DVD-Rezension: “Howling – Der Killer in Dir”

Ein mysteriöser Mord hält die koreanische Polizei in Atem. Ein Mensch ist scheinbar spontan verbrannt. Bei der Untersuchung der verkohlten Leiche entdecken die Ermittler Bissspuren. Wenige Tage später wird ein weiterer Toter mit ähnlichen Merkmalen gefunden. Der müde und zynische Detektiv Sang-Kill und seine neue, unerfahrene Partnerin Eun-Young erkennen bald, dass es sich hier um die Taten eines Serienkillers handeln muss, der Rache an einem Kinderprostitutions-Ring nehmen will…

Der Titel dieses südkoreanischen Thrillers ist natürlich eine Mogelpackung, die aber nur zur Hälfte auf das Konto des hiesigen Verleihs geht. Bei „Howling“ denkt man natürlich sofort an Joe Dantes großartigen Werwolf-Film, der eine Vielzahl (zugebenermaßen in der Mehrzahl minderwertige) Sequels nach sich zog. Dieser „Howling“ hier hat aber so rein gar nichts mit Werwölfen oder der oben genannten Reihe zu tun, sondern lediglich von den Machern diesen markanten Titel aufgedrückt bekommen. Dass er aber in Deutschland auch noch den vielsagenden Untertitel „Der Killer in Dir“ (der in Bezug auf die Handlung vollkommener Quatsch ist) und ein Cover, auf dem Kang-ho Song (Sympathy for Mr. Vengeance; Memories of Murder) mit den Spuren eines Prankenhiebs auf der Brust abgebildet ist, untergejubelt bekam, darf man ruhig als bewusste Irreführung titulieren.

Nein, wer nach Werwölfen Ausschau hält, ist hier gänzlich verkehrt. Vielmehr handelt es sich bei „Howling“ um einen soliden, wenn auch eher unspektakulären Beitrag zum Cop-/Serienmörder-Genre, welches sich Motiven aus Sam Fullers kleinem Klassiker „White Dog“ bedient. Da die Identität des „bestialischen“ Killers recht schnell aufgedeckt wird, kann an dieser Stelle schon mal verraten werden, dass es sich bei diesem um einen Wolfshund handelt, der aufs Töten abgerichtet wurde. Die zentrale Frage des Filmes lautet daher: Wer hat den Hund zur Killermaschine gemacht und warum?

 

Mit dem Fall wird der Polizei-Detektiv Sang-Kill (gespielt von einem wie immer überzeugenden und prägnanten Kang-ho Song) beauftragt. Sang-Kill ist ein Außenseiter innerhalb seines Teams, der bei Beförderungen ständig übergangen wird und sich darin eingerichtet hat, innerhalb des Teams außen vor zu bleiben. Ihm wird aus reiner Gehässigkeit von seinem Chef eine junge Polizistin namens Eun-Young (niedlich: Na-yeong Lee) zur Seite gestellt. Sehr zum Widerwillen auch der restlichen Teammitglieder. Natürlich behandelt Sang-Kill die junge Eun-Young zunächst abfällig und will sie schnell wieder loswerden. Und genauso natürlich und genretypisch, hegt er bald Sympathien für sie und stellt sich auf ihre Seite. Soweit, so unüberraschend.

Warum Eun-Young abgelehnt wird, kann man relativ schnell nachvollziehen. Sie ist nicht nur naiv, sondern agiert in vielen Aktionen unglücklich-glücklos. Allerdings muss man sagen, dass das Polizei-Team auch nicht gerade ein Vorbild an Effektivität und Professionalität ist. Man muss sich langsam fragen, wie es wohl um die koreanische Polizei bestellt ist. Nach Revenge – Sympathy for the Devil“ ist dies nun innerhalb kürzester Zeit die zwei Polizei-Truppe, die durch rüde, beinah menschenverachtende Methoden, triefenden Zynismus und Sexismus auffällt. Zwar benehmen sich die Polizisten hier nicht ganz so kriminell wie die aus „Revenge“, aber von der Tendenz her nehmen sich die beiden nicht viel.

Die Rolle der Sympathieträger soll also Sang-Kill (der anfänglich noch ähnlich wie seine Kollegen agiert) und Eun-Young zufallen, was aber aus oben genannten Gründen schwer fällt. Eun-Young ist süß, aber einfach zu naiv gezeichnet, als dass sie eine starke Protagonistin abgeben könnte. Tatsächlich ist der interessanteste Aspekt des Filmes dann auch die „Mordwaffe“. Da mir in diesem Film nur selten irgendwelche CGI-Effekte oder andere Griffe in die Trickkiste (bis auf die Mordszenen) aufgefallen sind, muss es sich hier um ein hervorragend trainiertes Tier handeln. Dieses ist auch mit so viel Charakter und Präsenz ausgestattet, dass es z.B. Na-yeong Lee mühelos an die Wand spielt. Nur Kang-ho Song kann da mithalten. Regisseur Ha Yoo gelingt es sehr gut, dass der Zuschauer Mitleid mit der missbrauchten Kreatur empfindet und sofort auf ihrer Seite ist.

Tierfreunden ist der Film – auch wegen seiner Szenen bei illegalen Hundekämpfen – trotzdem nicht unbedingt zu empfehlen. Und wer aufgrund des tierischen Mordens auf blutige Szenen wartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Gerade in diesen Szenen wurde der Film recht harmlos gestaltet. Zudem ist er viel zu lang. Zu viel Zeit wird immer wieder darauf verschwendet, die Ermittler lang und breit Theorien erklären zu lassen, von denen der Zuschauer in den meisten Fällen schon weiß, dass sie in die falsche Richtung führen. Eine konsequente Straffung hätte hier gut getan.

So bleibt am Ende ein über weite Strecken zwar unterhaltsamer, aber trotzdem eher durchschnittlicher Thriller, den allein der tierische Titelheld und die, wie immer sehenswerte, Darstellung Kang-ho Songs über das Mittelmaß heben.

Die DVD von Splendid besticht wieder einmal durch ein sehr gutes Bild. Die deutsche Synchronisation ist guter Durchschnitt, wenn auch Kang-Ho Songs Stimme zu jung klingt. Außer Trailern gibt es leider keine Extras.

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