Rezension: „Battleship“

Der junge Alex Hopper hat sein Leben nicht so richtig im Griff und macht ständig Blödsinn. Da nimmt ihn sein strenger Bruder unter die Fittiche und nimmt ihn mit zur Navy, wo aus ihm ein richtiger Mann gemacht werden soll. Dort eckt der heißblütige Junge aber auch überall an (macht aber trotzdem eine Blitz-Karriere) und steht gerade kurz vorm Rauswurf, als er mit seinem Bruder ins Manöver zieht. Wie das immer so ist, greifen just in diesem Moment Aliens die Erde an und installieren über dem Pazifik nahe Pearl Habor ein gewaltiges, undurchdringliches Schutzschild. Nur ein paar Schiffe sind innerhalb des Schildes verbleiben und versuchen die Invasion aufzuhalten. Dabei werden einige Schiffe versenkt und Alex plötzlich zum Kapitän eines Zerstörers befördert. Jetzt lernt er im Crash-Kurs, wie sich ein echter Soldat zu verhalten hat.

Wenn man schon auf den abstrusen Gedanken kommt, „Schiffe versenken“ zu verfilmen, dann sollte man doch bitte schön auch den Mut haben, einen adäquat abstrusen Film zu drehen. Leider haben die Macher von „Battleship“ diesen Mut nicht und flüchten sich stattdessen in eine so abgenudelte, risikofreie Geschichte, dass man den Verdacht hegen muss, das Drehbuch wäre von einer Software generiert wurde. Kein Funken Ironie, nur hohler Pathos und ein Loblied auf die Navy und „ die amerikanische Werte“ durchwehen diesen Film. Am Ende wartet man nur noch darauf, dass eine Adresse eingeblendet wird, wo man sich für die Aufnahme in die Navy bewerben kann.

Dabei hat die doofe Idee doch durchaus Potential für einen herrlich bescheuerten und dabei schwer unterhaltsamen Film. Gegen Ende gibt es dann tatsächlich diese eine, wirklich charmante Szene. Diese zeigt leider deutlich, was „Battleship“ hätte sein können, aber eben nicht ist. In dieser Sequenz versuchen die Überlebenden Navy-Angehörigen, in einem letzten Versuch der Alien-Invasion Einhalt zu gebieten, das alte Schlachtschiff „U.S.S. Missouri“ wieder flott zu machen. Dieses dient seit Ende des 2. Weltkrieges als Museumschiff. Ratlos steht die Handvoll Soldaten auf dem Deck des Schlachtschiffes und fragt sich, wie sie das Schiff steuern sollen, da die Steuerung „nur analog, nicht digital“ ist. Davon versteht heutzutage natürlich keiner mehr was (die Frage, wie 5-6 Leute ein 270 Meter langes Schlachtschiff mit normal zwischen 1.500 und 2.300 Mann Besatzung überhaupt bedienen sollen, stellt natürlich niemand). Da erscheinen wie aus dem Nichts Veteranen des 2. Weltkrieges und des Koreakrieges. Alte Käuze in verwitterten Uniformen. In Zeitlupe schreitet diese skurrile Truppe auf die Jungen zu und zeigt den Jungspunden dann erst einmal, was so ein richtiger Seemann ist. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, knallt dazu noch über die beeindruckenden IMAX-Lautsprecher mit tosendem Gebrüll AC/DCs „Thunderstruck“. Das ist dann so over the top, dass es richtig Spaß macht. Leider entschädigen diese 10 Minuten Spaß nicht für die langweilig vorhersehbaren und pathetischen Momente vorher und im kitschigen, überraschungsfreien Finale.

Auch die computergenerierten Effekte wissen nicht recht zu überzeugen. Ja, sie sehen – wie heutzutage immer – perfekt aus. Aber irgendwie fehlt ihnen das Gewicht, um real zu wirken. Hauptdarsteller Taylor Kitsch müht sich redlich und wirkt hier auch nicht so schrecklich angestrengt wie in „John Carter“, wo er einen deutlich älteren Charakter verkörpern musste. Hier ist er altersgerecht als 24jähriger Twen besetzt, wobei die Rolle eigentlich etwas älter hätte angelegt werden müssen (ursprünglich sollte Jeremy Renner den Alex Hopper spielen, stieg aber kurz von den Dreharbeiten aus), da es recht unwahrscheinlich ist, dass ein junger Kadet so schnell Karriere macht. Alle anderen stehen in der Gegend rum (bewegt sich Liam Neeson irgendwann einmal?) oder übertreiben maßlos (Hamish Linklater). Einzig der Darsteller des beinamputierten Ex-Soldaten (dessen Namen ich leider nirgendwo finden kann) weiß, schon aufgrund seines markanten Gesichts, einigermaßen zu überzeugen. Über Rihanna kann man bei ihrem Spielfilmdebüt zumindest vermelden, dass sie nicht groß stört. Aber welche Funktion ihre Figur jetzt eigentlich ausübt, kann auch nicht ohne weiteres beantwortet werden.

Am schlimmsten ist aber, dass man den Aliens gar keinen Charakter oder zumindest eine Motivation zugesteht. Sie sind einfach da, schießen mal auf die Menschen, dann mal wieder nicht. Ihre Aktivität und Passivität wechselt genauso beliebig, wie es das Drehbuch gerade gebrauchen kann. Da hilft auch die schöne Idee nichts mehr, überdimensionale Yo-Yos zur Hauptwaffe der Aliens zu machen. Daraus macht der Film auch nichts weiter. Alles in allem also ein langweilig-mutloser Navy-Rekrutierungsfilm, dem jeder potentielle Spaß ausgetrieben wurde.

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