Das Bloggen der Anderen (26-02-18)

Von , 26. Februar 2018 18:09

– Bevor es gleich wieder reichlich Berlinale gibt, hier erst einmal die wichtigen Dinge im Leben. Davids zweiter Teil seiner „Euphorien vom 17. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos“ auf Whoknows presents.

– Und nun zur Berlinale. Den Goldenen Bären hat ja „Touch Me Not“. Über diesen Film hat auch die Filmlöwin geschrieben. Und auch Michael Sennhauser von Sennhausers Filmblog hat sich mit dem Film auseinandergesetzt. Sowie mit Małgorzata Szumowskas von mir mit Spannung erwarten „Twarz“ und (Wettbewerb) und Lav Diaz 4-stündigen „Season of the Devil“. Till Kadritzke schreibt auf critic.de über drei Filme aus dem diesjährigen Berlinale-Programm, welche „die sogenannte Flüchtlingskrise in ihre Werke verbauen“. Die Studierenden des Seminars „Schreiben über Film – Berlinale 2018“ nehmen sich den Dokumentarfilm „Waldheims Walzer“ vor. Peer Kling und Elisabeth Niggemann berichten auf Filmlandschaft über „Utøya 22. Juli“ des norwegischen Regisseurs Erik Poppe. Schwanenmeister von Negative Space empfiehlt den Dokumentarfilm „Full Metal Walaa“ über ein 15-jähriges Mädchen, das davon träumt, zur Polizei der Palästinensischen Autonomiebehörde zu gehen. Ferner hat er ein neues hoffnungsvolles Genretalent aus Deutschland entdeckt: Tilman Singer mit seinem Debütfilm „Luz“. Klingt spannend!  Für Revolver war Katrin Eissing auf der Woche der Kritik und schreibt über „Waiting for April“ und „Madame Hyde“.

Der Kinogänger weiß, was im März und April so alles in deutschen Kinos kommt.

– Dr. Wily macht in seiner Untersuchung des Marvel Cinematic Universe einen gewaltigen Sprung und berichtet auf Wilsons Dachboden über den aktuellen Marvel-Film „Black Panther“.

– Ein neuer Sion Sono kommt in deutsche Kinos!!! Wobei „neu“ ist relativ. Stammt das Werk doch schon aus 2015. Aber trotzdem ist das natürlich ein Grund sich zu freuen, auch wenn Oliver Armknecht auf film-rezenionen.de von „The Virgin Psychics“ nicht ganz so angetan ist.

Allesglotzer über „Here Comes The Devil“ von Adrian Garcia Boglianos, den ich trotz deutlicher Schwächen ganz gerne hatte. Seine Review trifft, wie ich finde, den Nagel auch auf den Kopf.

– Hui, den Film „Die Würgehand“ den Cornelius Hintner 1920 drehte kannte ich bisher noch nicht, aber Christians Besprechung auf Schlombies Filmbesprechungen klingt interessant. Über seine Meinung zu Jean Rollins wunderbaren „Fascination“ schreibe ich mal lieber nichts und drücke zwei tranengefüllte Augen zu.

Hauptsache (Stumm)Film hat „Do Detectives Think?“, den zweiten Film, in dem Stan Laurel und Oliver Hardy als das Duo auftraten, verlinkt. Ein YouTube-User hat ihn aus der ZDF-Sendung „Zwei Herren dick und doof“ und der Originalfassung des Films neu zusammengestellt. Ferner schreibt er über George Cukors ausschließlich mit Frauen besetzten „The Women“.

– Sebastian schreibt auf Magazin des Glücks über drei Kostümfilme der 1950er Jahre, die „statt penibler Rekonstruktion von Vergangenheit auf Verfremdungseffekte setzen, auf Erweiterung filmischer Möglichkeiten mit den Mitteln des Theaters, der Oper, des Zirkus“.

Robert Zion schwärmt von Andre de Toth und seinen Western „Indian Fighter“ mit Kirk Douglas. Sehr lesenswert und schön bebildert.

– Oliver Nöding führt auf Remember It For Later seine John-Ford-Retrospektive fort und ist bei „The Hurricane“ von 1937 nicht nur von den Action-Szenen und Special Effects begeistert.

– „Experimentierfreudigen und toleranten CineastInnen wird hier herrlich abstruse und bluttriefende Zerstreuung kredenzt“ schreibt Mauritia Mayer auf Schattenlichter über „Alucarda – Tochter der Finsternis“ – einen weiteren weißen Flecken auf meiner Seh-Karte, den ich schleunigst einfärben muss.

Vorschau und Gedanken zum 4. Filmfest Bremen

Von , 22. Februar 2018 15:06

Vor zwei Wochen schon kam die Nachricht rein, dass sich das Bremer Filmfest (20. – 23. September) in diesem Jahr noch einmal vergrößert. Nachdem das erste Filmfest noch genau 24 Stunden lief, werden es nun in 2018 vier volle Tage sein und die Spielstätten nicht nur auf die Schauburg beschränkt sein, sondern auch auf das Atlantis und das Theater am Goetheplatz mit einbeziehen. Vom ursprünglichen Konzept, nur Filme zu zeigen, die aus Bremen stammen, in Bremen oder von Bremern/mit Bremer Beteiligung gedreht wurden, wird im Kern nicht abgerückt – aber es wird ein wenig erweitert. In diesem Jahr gibt es nämlich auch eine international ausgeschriebene Wettbewerbssparte zum Thema Humor und Satire. Nordbuzz zitiert dazu einen der Veranstaltern: „Gezeigt wird hier alles, was filmisch gekonnt erzählt ist und sich durch einen Sinn für Humor auszeichnet, egal ob leise oder laut, ob ironisch, lakonisch, tragisch, absurd oder provokativ. Dabei sind alle Formate und Längen herzlich willkommen.“

Ich bin ja durchaus zwiegespalten, was das Bremer Filmfest angeht. Einerseits begrüße ich es natürlich sehr, dass hier etwas für die Bremer Filmszene getan wird und Bremen auch in den Köpfen der Bürger und Bürgerinnen als „Filmstadt“ verankert werden soll. Das macht dieses Festival einzigartig und unterscheidet es auch sehr deutlich von anderen Filmfestivals in Deutschland. Andererseits habe ich in den vergangenen Jahren aber auch nichts im Programm gefunden, was mich so sehr interessiert hätte, dass ich trotz engem Zeitmanagement (das letzte Festival fiel in eine Zeit, wo ich generell viel unterwegs war) unbedingt vorbeischauen wollte. Der internationale Wettbewerb zum Thema Humor und Satire spricht mich spontan auch nicht besonders an und macht auf mich erst einmal nur den Eindruck, dass hier ein Crowdpleaser gesucht wurde, um das Festival populärer zu machen. Was auch nichts verwerfliches ist und sicherlich der richtige Weg.

So schlagen doch zwei Herzen in meiner Brust. Das eine wünscht sich ein Festival, welches – wenn schon nicht mit Oldenburg oder Emden/Norderney, so doch zumindest mit Braunschweig oder Osnabrück vergleichbar wäre. Mit aktuellen, mutigen, wilden Filmen aus aller Welt. Andererseits finde ich es sehr charmant, die lokalen Filmemacher durch eine solche, groß beworbenen und als Event angekündigte Veranstaltung zu unterstützen. Die Frage ist aber: Müssen es dafür ganze vier Tage sein? Da die „Filmstadt Bremen“ leider nur sehr wenig Geschichte aufweisen kann (und die in Bremen gedrehten, größeren Film fast alle schon in den vergangenen Jahren gezeigt wurden), wird es auch dieses Jahr sicherlich keine große Retrospektive Bremer Kinomenschen geben. Obwohl mir da doch noch ein paar Kandidaten wie z.B der Hans Dreier (dreifacher Oscar-Gewinner und Art Director bei unzähligen Hollywood-Klassikern, dem immerhin auf dem 2. Filmfest Bremen ein Film gewidmet wurde), Karl Walter Lindenlaub (früher Stammkameramann von Roland Emmerich und noch heute erfolgreich in den USA tätig) oder Günter Meisner (großartiger Charakterdarsteller u.a. in „Lawinenexpress“ und „Im Glaskäfig) einfallen würden.

Irgendwie sitzt das Filmfest meines Empfinden nach in diesem Jahr zwischen zwei Stühlen: Dem der kleinen, lokalen „Leistungsschau“ und jenem mit dem Schielen auf etwas Größeres, als es momentan ist. Aber bis zum September sind ja noch einige Monate und bisher steht ja auch noch kein Programm. Ich bin zumindest sehr gespannt, wie sich das alles entwickelt und was uns dieses Jahr so alles erwartet. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass auch das vierte Bremer Filmfest ein Erfolg wird und sich daraus Großes für Bremen entwickelt.

Ein weiterer Programmpunkt steht jedenfalls schon fest: Auch diese mal wird es den beliebten Kurzfilmwettbewerb „Klappe!“ geben und dieser wird das Festival am Donnerstag, 20. September, auch eröffnen und einen ganzen Abend im Mittelpunkt stehen – inklusive Premieren, Preisverleihung und Party.

 

„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 25 erhältlich

Von , 21. Februar 2018 14:05

Die erste 35MM-Ausgabe des neuen Jahres liegt vor. Die erste auch unter der Ägide unseres neuen Chefredakteurs Clemens Williges. Und das Heft ist wieder richtig schön geworden. Schwerpunkt ist diesmal Alfred Hitchcock. Theoretisch ein ziemlich ausgelutschtes und auserzähltes Thema. Das wissen wir auch und haben uns in Ecken und Nischen begeben, über die noch nicht tausendmal geschrieben wurde. Da sind einige sehr spannende Themen zusammengekommen.

Mir wurden ganze vier Seiten spendiert, auf denen ich mich über Hitchcocks französischsprachigen Propagandafilme „Bon Voyage“ und „Aventure malgache“ auslassen durfte. Weitere Themen sind seine Komödien, die Stummfilme, die Rolle seiner Ehefrau Alma Reville und vieles mehr. Reinschauen lohnt sich!

Des weiterengibt es noch die Kolumnen zum Film Noir von Oliver Nöding, zu Indischen und Skandinavischen Kino von Martin Abraham, zum Monsterfilm von Leonard Elias Lemke und, und, und…

Aber seht selbst:

Heft #25 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

Filmbuch-Rezension: „Horror Kultfilme“

Von , 20. Februar 2018 21:59

Das Buch „Horror Kultfilme“ aus dem Schüren Verlag beruht auf einer von den drei Herausgebern organisierten und geleiteten Ringvorlesung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Die interdisziplinäre Vorlesungsreihe ist eine Initiative des dortigen „Arbeitskreises Visuelle Kultur“. Das Buch richtet sich also an an Leser, die einerseits vor einem wissenschaftlichen Ansatz und einer damit einhergehenden wissenschaftlichen Sprache keine Scheu haben. Wobei diese in den hier versammelten Artikeln nicht in eine für Laien fast schon unlesbare Fremdsprache abgleitet, sondern mit einer gewissen Konzentration gut lesbar ist. Andererseits ist das Buch vor allem für Leser interessant, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema „Horrorfilm“ beschäftigt haben.

So dürfte der Exkurs in das Genre des Vampirfilms und die Vorstellung des Romans „Dracula“ gleich im ersten Beitrag von Susanne Bach für den Kenner der Material eher uninteressant sein. Und der Freud-Bezug des Unheimlichen wurde auch schon an anderer Stelle ausführlich analysiert. Wobei es aber spannend ist, dass die Autorin gerade Francis Ford Coppolas nicht ganz so populäre „Dracula“-Verfilmung in den Mittelpunkt ihres Textes stellt.

Markus Stiglegger steuert einen sehr interessanten Artikel zu Dario Argentos Meisterwerk „Suspiria“ und dessen Einflüsse bei. Dies dürfte einem aufgrund seiner anderweitig veröffentlichten Texte zu „Suspiria“ und dem italienischen Genrefilm teilweise bekannt sein. Auch hier: Ein gut geschriebener Artikel für Einsteiger ins Thema, der viel Bekanntes noch einmal zusammenfasst.

Arno Rußland nutzt Mel Brooks „Frankenstein Junior“ weniger, um auf den Frankenstein-Mythos, sondern vielmehr die Mechaniken der Parodie einzugehen. Ein guter Ansatz, da Frankenstein bekannt genug ist, um die parodierten Elemente gut nachvollziehen zu können.

Sehr interessant fand ich Angela Fabris‘ Ansatz, Dario Argento und Mario Bava anhand von „Profondo Rosso“ und des etwas weniger bekannten, aber nichtsdestotrotz wegweisenden Frühwerks „The Girl Who Knew Too Much“ gegenüberzustellen. In der Regel reduziert sich der Vergleich ja immer auf Bavas „Blutige Seide“. Besonders spannend ist dieser Artikel im Vergleich zu Ingo Knotts Beitrag in „Dario Argento – Anatomie der Angst“, welcher sich – bei unterschiedlichem Fazit – mit demselben Thema beschäftigt.

Auch interessant ist Jörg Helbigs Beitrag über Pete Walkers Spätwerk „House of Long Shadows“ als postmodernes Spiel mit den Genrekonventionen. Besonders hat mir aber Sabrina Gärtners sehr gut geschriebener, analytischer Artikel zu Jessica Hausers „Hotel“ gefallen, in dem sie aufzeigt, wie mit Hilfe zahlreichen Verweisen und Zitaten, typischen Motiven, Klischees und Handlungsstrukturen ein komplexes Symbolsystem aufgebaut worden ist. Schade, dass gerade Frau Gärtner nicht im Autorenverzeichnis geführt wird.
Benjamin Moldenhauers Beitrag zu dem „drastischen Horrorfilm“ ist ein sehr gutes Konzentrat seines sehr empfehlenswerten Buches „Ästhetik des Drastischen“. Wer sich erstmalig mit seinen Thesen und Theorien erstmalig vertraut machen möchte, ist hier genau richtig. Wer jenes Buch bereits kennt, wird den Artikel wahrscheinlich eher zur Auffrischung überfliegen.

Michael Fuchs setzt sich mit dem „Animal Horror“ auseinander und nutzt „Jurassic Park“, „Mimic“ und „Shark Night“ als Beispiele. Ein spannendes Thema, von dem ich mir eine größere Arbeit in Buchform wünschen würde.

Frank Hentschel hat bereits ein schönes Buch zum Thema Filmmusik im Horrorfilm geschrieben („Töne der Angst“). Dort hatte er sich auf die 70er Jahre konzentriert. Sein lesenswerter Artikel hier ist so etwas wie ein „Sequel“, denn er beschäftigt sich mit der Horrorfilmmusik der letzten sieben Jahre.

„Kult-Horrorfilm“ endet mit einigen Listen, auf denen u.a. „Die 20 bedeutendsten Horrorfilm-Regisseure der Filmgeschichte“, „Die 30 besten Horrorfilme aller Zeiten“ (ausgerechnet ausgewählt nach ihrem Rotten-Tomato-Rating) oder“ Die 10 besten Horrorfilm-Remakes aller Zeiten …“,“…und die 5 schlechtesten“ zu finden sind. In meinen Augen ziemlich witzlose Seitenfüllerei, die sich auch hier an den Genre-Novizen richtet und diesem vielleicht im besten Fall einen ersten Pfad ins unbekannte Land aufzeigt. Alle Anderen dürften bei den Listen wahlweise gähnen, sich über fehlende Titel ärgern oder über hier zu unrecht aufgeführte Filme aufregen.

Nichtsdestotrotz ein interessantes Buch, welches ganz unterschiedliche Aspekte des Genres beleuchtet und ein sehr guter Einstieg ins Genre des Horrorfilms darstellt. Auch wenn einiges bekannt sein wird, findet auch der „alte Hase“ hier einige spannende Denkanstöße.

Jörg Helbig, Angela Fabris, Arno Rußegger (Hg.)Horror Kultfilme, Schüren Verlag, 200 Seiten, € 24,90

Das Bloggen der Anderen (19-02-18)

Von , 19. Februar 2018 21:46

– Ja, schon wieder ist ein Jahr um und mit der Berlinale steht das erste große Filmfestival ins Haus, auf dem sich auch zahlreiche Blogger tummeln. Schwanenmeister von Negative Space empfiehlt als erotischen Geheimtipp der 68. Berlinale „Para aduma“. Ein israelischer Film über die pubertierende Benny und ihren ultraorthodoxen Vater Yehoshua in Ostjerusalem. Ausserdem fragt er: „Wohin steuert die Berlinale?“ Michael Sennhauser hat für Sennhausers Filmblog „Transit“, den neuen Film Christian Petzold, gesehen, der ihm sehr gut gefallen hat. Hingerissen war er von „Dolatov“ von Alexey German Jr. Dafür fand er den Western „Damsel“ von David und Nathan Zellner mit Robert Pattinson und Mia Wasikowska ziemlich fürchterlich. Studierenden des Seminars „Schreiben über Film – Berlinale 2018“ (Stiftung Universität Hildesheim) haben ihre Texte auf critic.de online gestellt. An selber Stelle schreibt Olga Baruk über die 250.000 Zuschauer, die ein Film braucht, um förderwürdig zu sein macht einen nicht ganz ernstgemeinten Vorschlag, wie diese erreicht werden können. Auch die Filmlöwin ist auf der Berlinale. Ihre Besprechung zu dem Film „The Best Thing You Can Do With Your Life“ klingt sehr interessant. Auf Revolver kann man der „Gegenveranstaltung“, der „Woche der Kritik“ folgen.

– Garantiert Berlinale-frei: Witte’s Wöchentliche Tipps.

– LZ stellt auf screen/read ausführlich Rose McGowans Autobiographie „The Brave“ vor und kommt zu dem Schluss, „dass „Brave“ vielleicht eines der wichtigsten Bücher über Hollywood und die misogynen Mechanismen der Entertainment-Industrie überhaupt geworden ist“.

– Noch einmal etwas zu lesen. Sven Safarow schreibt auf Eskalierende Träume über Eric Rohmers Aufsatzsammlung „Zelluloid und Marmor“.

„Hagazussa – A Heathen’s Curse“ ist der Abschlussfilm des gebürtigen Wienern Lukas Feigelfeld an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) und hatte im September 2017 seine Premiere beim Fantastic Fest in Austin. Eckhard Heck von Hard Sensations ist begeistert.

„Sex für die Massen“. Olga Galicka erklärt auf Kino-zeit, warum „50 Shades Of Grey“ lahm ist und welche besseren Alternativen es gibt.

– Oliver Nöding hat sich auf Remember It For Later mit dem Robert Clouse beschäftigt, war allerdings von Filmen wie „Golden Needles“ (u.a. mit Jim Kelly) und „China O’Brian“ (mit Cynthia Rothrock) eher enttäuscht, dafür scheint „The Ultimate Warrior“ (Yul Brynner!) ein Kracher zu sein.

– Hoffman zeigt sich auf Drei Cineasten von Konrad Wolfs DEFA-Anti-Kriegsfilm „Ich war Neunzehn“ sehr beeindruckt.

Filmlichtung „musste“ den schönen „Ich denke oft an Piroschka“ ansehen – und wurde positiv überrascht.

– Sebastian ist von der wunderbaren „Forgotten Films“-Ausgrabung „Eskalation“ (völlig zurecht) begeistert, wie er auf Nischenkino mitteilt.

– Zwei Kindheitserinnerungen: „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Beim ersten Mal vor Angst fast eingenässt. Beim zweiten Mal bei der Sexszene fast gestorben, weil meine Eltern mitgeguckt haben. Mauritia Mayer von Schattenlichter mag den auch und hat ihrer schönen Besprechung gleich noch ein paar Location-Bilder spendiert.

– Maschinenmenschen 1: Ich glaube, es gibt keinen Film, den ich öfter gesehen habe. Zu Schulzeiten war „Terminator“ der ganz große Käse und wenn immer wir Langeweile hatten, wurde der reingeworfen (nicht dass wir da auch viel Auswahl gehabt hätten). Und ich mag den auch heute noch sehr. Auf Gründen, die auch totalschaden auf Splattertrash schön zusammenfasst.

– Maschinenmenschen 2: Irgendwann will ich ja tatsächlich mal alle Marvel-Filme durchgucken, da mich die Comics seit meiner frühen Kindheit begleiten und ich sehr viele schöne Erinnerungen damit verbinde. Gastautor Dr. Wily auf Wilsons Dachboden macht es schon mal vor. „Iron Man 2“ habe ich schon einmal nebenbei im TV gesehen, unterbrochen von x Werbepausen, und kaum Erinnerungen dran.

– Maschinenmenschen 3: Der wunderschön–skurril-bizarre Animationsfilm „Junk Head“ war ja mein Highlight auf dem diesjährigen Filmfest in Oldenburg. Ich freue mich, dass Oliver Armknecht von film-rezensionen.de ebenfalls begeistert ist.

– Als wir vor einigen Jahren „Zombies From Outer Space“ im Rahmen des ersten Phantastivals gezeigt haben, war das eine riesige Party voller guter Laune. Gut, dass Christian von Schlombies Filmbesprechungen nicht dabei war – der hätte wohl nur mit dem Kopf geschüttelt und wäre vom Glauben abgefallen.

– Noch ein Verriss: Allesglotzer über den recht gehypten „Night of the Virgin“.

– Gerade gestern drüber gesprochen: „Brawl in Cell Block 99“, der neue Film von S. Craig Zahler. Man hört nur Gutes bis sehr gutes darüber und funxton ist da keine Ausnahme.

Blu-ray-Rezension: „Der 27. Tag“

Von , 15. Februar 2018 21:41

Fünf Erdbewohner werden von einem geheimnisvollen Fremden entführt und in seinem Raumschiff ins All gebracht. Der Fremde (Arnold Moss) erklärt ihnen, dass sein Planet in den nächsten 30 Tagen untergehen wird und sein Volk eine neue Heimat braucht, um zu überleben. Die Wahl fiel auf die Erde. Doch ihre ethischen Grundsätze erlauben es ihnen nicht, einfach so die Erde zu annektieren. Der Fremde übergibt dem amerikanischen Journalisten Jonathan Clark (Gene Barry), der jungen Engländerin Eve Wingate (Valerie French), dem deutschen Wissenschaftler Prof. Klaus Bechner (George Voskovec), dem russischen Soldaten Ivan Godofsky (Azenath Janti) und der chinesischen Bäuerin Su Tan (Marie Tsien) Kapseln in die Hand, die eine Waffe enthalten, mit der sich die Menschheit vernichten könnte, ohne dass die Natur in Mitleidenschaft gezogen wird. Sollten die Menschen innerhalb der nächsten 27 Tage die Kapseln nicht benutzt haben, werden sie unbrauchbar und die Außerirdischen müssen Sterben. Doch die Aliens gehen davon aus, dass sich die aggressive und gewalttätige Menschheit innerhalb der Frist selber vernichten wird. Zurück auf der Erde versuchen die fünf Auserwählten das Erlebte zunächst zu verheimlichen. Doch dann nutzen die Außerirdischen die weltweiten Nachrichtensysteme, um der Menschheit nicht nur von der Waffe zu erzählen, sondern auch die Namen ihrer Besitzer preiszugeben. Das weckt Begehrlichkeiten bei den Mächtigen und schürt die Ängste in der Bevölkerung. Die fünf Erdbewohner werden zu Gejagten…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Der 27. Tag“ ist ein preisgünstiges „Der Tag an dem die Erde stillstand“-Rip-Off. Wie jener Klassiker von Robert Wise bemüht auch dieser Film sich um eine pazifistische Botschaft, kommt aber nicht umhin, trotzdem ordentlich auf den Feind im Osten einzudreschen. Das Land hinter dem Eisernen Vorhang wird als kalte Militärdiktatur gezeigt, deren oberste Befehlshaber schon der Geifer aus dem Maul läuft, wenn sie nur daran denken, mittels außerirdischer Technik die Weltherrschaft erlangen zu können. Das sieht dann auf US-amerikanischer Seite ganz anderes aus. Denn hier sind die Anführer der freien Welt besonnen und um Frieden bemüht. Soweit, so stereotyp, so kalter Krieg. Interessant ist da eher die Zeichnung der „Zivilgesellschaft“. Die arme Bäuerin aus dem maoistischen China opfert ihr Leben für den Frieden, der Sowjetsoldat erduldet die schlimmsten Qualen, um die Vernichtungswaffe nicht in die Hände seiner Vorgesetzten fallen zu lassen – und in den USA formt sich ein mordlustiger Mob, als bekannt wird, dass der Journalist Jonathan Clark eine tödliche Waffe besitzt.

Tatsächlich verbirgt sich hinter „Der 27. Tage“ ein recht interessantes Gedankenspiel. Was passiert, wenn man den untereinander verfeindeten Nationen eine überlegene Waffe in die Hand gibt? Werden sie vernünftig handeln und alles tun, damit diese nicht zum Einsatz kommt? Oder im Gegenteil sich sofort wieder in die Schlacht stürzen und sich gegenseitig vernichten? Der mit anderen Worten: Funktioniert die vielfach und immer wieder beschworene Strategie der Abschreckung? Die Antwort, die „Der 27. Tag“ liefert ist ambivalent. Überlässt man dies „den kleinen Leuten“, dann ist alles paletti. Sobald sich aber die Machthaber einmischen, droht der Weltuntergang. Denn diese sind ebenso machtbesessen wie unbelehrbar. Zumindest, wenn sie aus dem Osten kommen. Keine ganz unproblematische Aussage, bedient sie doch wieder einmal die alte – und auch heute noch aktuelle „Wir gegen die da oben“-Attitüde. Klammert man diesen Aspekt und die Kalte-Krieg-Propaganda aber mal aus, ist die Frage, in wie weit der Mensch bereits zivilisiert genug ist, sich nicht ständig die Köpfe einschlagen zu wollen, auch heute noch (oder gerade heute) sehr interessant.

„Der 27. Tag“ kann nicht mit großen Stars oder spektakulären Massenszenen aufwarten. Oftmals verdichtet sich der Film zum Kammerspiel. Es wird in engen Räumen diskutiert, die Anzahl der Außenaufnahmen minimiert. Und wenn, dann finden diese auf einer menschenleeren Rennbahn statt. Trotzdem versteht der Film es, Spannung aufzubauen, und einen fast die plumpe Kalte-Kriegs-Rhetorik vergessen zu machen. Dazu tragen die soliden Schauspieler bei, die gerade in den pefejt besetzten Nebenrollen einiges an Charisma entwickeln. Dass der Deutsche dabei von einem Tschechen und der Russe wiederum von einem Deutschen gespielt wird, fällt da gar nicht ins Gewicht. Der in Tschechien als  Jiří Wachsmann geborene George Voskovec spielt den deutschen Professor Bechner als sympathischen, höchst intelligenten Menschen. Was durchaus verwundert, waren die Deutschen doch nur wenige Jahre zuvor noch die Bösen Nummer 1 und auch in späteren Filmen häufig von dubioser Gesinnung. Vielleicht hatten die Macher des Films (oder der Autor der mir unbekannten Vorlage) ja die zahlreichen deutschen Wissenschaftler im Sinn, die nach dem 2. Weltkrieg trotz Nazi-Vergangenheit in die USA geholt wurden, um am amerikanischen Raketenprogramm zu arbeiten. Eine Figur wie Bechner ist da sicherlich gut für das Image und macht die zweifelhaften Umstände dieses „Anheuerns“ vergessen.

Der gebürtige Berliner Stefan Schnabel spielt seinen Sowjet-General als kaum kaschierte Stalin-Kopie. Beide besitzen auch eine entfernte Ähnlichkeit, auch wenn bei Schnabel der markante Schnurrbart weggelassen wurde. Vielleicht hatte man erkannt, dass vier Jahre nach Stalins Tod, ein allzu deutlicher Verweis nicht mehr ganz zeitgemäß war. Schnabel genießt es sichtlich seinen General möglichst heimtückisch-schmeichlerisch, aggressiv und größenwahnsinnig anzulegen. Dass er sich dabei oftmals weit über den Rand der Karikatur lehnt, fällt nicht weiter ins Gewicht. Denn auch, wenn „der 27. Tag“ vorgibt philosophische Fragen zu erläutern, bleibt er im Grunde doch ein kleiner Unterhaltungsfilm, der seine pazifistische Botschaft mit einem kräftigen Schuss Sowjet-Bashing anreichert. Da pfeift dann der kalte Krieg durch jede Drehbuch-Ritze.

Das interessanteste Mitglied des Schauspieler-Ensembles ist ebenfalls ein Europäer:  Der adelige Österreicher Friedrich Anton Maria Hubertus Bonifacius Graf von Ledebur-Wicheln, der hier unter seinem Schauspielernamen Friedrich von Ledebur geführt wird. Von Ledebur spielt den sanften Philanthropen Dr. Neuhaus. Ein großer und dadurch etwas tapsig wirkender älterer Herr, der langsam und mit schwerem Akzent spricht, und sich am Ende mit einem Lächeln für das Wohl der Menschheit opfert. Sieht man Von Ledebur hier in seinen altmodisch, etwas muffig wirkenden Anzügen, wie er gutmütig um das Wohl Bechners besorgt ist, kann man kaum glauben, dass er im selben Jahr seinen Durchbruch als Schauspieler in der Rolle des Kannibalen Queequeg in John Huston großartigen „Moby Dick“-Verfilmung hatte. Überhaupt lohnt es sich sehr, sich etwas näher mit dem unglaublichen Leben des Herrn von Ledebur zu beschäftigen, der nicht in Amerika Filme drehte, sondern später noch in zwei deutschen Karl-May-Filmen oder dem Italo-Western „Nobody ist der Größte“ sehen war. Ein rastloser Globetrotter, der sich als erfolgreicher Rodeo Reiter,  Minenarbeiter, Schwimmlehrer, Goldgräber, Tiefseefischer, Butler und vieles anderes mehr war. Eine Verfilmung seines aufregenden Lebens wäre wohl ein mindestens so aufregender Stoff wie „Der 27. Tag“.

„Der 27. Tag“ ist ein kleiner, spannender Unterhaltungsfilm, der allerdings seine pazifistische Botschaft mit einem kräftigen Schuss Sowjet-Bashing anreichert. Trotzdem bietet er ein interessantes Gedankenspiel an, was passieren würde, wenn die angeblich so zivilisierte Menschheit plötzlich eine Superwaffe in die Hand bekäme.

Anolis bleibt sich auch mit der neusten Veröffentlichung in der Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ treu. Der hierzulande recht unbekannte B-Film wird in seiner bestmöglichen Form präsentiert. Die Blu-ray (eine inhaltsgleich DVD ist ebenfalls mit dabei) besticht mit einem sehr guten Schwarz-Weiß-Bild, welches nicht übermäßig glatt gefiltert wurde und so einen lebendigen, „echten“ Eindruck macht. Der Mono-Ton liegt auf Deutsch und Englisch vor, optional auch mit deutschen Untertiteln. Die deutsche Kinosynchronisation ist sehr gut und mit bekannten Stimmen besetzt. Vorzuziehen ist aber die englische Fassung, die sich bemüht, sprachliche Unterschiede der verschiedenen Nationen herauszuarbeiten und generell etwas „voller“ klingt. Der Veröffentlichung liegt ein zwölfseitiges Booklet bei mit vielen schönen Bildern und einem informativen Text von Ingo Strecker. Wie fast schon üblich gibt es auch wieder zwei Audiokommentare. Der erste ebenfalls von Ingo Strecker, der zusammen mit Bodo Traber näher auf den Film eingeht. Der zweite mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, die auch den 50er Jahre Science-Fiction-Film allgemein besprechen. Ansonsten gibt es noch die deutsche Kinofassung mit dem deutschen Vorspann deutschen Textinserts , sowie eine spanische und eine portugiesische Titelsequenz, den amerikanischen und deutschen Kinotrailer, den deutsche Werberatschlag, das US-Pressebuch, drei deutsche Filmprogramme, sowie einer animierten Bildergalerie zum Film.

Das Bloggen der Anderen (12-02-18)

Von , 12. Februar 2018 17:39

Diese Woche lohnt es sich kaum, die Tastatur anzuschmeißen. In der deutschsprachigen Filmblogszene war fast nichts los. Darum hier eine sehr kurze Ausgabe des „Bloggens der Anderen“.

– Letzten Montag musste ich mich erst einmal vom Mondo-Bizarr-Weekender ausruhen. Keine Pause benötigte Oliver Nöding, der auf Remember It For Later auch eine kleine Nachlese startete. Hier seine Meinung zu dem wunderschönen „Slalom“ und eine tolle Review von „Der Hongkong Cop“. Und auf die Zwölf gibt es bei der „Rache des Paten“.

– Michael Kienzl hat auf critic.de eine lange, kommentierte Liste mit Empfehlungen für die kommende Berlinale erstellt. Quer durch alle Sektionen.

– Eine deutsche H.P.Lovecraft-Verfilmung, die Mitte der 70er für das ZDF entstand? Ja, so etwas gab es mal und Volker Schönenberger stellt „Schatten aus der Zeit“ auf die Nacht der lebenden Texte vor.

– Michael Schleeh hat sich auf Schneeland den philippinischen Horrorfilm „The Ghost Bride“ angesehen und obwohl der Film ihn nicht 10% überzeugt hat, hält er ihn doch für einen „visuell immer wieder überraschenden und atmosphärischen Film“.

– Anlässlich des Murmeltiertags schreibt Filmlichtung über Zeitschleifen-Filme.

– Was mir in meiner „Filmbildung“ immer noch fehlt, sind die ganzen Charles-Bronson-Filme, die während der 80er für die Cannon-Schmiede entstanden sind. Sebastian stellt mit „Murphy’s Law“ einen von ihnen auf Nischenkino vor.

– Und zu guter Letzt hat sich Mauritia Mayer für Schattenlichter nochmal den klassischen Hammer-„Dracula“ angesehen.

Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 3

Von , 11. Februar 2018 14:39

Kaum zu glauben, aber wahr. Der letzte Tag des Ausflugs nach Düsseldorf war angebrochen. Es hieß die Sachen zusammenpacken und Abschied nehmen. Nach einem guten Frühstück (am Sonntag wurde sich scheinbar besondere Mühe gegeben), checkten wir aus und suchten uns in der Nähe des Kinos einen Parkplatz, um später so schnell wie möglich zur Autobahn zu gelangen. Schließlich mussten wir in Osnabrück pünktlich einen Zug bekommen und nach dem Stau während der Hinreise, wollten wir kein Risiko eingehen. Um 13:30 ging es auch schon los. Ich hätte erwartet, dass um diese Uhrzeit eher weniger Filmbegeisterte den weg aus dem Bett finden würden – aber die Black Box war so gut gefüllt, wie am ersten Tag. Wow.

So ein Windhund – Welch zauberhafte Überraschung! Von „So ein Windhund“ hatte ich vor der Ankündigung für das Mondo Bizarr noch nie etwas gehört. Zwar war mir der Film „Slalom“ ein Begriff, aber lediglich in Form seines wundervoll-catchy Titelsongs, der sich auf diversen meiner Ennio-Morricone-Samplern befindet. Und ja, ich dachte in der Tat immer, dabei würde es sich um einen reinen Skifahrer-Film handeln. Dass „Slalom“ eine Komödie im Eurospy-Gewand ist, die zum größten Teil in Ägypten spielt, war mir nicht bewusst. Auch nicht, dass „Slalom“ hierzulande als eben „So ein Windhund“ einen Kinostart hatte und – wie ich aus berufenem Munde erfuhr – als VHS im falschen Bildformat und mit grauenhaften Cover als „Das Geheimnis am Nil“ in deutschen Videotheken landete. Beim Mondo Bizarr sahen wir den Film im vollen Breitwandformat und in einer wundervollen, farbenfrohen 35mm-Kopie, die aussah, wie frisch gezogen und mitnichten so, als wäre sie über 50 Jahre alt.

Der Film beginnt tatsächlich in einem Ski-Gebiet und als locker-flockige Komödie um zwei Ehemänner mit großen Freiheitsdrang (Flirten, Flirten, Flirten), die immer wieder Mittel und Wege finden, sich von der vermeintlichen Knute des Ehejochs zu befreien. Gespielt werden die beiden Schwerenöter von Vittorio Gassman und – Überraschung – Schurken-Darsteller Adolfo Celi, der selben Jahr als Emilio Largo James Bond in „Feuerball“ das Leben schwer machte. Hier offenbart er eine herrliche komödiantische Ader. Gassman und er ergänzen sich vorzüglich und man fragt sich, warum die beiden nicht öfter zusammen gecastet wurden. Leider verschwindet Celi recht bald aus dem Film – beziehungsweise verschwindet Gassman aus dem Skigebiet und wird nach Ägypten entführt, wo der Film dann seine bondesque Wendung nimmt. Aus den Bond-Filmen kennt man auch die wunderschöne Daniela Bianchi, die hier eine wichtige, wenn auch leider eher kleine Rolle als zwielichtige Agentin inne hat.

Der gutaussehende Gassman ist wahnsinnig gut ins einer Rolle des notorischen Hallodris. Immer ein wenig großkotzig, selbstverliebt und unverschämt manövriert er sich spielend in aus den unmöglichsten Situationen, wobei er aber immer absolut sympathisch bleibt. Zeitweilig erinnert er da an Jean Dujardin in seiner Paraderolle als OSS 117. Unterstützt wird Gassmans perfekt getimtes Spiel von einer sehr guten und flotte deutschen Synchronisation durch die Hermes Studios, die gerade nicht auf brandtsche Kalauer setzt, sondern den Humor des Filmes übersetzt, ohne dabei im Klamauk zu enden. Wie generell gesagt werden muss, dass „So ein Windhund“ es mit spielerischer Leichtigkeit schafft, die Balance zwischen Komödie, Agententhriller und Action zu halten. Eine große Kunst, die häufig nicht gelingt.

Das größte „Geheimnis am Nil“ ist eigentlich, wieso dieser tolle und unglaublich unterhaltsame Film so ein Schattendasein führt, ja selbst Italofreunden fast gänzlich unbekannt ist. Hier sollte mal eines der einschlägigen Labels Abhilfe schaffen. Ich für meinen Teile habe mir jetzt erst einmal vorgenommen, mehr Vittorio-Gasman-Filme zu schauen. „Verliebt in scharfe Kurven“ liegt schon bereit.

Der Hongkong Cop – Wenn man schon fast vergessen hat, warum man vor 20 Jahren diese Actionfilme, die aus Hongkong in die deutschen Videotheken schwappten, so sehr geliebt hat, dann lohnt sich eine Auffrischung. Auch wenn sie einen ein wenig traurig stimmt, angesichts dessen, was heute so an Actionfilmen – auch aus Hongkong – zu uns kommt. Der Hongkong-Actionfilm hat sich immer mehr den amerikanischen Standards angepasst. Schnelle, verwirrende Schnitte, viel CGI und ein geleckter Look.

Zu der Zeit, als „Der Hongkong Cop“ entstand, waren die Zeiten rauer. Wenn hier gekämpft wird, hat man nicht das Gefühl, das Tempo und die Künste der Schauspieler würden nur im Schnitt entstehen, sondern, dass man the real deal vor sich hat. Die Actionsequenzen sind gerade deshalb so atemberaubend, weil sie richtig weh tun. Und der Schnitt (der hier ebenfalls ein hohes Tempo hat, aber nicht das Auge verwirrt) ist so perfekt gesetzt, dass er einen infernalischen Takt vorgibt, man aber jederzeit den Überblick behält und den Kampfkünsten der Kontrahenten mit offenem Mund folgt. Und natürlich ist da auch dieses übergroße Pathos und der naive Humor, was man sich heute gar nicht  mehr trauen würde.

„Hongkong Cop“ und Konsorten sind totales Bewegungskino. Die legitimen Nachfolger der frühen Action-Komiker, besonders eines Buster Keatons. Da ist man dann dankbar, dass dieser Dampfzug ab und zu anhält, um einem mit niedlichen Szenen wie die, in der Michael Wong (heißt im Film genauso, wie im richtigen Leben) der großartigen Michelle (auch hier sparte man sich einen Rollennamen und bekannte die Figur nach der atemberaubenden, hier noch sehr jungen Michelle Yeoh) auf nervig-plumper Weise den Hof macht, Raum zum Atmen zu geben. Dann setzt er sich wieder mit Vollkraft wieder in Bewegung und stürzt sich in die nächste überwältigende Schlacht. Und wenn einen dann die letzte Explosion aus dem Film geblasen hat, sitzt man dann mit einem seligen Lächeln im Saal und weiß, was Kino ist.

Endgame – „Endgame“ war bereits der zweite Joe-D’Amato-Film des Wochenendes, was mich ganz besonders freute. Auch hier zeigte sich, dass D’Amatos Filme im Kino eine ganz andere Wirkung entwickeln als Zuhause vor der Glotze. Man wird ihnen mehr ausgeliefert. Man lässt sich nicht ablenken, fummelt im Internet rum oder geht zwischendurch raus. Weshalb man sich auch mehr auf sie einlässt. Ich kann mir vorstellen, dass „Endgame“ – den ich hier das erste Mal sah – auf dem Bildschirm – oder noch schlimmer Laptop – von vielen als langweilig empfunden wird. Ja, D’Amato ist kein großer Action-Zauberer. Sein Kino ist nicht kinetisch, sondern beobachtend. Und so beobachtet D’Amato auch hier seine Figuren, wie sie durch eine Welt gehen, die nicht überall spektakulär ist, sondern zum größten Teil tatsächlich aus den immer gleichen Gängen und Kiesgruben besteht. Aber bei D’Amato hat dies einen besonderen Flow, auf den man sich einlassen muss. Tut man dies, wird man reichlich belohnt.

Hier sehen wir Al Cliver als schlechtgelaunten (Anti)Held Ron Shannon dabei zu, wie er sich von Punkt A nach Punkt B bewegt. Wobei wir sicher sein können, dass sich D’Amato für Punkt B wieder etwas besonderes ausgedacht hat. Eine Gruppe Mutanten mit Hundenasen; ein Fischmensch, der bei einer Vergewaltigung förmlich aus dem Mund laicht; verweste Leichen an den Ratten knabbern und vieles mehr. Mittendrin D’Amatos bevorzugten Schauspieler. Natürlich Laura Gemser (hier unter dem Pseudonym Moira Chen), der riesige George Eastman und ein schlafwandelnder Al Cliver, der sich bei fast jeder Szene, die etwas Bewegung erfordert, doublen lässt. Die Geschichte, die Elemente von „Das Millionenspiel“, „Mad Max 2“ und „Rollerball“ vereint, kann eine gewisse sozialkritische Intention zugute gehalten werden. Letztendlich ist sie aber nur der Motor, um D’Amatos morbide Wunderwelt zu durchqueren, die auf absurde Weise in sich vollkommen stimmig ist. Wenn man dann nach knackigen 80 Minuten wieder in die reale Welt entlassen wird, bereut man es fast. Aber mit dem Gedanken an den oben genannten Fischmenschen auch nur fast.

Und damit war der Mondo Bizarr Weekender nach drei Tagen und acht Filmen vorbei. Zeit für ein Resümee. Die Veranstaltung hat mir ausgesprochen gut gefallen, was nicht nur an meiner tollen Reisegruppe lag, sondern am Publikum und Veranstalter insgesamt. Es war wunderbar zu sehen, wie viele Leute sich für diese Art von Festivals begeistern können. Es herrschte eine freundlich-positive Stimmung. Gerade bei solchen Sachen besteht ja immer die Gefahr, dass Schlefaz-Jünger angelockt werden, die erbarmungslos Quatschen, wie besoffen Gröhlen und das Ganze als „Trash“ abfeiern. Das war hier überhaupt nicht der Fall. Zwar wurde auch hier herzhaft gelacht. Aber immer MIT dem Film, nicht über ihn. Man fühlte sich also wie Zuhause und inmitten einer großen Familie. Auch sehr schön: Die sehr sympathischen und interessanten Einführungen von Oliver Nöding und Marc Ewerts, der den – wie ich finde sehr schönen und passenden – Begriff des „Atmosphärefilms“ schuf, den ich gerne übernehme. Und auch mein Kompliment an alle Leute hinter den Kulissen, die für einen perfekten Ablauf sorgten. Danke dafür, und ich sage einfach mal: Bis zum nächsten Jahr!

Unsere Reisegruppe sprang nach dem letzten Film schnell ins Auto und unser Helldriver brachte uns in Rekordgeschwindigkeit nach Osnabrück, wo wir noch genug Zeit für eine kleine Stärkung hatten, bevor wir in den Regionalzug nach Bremen stiegen. Dort kamen wir auch pünktlich an, so dass ich nahtlos in die Nachtlinie umsteigen konnte und um 0:15 Uhr erschöpft, aber glücklich die Haustür hinter mir schloss.

Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 2

Von , 10. Februar 2018 00:51

Der zweite Tage begann so entspannt, wie lange schon nicht mehr. Bis weit nach 9 im Bett liegen – wie lange musste ich auf diesen Luxus schon verzichten. Nach einem durchaus akzeptablen Frühstück (vom Gummibrötchen abgesehen), trennte sich unsere freundliche Reisegruppe auf in diejenigen, die ein wenig Kultur tanken und die örtlichen Galerien besuchen wollten, und denjenigen, welche ihr Geld beim Saturn für Filme auf den Kopf hauten. Ich schreibe jetzt mal nicht, zu welcher Gruppe ich gehörte. Nach einer kurzen Stippvisite im tollen Plattenladen Hitsville (Empfehlung!), kam man wieder zu einem gemeinsamen Mittagessen bei einem guten Lateinamerikaner namens Palito zusammen. Überraschenderweise war das Essen wirklich lecker und gar nicht mal so teuer. Ein echter Hingucker waren aber die Toiletten, die einem nicht nur durch Jesus- und Maria-Ikonen den Weg zu Männlein und Weiblein wiesen, sondern auch sonst mit so viel liebevollen Religionskitsch vollgestopft waren, dass man sich wirklich plötzlich in einer anderen Welt wähnte. Und die golden Seifenspender habe ich da noch nicht mal gesehen.

Zurück in der bereits gut gefüllten Black Box forderte das gute, reichhaltige Essen dann auch gleich seinen Tribut. Den ersten Film des Tages, den schönen „Die Brut des Teufels“ verschlief ich dann auch halb. Dabei hatte ich mich doch so gefreut, zum ersten Mal einen Godzilla-Film von einer 35mm-Kopie auf der großen Leinwand zu sehen. Doch nach 20 Minuten fielen mir das erste Mal die Augen zu. Der Kampf gegen Morpheus Arme war dann auch gewaltiger als der von Godzilla gegen den Titanosaurus und Mecha-Godzilla. Das Treiben auf der Leinwand bekam ich nur noch bruchstückhaft mit. Wie gut, dass ich den Film in den letzten 12 Monaten jetzt bereits zum dritten Mal sah. So kann ich an dieser Stelle auf meine Besprechung der sehr empfehlenswerten Anolis-DVD verweisen, die der geneigte Leser hier findet.

Nach dem Film dann erst mal raus an die frische Luft und reichlich von dieser stark koffeinhaltigen Cola reingekippt. Den restlichen Tag überstand ich dann auch ohne größere Ausfälle.

Das blutige Schloss der lebenden Leichen – Bei diesem französischen Film aus dem Jahre 1969 hat die deutsche Titelschmiede wieder viel Kreativität bewiesen. Hierbei handelt es sich mitnichten um einen Zombiefilm. Eher führt die Spur Richtung Franju („Augen ohne Gesicht„) und Rollin (auch, wenn der erst später dran war). Mit etwas gutem Willen kann man vielleicht von einer lebenden Leiche sprechen, denn die Damen des Schlosses würde für den Rest der Welt für tot erklärt. Ist also durchaus so etwas wie eine lebende Leiche und blutig geht es im Schloss auch vor sich.

Inszeniert wurde die Sause von der späteren Porno-Legende Claude Mulot, der unter dem Pseudonym Frédéric Lansac solche Flutschfilm-Klassiker wie „Pussy Talk“ oder „Les petites écolières“ inszenierte, Ich hatte ja früher immer geglaubt, dass „Lansac“ die Verballhornung eines „langen Sacks“ wäre. Im „ blutigen Schloss“ traf ich aber nun den echten Frédéric Lansac. Dies ist nämlich der Name der Hauptfigur. Einem erfolgreichen Maler, dessen Leben ziemlich schnell bergab geht, nachdem seine geliebte junge Ehefrau einem schrecklichen Feuerunfall zum Opfer fällt. Nicht unbeteiligt daran ist die schöne Elizabeth Teissier, die hier leider einen kurzen, wenn auch erinnerungswürdigen Auftritt hat. Ebenfalls dabei sind Howard Vernon („Oh, Professor Römer“ „Rohmer!“) und zwei Zwerge.

Letztere führen den Film schnellen Schrittes in die Sphären der Dwarfploitation. Igor und Olaf tauchen immer wieder auf, um junge Frauen (und den Zuschauer) zu erschrecken. Warum die Armen in Felle gekleidet sind und wie Hunde vor dem Kamin schlafen müssen, wird nicht wirklich geklärt. Scheinbar waren Lansacs Eltern zwar so nett, die Beiden vor einer Steinigung zu retten, nicht jedoch so barmherzig, um sie wie normale Menschen zu behandeln. Kein Wunder also, dass Igor und Olaf manchmal recht merkwürdige Gewohnheiten an den Tag legen. Wie z.B. Mädchen mit der Axt durch den Wald zu verfolgen. Ihr „Herr“ Lansac findet an diesem Treiben auch nichts ungewöhnliches und wird nur sauer, als sie einer potentiellen Gesichtshautspenderin nach einem Vergewaltigungsversuch das Antlitz zertrümmern. Nein, Mulot nimmt hier keine Gefangenen und inszeniert seine krude Geschichte mit viel Schmackes. So wird einem auch keine Sekunde langweilig, auch wenn die meisten Darsteller keinen Hehl daraus machen, dass sie auch nicht genau wissen, wie sie da rein geraten sind.

Mulot beweist hier auch bereits sein gutes Auge für schöne, stimmungsvolle Bilder und dem in Szene setzen weiblicher Schönheit. Es gibt sogar einige sehr gelungene Szenen, wie die in der ein potentielles Opfer seine Augen öffnet und sich gleich einem Erhängten gegenüber sieht oder eine tieftraurige Einstellung in der einer der Zwerge seinen toten Bruder betrauert. In erster Linie stehen aber Nacktheit und blutige Schockeffekte im Vordergrund. Alles unterlegt mit einer betörenden Melodie aus der Feder Jean-Pierre Dorsays, die auch nach der x-ten Wiederholung noch immer Balsam für die Seele ist. Hauptdarsteller Philippe Lemaire war in den 40er und 50er Jahren ein gefragter romantischer Held des französischen Kinos, und man merkt ihm an, dass er diesen Zeiten hinterher trauert. Seine verbrutzelte Frau wird von der wunderhübschen Anny Duperey gegeben, die einst bei Godard ihre erste Rolle hatte und später nicht nur neben Al Pacino in „Bobby Deerfield“ eine Hauptrolle spielte, sondern auch die Original-“Frau in Rot“ in „Ein Elefant irrt sich gewaltig“ war. Ein schöner Film, der zwar weit weg von der Meisterklasse ist, aber trotzdem viel Freude bereitet.

„Der saftige Überraschungsfilm“ – Als solcher wurde ein berüchtigtes Werk angekündigt, welches es in Deutschland nicht besonders einfach hat, weshalb ich den Titel hier nicht direkt nenne. Ein Klick auf den Link könnte aber Aufschluss bringen. Das Werk, in dem es um einen griechischen Millionär geht, welcher nach einem traumatischen Erlebnis an Bord eines Rettungsbootes unbändigen Hunger auf Menschenfleisch entwickelt und seine Heimatinsel leer frisst, dürfte eh jedem – zumindest dem Namen nach – bekannt sein.

Ich durfte dieses Werk bereits vor acht Jahren beim ersten Deliria-Italinao.de-Forentreffen im B-Movie in Hamburg bestaunen. Natürlich kannte ich den Film schon von einer alten VHS-Kopie. Auf Video war ich damals schon erstaunt, wie wirkungsvoll der Film war, fand aber die ungeheuren Splatterszenen eher störend. Jahre später im B-Movie war ich dann gänzlich gefangen von der unheilvollen Atmosphäre des Filmes, der auf der Leinwand noch besser funktioniert als im Heimkino. Auch die berüchtigten Szenen, die einst zentraler Punkt einer wahren Hysterie gegen Videofilme (nicht nur hierzulande, sondern auch in England) waren, empfand ich nicht mehr als Fremdkörper. Nun, da ich den Film ein drittes Mal und nochmals von der tollen 35mm-Kopie sah, die ich schon in Hamburg bewundern durfte und die nach acht Jahren kaum etwas von ihrem Glanz eingebüßt hatte, muss ich sagen, dass diese Szenen sogar immanent wichtig sind.

In der ersten Hälfte wird eine derartig dichte Atmosphäre aufgebaut, dass es kaum zu ertragen ist. Eine Dame bugsierte ihre männliche Begleitung hier bereits mit den Worten „Ich habe solche Angst“ aus dem Saal. Alles ist ein Vorbote auf die unaussprechlichen Gräuel, die da kommen. Unterstützt von Marcello Giombinis enervierenden Synthie-Musik, die irgendwie schräg, falsch und bedrohlich wirkt. Unter die Oberfläche der scheinbar harmlosen Bilder, hat sich bereits etwas Krankes, ganz und gar Ungutes geschlichen.

In der wie immer hervorragenden Einleitung von Oliver Nöding (und auch den Gesprächen vor dem Film) wurde betont, dass gerade die erste halbe Stunde des Filmes sich ziemlich ziehen würde und im Grunde recht langweilig sei. Dies empfand ich gar nicht so. Im Gegenteil, die Reisegesellschaft (die so gar nichts von den überdreht fröhlichen, spät-pubertierenden Teenies der amerikanischen Splatter-Pendants hat) ist nicht gerade ein Ausbund an Fröhlichkeit, sondern scheint bereits von einer Ahnung durchtränkt, dass sie sich geradewegs auf dem Weg in eine grausame Hölle befinden.

Die Szenen in der menschenleeren Küstenstadt fand ich schon bei der Erstsichtung sehr beklemmend. Hier steigerte sich das Gefühl noch und beim ersten Höhepunkt (die Attacke des blinden Mädchens) bin ich ein paar Zentimeter im Sitz hochgesprungen, obwohl ich wusste was kommt. Überhaupt fiel mir jetzt auch wieder auf, wie meisterlich der erste Auftritt des Anthrophagus inszeniert ist. Wie intensiv er sich in die Netzhaut brennt. Ein Bild und Ton gewordener Albtraum. Wenn sich dann die fragile Gruppe langsam auflöst, die schreckliche Bedrohung durch den von George Eastman als unaufhaltsame Naturgewalt verkörperten Menschenfresser förmlich körperlich spürbar ist und sich die Handlung in eine verlassene, einem furchtbaren Traum entsprungene Villa verlegt, ist es nur folgerichtig, dass der Film mit den größtmöglichen visuellen und auditiven Schocks endet.

Nach dem Film war ich erst einmal geplättet und spürte diese Folgen dieser permanente Anspannung und drückenden Bedrohung tief in den Knochen. D’Amatos Werk ist ein Terrorfilm reinsten Wassers. Ein Film, der einem nicht nur auf einer psychischen Ebene attackiert, sondern der auch körperlich fühlbar ist.

Um den Film zu verdauen ging es erst einmal in trauter Runde in eine nahe Cocktail-Bar, die scheinbar schon häufig nach solchen Events besucht wurde. Dort war es auch sehr nett, die Getränke bezahlbar und augenscheinlich hatten sich bereits mehrere Gruppe direkt aus der Black Box kommend dort niedergelassen. Was leider auch bedeutete, dass kaum noch Plätze und vor allem nicht für größere Gruppen vorhanden waren. Doch ein aufmerksamer Mitarbeiter arrangierte etwas und so fand noch jeder eine Sitzgelegenheit. Leider wurde die Gruppe dadurch auseinandergezogen, was ich im Nachhinein sehr bedauere, denn ich hätte eigentlich auch ganz gerne noch mit ein paar anderen Leuten geschnackt/kennengelernt. Aber auch so war es ein sehr heiterer und gut gelaunter Abend. Nach einem Spaziergang am Rhein entlang kamen wir auch wieder gut im Hotel an und konnten dort Kraft für den letzten Tag sammeln.

Bericht vom 4. Mondo-Bizarr-Weekender in Düsseldorf – Tag 1

Von , 7. Februar 2018 23:33

Am vergangenen Wochenende machte ich mich mit einer sehr netten Truppe aus Bremen, Kirchweyhe und Herford auf den Weg ins karnevaleske Düsseldorf. Aber mitnichten, um diesem seltsamen närrischen Treiben beizuwohnen, sondern um an einer der schönsten Kinoveranstaltungen des Jahres teilzunehmen: Dem vierten „Mondo Bizarr Weekender“ in dem Kino Black Box, welches sich im schönen Filmmuseum Düsseldorf befindet. Uns erwarteten acht Filme aus aller Welt, die in den 60er, 70er und frühen 80er Jahren in die deutschen (Bahnhofs-)Kinos kamen. Alles natürlich stilecht als 35mm-Kopien. Ein Traum für jeden Filmfreund, der ein großen Flecken in seinem Herzen für die buckeligen Wege neben der gut asphaltierten Kanon-Filmgeschichte hat.

Der „Mondo Bizarr Weekender“ ging drei Tage, und unsere gut gelaunte Reisegruppe war im Hotel Kastens untergekommen, welches ich schon von unserem Deliria-Italiano.de-Forentreffen vor zwei Jahren gut kannte. Das Kastens schien generell das bevorzugte Hotel der von weiter weg kommenden „Mondo“-Gäste zu sein. Zumindest sah man morgens im Frühstücksraum bekannte Gesichter und unzählige männliche Gäste in thematisch gut abgestimmten T-Shirts. Zur Black Box ist es auch nicht weit, und so waren wir trotz eines langen Staus im Ruhrgebiet pünktlich und sogar noch beim Libanesen um die Ecke gut gestärkt im Kino. Am Freitag lief zunächst ein Double-Feature.

Argoman – Der fantastische Supermann – Man hätte das kleine Festival der guten Laune nicht besser starten können als mit diesem bunten Superheldenfilm aus dem wundervollen Italien. „Argoman“ war Teil einer kleiner Superhelden-Welle Ende der 60er Jahre, die weniger an Marvel und Konsorten, sondern eher an die italienischen Fumetti erinnerten. Dementsprechend hat Argoman zwar Superkräfte, befindet sich aber näher an seinem schurkischen Kollegen Diabolik und den damals populären Agentenfilmen.

Argomans Kraft ist Telekinese. Einmal nutzt er diese, um eine hinreißende Brünette samt ihres Hoovercrafts auf seine luxuriöse Insel zu bringen. Keine gute Idee, denn nach dem Sex verliert unser Held seine Kräfte immer für sechs Stunden. Was sein treuer Diener (Schurken- und Patriachendarsteller Eduardo Fajardo mit Bräunungscreme und Turban) minutiös protokolliert. Argoman heißt in zivil Sir Reginald Hoover und wird von dem Amerikaner Roger Browne gespielt, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Barbies Ken aufweist und über ähnliche schauspielerische Fähigkeiten verfügt. Browne ist auch der Schwachpunkt des Filmes, denn sein stets siegesgewiss grinsender, extrem übergriffiger Sir Reginald besitzt weder Charme, noch besonders viele Sympathiepunkte. Eigentlich muss man sogar sagen, dass man dem schmierigen Gockel von Herzen unsympathisch findet. Ihm wird Jenabell, die „Königin der Welt“ gegenübergestellt. Gespielt von der schönen Dominique Boschero, die in jeder Szene ein neues, extravagantes Kostüm trägt und weitaus mehr Präsenz verspürt als unser Argoman.

Die Geschichte ist zwar unnötig kompliziert erzählt, aber wunderschön gefilmt und voller herrlichem Zeitkolorit. Regisseur Sergio Grieco ist hier noch sehr viel dichter an seinen vielen ebenfalls unter dem Pseudonym Terence Hathaway gedrehten James-Bond-Rip-Offs als an seinem rauen Meisterwerk „Der Tollwütige“. „Argoman“ ist zu keiner Sekunde langweilig. Man greift sich zwar des öfteren an den Kopf und auch die ein oder andere sexistische Szene lässt einem heutzutage den Magen grummeln, aber man ist durchaus bereit, dies dem bunten Film zu verzeihen, der eben ein typisches Kind seiner Zeit ist. Untermalt von der fluffigen Musik eines Piero Umiliani lässt man den farbenfrohen Bilderreigen über sich hinweg rauschen und ist am Ende dann ein wenig in Dominique Boschero verliebt.

Planet des Schreckens – Auf diese Roger-Corman-Produktion hatte ich mich sehr gefreut. Hatte ich doch kurz zuvor den schwer unterhaltsamen „Mutant“ gesehen, der teilweise in denselben Kulissen entstand. Leider konnte mich dieser Planet nicht ganz überzeugen. Vielleicht waren einfach die Erwartungen zu hoch. Vielleicht tat der Schlaf, der mich zu dieser späten Stunde immer wieder übermannte sein übriges. Vielleicht muss ich mich noch einmal in die „Galaxy of Terror“ schießen lassen, um dem Film gerecht zu werden. So bleibt ein ziemlich „krauchiger“ Film, der ewig braucht, um in Fahrt zu kommen und sich immer wieder in seine eigene, von „Alarm im Weltraum“ inspirierte Geschichte verheddert.

Oftmals hat man das Gefühl, dass die Macher um Regisseur Bruce D. Clark selber nicht so recht wussten, worum es eigentlich gehen soll und manche Szenen einfach so entlang des Weges improvisiert wurden. Egal, ob sie nun in den Handlungsfaden passen oder nicht. Es scheint fast so, als ob jemand die Idee hatte, wie das wohl wäre, wenn eine attraktive Frau von einer riesigen Made vergewaltigt würde – und sich dann angestrengt eine Handlung drumherum ausgedacht hätte. So bleibt der Film leider Stückwerk, welches sich um jede nachvollziehbare Logik einen Dreck schert.

Was bleibt sind die fantastischen Kulissen, die ein junger James Cameron aus alten Pappkartons und Spucke gezaubert hat, und die von Kameramann Jacques Haitkin (später auch bei Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ und dessen Fortsetzung als „Director of Photography“ hinter der Kamera, heute an großen Produktionen wie den Marvel-Filmen, Fast&Furious-Serie oder „Kong“ beteiligt) beeindruckend eingefangen wurden. Ja, „Planet des Schreckens“ sieht einfach toll aus. Er besitzt auch einige bemerkenswerte Szenen (wie Robert Englunds Kampf gegen sich selber oder eben die schon erwähnte Madenszene), die aber zusammen nicht wirklich ein Ganzes ergeben. Da können auch die gern gesehen Schauspieler, wie Grace Zabriskie (die schon als junge Frau sehr creepy aussah), Robert „Freddy“ Englund, die großartige Fresse Sid Haig und Ray Walston nicht viel ausrichten. Die Helden bleiben demgegenüber sehr blass und der spätere Produzent von stylischer 80s Erotik, Zalman King, darf over-acten und so ekelhaft blöd daher kommen, dass gerade sein Kotzbrocken Baelon ganz besonders im Gedächnis bleibt. Schade. Aber durchaus einen zweiten Blick wert. Irgendwann.

Insgesamt aber ein toller Auftakt, der viel für das weitere Wochenende versprach. Ein Wort noch zu den 35mm-Kopien. Diese waren absolut tadellos und sahen einfach fantastisch aus. Nach dem Kino suchten wir noch eine nette Schänke, um in einer kleinen Gruppe das Gesehene zu verarbeiten. Doch seltsamerweise werden in Düsseldorf Freitags nach Mitternacht die Bürgersteige hochgeklappt. Wir fanden schließlich noch eine recht großes Gasthaus, welches aber nach – mit für Düsseldorf scheinbar typisch rauer Herzlichkeit ausgeführten – Ausschank auch schon bald die Pforten schloss. Also ab ins Hotel und Schlaf für den folgenden Tag tanken.

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