Ein paar Gedanken zur aktuellen „Deutsche Filmblogosphäre“-Diskussion

Von , 28. Januar 2013 16:43

bartonfink_type2Seit zwei Wochen macht das Wort von der „Filmblogosphäre-Diskussion“ die Runde. Angestoßen wurde diese von dem Journalisten Alexander Gajic auf seinem Blog „Real Virtuality“, auf dem er „Vier Thesen zur deutschen Filmblog-Sphäre“ postulierte. Nachdem dieser Beitrag beim „BildBlog“ in der Rubrik „6 vor 9“ verlinkt wurde, nahm eine -wie ich finde – sehr fruchtbare Diskussion zur Thema Filmblogsphäre seinen Lauf, an dem ich mich in den Kommentaren auch mal beteiligt habe.

Alexander Gajics Thesen lauten wie folgt:

These 1: Es gibt keine deutsche Film-Blogosphäre

These 2: Den deutschen Netzfilmschreibern fehlen die deutschsprachigen Leitmedien

These 3: Die guten Inhalte, die es gibt, werden nicht gefunden

These 4: Die nervige Trennung zwischen E- und U-Kultur lebt im Netz fort

Zusammenfassend meint Alexander Gajic:

„Bloggen ist in Deutschland immer noch als Niederes Schreiben verpönt. Im Filmbereich liegt das aber auch daran, dass die Film-Blogger keine Lobby haben und sich auch keine Mühe geben, eine zu bilden. Sie mosern lieber herum, statt sich gegenseitig zu unterstützen. Einfacher wäre das natürlich, wenn jemand voranschreiten würde, den es noch nicht gibt, mit dem sich aber FilmwissenschaftlerInnen und Fanboys und -girls gleichermaßen arrangieren könnten. Vielleicht kommt ein derart messianisches Blog eines Tages des Wegs, vielleicht nicht. Aber es könnte auf jeden Fall besser sein, als jetzt. Oder?!“

Dazu hatte ich mir dann auch meine Gedanken gemacht, mehr aus der Sicht eines Bloglesers, denn der eines Blogschreibers. Auch wenn ich mit dem „Filmforum Bremen“ auch zu dieser ominösen „Blogsphäre“ gehöre.

1. Es gibt meiner Meinung nach sehr wohl eine lebendige und vielseitige Bloglandschaft, in der es viele engagierte Blogger gibt, die ihre Blogs regelmäßig mit Leben füllen. In meinem RSS-Reader tummeln sich zur Zeit ca. 80+ Blogs, die ich wöchentlich beobachte, und es gibt sicherlich noch viele mehr, die ich bisher noch nicht entdeckt habe. Das zeigt ja auch, dass es in Deutschland durchaus viele Menschen gibt, die sich nicht nur für Film interessieren, sondern, mehr noch, bereit sind sich hier aktiv einzubringen. Ich brauche auch keine “Gurus”, deren Meinung, die maßgebliche ist. So etwas ist mir auch eher suspekt. Natürlich ist es mir durch meinen Beruf zeitlich nicht möglich, immer alle Blogs im Reader durchzulesen. Darum überfliege ich die kurz die Schlagzeilen und vertiefe mich dann dort, wo ich etwas für mich Interessantes finde. Ich denke einmal, so verfahren die meisten Leser – wenn sie sich nicht eh aus Zeit- oder Bequemlichkeitsgründen auf drei-vier “Stammblogs” festgelegt haben. Ja, mir ist auch schon aufgefallen, dass es in der Tat “Cluster” gibt. Also Blog-”Zirkel”, in denen sich die Macher untereinander kennen, zitieren und kommentieren. Und ich habe auch das Gefühl, dass es zwischen den Clustern kaum Austausch gibt. Ich wüsste aber nicht, was daran schlimm sein sollte. Es sei denn, man besteht darauf, dass die Filmblogwelt nur aus einer bestimmten Anzahl von meinungsbildenden Blogs zu bestehen hat. Das sehe ich aber nicht so. Die Blog-Landschaft sollte eben so heterogen sein, wie das Medium Film selber.

2. Ein Leitmedium brauche ich nicht. Ich evaluierte für mich selber Blogs, die mir wichtig sind. Diese lese ich, weil sie mir zusagen, nicht weil “man” sie lesen muss. Damit fahre ich bisher sehr gut. Überhaupt: Wie soll ein Blog es schaffen, all meine filmischen Interessen zu bündeln? Wie soll so etwas aussehen? Dann müsste man ja zunächst definieren, über welche Filme/Themen solch ein “Leitmedium” zu schreiben hätte und dieser Gedanke ist mir zutiefst zuwider. Bisher übernimmt mein RSS-Reader die Aufgabe, meine Interessen zu bündeln auch sehr gut.

3. Dass gute Inhalte nicht so einfach gefunden werden, stimmt. Hier ist es aber an den Bloggern selber, für Abhilfe zu sorgen. Wer keine Werbung für seinen Blog macht, wird auch nicht gefunden. Dass das nicht einfach ist und ziemlich viel Zeit und Kraft kostet, weiß ich selber. Aber wer meint, etwas zu sagen zu haben, dem sollte es das wert sein. Alexander Gajic schreibt:“Wer sich nicht zu schade dafür ist, einem neuen Trailer zu Film X einen Blogpost zu widmen (vielleicht auch in der Hoffnung auf Klicks), der kann auch die Arbeit eines Kollegen mit einem Blogpost würdigen.” Dazu kann ich nur sagen: Ganz richtig. Wird aber kaum gemacht. Ich habe bei mir selber eine Rubrik, in der ich die – subjektiven – Highlights der Woche aus den von mir beobachteten Blogs verlinke. Das macht zwar sehr viel Arbeit (wodurch ich das nicht regelmäßig schaffe), aber ich finde, diese Art der Belohnung haben gute Beiträge einfach verdient.

4. Kann man so nicht über einen Kamm scheren. Da gibt es solche und solche. Es gibt Blogs, in denen sich alles um den Autoren dreht und mir die Filme nur als Mittel der Selbstdarstellung vorkommen. Hier gibt es dann zwar auch Austausch, aber meistens auf aggressive und mir höchst unsympathische Art und Weise. Da lasse ich die Finger von, weiß aber natürlich, dass gerade diese Seiten durchaus ihre Fans haben. Es gibt aber ebenso viele – wenn nicht mehr – Blogs, die ihre Filmliebe miteinander teilen und auf konstruktive Weise austauschen.

Heute hat das Medienjournal in seinem jeden Montag erscheinenden „Media Monday“ (ein Fragebogen mit sechs Fragen zum Thema Film, welchen Blogger bei sich einbinden können), zwei auf die vier Thesen bezugnehmende Fragen gestellt, die ich hier beantworten werde:

4. Das Thema Vernetzung und Kommunikation spielt ja eine große Rolle, wird jedoch von vielen Seiten als nur unzureichend ausgeprägt eingestuft. Wie ist eure Meinung zu dem Thema und wie könnte man die Vernetzung verbessern? Wie oben schon geschrieben, wenn einem ein Beitrag gefällt, dann sollte man den ruhig verlinken. Sei es auf seinem Blog, Facebook oder was es sonst noch so gibt. Allein schon als Anerkennung dafür, dass jemand eine gute oder zumindest interessante Arbeit abgeliefert hat. Das versuche ich z.B. mit „Das Bloggen der Anderen“ zu erreichen. Leider fehlt mir für diese zeitraubende Zusammenstellung häufig ganz einfach die Zeit, aber der gute Wille ist da. Und man sollte seine Blogroll pflegen. Damit meine ich nicht, willenlos alles aufzunehmen, worüber man stolpert, sondern „tote“ Blogs rauswerfen und wenn einem etwas gefällt, aufnehmen. Gerne würde ich ja auch mehr kommentieren – da ich einerseits aus eigener Erfahrung weiß, wie frustrierend es ist, quasi ins „Nichts“ hinein zu bloggen und ich mich zum anderen auch freuen würde, mit „Gesinnungsgenossen“ in Kontakt zu kommen . Aber auch hier macht mir der Zeitfaktor oft einen Strich durch die Rechnung.

5. Ausgangspunkt im Internet in die weite Welt des Themas Film ist für mich immer wieder die Seite oder das Blog , wenn ich nach Reviews zu einem bestimmten Film suche, schaue ich in der IMDb oder der ofdb rein und hangle mich dann durch die dort hinterlegten Links. Ansonsten schaue ich immer in meinen RSS-Reader, ob irgendwo ein interessanter Beitrag aufgetaucht ist.

Mittlerweile hat Alexander Gajic auf seinem Blog „Real Virtuality“ auch ein Update, bzw. eine Zusammenfassung der Diskussion, verfasst.

Mich würde in diesem Zusammenhang einmal Eure Meinung interessieren. Wie haltet ihr als Leser das mit der „Blogspäre“? Oder ist Euch die ganze Diskussion egal? Bloggt ihr vielleicht selber und unterstützt/widersprecht den Thesen? Gibt es Verbesserungswünsche, die jetzt vielleicht auch konkret das „Filmforum Bremen“ betreffen? Ich würde mich darüber freuen, dazu einmal Eure Kommentare zu lesen.

5 Antworten für “Ein paar Gedanken zur aktuellen „Deutsche Filmblogosphäre“-Diskussion”

  1. […] Koch vom Filmforum Bremen hat ein paar Gedanken zur Film-Blogosphären-Diskussion […]

  2. […] Ein paar Gedanken zur aktuellen “Deutsche Filmblogosphäre”-Diskussion (Marco Koch, Filmforum Bremen) […]

  3. Erst mal danke für den Artikel, denn ich hatte bis jetzt nichts von der Diskussion mitbekommen.

    Über die Frage, ob es eine deutsche Film-Blog(o)sphäre gibt, habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht. Erstens verfolge ich aus Zeitgründen sowieso nur sehr wenige Blogs – viel weniger, als bei uns in der Blogroll stehen. Das wird auch so bleiben, ob nun eine bessere Vernetzung kommt oder nicht. Und zweitens lässt sich die Frage nur im internationalen Vergleich sinnvoll stellen, und ich lese keine fremdsprachigen Blogs (außer Jonathan Rosenbaum und David Bordwell/Kristin Thompson, aber das sind für mich keine Blogs im eigentlichen Sinn).

    Ein Leitmedium brauche ich genauso wenig wie Du.

    Und zur Trennung von U und E: Ich sehe da kein Problem. Zunächst heißt es bei Alexander Gajic: „Einer der Gründe, warum die “Cluster” nicht zueinander finden ist, dass ausgerechnet Film, das Medium, das Pop- und Hochkultur so gut vereint, wie kein anderes, noch immer von verschiedenen Seiten betrachtet wird.“ Soweit stimme ich noch zu. Aber schon im nächsten Satz: „Und wer auch immer auf einer dieser beiden Seiten steht, scheint die andere Seite für vernachlässigbar zu halten.“ Die „verschiedenen Seiten“ (eine unbestimmte Mehrzahl) sind zu nur noch zwei Seiten kollabiert, und das sehe ich nicht so. Abgesehen davon, dass man durchaus auf beiden Seiten (wenn es denn nur zwei wären) stehen kann (ich nenne mal Oliver Nöding als ein Beispiel), gibt es doch noch mehr Seiten, von denen man sich dem Thema Film nähern kann. Und jeder Blogger kann und soll selbst wählen, welchen Zugang er benutzt. Damit wird er dann einen Teil der Filminteressierten erreichen, und einen anderen Teil nicht. Das ist ganz normal und kein Problem. Um einen Vergleich zu bemühen: Es ist ja gut und schön, die Kluft zwischen U und E überwinden zu wollen. Das spricht aber überhaupt nicht dagegen, dass es im Radio Spartenkanäle gibt, die nur Klassik, nur Pop, Rock, Rap oder sonstwas bringen. Das ist nun mal eine pragmatische Lösung für die Wünsche eines großen Teils der Kundschaft. Und die Leserschaft von Filmblogs ist sicher auch ähnlich differenziert, und die Blogs spiegeln das eben wider. Dass sich die Vertreter von Mainstream, Arthouse und diversen Nischen oft nichts zu sagen haben, ist eben so, aber was soll’s? Man muss da auch keine Kommunikation forcieren, wo kein echter Bedarf ist. Dass sich manche Zeitgenossen nicht mit gegeseitigem Ignorieren begnügen, sondern gegeneinander giften, ist wohl war. Nun ja, wer’s braucht …

  4. Marco Koch sagt:

    Hallo Manfred,

    das Problem bei der Vernetzung ist für mich, neben gewissen Befindlichkeiten einzelner Blogger untereinander, tatsächlich ein zeitliches. Ich bemühe mich zwar, zumindest einmal die Woche, mich mit den anderen Blogs zu beschäftigen, aber das ist schon extrem zeitintensiv – und auf je mehr Blogs man stößt, umso mehr Zeit kostet es -, so dass ich es auch nicht immer schaffe. Daher habe ich meine Liste, mit für mich interessanten Blogs, schon ziemlich zusammengestrichen. Um dann noch die Beiträge zu kommentieren, bleibt leider keine Zeit übrig. Was ich schade finde, da ich gerne intensiver mit anderen Filminteressierten austauschen würde. Was vor vier Jahren auch der Grund war, überhaupt mit dem „Filmforum Bremen“ anzufangen.

    Die Trennung U und E. Ja, es ist praktisch und wird von vielen Leuten so auch gewollt. Mich nervt nur das dadurch resultierende Scheuklappen-Verhalten. Aber das ist jetzt kein Blog-Phänomen, sondern ein ganz generelles. Dass man sich selbst so beschränkt, weil man gar kein Interesse hat, über den Tellerrand zu gucken und alles, was nicht zu der eigenen kleinen Welt gehört, gleich als Pfui abtut. Sei es bei Filmen, Literatur oder Musik. Gutes findet man überall und ich kann immer nicht verstehen, warum es angeblich nicht möglich sein soll, im Plattenregal Sex Pistols und Shostakovich nebeneinander stehen zu haben. Oder Im DVD-Regal Tarkowski und Duccio Tessari. Sich derart voneinander abzugrenzen, statt gemeinsam etwas Neues zu entdecken, finde ich bedauerlich. Aber du hast schon recht, das hat nichts mit der Blogosphäre, sondern einer allgemein Einstellung zu tun. Ich will da auch niemanden missionieren… nur vielleicht sanft dafür sensibilisieren, wie bunt die Welt da draußen ist 😉

    Und zum allgemeinen Ton. Ich bin schon über ein paar Blogs gestolpert, die vor Gift und Galle nur so sprühen. Von mir aus… in meinem RSS-Reader haben die dann keinen Platz gefunden und werden von mir geflissentlich ignoriert. Das Leben ist zu kurz, als dass man sich damit herum ärgern sollte.

  5. Ich sehe das ja auch so, dass man U und E leicht unter einen Hut bringen kann, wenn man denn will. Passend zum Thema hat David Borgwell gerade eine sehr ausführliche und auf den ersten Blick überraschende Gegenüberstellung von Tony Scott und Theo Angelopoulos gepostet.

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