Das Bloggen der Anderen (11-04-16)

bartonfink_type2– So langsam sollte ich der Wahrheit ins Gesicht schauen, auch wenn sie noch so bitter ist. Solange die Kinder noch klein sind, werde ich es nie zum Terza Visione nach Nürnberg schaffen, auch wenn das Herz noch so brennt. Immerhin kann ich mich an den ausführlichen Berichten derer laben, die auch beim dritten Mal dabei waren. Mauritia Mayer von Schattenlichter, Alex Klotz von hypnosemaschinen und natürlich wieder besonders ausführlich Oliver Nöding von Remember It For Later. Der nicht nur die Filme „Fango Bollente“, „Cristiana Monaca Indemoniata“, „Acid – Delirio dei Sensi“ und „Danza Macabra“ vorstellt, sondern in seiner Besprechung zu „New York Ripper“ auch noch den Machern ein kleines Denkmal setzt. Da ich selber weiß, wieviel Mühe allein die Organisation eines solchen Events kostet, ist deren Einsatz, der auch die Restauration der 35mm-Rollen mit einschließt, gar nicht genug zu würdigen und es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass dies unter dem Punkt „Ehrenamt“ läuft. Und noch was – wenn mal wieder eine 35mm-Kopie des „“Rippers“ gesucht wird… einfach mal eine PN. Ich wüsste zumindest, wo hier in Bremen eine liegt.

– Udo Rotenberg schreibt auf seinem Blog Grün ist die Heide über den mir bisher völlig unbekannten, aber sich interessant anhörenden Gerne-Mix „Banditen der Autobahn“ von Géza von Cziffra.

– Patrick Holzapfel hat für sich die Filme entdeckt, bei denen der Schauspieler Gérard Blain Regie führte. Seine Eindrücke schildert er in einem englischsprachigen Text auf Jugend ohne Film.

– Stand bei Duoscope letzte Woche noch John Goodman im Mittelpunkt, wird sich in dieser Woche sehr ausführlich mit Gregory Peck auseinander gesetzt.

– Unter dem etwas sperrigen Titel „Der Zuschauer als Patient – Der zukünftige Einfluss von Biometrie und Neurologie auf das Kino“ hat Lucas Barwenczik auf B-Roll einen hochspannenden Artikel darüber veröffentlicht, wie Hollywood mithelfe von Biometrie und Neurologie seine Filme optimiert. Andreas Köhnemann fragt sich anlässlich des 40. Jahrestages von Lumets „Hundstage“, wo im zeitgenössischem Kino die wahren Maniacs geblieben sind. Christopher Diekhaus meint, dass das Nazi-Kino nicht totzukriegen ist und belegt dies anhand einiger aktueller Beispiele. Sonja Hartl wiederum beginnt eine sehr lesenswerte Serie über den Film Noir und beschäftigt sich zunächst mit dessen Ursprüngen und Vorläufern.

– Mit dem Film Noir beschäftigt sich auch Ansgar Skulme auf Die Nacht der lebenden Texte, wo er eine Serie über Robert Sidomak begonnen hat, in deren zweiten Teil er kritisch auf dessen Thriller „Gewagtes Alibi“ eingeht.

– In Deutschland gibt es nur einen Häuptling der Apachen: Pierre Brice als Winnetou. Und nur einen Old Shatterhand: Lex Barker. Weniger wissen, dass Lex Barker selber mal den Häuptling der Apachen gespielt hat, nämlich in Reginald le Borgs gleichnamigen Film. Sebastian hat den Film gesehen und auf Nischenkino besprochen.

Funxton schaut zurzeit einige Kriegsfilme. Zwei haben seine ganz besondere Aufmerksamkeit bekommen: Edward Dmytryks italienische Produktion „Schlacht um Anzio“ und Don Siegels „Die ins Gras beißen“ mit dem jungen Steve McQueen.

– Double Feature auch bei Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen, der sich sowohl Tourneurs „Katzenmenschen“ als auch Paul Schraders Remake von 1982 mit der Kinski angesehen hat. Zwar geht Schlombie mit der Schrader Version härter ins Gericht (hier würde ich an vielen Stellen widersprechen wollen. Ganz besonders was die Bewertung von Bowies „Putting Out the Fire With Gasoline“ als einen der schwächsten Songs des Meisters angeht!), beide Versionen bekommen von ihm aber ein „sehenswert“. Tolles neues Design der Seite übrigens. Gefällt mir sehr gut!

– Philipp Baumgartner äußert sich auf Daumenkino sehr positiv über Nicolette Krebitz‘ „Wild“.

Der Kinogänger hat „Neues aus Hollywood“.

– Alex hat auf real virtuality wieder Real Virtualinks.

– Und gleich geht es ins Kino! Guy Maddin gehört eh zu meinen Helden, die Nachricht, dass sein neuer Film „The Forbidden Room“ hier in Bremen im Kommunalkino läuft, lässt mein Herz schneller schlagen und Oliver Armknechts Besprechung auf film-rezenionen.de hat mich noch mal kräftig angefixt.

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Filmbuch-Rezension: “ Werner Herzog – An den Grenzen“

Bertz+Fischer_Werner_HerzogWährend Werner Herzog in den USA einen fast schon mythischen Status besitzt, wird er in Deutschland leider größtenteils noch immer auf seine legendäre Zusammenarbeit mit Klaus Kinski reduziert. Daher erfreut sich auch aus seinem späteren Werk hierzulande gerade mal der Kinski-Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“ einer größeren Popularität. Dabei sind insbesondere Herzogs Dokumentarfilme, die in den letzten beiden Jahrzehnten vornehmlich in den USA entstanden, hochinteressant. Und auch die in Herzogs Heimatland gerade mal auf DVD veröffentlichten Spielfilme müssen sich nicht hinter den Werken aus den 70ern und 80ern verstecken. Stichwort „verstecken“. Herzogs in den Staaten gefeierter Dokumentarfilm „Tod in Texas“ wurde bisher nur einmal in Deutschland gezeigt, versteckt im Nachtprogramm des ZDF. Noch schlechter erging es der daran anschließenden TV-Reihe „Death Row“, die 2014 im ZDFInfo-Kanal lief. Beide Werke stehen im Zentrum des bei Bertz + Fischer erschiene Buches „An den Grenzen“, welches sich mit Herzogs, hier wie gesagt leider unbekannteren, Spätwerk beschäftigt. Eine wichtige, überfällige Veröffentlichung, die hoffentlich hilft, auch in unserem Land das spannende Werk Herzogs jenseits seiner Filme mit Klaus Kinski, endlich in den Fokus zu rücken.

Wie die Herausgeber Kristina Jaspers und Rüdiger Zill im Vorwort ausführen, entstand der Grundstock der Beiträge anlässlich eines Symposiums, welches die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen und das Einstein Forum am 26. Oktober 2012 gemeinsam veranstalteten. Der erste Beitrag „Der Zirkelschluss als einzig mögliche Form der Existenz“ von Chris Wahl befasst sich mit Herzogs Suche nach „unverbrauchten“ und verborgenen Bildern, sowie seinen Strategien, an diese zu gelangen. Die erste Strategie ist laut Wahl das Motiv der Kreisbewegung, die zweite die Einbindung von „Found Footage“ und die Einpassung von diesem in seine eigenen Erzählungen. Kristina Jaspers beschäftigt sich in „Poesie und Pathos“ damit, wie Herzog seine Stimme und Musik in seinen Filmen einsetzt.

In dem spannenden Abschnitt „Razzle Dazzle“ analysiert Esther Buss am Beispiel der Filme „The Bad Lieutenant: Port of Call“ und „My Son, My Son, What Have Ye Done“, wie Herzog Erwartungen unterläuft, den Zuschauer täuscht und damit zwei fremde Drehbücher zu einem Herzog-Film umbiegt. Passend zu den teilweise bizarren Tieraufnahmen in vorgenannten Filmen, folgt darauf „Herzogs Zoo“ von Sabine Nessel, wo es – wie der Name schon sagt – um Tierdarstellungen in den neueren Dokumentarfilmen von Werner Herzog geht.

„To Explore the Procedure of Human Vision“ von Rüdiger Zill befasst sich eingehend mit Herzogs Film „Die Höhe der vergessenen Träume“ und geht unter anderem der Frage nach, ob und wo Herzog etwas fingiert hat und was seine Beweggründe waren. Valérie Carrés sehr interessantes und informatives Kapitel „Jeder Mensch ist ein Abgrund“ beschäftigt sich mit Herzogs Dokumentarfilmen über die Todesstrafe in den USA. Umso bedauerlicher, dass gerade diese aktuellen Werke bislang noch so schwer zugänglich sind (siehe meine einleitenden Worte oben).

„Von einem, der auszog, uns fremd zu bleiben“ von Bernd Kiefer handelt von den neueren Images Herzogs und hat eine recht desillusionierende Wirkung, da Kiefer das Bild, welches man von Herzog hat, als sehr kalkulierte Rolle entlarvt. Dieses Bild ist nach Kiefer nur eine immer wieder wechselnde Maske, die Herzog kunstvoll formt und die er nutzt, um sich selbst als Marke zu etablieren, und einen Mythos um seine Person zu schaffen. Welche er darüber hinaus aber auch nutzt, um den echten Werner Herzog vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Geht man mit Kiefers Argumenten mit, dann dekonstruiert er ziemlich gründlich das Bild, welches man sich von Herzog gemacht hat (bzw. dem man laut Kiefer aufgesessen ist).

Einem ganz anderen Bereich wendet sich „Kunst als Kunstvermittlung“ von Daniel Kothenschulte zu. Hier geht es ausschließlich um eine Video-Installation, die Herzog am 1. März 2012 im Rahmen der Whitney-Biennale im gleichnamigen New Yorker Museum ausstellte. Sie trug den Titel „Hearsay of the Soul“ und verband Gemälde des niederländischen Landschaftsmalers Hercules Segers (1590-1638) mit der Musik von Ernst Reijseger, der einige von Herzogs Filmen vertont hatte.

Klara Hobzas Beitrag „Der Welt aus dem Bild heraus begegnen“ hatte ich zuvor als „Lückenfüller“ abgetan. Handelt es sich hier doch um die Aufzeichnungen der Künstlerin Hobza, die in einem Herzog-ähnlichen Projekt Europa durchtauchen will. Tatsächlich entpuppt sich ihr Beitrag aber als Höhepunkt dieses Bandes, da sie mit sehr viel Elan und Enthusiasmus von ihrer Teilnahme an Werner Herzogs Rouge Film School berichtete. Ein Enthusiasmus, der sich auf den Leser überträgt und somit ein sehr schönes, lebendiges und positives Gegengewicht zu Bernd Kiefers eher düsteres Herzog-Portrait bildet. Ein „Lückenfüller“ ist eher Christoph Hochhäuslers Beitrag „Am eigenen Schopf“, der zwar wunderschön geschrieben ist, aber gerade mal eine einzige Seite umfasst.

Ergiebiger ist da die sehr persönliche Laudatio „Die Grenzen des Menschseins überschreiten“ von Edgar Reitz, die dieser anlässlich der Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der Landeshauptstadt München an Werner Herzog am 20. Januar 2015 hielt. Reitz fasst hier noch einmal Herzogs Werdegang, seine Filme, Methoden und Überzeugungen zusammen und reichert diese durch viele persönliche Anmerkungen und Anekdoten an. Einer der schönsten Texte dieses Buches.

Abgerundet wird „An den Grenzen“ durch einige Texte Herzogs, die dem Leser seine Sicht auf das Filmemachen deutlich machen. Dies wären „Die Minnesota Erklärung“ in der Herzog in 10 knappen Punkten formuliert, worum es bei seiner Art des Dokumentarfilms geht. Weiter führt Herzog dies dann in dem längeren Vortrag „Vom Absoluten, dem Erhabenen und ekstatischer Wahrheit“ aus, den er 2009 in Mailand hielt und der für das Verstehen von Herzogs Sicht essentiell ist. In „Schwanger gehen mit ganzen Provinzen“ schrieb Herzog bereits 1983 in der Süddeutschen Zeitung über den über den Landschaftsmaler Hercules Seger, dem er dann 2012 ins Zentrum seiner Video-Installation im Whitney-Museum, New York gestellte. Dem folgt „Hörensagen der Seele“, ein Text aus dem Katalog eben jener Ausstellung. Nach den 12 Regeln seiner „Rouge Film School“, schließt das Buch mit einem ausführlichen Publikumsgespräch ab, welches Herzog anlässlich der Aufführung zweier Folgen seiner TV-Doku-Serie „On Death Row“ im Oktober 1012 im Berliner Arsenal Kino führte.

Insgesamt ist „An den Grenzen“ ein gewohnt gutes Buch aus dem Hause Bertz + Fischer geworden, welches viele unterschiedliche Aspekte aus Herzogs leider noch viel zu unbekannten, neueren Schaffen beleuchtet. Besonders schön sind dabei auch die spannenden Gegenpole, die durch die Artikel von Bernd Kiefer und Klara Hobza vertreten werden. Natürlich kann man bemängeln, dass viele interessante Arbeiten Herzogs hier unerwähnt bleiben. Aber es ist ja auch nicht Anspruch des Buches, jeden noch so kleinen Winkel zu durchstöbern, sondern ein möglichst breites Spektrum abzubilden. Insgesamt eine lohnende Lektüre.

Kristina Jaspers / Rüdiger Zill (Hg.) Werner HerzogAn den Grenzen, Bertz+Fischer, 208 Seiten, € 17,90

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DVD-Rezension: „The Returned“

returnedOhne Vorwarnung oder Erklärung kehren die Toten plötzlich ins Leben zurück. Sie wollen ihren alten Platz in der Gesellschaft wieder einnehmen, doch die Lebenden wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen. Manche nehmen ihre Verstorben mit offenen Armen auf, anderen reagieren mit offener Feindseligkeit. Ihnen gemein ist die Verwirrung, diejenigen, um die sie getrauert haben, plötzlich wieder vor sich zu sehen. Unter denjenigen, die zurückkehrten ist die Frau des Bürgermeisters (Catherine Samie), der 6-jährige Sylvain (Saady Delas), der von seinen Eltern Isham (Djemel Barek) and Véronique (Marie Matheron) wieder aufgenommen wird und Mathieu (Jonathan Zaccaï), dessen Frau Rachel (Géraldine Pailhas) damit hadert, ihn wiederzusehen…

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The Returned“ besitzt eine der schönsten, unheimlichsten und lyrischsten Anfänge der letzten Jahre. Durch das Tor des lokalen Friedhofs strömen Hunderte von Menschen. Desorientiert, neugierig, überrascht – aber scheinbar mit einem festen Ziel. Nichts wird erklärt, der Zuschauer wird mitten ins Geschehen hineingeworfen. Doch man ahnt sofort, was diese merkwürdige Szene bedeutet. Die Toten sind auf die Erde zurückgekehrt. Was nun der Auftakt zu einem action- und blutreichen Zombie-Slasher sein könnte, entpuppt sich als exaktes Gegenteil. Obwohl „The Returned“ gerne dem Zombie-Subgenre zugerechnet wird, führt diese engstirnige Kategorisierung doch in die Irre. Ja, „The Returned“ ist ein Wiedergänger-Film, doch mehr dem Geisterfilm, denn dem Zombiefilm nahe. Oder doch wieder nicht? Es ist der große Verdienst des Regisseurs Robin Campillo und seiner Co-Drehbuchautorin Brigitte Tijou sich jeder einfachen Schublade zu entziehen und etwas Neues zu erschaffen. Eine Allegorie, die gerade in Zeiten, in denen sich manche vom „Fremdartigen überschwemmt und bedroht“ fühlen, hochaktuell ist.

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Die spannende Prämisse des Filmes, dass die Toten plötzlich auf die Erde zurückkehren und ganz selbstverständlich ihren alten Platz in der Gesellschaft zurück beanspruchen, führt zu interessanten Gedankenspielen und Szenarien, die weit über die 100 Minuten hinausgehen, die „The Returned“ dauert. Dass aus dem Film in Frankreich ein paar Jahre später eine TV-Serie entstand und diese wiederum in den USA ein Remake erfuhr (wie ich erfuhr – Danke an Paul – , wurde das gleiche Konzept bereits 2007 und und dann noch einmal 2014 für den Pilotfilm einer dann doch nicht realisierten TV-Serie namens „Babylon Fields“ verwendet), zeigt nicht nur wie faszinierend die in „The Returned“ aufgeworfenen Gedanken sind, sondern dass das Thema auch eine universelle Relevanz hat. Das Leben geht weiter und schließt die Lücken, die der Tod eines nahestehenden Menschen, eines Kollegen oder eines Freundes hinterlassen hat. Die Zeit heilt alle Wunden. Doch was, wenn die Grund für die Lücke plötzlich wieder da ist? Dann gibt es zwei Szenarien, die Campillo in ihrem Film auch beide durchspielen. Die Lücke wird schmerzhaft wieder aufgerissen oder es gelingt dem Rückkehrer nicht, seine alte Lücke zu finden, da die Wunde mittlerweile verheilt ist, neue Menschen in das Leben seiner Liebsten getreten sind oder sein Job an einen anderen weitergeben wurde.

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Hier erschüttert gerade das Schicksal einer Familie, die sich unter großen Schmerzen von ihrem tragisch verstorben, acht-jährigen Sohn verabschiedet hat. Der es irgendwie gelungen ist, ein Leben ohne das geliebte Kind zu führen. Nun ist er wieder zurück und weder Vater, noch Mutter können mit dieser Situation umgehen. Während der Vater anfängt, sich an das Kind zu klammern und es nie wieder loszulassen, erkennt die Mutter unter Tränen, dass der Junge, der zurückgekommen ist, nicht mehr der ist, der ihnen einst genommen wurde. Sie entfernt sich wieder von ihm, was den ursprünglichen Verlust nur noch schmerzlicher macht. Der Konflikt dieser Familie und die tragische Konsequenz rührt zu Tränen. Mehr noch als das Schicksal der Hauptdarstellerin, die sich daran gewöhnen muss, dass ihr Ehemann wieder da ist und sie nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. All diese verschiedenen Geschichten hat Robin Campillo warm und nachvollziehbar inszeniert, und er konfrontieren den Zuschauer mit der Frage, ob man wirklich jemanden als Person liebt – oder nur die schönen Erinnerungen, die mit ihm assoziiert sind.

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Und natürlich weckt der Strom der Toten, der sich durch die Straßen ergießt, Assoziationen an die aktuelle Flüchtlingskrise. Insbesondere, wenn behelfsmäßige Unterkünfte in Turnhallen eingerichtet werden, stundenlange Debatten geführt werden und das Misstrauen gegenüber den Anderen steigt. Der Staat weiß nicht wie er der Situation Herr werden soll und verlegt sich zunächst auf die Überwachung der Bevölkerung, um am Ende dann zu drastischeren Maßnahmen zu greifen. „The Returned“ bietet auch keine einfache Lösung an, sondern lässt vieles im Vagen und fordert den Zuschauer auf, das Geschehen für sich einzuordnen. „The Returned“ ist der Impuls, der im Kopf seines Publikums eine größere Geschichte ins Rollen bringt und ihn zwingt sich manchmal schmerzhafte Fragen zu stellen. Kein Wunder also, dass man einige Jahre später auf die Idee kam, die Welt von „The Returned“ zum TV-Serien-Format zu erweitern.

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„The Returned“ ist eine intelligente und emotionale Variante des Wiedergänger-Films. Seine Grundidee der Rückkehrer aus dem Grab, die ihren alten Platz in der Gesellschaft einnehmen wollen und die Reaktion eben dieser Gesellschaft, regen zu den unterschiedlichsten philosophischen Gedankenspielen darüber an, was der Sinn von Leben und Tod ist.

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Die DVD von Koch Media punktet mit einem ausgezeichnetem Bild und einem sauberen Ton. Die deutsche Synchronisation klingt leider recht preisgünstig. Hier ist das französische Original mit seiner lebendigeren Sprache definitiv vorzuziehen. Allerdings gibt es für den nicht französischsprachigen Filmfreund hier ein dickes Manko. Die deutschen Untertitel bleiben nach knapp einer Stunde „hängen“. D.h. Bei jedem Dialog wird der immer gleiche deutsche Satz in den Untertiteln eingeblendet. Hier hat jemand nicht aufgepasst und man ist ohne sehr gute Französischkenntnisse gezwungen auf die deutsche Synchronfassung auszuweichen. Sehr ärgerlich. Ärgerlich ist auch das Bonusmaterial, denn bis auf einen Trailer ist hier absolut nichts zu finden.

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“Weird Xperience”: Freitag 08.04. im Lagerhaus/etage3 – TURBO KID

Nach dem sensationell erfolgreichen „Der Bunker“ im letzten Monat, gibt es in der von Stefan und mir seit einigen Jahren betreuten Reihe WEIRD XPERIENCE noch einmal eine Bremen-Premiere. Am Freitag, den 08. April, wie immer um 20:30 Uhr (Einlass: 20:00 Uhr), zeigen wir in der etage3/Lagerhaus die Mad-Max-und-Co-Hommage „Turbo Kid“.

Wir schreiben das Jahr 1997, die Apokalypse fand schon längst statt. „The Kid“ (Munro Chambers) schlägt sich als Plünderer durch, ist Einzelgänger und vor allem Comicfan. Als er ein geheimnisvolles Mädchen trifft, ist es vorbei mit seinem Einzelgängerleben. Er findet ein Superheldenkostüm und kämpft mit ihr an seiner Seite gegen den Wasteland-Diktator, der mit allen Mitteln die Macht über alles Wasser bekommen will.

Kommt einen bekannt vor? Ja, die kanadischen Regisseure François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell ließen sich für ihr Spielfilm-Debüt vom 80er-Jahre- Endzeit-Film inspirieren. Nicht nur in seiner Deluxe-Ausführung a la MAD MAX, sondern auch und gerade von den Filmen aus der zweiten Reihe, gerne aus Italien, die uns damals meist in Form einer VHS-Kassette erreichten.

„Turbo Kid“ wurde mit Hingabe und Detailreichtum gefilmt und inszeniert. Da wird auf alles geachtet: Inhalt, Musik, Ausstattung, Kamera. Und der Film hat mit Michael Ironside („Scanners“, „Starship Troopers“) auch einen kongenialen oberbösen Wüstenlord.

Wir freuen uns, Euch diese wahnwitzige Splatter-Trash-Komödie zu zeigen.
Oder wie schrieb critic.de: „Wenn Nostalgie aufhört, nur Pastiche zu sein, und in purer Liebe aufgeht.“

Die letzten Worte gehören aber André Becker von Das Manifest: „Ein toller, bombastisch unterhaltsamer Film, der aus jeder Pore das Herzblut aller Beteiligten atmet. Ein waschechter Crowd pleaser der nicht nur dazu einlädt, sondern der es auch zu 100% verdient hat ausgiebig gefeiert zu werden.“

In diesem Sinne: Welcome to the Wasteland!

Marco & Stefan

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=AFlZ6pVtnv0[/youtube]

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Das Bloggen der Anderen (04-04-16)

bartonfink_type2– Ich hasse diese Woche im Jahr, wenn alle zum 1. April versuchen witzig zu sein – was nur ausgesprochen selten gelingt. Ich hoffe mal, dass mir bei meiner wöchentlichen Auflistung keine April-Scherze untergekommen sind, obwohl am 1. April viel gepostet wurde. Beispielsweise von Alex Matzkeit, der auf real virtuality anlässlich des Superman/Batman-Films der Frage nachgeht „warum wir Helden gegeneinander antreten lassen“. Real Virtualinks gibt es natürlich auch.

– Nochmal Alexander Matzkeit. Auf B-Roll schreibt er darüber, wie uns das Kino auf Virtual Reality vorbereitet. Rochus Wolff hat einen sehr aufschlussreichen Artikel über Heldinnen und verlorene Mutterfiguren geschrieben. Und Harald Mühlbeyer rezensiert das Buch „Der Filmemacher Christoph Schlingensief“ von Georg Seeßlen.

– Passend zu den verlorenen Mutterfiguren: funxton über die Disney-Klassiker „Bambi“ und „Schneewitchen“.

– Patrick Holzapfel hat auf Jugend ohne Film einen sehr privaten Text darüber veröffentlicht, wie wichtig Bilder in Filmen sind, die wir nie zu sehen bekommen, an die wir uns aber trotzdem erinnern.

– Jamal-Tuschik-Double-Feature auf Hard Sensations. Jamal hat sich die beiden aktuellen Kinofilme “Mein Ein, mein Alles“ und „Eddie The Eagle – Alles ist möglich“ vorgenommen und mit sehr persönlichen Anmerkungen versehen.

– Von „Zimmer mit Aussicht“ war gabelinger einmal sehr begeistert. Wie das Wiedersehen nach vielen Jahren ausfiel, verrät er auf Hauptsache (Stumm)Film.

Douscope hat eine sehr schöne lange Biographie (eigentlich mehr eine Liebeserklärung) von John Goodman veröffentlicht. Lesenenswert!

– Wenn Sebastian auf Nischenkino den Lieblingsfilm meines lieben Vaters bespricht, ist es meine Pflicht, darauf hinzuweisen: „Valdez Is Coming!“.

Sennhausers Filmblog stellt den Schweizer Film „Aloys“ von Tobias Nölle vor, der sehr vielversprechend klingt.

– Ansgar Skulme beginnt auf Die Nacht der lebenden Texte eine Reihe, die sich intensiv mit dem Werk des Film-noir-Spezialisten Robert Sidomak beschäftigt.

– Als Vorgeschmack auf die Terza Visione 3, die letzte Woche in Nürnberg stattfand, bespricht Udo Rotenberg auf L’amore in città den Film „ Eine freie Frau“ von Vittorio Cottafavi.

– Oliver Nöding hat sich auf Remember It For Later filmisch nach Japan begeben. Unter anderem sah er „Branded To Kill“, ein Film, der für mich ganz besondere Bedeutung hat, da ich ihn einmal im Nachtprogramm eines unserer dritten Programme erwischt und er mich so stark beeindruckt hat, dass nach einer Zeit der Desorientierung (Was war das?) Bilderfetzen noch viele, viele Jahre durch mein Hirn spukten. Witzigerweise habe ich mir die tolle REM-Bluray auch erst vorletzte Woche angeschaut und war wieder hin und weg. Desweiteren bespricht Oliver „Horrors of Malformed Men“,Kôji Wakamatsus düsteren „Go Go Scond Time Virgin!“ und den Klassiker “Jigoku”.

– Japan 2: Der fantastische Kiyoshi Kurosawa hat mit „Journey to the Shore“ einen neuen Film am Start und Michael Schleeh von Schneeland hat ihn besprochen.

– Japan 3: Auch enfant terrible Sion Sono ist wieder da und hat mit „The Whispering Star“ ein „elegische Science-Fiction-Gedicht“ an den Start gebracht, wie Frank Schmidke von cinetastic weiß.

– Japan 4: Schlombie von Schlombies Filmbesprechungen hat sich über Ishirô Hondas „Varan – Das Monster aus der Urzeit“ amüsiert.

– Lukas Foerster hat auf Dirty Laundry über den Mary-Pickford-Film „Stella Maris“ von Marshall Neilan und dazu passend das Büchlein“Mary Pickfords Locken“ von Stefan Ripplinger geschrieben.

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Das Bloggen der Anderen (29-03-16)

bartonfink_type2– Es gibt immer einige Filmblogs, die einem von Grund auf sympathisch sind, und bei denen man es aufrichtig bedauert, wenn man sie nicht verlinkt, weil die Beiträge gerade nicht ins Konzept passen. Umso mehr freut es mich, diesmal einen Text von Tonight Is Gonna Be a Large One zu empfehlen, der sich zwar nicht direkt mit Film, dafür aber mit dem Bloggen an sich beschäftigt und der immer wiederkehrenden Frage: Lohnt sich das alles noch? Vieles von dem, was bullion da schreibt, könnte ich so unterschreiben.

– Unter dem Titel „Cinema Moralia“ bloggt Rüdiger Suchsland auf Out Takes über alle möglichen Themen. Auch sein aktueller Eintrag ist eine lose Sammlung von Gedanken und kritischen Anmerkungen.

– Udo Rotenberg berichtet auf Grün ist die Heide von einem fast schon „verschwiegenen“ Film, der nach seinem Kinostart 1971 in der Versenkung verschwand und niemals – bis auf Italien – irgendwo auf VHS, geschweige denn DVD veröffentlicht wurde: Das Drama „Die Spalte“ von Gustav Ehmck. Udo schreibt: „Gewalt, Ausbeutung und Prostitution sind in „Die Spalte“ kein Spiel zwischen Männer-Fantasie und moralischer Entrüstung, sondern erbarmungslose Realität.“

– Um Prostitution geht es auch in „Top Girl oder la déformation professionelle“. Oliver Armknecht von film-rezensionen.de kann das nüchterne Portrait des Alltags einer Prostituierten allerdings nicht so recht überzeugen. Weitaus mehr hat ihn „The Tribe“ mitgerissen, eine „in Kombination mit dem zugleich hässlichen und kunstvollen Äußeren (…) neuartige und faszinierende, zugleich auch anstrengende Filmerfahrung, die einen danach nicht wieder loslässt“. Bei seiner Rezension der deutsche Found-Footage (*gähn*) Produktion „Seekers“ merkt man dann deutlich, das er den Film gerne besser gefunden hätte, als er tatsächlich war.

– Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte hat sich ebenfalls eine neue deutsche Genre-Produktion vorgenommen: Den amerikanischen Vorbildern nacheifernden und mit zahlreichen bekannten Synchronsprechern besetzten „Radio Silence“, den er „vergnüglich“ fand.

– Michael Schleeh berichtet auf Schneeland ausführlich und informativ vom 40. Hong Kong International Film Festival.

– Rainer Kienböck kehrt auf Jugend ohne Film nochmals zur Grazer Diagonale zurück und konzentriert sich diesmal auf die experimentellen und avantgardistischen Filme. Und Patrick Holzapfel reflektiert über die Geschwindigkeit in Tony Scotts letztem Film „Unstoppable“.

– Sonja Hartl hat auf B-Roll einige sehr kluge und wahre Worte über das unsägliche Etikett „wie Tarantino“ für alle möglichen „schwarzhumorigen Gangsterkomödien“ geschrieben. Patrick Holzapfel (ja, wieder) reflektiert über „Such- und Traummaschinen: Zum filmischen Motiv der Suche“.

– Die beiden Fußball-Laien Frédéric Jaeger und Nino Klingler haben sich für critic.de zum Fußballfilmfestival 11mm begeben, um von Fans lernen, den Fußball zu verstehen.

– Christian Genzel hat auf Wilsons Dachboden Joe Dantes letzten Kinofilm „Weg mit der Ex“ gesehen, auf den er sich sehr gefreut hat, der ihn aber dann doch enttäuscht zurückgelassen hat.

– PD und YP unterhalten sich auf Film im Dialog über eine 80er-Ikone: „Top Gun“. Schade nur, dass beide den Film nicht besonders mochten. Hier wäre es vielleicht etwas spannender gewesen, wenn sie sich mal mit einem Fan des Filmes unterhalten hätten. Trotzdem interessant, wie zwei Menschen den Film sehen, die ihn in den 80ern nicht „live“ erlebt haben, ihm mit dem Abstand von 30 Jahren begegnen.

– Manchmal macht man Fehler. Eine, den ich noch immer sehr bereue ist es, vor zwei Jahren beim Filmfest in Oldenburg einen anderen Film der Doku „Lost Soul: The Doomed Journey Of Richard Stanley’s Island of Lost Souls“ vorgezogen zu haben und somit nicht nur ein Double-Feature mit eben „Island of Lost Souls“ verpasst zu haben, sondern – wie ich später erfuhr – auch noch Richard Stanley persönlich. Wenn ich lese, was Oliver Nöding auf Remember It For Later über die Doku schreibt, hat mein Hintern jetzt eine riesige Bisswunde. Ferner schreibt er über „Rolling Vengeance“, einem „Monster-Truck“-Film. Und ich erinnere mich noch gut, dass ich den Film eben unter diesem Titel einst im Kino (!) sah, um zwei Wochen überrascht festzustellen, dass der schon in der Videothek meines Vertrauens im Regal stand. Ich fühlte mich leicht veralbert.

– 1965 drehte Elvis-Stammregisseur Norman Taurog das Vincent-Price-Vehikel „Dr. Goldfoot And The Bikini Machine“ als Slapstick-artige Bond-Parodie. Ein Jahr später entstand die Fortsetzung „Dr. Goldfoot And The Girl Bombs“ unter der Regie von… Mario Bava! Mit Franco & Ciccio!! Und Vincent Price!!! Funxton hat beide Filme gesehen und weiß einiges darüber zu erzählen.

yzordderrexxiii ist in Liebe zu Aldo Lados wunderbaren „Malastrana“ entflammt.

– Mauritia Meyer schreibt auf Schattenlichter über einen ihrer Lieblingsfilme: „“Il delitto del diavolo“ ist ein poetischer Film, der uns verführt und zu angenehmen Wachträumen einlädt. Ein Kurzurlaub vom Lärm und der Schnelllebigkeit unseres Alltags in formvollendeter behaglicher Siebziger-Atmosphäre.“

– Der Kinogänger schreibt über den Film „Max und die drei Musketiere“ mit Max Linder, dem großen Vorbild von Charlie Chaplin. Eine bei Linders kurzen Ausflug in die USA entstandene Parodie.

– Endlich mal wieder ein Lebenszeichen von Hauptsache (Stumm)Film! Gabelinger geht ausführlich auf Jules Dassins „Das Gespenster von Canterville“ mit Charles Laughton in der Titelrolle ein.

– Lukas Foerster empfiehlt auf Dirty Laundry Kim Ki-young „komplett psychedelisch enthemmten Film“ „Woman of Fire“.

– Jamal Tuschick rechnet auf Hard Sensations mit „Rock the Kasbah“ (dem Film, nicht dem Song) ab.

– Und zuletzt: Real Virtualinks auf real virtuality.

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Mein Tag mit den Film-Kids – Zu Gast beim Kinder-VHS-Kurs „Ich werde Filmkritiker“ in Hamburg

Als mich mein lieber Freund Elmar fragte, ob ich eventuell Lust hätte, ihn bei einem Volkshochschulkurs für 12-18 Jährige als Gast zu unterstützen, dachte er wahrscheinlich nicht, dass ich zusagen würde. Der Termin lag Mitten in der Woche, was für mich bedeutete eine Tag kostbaren Urlaubs zu opfern. Obwohl es mich sehr reizte, einmal mit Jugendlichen zu arbeiten, zögerte daher kurz. Doch ein Blick auf den Kalender zeigte mir, dass der VHS-Kurs genau in die Woche fiel, in der unsere Zwillinge Geburtstag haben und ich eh eine Tag Urlaub nehmen wollte. Warum nicht einen weiteren Tag davor kleben? Durch unglückliche Umstände wurden es dann drei Tage, aber das soll an dieser Stelle jetzt auch egal sein. Am Mittwoch, den 16. März machte ich mich in den Morgenstunden auf nach Hamburg, denn der Kurs begann um 10:00 Uhr.

Elmar hatte mich bereits gewarnt, dass der Seminarraum eher suboptimal für das Unterfangen wäre. Es handele sich dabei nämlich um einen Kellerraum, der von einer Computerfirma als Lagerraum für allen möglichen Elektroschrott genutzt wurde. Der gute Elmar hatte schon den ganz Sonntag damit zugebracht, diesen Raum in einen halbwegs passablen Zustand zu bringen. Nun war er als Seminarraum halbwegs akzeptabel, auch wenn es dort unten recht kalt und muffig war. Ich muss aber sagen, dass Elmar aus den gegebenen Umständen ein Maximum raus geholt hat. Der Kurs selbst bestand aus sechs Jungs und einem Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren, von denen an diesem Tag aber nur die Jungs da waren. Ein weiteres Problem ergab sich dadurch, dass die Volkshochschule zusätzlich noch einen 10-jährigen im Kurs mit unter gebracht hatte. Und man muss leider sagen, auch wenn der 10-jährige immer wieder durch einige tiefgründigen Bemerkungen überraschte, so liegen zwischen dem Entwicklungsstadium eines 10-jährigen und eines 12-jährigen doch Welten. Ich weiß nicht, was sich die VHS dabei gedacht hatte, zumal natürlich auch die Filmauswahl auf 12+ ausgelegt war. Das alles waren organisatorische Probleme, die Elmar natürlich nicht zu verantworten hatte, die er aber trotzdem kurzfristig meistern musste. Was ihm hervorragend gelang.

Der Titel des Kurses war „Ich werde Filmkritiker“ und bestand dementsprechend aus dem Ansehen von Filmen und der Filmanalyse. Außer mir hatte Elmar für seine Schüler auch einige hochinteressante Gäste eingeladen, so dass ich es im Endeffekt bedauere, nicht die ganze Woche dabei gewesen zu sein, denn die hätte ich auch gerne gesehen und gehört. Am Tag vor mir war der Filmemacher Philipp Hartmann da, der seinen Essay-Film „Die Zeit vergeht wie ein brüllender Löwe“ mitgebracht hatte und den Kindern für Fragen zur Verfügung stand. Wie Elmar mir berichtete, kam das auch sehr gut an, und es entwickelte sich eine sehr spannende Diskussion, an der sich alle rege beteiligten. Am Tag nach mir war – passend zu den Filmen „Formicula“ und „Matinee“ – Jens von der mir bis dahin unbekannten, aber empfehlenswerten Seite „Monstermensch“ zu Gast. Den Vogel schoss Elmar aber mit dem Freitags-Gast ab. Hier konnte er den Filmhistoriker Olaf Brill gewinnen, welcher DER Experte zum Thema „Das Cabinet des Dr. Caligari“ ist und ein Standardwerk zu diesem Film geschrieben hat. Da kann ich nur den Hut ziehen. Und wie ich dann später erfuhr, entwickelte sich auch hier eine lebhafte Diskussion, von der Olaf Brill sehr angetan war.

VHSHHNach „meinem Tag“ musste auch ich mein Vorurteil gründlich revidieren, dass „die Jugend von heute“ mit älteren Filmen nichts anzufangen weiß und sich für nichts interessiert, was über die modernen Blockbuster hinausgeht. Ebenso war ich sehr positiv überrascht, wie toll die Jungs mitgearbeitet haben, kluge Fragen stellten und interessante Beobachtungen machten. Mein Part bestand zunächst einmal darin, von meiner Arbeit als Blogger zu berichten, meinen Blog kurz vorzustellen und zu erklären, wie ich mich einer Filmbesprechung nähere. Dabei musste ich immer wieder aufpassen, nicht ins Schwafeln zu geraten, denn neben dem Thema „Filmkritik“ wollte ich den Jungs unbedingt mitgeben, dass man als Filmfreund auf Scheuklappen und hastige Pauschalurteile verzichten, und sich ganz offen für die ganze wunderbar reiche Welt der Filme zeigen sollte. Da kann es sein, dass mein „missionarischer Eifer“ etwas mit mir durchgegangen ist. Aber das ist auch ein Thema, welches mir sehr am Herzen liegt. Weg vom Schubladendenken, weg von einem „das ist doof, das gucke ich nicht“. Ausprobieren! Sich damit auseinandersetzen! Und dann erst entscheiden, ob man etwas mag oder nicht! Nicht schon vorher, weil es cool/uncool ist. Das wollte ich gerne mitgeben.

Danach schauten wir „Große Freiheit Nr. 7“. Für mich eine Premiere, denn obwohl der Film seit einem Jahrzehnt bei mir Zuhause als TV-Auszeichnung schlummert, bin ich doch nie dazu gekommen, ihn mir anzusehen. Nun konnte mich „Große Freiheit Nr. 7“ im Rahmen dieses Kurses überwältigen. Was für ein großartiger Film! Ein Pflichtprogramm für alle, die das Kino lieben. Nach dem Film gab es eine Mittagspause, in der Elmar und ich uns intensiv über „Große Freiheit Nr. 7“ austauschten und sehr gespannt waren, was „unsere Jungs“ dazu sagen würden. Für den weiteren Ablauf hatte Elmar einiges vorbereitet. Hier ging es dann um die versteckten Hinweise auf das Dritte Reich, sowie die Drehorte und ihre Geschichte. Auch mit zeitgenössischer Kritik wurde sich auseinandergesetzt, und es folgte eine lebendige Frage- und Antwortrunde. Dabei fand ich es interessant, dass keiner der Jungs auch nur mit einer Silbe die wundervolle Ilse Werner und ihre Beziehung zu den beiden Hauptdarstellern Hans Albers und Hans Söhnker erwähnte. Schwerpunktmäßig wurden tatsächlich eher technische Themen, sowie die Entstehungszeit 1943 und die Musik angesprochen. Da man gute Unterhaltungen nicht abwürgen sollte, liefen wir hier zeitlich etwas aus dem Ruder. Die Jungs schrieben dann noch eine Kurzkritik zum Film, die sie dann vor der Runde vorlasen. Die Resultate waren alle gut. Manche konzentrierten sich natürlich auf das, was wir vorher diskutiert hatten. Großartig fand ich die letzte Kritik eines Jungen, der im Kurs eher still war und dann einige Zeilen ablieferte, die durchaus druckreif waren. Ich war insgesamt von dem Niveau, dem Interesse und der Mitarbeit der Klasse sehr begeistert. Müsste ich dafür nicht immer (für Familienväter doppelt und dreifach kostbare) Urlaubstage opfern, würde ich gerne häufiger an solchen Veranstaltungen teilnehmen.

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DVD-Rezension: „Prison“

prisonNachdem Charlie Forsythe hier 1964 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde, schlossen die Behörden das Wyoming State Penitentiary. 20 Jahre später wird es im Zuge einer Reform wieder eröffnet, um die umliegenden Gefängnisse zu entlasten. Zum Direktor wird der Eaton Sharpe (Lane Smith) berufen, der einst als junger Wärter eine wichtige Rolle bei Forsythes Hinrichtung spielte. Sharpe ist ein harter Hund, was nicht nur die junge Katherine Walker (Chelsea Field), die die Wiedereröffnung des Gefängnisses begleitet, sondern auch die neuen Insassen, unter ihnen der Autodieb Burke (Viggo Mortensen) zu spüren bekommen. Doch Sharpe ist nicht die einzige Gefahr für sie. Denn durch den Abriss der Mauer zur ehemaligen Todeskammer wird auch Forsythes Geist freigesetzt, und der sinnt auf Rache…

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1986 war der junge finnische Regisseur auf den Sprung zur großen Hollyood-Karriere. Nachdem er mit seinem amerikanisch co-finanzierten Debüt „Born American“ mit Chuck-Norris-Sohn Mike nicht nur in seiner Heimat auf sich aufmerksam gemacht hatte, wurde ihm umgehend sein US-Debüt angeboten. Für Charles Bands B-Movie-Produktionsfirma Empire Pictures drehte er den Horrorfilm „Prison“. Dieser war dann die perfekte Vorstudie zu seinem großen Durchbruch „A Nightmare on Elm Street 4“, welchen er im folgenden Jahr drehte. Tatsächlich sind die Ähnlichkeiten zwischen beiden Filmen erstaunlich. In beiden taucht Harlin seine Bilder in einen blauen Schleier und arbeitet viel mit Nebel und Gegenlicht. Die Morde sind blutig und kreativ, aber der Grusel bleibt bei dem ganzen Spektakel auf der Strecke. Insbesondere bei „Prison“ merkt man deutlich, dass Harlin ein guter Action-Regisseur ist und ihm dieses Genre weitaus näher steht, als der traditionelle Horrorfilm. Auch wenn er natürlich klassische Schauerelemente in seinen Film einbringt, dürfte sich bei „Prison“ niemand ängstlich unter der Bettdecke verkriechen.

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Diese weitgehende „Grusellosigkeit“ liegt teilweise natürlich an dem Geist, der das Wyoming State Penitentiary heimsucht. Dieser manifestiert sich bis kurz vorm Schluss in Lichtstrahlen und elektrischen Funken. Und die Lichtershow taugt nur sehr bedingt dazu, Ängste zu schüren. Zudem fehlt dem mörderischen Geist der Unterbau. Erst beim großen Finale wird seine Geschichte und sein Motiv enthüllt – und dies beißt sich dann aber gehörig mit den Ereignissen, denen der Zuschauer zuvor Zeuge geworden ist. Wenn Forsythe das unschuldige Opfer einer gemeinen Intrige war, weshalb richtet er dann seinen übersinnlichen Zorn nicht ausschließlich gegen das Wachpersonal und damit die Verursacher seines Leides, sondern killt auch wahllos seine „Kollegen“? Wieso wird mit Burke ein Wiedergänger des armen Opfers und nun übersinnlichen Mörders präsentiert? Eine Wiedergeburt des Opfers Forsythe kann er schlecht sein, und auch sonst wird die frappierende Ähnlichkeit zwischen Burke und Forsythe nie thematisiert. Es scheint so, als hätte das Drehbuch am Anfang eine enge Verbindung zwischen den beiden konstruiert, die dann aber im Lauf des Drehs fallen gelassen wurde.

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Renny Harlins Stärken liegen in den Actionsequenzen und der sehr stimmungsvolle Bildgestaltung, die einem noch lange im Gedächtnis bleibt. Diese Stärken konnte er dann konsequenterweise in „Nightmare 4“ weiter ausbauen und im Laufe seiner Karriere perfektionieren. Mit „Stirb langsam 2“ und „Cliffhanger“ bewies Harlin nachdrücklich seine Eignung zum Action-Regisseur, zum Horrorfilm sollte er erst 2004 wieder zurückkehren, als er das unglückselige „Exorzist“-Prequel „Dominion“ von Paul Schrader übernahm. Interessanterweise gelang es ihm aber auch hier nicht, einen wahrhaft unheimlichen oder zumindest tiefschichtigen Film abzuliefern. Wie auch in seinen Frühwerken ersetzen Spektakel und Schauwerte den Grusel. Was nicht negativ verstanden werden sollte, denn Harlins Filme gaukeln auch keine philosophische Grundierung vor, sondern funktionieren sehr gut als purer Eskapismus.

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In „Prison“ kann er sich zudem auf ein gut aufgelegtes Ensemble verlassen. Der noch sehr junge, gutaussehende Viggo Mortensen überzeugt als cooler und schweigsamer Rebell, während Lane Smith als strenger Warden Sharpe zu kräftig aufdreht, es dabei aber schafft, nicht gänzlich zur Karikatur zu verkommen. Unterstützt werden beide durch eine Statisten-Gang aus echten Strafgefangenen, die ein wenig Authentizität mit einbringen. Allein die von Chelsea Field gespielte junge Heldin bleibt blass und hinterlässt keinen größeren Eindruck. Diesen hinterlässt allerdings die wunderbare Location. Ein altes, verrottetes Gefängnis voller Winkel, geheimen Zellen und Schleichwegen. Die perfekte Kulisse für einen „Spukhaus“-Film, der viel zu einer unheimlichen und bedrückenden Atmosphäre beiträgt, welche Harlins Inszenierung nicht alleine auf die Beine stellen kann.

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Renny Harlins US-Debüt „Prison“ zeigt schon deutlich seine Stärken und Schwächen. Die temporeiche Inszenierung und wundervoll stimmige Bildgestaltung können überzeugen, Grusel oder Personenentwicklungen bleiben dabei auf der Strecke.

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Koch Media hat diesem fast schon vergessenen 80er Horrorfilm eine wahre Deluxe-Veröffentlichung mit drei Scheiben beschert. Wobei mal wieder vortrefflich über Sinn und Unsinn solcher Media-Book-Veröffentlichungen diskutiert werden kann. Denn bei den zwei der drei Scheiben handelt es sich um jeweils eine Blu-ray und eine DVD mit dem Film. Die Gruppe derer, die beides braucht dürfte da ziemlich gegen null gehen. Die dritte Scheibe ist eine DVD mit bonus-Material, welches aber vielleicht auch auf der Blu-ray Platz gefunden hätte. Wie dem auch sei, die Bonus-DVD enthält laut Hersteller ein Making-of (38 Min.), ein Interview mit Renny Harlin (48 Min.), zwei „Wild Force“-Musikvideos von Renny Harlin, ein Grußwort von Viggo Mortensen und eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial enthält. Ferner gibt es noch ein 16-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph Huber. Zur Qualität und dem Inhalt der Extras kann ich aber nichts sagen, da mir zur Rezension lediglich die DVD mit dem Film vorlag. Hier ist die Präsentation in Ordnung. Wie bei vielen Filmen, die in der zweiten Hälfte der 80er gedreht wurden, hat man manchmal das Gefühl, es würde ein ganz leichter grauer Schleier über dem Bild liegen. Da dies aber wie gesagt auf sehr viele spät 80er-Produktionen gilt, dürfte dies am Ausgangsmaterial und nicht an der DVD-Umsetzung liegen. Der Ton ist gut, die deutsche Synchronisation auf einem guten 80er-Videothekenware-Niveau. Im Gegensatz zur ehemals indizierten Videokassette ist die DVD ungeschnitten.

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Das Bloggen der Anderen (21-03-16)

bartonfink_type2– Diagonale Nachklapp. Weiter Berichte vom Filmfestival in Graz gibt es von Karsten Munt auf critic.de und aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive auf B-Roll von Patrick Holzapfel, der selber einen Film auf der Diagonale gezeigt hat.

– In jeder Woche gibt es immer ein Film, der in vielen Blogs besprochen wird. Zumeist natürlich aktuelle Kinofilme, die einen großen Start haben. Manchmal aber auch kleine Filme, die nur in wenigen Kinos zu sehen sind. Ein solcher Film ist „Herbert“, von dem ich hier erstmals lass. Ich weiß nicht, ob ich mir den Film ansehen werde, denn er handelt von der heimtückischen Krankheit ALS. Erst letzte Woche jährte sich der Todestag meines Vaters zum ersten Mal, der dieser grauenvollen Krankheit bei welcher der einst so aktive Körper zum Gefängnis wird, letztes Jahr erlag. Von daher weiß ich leider nur allzu gut, wovon in „Herbert“ die Rede ist. Hier trifft es einen ehemaligen Boxer (die Krankheit sucht sich sehr häufig sportlich sehr aktive Menschen, was ich für einen bitteren Zynismus des Schicksals halte), der nach Erhalt seines Todesurteils gezwungen ist, seinem bisherigen Leben ins Auge zu schauen, während sein Körper zerfällt. Philipp Baumgartner schreibt über den Film auf Daumenkino, Jamal Tuschick auf Hard Sensations und Oliver Armknecht auf film-rezensionen.de. Ich hoffe viele Menschen sehen den Film, da die Krankheit immer noch einen „Exotenstatus“ hat.

– Marco und Bianca setzen sich auf Duoscope sehr intensiv mit dem Film „Room“ auseinander.

Der Kinogänger hat wieder Neues aus Hollywood.

– „Ich bin tot, macht was draus!“ lief im letzten Jahr auf dem Internationalen Filmfest in Oldenburg, wo ihn mein Weird-Xperience-Kollege Stefan gesehen und mir wärmstens empfohlen hat. Ronny Dombrowski von Cinetastic gefiel er auch, aber er hat auch einiges auszusetzen.

– Thorsten Krüger von Komm & Sieh empfiehlt die deutsche Genre-Produktion „Der Nachtmahr“, die im Mai in die Kinos kommt, mit den Worten: „Gutes deutsches Genrekino (wie zuletzt „Blutgletscher“ oder „Stereo“), das aber zugleich in die Avantgarde vorstößt“.

– Wilson Yip und Donnie Yen lassen zum dritten Mal Bruce Lees Lehrer „Ip Man“ von der Leine. Sebastian von Nischenkino hat ihn schon mal gesehen.

– Einen weiteren Nachruf auf Ken Adams hat Joachim Kurz auf B-Roll verfasst. Alexander Matzkeit befasst sich eingehend mit einem sehr spannenden Thema: Kreatives „Content Marketing“. Andreas Köhnemann wiederum gibt einen guten Überblick darüber, wie sich Hollywood selber im Film darstellt.

– Nochmal Alex Matzkeit: Auf seinem Blog real virtuality verteilt er wieder Real Virtualinks.

– Auf Revolver findet sich ein Interview mit Cristina Nord (die übrigens jahrelang auch in der Jury zum Bremer Filmpreis saß) über ihren Weg zur Filmkritik, die Möglichkeiten eines cinephilen Feuilletons und neue Herausforderungen.

– Antonio Pietrangeli ist einer jener Regisseure, die es gilt wiederzuentdecken. Erst kürzlich erschien „Ich habe sie gut gekannt“ (auch wenn mir ein übereifriger Foren-Troll die Freude daran verdorben hat), nun bespricht Udo Rotenberg auf L’amore in città seinen Film „Das Mädchen aus Parma“ von 1963.

– Ich freue mich immer, wenn Alex Klotz auf Hypnosemaschinen mir vollkommen unbekannte Filme ausgräbt. Diesmal: Der französisch-schweizerische Film „L’étrange château du docteur Lerne“.

– Christian Genzel hat sich auf Wilsons Dachboden die US-Teenie-Sex-Komödie „Screwballs“ vorgenommen. Die habe ich nicht gesehen, erinnere mich aber gut an einen Artikel in der Cinema damals, die mit einem Bild garniert war, auf dem mich die Physionomie einer Darstellerin ganz wuschig machte. Wenn ich mich nicht irre – aber das müsste nachzuprüfen sein – waren die Bilder aus dem Film in der Cinema ebenfalls mit etwas zottigen Bildunterschriften versehen.

– Auf Short Cuts Totale wird ausführlich auf Ingmar Bergmans Regiedebüt „Kris“ eingegangen.

„The Naked Prey“ ist mir das erste Mal aufgefallen, als er in der „Masters of Cinema“-Reihe bei Eureka herauskam. Wenn ich jetzt bei funxton lese: „Heraus kam einer jener Filme, die mit dem guten alten Prädikat “seiner Zeit weit voraus” versehen werden dürfen. In “The Naked Prey”, neben seiner Anlehnung an eine authentische Episode aus dem Leben des frontierman John Colter selbst eine thematische Variation von Sam Fullers Western “Run Of The Arrow”, finden sich etliche Vorarbeiten für diverse Nachzügler der kommenden Jahre, von “The Man They Called Horse” über “First Blood” bis hin zum italienischen Kannibalenfilm“ will ich den auch sehen. Dafür gibt es dann noch einen fetten Verriss von Erwin C. Dietrichs „Schwarzer Nerz auf zarter Haut“.

– Zweimal Italien. Yzordderrexxiii stellt nach einer verzückten Sichtung von „The Psychic“ fest, dass er bald noch zum Fulci-Fan wird und bedauert, dass der feine Frühgiallo „Libido“ von Ernesto Gastaldi & Vittorio Salerno nicht bekannter ist.

– Party Time mit den Village People auf Remember It For Later, wo Oliver Nöding „Can’t Stop the Music“ besprochen hat. Und noch ein paar “guilty pleasures” hinterher: Die Slasher “Hospital Massacre” (aka X-Ray) und “Pieces”.

– Was hat James Cameron eigentlich vor „The Terminator“ gemacht? Volker Schönenberger von Die Nacht der lebenden Texte weiß es.

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DVD-Rezension: „Yakuza Apocalypse“

yakuza-apocalypseKamiura (Lily Frankie) ist das Oberhaupt einer Yakuza-Bande, die in ihrer Stadt nicht nur das Verbrechen kontrolliert, sondern auch dafür sorgt, dass Recht und Ordnung unter den Bewohnern herrschen. Doch Kamiura hat ein finsteres Geheimnis: Er ist ein Yakuza-Vampir. Als Kamiura von dem Martial-Arts-Killer Mad Dog (Yayan Ruhian) enthauptet wird, kann Kamiuras körperloser Kopf noch seinen treuen Gefolgsmann Kagayama (Hayato Ichihara) beißen und ihn ebenfalls in einen Yakuza-Vampir verwandeln. Für Kagayama heißt es nun Rache an den Hintermännern der ruchlosen Tat zu nehmen…

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Der häufigste Vorwurf, der „Yakuza Apocalypse“ gemacht wird, ist jener, dass sein Regisseur Takashi Miike in seiner Unvorhersehbarkeit vorhersehbar geworden sei. Zwar klingt dies wie ein schwarzer Schimmel, aber muss zugeben, dass hierin auch ein Körnchen Wahrheit stecht. Aber man muss die „vorhersehbare Unvorhersehbarkeit“ auch differenziert sehen. Natürlich macht Miike noch immer die Filme, die ihn berühmt gemacht haben. Bunte Spektakel, mal blutig, mal spaßig, bei denen sich der Wahnsinn übereinander türmt und die skurrilen Einfälle Programm sind. Daher ist die eigentliche „Unvorhersehbarkeit“ eher seine leisen, ernsten Filme, die ganz ohne die als typisch geltenden Miike-Zutaten auskommen. Wie beispielsweise sein schönes Remake „Harakiri“. Zwischendrin streut Miike auch immer mal wieder Kinderfilme oder Videospielverfilmungen ein.

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Mittlerweile ist Miike – dieser unvorstellbar produktive Filmemacher mit den 1.000 Gesichtern – im Mainstream angekommen, wo er sich mit den ganz großen Verrücktheiten etwas zurückhält, aber auch nicht vollständig drauf verzichtet. Man könnte seine Entwicklung mit der von John Waters vergleichen, der ja nach seinen wilden Underground-Anfängen irgendwann auch bei „Serial Mom“ gelandet ist – und trotz des großen Studios im Rücken und dem Verzicht auf die ganz großen Geschmacklosigkeiten – noch immer seinen ganz eigenen Stil pflegt. Und so wie Waters 2004 mit „A Dirty Shame“ zu seinen Ursprüngen zurück gekehrt ist, ohne das Mainstream-Publikum zu sehr vor den Kopf zu schlagen, so sieht auch Miike sein „Yakuza Apocalypse“ als eine Reise in die Zeit, in der er mit geringem Budget durchgeknallte Direct-to-video-Produktionen inszenierte. Und wie im Falle „A Dirty Shame“ ist es natürlich keine „echte“ Rückkehr. Dazu hat sich Miike in den Jahren viel zu sehr weiter entwickelt und der Film sieht im Vergleich zum dreckigen Beginn auch viel zu gut aus.

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Aber dies muss ja kein Nachteil sein. Für „Yakuza Apocalypse“ greift Miike wieder tief in die Wundertüte und präsentiert dem staunenden Zuschauer nicht nur Yakuza-Vampire, einen waschechten Kappa (ein japanisches Fabelwesen, welches sich von Gurken ernährt und einer Schildkröte ähnelt – sieht hierzu auch „Underwater Love“), sondern auch einen Kung-Fu-kämpfenden Killerfrosch im Kermit-Kostüm. Wenn man aufgrund dieser Zutaten glauben sollte „Yakuza Apocalypse“ sei eine durchgeknallte Klamotte, so kennt man Miike schlecht. Dieser zieht seine Story sehr ernsthaft und ohne allzu offenkundigen Klamauk durch. Dies ergibt einen wunderbaren Verfremdungseffekt, denn so lächerlich der Killer-Kermit auch auf den Zuschauer wirkt, seine Taten sind es nicht. Dieser Frosch versteht keinen Spaß und wäre in der Tat ein angsteinflößender Gegner, wenn nicht das blöde Kostüm wäre, welches aber auch von keinem der Handelnden thematisiert wird. Aber in einer Welt, in der es vor Yakuza-Vampiren wimmelt und bösartige Kappa-Gangster existieren, ist auch ein riesiger Frottee-Frosch nun einmal nichts Außergewöhnliches. So hat Miike einen relativ straighten Yakuza-Film inszeniert, bei dem seine wahnwitzigen Zutaten das Genre aber durchaus kritisch kommentieren.

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So werden die Yakuza wie Nachfahren von Robin Hood und seinen lustigen Gesellen dargestellt. Gesetzeslose, die in ihrem Distrikt für Ruhe und Gerechtigkeit sorgen. Doch die Fassade täuscht natürlich, denn hinter dem freundlichen Lächeln des guten Onkel stecken Reißzähne und die normale Bevölkerung wird wortwörtlich bis aufs Blut ausgesaugt. Der merkwürdige Strickzirkel im Keller einer Bar ist zunächst putzig und skurril anzusehen, doch tatsächlich werden hier nur die Widerspenstigen ruhiggestellt und solange domestiziert, bis sie mit einem seligen Lächeln in den Tod gehen. Und der Frosch macht vor allem eines deutlich: Nicht alles was putzig aussieht, ist auch harmlos. Don’t judge a book by it’s cover. Dies gilt für Wesen in riesigen Kermit-Kostümen ebenso, wie für väterliche Yakuza oder freundlich winkende Politiker. Und dass das Gleichgewicht des eigenen ökologischen Systems empfindlich gestört wird, wenn man zu viele Zivilisten beißt und in Yakuza-Vampire verwandelt, wird auch noch einmal deutlich gemacht.

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Neben den Yakuza-Vampiren und dem Frosch-Monster fährt Miike noch eine ganze Wagenladung merkwürdiger Gestalten auf. So einen (schlecht) englisch-sprechenden Priester im Puritanerkostüm mit auf dem Rücken geschnallten Minisarg oder einen als IT-Nerd/Touristen getarnten Martial-Arts-Kämpfer. Dieser wird von Yayan Ruhian geben, der als fieser Antagonist „Mad Dog“ (hier hat er denselben Rollennamen) in Gareth Evans‘ Actionkracher „The Raid“ bekannt wurde. In „Yakuza Apocalypse“ wird sein Talent leider verschwendet, da er nur wenig von seiner akrobatischen Kunst zeigen darf. Wahrscheinlich wurde der Martial-Arts-Star Miike nur untergejubelt, um den Film etwas kommerzieller zu gestalten. Miike selber ist aber herzlich wenig an Kampfkunst interessiert, und so ist der Film dann konsequenterweise kein Martial-Arts-Spektakel. Außerdem treten auf: Junge Damen in Schulmädchenuniformen, ein kleiner Junge der zum Hulk-mäßigen Rächer mutiert, eine weibliche Yakuza-Chefin, die merkwürdigen Schleim aus ihrem Ohr holt und dann aus jenem ständig Wasserfontänen verschießt, sowie eine wundervoll Kaijun-Hommage. Manchmal wird einem die Ansammlung von verqueren Elementen allerdings fast schon zu viel. Man hat dann den Verdacht, Miike wollte sich ein wenig zu angestrengt seinen Anfängen näheren. Andererseits entdeckt man zwischen all dem Irrsinn aber auch das Augenzwinkern, mit dem sich Miike seiner alten „Markenzeichen“ bedient.

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Takashi Miike kehrt mit „Yakuza Apocalypse“ zu den Filmen zurück, die ihn berühmt gemacht haben und türmt Irrsinn und Wahnwitz übereinander. Seine Stärken spielt „Yakuza Apocalypse“ aber vor allem in den ruhigeren Szenen und in der kritischen Sezierung des Genres des Yakuza-Filmes aus. Vor allem macht er aber auch jenseits aller Doppelbödigkeit eine Menge Spaß.

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Die Koch-Media-DVD zeichnet sich durch ein sehr gutes und klares Bild aus. Der japanische Originalton ist kräftig und mit gut lesbaren, zuschaltbaren Untertiteln ausgestattet. Die deutsche Synchronisation ist zweckmäßig, und kann die spezielle Dynamik der japanischen Sprache wieder einmal nicht wiedergeben. Im Bonus-Bereich befindet sich ein höchst interessantes Making-Of welches mit 62 Minuten auch äußerst üppig ausgefallen ist. Hier werden Interviews mit Behind-the-Scenes-Aufnahmen gemischt und Takashi Miike berichtet über seinen Werdegang als Regisseur.

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