Vorschau: Das 33. Internationale Filmfest Oldenburg – Die erste Filme sind angekündigt

Die ersten Filme des 33. Internationale Filmfest Oldenburg sind angekündigt. Bald ist es schließlich auch soweit. Das Filmfest findet in diesem Jahr vom vom 16. bis 20. September statt.

Ich muss sagen, die ersten Ankündigungen steigern meine Vorfreude noch einmal. Wenn ich mir die Filme so anschaue, ist da keiner darunter, den ich mir nicht angucken würde. Ich stelle sie mal in der Reihenfolge vor, wie sie bei mir auf der „Must-see“-Liste stehen. Wobei selbst der dort letztplatzierte eine Film ist, den ich mir gerne ansehen würde.

Wie in den letzten Jahren auch immer, habe ich hier die Ankündigungstexte der Pressemeldung übernommen und diese im Anschluss mit meinen eigenen Anmerkungen (in kursiv) versehen.

Roma Elastica, Frankreich/Italien 2026, Bertrand Mandico (Deutschlandpremiere)

In Bertrand Mandicos neuestem Film, mit Marion Cotillard und Noémie Merlant in den Hauptrollen, reisen wir in das Rom des Jahres 1982. Dort trifft Eddie – eine Schauspielerin, die ihren großen Moment des Ruhms in Amerika bereits hinter sich hat – ein, um in einem Science-Fiction-Film mitzuwirken, der ihr letzter sein könnte. Begleitet von ihrer treuen Maskenbildnerin Valentina taucht Eddie in eine Welt aus schwindendem Glamour, seltsamen Begegnungen und einer Filmbranche im Umbruch ein. »Roma Elastica«, der seine Premiere in Cannes feierte, ist ein traumartiges Porträt einer Schauspielerin im Spätherbst ihrer Karriere und eine Hommage an die Geister des italienischen Kinos. Der Film wird in Deutschland von Rapid Eye Movies verliehen. – Wow, Regisseur Bertrand Mandico hat auch den fierbertraumartigen und sehr tollen „The Wild Boys“ gedreht, wecher in unserer Filmreihe Weird Xperience lief. Das Sujet des Filmes spricht alle Nerven bei mir an, die Kritiken sind sehr gespalten und Ornella Muti und Franco Nero haben Kurzauftritte. Um es kurz zu machen: „Roma Elastica“ ist in diesem Jahr mein „Must see“. Wunderbar, ich freue mich drauf.

You Won’t Believe What Happened Before, Nordmazedonien 2026, Srdjan Janicijevic (Weltpremiere)

Als ein kompromittierendes Video, das einen korrupten Autokraten entlarvt, in die Hände zweier eigenwilliger Journalisten gelangt, entwickelt sich der verzweifelte Versuch, der Gegenseite einen Schritt voraus zu bleiben, zu einer chaotischen Reise voller Verrat, Erpressung und Mord. Der Film bewegt sich durch eine politische Landschaft, in der jeder etwas zu verbergen hat, und verbindet die Spannung eines Polit-Thrillers mit schwarzem Humor und der Struktur eines ungewöhnlichen Roadmovies. Mit seiner nicht-linearen Erzählweise und der stetig wachsenden Bedrohung ist Srdjan Janicijevics Spielfilmdebüt eine scharfsinnige und unvorhersehbare Geschichte über Journalismus, Macht und die extremen Mittel, zu denen Menschen greifen, um ihre Geheimnisse zu wahren. – Bisher sind überwiegen amerikanische Filme im Programm. Aus Nordeuropa, den Osteuropa und Belgien ( 🙂 ) ist noch nichts dabei. Was ich schade finde. Aber mit Nord-Madedonien ist immerhin ein osteuropäisches Land vertreten, welches auch nicht unbedingt für seine Filmlandschaft bekannt ist. Das finde ich immer besonders spannend. Zudem weckt die Beschreibung große Erwartungen. Ich denke nicht, dass der Film die Intensität wie „Crocodiles“ im letzten Jahr haben wird, aber es scheint ja irgendwie in die Richtung zu gehen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.

Bruton, USA 2026, Vincent Grashaw (Deutschlandpremiere)

Inspiriert von der wahren Geschichte von Bryan Bruton – einem charismatischen Kleinkriminellen aus Jacksonville, dessen einziger verhängnisvoller Fehler zu einer zehnjährigen Haftstrafe führt –, verbindet diese wilde, mitreißende True-Crime-Geschichte Hoffnung, Humor und hart erkämpfte Resilienz hinter Gittern. Nach der Weltpremiere in Locarno markiert »Bruton« Vincent Grashaws erneute Rückkehr nach Oldenburg – nach »Bang Bang« und dem letztjährigen Gewinner des „Spirit of Cinema Award“, »Keep Quiet«. Erneut erzählt er eine Geschichte vom Rand der Gesellschaft und gibt seinem glänzenden Ensemble um Hauptdarsteller Theo Rossi viel Raum für schauspielerische Glanzleistungen. – „Keep Quite“ war einer der Höhepunkte auf dem letztjährigen Filmfest in Oldenburg. Dementsprechend hoch sind meine Erwartungen an diesen Film. Grashaw hat auch bewiesen, dass er tolle Figurenzeichnungen kann und das Umfeld seiner Filme gut rechcheriert.

Superbuhei, Deutschland 2026, Josef Brandl (Europapremiere)

Jesse Bronske ist überzeugt, dass sein Zwillingsbruder Aaron ihn aufgespürt hat und nun Schritt für Schritt sein Leben übernehmen will. Je tiefer er in Paranoia versinkt und versucht, seine Ängste im Alkohol zu ertränken, desto mehr gerät sein Leben aus den Fugen. Oliver Korittke glänzt in der Doppel-Hauptrolle in dieser grotesken Tragikomödie. Gedreht wurde in Hannover-Langenhagen, das allein schon der Inbegriff des Albtraums kleinstädtischer Spießigkeit. Was Josef Brandl in seinem Spielfilmdebüt daraus inklusive eines Cameos von Scorpions-Frontmann Klaus Meine zaubert, ist Deutsches Kino befreit von allem provinziellen Ballast: Ein düsterer, urkomischer und befreiender Aufschrei gegen jede Unterdrückung. Die Musik der Düsseldorf Düsterboys findet ihre perfekte visuelle Heimat in Josef Brandls Hommage an große Kinovorbilder von Kaufman bis Lynch. – Na, Kaufman und Lynch sind schon mächtige Ansagen. Wenn der Film dies nur zur Hälfte einlöst, bin ich bereits zufrieden. Oliver Korittke mag ich sehr gerne und glaube, er ist die Idealbesetzung für solch eine Paranoia-Geschichte. Regisseur Brandl kommt aus dem Art Department und war da für einige große Hollywood-Filme von Wes Anderson bis Steven Spielberg zuständig. Klingt vielversprechend.

Big Daddy’s Flowers, USA 2026, Matthew Osubor (Weltpremiere)

Unter der Mentorschaft der Indie-Ikone Alexandre Rockwell macht Matthew Osubor seine Heimatstadt Providence zur Kulisse für sein Spielfilmdebüt um den ominösen Big Daddy und seinen florierenden Blumenlieferservice. Osubor übernimmt die Hauptrolle als ahnungsloser Blumenlieferant, der seinen neuen Job so ernst nimmt, dass es lange dauert, bis ihm dämmert, warum er sich so viel mehr um die prachtvollen Blumengebinde sorgt, als seine Klienten. Eine liebevolle Story um kleine Ganoven und große Gefühle, dessen Leichtigkeit der Inszenierung ansteckend wirkt. – Hier kann ich aus der Zusammenfassung noch nicht recht herauslesen, in welche Richtung der Film geht. Andererseits meint man den Film schon zu kennen, denn er klingt wie ein typischer US-Indie-Film, wie er schon oft in Oldenburg lief. Was aber nun kein Vorwurf darstellen soll. Da war schon einiges Gold dabei. Ich bin gepannt, ob uns hier Indie-Film-Malen-nach-Zahlen oder eine eigenenwillige Perle erwartet.

Kill Me Now, USA 2026, Michael Polish (Weltpremiere)

Eine Autorin, die unter Zeitdruck ihren ersten Hollywood-Thriller fertigstellt, sucht Zuflucht in ihrem Zuhause – nur um festzustellen, dass ihr eigenes Leben zunehmend der Geschichte ähnelt, an der sie gerade schreibt. Als sie davon überzeugt ist, dass ihr Nachbar einen Mord an ihr plant, verschwimmen die Grenzen zwischen Paranoia, Fantasie und Realität. Neben so wunderbaren Darstellern wie Mena Suvari, Mario Van Peebles und Keith Carradine übernimmt die Autorin Jacqueline Singer die Hauptrolle in ihrer eigenen Story und gibt so dem neuesten Film der Indie-Ikone Michael Polish eine weitere Ebene zwischen Realität und Fantasie. Ein düster-verspielter Thriller über die Geschichten, die wir uns selbst erzählen – und darüber, was geschieht, wenn diese sich plötzlich gefährlich real anfühlen. – Nochmal Paranoia. Das trifft bei mir ja immer einen Nerv. Dazu noch gern gesehene Gesichter aus dem Videothekenfutter der 80er und 90er Jahren. Die letzten Filme von Michael Polish wurden in der IMDb ziemlich abgewatscht. Aber das waren auch B-Filme mit alternden Action-Stars wie Sylvester Stallone und Mel Gibson. Ich gebe dem hier mal eine Chance, zumal ich vermute, dass der Film keine Auftragsarbeit, sondern persönlicher ist. Hauptdarstellerin Jacqueline Singer hat auch das Drehbuch geschrieben, und Michael Polish und sein Bruder Mark spielen auch mit.

Asphalt Guerilla, Portugal 2026, Edgar Pêra (Deutschlandpremiere)

In Edgar Pêras neuestem cineastischem Meta-Puzzle verwischen die Grenzen zwischen politischem Idealismus und filmischer Rebellion. Pera zeichnet die desaströse Geschichte einer Amateur-Guerillazelle der 1980er Jahre nach sowie den chaotischen Versuch der 1990er Jahre, deren Geschichte auf die große Leinwand zu bringen. »Asphalt Guerrilla« ist ein fiktionaler Film mit realem Hintergrund, der von einer utopischen Phase der portugiesischen Demokratie in den 80er Jahren erzählt. Fast unmerklich verwebt sich die eigene Geschichte des Regisseurs in diesem nostalgisch-anarchischen Blick auf den Kampf gegen das System, der dieser Tage so aktuell wie selten erscheint. – Mit Edgar Pêra hadere ich ja immer. Der Mann ist supersympathisch und seine Filme geistreich, ungewöhnlich und bearbeiten Themen, die mich brennend interessieren. Aber mit seinem Film „The Nothingness Club“ konnte ich leider überhaupt gar nichts anfangen, obwohl ich den Film sehr mögen wollte. Darum habe ich den nächsten, der in Oldenburg lief, „Telepathic Letters“, trotz interessanter Geschichte auch ausgelassen. Einem guten Freund hat der aber gut gefallen. Da werde ich ihm dieses Jahr, wenn es passt, noch einmal eine Chance geben. Klingt ja auch wieder nach meiner Baustelle.

The Joyless Economy, USA 2026, Marjorie Conrad (Deutschlandpremiere)

Marjorie Conrads filmischer Essay über die Biographie einer unbekannten Frau ist formal und erzählerisch ein einzigartiges, hypnotisches und vieldeutiges cineastisches Erlebnis. Anhand der Videosammlung dieser Frau erzählt Conrad frei von jeder Pose vom Begehren, von sexueller Entdeckung und von der Untreue dieser Frau. Pures Kino, poetisch und wahrhaft existentiell entsteht ein feministisches Portrait eines cinephilen Lebens, erkundet Wechselwirkung von Filmvorlieben und Leben. Der Film feierte seine Premiere beim Festival in Cannes und war selbst da ein Singulär an Radikalität und Originalität. – Auch hier weiß ich nicht, was mich erwartet. Das kann aber richtig gut werden. Die Imdb schreibt: „A documentary that explores how a woman’s movie collection triggers her infidelity.“ Das klingt sehr interessant und geht auch nur 58 Minuten. Wenn es passt, schaue ich gerne mal rein.

Foreign Tongue, Kanada 2026, Boris Mojsovski (Weltpremiere)

In diesem Liebesbrief an die Erfahrung des Einwandererdaseins werden Sprachbarrieren, kulturelle Missverständnisse und Isolation mit lyrischer Absurdität, Humor und vor allem Empathie dargestellt. Mit dem komödiantischen Talent von Kimberly Sue Murray in der Hauptrolle wird der emotionale Weg von Einwanderern und die an sie gerichtete Erwartungshaltung von perfekter Integration zu einem skurrilen und respektlosen komödiantischen Juwel. Regisseur Boris Mojsovski, selbst bosnischer Flüchtling, bringt Humor und persönliche Erfahrungen in einen Film ein, der im zutiefst Fremden das Universelle entdeckt. – Klingt interessant. Ich vermute mal einen typischen Filmfestival-Film, der eben dort sein Publikum findet. Wobei die Imdb noch ergänzt: „A romantic comedy infused with magical realism, embracing the absurdity of everyday life while offering a grounded, honest portrayal of the world we all pretend to understand.“, was dann für mich gleich nochmal etwas anders klingt, denn „magischer Realismus“ ist schon so mein Ding. Und Drehbuchautorin Cynthia Ashperger, eigentlich Schauspielerin, stammt auch aus dem ehemaligen Jugoslawien, hat hier also scheinbar eigene erfahrungen verarbeitet.

Mackenzie, USA 2026, Mylissa Fitzsimmons (Weltpremiere)

Basierend auf einer wahren Begebenheit aus der Kindheit der Regisseurin Mylissa Fitzsimmons, ist „Mackenzie“ eine einfühlsame Reflexion über das Erwachsenwerden und jenen Moment, in dem die kindliche Fantasie auf die Realität des Erwachsenenlebens trifft. Vor der Kulisse der Wüste von Utah träumt die elfjährige Juniper davon, nach Kalifornien durchzubrennen, um ihren Fernsehschwarm – den Herzensbrecher der 1980er Jahre, Mackenzie Astin – zu heiraten. Der Film, der in nur acht Tagen mit einem zweiköpfigen Team und einer Kinderdarstellerin ohne Vorerfahrung entstand, macht die Produktionsbeschränkungen zu einem Teil seines Charmes. Intim, humorvoll und zutiefst persönlich ist »Mackenzie« ein kleiner Film mit großem Herzen. – Für mich eine Wundertüte. Das kann ein sehr anrührender, herzlicher Film werden, oder ein ganz kalkuliert auf „Kindchenschema“ spekulierender. Wahrscheinlich ruht der Film ganz auf den Schultern der kindlichen Hauptdarstellerin.

Laut dem Filmfest Oldenburg, werden Filmschaffende der internationalen Filme in Oldenburg anwesend sein, um ihre Filme vorzustellen.

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