DVD-Rezension: “Savaged”

Von , 8. Mai 2014 21:00

SavagedDie junge, taubstumme Zoe (Amanda Adrienne) fährt allein durch den Südwesten der USA zu ihrem Verlobten Dane (Marc Anthony Samuel). Unterwegs erlebt sie, wie eine Bande Rednecks zwei Indianer jagt und umbringt. Sie selber wird von den Mördern gefangen genommen, tagelang misshandelt, vergewaltigt und am Ende getötet. Ein alter Indianer entdeckt ihren Leichnam in der Wüste und versucht, sie in einem Ritual zurück ins Leben zu bringen. Doch dabei fährt der Geist eines Apachen-Häuptlings in Zoe. Sie verwandelt sich in einen unaufhaltsamen Rachegeist, der sich grausam an den Peinigern rächt. Allerdings muss sie sich beeilen, denn ihr Körper beginnt immer rascher zu verwesen…

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Wenn man sich die Inhaltsangabe des Films „Savaged“ durchliest, greift man sich zunächst einmal an den Kopf. Rape & Revenge ala „Ich spuck auf Dein Grab„, trifft indianische Rache-Geister und weil das nicht reicht, wird noch ein langsam verrottender Zombie mit in den blutigen Auflauf gemischt. So etwas würde man eher von einer pubertären Amateurproduktion und nicht von einem professionell gedrehten US-Spielfilm erwarten. Nun, von Amateuer-Splatter ist „Savaged“ dann auch meilenweit entfernt. Dass hier Profis am Werk waren, merkt man an den werbeclip-artigen Bildern und der etwas aufdringlichen Bildbearbeitung. Und leider auch an der trotz blutig-matschiger Bilder etwas biederen Herangehensweise. Wobei bieder vielleicht der falsche Ausdruck ist. Der Film haut schon ziemlich auf den Tisch und strotzt vor kruden Ideen. Z.b. wird ein Charakter mit seinem eigenem Darm erwürgt, und auch die Szene in der die Heldin sich aus ihren Fesseln aus Stacheldraht befreit, ist schmerzhaft anzusehen. Aber irgendwie fehlt dem Film dann doch der letzte Mut zur Grenzüberschreitung. Nacktheit wird gar nicht gezeigt, die Misshandlung der Heldin findet auch überwiegend im Off statt. Erst sie schon zum Zombie mutiert ist, hält die Kamera voll drauf. Wobei das Make-Up, welches sie als Zombie trägt, auch eher dezent ist, und man die Schauspielerin darunter immer noch (zu?) gut erkennt. Natürlich bewegt sich „Savaged“ in vielen Szenen immer an der Grenze des gefahrlos Zeigbaren, aber eine schockierende Überschreitung dieser Linie, die diesem Film vielleicht gut getan hätte, findet eben nicht statt. Alles bleibt im Rahmen dessen, was im Mainstreambereich gerade noch akzeptabel ist.

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So wirkt „Savaged“ trotz seiner drastischen Handlung dann doch irgendwie harmlos. Das Eingemachte bleibt in den Gläsern. Dafür gibt es hübsch widerliche Antagonisten, die zwar auch nicht den Rahmen ihres Stereotypen verlassen, sich aber mit großer Wonne und Engagement in ihre Rollen werfen. Wobei hier natürlich Rodney Rowland und Tom Ardavany als Oberschurken hervorstechen, der Rest ihrer Band bleiben eher Statisten. Rowland spielt den Trey als eine Mischung aus Rebellen, Psychopathen und patriarchischem Familienoberhaupt. Ardavany hingegen legt seinen Charakter West als mürrischen Schweiger mit großem Messer an und mausert sich damit zum heimlichen Star des Filmes. Schade, dass sein finales Schicksal eher unspektakulär gefilmt wird. Dafür darf dann im letzten Duell noch einmal so richtig aufdrehen und sogar die Kettensäge rausholen. Möglicherweise als Reminiszenz an die andere große Hinterwäldler-Familie aus „Blutgericht in Texas“.

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Mit Amanda Adrienne hat Regisseur und Drehbuchautor Michael S. Ojeda eine gute Hauptdarstellerin gefunden, die ihre Taubstummheit so überzeugend spielt, dass man sich wundert, wenn man im Bonusmaterial herausfindet, das dies wirklich nur gespielt war. Auch gelingt es ihr spielend, die Sympathien des Publikums auf ihre Seite zu bringen. Auch ihre Transformationen in einen böse Rachegeist gelingt ihr sehr anständig. Das einzige Problem ist, dass Ojeda oftmals zu dick aufträgt. Es reicht ihm nicht zu zeigen, dass Zoe ein nettes, fröhliches und liebenswertes Mädchen ist, sie muss natürlich noch gehandicapt sein und einen farbige Verlobten haben. Das ist dann vielleicht etwas zu viel des – wortwörtlich – Guten. Ihr Verlobter ist dann auch ein Manko des Filmes, denn er ist sehr eindimensional angelegt und wirkt gegenüber dem restlichen Ensemble dadurch ziemlich langweilig. Zudem will der Funken zwischen beiden Protagonisten nicht überspringen, so dass seine Verzweiflungsausbrüche manchmal arg überzogen wirken.

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Weiterhin muss der Film mit ziemlich miesen CGI kämpfen. Da diese aber recht sparsam eingesetzt werden (z.B. wenn der Geist des Häuptlings sichtbar gemacht wird oder ein Autostunt am Rechner simuliert wird) und ansonsten häufig auch auf gute alte Handarbeit gesetzt wird, lässt sich dies allerdings verschmerzen. Aufdringlicher wirkt da schon der Darsteller des alten Indianers, der Zoe ins untote Leben zurückholt. Dieser spielt so schlecht, dass seine Darstellung als reiner Trash durchgehen muss. Allerdings muss man ihm zugute halten, dass seine Rolle auch recht undankbar geschrieben ist. Generell muss auch festgehalten werden, dass der heilige Ernst mit dem „Savaged“ zur Sache geht, stark im Kontrast zur überdrehten Geschichte steht, die immerhin einige sehr übertrieben-splatterige Szenen (wie z.B. oben erwähnte Darmstrangulation) aufweist. Da wirken dann die tragisch-romantischen Momente zwischen Zoe und ihrem Verlobten Dane auch eher pathetisch denn dramatisch.

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Trotzdem ist „Savaged“ ein recht unterhaltsamer Film. Seinem eigenen Anspruch, eine im Grunde tragische Geschichte zu erzählen, und dabei geschmackliche Grenzen zu überschreiten, wird er zwar nicht wirklich gerecht, dafür unterhält er aber ausgesprochen kurzweilig. Hierzu tragen auch die gut aufgelegten Antagonisten bei.

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Der Film ist in Deutschland in zwei Fassungen erschienen. Die Version mit dem FSK18-Siegel fehlen einige Minuten. Ungeschnitten bekommt man den Film nur in der „Cinema Extreme“-Ausgabe mit einer SPIO/JK-Freigabe. Das Bild ist – soweit man das unter der digitalen Bearbeitung beurteilen kann – sehr gut. Der Ton ist klar und dynamisch. Als Extras gibt es ein 10-minütiges Making of, welches vor allem aus Interviews besteht. Diese sind durchaus interessant, wenn z.B. Regisseur und Autor Michael S. Ojeda von den Schwierigkeiten berichtet, das Projekt auf die Beine zu stellen. Ferner gibt es noch einige animierte Storyboards (ca. 7 Minuten) und Deleted Scenes (ca. 10 Minuten).

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