Das Bloggen der Anderen (20-05-19)

Von , 20. Mai 2019 21:50

– Es ist wieder die Zeit im Jahr, in der es viele meiner Blogger-Kollegen physisch oder zumindest im Gedanken nach Cannes zieht. Die dortigen Filmfestspiele haben begonnen. Wer einen schnelle Überblick und ein paar Tipps möchte, findet dies beim Cannes-Ticker von Schwanenmeister auf Negative Space. Ich bin jetzt sehr neugierig auf „Bacurau“. Bereits sieben Folgen Cannes-Berichterstattung gab es bei Artechock. Rüdiger Suchsland schreibt in dieser Folge u.a. über Bertrand Bonellos „Zombi Child“. Auch Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog ist sehr aktiv und hat u.a. die bekannteren Filme wie den Eröffnungsfilm „The Dead Don’t Die“ oder Terrence Malicks „The Hidden Life“ am Start. Mich persönlich interessiert aber mehr Jessica Hausners neuer Film „Little Joe“. Frédéric Jaeger von critic.de hat mal hinter die Kulissen geschaut und einige interessante Zahlen zusammengetragen.

– Auch aber nicht nur um Cannes geht es in einem hochspannenden Interview, das Joachim Kurz für kino-zeit.de mit der Filmfestival-Forscherin Tanja C. Krainhöfer geführt hat. Seine Kollegin Katrin Doerksen hat derweil eine sehr interessante (und wenig bekannte) Geschichte der Farbfilmmaterialien von Agfa, Orwo und Eastman  zusammengetragen.

– Christian hat auf Schlombies Filmbesprechungen über zwei deutsche Filme geschrieben, die beweisen, dass das Deutsche Kino mitnichten tot oder langweilig ist: Hans-Christian Schmids grandioser „23“ und Oliver Hirschbiegels „Das Experiment“, den ich damals sogar im Kino gesehen habe, und ich bin mir sicher – auch wenn ich darüber nie etwas gelesen habe – dass dort im Finale niederfrequente Töne im Herzrhythmus verwendet wurden. Da hatte ich nämlich echte Beklemmungen im Brustkorb. Muss ich mal nachforschen…

– Und mal wieder ein Film für die Liste: „Operzione Kappa: sparate a vista“. Neulich noch unter seinem deutschen Titel „Kidnapping – Ein Tag der Gewalt“ bei der Subkultur-Preisparty im Einkaufswagen gehabt und dann doch zu lange gezögert. Nachdem ich André Malbergs schönen Beitrag auf Eskalierende Träume gelesen habe, ärgere ich mich jetzt doch darüber.

– Letzte Woche „Der öffentliche Feind“, jetzt „Scarface“. Totalschaden von Splattertrash arbeitet die Warner-Gangsterfilm-Klassiker ab.

– Oliver Nöding hatte im Kino verdammt viel Spaß mit „Aquaman“ und lässt uns auf Remember It For Later daran teilhaben.

Blu-ray-Rezension: „Fascination“

Von , 17. Mai 2019 09:08

Frankreich, Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Dieb Marc (Jean-Marie Lemaire) hat eine Verbrecherbande betrogen und befindet sich nun auf der Flucht vor dieser. Zuflucht findet er in einem von einem Wassergraben umgebenen Château. Dort trifft er auf seine wunderhübsche junge Frauen: Elizabeth (Franca Mai) und Eva (Brigitte Lahaie). Während Elizabeth ihn vor einem geheimnisvollen Gast warnt, der um Mitternacht erwartet wird, versucht Eva ihn zu halten, indem sie ihn verführt. Mittlerweile hat die Bande Marc aufgespürt und bezieht außerhalb des Château Stellung.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Nach dem relativen Erfolg seines hierzulande auch als Zombie-Schocker verkauften, melancholischem Infizierten-Drama „Die Foltermühle der gefangenen Frauen“ aka „Zombis – Geschändete Frauen“, kehrte Jean Rollin zu den Anfängen seiner Karriere zurück. Wobei nicht ganz. Ebenso wie „Die Foltermühle der gefangenen Frauen“ kein richtiger Zombie-Streifen ist (trotz Versatzstücken des Genres, so ist „Fascination“ auch kein richtiger Vampirfilm, obwohl natürlich auch er mit den Mythen des Blutsaugerfilms arbeitet. Tatsächlich sind hier aber keine übernatürlichen Wesen, sondern die Mitglieder eines Blut-Kults unterwegs. Diesen hat es scheinbar wirklich gegeben, wenn auch nicht in der Form, in der ihn der Film präsentiert. Aber die merkwürdig surreale Szene, in der zu Beginn des Filmes fein angezogene Damen der hohen Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts in einem blutgetränkten Schlachthof stehen und in Weingläsern Ochsenblut trinken, hat seine Wurzeln in einer obskuren Therapie, die ein französischer Arzt seinen anämischen Patienten anbot.

Die Szene ist zugleich das erste starke, sich unauslöschlich ins Gehirn brennende Bild, welches Rollin in diesem Film erschafft. Das zweite ist natürlich die nackte Brigitte Lahaie, die in einen schwarzen Umhang gehüllt mit der Sense jagt auf ihre Opfer macht. Diese gehören zu den ikonischen Darstellungen in Rollins Filmkarriere. Bilder, die das Kino des Jean Rollin definieren. Seltsam aus dem Rahmen gefallen. Bedrohlich, aber auch höchst erotisch. Erschreckend, aber von einem unwiderstehlichen Reiz. Gerade für die Darstellung des nackten Todesengels fand Rollin dabei seine perfekte Muse: Die wundervolle Brigitte Lahaie, die er zuvor bereits in „Die Foltermühle der gefangenen Frauen“ perfekt zu inszenieren wusste. Auch dort ist es die Lahaie, die einem als erstes in den Sinn kommt, wenn man sich an den Film zurückerinnert. Wie sie in einer Hommage an Mario Bava mit zwei großen Dobermännern in das rechte Licht gerückt wird. Das seltsame entrückte, was auch ihre Darstellung in „Fascination“ ausmacht. Rollin hatte die Lahaie bei einem seiner Ausflüge in den pornographischen Film kennengelernt und war von ihr auf Anhieb, ja, fasziniert.

Und das zurecht. Brigitte Lahaie war in den 70ern die Königin des französischen Erwachsenenfilms. Vielleicht nicht offiziell, aber in der Rückschau und im Herzen ihrer Bewunderer auf jeden Fall. Wie kaum eine andere Darstellerin war sie in diesen Filmen mit Eleganz und Stil bei der Sache. Brigitte Lahaie erzeugt ganz von selbst eine den Zuschauer gefangennehmende Aura, die nicht von dieser Welt scheint. Sie ist gleichzeitig keine klassische Schönheit und dennoch überirdisch schön. Hier ähnelt sie tatsächlich der zuvor erwähnten Gothic-Horror-Ikone Barbara Steele. Dass der Schöpfer sie noch mit einer atemberaubenden Figur gesegnet hat, spielt da nur die zweite Rolle. Insgesamt sieben Mal spielte sie unter Rollin (den Hardcore-Film“Vibrations sexuelles“ mitgezählt). Immer schlafwandelt sie durch die Filme, als wäre sie gar nicht von dieser Welt. Was perfekt in das cineastische Reich des Jean Rollin passt. Unbedingt sollte man die Filme im Original sehen, um Brigitte Lahaies helle, aber doch auch mysteriösen Stimme zu lauschen. Und ihr Auftritt als Sensenfrau gehört wie Karloffs Frankenstein, Lugosis Dracula oder Barbara Steeles Asa ins große Buch der unvergesslichen Horrorikonen.

Erstmals arbeitet Rollin bei „Fascination“ mit dem Komponisten Philipp D’Aram zusammen, der im selben Jahr seine ersten Soundtracks (für die Claude-Zidi-Komödie „Die Schlafmütze“ und „Unmoralische Engel“ des großen Walarian Borowczky, einem – wie Rollin – der Protagonisten der Immoral Tales die in den 70er Jahren in Europa entstanden) produziert hatte. Er löste damit Pierre Raph als Rollins Stammkomponisten ab und seine teilweise rockigen, teilweise experimentellen Sounds sollten den Klang der Rollin-Filme bis zu seinem letzten Film „Le masque de la Méduse“ definieren. Mit Ausnahme von der Lahaie, die bereits Kameraerfahrung mitbrachte, stehen die meisten der Schauspieler hier erstmals vor der Kamera. Man merkt dies deutlich, wenn sie etwas steif und ungelenk agieren. Was allerdings die unwirkliche Atmosphäre unterstützt, die in „Fascination“ vorherrscht. Alle wirken, als stammten sie aus einer anderen, unwirklicheren Welt, die mehr die Projektion eines Traumes ist, als in einer realen Historie verwurzelt. Wozu auch die Kostüme der Handelnden beitragen, die gerade bei den Verbrechern und „Helden“ Marc – wenn man bösartig sein möchte – an Faschingskostüme erinnern. Bei den Damen des Blut-Kults an Fetisch-Gewänder. Aber nie an etwas, was jemand im realen Leben tragen würde oder getragen hat. Hier kommt bereits Rollins Liebe zum Pulp-Roman und Comic zum Vorschein, die er Mitte der 80ern in seinen Filmen noch intensiveren sollte.

All dies zusammengenommen ergibt einen Film, der für heutige Sehgewohnheiten vielleicht etwas sperrig daher kommt und in einer ungünstigsten Situation eine partywütige „Geil-voll-der-Trash“-Fraktion (wie unlängst beim Mondo Bizarr in Düsseldorf bei der Vorführung des weitaus zugänglicheren, aber auch viel traurigeren „Foltermühle“ erlitten) zum ungepflegten Grölen bringen würde. Aber der cinephile Connaisseur entdeckt hier einen Film, der die Erinnerung an einen Traum am Ende einer Herbstnacht, die man während eines Lyrik-Semsters bei Kerzenschein mit französischer Pulpliteratur und einer guten Flasche Rotwein verbracht hat.

Dies ist die nunmehr siebte Folge der bei Wicked Vision erschienen Reihe „Jean Rollin Collection“. Und wie den Veröffentlichungen zuvor, merkt man dem Mediabook die Liebe an, die hier hineingeflossen ist. Für die deutsche HD-Premiere des Films wurde der Film von Wicked Vision noch einmal neu vom Originalnegativ abgetastet. Und das merkt man auch. Das Bild ist wirklich sehr gut und verliert auch nicht seinen „film look“. Auch beim Ton braucht man keine Abstriche zu machen. Dieser liegt jeweils auf Deutsch und Französisch sowohl in DTS-HD High Resolution Audio 2.0 Stereo und Dolby Digital 2.0 Stereo vor. Wobei die französische Tonspur zu präferieren ist, da sie natürlicher klingt und zudem die Stimme von Brigitte Lahaie einfach besser zu ihrer Rolle passt. Weiter geht es mit den reichlichen Extras. Das (sehr) kurze Grußwort von Brigitte Lahaie würde ich jetzt nicht dazu zählen, da ist das Intro durch Jean Rollin schon interessanter. Spannend auch die beiden Features „Die Musik von „Fascination“ mit Philippe d’Aram“ und „In Erinnerung an Natalie Perrey“. Ein Interview mit Jean Rollin gehört ebenfalls zu den Extras. Besonders gefreut habe ich mich über die Jean-Rollin-Episode „Virgins and Vampires“ aus der großartigen britischen TV-Reihe „Eurotika“, deren Folgen man zwar auch im Netz, dort aber in z.T. erbarmungswürdiger Qualität findet. Eher von historischem Interesse sind die geschnitten Sexszenen. Einmal mit Brigitte Lahaie und Jean-Marie Lemaire dann mit der Lahaie und einem Mitglied der Verbrecherbande. Dabei handelt es sich um alternative Einstellungen aus den im Film enthaltenden Szenen. Scheinbar nur gedreht, um genügend Schnittmaterial für die letztendlich inkludierten Szenen zu haben. Bildergalerie, deutscher und Original-Trailer runden das Bild ab. Ferner gibt es noch ein sehr spannendes, 24-seitiges Booklet für das vor allem Pelle Felsch verantwortlich zeichnet. Dieses habe ich erst nach dem Erstellen dieser Review gelesen und mich darüber gefreut, dass wir beide dieselben Eindrücke haben. Die zwei zusätzlichen Seiten von David Renske hätte es danach nicht mehr unbedingt gebraucht, ich habe aber positiv zur Kenntnis genommen, dass er hier seinen sonstigen bewusst schnodderigen Stil etwas zurückgenommen hat.

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 31/32 erhältlich und Geburtstagsfeier in Magdeburg

Von , 14. Mai 2019 06:36

Schon etwas länger erhältlich, wollte ich es nicht versäumen auf das aktuelle 35-Millimeter-Retro-Filmmagazin hinzuweisen. Diesmal ist es eine ganz besondere Ausgabe, denn in der Doppelnummer 31/32 gibt es gleich zwei Jubiläen zu feiern. Zum einen den 210. Geburtstag (oder auch 170. Todestag – aber ich finde, das erstere Ereignis schöner) des großen Edgar Allan Poe. Hierzu haben unsere Redakteure wieder viele tolle, interessante und manchmal auch überraschende Artikel beigesteuert. Ich selber durfte mich Poes Erzählung „Das verräterische Herz“ annehmen und habe mich durch neun Verfilmungen geschaut, welche ich im Heft allesamt vorstelle.

Neben Edgar Allan Poes Geburts- bzw. Todestag feiert aber auch die „35 Millimeter“ ihr nunmehr 5 Jähriges Bestehen. Wow! Ich bin wirklich stolz darauf ein Teil dieses – wie ich ganz ehrlich finde – tollen Heftes zu sein. Und dies seit jetzt auch schon seit der Ausgabe #11 im Oktober 2015 festes Mitglied der 35-Millimeter-Redaktion und ab Ausgabe #17 als stellvertretender Chefredakteur. Unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Hierzu ein kleiner Veranstaltungstipp: Anlässlich des 5-Jährigen Jubiläums wird es am Samstag, den 1. Juni im Moritzhof in Magdeburg eine 35-Millimeter-Geburtstags-Sause geben. Das umfangreiche Programm aus Kinofilm, Live-Musik und Lesung. Robert Zion liest aus seinem neuen Buch „Roger Corman – Die Rebellion des Unmittelbaren“, mit vielen Filmausschnitten auf der Kinoleinwand. Jakob Gardemann und Christoph Seelinger begleiten eine italienische Poe-Verfilmung musikalisch. Und am Ende gibt es einen Überraschungsfilm. Durch den Geburtstagsabend aus Bild, Ton und Wort geleitet der Magdeburger Kabarettist und 35-Milliemter-Redakteur Lars Johansen. Ausserdem reisen noch weitere Redaktionsmitglieder aus den unterschiedlichsten Winkeln der Republik an. Unter anderem einer aus Bremen 🙂

Los geht es um 18:00 Uhr und weitere Infos findet man hier: https://moritzhof-magdeburg.de/

Aber zurück zur aktuellen 35-Millimeter Ausgabe. Die steckt natürlich noch randvoll mit noch mehr schönen Dingen. U.a. ein Interview, welches ich mit dem großartigen und super-sympathischen Christian Keßler anläßlich seines Auftritts bei unserer Weird-Xperience-Reihe führen durfte

Und was den Leser sonst noch so erwartet, findet Ihr hier im Inhaltsverzeichnis.

Das Bloggen der Anderen (13-05-19)

Von , 13. Mai 2019 19:07

– Die Kurzfilmtage in Oberhausen gehören zu den bedeutendsten, traditionsreichsten und ältesten Filmfestivals in Deutschland. Bald ist es wieder soweit und Frédéric Jaeger lässt die diesjährige Ausgabe auf critic.de noch einmal Revue passieren. Stephan Ahrens blickt auf das portugiesische Kino im Nationalen Wettbewerb des Festivals IndieLisboa zurück.

– Ich gebe zu, dass ich gewisse Vorurteile gegenüber der Genrenale hege. Schön von Sophie Brakemeier auf Filmlöwin zu lesen, dass dort aber auch eigenwillige, rätselhafte Filme wie „Wo kein Schatten fällt“ gezeigt werden.

Kino-zeit.de hat auf einer Klick-Strecke die für die Redaktion interessantesten Filme bei Cannes 2019 zusammengestellt.

– Patrick Holzapfel freut sich auf Jugend ohne Film über den Inhalt (weniger die Machart) des Portraitfilms „Nice Girls Don’t Stay For Breakfast“, der dem großartigen Robert Mitchum versucht ein Denkmal zu setzen.

– Das iranische Kino ist meines Erachtens nach eines der interessantesten überhaupt. Bisher sah ich aus diesem Land nur gute bis sehr gute Filme. Auch der Film „Eine moralische Entscheidung“ von Vahid Jalilvand, den Peter Gutting auf cinetastic vorstellt klingt sehr spannend.

– Für mich bisher einer der Filme des Jahres: „Climax“ von Gaspar Noe, der mich psychisch und sogar physisch sehr mitgenommen hat. Hier die Review von funxton.

Robert Zion zeigt sich sehr begeistert von Peter Fondas Western „Der weite Ritt“.

– Oliver Nöding schreibt viele interessante Dinge zu „Lebendig begraben“ von Roger Corman. Seine spannenden Gedanken kann man auch Remember It For Later nachlesen.

– Ein persönlicher Lieblingsfilm, der bei Bluntwolf auf Nischenkino vielleicht nicht ganz so gut wegkommt, wie bei mir: „Milano Kaliber 9“. Dafür sind wir uns dann aber bei „Das ferpekte Verbrechen“ einig.

– Christian von Schlombies Filmbesprechungen hat sich beim japanischen High-School-Superheldinnen-Film „Sukeban Deka“ so gut amüsiert, dass der auch gleich Teil 2 hinterher geschoben hat, der ihm allerdings weitaus weniger gefiel.

– Zum Abschluss noch ein Klassiker und weiterer Lieblingsfilm: „Der öffentliche Feind“ mit der fabelhaften James Cagney in seiner Paraderolle. Totalschaden von Splattertrash empfiehlt ihn auch.

Das Bloggen der Anderen (06-05-19)

Von , 6. Mai 2019 19:04

– Rochus Wolff macht sich auf kino-zeit.de darüber Gedanken wann und wie Kinder an Horrorfilme herangeführt werden sollten und erinnert sich dabei daran, wie das damals bei ihm war. Katrin Doerksen blickt zurück, wie sich Filme, die sich mit dem Thema ungewollten Schwangerschaften und Abtreibungen auseinandersetzen von der Weimarer Republik bis heute verändert haben.

– Immer wieder schön zu lesen: Bert Rebhandl fasst auf Cargo den Inhalt der Zeitschrift „Filmkritik“ aus dem April 1969 zusammen.

– Peter Hartig hat für out takes den Programmleiter Krystof Zlatnik und den Festivalorganisator Paul Andexel der Genrenale interviewt, die nun schon seit sechs Jahren durchgeführt wird und sich in diesem Jahr erstmals terminlich von der Berlinale abgekoppelt hat. Sehr interessant und auch gut nachgefragt. Auch wenn mir eine Frage fehlt: Warum werden einheimische Genrefilme eigentlich nicht vom deutschen Publikum angenommen, wenn sie dann mal auf die Leinwand kommen?

– Filmemacher Christoph Hochhäusler hat einige Filme wiedergesehen und dazu kleine Besprechungen auf seinem Blog Parallel Film verfasst.

– Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry einen sehr schönen Text über Artefakte auf analogem Filmmaterial verfasst.

– André Malberg schreibt (auf Englisch. Warum eigentlich?) auf Eskalierende Träume über Roberta Findlays Spätwerk „Lurkers“. Und er empfiehlt William Hellfires “Upsidedown Cross“, den er als “wild crossbreed between Friedkin classic “The Exorcist” and “Her Name Was Lisa” (Roger Watkins, 1979)” bezeichnet.

– Flo Lieb von symparanekronemoi hat den Anime “ Mirai no Mirai“ gesehen. Einen Familienfilm mit phantastischen Elementen, der ihm gut gefallen hat.

Filmlichter über einen der Über-Actionfilme der 80er Jahre. Den im wahrsten Sinne des Wortes explosiven „Phantom-Kommando“. Ein Lieblingsfilm von mir. Damals habe ich mich bei dem sogar ins Kino geschlichen. /

– Lange, lange nicht gesehen. Fulcis später Giallo „Murder Rock“. Damals unter dem Eindruck der „klassischen“ Fulcis als „na ja“ verbucht, bin ich heute – auch nach Bluntwolfs Besprechung auf Nischenkino – doch neugierig, wie er heute, wo ich mich auch ausführlich mit Fulci beschäftigt habe, auf mich wirken würde.

– Oliver Nöding hat sich auf Remember It For Later zweier ganz unterschiedlicher Science-Fiction-Filmen angenommen. Zum einen dem bunten und fantasievollen „This Island Earth“ und zum anderen den eher nüchternen „Andromea Strain“, der mir einst bei seiner TV-Ausstrahlung im ARD-Nachtprogramm den Schlaf geraubt hat.

– Zum Abschluss noch ein Kopfsprung in die Untiefen des deutschen Unterhaltungsfilms der 80er Jahre. Funxton über die Lisa-Produktion „Her mit den kleinen Schweinchen“.

Blu-ray-Rezension: „Mothra bedroht die Welt“

Von , 1. Mai 2019 12:33

Nachdem vier Schiffbrüchige von einer durch Atombombenversuche verseuchte, polynesische Insel gerettet werden, stellt man fest, dass sie unter keinerlei Strahlungsvergiftung leiden. Die Geretteten führen dies auf ein Getränk zurück, welches sie von Eingeborenen bekommen hätten. Die Regierung des Landes Roliscia – welches für die Tests verantwortlich war – und Japan stellen eine Expedition unter der Führung des zwielichtigen Roliscianer Clark Nelson (Jerry Ito) zusammen, zu der auch Dr. Shinichi Chūjō (Hiroshi Koizumi) und Journalist Zen’ichiro Fukuda (Frankie Sakai) gehören. Auf der Insel entdecken sie den Eingeborenenstamm, tödliche Riesenpflanzen und zwei winzige Feenwesen (The Peanuts). Nelson sieht die Chance für ein gutes Geschäft und entführt die Feen, um diese in einer sensationellen Show auszustellen. Keine gute Idee, denn die beiden stehen mit einer monströsen Macht auf ihrer Heimatinsel in telepathischen Kontakt. Dr. Chūjō und Fukuda erkennen die drohende Gefahr und versuchen die Feen aus Nelsons Klauen zu befreien. Währenddessen macht sich etwas auf den Weg nach Japan…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Während man hierzulande bei japanischen Monsterfilmen zuallererst an Godzilla denkt, so ist der sogenannte Kajiu-Kosmos doch um einiges reicher und bunter. Bunter trifft vor allem auf den ungewöhnlichsten Monster-“Helden“ zu. Die gigantische Motte Mothra, welche mit dem Schlagen ihrer hübsch gefärbten Flügeln ganze Städte dem Erdboden gleich machen kann. Und die im telepathischen Kontakt mit zwei winzigen Feenwesen steht. Im Gegensatz zu dem grimmigen Godzilla, der zumindest in den ersten Filmen eine echte, bösartige Gefahr für die Menschheit war, ist Mothra im Grunde ihres Motten-Herzens eine gute Seele. Auch in späteren Filmen ist sie immer Retterin in der Not und steht eindeutig auf der Seite des Guten. Dass sie in ihrem Debütfilm „Mothra bedroht die Welt“ einiges an Zerstörung anrichtet, ist dann auch gar nicht ihre Schuld, sondern die eines schleimigen, geldgierigen Schurken, der aus dem fiktiven Land Roliscia (eine Mischung der japanischen Wörter für Amerika und Russland, beides Erzfeinde der Japaner) stammt. Der Schauspieler Jerry Itō – mit japanisch-amerikanischen Wurzeln – spielt diesen Unsympath immer einen Fuß über der Grenze zum over-acting. Sein Nelson ist von solch verabscheuungswürdiger Gier, Skrupellosigkeit und Selbstverliebtheit, dass einem speiübel werden kann. In einer Szene mäht er mit dem Maschinengewehr unschuldige Eingeborene nieder und man sieht ihm zu jedem Moment an, wie er dies genießt.

Es dauert lange, bis Mothra in Aktion tritt. Die Hälfte des Filmes ist übergangen, bis sie sich zunächst in Raupenform auf den Weg nach Japan macht. Davor wird man mit den Helden des Filmes vertraut gemacht, die Nelson auf seiner Expedition auf die polynesische Insel begleiten, wo man trotz exzessiver Atombombenversuche durch Roliscia keine radioaktive Strahlung misst. Was genau Nelson dort zu finden hofft, bleibt im Dunkeln. Gefunden werden jedenfalls die beiden Feenwesen, welche von dem – auch in Deutschland relativ erfolgreichen – japanischen Pop-Duo The Peanuts (Yumi Itō und Emi Itō) gespielt werden. Ferner stößt man auf einen etwas unheimlich wirkenden Eingeborenenstamm und giftige Riesenpflanzen. Aus dieser Konstellation hätte man sicherlich noch mehr herausholen können, doch die Expedition ist nur der Aufhänger zur Story, nicht – wie bei „King Kong“, an den diese Episode entfernt erinnert – ein eigenständiges Plot-Element. Die Entführung der Elfen von der Insel setzt dann endlich die Ereignisse in Gang, die zur Erweckung Mothras und der Zerstörung durch die Riesenmotte führen. Wie immer, wenn Mothra in einem Film auftaucht wird es musikalisch. Denn ausführlich wird der Eingeborenenstamm bei seiner gesanglichen und tänzerischen Beschwörung Mothras gezeigt. Aber auch die Besetzung der Feen mit den Peanuts erfolgte nicht ohne Grund. Ihr Gesangstalent wird von Nelson schamlos in einer Bühnenshow ausgebeutet, was fast schon zu Musical-ähnlichen Szenen führt. Zu dumm (oder für den Kaiju-Fan zum Glück), dass zum Song-Repertoire auch das Beschwörungslied gehört, welches Mothra erweckt.

Obwohl man lange auf Mothras ersten Auftritt warten muss, ist der Film von Anfang an rasant, gradlinig und sehr unterhaltsam ausgefallen. Was neben dem schillernden Bösewicht auch an den sympathischen Helden liegt. Schön die erste Szene, in der Dr. Shinichi Chūjō eingeführt wird. Die ganze Zeit sieht man ihn (oder sieht ihn gerade nicht) hinter einer Zeitung, da er sehr pressescheu ist und verhindern will, dass Presse-Fotografin (Kyoko Kagawa, in diesem Film leider eher Beiwerk) ihn ablichtet. Als man ihn dann sieht, wirkt er unrasiert und mit wirrem Haar dann, als sei er gerade aus dem Bett aufgestanden. Neben dem guten Doktor gibt es noch einen kräftig gebauten Zeitungsreporter, der zunächst als lustige Nebenfigur eingeführt wird, dann sich dann aber mit zunehmender Handlung als überraschend kompetenter und schlagkräftiger Held erweist, der es auch mal mit einer ganzen Gruppe Schlägern aufnimmt. Vor allem stimmt die Chemie zwischen den Protagonisten, was sich auch auf den Zuschauer überträgt. Dort fügt sich sogar Dr. Chūjōs übergewichtiger, kleiner Sohn ein, der nicht als typischer nervend-aufgeregter Neunmalklug inszeniert wird, sondern wie die anderen dazu beiträgt, dass die Geschichte am Ende gut ausgeht.

Mit den menschlichen Darstellern hat „Mothra“ also schon mal ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Wie sieht es mit dem eigentlich Star des Films, der Riesenmotte Mothra aus? Mothra war schon immer eines der interessantesten Monsterwesen aus Japan. Was einerseits an der eher ungewöhnlichen Mythologie mit den Feen und dem polynesischen Inselbewohnern liegt, andererseits daran, dass Mothra eben eine Motte ist, und kein klassisches „gefährliches“ und „hässliches“ Wesen, wie seine Kollegen. Mothra hat immer etwas Elegantes und Knuddeliges. Mothra war nie wirklich böse und hatte ein ätherisches, nettes Wesen. Lediglich in seiner Inkarnation als Raupe – nicht besonders hübsch, aber auch nicht wirklich furchterregend – hat Mothra zumindest einen Hauch von „Monster“. Die Spur der Zerstörung, die Mothra durch Japan und Roliscia eine Mischung aus Notwehr (eigentlich will Mothra nur die Feen aus den schmierigen Klauen Nelsons retten) und Missverständnis (Mothra zerstört nicht mutwillig, sondern das Schlagen ihrer Flügel ist für die enormen Druckwellen verantwortlich). Die Zerstörung ist wie bei den frühen Godzilla-Filmen oder Rhodan wieder sehr liebevoll mit Modellen umgesetzt. Auch wenn hier manchmal etwas exzessiv dieselben Kulissen verwendet werden. Für die Tricksequenzen griff Regisseur Ishirô Honda auf das Team zurück, mit dem er schon bei „Godzilla“ und „Die fliegenden Monster von Osaka“ zusammengearbeitet hat. Vor allem dem großen Eiji Tsuburaya, der zeitweise mit Willis O’Brien und Ray Harryhausen in einem Atemzug genannt wird.

Schön, dass nach „Godzilla“ auch andere Kaiju-Monster eine solch schöne Auswertung in Deutschland erhalten. Mothra ist in dem Zusammenhang sicherlich eines der beliebtesten und mit seiner im eigenen Mythologie auch eines der bekanntesten kaiju. In ihrem Filmdebüt taucht die große Motte nicht besonders häufig auf und es dauert lange, bis sie in voller Pracht und in Aktion zu bewundern ist. Darum ist „Mothra bedroht die Welt“ weitaus mehr als anderen japanischen Monsterproduktion von seinen menschlichen Hauptdarstellern abhängig. Dies schien auch Regisseur Ishirô Honda bewusst, denn hier stimmt die Chemie der Helden untereinander und der eklige Schurke ist wunderbar hassenswert. So kommt auch ohne geballte Monster-Action keine Langeweile auf.

Erstmals enthält eine Erstveröffentlichung aus Anolis‘ wunderbaren und schnell vergriffenen Kaiju-Classics in der charakteristischen Metallhülle eine Blu-ray. Bisher waren das ja immer reine DVDs, wobei vor Kurzem einige Blu-ray-Versionen nachgereicht wurden. Die Bildqualität ist wie erwartet eine Wucht. Zwar besteht meiner Meinung nach gerade bei den kaiju-Filmen die Frage, ob das große Plus an Qualität der Bilder nicht zu viele Illusionen zerstören, wenn man alle Fäden und Spielzeigmodelle in größter Klarheit sieht. Doch spätestens, wenn man die wundervoll schimemrnde Mothr durch die Lüfte segeln sieht, sind diese Bedenken zerstreut. Man kann zwischen der gekürzten US-Fassung (auf der auch die deutsche, erstmalig 1994 auf Kabel Eins ausgestrahlten, Fassung beruht) und der japanischen Fassung wählen. Die deutsche (TV)-Synchro ist solides Mittelmaß. Der Ton der japanischen Fassung klingt etwas lebendiger. Die gekürzte Fassung hat zudem noch eine englische Tonspur. Dann wird wieder einiges an Audiokommentaren aufgefahren. Zunächst ein englischsprachiger Kommentar mit Steve Ryfle und Ed Godziszewski, den Autoren der Dokumentation „Bringing Godzilla Down to Size: The Art of Japanese Special Effects“. Dann einen deutschsprachigen vom bewährten Trio Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Ingo Strecker. Und zuletzt noch ein Solo-Kommentar von Florian Bahr. Ansonsten hat man auf der Extras-Seite noch eine rund 4-minütige Super-8-Fassung im unrestaurierten Vollbild und Trailer. Nicht zu vergessen noch das 20-seitige Booklet von Ingo Strecker mit dem schönen Titel „Hier kommt Madame Butterfly“.

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