Auf Wiedersehen “Kino 46″ – Abschiedsfest und mehr

Von , 29. Juni 2011 16:50

Nach den letzten Klängen des Konzertfilmes mit dem passenden Titel: “The Last Walz” fällt morgen der letzte Vorhang für das “Kino 46″ in Walle. Danach ist an diesem Standort dann Schluss. 18,5 Jahre war das Kommunalkino an der Waller Heerstr. 46 beheimatet. Eine lange Zeit in der es vielen Waller ans Herz gewachsen ist.

Ich selbst habe das Kino 46 leider erst relativ spät vor vier Jahren für mich entdeckt. Davor war mein Blick doch sehr auf Hamburg gerichtet, was sowohl berufliche, als auch private Gründe hatte. Dabei lag das Gute doch so nah! Vor zwei Jahren bin ich dann ganz in die Nähe gezogen, aber mit diesem Katzensprung ist es nun vorbei. Ab voraussichtlich Mitte September muss ich mich in die Linie 10 oder die 26 (was zwar etwas länger dauert, aber weitaus angenehmer ist) schwingen, um ins Kommunalkino zu kommen. Aber das wird dann nicht mehr das alte “Kino 46″ sein, sondern das neue “City 46″, welches dann in der Birkenstr. im ehemaligen City Kino seine neue Heimat haben wird.

Aber bevor es soweit ist, hat sich das Kino 46 noch einmal einen schönen Schlusspunkt für die Zeit in Walle ausgedacht. Am Freitag, den 1.7. werden alle Interessierten zu einem kleinen Abschiedsfest ins Kino 46 geladen. Neben Snacks und Getränken werden beim Flohmarkt Plakate, Filmbücher und technische Geräte angeboten. Und nach Jürgen Kösters Film »Walle für Alle« um 20.30 (Eintritt frei) ist dann wirklich Schluss.

D.h., noch nicht so ganz. Es gibt noch eine hochinteressante Veranstaltung am Montag, den 4. Juli. Die berühmte arte-Sendung »Karambolage« (von der meine Frau und ich jeden keine Sendung verpassen) kommt dann um 20.00 Uhr ins Kino 46. Zum ersten Mal wird die humorvolle Sendung um deutsch-französische Unterschiede (und Gemeinsamkeiten) dem Bremer Publikum von ihrer Redakteurin Claire Doutriaux vorgestellt. Es werden neue Folgen gezeigt, ein Blick hinter die Kulissen riskiert und am Ende kann man Claire Doutriaux, die Erfinderin der Sendung, persönlich befragen.

Danach ist dann endgültig Schluss und in Walles letztem verbliebenen Kinosaal fällt der allerletzte Vorhang. Damit endet dann die Waller Kinogeschichte mit Namen wie Decla oder Kurbel, nach über 100 Jahren. Für immer?

Nachruf: Peter Falk (1927-2011)

Von , 28. Juni 2011 17:26

Es ist schade, dass ein so großartiger Schauspieler wie Peter Falk heutzutage weniger für seine wegweisende Arbeit mit John Cassavetes (“Ehemänner“, “Eine Frau unter Einfluss“) oder seine zwei Oscar-Nominierungen für Frank Capras “Die unteren Zehntausend” und “Unterwelt” erinnert wird.

Aber unsterblich wurde er nun einmal als Inspektor Columbo (echt nur mit “unsichtbarer” Ehefrau, zerknautschtem Mantel und ohne Vornamen). Als scheinbar schusseliger, aber genialer Detektiv, dem kein noch so gewiefter und kreativer Mörder entkam, wurde er zu einer unsterblichen TV-Legende. Angefangen hatte alles mit der Theaterstück-Verfilmung “Mord nach Rezept“. Als für die 1968er TV-Verfilmung dieses Broadway-Stückes von 1962 ein Darsteller des “Columbo” gesucht wurde, klopfte man zunächst bei Bing Crosby und Lee J. Cobb an, doch beide hatten keine Zeit und so wurde Peter Falk zu Inspektor Columbo. Der TV-Film erfreute sich einer solchen Beliebtheit, dass drei Jahre später der Pilotfilm für eine eigene “Columbo”-Serie folgte. “Columbo: Lösegeld für einen Toten” gab den Startschuss zu insgesamt 68 “Columbo”-Folgen. 2003 fand die Reihe mit “Columbo: Die letzte Party” ihren Abschluss.

Peter Falks Wurzeln lagen schon immer im TV, wo er in den 50er Jahren in zahlreichen TV-Serien als Gast auftrat. Ab Mitte der 50er sah man ihn dann auch vermehrt auf der großen Leinwand. Zumeist als Gangster und harter Hund. In den 60ern erweiterte sich sein Spektrum um komischen Rollen, wie die als Jack Lemmons Assistenten in Blake Edwards “Das große Rennen um die Welt” oder “Eine total, total verrückte Welt“.

1970 trat er das erste Mal in einem Spielfilm seines Kumpels John Cassavetes auf, mit dem er ein Jahr zuvor in dem italienischen Gangsterfilm “Die Unschlagbaren”  zusammengespielt hatte. “Husbands” ist ein Meilenstein des Indie-Kinos, der bereits viele Elemente moderner Indie-Filme vorwegnahm und wie ein Exot im Hollywood-Umfeld wirkt. Körnige schwarz-weiß Bilder, improvisierte Dialoge, eine intensive Erarbeitung der Geschichte zwischen Regisseur und Schauspielern und der Bruch sämtlicher Hollywood-Regeln. In “Eine Frau unter Einfluss” wurde diese Zusammenarbeit erfolgreich fortgesetzt.

1987 war er gleich in zwei überaus erfolgreichen Filmen zu sehen. Zunächst in Wim Wenders zauberhaftem “Himmel über Berlin“, in dem er sich selbst spielte, und dann in dem Kultfilm “Die Braut des Prinzen“, wo er den Erzähler/Großvater gab. Danach wurde es wieder ruhig um ihn, bis 1989 nach 11-jähriger Pause Inspektor Columbo auf den Bildschirm zurückkehrte.

Peter Falk starb am vergangen Donnerstag im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Alzheimer Erkrankung.

Für mich bleibt er neben “Columbo”, auch immer die Sam-Spade-Parodie “Sam Diamond” aus “Eine Leiche zum Dessert“. In meiner Kindheit war das tatsächlich einer meiner liebsten Filme.

Ein Ausschnitt daraus auf Deutsch:

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und einer im O-Ton:

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Originalfassungen in Bremen: 23.06.- 29.06.11

Von , 23. Juni 2011 18:05

Ein Panda kämpft in dieser Woche nahezu allein an der O-Fassungen-Front. Im Cinemaxx besetzt der dicke Po gleich zwei Kinosäle und kann in Pseudo-IMAX oder im traditionellen 3D geschaut werden. Im Kino 46 in Walle gehen in dieser Woche die Lichter aus, was mich SEHR traurig stimmt. Ich mochte diesen Kinosaal sehr… und vor allem konnte ich ihn immer bequem in weniger als 10 Minuten zu Fuß erreichen. Ab September heißt es dann, sich in die Linie 10 schwingen, um gute Filme zu sehen. Und wer schon mal  in die 10 eingestiegen ist, der weiß… ein Vergnügen ist das nicht immer. Aber genug davon. Hier die Übersicht:

Kung Fu Panda 2 – Cinemaxx, im “IMAX” am So. und Mo. jeweils um 19:00 Uhr, im “Maximum 3D” am Sa. um 14:40 Uhr – Fortsetzung des Animationsfilms aus dem Hause Dreamworks. Wenn man den Kritiken glauben kann, sogar einen Tick besser als der erste Teil. Wobei der mich auch nicht gerade vom Hocker gerissen hat.  Im Original mit den erlesenen Stimmen von Jack Black, Angelina Jolie, Dustin Hoffman, Gary Oldman, Jackie Chan und, und, und… Ein Grund mehr, den unbedingt im Original zu gucken.

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Football Under Cover – Kino 46, Fr., 18:00, Sa. und So. um 20:30 – Zum Auftakt der Frauenfußball-WM zeigt der Kino 46 diese preisgekrönte Dokumentation über Frauenfußball im Iran und den Versuche einer Berliner Frauenmannschaft ein Freundschaftsspiel gegen eine iranische Mannschaft zu organisieren.

La escopeta nacional – Kino 46, Mi., 29.06., 20:30 – Spanische Komödie von 1978 um einen Hersteller elektronischer Türöffner, der eine Jagd organisiert um in den Kontakt mit der spanischen High Society zu kommen. Leider läuft dabei einiges schief.

The Last Walz – Kino 46, Do, So. und  Die. immer um 20:30 Uhr – Der passende Schwanengesang für das Kino 46 in Walle.  Die letzte Woche des Kinos 46 an alter Wirkungsstätte klingt mit Martin Scorceses Musikfilm über das letzte Konzert der legendären “The Band” aus.

Sneak Preview – Schauburg, Mo., 27.06., 21:45

Französische Sneak Preview, Mi., 29.03. um 18:00 Uhr in der Gondel und um 21:00 Uhr im Atlantis

 

Schauburg: Bernard Rose stellt am 23.6. “Mr. Nice” vor

Von , 21. Juni 2011 13:23

Regisseur Bernard Rose stellt in der Schauburg am kommenden Donnerstag, den 23.6., um 21:00 Uhr seinen neusten Film “Mr. Nice” vor.

“Mr. Nice” lief bereits im letzten Jahr auf dem International Filmfest in Oldenburg. Damals war der reale Howard Marks (die Hauptperson des Filmes) zugegen, um den Film vorzustellen. Jetzt kommt also der Regisseur vorbei.

Der Engländer Bernard Rose dürfte vielen Filmfreunden durch seinen Horrorfilm-Klassiker “Candyman” (mit der Musik von Philip Glass!) bekannt sein, der ja zu einer kurzlebigen Serie ausgeschlachtet wurde und Tony Todd zum Horrorstar machte. Zudem drehte er die Beethoven-Biographie “Immortal Beloved” und – wie ich gerade sehe – er hat einen Film namens “Snuff-Movie” gedreht, dessen Hauptperson auf den schönen Namen “Boris Arkadin” hört. Denn muss ich mir dann wohl mal angucken.. ;)

Hier noch einmal der Text, den ich letztes Jahr anlässlich der Vorstellung des Filmes auf dem Filmfest in Oldenburg schrieb.

Mr. Nice

(…) Hier gab es das britische Bio-Pic “Mr. Nice” zu sehen, welches sich mit dem Leben des größten britischen Drogenschmugglers aller Zeiten beschäftigte: Howard Marks. Eigentlich sollte diese schillernde Gestalt auch bei der Vorführung anwesend sein, musste aber überraschend am morgen abreisen. Ein Zuschauer neben mir raunte: “Der ist bestimmt wieder auf der Flucht”.
Der Film hat mir sehr gut gefallen. Er fängt gut die Atmosphäre im Swinging London der 60er bis in die Gegenwart ein und liefert in der Montage mit zeitgenössischen Originalaufnahmen und einem schönen Soundtrack ein angenehmen Zeitkolorit. Mit Rhys Ifans besitzt die interessante und spannende Geschichte auch einen idealen Hauptdarsteller, der die coole Arroganz und Selbstüberschätzung, aber auch das Verletzliche in Howard Marks zum Vorschein bringt. Einzig am Anfang wirkt Rhys Ifans etwas befremdlich, wenn er den sehr jungen Howard Marks spielt und dabei sein Alter (Ifans ist 42) nicht im Mindesten kaschiert wird. Überhaupt scheint Marks in dem Film nicht zu altern. Möglicherweise eine bewusste Entscheidung von Regisseur Bernard Rose, denn der Film wird ganz aus Marks Perspektive erzählt (und beruht auf seiner Autobiographie) – ist also völlig subjektiv und wir wissen nicht, inwieweit Marks überhaupt ein verlässlicher Erzähler ist. Vielleicht wollte Rose durch diesen Trick andeuten, dass die Geschichte, die er erzählt, vielleicht nur die beschönigenden Erinnerungen des “alten” Howard Marks sind. Wie dem auch sei, ein guter Film mit einem überzeugenden Hauptdarsteller, der über seine zwei Stunden Laufzeit niemals langweilt.

26. Juni ab 18:00 Uhr: Kinosessel aus dem “City” kaufen!

Von , 21. Juni 2011 11:30

Es tut sich was im ehemaligen City Kino. Das Kommunalkino zieht ein und jetzt wird erst einmal aufgeräumt und ausgemistet. Da die Kinosessel aus dem Kinosaal in Walle nun ins City wandern, müssen die dortigen Sessel weichen. Und wer schon immer davon geträumt hat, es sich vor dem Heimkino stilecht im eigenen Kinosessel bequem zu machen oder sich einen solchen als hübsches Accessoire für sein privates Filmmuseum vorstellen kann, der kann am 29. Juni ab 18 Uhr im ehemaligen “City” zuschlagen.

Am Mittwoch, 29.6. ab 18 Uhr können alle Interessierten im City 2 und 3 ihre Stühle abbauen – Werkzeug mitbringen – oder abbauen lassen. Ein Transportservice …gegen geringe Gebühr wird ebenfalls angeboten. Pro Stuhl gehen 25 € bzw.15 € (bei Eigenausbau, bitte Schlitzschraubendreher, 17/19er Maulschlüssel, Knarrenkasten mitbringen) in die Spendenkasse für den Umzug.

Quelle: Kino 46

Zudem läuft im Kino 3 um 18 Uhr ein Kurzfilmprogramm. Die ganze Aktion dauert bis 24 Uhr und bringt hoffentlich etwas dringend benötigtes Geld für die Renovierung des Kinos in die Kassen!

Originalfassungen in Bremen: 16.06.- 22.06.11

Von , 16. Juni 2011 15:32

In der vorletzten Woche am alten Standort, und vor der Sommerpause, sorgt das Kino 46 noch einmal dafür, dass dieser Überblick nicht allzu so kurz wird.

Hangover 2 – Cinemaxx, Do.-Mi., 18:30 Uhr – Fortsetzung des Überraschungserfolges von 2009. Wie man allgemein hört glänzt dieses Sequel nicht unbedingt durch Eigenständigkeit und erzählt quasi die gleiche Geschichte noch einmal -nur in Bangkog, statt Las Vegas.

Sakli Hayatlar – Cinemaxx, Freitag und Mittwoch, jeweils um 23:00 Uhr, Do.-So. auch um 23:00 – Drama um eine türkische Familie, die im Sommer 1980 einem Massaker in der türkischen Provinz entkommen ist und in Istanbul ein neues Leben beginnen möchte. Dort sind sie allerdings mit Diskriminierung und Hass konfrontiert.

Vergiss mein nicht! – Kino 46, Sa., 18.6., 18:00 – Der deutsche Titel mag zwar irgendwie treffend sein, der Originaltitel ist aber so vieles schöner und poetischer: “Eternal Sunshine On A Spotless Mind”. Für mich einer der schönsten Liebesfilme aller Zeiten. Jim Carrey und Kate Winslett spielen wunderbar, Regie führt Michel Gondry, der durch schräge Musikvideos berühmt geworden ist, das Drehbuch schrieb er zusammen mit Charlie Kaufmann, einem der brillantesten und verdrehtesten Drehbuchautoren des modernen Kinos (“Being John Malkovich“, “Adaption“,  “Synecdoche, New York“). Zum Heulen schön.

Sad Vacation – Kino 46, Die., 21.6., 20:30 Uhr – Japanisches Drama um einen Mann, der für die chinesische Mafia Menschen schmuggelt und eines Tages beschließt sein Leben zu ändern. Eintritt frei!

Faces – Kino 46, So., 19.6., 20:30 Uhr – Independent-Klassiker von John Cassavetes. In der Reihe “Mein Film” vorgestellt von Tim Schomaker, Autor und Musiker.

Made in Poland – Kino 46, So. 19.6., 18:00 Uhr – Polnischer Film auf den ich sehr gespannt bin. Je nachdem, wo man darüber ließt wird er mal als Drama, mal als Komödie ausgezeichnet. Der Inhalt klingt allerdings erst einmal gar nicht lustig: Ein junger Mann lässt sich voller Frust die Worte “Fuck Off” auf die Stirn tätowieren und macht sich auf die Suche nach einem Sinn in seinem Leben.

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Sneak Preview – Schauburg, Mo., 20.06., 21:45

Heute in der Schauburg: “Noise and Resistance” mit Gast Julia Ostertag

Von , 16. Juni 2011 10:58

Heute um 19:00 Uhr stellt die Regisseurin Julia Ostertag in der Schauburg ihren Film “Noise and Resistance“, den sie zusammen mit Francesca Araiza Andrade gedreht hat, vor.

“Noise and Resistance” ist eine Dokumentation über die Punkbewegung und ihre Bedeutung heute. Dabei geht es nicht nur um die Musikrichtung, sondern auch und vor allem um das Lebensgefühl und die Einstellung.

Es geht auch anders. Kommerz, Kapital und Konsum sind keine unumstößliche Notwendigkeit unserer Gegenwart. Dass man mit dieser Meinung nicht allein sein muss, zeigen Francesca Araiza Andrade und Julia Ostertag in ihrem wütenden und mitreißenden Dokumentarfilm “Noise and Resistance”. Was manchen nur als Lärm und Störung gilt, machen sie als vitale Artikulation des Widerstands deutlich : Punk ist hier weder Modeerscheinung noch verstaubtes Relikt der Vergangenheit, sondern der lebendige Ausdruck eines Lebensgefühls.

Die beiden Regisseurinnen begeben sich mitten hinein in eine höchstlebendige und pulsierende, eine aufbegehrende und selbstbewusste Szene. Ob Hausbesetzer aus Barcelona, Antifaschisten in Moskau, niederländische Gewerkschaftskämpfer, die Aktivisten des englischen CRASS – Kollektivs, queere Wagenplatzbewohner aus Berlin oder Punkgirl-Bands in Schweden – immer ist die Musik eine kollektive Selbstbehauptung, ein vertontes Nein, dessen Losung “Do it yourself!” zur lautstarken Internationale des 21. Jahrhundert geworden ist.

“Noise and Resistance” ist eine inspirierende Reise durch Europas Utopia der Gegenwart, an subkulturelle Sehnsuchtsorte, wo aus Unabhängigkeit Gemeinschaft entsteht – und der beste Punk-Sound, den man seit Jahren gehört hat.

Quelle: http://www.noise-resistance.de

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Buchrezension: “Bud Spencer – Mein Leben, meine Filme”

Von , 14. Juni 2011 19:52

Sie stürmte sofort an die Spitze der Bestseller-Liste: Die Autobiographie von Bud Spencer. Bei den Signierterminen in Hamburg, Berlin und vor allem in Bremen, kam es zu einem Ansturm der Fans, der dem bei einer Boygroup alle Ehre machen würde. Der Rummel drumherum stimmt also, aber wie es denn nun so das Buch? Ich habe die Biographie jetzt durchgelesen, aber ich bin nicht so wirklich begeistert.

Man kann das Buch zwar ganz gute und schnelle Unterhaltung, aber Buddy (bzw. seine beiden Mitstreiter Lorenzo de Luca und David de Filippi) hält sich bei seiner Lebensgeschichte doch sehr mit tiefer gehenden Informationen zurück. Zum Beispiel wird seine Tätigkeit als Musikproduzent nur mal so am Rande erwähnt. Etwas, was mich sehr wundert.

Beschäftigt man sich mit Bud Spencers Leben, so bietet es reichhaltigen Stoff für einen dicken Wälzer. Ein dicker Wälzer ist die Autobiographie aber wahrlich nicht geworden. Die vielen, sehr unterschiedlichen, Stationen seines Lebenslaufs werden gerade mal angerissen und wenn Buddy dabei Anekdoten aus diesem spannenden Leben erzählt, so wirken sie irgendwie unrund und.. ja… auch uninteressant. So, als ob ihm jetzt unbedingt noch war lustiges oder tief schürfendes zu einem Thema einfallen müsse. Das wirkt dann manchmal etwas sehr verkrampft und “gewollt”.

Auch sein Understatement, was seine schauspielerischen Fähigkeiten angeht, kommt zwar anfangs noch sehr sympathisch rüber, aber wenn er es dann zum x-ten wiederholt, merkt man schon, dass er damit halt SEHR gerne kokettiert. Auch über Dreharbeiten und Kollegen erfährt man so gut wie nichts. Okay, dass Lee Van Cleef ein alkoholkranker Unsympath war, das z.B. schon. Aber wie so viele andere Geschichten, bietet diese kurze Anekdote Buddy vor allem die Möglichkeit, sich als der gutmütiger, schlitzohriger Kerl in Szene zu setzten. Grundsätzlich stößt mir das etwas auf. Alles, was er erzählt, dient letzten Endes dazu, ihn in einem Licht dastehen zu lassen, welches dem Bild, das seine Fans zu ihm haben, ziemlich genau entspricht.

Klar gibt es auch leichte Selbstkritik, aber diese bezieht sich fast ausschließlich auf sein jüngeres Ich (welches er in einem, wie ich finde, etwas verunglückten Pro- und Epilog trifft), das er als arrogant und selbstverliebt beschreibt. Oder eben – wie schon erwähnt – auf seine mangelnden schauspielerischen Fähigkeiten. Schade, es wäre weitaus mehr drin gewesen, insbesondere bei so einem abwechslungsreichen und ungewöhnlichen Leben. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann noch eine Biographie, die nicht nur an der Oberfläche kratzt und vor allem von einem Autoren verfasst wurde, der weniger subjektiv an die Sache rangeht. Kurz und gut: Die Autobiographie ließt sich zwar so weg, aber wirklich erhellend ist sie nicht.

Illegale Streaming-Seite “kino.to” gesperrt – Betreiber festgenommen

Von , 9. Juni 2011 21:35

kino.to  kannte ich bisher nur von Kollegen, die mir immer wieder erzählten, dass sie darüber die neusten Kinofilme geschaut hätten. Ich selber habe die Seite mangels Interesse nie angesurft. Ich finde, Filme gehören ins Kino und wenn ich die Chance habe einen Film, der mich interessiert, auf der großen Leinwand zu sehen, dann ergreife ich sie. DVDs und BluRays sind da nur Ersatzbefriedigungen.

Aber wahrscheinlich bin ich da hoffnungslos altmodisch, denn laut der Website GamersGlobal hatte kino.to zuletzt um die 4.000.000 Besucher täglich (andere Quellen sprechen allerdings eher von Hundetausenden) und gehörte damit zu den meistbesuchten Internet-Seiten überhaupt.  Das sind eine Menge Fans, die heute Abend auch zurück schlugen und die Website der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die selbst gegen die kino.to-Betreiber ermittelt und schließlich Strafantrag gestellt hatte, blockierten.

Gegen kino.to wird wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmäßigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen ermittelt. Die Polizei durchsuchte 42 Wohnungen, Büros und Rechenzentren in 20 Orten, darunter Zwickau, Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt am Main, Nürnberg und München sowie in Frankreich und Spanien. 13 Personen wurden bisher festgenommenen.

Wer sich im Netz über kino.to umsonst die neusten Filme angeschaut hat, muss aber bisher noch nichts befürchten. Die Frage, ob sich auch die Nutzer von kino.to strafbar gemacht haben, ist laut Staatsanwaltschaft erst einmal zurückgestellt worden. Denn bislang gibt es noch kein Urteil zur Nutzung von urheberrechtlich geschützten Streaming-Inhalten.

Natürlich sind die Betreiber von kino.to keine Filmliebhaber, die ein Kulturgut unter die Leute bringen wollen (wie z.B. die Leute hinter dem nicht-kommerziellen UBUWEB-Projekt, welches sich ja auch in einer Grauzone befindet). Hier geht es um knallharte Geschäfte. Die Betreiber erzielten ihre Einnahmen aus Internet-Werbung für Glücksspiele und Pornographie, die auf ihrer Seite geschaltet war. Sowohl der Schaden für die Filmwirtschaft als auch die Gewinne der Hauptbeschuldigten werden auf siebenstellige Euro-Beträge geschätzt.

Wie gesagt, für mich war kino.to nie ein Thema und ich kann nicht sagen, dass ich traurig wäre, dass diese Seite aus dem Netz verschwindet. Denn nur mit dem Geld aus der Kinoauswertung und den DVD/BluRay-Verkäufen können kleinere, unabhängige Produktionen überhaupt überleben. Und wenn es die dann irgendwann nicht mehr gibt, weil es sich finanziell einfach nicht mehr lohnt, dann wird nur der großbudgetierte Mainstream-Schrott übrig bleiben, der sich über Merchandising & Co. finanziert.

Allein, es ist eh nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn wie man aus ähnlich gelagerten Fällen weiß – es wird nicht lange dauern (eher Minuten als Stunden) und ein Nachfolger ist im Netz.

Hier noch zwei weiterführende Artikel zum Thema, die auch das System hinter kino.to näher beleuchten:

http://netzfeuilleton.de/2011/06/kino-to-ist-noch-nicht-zu-ende-interview-mit-einem-uploader/

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,767560,00.html

Originalfassungen in Bremen: 09.06.- 15.06.11

Von , 9. Juni 2011 20:47

Und wieder einmal haben Beruf und andere Aktivitäten meine letzten Zeitressourcen aufgefressen, so dass ich in der letzten Woche keine Zeit hatte, über die Originalfassungen in Bremer Kinos zu berichten. Besserung kann ich leider nicht geloben, aber ich tue mein Bestes. Hier nun der Überblick über die  aktuelle Woche. Viel ist es wieder nicht, aber Comicfans kommen auf ihre Kosten und das Kommunalkino zeigt einen der schönsten Liebesfilme aller Zeiten.

X-Men: Erste Entscheidung – Cinemaxx, Do und Sa.-Die, immer um 19:45 Uhr – die Ursprünge der X-Men. Noch sind Professor X und Magneto Freunde, doch schon bald zeigt sich, dass sie vollkommen unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie die Mutanten sich gegenüber den “Normalen” verhalten sollen. Nach dem durchwachsenen, Effekt-überladenen dritten Teil und dem allgemein verrissenen Spin-Off “Wolverine” ist nun wieder Bryan Singer an Bord (wenn auch nur als Produzent) und dieses Prequel bekommt wieder sehr gute Kritiken. Regie führt Matthew Vaughn, der schon mit “Layer Cake” (Daniel Craigs Empfehlungskarte für die Bond-Rolle) und vor allem “Kick-Ass” für Furore sorgte.

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Sakli Hayatlar – Cinemaxx, Do.-Mi. jeweils um 20:00 Uhr, Do.-So. auch um 23:00 – Drama um eine türkische Familie, die im Sommer 1980 einem Massaker in der türkischen Provinz entkommen ist und in Istanbul ein neues Leben beginnen möchte. Dort sind sie allerdings mit Diskriminierung und Hass konfrontiert.

To die like a man – Kino 46, Fr., Sa. und Mi. um 20:30, So. um 18:00 – Portugiesisches Drama um einen homosexuellen Travestie-Star, der am Ende seiner langen Karriere versucht seine männliche Existenz auszulöschen und eine Bilanz seines Lebens zieht.

Vergiss mein nicht! – Kino 46, Do., So., Die um 20:30, Sa. um 18:00 – Der deutsche Titel mag zwar irgendwie treffend sein, der Originaltitel ist aber so vieles schöner und poetischer: “Eternal Sunshine On A Spotless Mind”. Für mich einer der schönsten Liebesfilme aller Zeiten. Jim Carrey und Kate Winslett spielen wunderbar, Regie führt Michel Gondry, der durch schräge Musikvideos berühmt geworden ist, das Drehbuch schrieb er zusammen mit Charlie Kaufmann, einem der brillantesten und verdrehtesten Drehbuchautoren des modernen Kinos (“Being John Malkovich“, “Adaption“,  “Synecdoche, New York“). Zum Heulen schön.

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Sneak Preview – Schauburg, Mo., 13.06., 21:45

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