Zwei Nachrufe: Elizabeth Taylor (1932-2011) und Farley Granger (1925-2011)

Schon in der vergangenen Woche verstarb Hollywood-Legende (dieser ausgelutschte Begriff trifft hier wirklich mal den Nagel auf den Kopf) Elizabeth Taylor. Eine der letzten Ikonen des klassischen Hollywoods und seiner goldenen Jahre in den 50ern und frühen 60ern. Begonnen hatte die in London als Tochter eines us-amerikanischen Ehepaars geborene Taylor als Kinderstar. Dabei will es die Legende, dass die nicht besonders hoch gewachsene von ihrem Vater auf eine Streckbank gezwungen wurde, was noch im späteren Alter zu schmerzhaften Problemen und zu ihrer Alkohol- und Tablettensucht führte.

Schon früh wurde sie ins Haifisch-Becken Hollywood geworfen und spielte mit 9 Jahren die Hauptrolle in dem Kinderfilm-Klassiker „Heimweh“ (Lassie come home). Es folgten weitere Kinderrollen bis sie 1952 das erste Mal eine Erwachsenenrolle hatte: Die Tochter von Spencer Tracy in „Vater der Braut“ und der Fortsetzung „Ein Geschenk des Himmels„. In den folgenden Jahren trat sie vermehrt in Dramen auf, wie dem formidablen „Die Katze auf dem heißen Blechdach„, „Ein Platz an der Sonne„, „Giganten“ oder „Land des Regenbaums„. 1960 gewann sie für die – zur damaligen Zeit – kontroverse Darstellung einer Prostituierten in „Telefon Butterfly 8“ ihren ersten Oscar.

Anfang der 60er galt sie als schönste Frau der Welt und wurde in dem Monumentalfilm „Cleopatra“ in der Titelrolle besetzt. Der Film schlug alle bis dahin bekannten Superlativen. Die Dreharbeiten liefen völlig aus dem Ruder, zogen sich über zwei Jahre hin und verschlangen immer mehr Geld. Am Ende war „Cleopatra“ der bis dahin teuerste Film der Geschichte (und sollte – inflationsbereinigt – erst 2009 von James Camerons „Avatar“ abgelöst werden!) und das Filmstudio 20th Century Fox so gut wie bankrott. Dafür hatte sich Elizabeth Taylor ihren Co-Star Richard Burton geangelt und mal locker 7 Millionen US-Dollar Gage eingestrichen.

Mit Burton zusammen spielte sie 1966 auch in dem großartigen „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ (für den sie ihren zweiten Oscar gewann) und im Jahr darauf die „Der widerspenstigen Zähmung„. Ende der 60er Jahr rückten mehr die turbulenten, alkoholgeschwängerten Streitereien mit Burton, die Scheidung von ihm 1974 und die erneute Heirat ein Jahr später in den Vordergrund. Prägnante Rollen blieben aus und die Taylor verwandelte sich in einen grellgeschminkten und mit Übergewicht kämpfenden 70er-Jahre-Albtraum. Von der zarten und eleganten Schönheit der 50er keine Spur mehr, dafür wurde sie nun immer matronenhaftiger. Mir selbst ist aus dieser späten Zeit nur noch der unheimliche Psychothriller „Die Nacht hat 1000 Augen“ (den ich als Kind mal heimlich im Spätprogramm geguckt habe und der mir daraufhin eine schlaflose Nacht bescherte) und die Gastrolle in der Miss-Marple-Film „Mord im Spiegel“ in Erinnerung.

Schlagzeilen machte die Taylor nur noch in Bezug auf ihr Privatleben und die Presse schrieb genüsslich über ihre Ehe mit einem 20 Jahre jüngeren Bauarbeiter, den sie während ihres Aufenthalts in einer Entzugklinik kennen gelernt hatte. Allerdings nutzte sie ihre Bekanntheit auch für gute Zwecke. So setzte sie sich bereits ab 1981 vehement für die AIDS-Forschung ein und unterstützte diese mit Geld und öffentlichen Auftritten. Im Jahre 2000 wurde die Schauspielerin, die einen englischen und einen amerikanischen Pass besaß, von Elisabeth II zur „Dame“ geadelt. Am 23. März starb Dame Elizabeth Taylor in Los Angeles an einem Herzversagen.

Am Sonntag verstarb mit 85 Jahren der us-amerikanische Schauspieler Farley Granger. Grangers erste große Rolle ein Teil des jugendlichen Duos, welches in Alfred Hitchcocks „Rope“ ihrem Professor (James Stewart) den perfekten Mord präsentieren wollen. Richtig berühmt sollte er allerdings erst 1950 werden, als er die Hauptrolle in einem anderen Hitchcock-Film übernahm: In dem Klassiker „Der Fremde im Zug„. Danach drehte er mit Luchino Visconti „Sehnsucht„, dann konzentrierte er sich erst einmal auf eine Theaterkarriere und trat vermehrt im TV auf.

In den frühen 70er Jahren zog er mit seinem Lebensgefährten Robert Calhoun nach Italien, wo er in der Folgezeit in zahlreichen Genrefilmen auftrat, die das Herz des Italo-Fans schneller schlagen lassen. Z.B. in „Die linke und die rechte Hand des Teufels“ mit Bud Spencer und Terence Hill, „Der Tod trägt schwarzes Leder“ von Massimo Dallamano oder „Schön, nackt und liebestoll“ (gerade in einer tollen Edition bei Camera Obscura erschienen) von Roberto Bianchi Montero. Bei Letzterem haben die findigen Produzenten ohne Grangers Wissen Hardcore-Szenen in das Werk hinein schneiden lassen, woraufhin Granger diese Fassung gerichtlich verbieten ließ. 1981 war er noch in Joseph Zitos „Forke des Todes“ zu sehen, danach wurde es ruhiger um ihn.

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