Das Bloggen der Anderen (27-11-17)

Von , 27. November 2017 17:39

– Auf out-takes findet man die hochinteressante Zusammenfassung einer zweistündigen Podiums-Diskussion zum Thema analoger vs. digitaler Film.

– Die letzten beiden Wochen habe ich hier Links zu der Auseinandersetzung zwischen Rüdiger Suchsland und der Filmlöwin Sophie Charlotte Rieger, die nun mit einem finalen Posting nochmal ihre Punkte klarmacht.

– Auf B-Roll stellt Patrick Holzapfel den wichtigen US-amerikanischen Filmemacher Charles Burnett vor. Anna Wollner hat mit Kathryn Bigelow über deren Film „Detroit“ gesprochen und Sonja Hartl mit Fatih Akin über „Aus dem Nichts“. Rajko Burchardt fragt sich, ob man einem Film noch unvoreingenommen begegnen kann und ob dies überhaupt wichtig ist. Dabei gibt er auch einen kleinen Einblick in die deutschsprachige „Facebook-Cinephilie“.

– Schwanenmeister schreibt auf negative space über die Retrospektive der 68. Berlinale, die das Weimarer Kinos ins Zentrum stellt. Und er fasst die Diskussion über die Nachfolge des Festivalleiters Dieter Kosslick zusammen.

Filmlichtung sinniert über die Frage, warum die Filme immer länger werden. Ob das überhaupt stimmt und wenn ja, ob das denn nötig ist.

– Zum 130. Geburtstag gibt es auf Duoscope ein ausführliches Portrait der Horror-Ikone Boris Karloff.

– Gratulation zum 1.000 Beitrag des Blogs symparanekronemoi. Zur Jubel-Nummer gibt es von Flo Lieb einen Text über den Film „Ingrid Goes West“, der ihn aber leider nicht vollständig überzeugt hat.

– Nach all den Jahren, die sich Oliver Nöding schon mit den klassischen US-Slashern beschäftigt, stößt er doch immer noch auf nette Überraschungen. Wie „Return to Horror High“, den er auf Remember It For Later vorstellt. Und eine guilty pleasure von mir ist diese Woche auch dabei: Sergio Martinos Abenteuer-Kannibalen-Mashup “Die weiße Göttin der Kannibalen“.

– Was es nicht alles gibt: The Navy vs. the Night Monsters. „It’s hard to imagine. Carnivorous trees that move on their own roots.“ In der Tat. Gefunden bei funxton.

Kinogucker empfiehlt das Buch: “Earthbound – David Bowie and The Man who fell to Earth”.

– Ich mag Peter Sadys “Comtesse des Grauens” sehr gerne und halte ihn für einen besten Hammer-Filme der 70er. Christian von Schlombies Filmbesprechungen würde offenbar nicht so weit gehen.

Das Bloggen der Anderen (20-11-17)

Von , 20. November 2017 17:15

– In der letzten Woche gab es eine Mario-Bava-Reihe auf Arte. Das läuft bei mir unter der Rubrik: „Das ich das noch erleben darf“. Konsequenterweise beginnt das „Bloggen der Anderen“ in dieser Woche dann auch mit einem Schwung voll Bava-Filmen. Funxton hat sich einige angesehen und kommt dabei zu einem ähnlichen Ergebnis wie ich. Nämlich dass „5 Dolls for an August Moon“ recht enttäuschend ist (auch wenn ich ihn allein wegen der Cipriani-Musik und der lieben Edwige ein Pünktchen mehr geben würde). Dafür ist „Planet der Vampire“ ein Ausnahmefilm und „The Girl Who Knew Too Much“ hübsch anzuschauen.

– Auch Mauritia Mayer kümmert sich auf Schattenlichter um einen Bava-Film: Den tollen „Drei Gesichter der Furcht“.

– Anlässlich des Filmes „Teheran Tabu“ beleuchtet Lucas Barwenczik auf B-Roll die Geschichte des Rotoskopie-Kinos. Und Beatrice Behn hat ein Interview mit „Fikkefuchs“-Regisseur, Autor und Darsteller Jan Henrik Stahlberg geführt.

– Apropos „Teheran Tabu“ und „Fikkefuchs“. Auf Daumenkino findet man zwei sehr kritische Besprechungen dieser beiden Filme.

– Oliver Nöding war auf dem zweiten Morbid-Movies-Festival und sah dort u.a. den göttlichen „Thundercrack!“, den er auf Remember It For Later bespricht. Mein Neid sei ihm gewiss. Des Weiteren hat er sich noch Umberto Lenzis Kannibalen-Schocker „Lebendig Gefressen“ und „Die Rache der Kannibalen“ angesehen. Zwei Filme, die auch Lenzi selber nicht mag.

– William Castle ist für schwarz-weiße Horrorfilme und Thriller bekannt. Aber er kann auch anders. Wie der knallbunte Kostümfilm „Serpent oft he Nile“ beweiset, den Robert Zion vorstellt.

Filmlichtung hat so seine Probleme mit „RottenTomatoes.com“ und erklärt auch warum. Und ich schließe mich seinem Fazit von ganzem Herzen an: „Sucht Euch ein paar Kritiker denen ihr vertraut und deren Meinung ihr zumeist teilt oder gerade nicht. Lest was die zu sagen haben und bildet Euch am besten Euer eigenes Bild. Und misstraut jedem, der behauptet er könne den Wert eines Filmes oder irgendeines Kunstwerkes objektiv in einer Prozentzahl ausdrücken!“ So sieht es nämlich aus.

– Manchmal entfachen auf schlechte (oder zumindest mittelmäßige) Kritiken eines Filmes. So gerade geschehen nach der Lektüre von Schlombies Filmbesprechungen über „Zwei unter Volldampf“ mit John Candy und Eugene Levy als Cops in einer Action-Komödie von Mark L. Lester? Muss ich sehen!

– Und noch so ein Fall. Zwar zeigt sich Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de nicht gerade begeistert vom deutschen Film „Fluidø“ der taiwanesischen Multimediakünstlerin Shu Lea Cheang. Die Beschreibung klingt aber so interessant, dass ich gerne mal einen Blick riskiere. Und wenn ich schon dabei bin, kann der hier ebenfalls eher lauwarm besprochene spanische Horror-Film „Verónica – Spiel mit dem Teufel“ auch gleich mit auf die Liste.

– Filme der Fünfziger, die 37ste. Werner Sudendorf auf new filmkritik über „Ein Herz kehrt heim“ von 1956.

– Ich habe noch einen großen Wunsch: Castellaris „Keoma“ als 35mm-Kopie auf der großen Leinwand. Totalschadens Besprechung auf Splattertrash unterstreicht diese Dringlichkeit noch. Vielleicht liest ja jemand mit, der mir diesen Wunsch erfüllen kann.

Das Bloggen der Anderen (13-11-17)

Von , 13. November 2017 18:03

– Bevor der lesenswerte Blog Jugend ohne Film sich in eine längere Winterpause verabschiedet haben die Autoren noch einmal kurz ihre Highlights der diesjährigen Viennale zusammengefasst.

– Lukas Foerster fährt in dieser Woche zweigleisig. Einmal berichtet er auf critic.de von den Duisburger Filmwoche und dann macht er sich auf seinem eigenen Blog Dirty Laundry anlässlich der dort gesehenen Filme noch einmal Gedanken über den Dokumentarfilm allgemein.

– Stefanie Diekmann fasst auf cargo noch einmal die Filme der DOK Leipzig zusammen.

– Casting Director Iris Baumüller erklärt im Interview mit Katharina Abel auf out takes: „Fälle wie Harvey Weinstein gibt es auch in Deutschland“.

„Albernheit wagen!“ fordert Rochus Wolff vom Kino auf B-Roll. Und mehr „Future Politics!“ fordert Andreas Köhnemann.

– In meiner Filterblase völlig untergegangen ist „NORIMBERGA VIOLENTA – Festival des italienischen Polizeifilms“ im KommKino Nürnberg. Die sympathische Mauritia Mayer von Schattenlichter war aber dabei und berichtet.

Filmlichtung beschäftigt sich diesmal eingehen mit „Cinematischen Universen“.

– „Die Revolution ist abgesagt“ heißt es bei Whoknows presents. Manfred Polak beschäftigt sich ausführlich mit dem frühen Bertolucci-Film „Vor der Revolution“ von 1964. Mit Adriana Asti und Francesco Barilli (der später als Regisseur u.a. „Das Parfüm der Dame in Schwarz“ drehen sollte).

– Ein ganz wunderbar wahnsinniger Hollywood-Film ist Russ Meyers „Beyond the Valley of the Dolls“, den ich gerne mal auf der großen Leinwand sehen würde. Funxton mag ihn ich und hat auch noch gleich über den „Vorgänger“ „The Valley of the Dolls“ geschrieben.

Allesglotzer hat sich das „Hills Have Eyes“-Remake, sowie dessen Sequel vorgenommen.

William Friedkins „Das Kindermädchen“ kommt ja immer recht schlecht weg. So auch bei Sebastian von Nischenkino. Komisch, ich habe den gar nicht so übel in Erinnerung – allerdings habe ich den das letzte Mal auch bei seiner Videopremiere gesehen.

– Oliver Nöding von Remember It For Later schaut weiter Kaijus. Diesmal allerdings ohne Godzilla: „Die fliegenden Monster von Osaka“ und „King Kong – Frankensteins Sohn“. Beide vom Meister Ishirô Honda.

– Ana Lily Amirpour hat „A Girl Walks Home Alone At Night“ gedreht. In den Extras dieses schönen, ruhigen Vampirfilms führte sie sich allerdings auf, wie ein aufgekratzter, pseudocooler, weiblicher Tarantino. Von vielen habe ich gehört, genauso fühle sich ihr zweiter Film „The Bad Batch“ an. Going to the movies bestätigt dies.

– Kann man genug über „Blutiger Freitag“ schreiben? Ich finde: Nein! Und verlinke deshalb totalschadens Besprechung auf Splattertrash.

Das Bloggen der Anderen (06-11-17)

Von , 6. November 2017 18:01

– In der letzten Woche hat Rüdiger Suchsland seinem Blog Cinema Moralia einen sehr kontroversen Text zum Thema „Weinstein“ online gestellt, der in dieser Woche nun von der Filmlöwin scharf kritisiert wurde. Was Rüdiger Suchsland dann nicht ruhen ließ, sodass er dazu noch einmal seine ganz eigene Sicht der Dinge dargelegt hat.

– Ferner berichtet die Filmlöwin vom 12. Porno-Filmfestival in Berlin.

– Auch Olga Galicka hat auf B-Roll über das Pornofilmfestival geschrieben. Lucas Barwenczik über die Frage „Gibt es einen „richtigen“ Sitzplatz im Kino?“ Lustigerweise habe ich gerade gestern mein Patenkind dait verblüfft, dass ich ihr in jedem Bremer Kino meinen Lieblingsplatz nennen konnte. Soviel zu meiner persönlichen Antwort auf diese Frage.  Joachim Kurz sah auf der Viennale den Film „Sexy Durga“ von Sanal Kumar Sasidharan, welcher ihn sehr mitgenommen hat.

– Auf der Viennale war auch Rainer Kienböck, der auf Jugend ohne Film von dem fort gesehenen „Ta peau si lisse“ von Denis Côté schwärmt. „Jeannette, l’enfance de Jeanne d’Arc“ von Bruno Dumont lässt ihn demgegenüber ratlos zurück.

– Valeska Rediger hat auf critic.de einige Impressionen vom Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm veröffentlicht.

– Harald Mühlbeyer hat sich auf screenshot der Retrospektive Tony Gatlif angenommen, die er auf den 51. Hofer Filmtagen sah.

– Endlich, endlich, endlich… Endlich gibt es auf Hard Sensations wieder einen Text der von mir sehr geschätzten Silvia Szymanski. Sie berichtet ausführlich über die 4. Terza Visione, die im Juli in Frankfurt stattfand.

– Dazu irgendwie passend gibt es auch einen sehr schönen Beitrag auf Eskalierende Träume von André Malberg, der sich mit Alfred Vorhers Film „Das gelbe Haus am Pinnasberg“ beschäftigt.

– Michael Schleeh empfiehlt auf Schneeland Naoko Ogigamis Komödie „Yoshino’s Barber Shop„. Und ich werde dieser Empfehlung gerne folgen.

– Sebastian stellt auf Magazin des Glücks drei Films noirs des großartigen John Brahm vor. Dessen „Scotland Yard greift ein“ liegt hier bei mir noch ungesehen – was sich kurzfristig ändern wird.

– Sascha zeigt sich auf Die seltsamen Filme des Herrn Nolte sehr begeistert von Sammo Hungs tollem „Encounters of the Spooky Kind“. Ich glaube, da wird bei mir auch eine Neusichtung fällt. Nach Saschas Review habe ich richtig wieder Lust auf den Film.

– Kinderheitserinnerungen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich „Garten des Bösen“ auf einem winzigen Fernseher im Wochenendhaus meiner Eltern gesehen habe. Wie so viele klassische Western, die ich damals förmlich aufgesogen habe. Liegt in der Familie. Mein Opa, mein Vater, meine Onkels waren genauso. Sebastian bespricht den Film auf Nischenkino.

– „Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt“ ist mir vor allem als Beilage einer PC-Zeitschrift und vom Tedi-Grabbeltisch bekannt. Nach funxtons sehr positiver Review, glaube ich, er ist doch mal einen Blick wert. Und politisches Thrillerkino, wie es heute leider nicht mehr gemacht wird: „Das Attentat“ von Yves Boisset.

– Oliver Nöding schreibt über auf Remember It For Later eine großartiges Mondo-Bizarr-Double-Feature in Düsseldorf, bei dem ich auch gerne gewesen wäre. Es gab „Asphalt-Kannibalen“ von Antonio Margheriti und den schier unglaublichen „Die wilden Engel von Hongkong“ von Kuei Chih-hung.

– Noch ein Film, den ich auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg verpasst habe: „Operation Duval – Das Geheimprotokoll“. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de ist begeistert, was wohl bedeutet, dass ich den bei Zeiten mal nachholen sollte. Ein Tipp scheint auch der vom titel gerade hervoragend passende, estnische Schwarz-Weiß-Horror-Märchenfilm „November“ zu sein.

– JackoXL empfiehlt auf Drei MuschelnLet Me Make You A Martyr” mit Marilyn Manson in einer Hauptrolle, dessen Schauspiel JackoXL wie folgt beschreibt: “ So eiskalt, introvertiert, beunruhigend-gelassen wie der gesamte Film, obwohl sich hier die Hölle auf Erden abspielt.“ Gemerkt.

Blu-ray-Rezension: „The Witches“

Von , 4. November 2017 14:49

Nachdem sie bei einem unheimlichen Zwischenfall in Afrika vom Hexenmeister eines Eingeborenenstammes fast in den Wahnsinn getrieben wurde, ist Gwen Mayfield (Joan Fontaine) wieder nach England zurückgekehrt. Hier hofft sie, sich von den schlimmen Ereignissen zu erholen. So sagt sie schnell zu, als ihr Alan Bax (Alec McCowen) – den sie für einen Priester hält – eine Anstellung als Englischlehrerin in der Schule des kleinen Örtchen Heddaby als Englischlehrerin anbietet. Der leicht verschrobene Alan, lenkt mit seiner Schwester Stephanie Bax (Kay Walsh) die Geschicke des Ortes. Gwen freundet sich mit Stephanie an und fühlt sich in ihrer neuen Umgebung zunächst sehr wohl. Doch bald schon merkt sie, dass etwas hinter der freundlichen Fassade nicht stimmt. Als sie hört, dass ihre liebste Schülerin Linda (Ingrid Boulting) von ihrer Großmutter (Gwen Ffrangcon Davies) misshandelt wird und das ganze Dorf versucht Linda von ihrem Freund Ronnie (Martin Stephens) fernzuhalten, geht Gwen der Sache auf den Grund und gerät damit selber in Gefahr…

The Witches“ zählt nicht zu den bekanntesten Hammer-Horror-Filmen. Daran ändert auch der reißerische deutsche Alternativ-Titel „Der Teufel tanzt um Mitternacht“, der ihm für die TV-Ausstrahlung angedichtet wurde, nichts. Die Gründe für seine mehr oder weniger große Obskurität liegt sicherlich an mehreren Faktoren. Einmal geht es hier nicht um die überaus beliebten, klassischen Hammer-Ungeheuer: Vampire, Frankensteins Monster oder meinetwegen auch Mumien. Zudem wirken keine der üblichen Verdächtigen mit. Peter Cushing und Christopher Lee wären hier zwar auch nicht die Idealbesetzung (wobei man sich Lee allerdings gut als männlichen Hexenmeister vorstellen könnte), aber nicht einmal ein Michael Ripper schaut um die Ecke. Hinter der Kamera stand der weitgehend unbekannte Cyril Frankel, der hauptsächlich für das englische Fernsehen arbeitete und dort an zahlreiche Episoden von „Department S“, „Jason King“ und „Gene Bradley in geheimer Mission“ mitarbeitete. Seine letzte Regiearbeit datiert von 1990 und ist ausgerechnet das Thomas-Gottschalk-Vehikel „Eine Frau namens Harry“, welches die deutsche Supernase international bekannt machen sollte. 1966 war auch die erste goldene Phase für Hammer vorbei. Bis zum Comeback mit mehr Blut und Brüsten sollte es noch etwas dauern. Schlechte Voraussetzungen also für „The Witches“.

„The Witches“ war ein Herzensprojekt der großartigen, oscar-prämierten Schauspielerin Joan Fontaine, die schon bei Alfred Hitchcock Erfahrungen mit unheimlichen Begegnungen gemacht hatte. Ihr gefiel die Novelle „The Devil’s Own“ von Norah Lofts (veröffentlicht unter deren männlichen Pseudonym „Peter Curtis“) so gut, dass sie sich die Rechte sicherte und in Hammer ein Studio fand, welches „The Devil’s Own“ gerne produzierte. Wahrscheinlich schielte man dabei auch auf die damals populäre Welle der „alten Damen in Horrorfilmen“, die von Robert Aldrichs Meisterwerk „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ losgetreten wurde, und von der die großen Stars des klassischen Hollywoods noch einmal profitieren konnten. Wie Bette Davis (die dann in einigen von Hammers Psycho-Thrillern mitspielte), Joan Crawford, Olivia de Havilland (Joan Fontains Schwester und ewige Rivalin) oder auch Tallulah Bankhead (ebenfalls in einer Hammer-Produktion). Im Gegensatz zu diesen musste Fontaine aber nicht die irre Alte geben, sondern spielte in „The Witches“ eine starke, unabhängige Frau, die nicht nur Heldin, sondern auch das emotionale Zentrum des Filmes ist. Dabei half gewiss, dass Joan Fontaine mit gerade Mal Ende 40 auch eine ausgesprochen schöne und elegante Frau war. Dass man der Fontaine in „The Witches“ kein männliches love interest zur Seite stellte und ihr Interesse vor allem der jungen Linda Rigg, gespielt von Ingrid Boulting, und der starken Stephanie Bax, gespielt von der umwerfenden Kay Walsh, gilt, hat einige Filmkritiker dazu bewogen, in dem Film eine lesbische Grundierung zu entdecken. Diese kann ich nicht finden. Joan Fontaines Charakter Gwen Mayfield ist eine starke Frau, die gut auf sich selber aufpassen kann und keine männliche Hilfe braucht. Wie nun ihre sexuelle Orientierung aussieht ist für den Film (und auch sonst) dann auch herzlich egal.

Norah Lofts Novelle wurde von dem legendären Quatermass-Erfinder Nigel Keale für die Leinwand aufbereitet. Da ich die Vorlage nicht kenne, weiß ich nicht, ob die Ambivalenzen bereits in der Novelle vorhanden waren, oder auf Keale zurückgehen. Relativ früh wird klar, dass die großartige Kay Walsh in der Rolle der Stephanie Bax hinter dem Hexenkult steht (dieser Punkt wird auch auf den Bildern der DVD-Hülle verraten, ist also kein großer Spoiler). Sie gibt es sogar offen zu und diskutiert mit der Heldin Gwen Mayfield über die Rolle der Hexe. Und in der Tat klingt vieles von dem, was sie sagt, durchaus vernünftig. Stephanie Bax wirkt auch keineswegs wie eine Wahnsinnige oder von Machtgier zerfressen. Stephanie Bax Ganz im Gegensatz zu Gwen Ffrangcon Davies als Granny Riggs, der die Bosheit oftmals aus den schielenden Augen zu tropfen scheint. Sie steht dann auch im Zentrum der Paranoia, die sich langsam in Gwen Mayfield ausbreitet. Regisseur Cyril Frankel gelingt es hervorragend, das Abgründige hinter der scheinbar so heilen Dorf-Fassade durchscheinen zu lassen. Trotz allem Lächeln und freundlich Winken spürt man doch jederzeit, dass etwas bedrohliches hinter den so sonnigen Gesichtern steckt. Gwen Mayfields Unbehagen wird fast fühlbar, wenn man nebenbei sieht, wie im Bildhintergrund eine Mutter ausgesprochen rüde mit ihrer kleinen Tochter umgeht, man Fetzen von böser Nachrede hört oder sich das lächelnde Gesicht blitzschnell in eine grimmige Grimasse verzieht, wenn mal keiner hinsieht. Das ist der wahre Horror von „The Witches“.

Männer spielen in diesem Film kaum eine Rolle. Sie sind entweder schwächlich wie Alec McCowen als Alan Bax, Opfer oder willfährige Helfer des Hexenkults. Um die wichtigen Dinge kümmern sich die Frauen. Im Guten, wie im Bösen. Vielleicht stieß dies damals dem (oftmals männlichen) Horrorfilm-Publikum sauer auf, und sie blieben dem Film fern. Es kann allerdings auch am lächerlichen und unfreiwillig komischen Finale liegen. Dieses ist an Albernheit kaum noch zu überbieten und droht den bis dahin wunderbar zurückhaltenden und ernsthaften Film, nachhaltig zu beschädigen. Während die souveräne Kay Walsh ihr bestes tut, um die Situation noch halbwegs zu retten – was ihr aber nur bedingt gelingt – springen die anderen Darsteller umher als gelte es den ersten Preis in der Kategorie „Wie mache ich mich am Besten zum Affen“ zu gewinnen. Da wird wild grimassiert und eine große Orgie simuliert, die allerdings schon deshalb lustig wirkt, weil alle Beteiligte noch ihre – aus welchem Grund auch immer – zerrissene Kleidung anhaben und diese aufeinander rollen nun gar nichts erotisches und verruchtes hat, sondern an eine Krabbelgruppe im Kinderspielkreis erinnert. Das Ende kommt dann auch allzu abrupt und den vorangegangen, ebenso spannenden wie 90 Minuten vollkommen unwürdig. Das ist sehr schade und wirkt in der Tat so, als ob der Produktion kurz vor Schluss das Geld ausgegangen ist und man jetzt schnell gucken musste, wie man die Geschichte ganz schnell zu einem Ende bringt. Was den Film als Ganzes aber nicht schmälern soll.

„The Witches“ ist im Hammer-Kanon zwar etwas untergegangen, entpuppt sich aber als souverän inszenierter Paranoia-Thriller mit übersinnlichen Tönen. Leider macht das abrupte und ziemlich alberne Finale viel von der zuvor sorgsam aufgebauten Spannung kaputt. Trotzdem ist „The Witches“ eine hübsche Perle am Kleid des britischen Horrorfilms.

Anolis bringt „The Witches“ erstmals in Deutschland auf HD heraus. Wieder vollgepackt mit Extras und in ein tollen Bildqualität. Letztere zeichnet sich durch Schärfe und kräftige Farben aus, ohne dabei das Alter des Filmes zu verleugnen. So soll eine Veröffentlichung eines 50-jährigen Films auch aussehen. Der Ton ist klar und kommt – zumindest in der Originalfassung – sehr authentisch rüber. Für die Freunde deutscher Synchronfassungen ist die TV-Synchronisation mit an Bord. Im Audiokommentar unterhalten sich Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz über vieles was interessant ist, aber nicht zwangsläufig auf den Film bezogen – den sie auch gar nicht besonders mögen. Was ich nicht unbedingt nachvollziehen kann. Sehr schön sind die beiden Featurettes, die als Bonus beigegeben wurden. Die Episode der „Wicked Woman“ TV-Serie „World of Hammer“ von 1990 ist bereits bekannt und befand sich schon auf der deutschen Erstveröffentlichung des Films von 2003. Sie beschäftigt sich mit den Schurkeninnen der Hammer Studios. Ganz und gar großartig ist die 45-minütige Dokumentation „Hammer Glamour“, welche 2013 von Hammer-Experte Marcus Hearn gedreht wurde und in der sich Madeline Smith, Martine Beswick, Caroline Munro, Vera Day, Jenny Hanley und Valerie Leon tausend und eine Anekdote zu erzählen haben, und dabei super sympathisch und humorvoll rüber kommen. Da möchte man gerne mit auf dem Sofa sitzen. Das 25-seitige Booklet ist nur in der Mediabook-Version enthalten, weshalb ich nichts drüber sagen kann. Die Extras der Blu-ray werden durch den amerikanischen Kinotrailer, TV-Spots und Bildergalerien abgerundet.

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