Blu-ray Rezension: „Uninvited“

Von , 19. Oktober 2019 11:55

Aus einem geheimen Laboratorium entkommt eine Katze, die ein tödliches Geheimnis in sich birgt. Sie wird von der jungen Suzanne (Shari Shattuck) gefunden, die mit ihrer Freundin Bobbie (Clare Carey) und eine Gruppe partyfreudiger junger Männer auf der Jacht des zwielichtigen Geschäftsmanns Walter Graham (Alex Cord) eine Kreuzfahrt unternehmen will. Was sie sie nicht wissen, Graham und seine Helfershelfer Mike Harvey (George Kennedy) und Albert (Clu Gulager) sind skrupellose Kriminelle auf der Flucht vor der Steuerbehörde, welche sie nur als Tarnung nutzen wollen. Als es zu Spannungen an Bord kommt, zeigt auch die Katze ihre wahres Gesicht und bald sind schon ihre ersten Opfer zu beklagen…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Nein, ein guter Film ist Greydon Clarks „Uninvited“ nicht. Eher einer von der Sorte, bei dem man sich fragt: Was haben sich alle daran Beteiligten nur gedacht? Als ernstzunehmender Horrorfilm funktioniert „Univited“ genau Null. Zu haarsträubend die Geschichte, zu unfassbar die – um es mal positiv auszudrücken – „eigenwilligen“ Effekte. Allein die Prämisse, dass ein kaltblütig morden lassender Finanzjongleur zwei junge Damen und deren männlichen Anhang mit auf sein Schiff nimmt, damit dies unauffälliger wirkt und nicht von den Behörden durchsucht wird, ist schon recht na ja. Dass eine der in einem Hauch von Nichts (bzw. einem Kleid, welches aussieht, als wäre es einer Riesenkatze in die Klauen gekommen) bekleideten Damen dann noch kurz vor dem Betreten der Luxusjacht ein süßes Kätzchen findet, welches aber in Wirklichkeit eine aus einem viele Kilometer weit entfernten Labor entkommen ist, dazu gehört schon viel Fantasie. Aber gut, irgendwie muss die Geschichte ja ins Rollen gebracht werden.

An Bord angekommen, ändert sich der Intelligenzquoten aller Beteiligten nicht wesentlich. Aber man merkt ihren Darstellern durchaus an, dass sie Spaß haben. Die Veteranen Alex Cord (den ich erst vor zwei Wochen in einer ähnlich wilden Darstellung im kruden Giallo „Das Geheimnis des gelben Grabes“ sehen konnte), George Kennedy (professionell bis zum Autopiloten – der Mann hat solche Rollen eben schon 100x gespielt und muss dafür nicht mal die Augen aufmachen) und Clu Galagher (der seinen Part offensichtlich so ernst nimmt, dass er ihn mit voller Hingabe und Sinn für kleine Ticks gibt) geben ordentlich Gas, ohne ihre Figuren dabei der Lächerlichkeit preiszugeben. Besonders Cord balanciert gekonnt auf der feinen grenze zwischen hemmungslosem Overacting und einem freudigen austesten der Grenzen. Das macht den Film sympathisch, den er unterscheidet sich hier eindeutig von einer „trash pour le trash“ Produktion wie z.B. „Sharknado“. Denn Clark ist ein solider Handwerker und als Drehbuchautor ein Mann mit Sinn für das Absurde. Seine Killerkatze-Mär inszeniert er mit Schwung, aber völlig ohne ironisches Augenzwinkern. Auch wenn der Film vor haarsträubenden Szenen nur so wimmelt.

Das fängt schon bei der Katze an, die so überhaupt keine Gefährlichkeit ausstrahlt und immer wieder gefilmt wird, wie sie sich scheinbar gelangweilt fragt, was die komischen Dosenöffner um sie herum da wohl aufführen. Selbst ihre Inkarnation als Killermietz wirkt nicht besonders unheimlich. Vielleicht auch, weil sie sich dann auf magische Weise in etwas verwandelt, was wie ein vergammelter Putzlappen aussieht. Auch die Monsterkatze, die sie scheinbar erst erbricht, und die dann nach getaner Arbeit in den Katzenkörper zurück schleicht, ist nicht wirklich der Stoff, aus dem Albträume sind. Sondern sieht so aus, wie ein verunglückter Muppets-Show-Statist. Das Drehbuch kann sich jetzt nicht entscheiden, ob und auf welche Weise die Katze kontaminiert, mutiert oder ansteckend ist. Die einen sagen so, die anderen so. Scheinbar lässt ein Biss der „Bestie“ die Adern der armen Opfer anschwellen und platzen. Das passiert aber auch, wenn man einen Snack isst, der in der Nähe der Katze lag. Nicht darüber nachdenken. Wenn die Katze in ihrer bösen Inkarnation am Ende die letzten Überlebenden in einem Rettungsboot wieder und wieder angreift, ist sowieso schon der Ofen aus.

Aber man kann auch positives vermelden. So hat der Film einen sehr schönen Score, der ganz typisch ist für einen Horrorfilm aus den 80ern. Ein repetitives, aber eingängiges Thema mit viel Synthesizer. Die schauspielerischen Leistungen sind, wie die Regie, allesamt solide. Auch wenn die drei Stars natürlich hervorstechen. Mit den beiden Damen (insbesondere Shari Shattuck hat mir gut gefallen) hat man auch zwei Hingucker dabei, die sich zwar etwas prüde geben (keine Nacktheit), aber wie oben beschrieben, unfassbare Klamotten zur Schau tragen. Auch die männlichen Darsteller machen ihre Sache recht gut. Die Kameraarbeit könnte etwas innovativer sein, fällt jetzt aber auch nicht unangenehm auf.

Auch wenn er nicht wirklich gelungen ist: Angesichts der vielen himmelschreiend unlogischen Stellen hat man hier viel zum Schmunzeln und in der richtigen Umgebung mit den richtigen Leuten, kann man mit „Uninvited“ sicherlich gemeinsam viel Spaß haben. „Uninvited“ erschien ursprünglich in CMVs „Trash Collection“ und da passt er auch gut hin.

Die Bildqualität der Blu-ray ist so la-la. Wobei die Direct-to-video-Filme aus den späten 80ern ja immer diesen ausgebleichten, leicht verschwommenen Look hatten. Von daher wird es hier wahrscheinlich auch keine bessere Version geben. Passt auch irgendwie zum schraddeligen Film. Die deutsche Synchro wertet den Film auf, in der Originalfassung kommt es häufiger zu Tonschwankungen, welche aber deutlich an der Aufnahme liegen (sie schwankt bei Schuss und Gegenschuss). Bei den Extras hat man sich mehr Mühe gegeben, als der Film wahrscheinlich verdient hätte. Zwar gibt es kein Featurette, aber dafür einen Audiokommentar von Tom Burgas und Christoph N. Kellerbach, Alternativer Anfang und Ende, sowie fast 8 Minuten Erweiterte / Entfernte Szenen. Das 16-seitige Booklet von Christoph N. Kellerbach ist auch recht gut geworden.

Blu-ray-Rezension: „Luz“

Von , 15. Oktober 2019 09:02

Seltsame Dingen gehen vor sich. Ein junge Taxifahrerin (Luana Velis) kommt verletzt in ein Polizeirevier. Sie leidet unter Gedächtnisverlust. In einer Bar begegnet der Polizeipsychologe Dr. Rossini (Jan Bluthardt) in einer Bar der geheimnisvollen Nora (Julia Riedler), die ihm seltsame Geschichten über ihre alten Freundin Luz erzählt, die vor Jahren auf einer chilenischen Klosterschule in Teufelsbeschwörungen verwickelt war. Dann wird Dr. Rossinis von der Polizei um Hilfe im Fall der mysteriösen Taxifahrerin gerufen. Wie sich herausstellt, hört diese ebenfalls auf den Namen Luz.

Mittlerweile habe ich den deutsche Hochschulabschlussfilm „Luz“ von Tilman Singer bereits drei Mal innerhalb eines Jahres gesehen. Anlässlich des ersten Males bei der Aufführung beim 25. Internationalen Filmfest in Oldenburg schrieb ich noch, dass „Luz“ ein zweischneidiges Schwert sei. Seine wunderbare Optik und sein grandioses Tondesign nahm mich bereits damals für „Luz“ ein. Ebenso einige wunderschöne Ideen und eine sehr einfallsreich mit den arg limitierten Ressourcen umgehende Regie. Ich bemängelte allerdings, dass das Drehbuch stark herum schlingern würde und man merkt, dass hier noch kein routinierter Profi am Werk war. Gerade die Dialoge fand ich doch größtenteils ausbaufähig. Und besonders stieß mit auf, dass die Figurenzeichnung oftmals auf übertriebene Klischees zurückgreift. Besonders schlimm erschien mit dies bei der Figur der Kommissarin, die im schwarzen Abendkleid und Schulterhalfter herum rennt und ihre Befehle brüllt. Da kippt der Film für meinen Geschmack dann bedenklich in Richtung Schmierentheater. Sehr hart ging ich mit der schauspielerischen Leistung von Julia Riedler ins Gericht. Ich schrieb: „Dies mag in diesem Falle vielleicht sogar gewollt sein (sie ist immerhin von einem Dämon besessenen und kann sich darum „anders“ verhalten), wirkt aber wie Amateurtheater auf niedrigstem Niveau („Bisssu Narzt?“).“

Trotz allem überzeugten mich die Stärken des Filmes mehr, als die Schwächen. Er überzeugte meinen Kollegen Stefan und mich sogar so sehr, dass wir ihn im April innerhalb unserer Kinoreihe „Weird Xperience“ zeigten. Und beim zweiten Sehen waren die Stärken des Filmes noch weitaus intensiver (was sicherlich auch daran lag, dass das Soundsystem im Cinema Ostertor und die Projektion weitaus besser waren, als im provisorisch zum Kino umgestellten Theaterhof mit seinem schwachen Beamer, der immer alle Schwarztöne verschluckt und grünlich abbildet und über einen miserablen Ton verfügt). Auch empfand ich die oben angemerkten Schwächen, als weitaus weniger störend. Ja, mit Julia Riedels, nennen es wir mal eigenwilligen, Darstellung habe ich noch immer meine Probleme. Akzeptiere aber – im Wissen um die weitere Handlung – dass sie sich dabei etwas gedacht hat und das dann konsequent durchzieht. Allein die Figur der Kommissarin liegt mir weiterhin schwer im Magen. Aber das verzeihe ich dem sympathischen – und ebenfalls sehr eigenwilligen – Film gerne.

Auch was das Drehbuch herum schlingern würde muss ich nach der wiederholten Sichtung zurücknehmen. Tatsächlich ist die Geschichte an sich recht gradlinig und nachvollziehbar, wenn auch Ansätze zur Interpretation bleiben. Die ganze Hintergrundgeschichte setzt sich erst nach und nach zusammen, wobei der Zuschauer die einzelnen Hinweise nicht chronologisch serviert bekommt, sondern erst nach Ende des Filmes im Kopf zu einem vollständigen Bild puzzeln kann. Das irritiert zunächst und sorgt für so manches Aha-Erlebnis, wenn man den Film ein zweites Mal sieht. Irritiert ist man wahrscheinlich auch, weil die Figur der Luz überhaupt nicht dem entspricht, was man erwartet. So geht man bei der Erstsichtung noch davon aus, dass Luz ein (wenn auch recht wehrhaftes) Opfer ist. So wird sie auch inszeniert. Tatsächlich verbindet sie aber weitaus mehr mit dem Dämon, als auf den ersten Blick ersichtlich. Was manche zunächst als „schräg“ oder schlimmstenfalls als „unlogisch“ empfundene Sprünge erklärt. Auch hier hilft es sehr, sich entweder im Vorfeld von jeglichen Erwartungen frei zumachen – oder sich mit dem Wissen der Erstsichtung offen einer Zweitsichtung zu nähern. Ein sehr lohnendes Erlebnis, in dem man den Film nicht nur mit anderen Augen sieht, sondern auch viele Details und Hinweise entdeckt, die einem beim ersten Mal entgangen sind.

Während im Vorfeld der Film immer in die „70er“ und „Neo-Giallo“-Ecke gesteckt wurde (und sogar Mario Bava als Reverenz herhalten musste), ist er doch meilenweit davon entfernt und erinnert mit seinem körnigen Bild und der grau-beige-blauen Farbgebung stattdessen sehr angenehm an die rauen, unbehauenen 80er Jahre Horrorfilme mit Underground-Wurzeln. Insbesondere punktet „Luz“ auch mit der sehr guten Hauptdarstellerin Luana Velis, der wirklich atemberaubend tollen Ausstattung, sehr gelungenen Soundtrack und einem Sounddesign, welches auf dem Punkt den Puls schneller schlagen lässt. Gedreht wurde auf 16mm-Film, was noch einmal Sympathiepunkte bringt.

Weiterhin absoluter Höhepunkt ist weiterhin die Szene, in der eine Taxifahrt nur mithilfe von einigen Stühlen und der Tonspur nachgestellt wird, Das ist schlichtweg brillant und zeigt, dass mit Phantasie, Kreativität und dem richtigen Gespür für Film aus ein paar hingeworfenen Requisiten ganz großes Spannungskino gezaubert werden kann. Dabei spielt sicherlich eine Rolle, dass Singer seit langem mit Set Designer Dario Mendez Acosta (der hier schier unfassbares zaubert) , dem hochtalentierten Kameramann Paul Faltz und Komponist Simon Waskow zusammenarbeitet. Dieses eingespielte Team kreativer Köpfe hat gemeinsam einen Film geschaffen, der sich sehr angenehm von dem abhebt, was man häufig als „Neuer Deutscher Genrefilm“ vorgesetzt bekommt: Nämlich ein Nachhecheln von US-amerikanischen Erfolgsmustern oder eine provinzielle Gaudi-Parodie derer. „Luz“ gehört daher eher in das von Tobias Haupts in dem empfehlenswerten Buch „Fantastisches in dunklen Sälen – Science Fiction, Horror und Fantasy im jungen deutschen Film“ neu definierte Gerne des „German New Weird“ und ist zusammen mit „Der Samurai“, „Der Bunker“, „Der Nachtmahr“ und „Wild“ zu den Beweisen, dass es nicht viel großes Geld, sondern Mut, Radikalität und Kreativität braucht, um einen Film zu drehen, der beeindruckt und sich langfristig ins Gehirn eingräbt.

Ich bleibe bei meiner Aussage nach der ersten Sichtung vor einem Jahr: Tilman Singer sollte man unbedingt im Auge behalten. Da kann noch Großes kommen. Ich freue mich jetzt schon drauf!

Bildstörung hat dem Film innerhalb seiner Drop-Out-Reihe eine wahre Deluxe-Behandlung angedeihen lassen. Bild und Ton, die für diesen Film so wichtig sind, liegen ist hervorragender Qualität vor. Man darf dabei nicht vergessen, dass „Luz“ auf 16mm-Filmmaterial gedreht wurde, dementsprechend „dreckig“ aussieht. Dies ist für die Blu-ray-Auswertung dankenswerterweise übernommen worden und auch Materialfehler wurden nicht beseitigt, was den Ganzen ein echtes Filmgefühl gibt und ihn weit vom klinischen HD-Look abhebt. Auch was die Extras angeht, schöpft Bildstörung wieder aus dem Vollen. Das sehr interessante „Making of“ indem alle Phase der Entstehung, Vorbereitung, Dreh, Postproduktion und letztendlich Premiere unter die Lupe genommen werden und alle am Film beteiligten ausführlich zu Wort kommen, ist mit 74 Minuten länger als der Film selber. Wie bei der vorherigen Drop-Out-Veröffentlichung „The Friendly Beast“ sind auch wieder frühere Kurzfilme des Regisseurs mit dabei. „The Events at Mr. Yamamoto’s Alpine Residence“ ist eine bildgewaltige Fingerübung in Sachen Kamera und Stimmung. „‚El Fin Del Mundo“ (17 Minuten) zeigt wiederum eine ganz andere Seite des Regisseurs. Den Audiokommentar bestreitet Tilman Singer zusammen mit seinem kongenialen Production Designer Dario Mendez Acosta. Das dicke Booklet enthält ein Essay des kanadischen Drehbuchautoren und Journalisten Ariel Esteban Cayer, sowie Ausschnitte aus dem Drehbuch. Wer direkt beim hauseigenen Shop bestellt, kann auch die Limited Edition mit der Soundtrack-CD erwerben.

Das Bloggen der Anderen (14-10-19)

Von , 14. Oktober 2019 19:27

– Karsten Munt berichtet auf critic.de über drei sehr unterschiedliche Filme über Mutterschaft auf dem Filmfest Hamburg. „Blow Up an der Isar – Eckhart Schmidts frühe Filme“ nennt Hans Schifferle sein sehr, sehr langes und gewinnbringendes Essay. Lese-Tipp! Lukas Foerster und Michael Kienzl haben sich die Giallo-Reihe in der Wiener Kinemathek angesehen und interessante zu jedem der Filme dort zu schreiben. Ebenfalls ein Gewinn!

– Alexander van Morgen war im letzten Jahr auf dem Porn Film Festival Berlin und hat nun die Zeit gefunden, sein Filmtagebuch in drei Teilen auf Eskalierende Träume zu veröffentlichen.

– Andreas Köhnemann erinnert auf kino-zeit.de an die Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin und Autorin Janet Leigh, die vor genau 15 Jahren im Alter von 77 verstarb und weit mehr war als das Opfer in „Psycho“.

– Oliver Armknecht hat für film-rezensionen.de bei der Deutschlandpremiere von „Parasite“ beim Filmfest München 2019 Jong-ho Boon zu einem Interview getroffen. Außerdem sprach er mit Tom Sommerlatte über dessen Film „Bruder Schwester Herz“.

Filmlichtung denkt über „Skeptizismus im Horrorfilm“ nach.

– Patrick Holzapfel schreibt auf Jugend ohne Film über Margaret Tait.

– George A. Romeros eher unbekannterer „Knightriders“ liegt bei mir noch im Einkaufskorb. Nach Sebastians Kritik auf Nischenkino drücke ich vielleicht doch mal auf „Bestellen“ und warte nicht länger auf eine Rabatt-Aktion. Bluntwolf lässt sich sehr detailliert (was mir sehr gut gefällt) und kritisch über Mario Gariazzos „Play Motel“ aus.

– Vor langer, langer Zeit im TV gesehen und eine schmerzliche Lücke in meiner Truffaut-Sammlung: „Die amerikanische Nacht“. Hier von Flo Lieb auf symparanekronemoi besprochen.

– Oliver Nöding macht auf Remember It For Later Appetit auf „Nacht der Wölfe“ von Rüdiger Nüchtern.

Wer erinnert sich noch an Cinemabilia? Interview mit dem damaligen Inhaber Jens Schmidt

Von , 12. Oktober 2019 14:00

Kürzlich stieß ich in einer Bremer Facebook-Gruppe (Bremen Gestern-Heute-Morgen) auf ein Posting von Jens Schmidt, der sich daran erinnerte, dass er vor genau 20 Jahren seinen Laden „Cinemabilia“ schloss. Einen Filmartikel-Laden, der damals in der Martinistrasse beheimatet war. Mit den Reaktionen hat er wohl nicht gerechnet. Schnell füllte sich die Kommentarspalte mit den Erinnerungen zahlreicher Bremer Film- und TV-Serienfans, die dort damals regelmäßig eingekauft haben und den Laden sehr vermissten. Es wurden Erinnerungen geteilt und so manche Insider-Information geteilt.

Ich habe selber noch lebhafte Erinnerungen an Cinemabilia. Dort hatte ich jedes Mal hineingeschaut, wenn ich mal in der Innenstadt unterwegs war. Der Laden war für mich ein Paradies. Man muss bedenken, dass es damals noch kein wirkliches Internet-Shopping gab. Wollte man Filmbücher, Zeitschriften, Filme oder Soundtracks kaufen, dann musste man ganz klassisch in ein Geschäft gehen und hoffen, dass die Sachen da waren. Und Geschäfte, die sich auf Filmartikel spezialisiert hatten, waren rar (ich kannte damals ein, zwei in Hamburg, aber da war der Weg halt lang). Umso größere Augen machte ich, als plötzlich ein Laden in Bremen (!) aufmachte, der genau das verkaufte, was ich immer gesucht habe. Hauptsächlich kaufte ich bei Cinemabilia Bücher und Zeitschriften. Alles andere war mir zu dieser Zeit (ich war damals noch Student) meist zu teuer. Was mich aber nie davon abhielt mit großen Augen zu stöbern und ab und zu auch ein „hochpreisiges“ Schätzchen mitzunehmen.

Eine meine schönsten Erinnerungen ist es, wie ich da immer wieder rein und raus bin und überlegt habe, ob ich wirklich das Buch „Das wilde Auge“ von Christian Keßler mitnehme. Mit 49 DM war das damals nämlich nicht gerade günstig (wobei es heute zu dreistelligen Euro-Beträgen gehandelt wird). Schließlich lief ich Fünfe gerade sein und knallte mein hart erspartes Geld auf den Tisch. Zuhause bemerkte ich, dass jemand bereits in das Buch rein gekritzelt hat. Ein Scherz eines Mitarbeiters oder der Autor selber? Damals wusste ich nicht, dass Christian auch in Bremen wohnte. So blieb der Schriftzug all die Jahre ein Geheimnis für mich, welches sich erst in diesem Februar aufklärte, als wir Christian in unserer Film-Reihe Weird Xperience im Cinema im Ostertor zu Gast hatten, wo er sein neues Buch „Endstation Gänsehaut“ vorgestellt hatte, und da hatte ich „Das wilde Auge“ natürlich im Gepäck und ihn bei den einleitenden Worten direkt danach gefragt. Er konnte sich da zwar nicht mehr wirklich dran erinnern, erkannte aber seine Handschrift.

Da ich diese ganzen Geschichten zu schade fand, um sie in einer Facebook-Gruppe versauern zu lassen, bat ich Jens Schmidt um ein kleines Interview, um seine Sicht auf die Zeit mit Cinemabilia zu schildern. Das Ergebnis finde ich ebenso faszinierend, wie in einigen Dingen schrecklich desillusionierend. Doch lest selbst.

Foto: Jens Schmidt

Filmforum Bremen: Wie bist Du damals auf die Idee gekommen, einen Filmladen in Bremen zu eröffnen?

Jens Schmidt: Die Idee zu einem Cinemabilia Filmladen war zunächst gar nicht meine eigene. Zwei Bekannte von mir betrieben seit Mitte der 80-er Jahre einen Filmladen mit dem Namen Cinemabilia in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs. Von diesem Filmladen erfuhr ich damals durch eine kleine Annonce in der Filmzeitschrift „Cinema“. Als ich den kleinen Laden in Düsseldorf besuchte, war ich sofort Feuer und Flamme. Cinemabilia hatte auch einen eigenen Versandkatalog und als „Star Wars“ Fan der ersten Stunde bestellte ich dort seit 1984 alle meine internationalen Fanartikel.

FFB: Wie waren die Anfänge von Cinemabilia ?

JS: Ich begann 1987 eine Ausbildung zum Bankkaufmann, doch schon während dieser Ausbildung begleitete mich mein Wunsch, mich nach der Ausbildung mit einem Filmladen, der dem von Cinemabilia aus Düsseldorf zumindest ähnlich sein sollte. 1990 waren meine Pläne konkret und ich fragte die Düsseldorfer Ladenbetreibern nach Kontakten zu Lieferanten. Sie boten mir an, die Marke Cinemabilia von ihnen zu übernehmen, da sie den Düsseldorfer Laden wegen neuer Projekte schließen wollten. Dieses Logo in Stil der Schrift des Filmlogos von „Der dunkle Kristall“ war beim Patentamt in München als Marke geschützt. Für 2000 D-Mark kaufte ich damals diese Marke. Mit rund einem Jahr Vorbereitungszeit eröffnete ich den Laden dann am 7. September 1991 hinter der ehemaligen Peek & Cloppenburg Filiale in der Bremer Innenstadt.

Foto: Jens Schmidt

FFB: Wie kam es, dass Cinemabilia in die Martinistr. gezogen ist?

JS: Unsere Ladenfläche von 25 Quadratmeter in der Kahlenstraße wurde bald zu klein. In der Martinistraße hatte das PC-Studio und zuletzt ein Teppichladen geschlossen. Also vergrößerten wir uns Anfang 1993 nach dem Umzug in die Martinistraße 57 auf 150 Quadratmeter.

FFB: Hast Du den Laden allein betrieben und konnte man davon tatsächlich leben?

JS: Ich war immer alleiniger Inhaber und konnte immer von dem Laden leben. In Spitzenzeiten haben bei mir über 20 Leute gearbeitet, davon fast die Hälfte in Vollzeit. Wir hatten damals einen der ersten funktionierenden Onlineshops im Internet und waren lange vor Stern, Spiegel und Amazon.de online. Mit unserem Katalog und dem Onlineshop haben wir neben dem Laden viele Tausend Kunden in ganz Deutschland bedient.

FFB: Ich erinnere mich noch lebhaft an die Soundtrack-Ecke und die Filmbücher. Was habt ihr noch alles verkauft?

JS: Mit Bild- und Tonträgern konnte man kein Geld verdienen. Diese Artikel dienten uns als Frequenzbringer. Lediglich mit den Videoimporten aus England haben wir, aufgrund guter Mischkalkulation, einen akzeptablen Profit gehabt. Mit der Auflösung der Firma 2003 habe ich alle abgestoßen.

FFB: Der Laden war damals ja recht Star-Trek/Star-Wars-Akte-X-lastig, wenn ich mich richtig erinnere. Wie kam das? Waren das damals auch Deine Hauptinteressen?

JS: Wir waren deshalb so X-Files-, Star Wars- und Star Trek-lastig, weil es zu diesen Themen die meisten Fanartikel und auch die größte Nachfrage gab. Die Mystery-Serien-Welle war Mitte der 90-er Jahre auf ihrem Höhepunkt – davon haben wir sehr stark profitiert.

FBB: Habt Ihr damals eigentlich auch irgendwelche Events mit Cinemabilia durchgeführt?

JS: Wir haben Tage der offenen Tür durchgeführt, jährlich den Firmengeburtstag gefeiert und versucht, an diesen Tagen besonders attraktive Preise zu machen. Unterm Strich waren das Kamikaze-Aktionen. Wir haben vieles sehr blauäugig entschieden, aber ich habe in dieser Zeit unglaublich viele Erfahrungen gesammelt, die mir in meinem weiteren beruflichen Schaffen enorm genützt haben – und immer noch nützen. Allerdings habe ich auch eine Menge Lehrgeld bezahlt. Unser zweiter Laden in Oldenburg erwies sich als finanzielles Desaster. Mit diesem Laden habe ich über 200.000 D-Mark Verlust eingefahren und konnte aufgrund langfristiger Verträge erst spät die Notbremse ziehen. Um ein Haar wäre ich damals in die Privatinsolvenz gerutscht. Nur durch harte Arbeit und viele Entbehrungen habe ich es damals geschafft. Auch diese Erfahrungen helfen mir heute.

FFB: Was sind Deine schönsten Erinnerungen an den Laden?

JS: Ich habe so unglaublich viele schöne Erinnerungen an die damalige Zeit gehabt! Wir waren in vielen Bereichen Pioniere. Online, mit dem, was wir gemacht haben, mit einem solchen Laden. Wir haben vielen Menschen Träume erfüllt, stundenlang gefachsimpelt über Filme, Kino und die Welt, ganz tolle Menschen kennengelernt, von denen einige wenige Freunde geworden sind. Insgesamt war es eine tolle Zeit. Ich hätte damals einen erfahrenen Coach gebraucht, einen Unternehmer, bestenfalls doppelt so alt wie ich damals, der mich mit Tipps und Hinweisen vor den größten unternehmerischen Fehlern bewahrt hätte. Den hatte ich nicht, ich musste für alle Fehler immer selbst einstehen, und davon machte ich eine Menge.

FFB: Warum habt ihr aufgehört?

JS: 1999 kündigte sich „Star Wars – Episode 1“ an, und wir waren die ersten, die den Trailer öffentlich in unserem Laden vorführten. Kurze Zeit später schlossen wir den Laden in der Martinistraße. Die Umsätze gingen deutlich zurück, der Markt war gesättigt. Jeder hatte inzwischen seinen Star Trek Communicator und sein Making-of-Star Wars-Buch. Gleichzeitig kamen Amazon und Ebay nach Deutschland. Plötzlich waren wir nicht mehr exklusiv, waren unsere Händlerverbindungen nichts mehr wert, weil plötzlich jeder ins Internet gehen und mit seiner Kreditkarte das einkaufen konnte, was uns als Händler und ein paar wenigen anderen vorbehalten war.

FFB: Ich meine mich zu erinnern, dass Cinemabilia später auch in der Nähe vom Breitenweg war. Oder bringe ich da etwas durcheinander?

JS: Wir zogen 1999 in eine Lagerhalle an den Weserpark, wo wir uns auf das Versandgeschäft konzentrierten. Doch auch hier wurde es immer schwerer – Amazon weitete sein Angebot aus, Ebay wurde immer beliebter. Unsere Kunden brauchten uns nicht mehr, kauften jetzt selbst zu den Preisen ein, zu denen wir bisher einkauften. Den größten Profit versprachen Poster, Starfotos und Postkarten. Also machte ich 2002 alleine weiter, reduzierte die Angebotspalette auf diese Artikel und ein paar auswählte Merchandise-Produkte und eröffnete „Filmplakate & Co.“ in der Hillmannstraße (hinter McDonald’s am Bremer Hauptbahnhof). Das ging eineinhalb Jahre gut, bis ich als Theaterleiter bei Cinemaxx (quasi auf der anderen Straßenseite) anheuerte.

FFB: Gab es damals irgendwann die Idee, den Laden als Shop im Internet weiterzubetreiben?

JS: Den Shop (und die Domain Cinemabilia.de) hat mir ein falscher Freund 2004 abgeluchst. Ich wurde betrogen, hintergangen und habe dann kampflos aufgegeben, weil ich ja eine Anstellung im Kino gefunden und meine Selbständigkeit aufgegeben hatte. Dort wurde der Shop noch einige Zeit weiterbetrieben, allerdings hatte ich damit nichts mehr zu tun.

FFB: Wenn Du zurückblickst: Wie würdest Du die Zeit damals heute beurteilen? Und glaubst Du, ein Laden wie Cinemabilia hätte heute, in den Zeiten unbegrenzter Verfügbarkeit im Internet, noch eine Chance zu existieren?

JS: Cinemabilia hatte seine Zeit, und ich habe gespürt, wie sich so ein Niedergang anfühlt. Am Ende kamen selbst Stammkunden nur noch zum Preisvergleich, oder um einmal vorab in Händen zu halten, was sie sich gestern selbst online bestellt hatten oder woanders bestellen wollten. Nein, Cinemabilia, so wie ich diesen Laden betrieben habe, hätte heute keine Chance mehr. Meine Ex-Freundin hat vor einigen Jahren in der Waterfront mit einem Filmshop versucht, die Grundidee wiederzubeleben – und ist kläglich gescheitert. Elbenwald ist gelungen, was ich sehr bewundere: Ein Filialsystem in zahlreichen deutschen Großstädten zu etablieren, das Film-Merchandise vertreibt. Ich kann mir immer gar nicht vorstellen, wie sich das bei der heutigen Kostenstruktur rechnet, aber es scheint zu gehen. Ich bin damals mit rund 60.000 EUR Schulden aus der Sache gegangen und habe erst vor wenigen Jahren, ich glaube 2013, die letzte Rate für Cinemabilia an die Bank bezahlt.
Meine Erfahrungen und die vielen Erinnerungen, positiv wie negativ, möchte ich allerdings nicht missen. Cinemabilia war eine tolle Erfahrung.

FFB: Vielen Dank, Jens, dass Du das alles hier so offen mit uns geteilt hast. Das war sehr interessant und spannend. Danke!

Blu-ray-Rezension: „Five Fingers for Marseilles“

Von , 9. Oktober 2019 23:20

Die „Five Fingers“ sind eine Bande von halbwüchsigen, die in der kleinen Stadt Marseilles, irgendwo in den Weiten Südafrikas, mit Steinschleudern gegen die korrupte weiße Polizei antreten. Als die Polizei das Mädchen Lerato entführen, greift Tau, genannt „Der Löwe“, zu einer echten Waffe und erschießt zwei Polizisten. Tau flieht, schlägt das Leben eines Kriminellen ein und landet im Knast, aus dem er 20 Jahre nach der Tat entlassen wird. Tau (Vuyo Dabula) macht sich unerkannt auf den Weg zurück in seine Heimatstadt, wo er feststellen muss, dass sich nicht nur die Zeiten, sondern auch seine ehemaligen Freunde geändert haben. Zudem wird die Stadt durch den unheimlichen Gangsterboss Sepoko (Hamilton Dhlamini), bedroht….

Südafrika kennt man nicht unbedingt als Filmland. Zwar gibt es unzählige Co-Produktionen, zumeist im B-Filmbereich, wo die beeindruckende Kulisse des Landes genutzt wird, doch eigenständige Produktionen finden so gut wie nie den Weg in unsere Gefilde. „Five Fingers for Marseilles“ ist nun tatsächlich dank des großartigen Drop-Out-Verleihs auch in ausgewählten deutschen Kinos gestartet und jetzt auf Blu-ray erhältlich. Der Cast besteht fast ausschließlich aus farbigen Schauspielern und nimmt gleich zu Beginn Bezug auf die Geschichte Südafrikas mit seinem unsäglichen Apartheitssystem. Zwei weiße Polizisten machen Halt in dem kleinen Dorf Marseilles, um hier von den einheimischen Bewohnern abzukassieren. Die „Five Fingers“, eine Bande von Kindern an der Schwelle zur Pubertät wehren sich mit Steinschleudern gegen das Unrechtssystem. Nach einem Zeitsprung von 20 Jahren (wobei der Film seine Handlung nie konkret zeitlich verortet) hat sich nichts getan. Jetzt ist die korrupte Polizei schwarz – die Armen sind weiterhin die Opfer von Willkür und Gewalt. Ein Blick auf das heutige Südafrika, indem die Apartheid zwar abgeschafft wurde, aber die Probleme nicht beseitigt? Starke Bande, die gegen einen gemeinsamen Feind gekämpft haben, sind auseinander gefallen und bekämpfen sich jetzt gegenseitig. Gute Absichten verkehren sich ins Gegenteil. Wer vorher keine Macht hatte, nimmt sie sich jetzt. Ohne Rücksicht auf die, mit denen man einst zusammen herre Ziele verfolgt hat.

Regisseur Michael Matthews wählt für seinen Debütfilm die Form des Westerns. Und das passt ziemlich gut. Er bleibt vage, was die zeitliche Einordnung der Geschichte angeht. Sie kann in der Gegenwart, vor 10, 20 oder kurz nach Abschaffung der Apartheid vor 25 Jahren spielen. Im Grunde funktioniert sie aber auch Ende des 19, Jahrhunderts, den sie besteht aus klassischen Western-Motiven. Der Fremde der in die Stadt kommt, wo zwei Parteien um die Vormacht streiten (hier die Polizei des Bürgermeisters und die Bande des Verbrecher-Boss, genannt The Ghost). Das erinnert an „Für eine Handvoll Dollar“, ebenso die physische Pein, die der Held erleiden muss und die direkt aus einem Italo-Western stammen können. Die Art und Weise, wie er Verstärkung holt, was wiederum Erinnerungen an „Die glorreichen Sieben“ wachruft – auch wenn man geneigt ist an einen anderen, thematisch ähnlichen Neo-Western, nämlich Robert Rodriguez ‚ „El Mariachi“ bzw. das Remake „Desperado“ denken muss. Man merkt deutlich, dass Matthews seine Vorbilder kennt. Aber „Five Fingers for Marseilles“ verkommt nicht zu einem post-modernen Zitate-Zirkus, sondern nimmt diese Elemente nur, um daraus etwas eigenes zu schaffen, was zwar den Geist des Westerns atmet, dem es aber wichtiger ist, eine Geschichte um den Zerfall von Werten und Freundschaften, um menschliche Gier nach Macht und die Korrumpierbarkeit von schwachen Charakteren zu erzählen.

Michael Matthews verlässt sich ganz auf seine starken Bilder. Auf die Gesichter seiner Schauspieler, die karge, unwirkliche Wüste Südafrikas und die Mythen, die Land und Genre wie Geister durchziehen. Dabei hat er den Mut, dem Zuschauer die vermeidlich unausweichlichen Höhepunkte zu enthalten. Potentielle Showdowns werden schon im Keim erstickt oder beim großen Finale unspektakulär oder aus weiter Distanz abgehandelt. „Five Finger For Marseilles“ kann sich nicht vorwerfen lassen, Gewalt zu glamourisieren – so wie es bei einem Western, der um davon handelt, dass ein Fremder aufräumt und für Gerechtigkeit sorgt, durchaus die Regel ist. Hier ist nichts cool oder stylisch. Kein Kugelhagel in Zeitlupe oder durch-choreographierte Schusswechsel. Am Ende kommt der Film nicht nur wieder bei sich selber an, sondern zitiert auch den göttlichen „Zwei glorreiche Halunken“ (bzw. könnte es auch eines der Heroic Bloodshed-Epen aus Hongkong sein). Doch es ist keine Erlösung, kein Gut gegen Böse, sondern der tragische Schlusspunkt unter dem Verlust von Freundschaft, Werten und Zusammenhalt.

Die Bluray aus dem Hause Donau Film kommt in sehr guter Bildqualität daher. Auch der Ton ist sehr dynamisch und klar. Statt der deutschen Synchronisation sollte man meiner Meinung nach auf den O-Ton zurückgreifen in Bantu-Sprache (Sesotho) vorliegt und dem Film mehr Authentizität verleiht. Die deutschen Untertitel sind auch gut zu lesen. Leider sind die Extras nicht ganz so ergiebig: Es gibt neben Trailern noch drei kurze Featurettes zur Geschichte, Besetzung und Produktion.

Das Bloggen der Anderen (07-10-19)

Von , 7. Oktober 2019 17:53

Hui, in dieser Woche war es aber sehr, sehr ruhig in der von mir beobachtet Blogger-Landschaft. Das liegt wahrscheinlich am Feiertag mit Brückentag. Da generell die Aktivitäten in den Blogs weniger zu werden scheinen, hier noch einmal der Aufruf: Wenn Ihr interessante, spannende Blogs kennt, die ich bisher noch nicht auf dem Radar hatte, schreibt mir das gerne in die Kommentare. Ich bin hier für Tipps immer dankbar.

Filmlichtung befasst sich in Teil 8 seiner „Spuktakulären Filmmonster“ mit dem Doppelgänger und hat dazu viele Filmbeispiele rausgesucht.

– Rochus Wolff macht sich in seinem Kinderfilmblog Gedanken darüber, ob Horrorfilme grundsätzlich etwas für Kinder sind und hat auch eine (extern verlinkte) Liste mit Filmen parat, die für die jüngeren Zuschauer seiner Meinung nach empfehlenswert sind.

– Oha, der liegt hier auch noch eingepackt. Felix und André Malberg schreiben auf Eskalierende Träume unter dem Motto 100 deutsche Lieblingsfilme über Schlöndorffs „Mord und Totschlag“ von 1967.

– Oliver Nöding hat auf Remember It For Later einige Tipps parat. Zumindest waren mir die Filme „Honeymoon“ und „Hounds of Love“ bisher vollkommen unbekannt.

– So sehr Schlombies Filmbesprechungen George A. Romeros vierter Zombie-Film „Land oft he Dead“ gefallen hat, mit dem sechsten Eintrag „Survival of the Dead“ hat er doch ziemliche Probleme.

– Normalerweise verlinke ich Reviews erst ab einer bestimmten Länge, aber da hier diese Woche eh kaum was los ist und es immerhin um einen Film von Béla Tarr geht, weise ich mal auf die „Verdammnis“-Besprechung im Tagebuch der Eule.

– Ach, süsse Erinnerungen. Den ziemlich abgedrehten „Kung Fu Hustle“ habe ich – glaube ich – mal auf dem Fantasy Filmfest gesehen und fand ihn damals so toll, dass ich mir gleich die DVD aus dem asiatischen Ausland bestellt hatte. Habe ich aber seitdem – glaube ich – nicht wieder gesehen. Totalschaden von Splattertrash frischt mein Gedächtnis auf.

Bericht vom 26. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3

Von , 5. Oktober 2019 18:07

Der letzte Tag in Oldenburg. Wieder mit Stefan, der diesmal die Fahrerdienste übernahm. Den letzten Tag finde ich immer am Schönsten, da hier immer eine sehr entspannte Atmosphäre herrscht, die Kinos nicht mehr so voll sind und man selber den Tag quasi als „Absacker“ mitnimmt. Nachteil: Oftmals sind schon viele Gäste abgereist. Aber irgendwas ist ja immer. Sehr positiv fiel mir auch auf, dass an diesem Tag der organisatorische Ablauf wie am Schnürchen klappte. Lag es daran, dass offensichtlich einige alte Hasen dafür zuständig waren, deren Gesichter man aus den Vorjahren schon kannte? Oder daran, dass alle abends nach knapp einer Woche Festival pünktlich Feierabend machen wollten? Egal. Auf jeden Fall: Sehr angenehm.

The Gasoline Thieves – Der intensive „The Gasoline Thieves“ führt den Zuschauer nach Mexiko. Aber nicht in die Großstadt, sondern in eine kleine Stadt irgendwo in der Ödnis. Erzählt wird die Geschichte des 14-jährigen Lalo. Dieser geht vormittags in die Schule und verkauft nachmittags gestohlenes Benzin. Dieses stammt aus den endlosen Pipelines, die durch Mexikos Erde laufen und nachts von den „Gasoline Thieves“ angebohrt werden. Dass dies Geschäft ein sehr gefährliches ist, in dem tödliche Konkurrenz herrscht und man sein Leben riskiert, erfährt man beim brutalen Auftakt gleich am Anfang.

Lalo hat nur davon gehört, weiß aber nicht worauf er sich eigentlich einlässt, als er sich einer Bande von „Gasoline Thieves“ anschließt. Grund dafür ist einerseits, dass er Geld braucht, damit er einem Mädchen aus seiner Schule Weiter lesen 'Bericht vom 26. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 3'»

Bericht vom 26. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2

Von , 4. Oktober 2019 17:18

Am Samstag machte ich mich erst einmal alleine nach Oldenburg auf. Da ich am Vortag schon alle Karten für die drei Tage besorgt hatte, war das auch alles herrlich entspannend. Erst einmal einen Kaffee und Proviant in der Kulturetage geholt, dann ins cineK Muvi. Das kleinste Festivalkino, und wie ich finde, das gemütlichste. An diesem Tag war ich zweimal dort, was mich sehr freute.

Tito – Tito, ein junger Mann mit Agoraphobie lebt in einem Haus irgendwo in einem Vorort. Eines morgens sitzt sein gutgelaunter Nachbar bei ihm in der Küche und bereit ihm ein Frühstück. Er habe gemerkt, dass Tito nicht so gut drauf sei und wolle ihn aufheitern. Bald schon weicht der Nachbar Tito nicht mehr von der Seite und quartiert sich in seinem Haus ein. Tito macht Weiter lesen 'Bericht vom 26. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 2'»

Bericht vom 26. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 3. Oktober 2019 13:01

Oldenburg, Oldenburg, Oldenburg. Jedes Jahr freue ich mich schon lange auf diese Zeit im Jahr, in der ich endlich einmal für drei Tage komplett im Kino abtauchen kann. Mittlerweile hat man auch eine große Routine entwickelt, was man machen sollte (nimm die Filme, die Du gleich kriegen kannst) und was nicht (darauf spekulieren, dass es an der Abendkasse noch ein Restkontingent gibt). Man weiß, was einen erwartet (vor dem ersten Film gut essen, danach hat man dazu keine Zeit mehr) und wie die besten Laufwege von Kino zu Kino sind.

Das Festivalzentrum war diesmal in der Innenstadt in einem Bereich, wo ich bisher noch nie war. Und auch die drei Tage nicht mehr hinkommen sollte, da er doch sehr weit ab von allen Abspielstätten liegt. Habe ich die letzten Jahre noch gedacht, dass Möbelhaus beim Pferdemarkt wäre etwas unglücklich gewählt, so muss ich dieses Jahr sagen, das war noch Gold (weil zumindest in der Nähe von Exerzierhalle und Casablanca) gegen die diesjährige Location. Aber gut, ich bewege mich meistens eh nur in der Bahnhofstr. und da ist das dann eigentlich auch egal. Nur manchmal seufzte ich innerlich, wenn ich daran denke, wie toll die Zeiten waren, als das Zentrum noch in der Kulturetage war, man Zeit hatte zum Verweilen und spannende Leute traf.

Am Freitag ging es für mich im Theaterhof los. Und gleich gab es eine gehörige Verzögerung. Etwas, was sich leider durch die ersten beiden Tage ziehen sollte. Die Türen wurden zu spät geöffnet, dann mussten erst noch die Abstimmkarten ausgelegt werden (was der Regisseur des ersten Filmes dann auch gleich persönlich übernahm) und schließlich begann der Film mit einer ziemlichen Verspätung.

Cuck – Der fast 30jährige Ronnie lebt noch immer bei seiner kranken Mutter. Er hält sich mit kleinen Jobs über Wasser, wenn er nicht gerade vor dem Rechner hockt oder in der Uniform seines verstorbenen Vaters den großen Mann spielt. Ronnies Leben ist ziemlich im Arsch. Er ist zutiefst frustriert, bekommt Weiter lesen 'Bericht vom 26. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

Blu-ray Rezension: „Kosmokiller – Sie fressen alles“

Von , 1. Oktober 2019 08:05

Nachdem ein Meteor auf die Erde gekracht ist, entsteigt diesem eine fremde Lebensform, die sofort zwei Camper tötet. Danach versteckt es sich im Keller des abgelegenen Hauses von Sam (James Brewster) und Barb (Elissa Neil), die der außerirdischen Lebensform schnell zum Opfer fallen. Unbemerkt von ihren Kindern, dem Studenten Pete (Tom DeFranco) und seinem jüngerem Bruder Charles (Charles George Hildebrandt), einem großen Monster-Fan, und Tante Millie (Ethel Michelson) und Onkel Herb (John Schmerling), die gerade zu Besuch sind. Bald schauen auch noch Petes Klassenkameraden Ellen (Jean Tafler), Frankie (Richard Lee Porter), und Kathy (Karen Tighe) vorbei. Viel Futter für die gefräßigen „Kosmokiller“…

Die Low-Budget-Produktion „Kosmokiller – Sie fressen alles“ besitzt einen gewissen Kultfaktor und dies durchaus zu recht. Wieder einmal läuft eine Alien-Invasion aus Kostengründen in einem Haus irgendwo in der Pampa ab. Das kennt man ja schon aus Filmen wie dem Ultra-Low-Budget-Film „Ausgeburt der Hölle“ (Review übrigens hier). Wenn man als Schauplatz nur ein Haus und eine sehr überschaubare Anzahl von No-Name-Darstellern hat, dann spart das Geld, welches gut für andere Dinge ausgeben werden kann. In diesem Fall für die wirklich beeindruckenden und wundervollen Kreaturen. Die „Kosmokiller“ des deutschen Titels (im Original lautet er „The Deadly Spawn“ bzw. „The Return of the Alien’s Deadly Spawn“) gehören eindeutig zu den Höhepunkten des Grindhousekinos und wirken mit ihren unzähligen Zahnreihen und wurmgleichen, und trotzdem auch tatsächlich Gigers Alien nicht unähnlichem, Aussehen nicht nur sehr liebevoll gestaltet, sondern in der Tat recht bedrohlich..

Die Handlung beginnt wie einst „Der Blob“ – welcher hier vielleicht neben zahlreichen anderen Vorbildern ebenfalls Pate stand – mit zwei Campern, die beobachten, wie ein Meteorit zur Erde stürzt und dann bei der Untersuchung des außerirdischen Gesteins ein blutiges Ende finden. Daraufhin verlagert sich das Geschehen in das scheinbar sehr einsam gelegene Haus einer Familie, in dessen Keller die außerirdische Lebensform ihr Nest gebaut hat. Von dort aus fangen die Kosmokiller an ihre Opfer zu suchen, die überraschend blutig von dem Mutterwesen (?) zerkaut werden. Diese eine Location wird dann auch nicht mehr verlassen, abgesehen von einem Ausflug in das geräumige Wohnzimmer einer älteren Dame, wo die Kosmokiller gleich wieder anfangen zu wüten. Dass diese Szene aber tatsächlich irgendwo anders als im altbekannten Haus der Familie gedreht wurden, darf bezweifelt werden. Regisseur Douglas McKeown weiß aber sehr gut mit seinen knappen Ressourcen umzugehen und diese zielgerichtet einzusetzen. Was wieder einmal beweist, dass man nicht viel Geld zur Hand, sondern gute Ideen im Kopf haben muss.

Und die hat er. Zwar strotzt das Drehbuch von Klischees, aber das erwartet man ja auch irgendwie. Hier und dort wird ein kleiner Twist eingebaut, wobei die größte Überraschung einfach der Tatsache geschuldet war, dass eine Schauspielerin nicht mehr zur Verfügung stand und daher schnell aus der Handlung entsorgt werden musste. Ansonsten wird ordentlich Tempo gemacht und die Hauptattraktion des Films, die fiesen Kosmokiller, in den Vordergrund gerückt. Die Darsteller sind allesamt Unbekannte, die bis auf ihren Auftritt in „Kosmokiller“ nicht größer in Erscheinung getreten sind. Vermutlich stammen sie alle aus dem Bekanntenkreis der Macher hinter dem Film. Dafür machen sie ihre Sache sehr gut, auch wenn Tom DeFranco als Pete deutlich zu alt für seine Rolle ist, was ihr aber einen merkwürdigen Dreh gibt, wenn diese junge Mann, der offensichtlich Mitte Zwanzig ist, sich noch immer wie ein Teenager benimmt und Zuhause wohnt. Auch Charles George Hildebrandt als der kleine Charles macht seine Sache sehr gut. Bei Kinderdarstellern besteht ja immer die Gefahr, dass sie nervig sind. Hildebrandt spielt seine Rolle aber sehr gradlinig. Er verkörpert das Alter Ego des Regisseurs, der wohl ebenfalls in jungen Jahren von Horrorfilmen und selbst gebastelten Masken und Effekten fasziniert war. Mit dieser Obsession und den Streichen, die er damit anderen spielt, erinnert stark an eine Blaupause für den kleinen Tommy Jarvis aus dem ein Jahr später entstandenen „Freitag, der 13. Teil 4 – Das letzte Kapitel„.

Wo das Geld knapp ist, muss man dies kreativ kaschieren. Douglas McKeown hat mit Harvey M. Birnbaum einen guten Kameramann an seiner Seite, der überraschenderweise nur bei „Kosmokiller“ irgendwie in Erscheinung trat. Zumindest in dieser Film sein einziger IMDb-Eintrag. In dem ausgesprochen empfehlenswerten Buch „Nightmare USA“ von Stephen Thrower über den US-Independent-Horrorfilm behauptet McKeown in einem Interview, Birnbaum wäre kaum am Set gewesen und die meiste Kameraarbeit habe er zunächst selber erledigt. Bis er von den Produzenten des Filmes wegen Unstimmigkeiten gefeuert wurde und der Schöpfer der Kosmokiller-Effekte – und gleichzeitiger Co-Produzent – John Dods selber das Ruder übernahm, um noch weitere Szenen mit den Kosmokillern zu drehen). Auch der schöne 80er Jahre Synthie-B-Horror-Score gefällt und wurde von drei Jungs beigesteuert, von denen nur einer Michael Perilstein, danach im Filmgeschäft blieb und noch Scores zu ähnlich gelagerten Werken komponierte. Wahrscheinlich war dieser Film für alle Beteiligten ein großer Wochenendspaß, was sich durchaus auf den Zuschauer überträgt und diesen kleinen Film so sympathisch macht. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass „Kosmokiller“ auch andere Filme in den 80ern beeinflusst hat. Sieht das Hauptalien nicht verdächtig so aus, wie Audrey II aus „Der kleine Horrorladen“? Und erinnert die Handlung nicht stark an den viel geliebten „Critters“? Wer ein Herz für B-Horrorware aus den 80ern hat, der sollte „Kosmokiller“ zumindest einmal gesehen haben.

Die Blu-ray von CMV ist gelungen. Das Bild ist völlig in Ordnung und erinnert daran, dass man es hier mit keiner Hochglanz-Hollywood-Produktion,sondern einem kleinen, billigen Independent-Film aus den frühen 80ern zu tun hat. Der Ton ist auch gut und die deutsche Synchro wartet mit bekannten Sprechern auf. An Extras findet man auf der Blu-ray eine Widescreen-Fassung in 16:9 anamorph, den Audiokommentar von Produzent Ted A. Bohus und Editor Marc Harwood, das Featurette „Visit with the Deadly Spawn“, einen alternativen Anfang, Behind-the-scenes- und Probeaufnahmen, ein Prequel-Comic, sowie den Original Trailer, einen TV-Spot und eine Bildgalerie.

Panorama Theme by Themocracy