DVD-Rezension: „The Guest“

Von , 31. Mai 2015 00:15

theguestEines Morgens steht vor der Tür der Familie Peterson ein junger Mann (Dan Stevens), der sich David nennt und sich als Kamerad ihres verstorbenen Sohnes vorstellt. Die Familie Peterson bietet dem freundlichen und gutaussehenden David an, ein paar Tage bei ihnen zu bleiben. Bald schon sind sie seinem Charme erlegen und behandeln ihn fast wie ein Familienmitglied. David zahlt es ihnen zurück, indem er sich um Luke (Brendan Meyer), den Sohn des Hauses, kümmert und ihm zeigt, wie er mit sich in der Schule gegen seine Peiniger durchsetzen kann. Auch das Herz der Tochter Anna (Maika Monroe) und deren Freunde gewinnt er im Sturm. Doch bald schon wächst in Anna der Verdacht, dass David nicht der sein könnte, für den er sich ausgibt…

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Es gibt ihn noch: Den B-Film, der gar nicht erst so tut, als wolle er sich mit den großen Blockbustern messen, sondern sein kleines Budget dafür nutzt, mit tollen Schauspielern eine ökonomisch erzählte und dichte Geschichte ohne große Umwege und unnötige Ausschmückungen. Adam Wingards Film erinnert an die besten Werke eines John Carpenter, der am Anfang seiner Karriere einen ganz ähnlichen Stil pflegte, der wiederum an solchen alten Meistern wie Howard Hawks geschult war. In einer Zeit, in der alles immer größer und „cleverer“ sein muss, und man es kaum noch schafft einfache Geschichte in 90 Minuten zu erzählen und scheinbar ständig bewiesen werden muss, wie raffiniert oder ironisch man doch ist, stellt es eine Wohltat dar, wenn einem mal wieder ein Film wie „The Guest“ unterkommt.

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„The Guest“ bietet viele Interpretationsmöglichkeiten an, ohne dem Zuschauer eine bestimmte Lesart aufzwingen zu wollen. Auch wird nicht alles zum Erbrechen aus erzählt. Das Publikum erfährt genau soviel, wie es braucht, um dem Film zu folgen. Es gibt viele Leerstellen, die man selbst füllen kann – aber nicht braucht. Als Allegorie oder einfacher Spannungsfilm – „The Guest“ funktioniert auf beiden Ebenen. Klar bietet es sich an, ihn als Parabel auf die verändert aus dem Krieg heimkehrenden jungen Menschen zu sehen, die zu viel Grauen gesehen habe, zu unmenschliche Taten verübt haben, um noch diejenigen zu sein, die ihre Eltern einst in eine fernes Land ziehen ließen, um einen Krieg zu führen, den sie nicht verstehen. Bob Clarkes wunderbarer Zombiefilm „Deathdream“ wäre dann ein geistiger Bruder von „The Guest“. Aber man kann ihn auch als eine Coming-of-Age-Geschichte verstehen. Die junge Tochter, die sich in ihrem engen Elternhaus nicht mehr Zuhause fühlt und von dem Fremden fasziniert ist, der am Anfang aus der großen Weite, die ihr muffiges Haus umgibt, in ihr Leben gelaufen kommt.

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Folgt man diesem Ansatz, so ist „The Guest“ ein Film über die Angst eines jungen Mädchens, die einerseits von den Männern angezogen wird, sich anderseits aber davor fürchtet, dass der Ausgewählte nicht der richtige ist und sich am Ende als jemand vollkommen anderer entpuppt, als der, in den man sich verliebt hat. David ist eine Manifestation dieser Angst. Eloquent, freundlich, selbstbewusst und unverschämt gut aussehend. Doch am Ende wird sich herausstellen, dass er innerlich tot und ohne jedes Mitgefühl und Skrupel ist. Dass er beim kleinsten Anlass Gewalt anwenden wird. David ist ein potentieller Frauenschläger par excellence. Einer von denen, bei denen man sich fragt, wie „sie“ auf „ihn“ hereinfallen konnte. „The Guest“ zeigt sehr deutlich wie das geht, denn auch der Zuschauer ist schnell von dem charmanten und selbstsicheren David eingenommen. Einem echten Kerl, der so cool ist, dass allein sein Blick ausreicht, um die Schwätzer im Raum zum Verstummen zu bringen. Ein Verführer, bei dem man gar nicht merkt, dass man seinem Charme schon erlegen ist.

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Eine der schönsten Szenen des Filmes dreht sich um den ultimativen Liebesbeweis eines Teenies. Anna hat David ein Mix-Tape (zeitgemäß auf CD, immerhin aber kein MP3-Grab) erstellt. Sie hat sich auf ihr Bett gelegen, es noch einmal durch gehört und dabei ganz sicherlich von David geträumt. Nun hat sie aber herausgefunden, dass David gefährlich und für den Tod einiger Menschen verantwortlich sein könnte. Über sie fällt der „Schatten des Zweifels“. Wie einst Teresa Wright in Hitchcocks Klassiker fragt sie sich, ob der tolle „Onkel Charlie“ nicht ein psychopathischer Mörder sein könnte und versucht sich von ihm fern zu halten. Doch betritt ihr Zimmer und entdeckt die selbst gebrannte CD. Er scheint sich darüber aufrichtig zu freuen, doch an der Art, wie David reagiert als er Annas Geschenk, dass nun gar nicht mehr für ihn bestimmt und so etwas wie die Manifestation eines großes Irrtums ist, an sich nimmt, zeigt, wie genau an dieser Stelle etwas zwischen beiden zerbricht.

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Doch man muss diesen Gedanken nicht folgen. Man kann sich auch einfach zurücklehnen und die gut geölte Maschine genießen, die Adam Wingard und sein Drehbuchautor Simon Barrett auf die Spur gesetzt haben. Die beiden haben gemeinsam auch schon den schwer unterhaltsamen „You’re Next!“ (Kritik hier) verantwortet und sind zu einem gut eingespielten Team geworden, welches man in Zukunft beachten sollte. Eine wichtige Rolle spielt in „The Guest“ auch der großartige Soundtrack, der aus 80er-Jahren-Stücken besteht. Aber nicht aus den bekannten Gassenhauern der Format-Radios, sondern aus dem wirklich guten Stoff. Diese Stücke von Bands wie Front 242, Sisters of Mercy oder Clan of Xymox sorgen zusammen mit dem kongenialen Soundtrack aus der Feder von Steve Moore für die richtige Atmosphäre und lassen eine zusätzliche emotionale Ebene entstehen. „The Guest“ ist ein Film, den man ebenso gut hören, wie sehen kann. Wem läuft es nicht angenehm den Rücken hinunter, wenn er unerwartet DAFs „Mussolini“ hört und im Finale plötzlich ihr „Alles ist gut“ ertönt. Auch hat Adam Wingard seine elegante und auf dem Höhepunkt delirierende Bildführung im Vergleich zu „You’re Next“ noch verfeinert. Am Ende lockt er Anna zusammen mit ihrem Bruder in eine Film-Hölle, in der sich „Die Lady von Shanghai“, „Suspiria“ und der Trockeneisnebel der alten Hammer-Filme die fiebrige Hand geben. Das hat dann alles nichts mehr mit einer Realität zu tun, die der Film anfangs vorgibt, aber sehr viel mit dem Irrsinn, welchen man so vor allem im klassischen B-Film finden kann. Da ist das letzte Bild des Filmes ausnahmsweise nicht nervig, sondern einfach nur konsequent. Der klassische B-Kino stirbt nie, auch wenn es sich dann und wann eine andere Gestalt gibt.

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„The Guest“ ist einerseits ein ungemein spannender Thriller, andererseits aber für die, die genauer hinschauen, auch ein vielschichtiges Werk, welches viele Lesarten anbietet, diese aber nicht penetrant einfordert.

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Das Bild der Splendid-DVD ist sehr gelungen. An manchen Stellen hat es nicht die Brillanz, die manch anderer aktueller Film, doch gerade dies gibt dem Film eine „80er-Jahre-Note“, die sicherlich beabsichtigt ist. Der Ton ist hervorragend und die deutsche Synchro sehr solide, auch wenn Hauptdarsteller Dan Stevens dadurch etwas von seinem Charisma verliert. Auch die Extras können sich sehen lassen. Neben seinem Audiokommentar des Regisseurs finden sich noch eine handvoll Deleted Scenes, zu denen ebenfalls ein Audiokommentar von Adam Wingart zugeschaltet werden kann, eine Gag-Szene und eine verlängerte Szene. Neben der Standard-Version gibt es noch eine 2-Disc Limited Edition – die allerdings neben einem Booklet und diversen Covern, nur den Film und die oben besprochen Extras einmal als Blu-ray und einmal als DVD anbietet. Da der Film aber auch eigenständig auf DVD und Blu-ray erschienen ist, erschließt sich mir diese Veröffentlichungspolitik nicht wirklich.

Filmbuch-Rezension: “Liebling, ich bin im Kino!“

Von , 23. Mai 2015 20:07

althenkinoIm Zuge des Dokumentarfilms „Was heißt hier Ende?“, den Dominik Graf über seinen Freund, den Filmkritiker Michael Althen drehte und auf der diesjährigen Berlinale vorstellte, erscheint nun im Blessing-Verlag eine Sammlung mit Althens Schriften. Das Buch trägt den schönen Titel „Liebling, ich bin im Kino!“ und enthält nicht nur Filmkritiken aus den letzten drei Jahrzehnten, sondern auch gefühlvolle Portraits ikonischer Schauspieler und Schauspielerinnen.

Das ganze Buch durchzieht das Band der Liebe für den Film. Üble Verrisse oder ein kräftiges Draufhauen, wenn ihm ein Film nicht gefallen hat, sind Althens Sache nicht. Wenn er einen Film nicht mochte, spürt man keinen blanken Hass, sondern eher eine Traurigkeit und Enttäuschung, weil da hätte mehr sein können. Nein, sein sollen. Wie zum Beispiel bei seiner Kritik zum „Baader-Meinhoff-Komplex“, bei dem kein wirklich böses Wort fällt, man aber deutlich seine Frustration über den Film spürt. Oftmals entdeckt Althen aber auch in weniger gelungene Filmen genau die Szenen, die dann doch aus einem Werk heraus leuchten, welches diese Strahlkraft vielleicht gar nicht verdient hat.

Althens Texte wollen keine Konfrontation mit dem Leser, sondern diesen zum Nachdenken anregen. Sie machen ihren Punkt klar, ohne dabei ausfällig zu werden, oder sich über das Objekt der Besprechung hämisch zu erheben. Dabei beeindruckt die thematische Vielfalt, die Althen bespricht. Diese reicht vom Arthaus-Drama über den Hollywood-Blockbuster zu eher unbekannten Kleinoden und dem reinen Genrefilm. Da werden dann auch keine dummen Unterschiede zwischen U und E gemacht, und die Schubladen bleiben zu. Alles wird mit dem selben Respekt und der gleichen Liebe zum Kino behandelt.

Michael Althens größte Stärke liegt im Portrait. Wenn Althen zum Beispiel über Dean Martin schreibt, so kommt dieser in dem Text kaum vor, aber gerade dadurch wirkt „Dino“ so supercool wie nur irgendwas. Wunderbar auch der Nachruf zu einem anderen Mr. Cool des Kinos: Robert Mitchum, dessen unmögliches Leben Althen noch einmal Revue passieren lässt und es dabei überlebensgroß auf eine imaginäre Leinwand wirft. Oder seine so treffenden Worte zur Schönheit einer Jeanne Moreau. Interessant auch sein Nachruf auf Bernd Eichinger, bei dem man deutlich merkt, dass er nicht unbedingt ein Freund des Eichinger-Kinos war, aber dem Mann den größten Respekt entgegen bringt und in Eichingers Liebe zum Kino durchaus einen Seelenverwandten erkannt hat.

Einen Text über Wim Wenders Dokumentation „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“ nutzt Althen, um den Regisseur und dessen Einstellung zum Film eingehend zu charakterisieren. So, wie er eigentlich immer über die reine Filmkritik hinausgeht, ja dem Leser häufig eine schwarz-weiße Meinung, gut oder schlecht, verweigert und stattdessen auffordert, sich nicht nur mit diesem einen Film, sondern seiner persönlichen Idee von Kino zu beschäftigen. Zum Beispiel, dass Stanley Kubrik zwar ein brillanter Bildermacher ist, aber seinen Filmen die Seele fehlt. Und davon, dass dessen filmischer Ziehsohn Steven Spielberg unter dem selben Symptom leidet. Neben den reinen Filmtexten, findet sich hier auch ein interessantes Essay über den 11. September, welches einige Tage nach dem Anschlag in New York entstand. Und er zollt seinen beiden Lehrern Respekt: Den verstorbenen Filmkritikern Frieda Grafe und Peter Buchka.

Michael Althen schrieb zunächst für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, die Zeit, Tempo und andere Zeitschriften. 1998 wurde er verantwortlicher Filmredakteur der Süddeutschen Zeitung. 2001 wechselte er als Redakteur zum Feuilleton der FAZ. Zusammen mit Dominik Graf drehte er zwei Film-Essays: „Das Wispern im Berg der Dinge“ über Grafs Vater, den Schauspieler Robert Graf, und die filmische Liebeserklärung an seine Heimatstadt „München – Geheimnisse einer Stadt“. Hans Helmut Prinzler realisierte er die Dokumentation „Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ (Kritik hier) über die deutsche Filmgeschichte.

2011 verstarb Michael Althen im Alter von nur 48 Jahre. Liest man noch einmal seine Texte, erkennt man, dass das deutsche Feuilleton mit ihm eine einfühlsame und verführerische, wortgewandte und poetische Stimme verloren hat. Und einen großen Liebhaber des Kinos, der fähig war, andere mit seiner Leidenschaft anzustecken.

Michael Althen “ Liebling, ich bin im Kino!, Herausgeben von Claudius Seidl, Blessing Verlag, 352 Seiten, € 19,99

27. – 31. Mai: Das dritte Favourites Film Festival in Bremen

Von , 21. Mai 2015 22:54

Vom 27. bis zum 31. Mai 2015 findet im Bremer Kommunalkino City 46 zum dritten Mal das Favourites Film Festival statt. Gezeigt werden Filme aus aller Welt, die bereits auf Festivals im In- und Ausland einen Publikumspreis gewonnen haben.

Am Mittwoch, den 27. Mai 2015 wird um 19:00 Uhr das dritte Favourites Film Festival Bremen mit einem Sektempfang im Foyer des City 46 eröffnet. Im Anschluss wird um 19:30 Uhr der französisch-senegalesische Eröffnungsfilm „DES ÉTOILES“ von Dyana Gaye gezeigt.

„DES ÉTOILES“ gewann den Publikumspreis des Premiers Plans Festival d’Angers in Frankreich. Das Spielfilmdebüt erzählt in geschickt miteinander verknüpften Episoden von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um in einem fremden Land zu leben und andersrum auf den Spuren ihrer Familiengeschichten ihre Wurzeln entdecken.

Die weiteren Spiel- und Dokumentarfilme des Festivals kommen aus Afghanistan, Kanada, Dänemark, Polen, den USA, Frankreich und dem Senegal.

U.a. wird auch das neuste Werk Oscar-nominierten Dokumentarfilm-Regisseurin Hanna Polak, „Something Better To Come“, gezeigt, an dem die Polin über 14 Jahre gearbeitet hat. Sie begleitet darin die anfangs 11-jährige Yula, die mit ihrer Mutter, ihren Freunden und vielen anderen Obdachlosen auf einer der größten Mülldeponien Europas außerhalb Moskaus aufwächst. Während Yula zwischen Geröll, Gestank, Alkohol und Zigaretten versucht zu überleben, wird sie vor den Augen der Zuschauer erwachsen und gibt trotz all des Elends um sie herum die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht auf.

Zur Vorführung ihres Films am Donnerstag, den 28. Mai um 19:00 Uhr im CITY 46 wird Hanna Polak persönlich anwesend sein, um von den außergewöhnlichen Dreharbeiten zu berichten und die Fragen des Publikums zu beantworten.

Bremer OFDb Filmworks bringt „Wenn du krepierst – lebe ich“

Von , 21. Mai 2015 22:41

HitchhikeAusgesprochen gute – wenn auch mittlerweile schon etwas ältere – Nachrichten aus der Nachbarschaft. Die OFDb Filmworks veröffentlicht am 05.06.2015 den grandiosen „Hitch Hike – Wenn du krepierst lebe ich“ von Pasquale Festa Campanile. Campanile ist mehr für seine Dramen und Komödien bekannt. Hier zieht er ganz mächtig vom Leder und lässt in seinem misogynen Meisterwerk David Hess („Krug“ aus Wes Cravens Kult-Schocker „Last House on the Left“ und ebenfalls in Ruggereo Deodatos bösen„Der Schlitzer“ zu sehen) Franco Nero und die bezaubernde Corinne Cléry aus „Die Geschichte der O“ zu einem grandiosen Morricone-Soundtrack aufeinander los.

Walter Mancini (Franco Nero) befindet sich mit seiner Frau Eve (Corinne Cléry) auf einer Reise durch den Süden der USA. Die Reise ist aber kein allzu großes Vergnügen, denn das Paar ist zerstritten und die Beziehung alles andere als harmonisch. Als ihnen ein Anhalter begegnet, der offensichtlich eine Autopanne hatte, hält Eve gegen den Willen ihres Mannes an und nimmt ihn mit. Zuerst unterhält sich Walter noch mit Adam Konitz (David Hess), aber als dieser sexistische Bemerkungen gegenüber seiner Frau macht, eskaliert die Situation schnell und Konitz zeigt sein wahres Gesicht: Er ist ein gesuchter Krimineller, der eine Beute von zwei Millionen Dollar bei sich hat, die er mit der Hilfe von Walter und Eve über die mexikanische Grenze schmuggeln will…

Die Veröffentlichung kommt als 3-Disc Limited Edition daher, die eine Blu-ray und zwei DVDs im Digipak enthält. Der Film wurde neu vom Originalnegativ in HD abgetastet und mit drei Tonspuren (Deutsch, Englisch, Italienisch) versehen. Auch die Extras können sich sehen lassen. Enthalten sind u.a. ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und die 85 (!)-minütige Doku „Road to Ruin“.

Da herrscht bei mir große Vorfreude, und meine alte US-DVD dürfte bald ausgedient haben.

Bin mal kurz weg…

Von , 5. Mai 2015 22:56

Eigentlich, eigentlich, eigentlich… wollte ich heute noch so viel schreiben und online stellen, bevor ich für die nächsten zwei Wochen in den Urlaub entschwinde. Aber der GDL-Streik, sowie diverse Bäume auf den Schienen in Altona und zwischen Bremen Hbf und Oberneuland, haben mein heutiges Zeitmanagement derartig durcheinander gewirbelt, dass ich noch nicht einmal zum Kofferpacken gekommen bin. Daher wird jetzt aufgeschoben, aber nicht aufgehoben – und ich melde mich dann in zwei Wochen wieder.

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Das Bloggen der Anderen (04-05-15)

Von , 4. Mai 2015 22:00

bartonfink_type2– Ende April fand in Wiesbaden 15. goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt. David von Whoknows presents war dabei und hat einen ausführlichen Bericht geschrieben, bei dem man das Gefühl hat, selber anwesend gewesen zu sein.

– Rochus Wolff schreibt auf B-Roll über den Merchandise-Wahnsinn und Patrick Holzapfel stellt den ukrainische Filmemacher Sergei Loznitsa vor, der gerade beim Crossing Europe Festival in Linz geehrt wird.

– Auf Jugend ohne Film schreibt Thomas Rufin über den Film „In the Mood For Love“ und dessen Musik.

– Auf Daumenkino ärgert sich Philipp Fust über ein aktuelles „Kino der Restauration“, das für ihn ein Kino des Stillstandes ist.

– Görlitz ist seit neustem Schauplatz so mancher aktueller Hollywoodstreifen. Wo die Stars in „Görliwood“ ihre Fußstapfen hinterlassen haben, erzählt Andrea David auf filmtourismus.de.

– Harald Steinwender hat sich im Kino drei aktuelle Genre-Filme angesehen und macht sich darüber auf Themroc so seine Gedanken.

– Sascha Brittner hat auf PewPewPew einige nette Anekdoten über Werner Herzog zusammengetragen.

– Wie Joss Wheadon in „Avenger 2“ die Bildsprache von Comics auf eine neue Art in die Bildsprache von Filmen übersetzt, erläutert Alex Matzkeit auf real virtuality.

– „Karten, Pläne (V)“ von Rainer Knepperges auf new filmkritik. Immer wieder ein Genuss.

– Sano Cestnik ernennt auf Eskalierende Träume „Der Bulle und das Mädchen“ (an dessen mediale Werbung ich mich im Zuge von Jürgen Prochnows damalige Popularität im Gefolge von „Das Boot“ ich mich noch sehr gut erinnere) zu einem der 100 deutschen Lieblingsfilme.

– Udo Rotenberg beschäftigt sich auf Grün ist die Heide wieder mit einem Film aus der „Zwischenzeit“. Zum 1961 erschienen „Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ schreibt er: „Im Subtext verbirgt sich, worum es Regisseur Philipp tatsächlich ging – um Sexualität und den Wandel der Geschlechterrollen.“

– Der italienische Komiker Totò ist bei mir – trotz Italoaffinität – ein weißer Fleck. Außer in Pasolinis „Große Vögel, kleine Vögel“ kenne ich keinen Film mit ihm. Udo weiß da auf L’amore in città weitaus mehr und stellt „Totò in Farbe“ vor.

– Der Mann für das Obskure – Alex Klotz mit seinen Hypnosemaschinen – stellt den isländischen Horrorfilm „Tilbury“ von 1987 vor. „Tilbury hingegen ist einer von diesen Filmen, die so originell und ideenreich sind, daß einem keine wirklich passenden Vergleichsobjekte einfallen wollen – man hockt vielmehr mit offenem Mund vor dem Bildschirm und glaubt nicht ganz, was man da gerade sieht. Großartig!“

Der große indische Regisseur Satyajit Ray findet in Deutschland einfach nicht statt. Dies will Hauptsache (Stumm)Film ändern und stellt Rays klassiker „Mahanagar (Die große Stadt)“ von 1963 vor.

– Von „Hara-Kiri“ kenne ich nur das – ebenfalls sehr gute – Remake. Nach dem Text von Sascha Schmidt auf Okaeri weiß ich, dass ich aber trotzdem auch Kobayashi Masakis Original von 1962 sehen sollte.

– Oliver Nöding ist auf Remember It For Later vom bisherigen Werk des Paares Hélène Cattet & Bruno Forzani recht beeindruckt. Vor allem „Amer“ hat ihm gefallen, aber auch „Der Tod weint rote Tränen“ hat ihm gut gefallen. Ein ganz besonderen Platz in seinem Herzen hat allerdings „Die Braut des Prinzen“ (den ich immer noch nicht gesehen habe – aber der Druck nimmt solchen Texten immer weiter zu).

– Dafür habe ich aber bereits vor langer Zeit den famosen Italo-Kracher „Revolver“ mit Oliver Reed und Fabio Testi gesehen und kann die Lobpreisungen, die Bluntwolf auf Nischenkino der aktuellen deutschen Erstveröffentlichung zukommen lässt, absolut verstehen.

– Totalschaden schreibt auf Splattertrash über Maurizio Merlis Debüt im Polizieschi: Dem erzreaktionären „Verdammte heilige Stadt“.

– Kürzlich schrieb ich hier über die „Cannon“-Doku „Electric Boogaloo“. LZ von screen/read hat hierzu noch einiges mehr zu sagen.

– Passend dazu: Christian Witte auf Cerealty über „American Fighter“ und zum kommenden Kinostart von „Mad Max: Fury Road“ gibt es noch einen Rückblick auf „Mad Max 2“.

yzordderrexxiii über „German Angst“: „Es gibt ihn also doch, den deutschen Genre-Film – und er muss sich nicht verstecken. Das haben Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall hier eindrucksvoll und schmerzhaft bewiesen.“

– Über den Horrorfilm „Der Babadook“ liest man viel Gutes. So auch bei Oliver Armknecht auf film-rezenionen.de.  Ferner empfiehlt er den Anime „Vampire Princess Miyu“, der sich wirklich sehr gut anhört.

– Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat „Der Golem“ von und mit Paul Wegener gesehen, ist beeindruckt und es fallen ihm auch die Ähnlichkeiten zu „Frankenstein“ auf. Abteilung Herzattacke: Der unglaublich niedliche, verspielte und allseits beliebte „Einer gegen das Imperium“ hat nicht seinen Geschmack getroffen und wieder muss der großartige Antonio Margheriti sich was von ihm anhören. Gut für Schlombie, dass die vierteilige TV-Serie, aus der der Film zusammengeschnitten wurde, (zumindest meines Wissens nach) nie veröffentlicht wurde.

– Normalerweise ist der Blog Komm&Sieh immer überaus kritisch und kaum ein Film kommt mal mit heiler Haut davon: Von dem SF-Mystery-Thriller „Parallels“ ist Jochen Plinganz allerdings begeistert.

Neues aus Hollywood vom Kinogänger.

Filmbuch-Rezension: “Fritz Lang”

Von , 4. Mai 2015 18:19

GrobFritzLangFritz Lang zählt zu den bekanntesten und angesehensten Regisseuren unseres Landes. Darüber hinaus ist er einer der ganz wenigen Filmemacher der Stummfilmzeit, deren Namen heute noch Nicht-Cineasten geläufig ist. Allerdings wird sein Werk fast immer nur auf die Zeit der Weimarer Republik reduziert. Und hier schwebt der Name „Metropolis“ über allem. Fast scheint es, als wäre sein berühmtestes Werk mittlerweile zum Synonym für seinen Namen geworden. Lang ist „der Metropolis-Regisseur“. Vielleicht kennt man noch sein Meisterwerk „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ oder seinen „Mabuse“. Mit etwas Glück noch „Die Nibelungen“ und „Der müde Tod“, doch damit hört es bei den Meisten schon auf. Dabei fällt ein gewichtiger Teil seines umfangreichen Werkes fast immer unter den Tisch: Die Filme, die in seiner Zeit in Hollywood entstanden. Immerhin 20 Jahre war er in den USA aktiv und arbeitete für große, später dann zunehmend kleine und unabhängige Produzenten. Viele seiner interessantesten Filme entstanden in dieser Zeit.

Norbert Grob legt nun im Propyläen Verlag-Verlag die erste umfassende Biographie des Mannes vor, der fast 50 Jahre lang Filmgeschichte schrieb und zu den Legenden des Kinos zählt. Und erfreulicherweise konzentriert sich Grob dabei nicht auf die Zeit bei der Ufa, sondern behandelt Langs weiteren Lebensweg gleichberechtigt. Ein „Metropolis“ nimmt bei ihm nicht viel mehr Platz ein, als beispielsweise Langs letzter Hollywood-Film „Beyond Reasonable Doubt“. Wer Details über die Dreharbeiten und technische Aspekte bei Grob erwartet, ist hier hier falsch. Grob liefert immer ausführlich Inhaltsangaben (auch von nicht realisierten Filmen), zeigt auf, wie die Filme von der zeitgenössischen Kritik aufgenommen wurden und ordnet sie in den größeren Kontext von Langs Leben, seinem Gesamtwerk und seinen großen Themen (der aussichtslose Kampf des Individuums gegen das Schicksal, die Existenz von Parallelwelten, ) ein. Immer steht dabei vor allem die Person Fritz Lang und seine nicht immer einfache Persönlichkeit im Vordergrund. Dabei nimmt Grob kein Blatt vor den Mund und schreibt hier keine Heldenverehrung, sondern stellt dem Leser einen Mann vor, der nicht immer sympathisch erscheint, aber seinen künstlerischen Überzeugungen ohne Wenn und Aber folgte. Der eine große Vision davon hatte, wie Film aussehen muss, der sein Leben mit Haut und Haar dem Kino verschrieben hatte und trotz seiner menschlichen Makel eine beeindruckende Persönlichkeit war.

Grob erzählt das Leben und Schaffen Langs tatsächlich als flüssig zu lesende Geschichte. Immer wieder begibt er sich ganz nah an seinen Protagonisten heran und schaut in dessen Kopf. Dies wirkt zunächst einmal befremdlich, denn Sätze wie „Lang dachte…“, „Lang freute sich auf…“ kann man doch zunächst als reine Spekulation abtun. Auch Dialoge, die wenn dann im Privaten geführt wurden, werden teilweise wiedergeben. Grob erwähnt aber später, dass Lang penibel Tagebuch führte und wahrscheinlich standen Grob Langs private Aufzeichnungen zur Verfügung, auch wenn dies nicht explizit erwähnt wird. Manchmal übertreibt es Grob aber auch mit dem Detailreichtum. So wird am Anfang beispielsweise ausführlich über einen Boxkampf geschrieben, den Lang sah, ohne dass ein direkter Einfluss auf Langs weiteren Werdegang deutlich wird. Später folgen immer wieder lange Aufzählungen von Filmen, die Lang im Kino sah. Dies ist zwar durchaus interessant und rundet das Bild, welches Grob von Lang zeichnet, ab, hemmt aber den Lesefluss und ist nicht unbedingt von zwingendem Interesse.

Vor diesem Hintergrund verwundert es dann, wenn einige weitaus interessantere Details komplett unter den Tisch fallen. So erwähnt Grob nicht, dass von „Das Testament des Dr. Mabuse“ zwei Sprachfassungen (Deutsch/Französisch) mit unterschiedlichen Schauspielern existieren. Vor allem fehlt aber auch der Hinweis, dass Langs Ehefrau Thea von Harbou zunächst mit Rudolf Klein-Rogge verheiratet war, dem Lang später wichtige Rollen in seinen Filmen anvertraute, wie zum Beispiel den berühmten Dr. Mabuse. Hier wäre es sicherlich interessant gewesen zu erfahren, wie die beiden Männer zueinander standen und wie sich die enge Zusammenarbeit gestaltete. Das Thema Fritz Lang und die Frauen ist ein Hauptthema nicht nur in diesem Buch, sondern auch Langs Lebens als solches. Langs Frauenverschleiß ist ebenso sagen- wie zwanghaft. Daher wirken die vielen hier erwähnten, wechselnden Damen und Abenteuer nicht sensationshaschend und boulevardesque, sondern sind durchaus wichtig, um den Menschen Fritz Lang, ebenso wie einige der Probleme, die ihn in seiner Laufbahn immer wieder behinderten, zu verstehen. Denn in seiner Jagdlust machte er auch vor den Frauen und Freundinnen seiner Freunde und Bekannten nicht halt. Dass diese in der Mehrzahl zu ihm hielten, ist ein Mysterium, welches auch Grobs Buch nicht vollständig erklären kann. Jedoch spürt man in dieser Biographie jederzeit die große Faszination und Autorität, die Lang auf seine Mitmenschen ausgestrahlt haben muss.

Norbert Grobs Buch liest sich stellenweise wie ein Roman. Und tatsächlich ist die Person Fritz Lang ein ausgesprochen dankbarer Protagonist, den wir hier durch die ersten 76 Jahre des letzten Jahrhunderts begleiten. Sein Leben beinhaltet alles, was einen interessanten Charakter ausmacht. Exzess, Sex und Drama.  Erfolg, Macht, Niederlage. Allein der geheimnisvolle Tod seiner ersten Ehefrau wäre Stoff für einen spannenden Krimi. Grob bringt einem aber auch den pedantischen Tyrannen Lang nahe. Führt aus, welche Ziele Lang mit seinem Filmen verfolgte. Wie er Film als Verlängerung seines frühen Schaffens als Maler verstand. Wie er seine Gemälde auf Zelluloid malte. Wie er das Auge (Lang bezeichnete sich nicht umsonst als „Augenmensch“) über alle Sinne erhob, wenn es um seine Vorstellung vom perfekten Film ging. Wie wichtig ihm seine filmischen Gemälde waren, zeigt Grob anhand von Langs Signatur auf. Denn diese signierte er wortwörtlich mit seiner Hand: Diese ist in fast all seinen Filmen zu sehen. Dass sie dabei oftmals dem Mörder gehört, mögen Psychologen bewerten.

Norbert Grob “ Fritz Lang – Ich bin ein Augenmensch, Propyläen Verlag, 448 Seiten, € 26,00

Open-Air-Kino in Bremen 2015 – Schlachthof im Juni

Von , 3. Mai 2015 15:41

schlachthofopenairNachdem der Schlachthof bereits im letzten Jahr Vorreiter in Sachen Open-Air-Kino war, werden nun unter der Regie der Schlachthofkneipe ganz große Geschütze aufgefahren.

Den ganzen Juni über gibt es nun Open-Air-Kino in der Arena am Schlachthof. Dabei stehen Spaß, gute Laune und eine tolle Atmosphäre im Vordergrund. Und als ein Teil des „Weird Xperience“-Teams habe ich die große Freude am 10. Juni auch einige Filme zusammen mit Stefan Mibs zu präsentieren. Das Programm für den Juni ist meiner Meinung nach ein wirklich hübsches „Something For Everybody“ mit geliebten Kult-Klassikern, neueren und zu unrecht nicht so bekannten Filmen. Ich freue mich schon und hoffe natürlich auf gutes Wetter.

Hier das Programm:

04.06. Die Feuerzangenbowle – Heinz Rühmann als Pfeiffer mit drei „F“. Und jeder nur einen „wönzögen Schlöck!“.

05.06. The Rocky Horror Picture Show – Kultfilm. ‚Nuff said.

06.06. The Breakfeast Club + The Big Lebowski – Einer der beliebten Filme der 80er Jahre, gefolgt einem der beliebsten Filme der 90er.

07.06. Life of Pi – Ang Lees Verfilmung des bekannten Bestsellers „Schiffbruch mit Tiger“.

10.06. Weird Xperience präsentiert: Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster, The Texas Chain Saw Massacre, The Toxic Avenger – ein Godzilla-Klassiker, Tobe Hoppers Original-Terrorfilm und der ungewöhnliche Superheld aus Tromaville!

11.06. John Wick – Keanu Reeves im harten Rächer-Modus.

12.06. Radio Rock Revolution – An der Kinokasse leider ungerechtfertigterweise untergangener Film über einen Piratensender vor Englands Küste in den 60er Jahren.

13.06. Blues Brothers – „Es sind 106 Meilen nach Chicago, wir haben genug Benzin im Tank, ’n halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel, und wir tragen Sonnenbrillen!“

14.06. Mamma Mia! – Feelgood-Musical basierend auf ABBA-Songs.

18.06. Serena – Der neue Film von Susanne Bier spielt im Amerika der 30er Jahre. Mit Bradley Cooper und Jennifer Lawrence.

19.06. Ziemlich beste Freunde – Der große französische Erfolgsfilm, der in Deutschland sogar Harry Potter an der Kinokasse geschlagen hat.

21.06. Wüstentänzer – Im Iran ist das Tanzen verboten. Der junge Afshin bringt sich anhand von illegal geschauter Youtube-Videos selbst das Tanzen bei und tritt trotz aller Gefahren bei einer geheimen Veranstaltung in der Wüste auf.

25.06. Dead Man – Holla, einer meiner absoluten Lieblingsfilme! Johnny Depp in einem surrealen Western-Albraum von Jim Jarmush.

26.06. Can a Song Save Your Life? – Musikfilm mit der wunderbaren Keira Knightly als junge Musikerin, die durch einen gefeuerten Musikproduzenten die Chance ihres Lebens bekommt.

28.06. Ritter der Kokusnuss – Monty Pythons auf der Suche nach dem heiligen Gral. „Okay, einigen wir uns auf Unentschieden“.

DVD-Rezension: „The Dead Lands“

Von , 1. Mai 2015 21:43

DeadlandsDer Stamm des jungen Maori Hongi (James Rolleston) erhält Besuch von Wirepa (Te Kohe Tuhaka), dem Häuptlingssohn eines verfeindeten Stammes. Wirepa täuscht vor, im Namen des Friedens zu kommen, nutzt jedoch einen Vorwand, um Hongis Stamm erbarmungslos abzuschlachten. Nur Hongi und ein paar Frauen überleben. Hongi schwört Rache und folgt Wirepa und dessen Männern durch die „Dead Lands“. Dies ist ein verfluchtes Gebiet, in dem einst über Nacht ein ganzer Stamm verschwand und das nun von einem unheimlichen Wesen regiert wird, welches jeden, der sein Land durchquert, verspeist. Bald schon wird Hongi mit dem „Monster“ konfrontiert, welches sich als riesenhafter Krieger (Lawrence Makoare) herausstellt. Hongi gelingt es, den Krieger auf seine Seite zu ziehen, und gemeinsam setzten sie sich auf Wirepa Fährte…

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Die Prämisse des neuseeländischen Films „The Dead Lands“, und insbesondere sein Trailer, wecken Assoziationen zu Mel Gibsons brutalem Epos „Apocalypto“. Ging es dort um den Untergang der Maya-Kultur, so erzählt der neuseeländische Regisseur Toa Fraser von den Ureinwohnern seiner Heimat: Den Maori. Wie Gibson lässt er seine Figuren dabei in der archaischen Sprache der Ureinwohner sprechen. Und wie Gibson, zeigt er viel Action und lässt das Blut in Fontänen spritzen. Was ihm aber vollkommen abgeht, ist jener epischer Atem, der „Apocalypto“ auszeichnete. Trotz des vielversprechenden und nicht ganz alltäglichen Ansatzes, hat Toa Fraser dann doch nur einen B-Actionfilm gedreht, der eine philosophische Tiefe zwar ab und zu behauptet, aber stets an der Oberfläche bleibt, um eine schon tausendfach gesehene, ausgelutschte Rachegeschichte zu erzählen. Über die Kultur der Maori lernt man nicht viel und was man durch Frasers Film mitbekommt, wirkt auf den unvorbereiteten, westlichen Zuschauer zunächst einmal albern.

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Dies merken auch einige Kritiker an, die dem Film vorwerfen, sich aufgrund der für uns eher lustig anmutenden Riten, in Trash-Gebieten zu bewegen. Ein natürlich unhaltbarer, eher dummer Vorwurf. Denn man merkt deutlich, dass es Toa Frasers erklärtes Ziel war, so dicht und realistisch wie möglich die Maori-Kultur dran zu sein. Und dazu gehört auch wildes Augenrollen und das Herausstrecken der Zunge während eines Kampfes. Was man Fraser eher vorwerfen kann ist es, dass er die Maori-Kultur nicht wirklich nutzt, um uns die Ureinwohner und ihre Kultur vorzustellen. So bleibt es beispielsweise unbeantwortet, ob Kannibalismus unter den Maori wirklich verbreitet war oder dies eine Erfindung des Filmes ist. Für „das Monster“ scheint das Verspeisen seine Gegner durchaus etwas ganz Natürliches zu sein, aber auch Wirepa erwähnt einmal, der Kopf seines Feindes würde bei einem großen Fest verspeist. Und in einer späteren Szene laben sich die verdurstenden Krieger an dem Blut eines der ihren. Auch den mythischen Hintergrund und die Allgegenwart der Verstorbenen muss man sich mehr denken, als dass dies näher erläutert wird, wodurch die Szenen in denen Hongi plötzlich mit seiner toten Großmutter spricht, erst einmal komisch wirken. Nun muss nicht alles ausformuliert werden und „The Dead Lands“ ist auch keine Semi-Dokumentation. Aber er wäre die Chance gewesen, den Menschen außerhalb Neuseelands eine fremde, unterdrückte Kultur nahezubringen. Und da „The Dead Lands“ auch Neuseelands offizielle Oscar-Bewerbung war, kann man davon ausgehen, dass dies durchaus beabsichtigt war.

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Diese Oberflächlichkeit wirkt sich leider auch auf die Protagonisten aus. Unser Held Hongi bleibt blass, sein Weg vom ungeschickten, ängstlichen Häuptlingssohn zum starken Krieger wahllos und voller Sprünge hin und zurück. Auch erhält er keine Konturen, die ihn uns näher zum Herzen bringen. Gegenspieler Wirepa sieht mehr aus wie der Bösewicht aus einem Endzeitfilm und füllt seine Rolle dann auch gänzlich mit Klischees. Wirkliches Profil erhält er nicht, außer, dass er narzisstisch, böse und brutal ist. Und auch nicht besonders clever, denn er wählt mit großer Autorität immer den falschen Weg und ist dabei extrem beratungsresistent. Nur zwei Figuren bleiben einem am Ende im Gedächtnis: Das „Monster“ und eine junge Amazone. Das Monster, welches eigentlich nur ein überaus kräftiger Krieger mit kannibalischen Neigungen und einer finsteren Familiengeschichte ist, wird von Lawrence Makoare gespielt, der hinter Masken versteckt in einigen „Herr der Ringe“-Filmen dabei war. Hier kann er einmal zeigen, dass er eine starke Präsenz besitzt, die auch einen Film tragen kann. Man verzeiht ihm auch gerne, dass er einige platt-pathetische Sprüche aufsagen muss, und seine Figur auch nicht unbedingt eine Ausbund an Originalität ist. Spannender ist da schon eine, von Raukura Turei gespielte, junge Amazone, die sich mit dem Monster einen gnadenlosen, gut choreographierten Kampf liefert, der das Highlight des Filmes bildet. Leider ist ihr nur wenig Zeit auf der Leinwand vergönnt.

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Die Actionszenen sind recht kompetent umgesetzt, auch wenn die Kamera ab und zu die Details aus dem Auge verliert. Unglücklich ist es allerdings gelöst, wenn die Gruppe der Finsterlinge gegen unsere zwei Helden antreten muss. Dann nämlich tänzeln sie wie einst die Kämpfer in den alten Shaw-Brothers-Filmen umher, um schließlich immer schön einzeln anzugreifen. Aber vielleicht gehörte diese „faire Kampfführung“ ja auch zur Maori-Kultur. Ich bezweifle es aber. Ansonsten fällt auf, dass Regisseur Toa Fraser gerne in die Vollen geht und das Blut spitzen lässt. Allerdings ohne dabei die rohe Brutalität zu erreichen, die das oben angeführte Beispiel „Apocalypto“ erzeugte. Dafür lässt Fraser seine Figuren dann aber durch den neuseeländischen Dschungel hetzten, der zwar imposant ist, aber in den Bildern des Kameramanns Leon Narbey nie die mythische Qualität erreicht, die für den Film angebracht gewesen wäre. So wirken die Bilder eher klein, überschaubar und manchmal merkwürdig flach. Es fehlt einfach die Wucht, die unter anderem im Trailer suggeriert wurde und von einem Film wie „The Dead Lands“ auch irgendwo erwartet wird.

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Der neuseeländische Regisseur Toa Fraser hat mit „The Dead Lands“ einen soliden B-Actionfilm ohne jegliche epische Wucht gedreht, der weit hinter dem Potential zurück bleibt, welches die Beschäftigung mit der Maori-Kultur, lange vor der Kolonialisierung Neuseelands, geboten hätte. Stattdessen erzählt Fraser eine sehr simple und austauschbare Rachegeschichte, aus der am Ende nur Lawrence Makoares Portrait eines hünenhaften, kannibalischen Kriegers wirklich in Erinnerung bleibt.

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In Sachen Bild- und Tonqualität lässt sich diese bei Ascot Elite erschienene DVD nicht lumpen. Das Bild ist sehr scharf, die Farben – wo es sich so gehört – kräftig, das Schwarz auch wirklich schwarz. Auch der Ton kann überzeugen und spielt seine Dschungel-Effekte überzeugend aus. Nur die – solide – deutsche Synchronisation ist im Grunde überflüssig. Ist es doch die Intention des Regisseurs, dass die Schauspieler in der Sprache der Maori sprechen, um auch deren Kultur zu skizieren. Als Extras gibt es einige unkommentierte Szenen von den Dreharbeiten (6 Minuten), ebenso unkommentiertes Kampftraining (2 Minuten) und Einblicke in den Fitnessraum (4 Minuten). Die Blu-ray soll noch einige Interviews mit an Bord haben.

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