DVD-Rezension: “Once Upon a Time in Vietnam“

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Meister Dao (Dustin Nguyen) ist einer von wenigen ausgewählten Kriegern, die das Vietnamesische Reich in einer alternativen Realität (oder vielleicht auch einer nicht allzu weiten Zukunft) vor inneren und äußeren Feinden bewahren. Eine seiner Aufgaben ist es, abtrünnige Krieger aufzuspüren und zu töten. Eines Tages kommt er in ein kleines Städtchen, in dem die Bande des Besitzers der lokalen Bar den gutmütigen und liebenswerten Bäcker Hien (Thai Hoa), bedroht. Dao hilft Hien und zieht bei dessen Familie als Mieter ein. Hiens wunderschöne Frau Anh (Thanh Van Ngo) scheint Gefühle für Dao zu hegen und auch Hiens Sohn Hung, schaut zu dem Fremden auf, der ihn ihm Kampf unterrichtet. Bald schon stellt sich heraus, dass Dao nicht zufällig in die Stadt kam, und dass Anh und er ein gefährliches Geheimnis teilen…

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Wenn ein Filmtitel mit „Once Upon a Time in..“ beginnt, ist natürlich sofort die Assoziation zu Sergio Leones Meisterwerken „Once Upon a Time in the West“ oder „Once Upon a Time in America“ da. Und immer wieder verheben sich solche vollmundig mit den bekannten Worten beginnende Titel. Ausnahmen wie „Once Upon a Time in China“ oder „Once Upon a Time in Anatolia“ bestätigen da nur die Regel. Auch „Once Upon a Time in Vietnam“ kann den großen Titel-Paten nicht das Wasser reichen, auch wenn er sich redlich bemüht und hier und dort einige Reminiszenzen an Leones Western einflechtet. So erinnert der Beginn in einem Gasthaus, in dem der von Dustin Nguyen gespielte Meister Dao auf einen Abtrünnigen trifft, stark an die Szene, in der sich Cheyenne und Harmonica in „Once Upon a Time in the West“ treffen. Auch auf dem Soundtrack wird ganz direkt auf die beiden Morricone-Stücke „Man with Harmonica“ und „Jill’s Theme“ angespielt. Hier hört der Vergleich aber schon auf, da sich „Once Upon a Time in Vietnam“ ganz offensichtlich von einem Klassiker des US-Western inspirieren ließ: „Mein großer Freund Shane“ mit Alan Ladd in der Rolle eines einsamen Revolverhelden, der einer Familie gegen skrupellose Banditen beisteht. Wie in „Once Upon a Time in Vietnam“ besteht dort die Familie aus einem grundanständigen, gutmütigen Vater, einem Sohn der zu dem Revolverhelden aufblickt und ihn gerne als Vater hätte, und der Frau, die sich in den Helden verliebt. In „Once Upon a Time in Vietnam“ wird die Dreiecksgeschichte noch dadurch verstärkt, dass Meister Dao als tatsächlicher, biologischer Vater des Jungen eingeführt wird, und die Frau vor langer Zeit tatsächlich ein leidenschaftliches Verhältnis mit ihm hatte.

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Der Clou, mit dem Dustin Nguyen seinen ansonsten doch eher durchschnittlichen Film in der zweiten Hälfte rettet, ist, dass der Handlung erlaubt wird, einen anderen, aber durchaus konsequenten, Weg als „Shane“ zu gehen, und dabei doch der Grundidee treu zu bleiben. Vor allem hilft es, dass die Rolle der Ehefrau – Anh, gespielt von Thanh Van Ngo, die bereits zuvor mit Dustin Nguyen in dem bekanntesten vietnamesischen Martial-Arts-Film „The Rebel“ zusammen gearbeitet hatte – deutlich ausgebaut und gestärkt wird. Obwohl der, von Nguyen selbst, gespielte einsame Schwertkämpfer Dao in der ersten Hälfte als wortkarger und überlegener Kämpfer eingeführt wird, kippt diese Heldenzeichnung in der zweiten Hälfte zugunsten von Anh. Statt der schmachten Frau, wird sie als starker, emanzipierter Charakter gezeigt, der nicht nur genau weiß, was er will, sondern auch die Kraft besitzt, dies gegen alle Feinde durchzusetzen. Demgegenüber muss Nguyens Dao erkennen, dass er mitnichten der Überlegene ist. Nicht nur Anh lässt seine coole Fassade bröckeln, auch sein Gegner General Long zeigt ihm deutlich, wo seine Grenzen sind. Thanh Van Ngo spielt die Anh mit einer überzeugenden Mischung einfühlsamer Zärtlichkeit und unerbittlicher Härte. Wenn sie dann zum Finale in ein ausgesprochen sexy aussehendes Lederkostüm schlüpft, wirkt es an ihr, die wir zuvor als liebende Mutter eines kleinen Jungens und hingebungsvolle Ehefrau eines schwachen Mannes kennengelernt haben, nicht verkleidet, sondern es passt durchaus zu ihrer Figur.

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Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Dustin Nguyen kennt man aus der amerikanischen TV-Serie „21, Jump Street“, die für einen sehr jungen Johnny Depp in den 80er Jahren das Sprungbrett zu einer Weltkarriere war. Nyguen tauchte nach „21, Jump Street“ noch in zahlreichen anderen Serie auf, u.a. 1997 in der heute vergessenen, deutschen Krimi-Serie „Die Gang“ neben Uwe Ochsenknecht und Moritz Bleibtreu. In den letzten Jahren war er überwiegend in der Heimat seiner Eltern, Vietnam, aktiv, wo er immer wieder auch in Martial Arts Filmen – wie eben beispielsweise in „The Rebel“ – auftrat. „Once Upon a Time in Vietnam“ ist seine erste Regiearbeit, die er recht routiniert über die Runden bringt, allerdings manchmal auch zu dick aufträgt und zu viel will. Warum der Film ohne große Notwendigkeit in einer postapokalyptische Landschaft spielen muss, in der zwar Motorräder gefahren werden, Autos durch die Gegend fahren und Neonreklame die Nachtszenen erhellen, und das Ganze gleichzeitig den Anstrich einer Westernstadt hat, in der die lokalen Gangster in Cowboyklamotten durch die Gegend marschieren, während Handlung und generelle Atmosphäre auf den klassischen Martial-Arts-Film wie „Tiger & Dragon“ verweist, ist weder klar, noch fügt es dem Film etwas hinzu. Bis auf die Tatsache, dass man so möglichst viele coole Filmmotive einfangen kann.

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Neben einige Längen und vernachlässigbaren Nebenhandlungen, wie die angedeutete Liebesgeschichte zwischen dem Helden und einen stummen Mädchen, leidet „Once Upon a Time in Vietnam“ unter den grausigen CGI-Effekten, die wie aus der Computer-Steinzeit stammen und wohl möglich schon auf dem C64 für Fremdschämen gesorgt hätten. Auch von den Kämpfen sollte man nicht allzu viel erwarten. Diese werden mit Kameraeffekten verfremdet und so schnell und unübersichtlich geschnitten, dass den Szenen eine künstliche Dynamik untergejubelt wird und auch der physisch untalentierteste Schauspieler wie ein großer Kampfkunstmeister wirkt. Sämtliche Eleganz oder Wow-Effekte gehen dabei allerdings vollkommen flöten. Hinzu kommt ein schreckliches Wire-Work, welches die Akteure ziemlich unmotiviert und extrem unrealistisch durch die Lüfte zieht. Davon, dass einige Waffen und das Blut auch noch am Computer entstanden sind, ganz zu schweigen. Was schade ist, steht Dustin Nguyen doch mit Roger Yuan in der Rolle des General Long ein durchaus beeindruckender Gegner gegenüber, der für ein Highlight innerhalb des Filmes sorgt. Sein Auftritt wird von langer Hand vorbereitet, sein Name immer wieder erwähnt und die Figur als großer Mann im Schatten etabliert. Wenn er dann auftaucht, wird man nicht enttäuscht. Dass Yuan auch ein erfahrener Kämpfer ist, sieht man ihm dann auch gleich an. Obwohl Roger Yuan nur wenige Szenen vergönnt sind, prägt er doch den Film mit seiner Präsenz und zeigt Hauptdarsteller Dustin Nguyen, wie auch dessen Figur Meister Dao, wo es langgeht.

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„Once Upon Time in Vietnam“ gelingt es leider nicht, sein durchaus vorhandenes Potential voll auszuschöpfen. Die zu Beginn nur allzu bekannte Geschichte, wird in der zweiten Hälfte zwar durch eine starke, und gut gezeichnete, Frauenfigur, sowie einen durchaus beeindruckenden Bösewicht gerettet, doch dies hilft nicht dabei, den Film doch noch über den Durchschnitt zu drücken.

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Das Bild der Splendid DVD ist tadellos. Der Ton liegt sowohl auf Deutsch als auch Vietnamesisch (mit zuschaltbaren, guten deutschen Untertiteln) in 5.1. vor. Als Leckerbissen kann das Making-Of gelten, welches fast eine ganze Stunde läuft und viele, durchaus interessante Einblicke von den Dreharbeiten, sowie Interviews mit den Beteiligten bietet. Zwar wird hier natürlich überall Regie-Debütant Dustin Nguyen in den Himmel gelobt, aber der Blick hinter die Kulissen ist durchaus interessant.

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