Mein ganz persönlicher Jahresrückblick 2014

Von , 22. Dezember 2014 00:08

Die Feiertage stehen vor der Tür und wieder neigt sich ein weiteres Jahr dem Ende zu. Zeit ein wenig inne zu halten und noch einmal Revue passieren zu lassen, was 2014 so alles passiert ist.

Fange ich einmal mit dem Blog an. Da kann ich nur mehr als zufrieden sein. Im Vergleich zu 2013 hatte ich vom 1.1. bis 19.12. unglaubliche 67% mehr Nutzer und Seitenaufrufe. Das motiviert. Überhaupt scheint sich das „Filmforum Bremen“ (trotz des uncoolen und regional ausgerichteten Namens) im Netz durchaus etabliert zu haben. Was ich auch an diversen filmrelevanten Anfragen merke. Zwar habe ich mein Ziel, in 2014 die 250 Facebook-Fans zu knacken, knapp verfehlt. Aber 248 sind ja auch nicht so schlecht und das Jahr ist ja erst in 10 Tagen zuende.

Zwar konnte ich 2014 aus Zeitgründen nicht alles umsetzen, was ich mir Ende letzten Jahres für den Blog vorgenommen hatte, aber dann sind das eben die guten Vorsätze für 2015. Dann möchte ich hier ein paar mehr Interviews unterbringen. Die Interviews, die ich dieses Jahr führen konnte, haben mir viel Spaß gemacht, und ich freue mich auch, wenn ich hier interessanten Menschen und Projekten eine Plattform geben kann. Einige Leute, die noch nichts von ihrem Glück wissen, habe ich da schon auf dem Zettel.

Generell hoffe ich auch, dass ich 2015 auch etwas mehr Schreibarbeit jenseits des Blogs unter die Leute bringen kann. Vor allem würde ich hier gerne wieder im Bereich „Gedrucktes“ etwas machen, da ich – obwohl ich zur „Online Community“ gehöre – doch gerne etwas „Handfestes“ vor der Nase habe und leidenschaftlicher Sammler von Filmzeitschriften und -büchern bin. Da hatte ich dieses Jahr auch schon Kontakte geknüpft, aber dann fehlte mir hierfür leider doch die Zeit.

Die Zeit fehlte mir auch, um ins Kino zu gehen. Abgesehen von unserer Kinoreihe „Weird Xperience“, dem Internationalen Filmfest in Oldenburg, den „Monster machen mobil“ in Hamburg und natürlich dem wunderbaren „Deliria-Italiano“-Forentreffen in Nürnberg, habe ich es genau einmal ins Kino geschafft: Zu „Godzilla“, der eine recht gemischte Angelegenheit war. Das muss 2015 definitiv auch besser werden, denn „Kino. Dafür werden Filme gemacht“. Und wo ich gerade bei „Weird Xperience“ bin. Dass unsere Reihe Mitten in der Saison im Zuge eine Programmreform vom Kommunalkino mangels genügend Besuchern auf Eis gelegt wurde, gehört zu den schmerzlichsten Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren machen musste. Das tat sehr weh, insbesondere, da es nach der Sommerpause mit der Besucherzahl bei „Nude on the Moon“ und „Videodrome“ deutlich bergauf zu gehen schien. Aber auch wenn uns das Kommunalkino in der bisherigen Form nicht mehr haben will – irgendwie wird es auch 2015 weitergehen, und ich bin schon sehr gespannt auf ein mögliches „Weird Xperience Reborn“. Stay tuned!

Toll waren natürlich wieder das Deliria-Italiano-Forentreffen mit vielen lieben und sympathischen Menschen, welches dieses Jahr in Nürnberg stattfand und sich immer mehr wie ein großes Familientreffen anfühlt. Und auch das Internationale Filmfestival in Oldenburg glänzte wieder durch eine einladende und heimelige Atmosphäre, bei der man sich sehr willkommen und wie bei alten Freunden fühlt.

Was die Filme angeht, hinke ich 2014 ordentlich hinterher. Da sich mein Filmkonsum fast ausschließlich auf Klassiker oder Heimkino-Premieren beschränkte, fällt es mir auch schwer, meine jährliche Top10-Liste für 2014 zu erstellen. Zu viele (okay, eigentlich alle) interessanten Kinofilme, auch die meiner Lieblingsregisseure, habe ich in diesem Jahr schlicht und einfach verpasst. Überhaupt habe ich in diesem Jahr mit gerade einmal 146 Filmen so wenig wie noch nie geschaut. Zum Vergleich: 210 waren es noch 290. Deshalb werde ich auch in diesem Jahr keine Unterscheidung zwischen aktuellen und alten Filmen machen und alles in eine Liste packen. Dafür gibt es dann auch 15 Titel.
Hier ist sie.

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1. Der heilige Berg (Alejandro Jodorowsky, 1973), Kritik hier.
2. Hany (Michal Samir, 2014), Kritik hier.
3. Die Killer (Robert Siodmak, 1946)
4. The Return of Captain Invincible (Philippe Mora 1983)
5. Spider Baby, Or: The Maddest Story Ever Told (Jack Hill, 1967)
6. Der nackte Kuss (Sam Fuller, 1964)
7. Töte, Django (Giulio Questi, 1967), Kritik hier.
8. Liebe und Tod im Garten der Götter ( Sauro Scavolini, 1972), Kritik hier.
9. Deep End (Jerzy Skolimowski, 1970)
10. Das Vaterspiel (Michael Glawogger, 2009)
11. Herzflimmern (Louis Malle, 1971), Kritik hier.
12. Careful (Guy Maddin, 1992)
13. Der Start (Jerzy Skolimowski, 1967)
14. Drug War (Johnnie To, 2012), Kritik hier.
15. Poklosie (Wladyslaw Pasikowski, 2012)

Ein“Worst of“ gibt es dieses Jahr nicht. Natürlich habe ich auch schlechte Filme gesehen, aber die haben mir in der Mehrzahl zumindest Spaß gehabt. Dann gab es noch ein paar „Egale“, aber die waren jetzt nicht so mies, dass man sie auf eine „Die-schlechtesten-Film-Liste packen sollte. Geärgert hat mich zumindest in 2014 kein Film und auf dieser positiven Note möchte ich dass Jahr dann auch beschließen.

Ich wünsche allen meinen Lesern ein paar schöne und geruhsame Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ich mache jetzt erst einmal Urlaub vom Bloggen und bin dann ab dem 12. Januar wieder für Euch da.

Eurer Marco

DVD-Rezension: “Jagd auf Dillinger“

Von , 19. Dezember 2014 21:10

Jagd auf DillingerDer Gangster John Dillinger (Warren Oates) hat es in den Depressionsjahren zu einiger Bekanntheit und dem Titel „Staatsfeind Nr.1“ gebracht. Er und seine Bande halten das ganze Land mit Banküberfällen in Atem. Um der Situation Herr zu werden, setzt das FBI seinen besten Mann, Melvin Purvis (Ben Johnson), ein, um Dillinger und seinesgleichen dingfest zu machen. Purvis hat noch eine ganz eigene Rechnung mit den Gangstern zu begleichen und dezimiert dieses erbarmungslos. Nur Dillinger entkommt ihm immer wieder…

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Der Gangster John Dillinger hat die Fantasie der Filmemacher schon immer beflügelt. Ähnlich wie bei seinen Wild-West-Vorfahren Billy, the Kid oder Jesse James, entstand hier ein Mythos, der höchstwahrscheinlich nur wenig mit der realen Person zu tun hat. Zumindest die Eckdaten seiner kriminellen Karriere wurden immer wieder für die zahlreichen Verfilmung seines Lebens herangezogen. Die Banküberfälle, der spektakuläre Ausbruch aus dem Gefängnis mittels einer selbst geschnitzten Pistolen-Attrappe (großartig parodiert von Woody Allen in dessen Regie-Debüt „Woody, der Unglücksrabe“), die Jagd des FBIs auf ihn in Person des Melvin Purvis, der Medienrummel, der Zwischenfall in der Bohemia Lodge und schlussendlich seine Ende vor dem Kino „Biograph“ und die „Frau in Rot“. Zuletzt hatte Michael Mann mit „Public Enemies“ dem „Staatsfeind Nr. 1“ ein Denkmal gesetzt. Doch während Mann versuchte der Geschichte mit Digitalkameras ein modernes Gesicht zu geben, so ist John Milius Regie-Debüt „Jagd auf Dillinger“ dreckiges Testosteron-Kino klassischen Zuschnitts.

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Statt Johnny Depp und Christian Bale findet man in der Version von 1973 knorrige Typen wie Warren Oates und Ben Johnson in den Rollen der beiden Kontrahenten John Dillinger und Melvin Purvis. Oates hat sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem echten John Dillinger, was die Integration von Originalfilmmaterial und Fotos aus den 30er Jahren erlaubt. Auch sonst ist er die Idealbesetzung für den charismatischen Gangster, der sich kein anderes Leben als die Vogelfreiheit des Gesetzlosen vorstellen kann. Einmal hat er die Chance nach Mexiko zu entkommen. Er bleibt mit dem Wagen und seiner Geliebten Frenchie in Sichtweite der Grenze stehen. Dann entscheidet er, dass das sichere Leben dort für ihn wohl zu langweilig wäre – und kehrt um. Viel mehr Psychologie braucht Milius für seinen Dillinger nicht. Die Figuren definieren sich bei ihm durch Taten, nicht durch Worte. Innere Kämpfe gibt es nicht. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Dies gilt auch für dem bulligen Kampfhund Ben Johnson als Melvin Purvis. Am Anfang erklärt er, dass er die Gangster, die für den Tod einiger Polizisten verantwortlich sind, stellen und hinrichten will. Und über ihren toten Leibern genüsslich, will er die Zigarren rauchen, die ihm einst einer der getöteten Polizisten schenkte. Und genau dieses Vorhaben zieht er gnadenlos und unaufhaltsam durch.

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John Milius ist einer der großen Macho-Regisseure Hollywoods. Seine Figuren sind vor Testosteron sprühende Kerle, die sind, wie sie sind. Die keinerlei Probleme haben, für ihre Ziele und Ideale auch mal die Waffe in die Hand zu nehmen. Was Milius 1984 dazu prädestinierte, den damaligen Skandalfilm „Die rote Flut“ zu inszenieren, in dem eine Handvoll aufrechter amerikanischer Teenies, sich einer russischen Invasion des geliebten Heimatlandes entgegen stellen. Wer sonst hätte solch eine Stoff entwickeln und umsetzen können. Oder in „Conan, der Barbar“ einen langen Monolog über den „Stahl“ unterbringen. Wobei Milius politische Ausrichtung immer ambivalent wahrgenommen wird. Wahlweise als Liberaler, dem die Freiheit des Einzelnen über alles geht, oder aber als erzkonservativen Rechten, der Waffengewalt befürwortet und fragwürdigen Feindbilder nachhängt. Was als sicher gelten kann ist, dass John Milius eine extremer Waffennarr ist, der sich auch mal sein Gehalt in Gewehren auszahlen lässt. Kein Wunder also, dass auch „Jagd nach Dillinger“ vor Schießeisen und spektakulärer shoot outs strotzt.

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Der Film hüpft von Szene zu Szene, hakt die bekannten Stationen der letzten 13 Monate in Dillingers Leben ab, erzählt aber keine durchgängige Geschichte. Zudem interessiert er sich auch nicht für die komplizierten Figurenkonstellationen. Milius hält die Beziehungen der Gangster untereinander bewusst simpel. Allein der hitzköpfige Baby Face Nelson gerät mit Dillinger schmerzhaft aneinander. Die anderen scheinen fast schon so etwas wie eine harmonische Familie zu bilden (was nicht den historischen Tatsachen entspricht). Auch der Zuschauer fühlt sich bei den Gangstern durchaus wohl. Diese werden von bekannten und beliebten Darstellern wie Geoffrey Lewis und Harry Dean Stanton mit Leben gefüllt. Beide liefern eine Glanzleistung in punkto Coolness und entspannter Professionalität ab. In der Rolle des hitzköpfigen Baby Face Nelson erlebt man den sehr jungen Richard Dreyfuss in einer seiner ersten Rollen, bevor ihn zwei Jahre später Steven Spielberg mit „Der weiße Hai“, und danach dann „Unheimliche Begegnung der 3. Art“, zum Star machte. Als Dillingers Geliebte Frenchie hat die Ex-“The Mamas and the Papas“-Sängerin Michelle Philips nicht viel zu tun, verleiht der Männer-Geschichte aber eine Note Sex und weibliche Attraktivität.

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Obwohl der Film an einigen Stellen etwas gehetzt und lückenhaft wirkt, langweilt er doch keine Sekunde. John Milius hält die Zügel fest in der Hand und streicht alles Unwesentliche aus seinem Drehbuch. Zudem nutzt er jede Gelegenheit, um explosive Actionszenen und erbarmungslose Schießereien mit viel roher Kraft und explodierenden Blutbeuteln zu inszenieren. Dabei geht er weniger stilisiert als Sam Peckinpah oder Arthur Penn zu Sache, sondern rau, unmittelbar und verdammt blutig. Hier gibt es kein ästhetisch beeindruckendes „Todesballett“, wenn die Körper von Kugeln zerrissen werden, sondern nur ein lakonisches „So ist das halt, wenn Kugeln auf Körper treffen“. Arthur Penns „Bonnie und Clyde“ kann dann auch als direkter Vorgänger des Millius-.Films gelten, trat er doch eine Welle von Gangsterfilmen los, die zur Zeit der großen Depression spielten und quasi den langsam aussterbenden Western ersetzten, indem sie die großen Gangster dieser Ära als die letzte Outlaws inszeniert. Nach „Bonny & Clyde“ hatte insbesondere Roger Corman und die Verleihfirma AIP – die auch „Jagd auf Dillinger“ produzierten – dieses Genre mit Filmen wie „Big Bad Mama“ oder „Die Faust des Rebellen“ angeheizt.

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John Milius Regie-Debüt „Jagd auf Dillinger“ ist ein vor Kraft und Blut strotzender B-Film. Mit seiner exzellenten Besetzung und einem gehörig Tempo, sorgt er dafür dass die Sprunghaftigkeit des Drehbuchs und die simple Charakterisierung seiner Figur mehr als ausgeglichen wird.

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Die Bildqualität dieser von Explosive Media veröffentlichten DVD ist guter Durchschnitt. Die deutsche Synchronisation ist zeitgenössisch etwas flapsig, so dass der ebenfalls auf der DVD befindliche Originalton zu bevorzugen ist. Das Booklet ist leider eine ziemliche Enttäuschung, da hier nur 1:1 die Trivia-Infos aus der IMDb ins Deutsche übersetzt wurde. Außer einer Trailer-Show für das weitere Explosive Media-Programm findet man hier noch den Vorspann mit der ursprünglich geplanten, alternativer Musik (einem ruhigen, eher melancholischen Stück, statt des flotten Dixieland-Songs „The Gold Diggers‘ Song (We’re in the Money) „. Ferner gibt es noch eine 5-minütigen Zusammenschnitt der besten Szenen, der auch unter dem Menü läuft und eine 2,5-minütige Slideshow mit zeitgenössischem Promomaterial.

Freitag: “Im Labyrinth des Schweigens” mit Cinema Ostertor mit Regisseur Giulio Ricciarell

Von , 18. Dezember 2014 16:53

Im_Labyrinth_des_SchweigensAm morgigen Freitag, den 19.12., um 19:00 Uhr zeigt das Cinema Ostertor den Spielfilm “Im Labyrinth des Schweigens” mit Alexander Fehling. Als Gast wird dabei der Rgisseur Giulio Ricciarelli erwartet.

Deutschland 1958: Der junge Staatsanwalt Johann Radmann stößt auf den Fall eines Auschwitz-Überlebenden, der in einem Lehrer seinen ehemaligen Aufseher erkennt. Doch die Justiz verweigert die Annahme der Anzeige. Je mehr sich Radmann mit dem Fall beschäftigt, um so mehr stößt er auf ein Geflecht von Verdrängung, Verleugnung und Verklärung. Seine Recherchen bringen brisante Fakten zutage, die zu den Tätern führen. Trotz gesellschaftlicher und politischer Widerstände lässt sich der engagierte Jurist nicht entmutigen und bringt den ersten Auschwitz-Prozess ins Rollen.

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Originalfassungen in Bremen: 18.12.14 – 24.12.14

Von , 18. Dezember 2014 13:27

Mainstream-Gucker schauen in dieser Woche ziemlich in die Röhre – falls sie nicht unbedingt den dritten Teil des „Hobbits“ sehen möchten. Für den Rest gibt es aber in der Woche vor Weihnachten einige Juwelen zu entdecken. Wie z.B. „Borgman“ oder den Cannes-Gewinner „Winterschlaf“.

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere 3D – Cinemaxx, Do.-Di.immer 19:30 – Der Abschluss der “Hobbit”-Trilogie. Leider konnte ich nur den ersten Teil im Kino sehen. Mein Fazit damals: Wer “Herr der Ringe” mochte, wird auch bei “Der Hobbit” dabei sein. Wer mit “Herr der Ringe” nichts anfangen konnte, der wird auch hier nicht konvertiert.

Hadi Insallah – Cinemaxx, Do. Sa.-Di. immer 19:50 und Mi. um 12:30 – Türkische Romantikkomödie um eine Frau, die sich im Job als Reporterin und gegen eine Rivalin um die Gunst ihres Angebeteten durchsetzen will.

Deliha – Cinemaxx, So.+Di. um 22:45 – Türkische Komödie um eine chaotische junge Frau auf der Suche nach der großen Liebe.

The Homesman – Schauburg, So. 21.12. um 21:00 – Tommy Lee Jones zweite Regiearbeit ist ein Western, indem Hilary Swank mit Hilfe eines von Jones selbst gespielten Outlaws drei Frauen durch die USA hindurch an die Ostküste bringen soll.

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Café Olympique – Ein Geburtstag in Marseille – Schauburg, Mo., 22.12. um 12:00 & Atlantis, So., 21.12. um 20:00 – Französisches Drama um eine 50-jährige Frau, die sich an ihrem runden Geburtstag ins Auto setzt und als Kellnerin in einem runtergekommenen Strandcafé ein neues Leben beginnt.

Borgman – City 46, Sa.-Di. immer 20:00 – Niederländisch-Belgischer Horror-Thriller um einen Landstreicher, der ein Ehepaar darum bittet, bei ihnen ein bad nehmen zu dürfen – und dann nicht wieder verschwindet, sondern das Leben des Paares zum Albtraum macht. Über diesen Film habe ich in der Vergangenheit bereits sehr viel Gutes gelesen.

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In ihren Augen – City 46, Do. 18.12. um 20:00 – Argentinischer Oscar-Gewinner von 2010 (wo er Hanekes “Das weiße Band” schlug). 1974 ermittelt ein Inspektor wegen des brutalen Mordes an einer jungen Frau. 25 Jahre ist sein Leben noch immer geprägt durch diesen Mordfall.

Lilting – City 46, Fr. 19.12. um 20:30 – Englischer Queerfilm, um einen jungen Engländer, der sich langsam der Mutter seines verstorbenen Freundes annähert. Einer chinesischen Immigrantin, die kein Wort Englisch spricht und ohne ihren Sohn in der Fremde völlig isoliert ist.

Winterschlaf – City 46, Do., Sa-Di immer 19:00 – Über dreistündiges, türkisches Drama um Aydin, einen ehemals erfolgreicher Theaterschauspieler, der nun einen Hotelkomplex in den anatolischen Bergen leitet. Als bei Wintereinbruch die letzten Hotelgäste abreisen, kommt es zu Spannungen zwischen Aydin und fast allen Dorfbewohnern. Gewinner der Goldenen Palme in Cannes 2014!

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Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 22.12. um 21:45

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 22.12. um 19:40 Uhr

DVD-Rezension: “Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle”

Von , 16. Dezember 2014 21:28

Fighting MadTom Hunter (Peter Fonda) kehrt zusammen mit seinem Sohn Dylan (Gino Franco) auf die väterliche Ranch zurück. Dort muss er allerdings feststellen, dass sich der skrupellose Industrielle Pierce Crabtree (Philip Carey) in der Gegend breit gemacht hat und den Farmern ihr Land abpresst, um in der Nähe ein großes Kraftwerk zu bauen. Auch Toms Vater Jeff (John Doucette) und sein Bruder Charlie (Scott Glenn) werden von Crabtree bedroht. Insbesondere Charlie leistet erbitterten Widerstand, weshalb Crabtree seine Schläger zu ihm schickt, um ihn und seine schwangere Frau aus dem Wege zu räumen. Nach Charlies grausamen Tod, macht sich Tom daran, zu beweisen, dass sein Bruder umgebracht wurde. Damit gerät auch Tom ins Fadenkreuz…

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Der legendäre B-Film-Produzent Roger Corman hatte schon immer ein Näschen für die momentane n Filmmoden. Nachdem die Filme „Billy Jack“, „Der Große aus dem Dunkeln“ und „Kesse Mary – Irrer Larry“ an den Kinokassen recht erfolgreich waren, sollten die scheinbar erfolgreichsten Elemente dieser Filme zu einer neuen Corman-Produktion verschmolzen werden. Wie so oft, gab Corman bei der Regie einem jungen Talent eine Chance. Jonathan Demme hatte für Corman bereits den heutigen Kultfilm „Caged Heat – Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen“ und „Crazy Mama“ inszeniert. „Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“ war der letzte Film, den er für seinen Mentor inszenierte. Kurze Zeit später sollte er mit dem wegweisenden Konzertfilm „Stop Making Sense“ mit den Talking Heads für Furore sorgen und 1992 den Regie-Oscar für sein „Schweigen der Lämmer“ erhalten. Bei den nächsten Oscars konnte sein Aids-Drama „Philadelphia“ mit Tom Hanks ebenfalls kräftig abräumen. An diese großen Erfolge konnte er in der Folge dann nicht mehr anknüpfen. Allein sein Remake von „Der Manchurian Kandidat“ brachte ihn noch einmal einem größeren Publikum in Erinnerung. Ansonsten dominieren TV-Arbeiten und Musikvideos. „Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“ macht noch nicht den Eindruck, dass hier ein zukünftiger Oscar-Gewinner das Zepter schwingt, man erkennt aber durchaus, dass hier jemand am Werk ist, der seine Materie versteht.

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„Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“, oder „Fighting Mad“, wie der treffende Original-Titel lautet, ist eine gute Ergänzung zu „Vigilante Force – Die Gewalt sind wir“ (Kritik hier), der ebenfalls vor Kurzem bei Explosive Media erschienen ist und wie „Fighting Mad“ aus der AIP-Schmiede stammt. Und der letzten Endes auch der bessere Film ist, hat er doch mit Kris Kristoffersen einen charismatischen und gefährlichen Schurken. Eine Qualität, die „Fighting Mad“ leider vollkommen abgeht. Allenfalls der Sonnenhut-bewehrte, etwas dickliche Handlanger stellt so etwas wie eine erinnerungswürdige Bedrohung dar. Der von Philip Carey gespielte Hauptschurken bleibt ebenso abziehbildhaft und blass, wie die anderen Streiter auf der bösen Seite. Die ambivalente Rolle des Sheriffs könnte zwar interessant sein, doch das Drehbuch vernachlässigt ihn sträflich. Auch der Held, der von Peter Fonda gegeben wird, kann kein besonderes Profil gewinnen. Peter Fonda hatte sich zwar mit „Easy Rider“ als eine Ikone der Gegenkultur etabliert, dieser Ruhm verblasste allerdings schnell, angesichts seiner Auftritte in preisgünstigen Action-Thrillern. In diesen sollte er als harter und zorniger junger Mann aufgebaut werden.

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In „Fighting Mad“ funktioniert dies aber nur bedingt. Abgesehen von seinen manchmal cholerisch und auch unnötig anmutenden Wutausbrüchen, wirkt sein Tom Hunter eher wie eine linker Lehrer, den es zufällig auf eine Farm verschlagen hat. Außer Wut, scheint er keinerlei großen Gefühle zu hege. Auch als sein Bruder brutal ermordet wird, ist von tiefer Trauer nicht viel zu spüren. Nur in einer einzigen Szenen, in der er erst seinen Sohn anraunzt und dann doch reumütig und voller Liebe zu ihm geht, deutet sich ein Potential an, welches der Film und sein Hauptdarsteller aber sonst an keiner Stelle wirklich ausschöpfen. Vielmehr bleiben dem Zuschauer die handelnden Charaktere herzlich egal. Tom Hunter agiert häufig unsympathisch und auch seiner Freundin Lorene gegenüber nicht besonders liebevoll. Auch sein Vater kann – obwohl die Figur darauf angelegt ist – nicht das emotionale Loch füllen, welches das Drehbuch hinterlässt. Einzig Lynn Lowry kann als Lorene ein wenig menschliche Wärmen einbringen. Die lebendigsten und interessantesten Figuren sind allerdings der von Scott Glenn gespielte Bruder des Helden und seine Frau. Leider werden beide schon früh durch einen ausgesprochen brutal inszenierten Mord aus der Handlung entfernt.

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Wie schon „Vigilante Force“ hat auch „Fighting Mad“ eine erzreaktionäre Botschaft: Wenn dem guten Amerikaner sein Land weggenommen werden soll, so rechtfertigt dies alle Mittel, um sich zu wehren. Und das wirksamste Mittel gegen die Gewalt ist Gegengewalt, die hier völlig ironiefrei und ungebrochen zelebriert und für gut befunden wird, wie das merkwürdig fröhliche Schlussbild suggeriert. Der sadistische Mord an Tom Hunters Bruder und Schwägerin und Hunters finaler und ausgesprochen blutig inszenierter Rachefeldzug bilden die beiden Höhepunkte des Filmes. Zwischen diesen passiert zwar einiges, aber nichts davon bleibt wirklich nachhaltig im Gedächtnis hängen. Abgesehen vielleicht von einem völlig an den Haaren herbeigezogenen Mord an einem Richter, der auch wie aus einem anderen Film hineingeschnitten wirkt und die Nacktszenen der zauberhaften Lynn Lowry. Ebenfalls im Gedächtnis, wenn auch aus weniger erfreulichen Gründen, bleibt der zum Teil schrecklich dudelnde Synthie-Sountrack von Bruce Langhorne, der auf Peter Fondas speziellen Wunsch mit an Bord gebracht wurde.

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Zwischen zwei brutalen und packend inszenierten Höhepunkten, kommt „Mach ein Kreuz und fahr zur Hölle“ nicht wirklich vom Fleck, was auch an seinem nicht wirklich sympathischem Helden und den blassen Nebenfiguren liegt. Dafür, dass hier der zukünftige Oscar-Gewinner Jonathan Demme seine letzte Roger-Corman-Produktion abliefert, ist das Endergebnis etwas enttäuschend.

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Die Bildqualität der bei Explosive Media herausgekommenen DVD ist im mittleren Sektor anzusiedeln, und reißt nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin. Allerdings erscheint sie dem dreckigen, kleinen Film durchaus angemessen. Die englische Tonspur ist etwas leise und besonders die Geräusche und Hintergrundmusik verschwinden etwas. Daher ist der deutsche Ton hier ausnahmsweise einmal vorzuziehen, wenngleich man ihm sein Alter durchaus anhört. An Extras gibt es nur den Trailer und eine Trailershow zum restlichen Programm des Labels.

Das Bloggen der Anderen (15-12-14)

Von , 15. Dezember 2014 21:31

bartonfink_type2– Am Ende des Jahres flattern wieder die Top10-Listen ins Haus. Den Anfang machen in diesem Jahr die Autoren des Blogs Daumenkino.

– Joachim Kurz macht sich auf B-Roll Gedanken über die passenden Weihnachtsgeschenke für Cinephile.

– Robin Schröder empfiehlt auf Mise en cinema den Anime „Tokyo Godfathers“ (eine Variante des oft verfilmten Westerns „Three Godfathers“) als passende Unterhaltung in der Vorweihnachtszeit.

– Bei Eskalierende Träume geht es weiter mit den „Aufrissen“ zum nächsten Hofbauer-Kongress. Diesmal schreibt das Hofbauer-Kommando über „Ich schlafe mit meinem Mörder“ mit Ruth-Maria Kubitschek als „vor Whiskey triefende, dämonisch-verruchte Femme Fatale.“. Ferner „Blutjunge Mädchen – hemmungslos“ alias „The Godson“.

– Apropos. Auf dem 1. Auswärtigen Sondergipfel des Hofbauer Kommando in Frankfurt, sah Udo Rotenberg den Film „Sünde mit Rabatt“, dem er auf Grün ist die Heide einen langen Bericht widmet.

– Deutscher Film auch auf Hard Sensations. Michael Schleeh ist sehr vom deutschen Gangsterfilm „Harms“ enttäuscht. „Den guten Willen merkt man überall. Aber gewollt ist nicht gekonnt.“ Jamal Tuschik hat da „Käptn Oskar“ besser gefallen. „Vielleicht ist es so, und alle wollen nur spielen, solange das noch geht. In dieser Rätselhaftigkeit liegt der Reiz von „Kaptn Oskar“.“

– Der Intergalactic Ape-Man hat auf Intergalaktische Filmreisen „Un bianco vestito per Mariale’“Romano Scavolini besprochen und geht dabei auch ausführlich auf die deutsche Veröffentlichung dieses seltenen Filmes ein: „Es ist ein Geschenk von Camera Obscura, diese Bildgewalten in exzellenter Qualität genießen zu dürfen.“

– Auch Mauritia Mayer hat sich auf Schattenlichter wieder eines italienischen Genre-Klassikers angenommen: Lucio Fulcis Frühwerk „Nackt über Leichen“, der ihr sehr gut gefallen hat.

– Die großartige Helga Feddersen war weit mehr als nur die „Ulk-Nudel“. Eine schöne Rehabilitierung erfährt sie beim Magazin des Glücks, wo Sebastian ihre Drehbucharbeiten für das deutsche Fernsehen vorstellt.

– Diana Kluge berichtet auf Negativ von den Dokumentarfilmen, die sie auf der IDFA gesehen hat.

– Ist es wirklich ein Vorteil, wenn das besuchte Filmfestival direkt vor der Haustür stattfindet? Rainer Kienböck stellt sich diese Frage anlässlich des Festivals „This Human World“ auf dem Blog Jugend ohne Film. Patrick Holzapfel stellt anlässlich des Filmes „O Milagre de Santo Antonio“ den Tondesigner Vladimir Golovnitskiy vor.

– LZ  schreibt auf screen/read über die von Guillermo del Toro unterstützte Kampagne zur Veröffentlichung des Ken-Russell-Klassikers „Die Teufel“.

Der Kinogänger hat wieder „Neues aus Hollywood“ im Angebot.

– Oliver Armknecht bespricht auf film-rezensionen.de das isländische Coming-of-Age-Drama „Metalhead“ über das ich bisher nur Gutes hörte und dem auch Oliver etwas abgewinnen kann. Des weiteren schreibt er über Hayao Miyazakis letzten Film, den Anime „Wenn der Wind sich hebt“, der ihn zwar nicht 100% überzeugen kann, aber immerhin 70%.

filmosophie empfiehlt auf ihrem gleichnamigen Blog das wortlose Drama „The Tribe“ und cutrin schreibt über den im Februar in die deutschen Kinos kommenden Märchenfilm „Into the Woods“: „Into the Woods (wurde) ein intelligent erzähltes Erlebnis (…), ein reflektiertes und überraschendes Märchen, das perfekt in seine Zeit passte – und dabei den Spaß nicht vergaß.“

– Michael Schleeh ist auf Schneeland nicht besonders überzeugt von dem indischen Festival-Liebling und enthusiastisch gefeierten „Ship of Theseaus“.

– Über den von mir noch immer mit großer Sapnnung erwarteten „Es ist schwer ein Gott zu sein“ schreibt Ronny Dombrowski auf cinetastic.de etwas ernüchtert: „Inhaltlich wie auch visuell eine Herausforderung, der man sich stellen kann, gleichwohl aber nicht stellen muss.“

– „Housebound“ war scheinbar einer der großen Lieblinge des diesjährigen Fantasy Filmfests und hat es auch in das Festival-Paket des Verleihs Cinema Obscure gebracht. Mir war der Titel bisher unbekannt, aber belalugosi bringt auf Deep Red Radio etwas Licht in die Angelegenheit und macht neugierig auf das Werk.

– Zeit für einen Action-Klassiker aus den goldenen 80ern. Totalschaden hat sich auf Splattertrash Walter Hills „Nur 48 Stunden“ angenommen. Müsste ich auch mal wieder gucken.

– Flo Lieb schreibt auf symparanekronemoi über Dietrich Brüggemanns schmerzvollen „Kreuzweg“, der ihn aber nicht sonderlich vom Hocker gerissen hat.

– Das Interessanteste aus den Podcasts gibt es auf Wiederaufführung unter dem Titel: „Die Gespräche der Anderen“.  Nun schon in der 10. Ausgabe. Glückwunsch.

DVD-Rezension: “Die Killer”

Von , 14. Dezember 2014 17:02

Die KillerIn der Kleinstadt Brentwood treffen zwei Killer (William Conrad und Charles McGraw) ein, um in einem Diner dem „Schweden“, Ole Anderson (Burt Lancaster), aufzulauern. Doch Anderson kommt an diesem Abend nicht ins Diner. Die Killer beschließen ihn Zuhause aufzusuchen. Oles Arbeitskollege Nick Adams (Phil Brown), der an diesem Abend auch im Diner ist, versucht ihn zu warnen, doch Ole schickt ihn wieder weg und geht ohne Gegenwehr in den Tod. Sein Geld hat er einem alten Zimmermädchen in Atlantic City vermacht, was die Neugier des Versicherungsdetektivs Readon (Edmond O’Brien) weckt. Dieser versucht herauszufinden, warum Ole nicht floh, als er die Gelegenheit dazu hatte, und weshalb er ermordet wurde. Readon macht sich auf, Oles Vergangenheit zu erforschen und stößt dabei auf eine Geschichte voller gefährlicher Leidenschaft, Verrat und Verbrechen…

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Neben den anderen Immigranten Fritz Lang, Edgar G. Ulmer, Otto Preminger und Billy Wilder, prägte vor allem Robert Siodmak den Film Noir. Zur Jahrhundertwende in Dresden geboren, Sein erster Film als Regisseur war der halb-dokumentarische Klassiker „Menschen am Sonntag„, bei dem neben den oben bereits erwähnten Edgar G. Ulmer und Billy Wilder, auch der später „12 Uhr Mittags„-Regisseur Fred Zinnemann, sowie der legendäre Kameramann Eugen Schüfftan, dessen Stil Licht und Schatten einzusetzen den Film Noir stark prägte, auch wenn er selber nach seiner Immigration in die USA in diesem Genre nicht tätig wurde. Nach seiner Flucht über Frankreich in die Vereinigten Staaten, drehte Siodmak zunächst für kleinere Gesellschaften bis er mit dem von seinem jüngeren Bruder Curt geschriebenen „Son of Dracula“ 1943 zu Universal wechselte, wo er seine größten Erfolge feiern sollte. 1944 inszenierte er seinen ersten Film Noir, „Zeuge gesucht“ (Kritik hier), und sollte das Genre in den folgenden Jahren weiter prägen und mit „The Killers“ 1948 zu einem Höhepunkt führen. Nach dem grandiosen Piraten-Spaß „Der rote Korsar“ kehrte er nach Europa zurück und drehte hier u.a. das Meisterwerk „Nachts, wenn der Teufel kam“, das Mario Adorfs Karriere startete, sowie drei Filme aus Artur Brauners Karl-May-Orient/Mexiko-Zyklus. Sein letztes Werk war der zweiteilige Monumental-Film „Kampf um Rom“.

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„The Killers“, der bei seiner Kinoauswertung noch „Rächer der Unterwelt“ hieß, beruht auf einer Kurgeschichte von Ernest Hemingway. Diese nutzt Siodmak allerdings nur in den ersten Minuten des Filmes, wenn die Killer in die kleine Stadt Brentwood kommen und im Diner auf ihr Opfer, den Schweden, warten. Hauptfigur in Hemingways Kurzgeschichte ist der einzige Gast des Diners: Nick Adams, der in mehreren Geschichten Hemingsways als Protagonist agiert. Hier ist er nur eine Fußnote, denn der Film konzentriert sich ganz auf die Recherchen des Versicherungsdetektivs Reardon und die Lebensgeschichte des Opfers, Ole Anderson. Die große Frage ist es, wie es zum Mord an dem Schweden kommen konnte und warum er diesen passiv erwartet und keine Anstalten zur Flucht macht, obwohl Adams ihn warnen konnte. Diese Geschichte wird in Rückblenden durch verschiedene Menschen erzählt, die in der Vergangenheit mit dem Schweden zu tun hatten. Fragmentarisch setzt sich so die Geschichte von Ole Anderson und seines Unterganges zusammen. Dies erinnert natürlich stark an Orsen Welles‘ unsterblichen „Citizen Kane“, ist bei genauerer Betrachtung aber sehr viel stringenter und chronologischer als Welles‘ Kaleidoskop.

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Für „The Killers“ arbeitete Siodmak wieder mit Kameramann Elwood Bredell zusammen, mit dem er schon „Zeuge gesucht“ in einprägsame Bilder goss. Auch „The Killers“ lebt von dem Spiel mit hartem Licht und tiefen Schatten. Hier sei vor allem auf die meisterhafte Eingangsszene verwiesen, in der die Killer als unheilvolle Nachtgestalten das ansonsten friedliche Bild des verschlafenen Städtchens Brentwood stören. Hin zu dem entsetzt-resignierten Gesicht Burt Lancasters, welches sich in einer traurigen Gesten aus der Finsternis schält, um sein tragisches Schicksal zu erwarten. Die lange Plansequenz, die den Raub der Lohngelder zeigt oder der überraschend realistisch und brutal eingefangenen Boxkampf wirken noch heute frisch und modern. Diese Mischung aus stilisiert expressionistischer Bildgestaltung und einem realistischem Dekor machen den Reiz dieses Meisterwerks des Film Noirs aus. Lediglich die Figur des ein wenig zu über-engagierten Versicherungsdetektivs, der von Edmond O’Brien eher blass verkörpert wird, wirkt stark konstruiert. Wird er doch nur dazu benötigt, die Teile des Puzzles zusammenzuhalten, wodurch seine enthusiastische Neugier nicht ganz nachvollziehbar wirkt.

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Die Hauptrolle vertraute Siodmak einem Mann an, der zuvor keine Erfahrung als Filmschauspieler hatte: Dem ehemaligen Artisten Burt Lancaster. Der athletische Lancaster ist die Idealbesetzung für die Rolle des Ole Anderson. Seine imposante Figur und die gleichzeitig etwas linkisch-unsichere Art passen perfekt zu dem Schweden und lassen ihn zu einer realen Person werden. Es ist beinahe unmöglich den Schauspieler von der Figur zu trennen, was sicherlich auch mit Lancasters Unerfahrenheit zu tun hat. Die Wirkung muss zum Zeitpunkt der Premiere des Filmes noch größer gewesen sein, da Lancaster damals ein völlig unbekanntes Gesicht – und nicht der Superstar der 50er Jahre war, den wir heute kennen. Auch die damals noch recht unbekannte Ava Gardner ist eine vorzügliche Wahl für die skrupellose Kitty Collins, die ihre große sexuelle Anziehungskraft als tödliche Waffe einsetzt. Mit ihrem leicht exotischen Aussehen ist sie die ideale Verkörperung der katzenhaften Femme Fatale, der die Hauptfigur verfällt und die den Helden ohne mit der Wimper zu zucken in den Abgrund zieht. Auch in den andern Rollen beweist Siodmak ein gutes Händchen, insbesondere in der Besetzung der titelgebenden Killer, die eine furchterregende Professionalität und brutale Kälte ausstrahlen.

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Glänzend besetzt und überragend fotografiert ist „The Killers“ ein Aushängeschild des Film Noir und ein weiterer Beweise für Robert Siodmaks Meisterschaft in diesem Genre. Die fragmentarische Natur des Drehbuchs erinnert an „Citizen Kane“, doch „The Killers“ ist ein ganz eigener Film, der mit einer spannenden Geschichte und glänzenden Schauspielern am Anfang ihrer Karriere glänzt.

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Wie schon „Ministerium der Angst“, wartet auch „Die Killer“ mit einem fantastischen Bild auf. Lediglich während der Anfangs-Titel ist es etwas schlechter, danach erstrahlt es in bestem Glanz. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch (mit englischen Untertiteln) vor. Neben der obligatorischen Bildgalerie mit Werbematerial und dem Trailer, befindet sich auch eine Radioadaption von 1949 auf der DVD. Hier spricht neben Burt Lancaster und William Conrad, noch Shelley Winters mit.

DVD-Rezension: “Ministerium der Angst”

Von , 13. Dezember 2014 21:03

Ministerium der AngstIm zweiten Weltkrieg: Während der deutschen Luftangriffe auf London, wird Stephen Neale (Ray Milland) nach 10 Jahren aus einer geschlossenen Anstalt entlassen. Sein Weg in der neugewonnen Freiheit führt ihn zu einem kleinen Jahrmarkt, auf dem ein Wohltätigkeitsbasar der „Mothers of Free Nations“ abgehalten wird. Hier gewinnt Neale unter mysteriösen Umständen eine Torte, die ihm nach dem Auftauchen einen geheimnisvollen Mannes (Dan Duryea) wieder abgenommen werden soll. Neale weigert sich jedoch, die Torte wieder herauszugeben und macht sich mit dem Zug auf den Weg nach London. Auf dem Weg dahin wird er – als der Zug aufgrund eines Fliegerangriffs stehen bleiben muss – von einem angeblichen Blinden niedergeschlagen, welcher ihm die Torte stiehlt. Neale verfolgt den Dieb, welcher auf ihn schließt, bevor er von einer deutschen Fliegerbombe getroffen wird. In London angekommen versucht Neale auf eigene Faust herauszufinden, was hinter den seltsamen Vorgängen steckt…

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Hört man hierzulande den Namen Fritz Lang, so denkt man sofort an „Metropolis“, vielleicht noch seine beiden „Dr. Mabuse“-Filme aus den 20ern bzw. 30ern (weniger an seine letzte Regiearbeit aus den 60ern), und natürlich „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Manchen fallen vielleicht noch „Die Nibelungen“ ein. Generell wird Lang zumeist auf diese Großproduktionen der Weimarer Republik reduziert. Und auch bei seiner Rückkehr in die Heimat 1957 durfte er gleich wieder zwei exotische Großfilme inszenieren: „Der Tiger von Eschnapur“ und „Das Indische Grabmahl“, ein Projekt, an dem er schon in den 20er Jahren interessiert war, welches dann aber von Joe May übernommen wurde. Eher wenig ist von seiner Schaffensphase zwischen Flucht und Rückkehr bekannt, als er in den USA zumeist bei kleinere Produktionen Regie führte, die allerdings zu seinen interessantesten Werken gehören. Vor allem im Film Noir schuf Lang Überdurchschnittliches und es ist sehr schade, dass diese Phase in Langs Karriere in der allgemeinen Wahrnehmung seiner Person bisher recht wenig Beachtung fand. Zumindest in Deutschland, wo er – siehe oben – noch immer hauptsächlich mit seinen deutschen Werken und hier eben „Metropolis“ identifiziert wird.

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In Frankreich hingegen liebte man Lang auch für solche Filme, wie „Ministerium der Angst“. Kleine B-Thriller, in denen er – wie sein Kollegen Robert Sidomak – den deutschen Expressionismus und eine pessimistische Weltsicht in die Welt des amerikanischen Thrillers transportierte und damit dieses Genre entscheidend prägten. Den langen Schatten des Expressionismus findet man in „Ministerium der Angst“ in den harten Schatten, dem Kontrast von Hell und Dunkel, der geometrischen Anordnung der Räume, den künstlichen Kulissen und dem schmalen Grad zwischen Wahn und Wirklichkeit. Der Held der Geschichte wird in ein Abenteuer geworfen, welches anscheint direkt einem verwirrten Geist entsprungen ist. Zu Beginn ist dem Zuschauer nicht klar, ob das, was er sieht, einer gestörten Wahrnehmung der Hauptfigur geschuldet und real ist. Am Anfang wird Stephen Neale aus einer Irrenanstalt entlassen. Warum er dort war, bleibt zunächst im Dunkeln. Somit besteht durchaus die Möglichkeit, dass der als geheilt Entlassene, sich in eine wilde Welt aus Spionen, Verschwörungen und Morden hinein träumt. Tatsächlich sprechen viele Indizien dafür. Der merkwürdig künstliche Jahrmarkt, auf dem die Besucher wie Statisten wirken, die nur den Zweck haben den Jahrmarkt zu füllen. Alle Besucher scheinen nur auf Stephen Neale gewartet haben, um ihm eine vordergründige Wirklichkeit vorzugaukeln, die aber nur wie eine Theaterbühne wirkt. Die bewusst künstlichen Studio-Kulissen, die Lang verwendet, unterstreichen diesen Eindruck noch.

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Ebenso verhält es sich mit dem Blinden, der sich scheinbar im Dampf der Lokomotive materialisiert und dann langsam als Sehender entpuppt, nur um sich später in einer ebenfalls irrealen Situation wieder durch einen Bombeneinschlag wieder zu dematerialisieren. Später sucht Neal die geheimnisvolle Mrs. Bellane, welche sich plötzlich als eine ganz andere Person entpuppt, jedoch behauptet mit der von ihm Gesuchten identisch zu sein. Sie zieht ihn spontan in einen vollbesetzten Raum, in welchen augenblicklich eine unheimliche Séance stattfindet. Diese entpuppt sich dann zwar später als aufwändige Falle, doch zu diesem Zeitpunkt könnte es durchaus auch nur eine paranoide Fantasie in einer unzuverlässig erzählten Geschichte sein, die lediglich die Geisteswelt des paranoiden Protagonisten ist. Verursacht durch sein schlechtes Gewissen. Denn ohne große Not, schreit er hier heraus, dass er am Tod seiner Frau schuld sei. Leider gibt der Film kurz darauf seine Ambivalenz auf. Er erklärt Dinge und verortet sie in einer fiktiven Wirklichkeit. Obwohl Lang später immer wieder zu traumartigen Bildern zurückkehrt – wie bei der überdimensionalen Schwere eines sinisteren Schneiders – wird dem Publikum klar gemacht, dass Stephen Neale sein Abenteuer tatsächlich erlebt und es keine Hirngespinste sind, die ihn bedrohen.

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So wandelt sich der Film nach einem Drittel von einer ambivalenten Albtraum-Situation in einen lupenreinen Paranoia-Thriller. Dabei verharrt Lang jedoch in der von ihm anfangs geschaffenen künstlichen Welt mit ihren stilisierten Überhöhungen und leeren, dunklen Orten, was dem Film eine besonders bedrohliche Stimmung verleiht. Obwohl Lang sich zunächst sehr für die Regie des Filmes, der auf einem Roman des von ihm verehrten Graham Greene beruht, interessierte, soll er später versucht haben, die Regie abzugeben. Grund dafür war das Drehbuch, welches viele dunkle und beklemmende Elemente des Romans eliminierte und die Geschichte massentauglicher machte. Vielleicht verlegte sich Lang darum auf die sorgsame Gestaltung der Bilder, welche dem Film eine Finsternis und Bedrohlichkeit wiedergeben, welche das Drehbuch nur noch bedingt liefert. Ganz nebenbei schuf er dabei einen visuell aufregenden Film, dessen expressionistische Bilder lange im Gedächtnis haften bleiben.

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Mit „Ministerium der Angst“, seinem dritten Anti-Nazi-Propagandafilm hintereinander, kreierte Fritz Lang einen visuell aufregenden, expressionistischen Film Noir, der insbesondere im ersten Drittel durch die Ambivalenz seines Hauptcharakters gewinnt. Aber auch in der Folge kann der Film mit seiner wunderbaren Bildgestaltung als Paranoia-Thriller überzeugen.

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Die DVD, die nun neu als 18. Film in der Reihe „Film Noir“ aus dem Hause Koch Media erschienen ist, weißt eine für das Alter des Filmes hervorragende Bild- und Tonqualität auf. Leider wurde an den Extras gespart. Hier gibt es, neben einer Bildgalerie mit Werbematerial, nur einen Trailer.

Originalfassungen in Bremen: 11.12.14 – 17.12.14

Von , 10. Dezember 2014 21:22

Trotz des neuen Films von Olivier Assayas und zwei Oscar-Gewinnern reißt die aktuelle Woche nicht unbedingt vom Hocker. Aber es werden ja wahrscheinlich eh erst einmal alle in den dritten „Hobbit“-Teil rennen.

#Zeitgeist – Cinemaxx, Fr./Di. um 16:40 und Do./Mo./Mi. um 19:40 – US-Tragikomödie mit Jennifer Garner und Adam Sandler. Der Film heißt im Original „Men, Women & Children“ und handelt davon, wie das Internet das Leben und Lieben der Menschen beeinflußt hat.

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Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere 3D – Cinemaxx, Do.-Mi. immer um 19:30 – Der Abschluss der “Hobbit”-Trilogie. Leider konnte ich nur den ersten Teil im Kino sehen. Mein Fazit damals: Wer “Herr der Ringe” mochte, wird auch bei “Der Hobbit” dabei sein. Wer mit “Herr der Ringe” nichts anfangen konnte, der wird auch hier nicht konvertiert.

Çakallarla Dans 3: Sifir Sikinti – Cinemaxx, Do.-Mi. immer 23:15 – Türkische Komödie um vier Männer, die nach einer Haftstrafe auf Bewährung entlassen wurden und sich nun in psychatrische Behandlung begeben müssen.

Deliha – Cinemaxx, Fr./So. um 19:40, So. auch 16:30 – Türkische Komödie um eine chaotische junge Frau auf der Suche nach der großen Liebe.

Magic in the Moonlight – Schauburg, So./Mi. um 21:00 – Unseren jährlichen Woody Allen gib uns heute. Diesmal lässt der Meister seine Geschichte an der Cote d’Azur in den 20er Jahren spielen. Mit Colin Firth und Emma Stone.

Die Wolken von Sils Maria – Schauburg, Mo., 15.12. um 12:00 & Atlantis, So., 14.12. um 20:00 – Der neue Film von Olivier Assayas mit Juliette Binoche und Kristen Stewart. Eine erfolgreiche Schauspielerin soll noch einmal in dem Stück auftreten, welches sie vor 20 Jahren bekannt gemacht hat. Allerdings nicht in der rolle der jungen Protagonistin, sondern deren älteren Gegenspielerin.

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In ihren Augen – City 46, Di./Mi. um 20:00 – Argentinischer Oscar-Gewinner von 2010 (wo er Hanekes „Das weiße Band“ schlug). 1974 ermittelt ein Inspektor wegen des brutalen Mordes an einer jungen Frau. 25 Jahre ist sein Leben noch immer geprägt durch diesen Mordfall.

In the Heat of the Sun – City 46, Mo./Mi. um 20:30 – Chinesischer Spielfilm von 1994 nach einem Roman von Wang Shuo. Alleingelassene Jugendliche verbringe ihre Zeit ohne Aufsicht mit Fahrradfahren, Mädchen abschleppen und Bandenkämpfen.

Sideways – City 46, So., 14.12. um 18:00 – Oscar-gekrönter Spielfilm von Alexander Payne mit Paul Giamatti und Thomas Haden Church. Zwei vollkommen unterschiedliche Freunde fahren gemeinsam eine Woche durch Kaliforniens Weinfelder. Vorgestellt von André Erkau, Regisseur.

Tikotin: A Life Devoted to Japanese Art – City 46, Mo./Mi. um 18:00 und Di. um 20:30 – Dokumentarfilm über Felix Tikotin, Kunsthändler und Sammler japanischen Kunst. Eintritt frei!

Sneak Preview – Schauburg, Mo., den 15.12. um 21:45

Sneak Preview – Cinemaxx, Mo., den 15.12. um 19:40 Uhr

Blu-ray-Rezension: “Der Fan”

Von , 9. Dezember 2014 21:31

der fanDie 16-jährige Schülerin Simone (Désirée Nosbusch) hat sich hoffnungslos in den Popstar „R“ (Bodo Steiger) verliebt. Sie gibt sich romantischen Tagträumen hin, schreibt ihm leidenschaftliche Briefe und vernachlässigt die Schule, um im Postamt auf „R“s Antwort zu warten. Nach einem Streit mit ihren Eltern, reißt sie aus und schlägt sich per Anhalter nach München durch, wo sie vor einem Fernsehstudio auf ihr Idol wartet. Tatsächlich wird „R“ auf sie aufmerksam, woraufhin sie in Ohnmacht fällt. „R“ nimmt sie mit ins Studio und kümmert sich um sie. Anschließend fahren sie gemeinsam zu ihm nach Hause. Nachdem sie Sex hatten, will „R“ sie allein zurücklassen, was bei Simone zu einer fatalen Kurzschlussreaktion führt…

Ich kann mich noch sehr gut an den „Skandal“ erinnern, als Eckhart Schmidts „Der Fan“ 1982 in die Kinos kam. Zwar zählte ich nie zu den Käufern der „Bravo“, aber die lag natürlich bei meinen Klassenkameraden herum. Und da war „Der Fan“ DAS Thema. Die beliebte und nette Désirée Nosbusch, damals zarte 16, die auf dem ZDF die Musiksendung „Musicbox“ moderierte, trat in diesem Film nackt (!) auf und tat schlimme Dinge. Natürlich wurde dies in dem Jugendmagazin ausgeschlachtet, und der Film prominent zusammen mit eindeutigen Fotos präsentiert (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, gleich neben Charles Bands Horror-Film „Parasite“ mit der jungen Demi Moore). Dass die Nosbusch dann auch noch gerichtlich gegen den Film vorging, verstärkte nur noch seine „Verruchtheit“ und verlieh ihm legendäre Züge. Natürlich durfte ich mit süßen 12 Jahren gar nicht erst darüber nachdenken, ob ich dieses Werk im Kino zu sehen bekomme. Und in den folgenden Jahren verselbständigte sich die Fantasie, was in diesem oftmals als „Horrorfilm“ deklarierten Streifen, passiert. Umso überraschender, dass es ganze 32 Jahre dauern sollte, bis ich ihn dann endlich zu Gesicht bekam.

In der Rückschau wirkt der Film – trotz der noch immer bestehenden FSK-18-Freigabe – weitaus harmloser als damals. Zumal heutzutage die Erinnerungen an die junge, unschuldig reine Désirée Nosbusch von damals verblasst ist, und ihre Besetzung keine Sensation mehr darstellt. Auch der Tötungsakt und die darauf folgenden Taten am toten Leib des Popstars „R“, sind für heutige Verhältnisse sehr zurückzuhalten gefilmt und weit von eventuellen Splatter-Exzessen entfernt, auch wenn die Story dafür Potential geboten hätte. Eckhart Schmidt geht es auch gar  nicht so sehr darum, das Publikum zu schocken. Auch wenn dies sicherlich der Publicity damals sehr zuträglich war.

Vielmehr zeichnet er das Bild einer krankhaften Obsession nach. Die blinde Besessenheit nach einer Leitfigur, in die der Fan seine Bedürfnisse, Sehnsüchte und Träume projizieren kann. Dadurch die reale Figur „R“ zu einer leeren Hülle macht, die ganz und gar mit den romantischen Ideen des Fans gefüllt wird, der ihn damit  vollkommen für sich vereinnahmt. Dies verquickt Schmidt in zahlreichen Sequenzen auch immer wieder mit Symbolen des dritten Reiches. „R“ tritt in an die SA gemahnende Uniformen auf, seine Logo erinnert an die SS-Runen. Fan-Geschrei wird mit „Heil“-Rufen gemischt und wenn „R“ schließlich mit seinem Fan schläft, geschieht dies vor dem Hintergrund rot-weiß-schwarzer Fahnen.

Die Figur „R“, in der Simone nur Gutes und Edles sieht, hat mit dem Menschen „R“ natürlich nichts mehr zu tun, auch wenn er mit den Erwartungen seiner Fans spielt. Fast hört man da im Hintergrund ein „Wenn das der Führer wüsste“ flüstern. Gegenüber Simone bemüht sich „R“, dem Idealbild zu entsprechen, um am Ende seine Interessen – Sex mit dem attraktiven Teenie – durchsetzen zu können. Doch Schmidt zeigt auch, dass dies „R“ eben nur ein Mensch ist, und bei weitem nicht das gottgleiche, gütige und liebevolle Wesen, welches Simone ihn ihm sieht. Seinen Mitarbeitern und Kollegen gegenüber verhält sich „R“ nämlich so, wie man es von einem jungen Menschen, der viel zu früh und viel zu schnell zum Star aufgestiegen ist, erwarten kann: Egoistisch und rücksichtslos. Als Simones Wahrnehmung von „R“ und dessen wahres Wesen nicht mehr übereinstimmen, kommt es zur Katastrophe. Nur indem Simone die Person „R“ auslöscht, kann ihr Bild von „R“ weiterleben.

Dass der Fan sich dann das Idol wortwörtlich einverleibt, ist eine überdeutliche und drastische Metapher, die dem Film seine Bekanntheit sicherte, aber im Grunde etwas dick aufgetragen wirkt. Der Fan hat den Menschen hinter der Fassade getilgt und sich damit das Bild vollkommen angeeignet, es zu seinem Besitz gemacht. „Der Fan“ ist teilweise eine etwas kopflastig-konstruierte Angelegenheit, die echte Emotionen zugunsten der Allegorie vernachlässigt. Zudem wird offensichtlich, dass Schmidt nicht vom Film, sondern der Malerei, der Dichtung und dem Theater kommt, denn der Film wirkt über weite Strecken intellektuell unterkühlt und statisch. Die Dialoge werden von der Nosbusch und Bodo Steiger, in der Rolle des „R“, eher aufgesagt als gesprochen.

In einem Interview, welches auf der CMV-Blu-ray zu finden ist, erzählt Schmidt davon, dass er – um die FSK milde zu stimmen – einen Schluss gedreht hätte, in der sich alles als Traum der Simone entpuppt. Dieses Ende hätten er uns seine Mitstreiter aber gehasst, so dass er vor der Premiere persönlich in die Kinos gefahren sei, um dieses Ende wieder aus der Kinorolle heraus zu scheiden. Interessanterweise finden sich aber im Film trotz allem zahlreiche Hinweise darauf, dass die zweite Hälfte, in der Simone „R“ trifft, sich tatsächlich nur im Kopf des emotional überlasteten Fans abspielt. So ist die erste Hälfte immer wieder von Szene durchzogen, in denen Simone sich zusammenphantasiert, was mit ihren Briefen an „R“ passiert. Solche Fantasie-Szenen kommen in der zweiten Hälfte dann nicht mehr vor. In ihren Fantasien tritt auch immer eine Frau auf, die sich dann später in der Realität als „R“s Sekretärin entpuppt und bei ihrem Zusammentreffen mit Simone, diese scheinbar wiedererkennt. Auch wirkt die Szene, in der „R“ das erste Mal auf Simone zu geht und diese daraufhin ohnmächtig wird, sehr wie eine Jung-Mädchen-Fantasie und weniger wie etwas, was in der Realität passieren könnte. Und schließlich schläft Simone vor der Begegnung mit „R“ tatsächlich ein. Bevor sie dann plötzlich in der Menge steht, hat sie einen merkwürdigen Traum, auf den nicht weiter eingegangen wird. Dieser könnte durchaus den Bruch zwischen Realität und Traum darstellen.

Weder Désirée Nosbusch, noch Bodo Steiger, verfügten über große Schauspielerfahrung. Beim Schauspiel der Nosbusch, scheint man manchmal die Regie-Anweisungen Schmidts zu hören. Ihre etwas hölzerne Darstellung passt allerdings zu der jugendlichen Unsicherheit und Simones Verlorenheit. Bodo Steiger war zum Zeitpunkt des Filmes Sänger der Gruppe „Rheingold“, die auch den vorzüglichen Soundtrack zu „Der Fan“ ablieferten. „Rheingold“ gehörte zu den Neue-Deutsche-Welle-Gruppe, die eine neue, deutschsprachige „Wave“-Musik generierten, bevor die „Neue Deutsche Welle“ mit Aufkommen von Bands wie Geier Sturzflug oder Frl. Menke hoffnungslos „verschlagert“ und erbarmungslos kommerzialisiert wurden. Vielleicht spielte auch seine Ähnlichkeit mit „Joy Division“-Sänger Ian Curtis, der ja selber ein tödliches Problem mit dem Star-sein hatte, bei der Besetzung eine Rolle. An Joy Division muss man auch bei Rheingolds Musik und Bodo Steigers Gesang denken, die stark von der britischen Band beeinflusst klingt.

„Der Fan“ ist ein interessantes, intellektuelles Gedankenspiel über die Beziehung zwischen Fan und Star. Die unterkühlt-kopflastige Herangehensweise, das etwas hölzerne Spiel der beiden Protagonisten und der deutliche Allegorie-Charakter distanziert den Zuschauer allerdings vom Geschehen. Die möglicherweise von Schmidt beabsichtige Schockwirkung der „Skandalszenen“ wird dadurch unterlaufen.

Die neue Blu-ray von CMV hat eine fantastische Bildqualität und kann auch durch einen klaren Ton beeindrucken. Im Gegensatz zu früheren DVD-Veröffentlichungen ist das Bild nicht mehr im Format 4:3, sondern wurde für das Format 16:9 angepasst. Ob dies das korrekte Format ist, sei dahingestellt. Oftmals scheint zumindest oben und unten ein kleines Stück zu fehlen. Ebenfalls im Vergleich zu den alten DVDs zu Marketing bzw. Starlight, finden sich auf der Blu-ray spannende Extras, wie das oben bereits angesprochene Interview mit Eckhart Schmidt (20 Minuten), einem Auszug aus dem Originaldrehbuch und Bilder aus dem damals zum Film erschienenen Buch. Von daher ist die Blu-ray den alten Veröffentlichungen klar vorzuziehen.

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