Open-Air-Kino in Bremen 2018

Auch in diesem Jahr finden in und um Bremen einige Open-Air-Kino-Events statt.

Am Prominentesten sicherlich das Open-Air-Kino der Schlachthofkneipe, welches vom 6. Juni bis 22. Juli in der Arena am Schlachthof stattfindet (Eintritt: 5 Euro). Das ausgesprochen reichhaltige Programm wurde auch dieses Jahr wieder mit den Facebook Nutzern der Schlachthofkneipe zusammengestellt und kann hier eingesehen werden. Los geht es am 6. Juni mit dem empfehlenswerten Neo-Western „Hell or High Water“. Ansonsten sind zahlreiche beliebte Klassiker wie „Waynes World“, „Footlose“ oder „Zurück in die Zukunft“ dabei, aber auch neuere Produktionen wie „Inglourious Basterds“, „Super 8“ oder „Star Trek: Into Darkness“.

In eigener Sache möchte hier auch noch auf den 10. Juni hinweisen, wenn mein Kollegen Stefan und ich als Weird Xperience dort unter dem Motto „Sternennacht“ Ed Woods legendären „Plan 9 From Outer Space“ und den blutig-schleimigen Alien-Rip-Off „Mutant – Das Grauen im All“ präsentieren. Und am 29. Juni gibt es von uns noch eine „Lange Nacht des Bösen“ in der erst der „deutsche Bruce Lee“ und Schlagersänger Christian Anders antritt und danach der Tall Man in seine zweite Runde geht.

Weiter geht es am 3. und 4. August in Bremerhaven, wenn wieder das Kino im Hafen mit zwei maritimen Kinoabenden lockt. Die Filmauswahl hier steht leider noch nicht fest, sondern wird am 18. Juni bekannt gegeben. Los geht es immer um 21 Uhr mit einem Vorprogramm. Der Film beginnt dann um ca. 22 Uhr (bei Einbruch der Dunkelheit).

Und am 31. August gibt es in Bremen-Mahndorf ein Open-Air Kinoabend mit dem Film „Der kleine Nick“. Das Bürgerhaus Mahndorf lädt in Kooperation mit dem „City 46“ wieder ein zum Kinosommerabend für die ganze Familie auf der großen Open-Air-Leinwand auf seinem großen Gartengelände hinter dem Bürgerhaus. Davor gibt es Livemusik u.a. von der Trommelgruppe der Wilhelm-Olbers-Schule, Oscars Spielmanege für die Kinder, Grillwürstchen, Popcorn und Getränke. Bei Regen oder starkem Wind findet die Veranstaltung im Saal statt. Filmbeginn: Bei Dunkelheit, ca. 20:15 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber gerne entgegengenommen.

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Das Bloggen der Anderen (28-05-18)

– Die Filmfestspiele in Cannes sind vorbei. Auf critic.de berichtet Frédéric Jaeger darüber, was die vielen Neuerungen für das Festival bedeutet, und was er persönlich davon hält.

– Auch Joachim Kurz beschäftigt sich auf kino-zeit.de mit den Filmfestspielen in Cannes. Er zieht ein Fazit der vergangenen Tage und probiert einen Ausblick auf das kommende Jahr. Anna Wollner interviewt Regisseur Thomas Stuber und spricht mit ihm über seinen Film „Zwischen den Gängen“.

– Michael Schleeh schreibt auf Schneeland über das Japanische Filmfest Hamburg 2018 und einen der dort gezeigten Filme: Eiji Uchidas „Love and Other Cults“.

– Besonders gefreut habe ich mich diese Woche über Whoknows presents und davids „Bericht vom 18. goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films“ (ist schon der zweite Teil, den ersten findet man hier), welches scheinbar Lettland und die baltischen Staaten als Schwerpunkt hatten. Also flugs den Bleistift gespitzt und ein paar seiner Empfehlungen für spätere suche notiert.

Filmlichter hat einen schönen Artikel über „Alan Smithee“ und die Probleme bei der Produktion von Tinto Brass‘ „Caligula“ geschrieben. Und ja, das passt gut zusammen.

– Oliver Nöding hat nach einiger Zeit wieder für Remember It For Later in die Tasten gehauen und sich mit „Platoon Leader“ und „Soldier Boyz“ zweier Michae- Dudikoff-Filmen angenommen.

– Nie gesehen, aber Anfang der 80er war der Film in aller Munde (ich kenne da vor allem noch die wunderbare MAD-Parodie): „Ein Offizier und Gentleman“. Symparanekronemoi lifts us up, where we belong.

Funxton schreibt über “Lady Frankenstein” und das passt sehr gut, den…

– Mauritia Mayer von Schattenlichter war mal wieder unterwegs und hat viele schöne Bilder von den Drehorten genau dieses Filmes mitgebracht.

– André Malberg hat sich auf Eskalierende Träume sehr eingehend mit Dario Argentos Frühwerk „Die neunschwänzige Katze“ beschäftigt. Viel zu lesen und viel zu entdecken.

– Von dem ausgesprochen merkwürdigen „Malatesta’s Carnival of Blood“ habe schon anderweitig viel gelesen. Die seltsamen Filme des Herrn Nolte überzeugen mich: Der muss her.

Robert Zion hat sich in seiner Reihe über Pam Grier diesmal des Filmes „Friday Foster“ von Arthur Marks angenommen.

– Und zum Abschluss noch einmal Michael Schleeh. Der hat auf Hard SensationsThe Whiskey Bandit“ besprochen und findet, dass Nimród Antal langsam wieder auf die Spur kommt.

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6. Favourites Film Festival im Cinema Ostertor

Vom 23. bis zum 27. Mai 2018 findet nun zum nunmehr sechsten Mal das Favourites Film Festival auch in Bremen statt. Wie im Vorjahr ist das Festival wieder im Cinema im Ostertor beheimatet. Denn die Festivalmacherinnen Anna Jurzik und Paula Syniawa sehen das Cinema als ganz besonders dazu geeignet ein, um aus dem Kino ein lebendiges Festivalzentrum als Ort des Austauschs für Besucher zu machen.

Die Idee hinter dem Favorites Film Festival ist es, Filme aus aller Welt zu zeigen, die bereits auf anderen Festivals einen Publikumspreis gewonnen haben. Die Festivalmacherinnen suchen dabei aus rund 500 Publikumspreisgewinnern eine kleine Auswahl an Spiel- und Dokumentarfilmen, bei denen sie eine besondere „erzählerische Kraft und ästhetische Qualität“ sehen. Außerdem wird in einer Kurzfilmnacht auch wieder publikumspreisgekrönte Kurzfilme präsentiert und das Publikum kann daraus dann seinen Liebling wählen.

Die Filme des diesjährigen Programms erzählen laut der Macherinnen „von zumeist jungen Menschen, die ihren Platz in der Welt suchen und dabei mit ihrem Lebensumfeld kollidieren. In ihrem unbeholfenen Vortasten, in ihren wagemutigen Schritten in ein selbstbestimmtes Leben, in ihren verletzlichen Zukunftsträumen und in ihrer ebenso intuitiven wie radikalen Abwehr festgefahrener Denk- und Verhaltensmuster, spiegeln sich große Fragen nach dem Morgen“. Das Festival besteht also vor allen Dingen aus Coming-Of-Age-Geschichten und Filmen über gesellschaftliche Probleme. Genre-Filme sucht man hier vergeblich. Dass vier der sieben ausgewählten Langfilme von Frauen inszeniert wurden und weitere zwei Filme von gemischten Regie-Duos, kommentiert die Festivalsleitung wie folgt: „Wir haben uns bei der Programmauswahl keine Quote gesetzt und auch nicht explizit nach Filmen von Regisseurinnen gesucht. Jeder Film hat uns auf seine Weise überzeugt und emotional berührt – sowohl ästhetisch, als auch dramaturgisch und thematisch. Wir sind sehr froh über die Stimmigkeit der diesjährigen Auswahl, in der die einzelnen Filme aufeinander Bezug zu nehmen scheinen, sich ergänzen und gegenseitig bereichern“.

In Strimolov / Falling, dem Debütfilm der ukrainischen Regisseurin Marina Stepanska verlieben sich ein Musiker, der gerade aus der Entzugsklinik entlassen wurde, und eine Studentin ineinander. Beide befinden sich an einem wichtigen Wendepunkt in ihrem Leben und zeichnen mit ihrer Liebesgeschichte gleichzeitig ein Zeitbild der heutigen Ukraine.

Auch in Home der flämischen Regisseurin Fien Troch kehrt der Protagonist Kevin nach einer Zeit im Jugendgefängnis ins normale Leben zurück. Selten hat ein Film die Spannungen zwischen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern so atmosphärisch genau wie intensiv erlebbar gemacht.

Im niederländischen Film Layla M. sucht eine Abiturientin einen Weg, mit den Alltagsdiskriminierungen umzugehen, die sie als Muslima mit marokkanischen Wurzeln erfährt, und radikalisiert sich zunehmend. Sie heiratet heimlich den Islamisten Abdel, verlässt mit ihm das Land und gerät in kürzester Zeit in Situationen, aus denen es so schnell kein Zurück gibt.

Wallay nimmt seine Zuschauer ebenfalls mit auf eine Reise auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Als erzieherische Maßnahme wird der 13-jährige Ady, der in Frankreich aufgewachsen ist, von seinem Vater in dessen Heimatland Burkina Faso geschickt, wo er seine Verwandten kennenlernen und zum „Mann“ werden soll.

In Beach Rats verbringt Frankie seine Sommerferien mit seinen Macho-Kumpels am Strand von Coney Island, während er nachts beginnt, sich heimlich mit Männern aus schwulen Chatrooms zu treffen. Der poetische US-amerikanische Independent-Film von Regisseurin Eliza Hittman erzählt behutsam von einem jungen Mann, der in seinen Verhältnissen gefangen scheint.

Die Protagonisten des spanischen Dokumentarfilms The Silence of Others kollidieren mit einer Gesellschaft, die die Gräueltaten der Franco-Diktatur um jeden Preis vergessen will. Gemeinsam beginnt eine kleine Gruppe vom Küchentisch aus für eine Aufklärung der Verbrechen von damals zu kämpfen.

Eröffnet wird das Festival mit der bulgarisch-griechischen Koproduktion Slava / Glory des Regie-Duos Kristina Grozeva und Petar Valchanov. Erzählt wird die Geschichte des Schienenarbeiters Tsanko, der auf seinem Kontrollgang über die Gleise eine Tüte voll Geld findet und pflichtbewußt die Polizei verständigt. Von der PR-Sprecherin des Verkehrministeriums wird er daraufhin zum Helden stilisiert, um von bestehenden Korruptionsvorwürfen abzulenken. Slava erzählt ungeschönt und mit schwarzem Humor vom Kampf eines einfachen Mannes um sein Recht und zugleich von der tief gespaltenen bulgarischen Gesellschaft.

Besucher, die Arbeitslosengeld II beziehen, sich in einem laufenden Asylantragsverfahren befinden oder mit einem Duldungsstatus in Deutschland leben haben kostenlosen Eintritt.

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Cinemaxx Bremen senkt drastisch die Preise – Grund zur Freude oder zur Sorge?

Okay, jetzt ist es raus: Ab heute, dem 17. Mai, sollen im Cinemaxx Bremen alle Filme in 2D € 5,99 kosten. Egal, wie lang der Film ist, egal, ob Parkettplatz oder Loge. Nur für den Besuch eines 3D-Films oder für einen Platz in einem sogenannten VIP-Sessel muss ein Aufpreis gezahlt werden.

Klingt eigentlich nach einer sehr guten Nachricht. Wird das Kinovergnügen doch drastisch günstiger. Ich weiß noch, wie ich z.B. an einem Samstagabend mal eben locker bei fast 15 Euro pro Karte war (weil online gebucht, da wird ja – auch wenn es in meinen Augen so überhaupt keinen Sinn macht, weil ja jede Arbeit und der Materialaufwand beim Drucken beim Kunden liegt – immer noch eine Gebühr fällig). Aber mir stellen sich auch viele Fragen, die meine Freude augenblicklich schrumpfen lassen.

Geht es dem Cinemaxx wirklich so schlecht, dass die solche Dumping-Preise aufrufen müssen? Was bleibt dem Kino da eigentlich noch, wenn man mal die exorbitanten Verleihkosten die z.B. Disney für ihre Filme aufrufen, abzieht? Soll das dann über die Massen, die aufgrund des günstigeren Preises ins Kino strömen kompensiert werden. Klar, 100 Leute, die 5,99 ausgeben bringen mehr ein, als 30, die das Doppelte zahlen. Ich habe so meine Zweifel, dass die Rechnung aufgeht. Bisher lag Bremen ja mit den Kinobesuchen pro Einwohner immer mit vorne. Werden jetzt so viele ihre eingeschliffenen Streaming-Gewohnheiten aufgeben? Das bleibt abzuwarten, und ich bin tatsächlich sehr gespannt, was passiert.

Ängstlich gespannt bin ich darauf, was das für die Programmkinos bedeutet, die ja teilweise auch schon bei Ticketpreisen von 9-10 Euro sind. Preise, die nicht aus Gier – sondern schlicht und einfach aufgerufen werden, um zu überleben. Denn das müsste jedem klar sein: Kinos, die besondere Filme jenseits des Mainstream zeigen, wie City 46 oder Cinema Ostertor, kalkulieren immer am Existenzminimum. Werden die Programmkinos also gezwungen sein den Preiskampf mitzumachen? Oder bleiben sie bei ihren Ticketpreisen und riskieren es Zuschauer an das Cinemaxx zu verlieren und letztendlich die Pforten schließen zu müssen? Oder ist das Programm-/Kommunalkino-Publikum eh ein ganz anderes, welches hier wenig preissensibel reagiert? Aus meinem Bekanntenkreis, der die 40 deutliche überschritten hat, weiß ich – auch wenn das natürlich keine repräsentative Stichprobe ist – dass die zwar regelmäßig ins Kino gehen, aber die Multiplexe wie der Teufel das Weihwasser meiden. Die Multiplexe sind ihnen zu laut, das Publikum zu unruhig, die Atmosphäre wenig einladend und generell fehlt ihnen dort das Besondere, ja, familiäre, welches die kleineren, unabhängigen Kinos bieten.

So oder so. Das Cinemaxx hat einen ziemlich lauten Schuss abgegeben und ein Feld betreten, von dem man noch nicht weiß, ob es eine blühende Wiese oder ein Schlachtfeld ist, auf dem am Ende viele verrecken. Ich wage hier auch keine Prognose. Mein Gefühl ist allerdings gar kein Gutes. Mal schauen, was ich hier in einem Jahr schreiben werde und wer von den Kinos dann noch da ist. Ich hoffe doch sehr, es werden alle sein.

Im Weser Kurier kann man nachlesen, dass die Mitbewerber des Cinemaxx bisher noch gelassen sind. Das Cinespace argumentiert dort mit einer der dem Cinemaxx technisch überlegenen und generell modernen Ausstattung. Die Schauburg und das Cinema sehen aufgrund des unterschiedlichen Programmangebots erst einmal keine Gefahr und denken nicht über ähnliche Preissenkungen nach.
Thomas Settje vom Cinema Ostertor sagt aber auch: „Wenn die Leute die aktuellen Preise nicht mehr bezahlen, müssen wir das Kino irgendwann aufgeben“.

 

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Das Bloggen der Anderen (07-05-18)

– Frédéric Jaeger berichtet auf critic.de von den Kurzfilmtagen Oberhausen 2018.

– Urs Spörri findet, dass 2017/18 ist ein starker Jahrgang für deutsche Filme war. Woran er das festmacht, erklärt er auf kino-zeit.de. Ebenda hat Falk Straub ein Interview mit den beiden Filmemachern Hans Block und Moritz Riesewieck geführt, die gerade mit ihrem Dokumentarfilm „The Cleaner“ für Furore sorgen.

– Auf cinetastic habe ich eine interessante Review von „The Cleaners“ gefunden. In dem Dokumentarfilm geht es um Menschen in Billiglohnländern, die im Auftrag von Facebook nach pornographischen und gewalttätigen Inhalten suchen.

– Altbekanntes, aber immer wieder nett zu lesendes Thema: Große Filme, die nie über die Planungsphase herauskamen. Zusammengetragen von Filmlichtung.

Listen, Listen, Listen. Wer das mag kann mal auf Eskalierende Träume gucken, wo die Blogger teilweise Tonnen an unkommentierten Filmtiteln zusammengetragen, was 2017 toll war – und was weniger.

– Ein Abmahnanwalt hat mehrfilm nach 17 Jahren das Genick gebrochen.

Henri-Georges Clouzot und Komödie? Geht das? Ja, geht so – findet Manfred Polak auf Whoknows presents nachdem er „Miquette et sa mère“ gesehen hat.

Robert Zion deckt auf, wie stark Dario Argentos „Suspiria“ von Fritz Langs „Secret Beyond the Door“ beeinflusst wurde.

– Asien-Zeit auf film-rezensionen.de. Oliver Armkecht ist sehr enttäuscht von John Woos Rückkehr zum Gangsterfilm („Notwehr“), mag aber den neuen (?) Sion Sono: „Antiporno“.

– Christian hat auf Schlombies Filmbesprechungen zweimal „Emil und die Detektive“ gesehen. Einmal in der Fassung von 1931 und einmal das zweite Remake von 1954. Gemocht hat er beide.

– Ebenfalls aus der BRD der 50er Jahre stammt „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ mit der barbusigen Marion Michael. Werner Sudendorf hat sich den Film auf new filmkritik vorgenommen.

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„35 Millimeter“-Magazin: Ausgabe 26 erhältlich

Und wieder ist eine neue Ausgabe des „35 Millimeter – Retro-Filmagazin“ erschienen. Mittlerweile bereits die 26. Ausgabe.

Als Titelthema kümmern wir uns diesmal um das jüngste der fünf großen Hollywood-Studios der goldenen Ära: Der RKO. Ich habe dazu einen Artikel über Orson Welles „ramponiertes“ Meisterwerk „Der Glanz des Hauses Amberson“ beigetragen, und wieder einmal gedacht: Was würde ich dafür geben, wenn es möglich wäre einmal die vollständige und von Welles intendierte Fassung dieses Filmes sehen zu können. Aber die ist wohl leider auf immer und ewig verschollen.

Außerdem durfte ich nicht nur einer neuen Kolumne auf den Namen „Operation Europloitation – Todesgrüße vom Mittelmeer“ taufen, sondern ihr auch als erster Autor Leben einhauchen. Dabei habe ich mich dem großartigen „La Donna del Lago“ von Luigi Bazzoni gewidmet. Zukünftig wird diese Kolumne von immer wieder wechselnden Autoren gefüllt. Ach ja, und eine Rezension zu „Die Bucht der Schmuggler“ habe ich auch noch untergebracht.

Noch sehr erwähnenswert: Neu-Kollege Robert Zion startet seine neue Kolumne AUF DEM PFAD DER VERLORENEN – DER NOIR WESTERN (1943-1962) mit einem vier Seiten umfassenden Kolumnenspecial. Wovon die weiteren, wieder richtig toll geratenen Artikel von meinen Kollegen handeln, könnt ihr unten im Inhaltsverzeichnis sehen. Ich jedenfalls habe das Heft wieder mit höchstem Genuss durchstöbert.

Heft #26 kann man HIER für € 4,50 zzgl. Versand beziehen.

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Das Bloggen der Anderen (30-04-18)

– Unter dem schönen Titel „Schwarz wie Schnee“ stellt Robert Zion die seiner Meinung nach vier besten Schnee-Western vor.

– Sonja Hartl hat auf kino-zeit.de einen sehr interessanten Artikel zur Frage „Wie Jazz in den Film kam“ beantwortet.

– Valerie Dirk schreibt auf Jugend ohne FilmVom Aufbrechen der Rituale: Lady Bird von Greta Gerwig“.

– André Malberg kann auf Eskalierende Träume zwar nicht widersprechen, dass “Der Teppich des Grauens” „am Ende des Tages unter den Gruselkrimis, die in der BRD der 60er Jahre so boomten, maximal eine Randnotiz“ ist. Aber er ist gleichzeitig erstaunt darüber, wie der Film das Bild von „Krimiregular und Frauenschwarm in Personalunion Blacky Fuchsberger (…) nicht gründlicher zu demontieren versuchte als jeder andere Film dieser Ära“.

– Was für ein Zufall: Da sah ich mit gerade just diesen Freitag Michael Armstrongs/Adrian Hovens „Hexen bis aufs Blut gequält“ an, schon erscheint auf Schattenlichter ein ausführlicher Drehort-Bericht von der geschätzten Mauritia Mayer.

– Letztes Jahr leider auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg verpasst – jetzt kommt er ins Kino „Familiye“ von Sedat Kirtan und Kubilay Sarikaya. Ronny Dombrowski von cinetastic findet bei diesem Debütfilm zwar kleinere Defizite, weiß ihn darüber hinaus aber doch zu schätzen.

– Klingt sehr spannend: Die Doku „Der Prinz und der Dybbuk“ über den polnischen Filmemacher Michal Waszynski (1904-1965). Oliver Armknecht von film-rezensionen.de hat den Film besprochen.

– Noch habe ich mich an Martin Scorseses letzten Film „Silence“ nicht so recht ran getraut. Nach funxtons sehr positiver Rezension werde ich das aber bald mal nachholen.

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Blu-ray-Rezension: Zwei Filme von G.W. Pabst

Westfront 1918

Der Film erzählt von vier Infanteristen – der Bayer (Fritz Kampers), der Student (Hans-Joachim Moebis), Karl (Gustav Diessl) und der Leutnant (Claus Clausen) – die in den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges in Frankreich gemeinsam an der Westfront kämpfen…

Anmerkung: Alle Screenshots von „Westfront 1918“ und „Kameradschaft“ stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

In diesem Jahr jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100sten Mal. Ein guter Zeitpunkt, um G.W. Pabsts Anti-Kriegsfilm „Westfront 1918“ in restaurierter Form auf den deutschen Heimkinomarkt zu bringen. Zuvor war der Film bereits auf einer nicht ganz optimalen DVD erhältlich, nun aber kann man Pabsts Werk in restaurierter Form und in HD bewundern. „Westfront 1918“ ist Pabsts erster Tonfilm, und er weiß das Medium für sich zu nutzen. Auffällig seine Entscheidung in „Westfront 1918“ keine Musik einzusetzen. Der ganze Soundtrack besteht aus den Dialogen und den bedrohlichen Geräuschen an der Front. Für heutige Seh- bzw. in diesem Falle Hörgewohnheiten ist das erst einmal gewöhnungsbedürftig. Die Schauspieler sprechen so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Da wird kein Dialekt glatt gebügelt, was beispielsweise zur Folge hat, dass man das harte Bayrisch eines Fritz Kampers‘ tatsächlich nur schwer verstehen kann. Oder französische Dialoge nicht künstlich „eingedeutscht“ werden.

Dies alles trägt aber zum Realismus des Filmes bei. Teilweise glaubt man, hier zeitgenössische Aufnahmen aus den Schützengräben vor sich zu haben. Es gibt keine heroische Musik, kein ohrenbetäubendes DTS 5.1. Höllenfeuer. Nichts, was man heute von einem Kriegsfilme – die ja auch immer verkappte Actionfilme sind – erwarten würde. Pabst beobachtet seine Figuren, wie sie sich in dem Albtraum Krieg verhalten und was dieser Krieg aus ihnen macht. Dabei entscheidet er sich gegen eine einzige Identifikationsfigur, sondern folgt – wie der vollständige Untertitel „Vier von der Infanterie“ schon ankündigt – vier ganz unterschiedliche Charaktere. Am ehesten könnte noch „der Student“ als unser Wegweiser durch die Hölle fungieren. Wird ihm doch eine kleine Liebesgeschichte mit einem französischen Mädchen gegönnt. Doch „der Student“ wird auch als Erster Opfer des Krieges. Unheroisch und dreckig wird er niedergemacht. Noch nicht einmal seinen Tod in einem schlammigen Drecksloch bekommen wir zu sehen. Sein Tod geschieht nebenbei, ist unwichtig. So wie der Tod des Paul in dem zeitgleich entstandenen „Im Westen nichts Neues“, der in den USA wenige Tage nach der deutschen Premiere von „Westfront 1918“ startete und in Deutschland erst sechs Monate später in die Kinos kam.

Danach ist es Karl, dem Pabst durch das Kriegsgräuel folgt. Karl darf für drei Wochen in die Heimat zurückkehren. Hier wird er mit den dramatischen Auswirkungen des Krieges konfrontiert, den dieser vernichtet nicht nur die Männer an der Front, sondern auch die Seelen der Daheimgeblieben. Lange Schlange vor der knappen Essensausgabe, Frauen, die die verzweifelte Mutter eines gerade Gefallen anschnauzen, sie solle sich ans Ende der Schlange stellen. Mitleid habe niemand, schließlich hätten sie alle Söhne im Krieg verloren. Karls Mutter kann ihren Sohn nicht umarmen, da sie sonst den wertvollen Platz in der Schlange aufgeben würde. Karls Frau geht mit einem Fleischer ins Bett, denn „er bringt doch immer etwas zu essen mit“. Szenen, die an Pabst „Die freudlose Gasse“ erinnern.

In den Kriegsszenen konzentriert sich Pabst ganz auf die beklemmende Atmosphäre. Besonders blutige Szenen, wie heute Usus, gibt es kaum. Umso mehr wirkt das Ende des Filmes, der dann in einem behelfsmäßigen Hospital, welches symbolträchtig in einer zerstörten Kirche eingerichtet wurde, wie ein Abstieg in die Hölle. Hier findet man die versehrten Soldaten, die voller Panik realisieren, dass sie keine Beine mehr haben. Sterbende, schwer Verwundete. Überforderte Ärzte, Wahnsinnige. Hier gibt es dann kein Freund und feind mehr. Deutscher oder Franzose. Hier sind sie alle gleich, zerbrochen unter demselben Leid. Allesamt Kanonenfutter, hüben wie drüben. Erschreckende, eindrückliche Bilder die ihren Höhepunkt darin finden, dass Pabst und sein genialer Kameramann Fritz Arno Wagner das Gesicht eines Sterbenden allein durch die Beleuchtung in einen Totenschädel verwandeln, während neben ihm „der Feind“ auf der Suche nach etwas Trost und menschlicher Nähe dessen Hand hält. Hier erreicht der Film eine intensive Meisterlichkeit, die sich tief das Gedächtnis des Betrachters einfrisst. Es ist kein Wunder, dass der pazifistische Film mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten umgehend verboten wurde.

Kameradschaft


In der französischen Zeche Thibault nahe der deutsch-französischen Grenze kommt es zu einem schweren Grubenunglück. Mehr als 600 Bergleute werden verschüttet. Als die Bergleute auf der deutschen Seite davon erfahren, fordert der Kumpel Wittkopp (Ernst Busch) kann die deutschen Kollegen auf , den französischen Kumpels umgehend zur Hilfe zu kommen. Er stellt einen Rettungstrupp zusammen und erhält die Erlaubnis von der Direktion nach Frankreich zu fahren, um dort zu helfen. Die Männer fahren mit ihren LKWs über die Grenze und lassen sich auch von den Zollbeamten, die zu spät informiert wurden, nicht aufhalten…

Der ein Jahr später entstandene Film „Kameradschaft“ ist die Weiterführung von „Westfront 1918“. Auch hier geht es um den Konflikt zwischen den Franzosen und der Deutschen, der nach dem verheerenden Krieg noch immer von Vorurteilen und tiefem Misstrauen geprägt ist. Aber auch um die Menschlichkeit. Davon, dass doch alle gleich sind („Kumpels sind Kumpels“), egal auf welcher Seite der Grenze sie leben. Und dass die „einfachen Menschen“ dies begriffen haben (ähnlich wie in „Westfront 1918“, wo am Ende alle im demselben Hospital vor sich hin vegetieren und sterben), aber immer wieder zum Spielball der Regierungen werden.

Wie „Westfront 1918“ ist „Kameradschaft“ ein Appell an das Miteinander und gegen Vorurteile und Hass. Der Film beruht auf dem realen Grubenunglück, welches sich im Jahre 1906 in der Zeche der Compagnie de Courrières im nordfranzösischen Kohlerevier in der Nähe der Stadt Lens, unweit der belgischen Grenze ereignete. Bei diesem waren 1400 Arbeiter unter Tage eingeschlossen gewesen. 1099 kamen um. Damals eilte eine deutsche Rettungsmannschaft aus Dortmund nach Frankreich, um mit dem geeigneten Gerät den Rettern vor Ort zu helfen. Pabst versetzt diese Grundgeschichte in die Gegenwart von 1931. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen wird immer noch von dem 13 Jahre zurückliegenden Krieg bestimmt. Es herrscht Misstrauen und Ablehnung. Zwei Kinder (ein französisches, ein deutsches) spielen mit Murmeln. Doch schon bald kommt es zum Streit. Der französische Junge hätte gemogelt, meint das deutsche Kind. Das französische meint wütend, der Deutsche wolle ihn übervorteilen. Arbeitslose deutsche Arbeiter suchen in Frankreich Arbeit, werden aber an der Grenze abgewiesen. Es gäbe ja kaum genug für die Franzosen.

Drei deutsche Minenarbeiter wollen sich in Frankreich amüsieren, scheitern aber an der Sprachbarriere. Als der eine ein französisches Mädchen zum Tanz auffordern will, lehnt dieses ab, weil es müde ist Sie bittet ihren Freund dies zu erklären, weil er ein wenig „allmand“ spricht. Der deutsche Arbeiter versteht nur „allmand“ und ist außer sich, weil er glaubt, die Französin würde ihm den Tanz nur verweigern, weil er Deutscher sei. Dieser Konflikt führt beinahe zu einer Schlägerei, doch glücklicherweise hat der Arbeiter einen besonnen Freund dabei, der ihn aus der unangenehmen Situation herausführt. Später wird ein französischer Arbeiter seinen deutschen Retter fast erwürgen, weil er von einem Kriegstrauma eingeholt wird und in dem Deutschen einen gegnerischen Soldaten sieht.

All dies zeigt Pabst ohne Wertung. Sein Herz schlägt weder auf der deutschen, noch auf der französischen Seite – sondern für die Menschen an sich. Dementsprechend werden die Deutschen auch nicht als strahlende Helden gezeigt, die „den Franzosen“ mal zeigen, wie man es macht. Sondern als normale Leute, die einfach nur helfen wollen. Die nicht die Glorie des Heldentums suchen, sondern einfach professionell ans Werk gehen. „Ein Kumpel ist ein Kumpel“. Konsequenterweise wird die Geschichte von beiden Seiten her gleichberechtigt gezeigt, und die Franzosen sprechen französisch, die Deutschen sprechen deutsch. Neben seiner ebenso pazifistischen, wie humanistischen Grundierung, hat „Kameradschaft“ aber auch auf der rein visuellen Seite sehr viel zu bieten. Mit seinem kongenialen Kameramänner Fritz Arno Wagner und Robert Baberske begibt sich Pabst tief in die Stollen des Minensystems. Man spürt die Klaustrophobie, die allgegenwärtige Bedrohung. Man wähnt sich tief unter Tage. Es ist kaum zu glauben, dass Pabst nicht vor Ort, sondern in von Erno Metzner and Karl Vollbrecht entworfenen Kulissen agierte. Mit seiner extrem expressionistischen Ausleuchtung, schufen Pabst und Wagner/Baberske starken Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Jede Einstellung für die Galerie, aber jederzeit auch immer im Dienst des Films.

Pabsts Schauspieler rekrutieren sich zu gleichen teilen aus deutschen, wie französischen Darstellern. Am Ende stehen zwei flammende Reden für ein freundschaftliches, ja „kameradschaftlichen“ Miteinander. Eine euphorisch geschmettert von dem französischen Bergmann, der fast seinen Retter umgebracht hätte, die andere nüchterner, aber nicht weniger eindringlich auf deutsch von Wittkop, dem Kumpel, der die Rettungsaktion initiierte. Dass tief unter Tage bereits wieder neue Mauern gezogen werden, damit „alles seine Ordnung hat“, ist ein finsterer Vorgeschmack auf das, was sich zwei Jahre später in Deutschland ereignen soll. Mit dem Wissen, dass trotz aller Hoffnung, sich das Grauen und der Hass des vergangenen Krieges auf das grausamste wiederholen sollte, möchte man nur noch sein Haupt in den Händen wiegen und weinen. Und aufmerksam sein, ob 2018 nicht das neue 1931 ist.

Zur Veröffentlichung: Zunächst die gute Nachricht: Die neue Veröffentlichung von Atlas Film mit der 2014 durch die Deutsche Kinemathek in Kooperation mit dem BFI National Archive und dem CNC erstellte Restaurierung der beiden Filme schlägt die bisherige DVD-Veröffentlichung durch die Ufa um Längen! Unglaublich, was hier noch bei Bild und Ton herausgeholt werden konnte. Siehe Bildvergleich am Ende dieses Artikels. Auch sehen die beiden Mediabooks, die den Film jeweils auf Blu-ray und DVD enthalten und mit einem schönen Booklet mit mit originalen, historischen Dokumenten und Informationen zur Geschichte des jeweiligen Films enthalten, sind ausgesprochen hübsch geworden. Die schlechte Nachricht: Im Gegensatz zu dem bereits vor knapp einem Jahr in England erschienen 3-fach-Set, welches beide Filme zusammen auf einer Blu-ray, sowie jeweils einzeln auf einer DVD enthielt, besitzt die deutsche Variante keinerlei Extras. Auf die in der britischen Variante enthaltenen jeweils ungefähr viertelstündigen Einführung durch Jan-Christopher Korak wird also leider verzichtet. Das ist sehr schade und trübt ein wenig die Freude darüber, dass diese beiden Meisterwerke endlich auch in ihrem Heimatland in einer vernünftigen Form vorliegen.

Vergleich der alten Ufa-DVD (links) und der neuen DVD aus dem Mediabook:

Westfront 1918

 

 

 

 

 

 

Kameradschaft

 

 

 

 

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Das Bloggen der Anderen (23-04-18)

– 1936 inszenierte Robert Siodmak in Frankreich den Film „Mister Flow“. Siodmaks französische Filme sind hierzulande wenig bekannt, und die meisten sind auch schlecht zugänglich. Umso erfreulicher, dass sich Manfred Polak von Whoknows presents sich „Mister Flow“ angenommen hat und ihn eingehend analysiert.

– Olgar Baruk portraitiert anlässlich einer Werkschau im Berliner Arsenal auf critic.de kurz die österreichische Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann.

– Anna Wollner führt auf kino-zeit.de ein Interview mit Schauspielerin und Filmemacherin Greta Gerwig.

– Beim Kinogänger gibt es eine erste Vorschau auf den Kinosommer 2018.

– Rainer Kienböck schreibt auf Jugend ohne Film über den Künstler und Dokumentarfilme Ben Russel, dessen Werk „Good Luck“ auch bereits auf ARTE lief.

– Christian Witte war bei seinem Freund Siegfried Bendix zu einem Filmabend eingeladen und beschreibt auf Witte’s Wöchentliche Tipps das Resultat.

– Werner Sudendorf hat auf new filmkritik einen interessanten Text zu Eduard von Borsodys „Geliebte Corinna“ von 1956 verfasst.

– Dass deutsche Regisseure eine Remake des eigenen Werks drehen kommt eher selten vor (aktuelles Beispiel: Wolfgang Petersen mit „Vier gegen die Bank“). Alfred Vorher hat 1975 seinen 1958 gedrehten „Verbrechen nach Schulschluss“ auf den neusten Stand gebracht. Und das recht exploitativ, wie totalschaden von Splattertrash meint.

– Ein Film, der nach der ersten Sichtung immer mehr wächst. Als ich ihn als „Das Manhatten Massaker“ sah, war ich noch wenig begeistert, mittlerweile liebe ich „Im Jahr des Drachen“. Auch Sebastian von Nischenkino ist ein großer Fan dieses Filmes.

– Christian Genzel zeichnet auch Wilsons Dachboden nach, wie Sandra Bullock sich mit „Verrückt nach Steve“ ihre Goldene Himbeere verdiente.

– Flo Lieb nimmt auf symparanekronemoi den wunderbaren Ted Kotcheff-Klassiker „First Blood“ (hier allgemein als „Rambo“ und für seinen Hauptdarsteller bekannt) auseinander, kommt aber am Ende zu einem sehr positiven Ergebnis.

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Blu-Ray-Rezension: „Good Time“

Ein gerade auf Bewährung entlassener Ex-Sträfling Connie Niklas (Robert Pattinson) will sich um seinen geistig behinderten Bruder Nick kümmern. Allerdings verwickelt diesen prompt in einen Bankraub, woraufhin Nick geschnappt wird. Connie versucht daraufhin ihn irgendwie aus dem Knast zu bekommen, was aber nicht klappt. Als Connie dann erfährt, dass Nick mittlerweile in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, will er ihn daraus entführen. Und von da an geht so ziemlich alles schief…

Good Time“ wird gerne mal mit Nicolas Winding Refns „Drive“ verglichen. Was natürlich ein ziemlicher Unsinn ist und vollkommen auf die falsche Fährte führt. Wobei es durchaus auf den zweiten Blick Gemeinsamkeiten gibt, aber nicht jene, welche die Marketing-Leute herbei schreiben wollen. Ja, in beiden Filmen gibt es eine Farbdramatugie, die in kräftigen Neon-Farben schwelgt und auch der Synthie-Soundtrack klingt hübsch Retro. Doch die eigentliche Schnittstelle ist es, dass beide Filme Neo-Noirs sind, welche sich nicht um die großen, spektakulären Coups kümmern, sondern Geschichten aus der Unterschicht des Verbrechens, von den kleinen Kriminellen und nicht den großen Bossen erzählen. Und von den Gefühlen, die man nicht zulassen sollte und die unweigerlich zu falschen Entscheidungen und in finaler Konsequenz zum Untergang führen. Wobei dem von Robert Pattinson eindrucksvoll gegen den Strich gespielten Connie, die Intelligenz und coole Skrupellosigkeit der von Ryan Gosling gespielten Figur vollkommen abgeht.

Connie Niklas agiert rein aus dem Bauch hinaus. Er macht sich keine große Gedanken über die Folgen seines Handelns, und ob er damit Andere ins Verderben stürzt. Er ist beseelt von dem Glauben, das Richtige zu tun, plant nicht großartig voraus und versucht Probleme im Moment zu lösen, ohne an die Auswirkungen zu denken. Was zu einer Serie katastrophaler Fehlentscheidungen führt. In einem Film der Coen Brothers, die ein ähnliche Feld bestellen, würde dies höchstwahrscheinlich zu einer sehr schwarzen Komödie mit ätzendem Humor führen. Die Safdie-Brüder betonen im Interview zwar, dass auch sie ihren Film als schwarze Komödie sehen, gehen in der Praxis aber weitaus ernsthafter zu Sache. Zwar steckt ihr Drehbuch ebenfalls voller aberwitzig-skurriler Einfälle, doch zum Lachen oder zumindest Schmunzeln ist einem nicht zumute. Was allerdings fehlt ist eine gewisse Tragik, die einen Sympathien für die Hauptfigur hegen lassen. Connie ist in erster Linie eine gewaltiger und gewalttätiger Egoist, dem die Konsequenzen seines Handelns für andere ziemlich egal ist. Allein sein Bruder Nick bedeutet ihm etwas. Allerdings besitzt er keinerlei Empathie für dessen Situation und eine feste Überzeugung, was für Nick das Beste ist. Dass er Nick damit auf direktem Wege in den Knast bringt, wo dieser kaum eine Überlebenschance hat, sieht er auch nicht im Geringsten als sein Fehler. Sondern als unglücklichen Zustand, den es zu korrigieren gilt.

„Good Time“ lebt vor allem von seinen hervorragenden Schauspielern, Robert Patinson ist sehr überzeugend als Connie, und man könnte sich am Ende keine bessere Besetzung für die Rolle vorstellen. Ebenfalls hervorzuheben ist die großartige Jennifer Jason Leigh, die eine wundervolle Vorstellung als Connies völlig verpeilte Geliebte abliefert. Doch in den Schatten werden alle von Co-Regisseur Benny Safdie gestellt, der Connies zurückgeblieben Bruder Nick spielt. Dies tut er so natürlich und bewegend, dass man den Eindruck bekommen kann, hier wäre tatsächlich ein Schauspieler mit mentalem Handiacap gecastet worden. Zumindest in der Originalfassung. In der deutschen Fassung klingt seine verwaschen-vernuschelte Sprache weit weniger realistisch. Man erschreckt sich förmlich, wenn im Bonus-Bereich der BluRay Benny Safdie sich als aufgeweckter, gutaussehender und fröhlicher Interview-Partner entpuppt. Nick ist dann auch die Seele des Films. Der Motor für Connies unüberlegte und impulsiven Aktionen. Und eine Figur von tiefer Traurigkeit und Tragik. Wunderbar fangen die Safdie-Brüder dies in einer zu herzen gehenden und zutiefst ambivalenten Schlussszene ein, die einem auch durch die kongeniale Musikbegleitung durch Oneohtrix Point Never (alias Daniel Lopatin) mit Iggy Pop noch lange im Gedächtnis bleibt, wenn man den Rest des Filmes schon nur noch schemenhaft erinnert.

Das Bild der Ascot Elite-BluRay ist durchgehend gut. Satte Farben dort wo sie von den Regisseuren intendiert wurden und eine durchgehend angenehme Schärfe. Beim Ton fällt wieder eine unangenehme Mischung aus Effekten und Dialogen auf. Letztere sind deutlich leiser leiser als die Effekte, was dazu führt, dass man den Anlage lauter einstellt und die Effekten einen dann senkrecht auf dem Sofa stehen lassen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass dies in der deutschen Tonspur nicht ganz so drastisch ausfällt. Dafür ist die deutsche Synchro dem o-Ton deutlich unterlegen. Insbesondere was Benny Safdies Nick angeht. Überhaupt verliert der Film in der deutschen Bearbeitung einiges von seinem schonungslosen Realismus. Als Extras sind zwei kurze Interviews enthalten. Einmal mit Hauptdarsteller Robert Pattinson (5 Minuten) und dann mit den beiden Regisseuren (6 Minuten). Insbesondere das zweite ist trotz der Kürze sehr informativ ausgefallen.

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