Nachruf: Ken Russell (1927-2011)

Gestern starb der britische Regisseur Ken Russell im Alter von 84 Jahren.

Ken Russell gehörte zusammen mit seinen Landsmänner Nicholas Roeg, Derek Jarman und Peter Greenaway zu den bedeutensten zeitgenössischen Regisseuren der Insel. Wie diese schuf er ganz einzig- und eigenartige Bilderwelten.

Seine Verfilmung der Rock-Oper „Tommy“ mit seinen Bädern aus Bohnensuppe, seinen grellen Farben und Messiasfiguren auf Schrottplätzen topte er dann (wieder mit Who-Frontmann Roger Daltrey in der Hauptrolle) noch in seinem höchst eigenwilliger, sexuell überhitzter Liszt-Biographie „Lisztomania„.

Überhaupt waren Musikerbiographien sein großes Steckenpferd, wie er mit „The Music Lovers“ (über Tschaikowski), „Mahler“ und diverse Fernsehfilme, darunter zwei über Edward Elgar. Unter Genrefans dürfte er spätestens seit „Der Höllentrip“ und „China Blue“ eine feste Größe sein. „Die Teufel“ und „Gothic“ finden sich auf vielen Lieblingsfilmlisten wieder.

Nachdem er einen Harry-Palmer-Film mit Michael Caine („Das Milliarden Dollar Gehirn„) gedreht hatte, erlebte er seinen Durchbruch mit der „skandalöse“ D.H.Lawrence-Verfilmung „Women in Love„, bei der das erste Mal in einem britischen Film männliche Genitalien auf der Leinwand zu sehen waren.

Auch „Die Teufel“ geizte nicht mit Provokationen, wurde angeblich in Italien verboten und die beiden Hauptdarsteller zu drei Jahren Haft verurteilt, falls sie italienischen Boden betreten sollten. Auch wenn diese Geschichte möglicherweise ins Reich der Fabeln gehört, so ist unbestritten, dass es keinen anderen Film mit solch einer langen und komplizierten Zensurgeschichte wie „Die Teufel“ gibt.

Neben seiner Filmarbeit inszenierte Ken Russell zahlreiche Opern. In den letzten Jahren wurde es ruhiger um ihn und er drehte für das Fernsehen und Kurzfilme.

in Deutschland ist sein Werk bisher nur recht spärlich auf dem Heimvideomarkt erschienen. Hoffentlich wird sich dies in Zukunft noch ändern.

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