes Meisterwerk, auf das es lohnt, sich einzulassen.

Das Mediabook von Turbine wird dem absolut gerecht. Endlich kann man „Crash“ in jener Brillanz sehen, die der Film verdient. Das Bild der Blu-ray ist kristallklar, ohne artifiziell zu wirken. Der Ton ohne Beanstandungen und gerade Shores kongenialer Soundtrack bekommt den Raum, den er benötigt. Das Mediabook erschien in zwei Cover-Varianten. Das oben abgebildete, über welches ich mal den Mantel des Schweigens ausbreitete und das alte Kinoplakat mit Spader und Hunter im Auto. Die Extras sind ausgesprochen interessant. Herzstück ist ein fast einstündiges Gespräch zwischen Cronenberg, seinem späteren Stammschauspieler Viggo Mortensen und einem Mitarbeiter des tiff auf dem Toronto International Filmfestival. Mortensen durfte sich zwei Film aus dem tiff-Archiv aussuchen und wählte (neben Dreyers „Passion der Jeanne D’Darc“) eben „Crash“. Er leitete kompetent in den Film ein und holt später Überraschungs-Gast Cronenberg auf die Bühne, um mit ihm vor allem über „Crash“ zu sprechen. Das ist alles sehr sympathisch, unterhaltsam und vor allem informativ. Weiter geht es mit jeweils um die 25-Minuten langen, aktuellen Interviews mit Kameramann Peter Suschitzky, Produzent Jeremy Thomas, Komponist Howard Shore und Casting-Director Deirdre Bowen, die allesamt auch sehr detailliert und interessant über „Crash“ sprechen und dabei allesamt sehr sympathisch erscheinen. Da macht es großen Spaß zuzuhören. Älter sind 11 Minuten mit Aufnahmen von den Dreharbeiten und kurze Promo-Interviews, die zum Kinostart mit Cronenberg, Autor Ballard, James Spader, Holly Hunter, Deborah Kara Unger und Elias Koteas geführt wurden. Wunderbarerweise wurden noch drei neuere Kurzfilme von Cronenberg mit auf die Scheibe gepackt: The Nest (2013), Camera (2000) und At the Suicide of the Last Jew in the World in the Last Cinema in the World (2007). Letzteren konnte man schon mal bei Arthaus in der Kurzfilm-Sammlung „Chacun son cinéma – Jedem sein Kino“ sehen, „Camera“ war Teil des „Videodrome“-Mediabooks von Koch und „The Nest“ war bisher nur auf YouTube zu sehen. Hervorheben möchte ich noch das sehr ausführliche und informative 40-seitige Booklet (mehr Book, als -let) von Stefan Jung und Christoph N. Kellerbach.

Das Bloggen der Anderen (22-06-20)

Von , 22. Juni 2020 18:43

– In der vergangenen Woche verstarb Sir Ian Holm. Der Kinogänger würdigt den britischen Schauspieler mit einem ausführlichen Nachruf.

– Tötet das Digitale den Kinosaal? DOK.fest-München-Leiter Daniel Sponsel hat auf critic.de eine interessante Antwort darauf. Er meint, nein. Aber es müsse ein nebeneinander und kein Gegeneinander geben. Lesenswert!  Ebenfalls auf critic.de findet sich Nicolai Bühnemanns Besprechung des „Rabid“-Remakes von den Soska Sisters. Und der erste Text, in dem ich etwas Gutes darüber lese. Lohnt sich doch ein Blick?

– Auf Daumenkino schreibt Sarah Schild über zwei Filme, die scheinbar auf der Berlinale liefen. Beide klingen sehr spannend und die Texte haben mir auch gut gefallen. Obwohl ich bei „Demons“ (aus Singapur) zunächst tatsächlich verwundert dachte, hier würde auf Daumenkino tatsächlich der Lamberto-Bava-Film besprochen. Der zweite Film ist der deutsche Film „O Beautiful Night“ von Xaver Böhm.

– Bluntwof bespricht auf Nischenkino einen meiner liebsten Gialli: Lucio Fulcis „A Lizard in a Woman’s Skin“. Und Sebastian bricht eine Lanze für “Vampire’s Kiss” mit einem jungen Nicolas Cage.

– Noch einmal Nicolas Cage. Diesmal der Ältere. Filmlichtung über „Color Out of Space”.

– Gerade vorgestern habe ich Sidney Lumets „Network“ das erste Mal gesehen und mir vorgenommen, endlich auch mal die hier schon lange, lange herumstehende DVD von „Tödliche Entscheidung“ einzulegen – da wird genau dieser Film von Tonio Klein auf Die Nacht der lebenden Texte besprochen.

„When Worlds Collide“ ist durch die entsprechende Textstelle in ersten Song der „Rocky Horror Picture Show“ unsterblich geworden. Filmklassiker aus Hollywood stellt den dazugehörigen Film vor.

“Under the Silver Lake” von David Robert Mitchell konnte Oliver Nöding von Remember It For Later nicht überzeugen.

– Auch gerade vor zwei Wochen quasi als Auftakt einer geplanten privaten „Liam-Neeson-als-Actionstar“-Retro beide geschaut: „Taken 2“ und „Taken 3“. Funxton fand beide Film nicht so dolle. Ich wäre da etwas gnädiger, aber Olivier Megatons Regie ist wirklich nicht das Gelbe vom Ei. Na ja…

– Alte Männer im Rache-Modus. Den Vater aller „Rotseher“ hat sich Schlombies Filmbesprechungen vorgenommen,. „Death Wish 4: The Crackdown“ und „Death Wish 5: The Face of Death“ standen hier auf dem Programm.

– Gerade in den USA geordert: „Maniac“. Und wenn ich Splattertrashs Review lese, freue ich mich ganz besonders auf die Scheibe.

DVD-Rezension: „After Midnight“

Von , 19. Juni 2020 16:57

Nachdem Hank von (Jeremy Gardner) seiner langjährigen Freundin Abby (Brea Grant) verlassen wurde, sucht ihn jeden Abend kurz nach Mitternacht ein Monster heim, welches in den Wäldern um sein abgelegenes Haus herum lebt und versucht in Hanks Heim einzudringen. Natürlich will niemand Hank seine Geschichte glauben, doch Hank hält unerschütterlich daran fest, dass dieses Monster existiert, und das nächtliche Geschehen nicht auf seinen derangierten Zustand nach Abbys Verschwinden zurückzuführen ist…

Horrorfilm? Oder doch Beziehungsdrama? Beides? Ja und doch wieder nicht. Co-Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Jeremy Gardner gelingt das Kunststück in „After Midnight“ beides unter einen Hut zu bekommen, ohne dass das eine das andere schwächen würde. Der Monster-Horror ist handfest und gruselig, das langsame Auseinanderleben und die kleinen Dinge, die eine Beziehung über die Jahre scheitern lassen aber auch. Dass das Ding, welches dort draußen immer kurz nach Mitternacht versucht ins Haus zu kommen eine Metapher auf die Angst Hanks ist, sein bisheriges, recht bequemes Leben aufgeben zu müssen und die Furcht vor dem Ende seiner Beziehung zu Abby ist, wird nicht neunmalklug mit dem Finger gezeigt. Das Vieh ist da und macht Angst. Vor allem, da die beiden Regisseure Jeremy Gardner und Christian Stella die „Weiße-Hai“-Lektion gelernt hat und erst einmal nicht zeigt, was da des nächstens Hanks Tür zerkratzt. Gerade in diesen Monsterszenen zeigt sich ihr Geschick eine ungemein packende und herzschlagerhöhende Stimmung zu schaffen.

Doch auch im anderen Erzählstrang wissen Gardner/Stella genau, wie er sie Spannung aufrecht erhält und durch eine raffinierte Rückblendenstruktur zu intensivieren. Wobei es sicherlich hilfreich ist, selber schon mal in einer solchen langjährigen Beziehung gesteckt zu haben, in der man sich bequem eingerichtet hat und den anderen mehr und mehr aus den Augen verloren hat. Hank hat dies zu Beginn des Filmes sogar wortwörtlich, denn seine geliebte Abby ist weg. Scheinbar weiß er nicht wohin sie verschwunden ist. Alles was ihm bleibt ist eine Notiz auf dem Kühlschrank und ihre Mailbox. Auch dem Zuschauer ist nicht klar, was hier vorgeht. Eine erste Rückblende auf das erste Treffen vor 10 Jahren, zufällig an Abbys Geburtstag, könnte einen Hinweis geben. Ob er sie in sein „Texas Chainsaw Massacre“-Haus gelockt habe möchte sie wissen und ob er das mit seinen Ex-Freundinnen auch getan hätte. Die sind noch alle hier grinst er. Und ein Mix-Tape für eine Verflossene lässt Hank ein wenig nervös werden. Wurde die verschwundene Abby als vielleicht Opfer eines Verbrechens? Der derangierte Hank der Gegenwart, welcher in der Nacht angeblich gegen Monster kämpft macht zumindest einen suspekten Eindruck.

Doch weitere Rückblenden zeigen ein verliebtes, ausgelassenes, glückliches Paar. Immer wieder kehren Hanks Gedanken an diese Zeit zurück. Immer wieder erinnert er sich an einen weiteren Geburtstag seiner Abby. Und dem aufmerksamen Zuschauer entgehen die kleinen Hinweise nicht, die Gardner und Stella streuen. Die heile Welt bekommt Risse. Ohne, dass Hank es bemerkt. Während einer weiteren Geburtstagsfeier fragt eine schwangere Freundin, wann Hank und Abby denn endlich heiraten und Kinder bekommen würde, was Hank mit einer lustig gemeinten Bemerkung wegwischt. Subtil fängt die Kamera dabei das Gesicht der krampfhaft lächelnden Abby ein und man spürt, dass genau in diesem Augenblick etwas in ihr zerbricht. So sezieren Gardner und Stella Stück für Stück mit viel Fingerspitzengefühl das schleichende Ende einer Liebe. Kontrapunktiert wird dies in der tristen Gegenwart mit Hanks Jagd nach dem Monster, von dem man nicht weiß ob es wirklich existiert oder doch nur ein Hirngespinst ist. Verdrängte Schuld, weil Hank weiß, dass er ein gutes Stück weit schuld am Tod der Beziehung ist? Gerade diese Ambivalenz macht „After Midnight“ spannend. In wie weit zahlt die Beziehungsgeschichte auf die Horrorstory ein? Wie ist beides verbunden? Ist es überhaupt miteinander verbunden? Was zum Teufel geht hier vor?

Am Ende muss sich Hank stellen. Seiner Abby, seiner eigenen Bequemlichkeit, seinem Leben. Denn Abby hat einst alles für ihn aufgeben. Ist in eine Kleinstadt in der Provinz gezogen, in der sie nie leben wollte. Hat ihre Träume aufgeben. Kultur, Freunde, die große Stadt. Alles für ihre große Liebe Hank. Und was hat er getan? Ist auch er bereit Kompromisse einzugehen? Sich aus seiner Komfortzone zu bewegen, um Abby Luft zum Atmen zu geben? Sich aus der Sicherheit der langweiligen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt hinaus in die Welt bewegen. Oder hält ihn ein inneres Monster zurück? Die Antwort gibt ein Film, der sich Zeit nimmt, seine Schauwerte nicht ausstellen muss, sondern gerade dadurch, dass er sie mehr andeutet als zeigt seine Kraft gewinnt. Hierin ist er den Werken des tollen Gespanns Justin Benson und Allen Moorhead nicht unähnlich, die kürzlich u.a. mit „The Endless“ begeistern konnten und die – Überraschung – hier als Produzenten agieren, wobei Benson sogar auch eine größere Nebenrolle innehat. Selbst die Tagline, die Meteor dem Film in Deutschland verpasst hat „Liebe ist ein Monster“ ist direkt vom „deutschen“ Untertitel von Benson/Moorheads „Spring“ geklaut: „Love is a Monster. Wobei das natürlich Quatsch ist. Nicht die Liebe ist hier das Monster, sondern die Furcht vor dem Verlust derselben und die davor für die Liebe Kompromisse eingehen zu müssen.

Leider stand mir zur Rezension lediglich die Standard-DVD zur Verfügung. Diese kommt „bare bones“ ohne jegliche Extras daher. Zudem mag es vielleicht meinen Blu-ray-verwöhnten Augen zuzuschreiben sein, aber die Bildqualität der DVD konnte mich nicht 100% überzeugen und wirkt ganz leicht pixelig und verschwommen. Der Ton ist absolut in Ordnung, die deutsche Synchro okay. Wobei ich die Originalstimmen der Schauspieler weitaus stimmiger fand.

Das Bloggen der Anderen (15-06-20)

Von , 15. Juni 2020 18:39

– Die Nippon Connection fand dieses Jahr online statt. Eigentlich DIE Gelegenheit für mich, einmal daran teilzunehmen. Aber wie das immer so ist: Ist es zu leicht, macht man es nicht. Irgendwie hatte ich auch keine Lust Kinofilme auf dem kleinen Laptop zu gucken. Zeit auch nicht wirklich. So bleibt mir nur, bei Schneeland nachzulesen was ich verpasst habe. Und das war u.a. ein Film des kürzlich verstorbenen Nobuhiko Ôbayashi, dessen „Labyrinth of Cinema“ sicherlich ein must-see gewesen wäre. Von Ôbayashi zeigen wir übrigens innerhalb unserer Bremer Kinoreihe Weird Xperience am 12. Juli seinen bekanntesten Film: „Hausu“. Weitere Filme, die Michael Schleeh bespricht: „The Journalist“ von Michito Fujii und „A Life Turned Upside Down: My Dad’s an Alcoholic“ von Kenji Katagiri.

– Merkwürdigerweise ergab es sich, dass ich vor einigen Monaten Lucio Fulcis „New York Ripper“ gleich zweimal und das kurz hintereinander auf der großen Leinwand und auf 35mm „genießen“ durfte. Warum das „genießen“ in Anführungszeichen steht versteht man vielleicht, wenn man die Besprechung auf Schattenlichter gelesen hat.

– André Malberg versinkt weiter in der großen, wunderbaren Welt des Jess Franco und hat sich auf Eskalierende Träume diesmal „Los ojos del doctor Orloff“ vorgenommen.

– Noch immer bei mir auf dem hohen „pile of shame“, aber bestimmt demnächst nachgeholt: Roger Fritz‘ „Mädchen, Mädchen“, welcher bei funxton große Begeisterung ausgelöst hat.

– Oliver Nöding empfiehlt auf Remember It For Later Stefano Solimas “Suburra” und erinnert noch einmal an John Woos letzte Hollywood-Regiearbeit „Paycheck“, die ich damals sogar im Kino gesehen habe und ähnlich enttäuschend fand.

– Christian Genzel arbeitet sich auf seinem Blog Wilsons Dachboden an „Fast & Furious – Hobbs & Shaw“ ab und überlässt den von Joe D’Amato produzierten Italo-Endzeit-Film „Interzone“ seinem Gastautor Don Arrigone.

– „Midsommar“ ist in meinen Augen ein ganz großartiger Film. Schön, dass Heiko von Allesglotzer das genauso sieht.

– Sebastian bespricht für Nischenkino Robert Aldrichs grandiose Mickey-Spillane-Verfilmung „Rattennest“ und Bluntwolf hat sich Umberto Lenzis „So Sweet, So Perverse“ angeschaut.

– Ein Film, den ich auch schon lange nachholen möchte: „Night Tide“, das Spielfilmdebüt des ehemaligen Experimentalfilmers Curtis Harrington mit dem jungen Dennis Hopper. Mehr darüber von Rouven Linnarz auf film-rezenionen.de Ferner gibt es ein Interview mit Adam Randall, dem Regisseur von „I See you“.

Filmklassiker aus Hollywood stellt den „vergessenen Film“ und All-Star-Vehikel „Wenn ich eine Million hätte“ von 1932 vor.

Schlombies Filmbesprechungen machen mit dem dritten „Death Wish“ weiter und erinnern an die SF-TV-Serie „Lexx – The Dark Zone“ an der u.a. Robert Siegl beteiligt war. Diesmal Folge 3 und 4.

Filmbuch-Rezension: „Stories From The Trenches: Adventures In Making High Octane Hollywood Movies With Cannon Veteran Sam Firstenberg“

Von , 9. Juni 2020 17:11

Wow! Das ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf geht, wenn man Marco Siedelmanns englischsprachige Buch “Stories From The Trenches: Adventures In Making High Octane Hollywood Movies With Cannon Veteran Sam Firstenberg” in der Hand hält. Oder zumindest versucht es in der Hand zu halten, denn was man dort hat, ist ein wahrer Wackerstein. Mit den Abmessungen 20,5 x 4,1 x 29,2 cm und einem statten Gewicht von um die 2 kg hat man das Gefühl das Telefonbuch einer Millionenstadt vor sich zu haben. Auf den ersten Blick erinnert es aber auch an solche wunderbaren Wälzer wie Stephen Throwers legendäres “American Nightmare” oder Michael Wealdons “The Psychotronic Video Guide”, und wie jene lädt es zu stunden- ja tagelangem Stöbern ein.

Was dabei verwundert: “Stories From The Trenches” handelt nicht von einem Genre oder einem Zeitabschnitt in der Filmgeschichte, sondern von nur einem Mann – und dieser ist wahrscheinlich nur einer Handvoll Actionfilm- und 80s-Affikados ein Begriff: Sam Firstenberg. Firstenberg ist eine weitaus interessantere Gestalt, als man als Außenstehender vielleicht zunächst denken könnte. Geboren als Shmulik Firstenberg in Polen, dann mit der Familie nach Israel ausgewandert, um 1972 in die USA auszuwandern, um Film an der Loyola Marymount University in Los Angeles zu studieren. Dann Mitte der 70er Jahren nach Israel zurückkehrte, um in der lokalen Filmindustrie Fuß zu fassen und als Regieassistent und 2nd-Unit-Director zu arbeiten (etwas, was sein Wikipedia-Eintrag seltsamerweise unterschlägt). Dann ging es 1983 wieder in die USA, wo er bei Cannon zu einem deren wichtigsten Regisseuren aufstieg.

Was das Buch so reizvoll macht, ist seine spannende und höchst unterhaltsame Mischung aus ungeheurer Faktenfülle und Geschichten von den Dreharbeiten. Besonders informativ ist der erste Teil dieses Mammut-Werkes, welcher auf Firstenbergs Anfänge in Israel eingeht. Bis auf die Kishon-Filme (an denen Firstenberg natürlich auch mal beteiligt war), kannte ich absolut nichts von dem, was in Israel in den 70ern gedreht wurde, geschweige denn hatte ich eine Ahnung von der lokalen Filmindustrie. Dies hat sich Dank „Stories From The Trenches“ geändert. Wie in vielen kleineren Ländern ist auch hier das Filmgeschäft fast schon eine familiäre Angelegenheit bei der sich jeder irgendwie kennt. Dementsprechend war Firstenberg überall mit dabei. Auch beim Dreh von William Friedkins „Sorcerer“, dessen Anfang ja teilweise in Tel Aviv spielt. Firstenbergs Anekdoten decken sich ganz gut mit den Geschichten aus Peter Biskinds „Easy Riders, Raging Bulls“ und geben eine gute Idee vom Größenwahnsinn des späten „New Hollywood“.

Dann geht es in die USA, wo Firstenberg 1983 seinen ersten Spielfilm als Regisseur dreht. Ausgerechnet von dem späteren Action-Spezialist kommt das gefühlvolles Drama „One More Chance“ mit John LaMotta alias „Mister Ochmonek“ aus „Alf“ und einer blutjungen Kirstie Alley in den Hauptrollen. Und dann: Cannon. Die legendäre Filmschmiede der beiden israelischen Produzenten Yoram Globus und Menahem Golan in der Firstenberg zu einem der vielbeschäftigsten Regisseure aufsteigt und Kult-B-Filme wie „American Fighter“, „Die Herrschaft der Ninja“ oder „Breakin‘ 2 – Electric Boogaloo“ dreht. Und Aufstieg und Fall des Filmstudios hautnah miterlebt. Danach erlebte er in den 90ern die Anfänge von Nu Image, die den Cannon-Geist bis heute fortsetzten.

Marco Siedelmann hat ein wunderbar detailliertes und mit unfassbarer Fleißarbeit veredeltes Buch verfasst, in dem man sich völlig verlieren kann. Man hat das Gefühl, Siedelmann hätte wirklich jeden Mitarbeiter Firstenbergs aufgestöbert und interviewt. Vom Regieassistenten zum Stuntman. Von den Darstellern bis zum Editor. Alle standen dem Autoren für lange, persönliche und immer spannende Interviews zur Verfügung. Ebenfalls umwerfend: Die unzähligen Fotos. Oftmals sind es private Aufnahmen von den Dreharbeiten, die man so sonst nie zu Gesicht bekommen hätte. Auch interessant: Die vielen zeitgenössischen Kritiken, die Siedelmann akribisch zusammengetragen hat – und welche die Canon-Film gerne mal im Grund und Boden verreißen – aber gleichzeitig mit dem nötigen zeitlichen Abstand auch eine guten Idee davon geben, warum die Filme beim Publikum trotzdem gemocht werden und heute noch ihre Liebhaber haben.

Die Seele des Buches sind die Erinnerungen Firstenbergs, die hier „Anecdotes from the Trenches“ heißen und jeden seiner Filme abrunden. Offenbar hatte ich Firstenberg selber mit dem Gedanken getragen ein Buch zu schreiben und schon einiges aufgeschrieben, bevor Siedelmann ihn kontaktierte. So ist „Anecdotes from the Trenches“ ebenso seine Autobiographie, wie ein Buch über ihn. Um den Kreis zu schließen und wieder an den Anfang dieser Besprechung zurückzukehren. Ein durchweg empfehlenswertes Buch, nicht nur (aber ganz besonders) für Cannon-Fans, welches einem erst einmal nur ein Wort in den Sinn kommen lässt: Wow.

Marco Siedelmann „Stories From The Trenches: Adventures In Making High Octane Hollywood Movies With Cannon Veteran Sam Firstenberg“, Editions Moustache , 755 Seiten, € 37,44

Das Bloggen der Anderen (08-06-20)

Von , 8. Juni 2020 18:38

– Ein sehr interessanter Artikel auf critic.de über die Online-Ausgabe des DOK.fest München. Für Festivalleiter Daniel Sponsel heißt es nach den überraschend hohen Online-Besucherzahlen „Die Zukunft des Kinos passiert jetzt!“, doch der Kulturarbeiter Alejandro Bachmann und die Diagonale-Leiter Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber melden Zweifel an. Außerdem: Martin Gobbin schreibt über Quentin Dupieux‘ „Die Wache“.

– André Malberg schreibt auf Eskalierende Träume noch einmal über Jess Franco und entdeckt im vielgeschmähten „Marquis de Sade’s Justine“ bisher unbekannte Qualitäten.

– Heiko von Allesglotzer war im Kino so überhaupt nicht von Rob Zombies „Devil’s Rejects“ begeistert. Ein Wiedersehen nach mehr als 10 Jahren war dann aber doch überraschend.

– Passend dazu, hat sich Oliver Nöding das Sequel zum Sequel „3 From Texas“ angesehen. Das Urteil auf Remember It For Later fällt zwar nicht besonders vernichtend aus, aber die Einschätzung von Rob Zombies „Sich-Einrichten im Mittelmaß“ ist schon ernüchternd. Interessanterweise trifft Olivers Analogie „man kennt das aus der Popmusik, wenn eine beim ersten Mal noch geniale und originelle Idee in der fünften Wiederholung so gnadenlos nervt, dass davon rückblickend auch das Original beeinträchtigt wird“ auch 1:1 auf den Musiker Rob Zombie zu, der mit „Hellbilly Deluxe“ einen echten Kracher abgeliefert hat, mit „Educated Horses“ dann eine interessante Weiterentwicklung andeutete, um heute nur noch Wiederholungen des Erstlings (wobei einer sogar sehr ehrlich „Hellbilly Deluxe 2“ heißt) auf den Markt zu werfen. Kaufe ich zwar immer noch.. aber eigentlich auch nur aus alter Verbundenheit. Um dann enttäuscht zu sein, wieder denselben Aufguss vorgesetzt zu bekommen.

– Beides im Kino auf 35mm gesehen und jedes Mal viel Spaß gehabt: Bruno Matteis „The Riffs 3“ und Joe D’Amatos „Endgame“. Bluntwolf erging es da auf Nischenkino ganz ähnlich.

„Stadt der Toten“ aka „Horror Hotel“ ist noch ein weißer Flecken für mich. Nach Schattenlichters Besprechung könnte sich das ändern. Dafür habe ich aber den tollen „Im Augenblick der Angst“ tatsächlich so gesehen, wie man ihn sehen muss: Im Kino, von 35mm. Ein tolles Erlebnis. Und eine schöne Besprechung.

Don Siegels „Die schwarze Windmühle“ habe ich als Heranwachsender mal im TV gesehen und meine einzige Erinnerung ist, dass ich den sehr verwirrend und ein wenig unheimlich fand. Darum habe ich mich über die Gedächtnis-Auffrischung durch Toni Kleins Review auf Die Nacht der lebenden Texte gefreut.

– Schlombie sieht auf Schlombies Filmbesprechungen nicht rot, wenn er über Michael Winners Bronson-Film „Death Wish“ und dessen Fortsetzung schreibt.

Filmklassiker aus Hollywood hat sich Douglas Sirks Meisterwerk (und „Angst essen Seele auf“-Vorbild) „All That Heaven Allows“ vorgenommen und findet ihn nicht besonders meisterlich, auch wenn Sirks Genie durchaus gewürdigt wird.

Kurz-Rezi: „Der Mann aus Laramie“

Von , 3. Juni 2020 18:17

Hier quasi ein „Outtake“ der nächsten Ausgabe der „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ (jetzt hier vorbestellbar). Da mich nicht daran erinnern konnte, die hier herumliegende Blu-ray von „Der Mann aus Laramie“ gekauft zu haben, dachte ich es wäre Rezi-Material. Was zu einiger Verwirrung führte, als mein Rezi-Artikel bei unserem Chef-Redakteur eintrudelte. Da ich mir jetzt aber schon die Arbeit gemacht hatte, will ich die Kurz-Rezi nicht gänzlich untergehen lassen und veröffentliche sie nun hier.

Will Lockhart gerät in Coronado mit dem sadistischen Dave Waggoman, Sohn des mächtigen Besitzers der Barb-Ranch, aneinander. Nur das Eingreifen des Vormannes der Barb-Ranch, Vic, verhindert Schlimmeres. Obwohl jeder in Coronado Will auffordert, die Stadt zu verlassen, bleibt er. Denn tatsächlich sucht er nach dem Mann, der verantwortlich ist für den Tod seines jüngeren Bruders.

Die fünf Western, die Anthony Mann zwischen 1950 und 1955 mit seinem Star James Stewart drehte, gehören zum Besten, was das Western-Genre zu bieten hat. Dieser ist der letzte in dieser Reihe und möglicherweise nicht der Stärkste. Doch nur, weil die anderen Klassiker die Latte so hoch gelegt haben. „Der Mann aus Laramie“ ist trotzdem ein überdurchschnittlich guter Western, bei dem die Nebenfiguren vielleicht interessanter sind, als der Held der Geschichte. Denn da Will Lockhart keine echte Geschichte hat und seine Rachefeldzug unpersönlich bleibt (man erfährt nichts über einen Bruder, außer dass er jünger war und bei der Kavallerie), bekommt man auch keine echte Bindung zu ihm. Lockhart bleibt der Katalysator, welcher die Tragödie ins Rollen bringt. Der Film gehört eher Arthur Kennedy, der dem unglücklichen Vic als vom Schicksal getriebenen, das Richtige wollend, das Falsche tuender Charakter Tiefe und Sympathie verleiht. Auch Donald Crisp als tragischer Patriarch und Alex Nicol als hitzköpfiger Schwächling bleiben in Erinnerung.

Die Blu-ray besitzt ein gutes, aber kein hervorragendes Bild, welches Schärfeprobleme beim Rollenwechsel hat. Der Ton überzeugt besonders auf der englischen Tonspur. Als Extras gibt es einen wunderbar reißerischen deutschen Trailer und sein amerikanisches Pendant, sowie kürzere Spots. (MKO)

Koch Media / Blu-ray / USA 1952 / 103 min. / FSK 16 Regie: Anthony Mann Darsteller: James Stewart, Arthur Kennedy, Donald Crisp Bild: 2,35:1 (Farbe) Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch DTS-HD Master Audio 2.0 Mono Untertitel: Deutsch, Englisch Extras: Trailer, TV-Spots, Bildgallerie

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