Rezension: „The Amazing Spider-Man“

Von , 29. Juni 2012 20:31

Nachdem seine Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen, wächst Peter Parker bei seinem Onkel Ben und seiner Tante May auf. In der Schule hat er es nicht leicht. Er ist heimlich in die schöne Gwen Stacy verliebt und wird von deren Freund Flash gerne mal als Punchingball benutzt. Eines Tages entdeckt er im Keller zufällig die alte Aktentasche seines Vaters und darin versteckt eine geheimnisvolle Formel. Auf der Suche nach Antworten schleicht er sich in das Labor von Dr. Curt Connors ein, der einst mit seinem Vater zusammenarbeitete. Dr. Connors leitet die Wissenschaftsabteilung des mächtigen Oscorp-Konzerns. Bei seinen Nachforschungen gerät Peter in ein Labor voller Spinnen. Er wird von einem dieser Krabbeltiere gebissen und entwickelt in der Folge übermenschliche, spinnenartige Fähigkeiten.

Eigentlich hatte ich mich schon darauf eingerichtet, dass hier ein großer Verriss folgen wird. Der Idee, das Spider-Man-Franchise gerade mal 10 Jahre nach dem ersten Film und nur fünf Jahre nach dem dritten Film zu „rebooten“, wie es ja seit „Casino Royale“ Mode geworden ist, fand ich schon äußerst fragwürdig. Noch schlimmer hingegen wog, dass das eingespielte, und aus meiner Sicht perfekte, Team Raimi/Maguire auseinander gerissen wurde, weil die Produzenten scheinbar mit einem „erwachseneren“ Ansatz nicht einverstanden waren und lieber mit einem Regisseur, Marc Webb, der vorher nur durch Musikvideos und eine romantische Teenie-Komödie aufgefallen ist, auf Teenager-Fang gehen wollten. Das machte mir den neuen „Spider-Man“ schon von Anfang an unsympathisch, und wäre ich nicht eingeladen worden, hätte ich ihn wohl auch komplett boykottiert und mir lieber noch einmal das „Original“ von 2002 auf DVD angesehen.

Aber ich muss zugeben, dass meine Vorbehalte ziemlich grundlos waren. Natürlich kann man sich noch immer vortrefflich darüber streiten, ob der Film wirklich nötig gewesen wäre, und man nicht doch besser einen vierten Teil mit dem alten Team hätte produzieren sollen. Aber jetzt ist „The Amazing Spider-Man“ nun einmal da und zu meiner Überraschung auch durchaus gelungen. Andrew Garfield übernimmt das Spinnen-Kostüm von Tobey Maguire – der für mich eigentlich die perfekte Besetzung war – und schafft es, dass man während des Filmes Tobey Maguire tatsächlich nicht einmal hinterhertrauert. Andrew Garfield ist nicht nur vom Aussehen und seiner Physis her nicht mit Maguire vergleichbar, sein Zugang zu der Rolle ist auch ein ganz anderer. Während Maguires Peter Parker der unterdrückte, liebenswert ungeschickte Nerd war, so spielt Garfield ihn als linkischen Außenseiter, der ein wenig an James Dean in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ erinnert. Das funktioniert sehr gut und wird den Comics ebenso gerecht, wie es zuvor Maguires Interpretation war. Auf Fotos, und auch im Trailer, wirkt Andrew Garfield immer einen Tick zu gutaussehend und arrogant. Im Film aber zeigt er sich von einer ganz anderen Seite. Sein Peter Parker ist wirklich ausgesprochen sympathisch, und da es recht lange dauert, bis Peter Parker sich das Spinnenkostüm überstreift, hat er auch ausführlich Gelegenheit, sich als talentierter Schauspieler zu präsentieren und seinen Charakter mit viel Leben zu füllen.

Ähnliches gilt für Emma Stone, die hier Gwen Stacy spielt (im Comic tatsächlich Peter Parkers erste Freundin. Mary Jane Watson, die Kirsten Dunst so überzeugend in der Raimi-Trilogie verkörperte, taucht erst später auf). Die Stone erinnert mit ihren großen Augen und vollen Lippen stark an Heike Makatsch und konnte mich auf Fotos nicht unbedingt überzeugen. Aber auf der Leinwand entwickelt sie schnell eine sehr warme und liebenswürdige Ausstrahlung. Überhaupt wurde bei der Besetzung der Nebenrollen ein gutes Händchen bewiesen. Sally Field als Tante May, und vor allem auch Martin Sheen (der hier irgendwie merkwürdig aussieht… ich hoffe sehr, seine neuen dritten Zähne gehören nur zur Rolle) als Onkel Ben, möchte man am liebsten in den Arm nehmen. Und es ist auch schön, mal wieder den guten, alten Denis Leary zu sehen. Ihn mag ich ja seit der Zeit, als er den Pausenfüller bei MTV (als das noch ein cooler Musiksender war) gab.

Ein nettes Wiedersehen (auch wenn ich ihn nicht erkannt habe) gibt es mit C.Thomas Howell, der einen Kranführer und Vater eines kleinen Jungen spielt, der von Spider-Man gerettet wird. C.Thomas Howell gehörte Ende der 80er Jahren zu DEN jungen und aufstrebenden Teeniestars („The Outsiders„, „Soul Man„, „Hitcher – Der Highwaykiller„) und hätte damals auch ein gutes Potential gehabt, Spider-Man zu verkörpern. Heute ist er zwar sehr gut beschäftigt, spielt aber nur noch in billigen C-Filmen mit. In „The Amazing Spider-Man“ ist er leider in den schwächsten und albernsten Szenen des ganzen Filmes zu sehen. Die Szene um die Rettung seines Sohnes hat man so schon 1000x gesehen, und wenn er im Finale („Hey, das ist der Typ der meinen Jungen gerettet hat“) unter heroischer Musik seine Kollegen antreibt, Spider-Man durch die Ausrichtung ihrer Kräne zu helfen, dann ist das nicht nur lächerlich-pathetisch, sondern am Rande der Parodie und wirkt wie ein Fremdkörper im Film.

Überraschenderweise fällt der sonst so zuverlässige Rhys Ifans als Bösewicht etwas ab. Was ich merkwürdig finde, da Ifans eigentlich ein guter Schauspieler ist, den ich sehr mag. Aber in „The Amazing Spider-Man“ bleibt er seltsam blass und schafft es nicht, seiner Figur die Tiefe zu verleihen. Dr. Curt Connors ist die klassische Jekyll-und-Hyde-Figur. Als Connors ist er – zumindest in den Comics – warmherzig, hilfsbereit und zutiefst verzweifelt über sein böses „Ich“, die Echse. Hier allerdings wirkt Conners von Anfang an wie ein Bösewicht. Kalt, arrogant und skrupellos. Dass angedeutet wird, er hätte eine Rolle beim Tod von Peter Parkers Eltern gespielt, macht die Sache nicht besser. Nein, Mitgefühl kann man für diese Person nicht aufbringen, und damit geht ihr auch einiges an dramatischem Potential verloren. Da wirkt eine edle Tat von ihm am Ende dann auch eher konstruiert und nicht überzeugend aus der Handlung heraus entwickelt. Schade, man hätte dem neuen Spider-Man doch einen komplexeren Gegner gewünscht. Aber der wird wohl für die Fortsetzung aufgespart. Wer zu früh das Kino verlässt, verpasst im Abspann noch eine Szene, in der dieser bereits eingeführt wird. Wer sich da im Schatten befindet, wird zwar offen gelassen, aber es dürfte sich dabei um den beliebtesten Spider-Man-Gegner überhaupt handeln: Norman Osborn alias der „Grüne Kobold“.

Muss man die Entstehungsgeschichte von Spider-Man jetzt unbedingt ein zweites Mal durchkauen? Wäre es nicht besser gewesen, diesen vierten Film an die Vorgänger anzuhängen, statt alles noch einmal ganz von vorne zu erzählen? Nun, gerade im Falle Spider-Man ist der Fan der Comics sowieso schon so einiges gewöhnt. Mir fällt spontan kein anderer Superheld ein, dessen Geschichte so oft neu und umgeschrieben wurde. Wo bei Storylines quasi ständig auf den „Reset“-Knopf gedrückt wird und alle Veränderungen stumpf rückgängig gemacht werden. In mancher Hinsicht erinnern die Spider-Man-Comics häufig an die 9. Staffel von „Dallas“. Daher ist es zu verschmerzen, ja beinahe sogar logisch, dass Spider-Mans Ursprungsgeschichte für den neuen Film abgeändert wurde. Vor allem, da sie sich hervorragend in die aktuelle Geschichte einfügt und gleichzeitig auch die Saat für zukünftige Fortsetzungen sät. Und obwohl sich die Ursprungsgeschichte in manchen Dingen grundlegend von der aus den Comics bekannten unterscheidet – da war der Raimi-„Spider-Man“ sehr viel näher an den klassischen Comics – werden die Eckpfeiler des Spider-Man-Mythos nicht angetastet (Eltern verloren, der Spinnen-Biss, die Geschichte mit dem Einbrecher und Onkel Bens Tod), sondern nur der neuen Geschichte angepasst. Und ganz ähnlich wie in den „Avengers“-Filmen, werden in dieser neuen Ursprungsgeschichte bereits wichtige Puzzleteile für spätere Filme ausgelegt. In der Tat macht „The Amazing Spider-Man“ Lust auf mehr, und man freut sich auf weitere Folgen mit unserem „friendly neighborhood Spider-Man“. Dabei wünsche ich mir sehr, dass dabei der Hauptdarsteller nicht noch einmal ausgetauscht wird und uns der überzeugende Andrew Garfield noch länger unter der Spider-Man-Maske erhalten bleibt.

Die Action-Szenen sind scheinbar überwiegend am Rechner entstanden. Das ist aber auch klar, wenn Spider-Mans Hauptgegner eine 3 Meter große Echse ist. Diese wird heute natürlich nicht mehr von einem Mann im Gummianzug dargestellt. Was ich persönlich allerdings schade finde. Andererseits müssen die spinnenartigen Bewegungen von Spider-Man und seine blitzschnellen Reflexe überzeugend dargestellt werden, was auch nur durch Zuhilfenahme des Computers möglich ist. Die Kämpfe sind allesamt optisch nett umgesetzt (und bieten an einer Stelle Spider-Man-Schöpfer und Comic-Gott Stan Lee Raum für einen charmanten Auftritt), wenn auch nicht übermäßig spektakulär. Gleiches gilt für die 3D-Effekte, die seltsam verhalten eingesetzt werden. Man hat nicht unbedingt das Gefühl, dass der Film die zusätzliche Dimension benötigen würde. Bis auf das wirklich gelungene Schlussbild, welches einen der schönsten 3D-Effekte bietet, die ich in diesem Medium bisher gesehen habe. Die 3D-Projektion im Bremer IMAX ist mal wieder ohne Makel. Die Bilder sind gestochen scharf und nicht zu dunkel. Und der Sound ist L-A-U-T, was bei einem Effektfilm meines Erachtens nach aber immer von Vorteil ist.

„Weird Xperience“ im City 46: „City Kill – Rechnung in Blei“ mit Regisseur Markus Hagen

Von , 28. Juni 2012 20:49

Morgen, Freitag den 29.06. um 22:30 Uhr ist es wieder soweit. Der Juni-Film innerhalb der Reihe „Weird Xperience„, die ich zusammen mit meinem Kollegen Stefan Mibs betreue, kommt diesmal aus der Umgebung von Bremen: „City Kill – Rechnung in Blei„. Als Gast erwarten wir morgen auch den Regisseur des Filmes, Markus Hagen aus Langwedel.

Das Team von „Deadly Nam“ widmet sich diesmal dem Cop-Action-Thriller der 80er. Und wie schon beim Vorgänger stimmt einfach alles: die harten Cops mit ihren streetwisen one-linern, skrupellose Drogendealer und -bosse mit völlig neuen Drogen, die Frisuren, die Ausstattung, die Handlung: die beiden besten Cops New Yorks werden aus ihrer Suspendierung geholt, um gegen den Drogensumpf des irren Gangsterbosses Raoul vorzugehen, der sich anschickt, mit seinen Söldnern New York zu übernehmen.

Eine Hommage und eine liebevolle Parodie; wer die Stallone/Norris/Seagal-Figuren der 80er mag oder sogar liebt, sollte kommen.

Die Liebe zum Detail, die schönen schrägen eigenen Ideen, die herrliche Musik machen diesen Zweitling vom Langwedeler Team Markus Hagen / Hendrik Thiele geradezu zu einem Paradefilm unserer Reihe.

Quelle: Stefan auf weird-xperience.de

“Stummfilm plus zwei” am 30.06.: Dada und feinster Humor

Von , 28. Juni 2012 20:33

Zum letzten Mal vor der Sommerpause heißt es am kommenden Samstag, den 30. Juni um 20:30 Uhr im City 46: Vorhang auf für den „Stummfilm plus zwei“. Wieder hat der Initiator der Reihe, Ezzat Nashashibi einen interessanten Musiker für eine ungewöhnliche Instrumentierung dabei. Der Tiroler Florian Oberlechner studierte Akkordeon am Landeskonservtorium Innsbruck und an der Hochschule für Künste Bremen. Bereits als Jugendlicher gewann er Preise bei „Jugend musiziert“ und „Prima la musica“. Er arbeitet als freischaffender Akkordeonist, Studiomusiker, Theatermusiker und Komponist. Zudem ist er gern gesehener Gastmusiker in mehreren Ensembles. 2005 begründete er die Avantgarde-Folk-Formation „Flowjob“, für die er auch komponiert und mit der er bereits mehrere CDs veröffentlicht hat.

Zu den Filmen. Zunächst wird mit „Entr‘ Acte“ der erst Film des großen René Clair (dessen zweites Werk, „Paris qui dort“, ich sehr gerne mal in dieser Reihe sehen würde) gezeigt. Dieser kurze, 22-minütige Avantgarde-Film, wurde 1924 ursprünglich für die Beendigung der Pause zwischen den Akten eines Balletts („Relache“ von Francis Picabia) konzipiert. Der Film strotzt nur so von Spezialeffekten, humoristischen Montagen und ungewöhnlichen Perspektiven. und ist wohl einer der berühmtesten dadaistischen Filme. Neben den berühmten Surrealisten Marcel Duchamp und, dem von mir verehrten, Man Ray, spielt u.a. auch Eric Satie in diesem Film mit.

Weiter geht es mit einem Großmeister des Humors: Ernst Lubitsch. Der „Lubitsch-Touch“ ist noch heute weltberühmt, seine Filme „Ninotschka“ und „Sein oder Nicht sein“ unsterbliche Klassiker. Was aufgrund seines Hollywood-Erfolgs heute fast vergessen ist: Er war in den 10er und 20er Jahren einer der bedeutendsten deutschen Filmemacher, der neben seinen beschwingten Komödien auch die größten Monumentalprojekte der Ufa anvertraut bekam, wie z.B. „Das Weib des Pharao“. Sein Film „Die Austernprinzessin“ von 1919 steht ganz am Anfang seiner Weltkarriere. Die Hauptrolle spielt, die damals sehr beliebte Komödiantin, Ossi Oswalda. Dieser frühe Lubitsch zeigt schon all das, was ihn später zum weltweit führenden Komödien-Regisseur machen sollte: Tempo, Esprit und eine dezente, aber vor allem intelligente, Frivolität. Der schwerreiche Austern-Großhändler Quaker möchte für seine sehr verwöhnte und extrem temperamentvolle Tochter einen Prinzen kaufen. Der mittellose Prinz Nuki schickt zunächst seinen Freund Josef vor und setzt damit eine turbulente Folge von Ereignissen in Gang.

Nach diesem Abend macht „Stummfilm plus zwei“ erst einmal eine längere Sommerpause, um am 29. September mit einem ganz besonderen Schmuckstück zurückzukehren: Paul Lenis Grusel-Klassiker „Das Wachsfigurenkabinett“. Dann erstmals mitbegleitet von einer Dame: Marthe Perl an der Viola da Gamba.

Originalfassungen in Bremen: 28.06.12 – 04.07.12

Von , 27. Juni 2012 15:14

Die Sommerpause ist zwar verregnet, aber als solche doch deutlich im Kinoprogramm spürbar. In dieser ruhigen Zeit dürfte der neue Hollywood-Blockbuster „Amazing Spider-Man“ einige Chancen haben, auf den Einspiel-Olymp zu klettern. Zumindest sehe ich in der aktuellen Woche weit und breit keine Konkurrenz im Popcorn-Bereich. Wer’s hingegen etwas anspruchsvoller mag, ist im City 46 gut aufgehoben, wo Godards Klassiker „Außer Atem“ läuft und der britische Arthouse-Film „Submarine“ eine „Zweite Chance“ erhält.

The Amazing Spider-Man – Cinemaxx, Fr./Sa. 19:00 und Di./Mi. um 21:00 – Die Frage ist natürlich, ob ein Film, der gerade einmal 10 Jahre alt ist, ein Quasi-Remake bzw. fünf Jahre nach Teil 2 bereits ein „Reboot“ braucht. Ich bin da ja eher skeptisch, werde mir heute Abend aber einmal selber ein Bild vom neu gestalteten „friendly neighborhood Spider-Man“ machen.

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Submarine – City 46, Do. und Sa.-Mi. um 20:00, sowie Fr. um 20:30 – Britisches Coming-of-age Drama um einen 15-jährigen Exzentriker in Wales, der versucht die Ehe seiner Eltern zu kitten und sich in eine Pyromanin verliebt.

Mama Africa – Miriam Makeba – City 46, So.-Mi. immer 21:30 – Dokumentation über die kürzlich verstorbene afrikanische Sängerin und Ikone. Vom Akis Bruder Mika Kaurismäki.

Außer Atem – City 46, So.-Mi. immer 19:30 – Der Film mit dem die Nouvelle Vague ins Rollen kam. Regie: Godard, Drehbuch: Truffaut, Hauptrolle: Belmondo. Und dazu die bezaubernde Jean Seberg im engen T-Shirt auf den Champs-Élysées. Meisterwerk.

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Sneak Preview – Cinemaxx, Mo. 02.07. um 20:00

Sneak Preview – Schauburg, Mo. 02.07. um 21:45

DVD-Rezension: “Bessere Zeiten”

Von , 26. Juni 2012 20:40

Leena lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern ein scheinbar glückliches Leben. Doch ein Anruf ihrer todkranken Mutter, die sie ihrer Familie die ganze Zeit über verschwiegen hat, lässt alte Wunden wieder aufbrechen. Obwohl Leena sich weigert, ihre Mutter ein letztes Mal zu besuchen, überredet ihr Ehemann sie dazu, gemeinsam zur Mutter im fernen Ystad zu fahren. Die Fahrt dorthin wird für Leena zu einer schmerzvollen Reise in die Vergangenheit. Sie erinnert sich an ihre schon verdrängte Kindheit. An ihren kleinen Bruder Sakrai, ihren ständig betrunkenen Vater, der seine Ehefrau regelmäßig verprügelte… und an ihre Mutter, die all dies geschehen ließ.

Der deutsche Titel „Bessere Zeiten“ mutet wie ein zynischer Scherz an. Der Originaltitel trifft den Inhalt direkter: „Svinalängorna“, was man mit „Schweineställe“ übersetzen kann. Wobei in diesem Fall der deutsche Titel  nicht schlecht gewählt ist. Denn von den „besseren Zeiten“ sprechen hier alle. Der Vater, der mit dem Trinken aufhören möchte; die Mutter , die fest daran glaubt, dass in der Zukunft alles besser wird und schließlich die Tochter Leena, der mit dem Umzug in eine neue Wohnung auch „bessere Zeiten“ versprochen wurden. In der Gegenwart  scheint Leena diese tatsächlich doch noch irgendwann gefunden zu haben. Sie hat einen liebenden Ehemann und zwei muntere Kinder. Doch der Anruf der Mutter, den sie zum Beginn des Filmes erhält, reißt sofort alte Wunden auf und zeigt, wie stark sie verletzt wurde. Wie tief im Inneren die schlimme Kindheit noch immer ihr Leben bestimmt. Ganz beiläufig zeigt Regisseurin Pernilla August einmal zwei tiefe Narben auf den Unterarmen der erwachsenen Leena. Dies wird nicht kommentiert, aber welcher Zuschauer denkt dabei nicht an einen Selbstmordversuch? Überhaupt lässt Pernilla August Bilder sprechen. Sie zeigt, sie kommentiert nicht. Vieles bleibt lange im Dunkeln (Wo ist der Bruder? Wo der Vater?) oder wird gar nicht erst angesprochen (was geschah mit Leena in den folgenden Jahren?). Während ersteres die Spannung hochhält und gleichzeitig für ein permanent unangenehmes Gefühl sorgt, ist letzteres auch gar nicht nötig. Viele kleine Indizien lassen ein Gesamtbild erahnen, welches kraftvoll genug ist, um nicht vollständig ausgemalt werden zu müssen.

Damit der Film eine solch durchschlagende Kraft entfalten kann, ist Pernilla August auf ausgezeichnete Schauspieler angewiesen. Und die hat sie für ihr Regiedebüt gefunden. Pernilla August ist selber seit Ende der 70er Jahre eine vielgefragte Schauspielerin, die mit Ingmar Bergman („Fanny und Alexander“) zusammengearbeitet hat und Anakin Skywalkers Mutter in „Star Wars: Episode 1“ spielte. Ihre lange Erfahrung als Schauspielerin hat sie augenscheinlich für den Umgang  mit ihren Darstellern sensibilisiert. Jeder einzelne liefert eine fantastische Darstellung ab. Dabei hilft ein ausgewogenes Drehbuch (von Pernilla August zusammen mit Lolita Ray auf Basis eines Romans der finnisch-schwedischen Autorin Susanna Alakoski verfasst).

In dieser Geschichte gibt es kein eindeutiges Gut und Böse. Zwar sind Leenas Eltern Alkoholiker, die ihre Kinder verwahrlosen lassen und sich im Alkoholrausch prügeln, aber sie sind nicht per se schlechte Menschen. Immer wieder zeigt sich, dass sie im Grunde ihres Herzens nur das Beste wollen. Aber der Alkohol hat sie zu fest im Griff, als dass sie sich aus diesem befreien könnten.  Der Vater wird zwar als saufendes und prügelndes Untier gezeigt, aber es gibt auch diese unglaublich zärtliche Szene, in der er der jungen Leena vorm Schlafen seine Sonnenblumen-Aufzucht zeigt und man wirklich glaubt, er könne die Wende schaffen. Auch wenn man ihn hassen sollte, so überwiegt doch mehr Mitleid, wenn er sich in der neuen Heimat (er ist mit seiner Familie aus Finnland nach Schweden gezogen) nicht richtig artikulieren kann oder, fassungslos über seine eigenen Taten, verzweifelt versucht, einen normalen Anschein zu bewahren. Und obwohl er die Mutter schlägt, wenn er mal wieder völlig besoffen ist, so spürt man doch, dass er seine Frau im Grunde seines Herzens liebt. Aber er kommt mit seiner ganzen Situation einfach nicht mehr zurecht. Gleiches gilt für die Mutter. Ja, sie ist eine schwache Frau, die sich die kaputte Welt, in der sie lebt, schönzureden versucht. Aber auf der anderen Seite liebt sie ihre Familie, sie liebt ihren Mann und wünscht sich nichts sehnlicher als das normale Leben, welches sie sich und anderen vorgaukelt. Obwohl sie alles falsch macht, kann man auch sie nicht hassen. Wer schon einmal mit Familien zu tun gehabt hat, in denen es einen Alkoholiker gibt, wird diese ständigen Ausreden und Vorspielen einer schönen, heilen Welt, sehr gut kennen. Hier hat Pernilla August genau hingesehen und ein realistisches Trinker-Drama geschaffen.

Star des Filmes – und wahrscheinlich auch der Grund, warum der Film nach zwei Jahren endlich eine deutsche DVD-Auswertung erfährt – ist Noomi Rapace, die als „Lisbeth Salander“ in der „Millennium“-Trilogie nach den Romanen von Stieg Larsson weltberühmt wurde.  Rapace ist mit ihrem schönen, aber herb-geheimnisvollen Aussehen die Idealbesetzung für die ältere Leena. Jederzeit spürt man, wie es bei unter der Oberfläche brodelt, welche Narben ihre Seele hat und wie nahe sie am Abgrund balanciert. Ihre Zerrissenheit zwischen Liebe zur Mutter und Abscheu gegenüber der Frau, die so viel Leid über sie und ihren Bruder gebracht hat. Dieses Schwanken zwischen Kälte und emotionalem Ausbruch bewerkstelligt Rapace perfekt. Sie bleibt in jeder Szene absolut glaubwürdig und lässt ohne große mimische Verrenkungen den Zuschauer wissen, was für Kämpfe, welche Ängste in ihr toben.

Die große Entdeckung des Filmes ist allerdings die junge Tehilla Blad, die die junge Leena mit einer faszinierenden Natürlichkeit spielt. Tehilla Blad spielte übrigens auch in der bereits erwähnten „Millenium-Trilogie“ die jüngere Ausgabe von Noomi Rapace. Tatsächlich besitzen beide auch eine entfernte Ähnlichkeit. Sie nimmt diese schwierige und fordernde Rolle ganz an und verschmilzt förmlich mit ihrer Figur. Eine tolle, junge Schauspielerin, der man gewiss eine große Zukunft voraussagen kann. Tehilla Blad stammt aus einer Schauspieler-Großfamilie. Ihre sieben Geschwister sind alle künstlerisch tätig. Ihr jüngerer Bruder Junior spielt in „Bessere Zeiten“ ihren Film-Bruder Sakari. Obwohl diese Rolle keine großen Anforderungen stellt (die meiste Zeit sitzt Sakari apathisch vor dem Fernseher oder in der Badewanne), so ist es doch beeindruckend, wie Junior Blad von Pernilla August in Szene gesetzt wird. Von Anfang an, auch wenn Sakari noch als munter spielendes Kind gezeigt wird, weiß man, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird.  Im Laufe des Filmes verblasst Sakari immer mehr. Wie eine Kerze, die langsam verglüht. Die letzten Blicke, die der Zuschauer auf Sakari werfen kann, sind schon so bedrückend, dass man sein späteres Schicksal nicht gezeigt bekommen muss, um zu wissen, wie es aussah.

„Bessere Zeiten“ ist bedrückendes und realistisches Alkoholiker-Drama. Aber auch ein mit prallem Leben gefülltes Familien-Portrait, das seine Figuren nie verrät und selbst die Schwächsten unter ihnen mit großer Liebe und viel Einfühlsamkeit zeichnet, weiß auf breiter Front zu überzeugen. Nur einige inszenatorische Spielereien hätte sich Pernilla August bei ihrem Regiedebüt sparen können. Wie die Dogma-inspirierte Kameraarbeit am Anfang oder die Szenen, in denen die junge und die alte Leena symbolisch gemeinsam auftreten. Aber dies sind nur untergeordnete Kritikpunkte für einen  starken, einfühlsamen und sensiblen Film, der von grandiosen schauspielerischen Leistungen getragen wird. Etwas, was auch vom Publikum honoriert wurde. So war der Film bereits vor seiner schwedischen Premiere auf den Filmfestivals in Hamburg und in Lübeck zu sehen, wo er jeweils Preise gewinnen konnte. Umso schöner, dass er nun auch in Deutschland, dank DVD-Veröffentlichung, auch einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

Die DVD, die von EuroVideo  vertrieben wird, weiß durch eine gute Bild- und Tonqualität zu gefallen. Leider gibt es bis auf den Trailer keinerlei Extras. Schade, denn gerade bei diesem Film hätte man doch gerne mehr Hintergründe erfahren.

DVD-Rezension: „Befehl aus dem Dunkel“

Von , 23. Juni 2012 14:57

Hinter dem Saturn wurde ein geheimnisvoller, neuer Planet namens „X“ (in der deutschen Fassung Alpha 707) entdeckt. Die NASA und ihr japanisches Gegenstück schicken ihre beiden besten Männer, den Japaner Fuji und den Amerikaner Glenn, um den Planeten zu untersuchen. Auf „X“ angekommen, werden die beiden von den dortigen Bewohnern empfangen. Diese leben unter der Planetenoberfläche, wohin sie vor vielen tausend Jahren aufgrund des Monsters Ghidora geflohen waren, welches auf „X“ sein Unwesen treibt. Die Außerirdischen schlagen Fuji und Glenn einen Handel vor. Sie wollen die beiden Monster Godzilla und Rodan aus ihren Verstecken, in denen diese seit Jahrtausenden schlafen, befreien und auf „X“ transferieren, damit sie dort Ghidora in die Flucht schlagen. Als Gegenleistung bekommt die Erde ein Heilmittel gegen Krebs. Die Erdregierung (sprich Japan) stimmt dem zu und tatsächlich können Godzilla und Rodan mit vereinten Kräften Ghidora von „X“ vertreiben. Doch im Geheimen haben die Außerirdischen ganz andere Pläne mit den Monstern…

Nun schon zum siebten Mal veröffentlicht Anolis einen japanischen Monsterfilm (in der Landessprache Kaiju genannt) in einem edlen Steelbook. „Kaiju Classics“ nennt sich die Reihe, die sich bei Freunden des Genres großer Beliebtheit erfreut. Das ist auch verständlich, denn zur liebevollen Aufmachung gesellen sich informative Extras, wie ein sympathischer und lehrreicher Audio-Kommentar mit Deutschlands Kaiju-Experten Numero Uno, Jörg Buttgereit, und Bodo Traber. Als weiteres Extra gibt es ein Interview (16:46 Minuten) mit dem japanischen „Monsterdarsteller“ Ryu Hurrikane. Dieser hat zwar nichts mit „Befehl aus dem Dunkel“ zu tun gehabt, aber in den 90ern in einigen „Kaiju“-Filmen diverse Monster gespielt. Seine Statements über sein Selbstverständnis als Monster-Darsteller und wie er in seine Rollen hineinfindet, dürfte aber für alle Stuntmen in Gummikostümen repräsentativ sein. Zwei Trailer (deutsch und japanisch) runden die Extras ab.

Ferner befindet sich im 2-DVD-Set neben der ungekürzten Originalfassung (die in der deutschen Fassung fehlenden Szenen – immerhin 12 Minuten – wurden im Original belassen und untertitelt), auch noch eine DVD mit der alten deutschen Kinofassung und einem Easter Egg. Das Bild ist seinem Alter entsprechend zwar nicht brillant, aber um Längen besser als das, was einem gewisse Billig-Labels ab und an zumuten. Zudem wurde auch die korrekte Ration von 1:2,35 eingehalten. Ein besonders Lob gilt auch dem schönen und informativen 20-seitigen Booklet mit einem Text von Ingo Strecker.

Trotz gleich dreier Monster, ist „Befehl aus dem Dunkel“ weniger eine Monster-Party, als vielmehr ein Außerirdischen-Invasionsfilm. Die Monster Godzilla, Rodan (eine Art Flugsaurier) und Ghidora (ein drachenähnliches Geschöpf mit drei Köpfen) haben nur kleine Nebenrollen. Tatsächlich treten sie nur zweimal auf. Einmal auf dem geheimnisvollen Planeten X und dann zum großen Finale auf der Erde. Letzteres hat es dann aber in sich. Mit einer kindlichen Lust an der Zerstörung werden Miniaturlandschaften platt gewalzt. Godzilla und Rodan arbeiten gemeinsam gegen Ghidora und das Ganze hat dann schon etwas von Show-Catchen. Wer das Kind in sich selbst bewahrt hat, der kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Auch wenn Godzillas etwas albern wirkende Freudentänze schon die Entwicklung vorwegnehmen, die der Charakter in den folgenden Filmen nehmen sollte. Weg von dem tödlichen Giganten des Originals, hin zu der kinderfreundlichen Knuddel-Echse der späteren Jahre.

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt also auf der Invasion der Außerirdischen. Die Ausstattung der Raumbasis auf dem Planeten X ist spartanisch, aber effizient. Make-Up und Kostüme der Außerirdischen wurden ebenfalls einfach, aber ansprechend gehalten. Natürlich wirken die Kostüme heute eher belustigend als beeindruckend, aber wir befinden uns im Jahr 1965 und dort sind diese noch nicht ganz so sehr das lustige Klischee gewesen, als welches sie uns heute anmuten. Und dies macht ja auch den großen Charme dieses Filmes aus. Die Modellarbeiten sind wie immer deutlich als solche zu erkennen, sind aber so liebevoll gestaltet, dass man sich in diesem „Miniaturwunderland“ einfach wohl fühlt.

Erstaunlich ist die Rolle der Frau in diesem Film. Japan hin oder her, ich glaube nicht, dass man auch dort heute noch mit solch sexistischen Klischees durchkommen könnte. Das ist wirklich eine ganz andere Zeit gewesen. Als die böse Außerirdische von ihren Kameraden zur Rede gestellt wird, warum sie Befehle nicht befolgte und den Menschen half, entschuldigt sie sich mit dem ungeheuren Satz: „Ich kann doch nichts dafür, dass ich nur eine Frau bin“. Die Schwester des japanischen Helden wird von diesem unter der Knute gehalten und darf ihren Freund nicht treffen, da dieser keine Erfolge vorzuweisen hat. Heutzutage wäre der tyrannische Bruder der Böse, hier aber ist er der strahlende Held. Ja ja, die gute, alte Zeit.

Dazu gesellt sich der von dem Amerikaner Nick Adams dargestellte Astronaut Glenn. Immer einen kessen Spruch auf den Lippen und eine Frau im Arm ist er das Abziehbild des westlichen Macho-Helden. Weniger James Bond, mehr Matt Helm. Dabei passt Nick Adams mit seiner eher schmächtigen Statur und dem leicht rattenähnlichen Gesicht eigentlich gar nicht in diese Rolle. Aber in diesem verrückten Film, in dem man eh nichts besonders ernst nehmen sollte, passt er dann doch wie die Faust aufs Auge. Nick Adams hatte schon im Vorjahr in dem japanischen Monsterfilm „Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht“ (ebenfalls in der Anolis Kaiju-Classics Reihe erschienen) den Quoten-Amerikaner, der wichtig für die internationale Vermarktung war, gegeben. Und er sollte dies noch einmal, in dem nie in Deutschland erschienenen Spionage-Vehikel „The Killing Bottle„, tun. Berühmt geworden ist er durch eine Nebenrolle im James-Dean-Klassiker „.. .denn sie wissen nicht, was sie tun„. Seinen Durchbruch hatte er allerdings in der, in den USA höchst populären, Western-Serie „The Rebel„, wo er die Titelfigur Johnny Yuma gab. 1964 war er sogar mal für den Oscar für die beste Nebenrolle (in „Rufmord“ von Boris Sagal) nominiert. 1968 starb er dann leider unter mysteriösen Umständen, wahrscheinlich an einer Überdosis.

In Deutschland wurde der Film als „basierend auf dem Roman von Hans Dominik“ beworben. Hans Dominik war ein deutscher SF-Autor, der sich in den 20er Jahren einer hohen Beliebtheit erfreute. In den 60er Jahren sollte scheinbar sein Roman „Befehl aus dem Dunkel“ verfilmt werden. Als dieser Plan scheiterte, wurde kurzerhand “ Kaijû daisensô“, was übersetzt „Krieg der Monster“ heißt, zu „Befehl aus dem Dunkel“ umgedeutscht. Natürlich ist dieser künstlich hergestellte Bezug völliger Quatsch.

Ziemlicher Quatsch ist auch einiges, was in „Befehl aus dem Dunkel“ passiert. Nach Logik oder Plausibilität sollte man hier besser gar nicht anfangen zu suchen. Bei einigen Zufällen braucht man schon viel guten Willen und ein sonniges Gemüt, um diese zu schlucken. Aber der Film ist ja auch nicht als anspruchsvolles Filmwerk, sondern als pure Unterhaltungsware konzipiert worden. Und als solche funktioniert er ganz prächtig. Schön, dass ein Label wie Anolis sich dieses Genres angenommen hat und die Fans mit hochwertigen Produkten versorgt. Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Veröffentlichung.

Open-Air-Kino 2012: „Kino im Hafen“ in Bremerhaven und Western in der „Botanika“

Von , 22. Juni 2012 17:25

Man mag es bei dem extrem wechselhaften Wetter, und den noch nicht unbedingt sommerlichen Temperaturen draußen, gar nicht glauben, aber die Freiluftkino-Saison steht vor der Tür.

Und die ersten beiden Termine stehen auch schon fest. Einmal das traditionelle Kino im Hafen in Bremerhaven und dann kann man dieses Jahr auch in der Botanika (Rhododendron-Park) zwei Western schauen. U.a. einen meiner absoluten Lieblingsfilme!

Aber der Reihe nach.

Am 3. und 4. August heißt es wieder „Kino im Hafen“ im Schaufenster Fischereihafe/Bremerhaven. Beginn ist jeweils ca. 22 Uhr (Einbruch der Dunkelheit) – das Vorprogramm startet ab 21 Uhr. Der Eintritt ist frei. Unterstützt wird das Kino im Hafen von einer Vielzahl namhafter, regional ansässiger Firmen und vom Technischen Hilfswerk. Am Kopf des Hafenbeckens im Schaufenster Fischereihafen werden insgesamt 20 Container, welche das Gerüst  für die 180 qm Leinwand bilden, gestapelt.

Gezeigt werden die folgenden Filme:

03. August: Türkisch für Anfänger – Erfolgreicher Kinofilm zur deutschen TV-Serie-

Sehr viel interessanter geht es dann am nächsten Tag  weiter.

04. August: Der scharlachrote Pirat – Der letzte große Piratenfilm, bevor sich das Genre – bis auf ein paar Ausnahmen wie Polanskis erfolgloser„Piraten“ oder Renny Harlins Megaflop „Die Piratenbraut“ – für mehr als zwei Jahrzehnte schlafen legte.  Die Hauptrolle spielt der großartige Robert Shaw, der als Gegenspieler von James Bond in „Liebesgrüße aus Moskau“ oder Seebär Quint in „Der weiße Hai“ Weltruhm erlangte und leider viel zu früh, zwei Jahre nach „Der scharlachrote Pirat“ an einem Herzinfarkt starb. „Der scharlachrote Pirat“ ist der Freibeuter Ned Lynch. Eine Art Robin Hood der Weltmeere, welcher – zusammen mit der heißblütigen Tochter eines Adeligen – einen Tyrannen auf Jamaika stürzt.

Der Film hat auch einen herrlichen deutschen Trailer:

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Innerhalb der Veranstaltung: „Lebensraum Wilder Westen Anpassungsstrategien von Pflanze, Tier und Mensch im Lebensraum Wüste“ kann man in dem Science-Center „Botankia“ im Rhododendron-Park zwei Western auf einer 10-Meter-Leinwand unter freiem Himmel schauen.  Der Eintritt ist im Botanika-Eintritt enthalten. Als Rahmenprogramm werden Lagerfeuer, Line Dance, Musik und BBQ geboten.

10. August: True Grit“ – Das Remake des John-Wayne-Westerns „Der Marshall“. Sicherlich nicht der beste Film der Coen-Brothers, aber sehr unterhaltsam mit einem tollen Jeff Bridges in der alten Wayne-Rolle.

11. August:Zwei glorreiche Halunken“ – „The Good, the Bad and the Ugly“. Einer DER Western überhaupt und auch über die Gerne-Grenzen hinweg ein ganz großartiger Film. Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Eli Wallach, Sergio Leone, Ennio Morricone. Wem da nicht das Herz aufgeht, der ist schon tot (oder zumindest kein Westernfan ;)).

BluRay-Rezension: “Die Seven-Ups”

Von , 21. Juni 2012 19:09

Die „Seven-Ups“ sind eine geheime Spezialeinheit der New Yorker Polizei, die sich auf die ganz großen Fische konzentriert. Daher auch der Name: “Seven-Ups“ heißt, dass die Leute, die die Einheit festnimmt, mindestens für sieben Jahre in den Knast gehen. Eher zufällig werden die „Seven-Ups“ in eine Reihe von Entführungen involviert, bei denen einflussreiche Mitglieder der lokalen Mafia gekidnappt und gegen hohes Lösegeld wieder freigelassen werden. Als einer der „Seven-Ups“ sein Leben lassen muss, schlagen seine Kameraden unbarmherzig zu…

Die Seven-Ups“ gehört in die Kategorie Filme, die heute so nicht mehr gedreht werden. Schaut man sich die Polizei-Thriller der letzten Jahre an, so haben selbst Filme, die sich einen gewissen Realismus auf die Fahnen geschrieben haben – wie z.B. „Helden der Nacht“ – einen Hang zum Stylischen. Dieser geht den „Seven-Ups“ völlig ab. Die Inszenierung erinnert mehr an die geliebten US-Polizeiserien der 70er Jahre, wie „Einsatz in Manhattan“ oder „Die Straßen von San Francisco“.

Ebenso unglamourös wie das Bild kommen die Darsteller daher. Der äußerst markante Roy Scheider und auch Tony Lo Bianco wirken, wie direkt von der Straße weg engagiert. Sie agieren völlig natürlich, verfallen nie in Posen. Unter den Nebendarstellern tummeln sich viele bekannte Gesichter. So spielt Ken Kercheval, der Cliff Barnes aus „Dallas“, einen der Seven-Ups, dessen Schicksal hier schon seinen ewigen Loser aus der Erfolgsserie vorweg zu nehmen scheint. Joe Spinell, der sieben Jahre später mit der Titelrolle in „Maniac“ unsterblich werden sollte, sieht man in einer kleinen Rolle als Garagenbesitzer, und schließlich hält auch noch ein sehr junger Richard Lynch seine verbrannte Visage in die Kamera. Lynch spielte übrigens zusammen mit Tony Lo Bianco in Larry Cohens apokalyptischem Horrorklassiker „God Told Me To“ und war bis Ende der 80er ein gerne gesehener Gast in Low-Budget-Horrorproduktionen, wo er – bei seinem Gesicht kein Wunder – fast immer die Bösen spielte. Leider verstarb der charismatische Mime in der letzten Woche. Sein letzter Film wird damit Rob Zombies neustes Werk „The Lords of Salem“ sein, dass irgendwann im Laufe diesen Jahres veröffentlicht wird.

Frauen kommen in „The Seven-Ups“ so gut wie gar nicht vor. Die Seven-Ups selber scheinen keinerlei Privatleben zu führen. Nie sieht man sie außerhalb des Jobs, immer scheinen sie im Einsatz zu sein. Die „Seven-Ups“ sind eine hermetisch abgeschlossene Gemeinschaft, eine Familie mit einem eigenen Codex und Ehrbegriff. Ganz wie bei den Mafiosi, die sie bekämpfen. Wobei die Anfangssequenz nahelegt, dass es sich für sie hier weniger um einen Kampf, als vielmehr um ein Spiel handelt. Erst als einer der ihren angegriffen wird, schlagen sie skrupellos und nur ihren eigenen Regeln gehorchend zurück. Somit sind die „Seven-Ups“ als Allegorie auf die kämpfende Truppe in Vietnam zu sehen, die ja auch eine persönliches, nur der eigenen Einheit verpflichtetes, Gesetz entwickelte und Angriffe auf die Einheit unbarmherzig bestraft. Hier sei z.B. an das My-Lai-Massaker erinnert.

Andererseits agieren die Seven-Ups auch ganz ähnlich, wie es die faschistoiden Polizisten in dem zweiten Dirty-Harry-Film „Calahan“ tun. Nur dass sie, im Gegensatz zu den Vigilanten dort, in dieser Geschichte die Helden und nicht die Schurken sind. Aber im Grunde operieren sie genauso außerhalb des Gesetzes. Da wird in fremde Häuser eingebrochen und die unschuldige Ehefrau eines – nicht unsympathischen – Mobsters bedroht; Verdächtige gefoltert und die Drahtzieher nicht etwa der Justiz überantwortet, sondern der Mafia zum Fraß vorgeworfen.

Der inszenatorische Mittelpunkt des Filmes stellt eine 10minütige Auto-Verfolgungsjagd dar, die von den besten ihrer Zunft in Szene gesetzt wurde. Stuntfahrer Bill Hickman (der im Film auch eine kleine Rolle als zweiter Schurke neben Richard Lynch hat) war bereits für die legendären Autoszenen in „Bullitt“ und „French Connection“ verantwortlich. Diese Jagd hier steht eindeutig in dieser Tradition und ist den berühmteren Filmen mindestens ebenbürtig. Das ist auch kein Zufall. Philip D’Antoni , für den „Die Seven-Ups“ die einzige Regiearbeit blieb, war von Haus aus Produzent. Und als solcher auch für eben „Bullitt“ und „The French Connection“ verantwortlich. Bedenkt man, dass Roy Scheiders Charakter in „The French Connection“ und „Die Seven-Ups“ auf den Namen Buddy hört (auch wenn der Nachname unterschiedlich ist) und die Schauplätze identisch sind, kann man hier durchaus von einem Spin-Off zu William Friedkins erfolgreichem Klassiker sprechen.

Die BluRay von Koch Media hat, neben den Trailern, leider nur noch ein Extra an Bord. Dies ist aber von daher sehr interessant, dass es sich hier um zeitgenössisches Material handelt. Ein Werbefilm, in dem der Dreh der Autoverfolgungsjagd dokumentiert wird. Allein aufgrund des Zeitkolorits sehenswert. Das Bild ist für das Alter des Filmes sehr gut, wenn es auch in lichtärmeren Szenen zu einer extrem starken Körnung und Rauschen kommt. Was allerdings am Ausgangsmaterial liegen dürfte. Ich muss allerdings sagen, dass ein Film von 1973 auch gerne so aussehen darf wie von 1973. Glattpoliert und zu Tode gefiltert würde er auch eine Menge an rauem Charme und vor allem Direktheit verlieren. Da mir eine BluRay vorliegt, kann ich diesmal leider keine Screenshots machen, sondern bin auf Pressematerial angewiesen.

Originalfassungen in Bremen: 21.06.12 – 27.06.12

Von , 20. Juni 2012 15:14

Als ich heute morgen in der Wochenbeilage des „Weser Kuriers“ blätterte, befürchtete ich schon, heute gar nichts zu O-Fassungen in Bremen schreiben zu können. Im Cinemaxx statt O-Ton Fussballspiele und auch sonst eher tote Hose. Gut, dass ich das noch einmal gegengecheckt habe, denn ganz so traurig sieht es nämlich gar nicht aus. Tipp der Woche: Für einen romantischen Nostalgiker wie mich natürlich „Sound It Out – The very last record shop “ 🙂

Rock of Ages – Cinemaxx, So., 24.06., 20:00 – US-Musical basierend auf einem Broadway-Hit. Sherrie und Drew haben ein gemeinsamen Traum. Sie wollen im L.A. der 80er Jahre als Musiker berühmt werden und eines Tages im legendären Club “Rock of Ages” auftreten. Der Weg dahin ist steinig, und dann kommt auch noch die Liebe in den Weg. Das große Idol der beiden, ein Rockstar namens Stacee Jaxx, wird von Tom Cruise gespielt.

Snow White and the Huntsman – Cinemaxx, Fr., 22.06., 20:00 – Filmbesprechung hier.

Ai Weiwei: Never Sorry – Atlantis, Do.-Mi. immer 17:00, ausser So., da um 16:00 – Er schaut uns hier in Bremen schon seit einer Woche von vielen Plakaten herunter an: Der chinesische Künstler Ai Weiwei. Ai Weiwei wurde in der Vergangenheit aufgrund regierungskritischer Äußerungen verhaftet, eingesperrt und mit überzogenen Anschuldigungen konfrontiert. Diese US-Doku will das Phänomen Ai Weiwei näher beleuchten. Achtung:  Im Programm des Atlantis steht nichts von O-Fassung mit Untertiteln. Mir ist jetzt nicht bekannt, dass es eine andere Version von diesem Film gäbe, aber im Bedarfsfall besser mal bei Atlantis nachfragen.

Sound It Out – The very last record shop – City 46, Do./So. um 20:30; Fr./Sa. Um 22:30 und Mo.-Mi. um 18:00 – doku über einen Schallplattenladen im Nordosten Englands, der immer noch das gute, alte Vinyl verkauft und für seine Kunden eine ganz besondere Heimat bietet.

YouTube Preview Image

Tango Lesson – City 46, Do., Sa.-Mi. 20:00 – US-Spielfilm von 1997 von und mit Sally Potter. In diesem semi-biographischen Spielfilm beschreibt Sally Potter, wie sie aufgrund einer Arbeitsblockade anfängt Tango zu lernen und sich dabei in einen attraktiven Tänzer verliebt.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 25.06., 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 27.05. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

Nordische Filmtage in Lübeck: Bei der Retrospektive wird es schaurig

Von , 20. Juni 2012 14:33
2010 war ich zu Gast auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck und schwer begeistert von diesem sehr sympathischen Filmfestival.
Leider habe ich es aus zeitlichen Gründen nicht geschafft, auch 2011 vorbei zu schauen. Ich hoffe aber sehr, dass ich in diesem Jahr (31.10.-04.11.) wieder die Gelegenheit erhalte, denn die Ankündigung für die Retrospektive, lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen:

Die diesjährige Retrospektive präsentiert sich unter dem Titel „Das kalte Grauen – Grusel und Schauder im skandinavischen Kino 1921 – 2011“ und wird passend zu Halloween am 31. Oktober 2012 eröffnet. Fünf Tage lang kommen Fans und Liebhaber von nordischen Filmen mit „Biss“ ganz auf ihre Kosten. Mit dabei sind neben Stummfilmklassikern und zahlreichen Spielfilmen der letzten Jahrzehnte auch moderne Genrefilme des skandinavischen Kinos, die in jüngster Zeit sehr erfolgreich im Kino liefen und ebenfalls für Hochspannung sorgen werden. Das vollständige Programm wird im Oktober 2012 bekannt gegeben.

Quelle: http://www.luebeck.de/filmtage/

Aber auch wer sich nicht gruseln mag, dem seien die Nordischen Filmtage sehr ans Herz gelegt. Bei all meinen Besuchen auf diversen Filmfestivals habe ich selten eine so hohe Dichte an wirklich tollen Filmen erlebt. Und die freundliche Atmosphäre in Lübeck ist auch klasse.

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