Das Filmfest Bremen ist nun schon wieder zwei Monate her. Aufgrund anderweitiger Verpflichtungen bin ich aber bislang nicht dazu gekommen, diese wundervolle Veranstaltung – die mich in diesem Jahr wieder sehr begeistern konnte – noch einmal Revue passieren zu lassen. Wie immer begann das Filmfest Bremen mit seiner Eröffnungsgala am Mittwoch im Theater am Goetheplatz.
Wie immer wird zu diesem Anlass auch der Bremer Filmpreis vergeben. Dieser ging in diesem Jahr an Vanessa Redgrave, die aus nachvollziehbaren, gesundheitlichen Gründen leider nicht persönlich zugegen sein konnte. Sie schickte aber eine berührende Videobotschaft.
Stattdessen nahm ihre Enkelin Daisy Bevan den Goldenen Mops entgegen. Die sehr schöne und humorvolle Laudatio hielte Drehbuchautor und Regisseur David Hare, dessen Regiedebüt „Wetherby“ mit Redgrave in der Hauptrolle im Anschluss an die Gala im Theater gezeigt wurde. Per Grußvideo wurde auch noch Ralph Finnes virtuell auf die Bühne geholt. Ich vermute daher mal stark, dass er ursprünglich als Laudator angedacht war, aber dann abgesagt hat. Wie gesagt: Nur eine Vermutung.




Die ganze Zeremonie wurde zackig durchgeführt, sodass es keine ewig langen Reden gab und damit auch keine Langeweile aufkam. Das erfreut, denn oftmals geraten solche Veranstaltungen zäh und respektiv. Hier keine Spur davon, auch dank der mal wieder sehr souveränen und eloquente Moderation durch buten-un-binnen-Moderator Felix Krömer.




Nach einer 20minütigen Pause gab es dann im großen Theatersaal zu Ehren der Preisträgerin Vanessa Redgrave den Film „Wetherby“, welchen Laudator David Hare 1985 inszenierte. Und den dann leider nur ein Bruchteil der Anwesenden schaute. Der überwiegende Teil des Publikums netzwerkte fröhlich und laut an der Bar. Und verpasste einen durchaus interessanten Film mit den schlimmsten und schlechtesten Untertiteln, die ich jemals ertragen musste. Da wurde aus einem „Right“ (im Sinne von genau) ein „Recht“, aus „Who?“ die Weltgesundheitsorganisation „WHO“, aus Orson Welles „Orson Brunnen“ und Cilla Black „cilla-schwarz“. Und so ging das in einer Tour. Da ist die offensichtlich genutzte KI wohl noch nicht ganz ausgereift. Hätte mal jemand Reales noch mal drüber schauen sollen. Aber genug davon.
WEATHERBY
„Weatherby“ ist ein rätselhafter Film des New British Cinema, der vor allem als psychologisches Drama funktioniert. Der aber auch viele Fragezeichen beim Publikum hinterlässt. Eine alleinstehende Lehrerin (Redgrave) gibt eine Party mit zwei befreundeten Ehepaaren (darunter sind Ian Holm, Tom Wilkinson und Judy Dench). Ebenfalls anwesend ist ein junger Mann, von dem jeder denkt, die jeweils andere Person hätte ihn mitgebracht. Tatsächlich taucht er am nächsten Tag wieder bei der Lehrerin auf, gibt zu verstehen, dass er niemanden der Anwesenden kannte – und erschießt sich dann. Der Film spielt mit Rückblenden, konzentriert sich auf die Lehrerin und ihren Versuch etwas über den jungen Mann herauszufinden. Weshalb war er da? Warum brachte er sich um? Welche Beziehung hatte er zu ihr? Auch ein Polizeibeamter, der den Fall untersucht, wird hineingezogen. Es geht um verpasste Gelegenheiten, Lebenslügen und falsche Beziehungen. Irgendwann taucht eine junge Frau auf, die in einer Beziehung zum jungen Mann stand und prompt bei der Lehrerin einzieht. Aber auch die Ereignisse des Party-Abends stehen irgendwann in neuem Licht. Vanessa Redgrave spielt die Lehrerin mit starker Präsenz. Wie sie sich langsam den Lügen und Verhärmungen ihres Lebens stellt, wie es noch unter ihrer spröden Oberfläche kocht ist brillant dargestellt. Unterstützt wird sie von einem furiosen Schauspielensemble, alle voran Tim McInnerny als mysteriöser junger Mann. Ein Film der es einem nicht immer leicht macht. Der in der Zeit springt und auch nicht alles auflöst. Der aber lange im Gedächtnis bleibt.
Insgesamt war es ein sehr gelungener und kurzweiliger Abend und der perfekte Startschuss für das 11. Bremer Filmfest.
