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Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1

Von , 26. Oktober 2017 17:45

Und wieder Oldenburg! Das ganze Jahr schon habe ich mich auf die tollen Tagen auf dem Internationalen Filmfest Oldenburg gefreut, die ich dieses Jahr erstmals auf ganze drei (Freitag, Samstag und Sonntag) ausgedehnt hatte. Freitag ging es frühzeitig mit meinem Weird-Xperience-Kollegen Stefan los. Bloß nicht wieder so in Stress kommen, wie in den Vorjahren. Wie immer hatte ich mir im Vorfeld einen ausgeklügelten Plan erstellt, welche Filme ich wann schauen wollte, damit man ein Maximum an interessanten Filmen ohne irgendwelchen Leerlauf mitnehmen konnte. Ein besonderes Augenmerk legte ich dieses Jahr dabei auf die Spielstätten, um einen nächtlichen Dauerlauf vom Casablanca ins cineK möglichst zu vermeiden. Wie oben geschrieben: Es sollte diesmal alles ruhig und entspannt vonstatten gehen.

Aber wie das immer so ist: Am Ende kommt es dann doch wieder alles ganz anders. So war der Start ins 29. Internationale Filmfest Oldenburg nicht nur ausgesprochen holprig, sondern auch extrem frustrierend, was am unglücklichen Zusammenspiel mehrerer Faktoren lag. Als ich im Möbelhaus Rosenbohm welches nun schon zum dritten mal als Pressezentrum des Filmfests diente, die Karten für die vor mir liegenden Tage holen wollte, musste ich erfahren, dass es für den Film „Never Here“, auf den ich mich sehr gefreut hatte, online zwar keine Karten mehr gäbe, ich aber noch Karten in der Filmfestzentrale im Café Käthe bekommen könnte. Also flugs auf den Weg gemacht. Da ich auf dem Weg zum Café Käthe eh an der Kulturetage (wo das cineK mit zwei Sälen beheimatet ist) vorbei kam, versuchte ich zunächst dort mein Glück. Allerdings teilte man mir dort mit, dass die Kasse noch nicht geöffnet sei und eh noch niemand vom Filmfest-Team da sei. Ich könne aber warten. Na, da also eben zum Café Käthe, wo mich gleich zwei große Ernüchterungen erwarteten: Zum einen gab es auch dort keine Karten für „Never Here“ (die gäbe es nur in der Kulturetage und man wunderte sich, weshalb mir beim Pressecenter gesagt wurde, ich solle mir die Karten hier holen) und zum anderen musste ich erfahren, dass der Film „A Thought of Ecstasy“ von R.P. Kahl, den wir auf seine Eignung für Weird Xperience abklopfen wollten, in der unzensierten Fassung bereits ausverkauft war. Das brachte dann meinen ausgeklügelten Plan mal eben zum Einsturz. Nun im Galopp zurück zur Kulturetage.

Dort angekommen ging erst mal gar nichts, weil der Laptop für den Kartenverkauf nicht funktionierte. Naja, da noch gut eine ¾ Stunde Zeit war, war das ja nicht so schlimm. Doch bald begann die Uhr dann doch langsam runter zu ticken. Die zunächst sehr freundliche, wenn auch in dieser Situation recht hilflose junge Dame vom Filmfest, rief sogar auf meine Bitte irgendwo an, um festzustellen, ob es überhaupt noch Karten gäbe. Ja, es gäbe noch ein Kontingent von sechs Karten, aber da käme sie noch nicht ran – weil ja der Laptop kaputt wäre. Also beschloss ich weiter zu warten und nicht kurzfristig umzudisponieren, was da noch möglich gewesen wäre. Als ein neuer Laptop gebracht und angeschlossen wurde, hieß es dann, diese sechs Karten wären noch nicht freigeben. Dann hieß es plötzlich, die Karten wären für Schauspieler und die Macher des Filmes reserviert, falls die kommen würden. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass plötzlich sechs Leute, die an „Never Here“ beteiligt waren, auftauchen, geschweige denn so viele überhaupt in Oldenburg wären, war ich noch guter Dinge. Fünf Minuten vor der Vorstellung waren immer noch keine Karten freigeben. Fünf Minuten NACH Vorstellungsbeginn, kam dann ein junger Mann und meinte, das kleine cineK Muvi sei jetzt voll, und es würde keiner mehr reingelassen. Für meinen Wutausbruch möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen, aber das musste da einfach raus, nachdem ich fast eine Stunde geduldig gewartet hatte. Die Leute in der Schlange hinter mir waren über diese Entwicklung der Dinge ebenfalls nicht sonderlich erfreut und recht missmutig. Immer noch stark verärgert nahm ich ein Ticket für den einzigen Film, der nun noch machbar war zu gucken: Der mir gänzlich unbekannte „Morgen“, den ich bei meinen Planungen scheinbar sehr frühzeitig ausgeschlossen hatte und der jetzt im größeren cineK Studio lief.

MORGEN – Nach dieser für mich doch sehr frustrierenden und auch nervenaufreibenden Vorgeschichte, hatte „Morgen“ natürlich erst einmal schlechte Karten. Zumal ich durch den ganzen Ärger auch noch den Filmbeginn verpasst hatte. „Morgen“ wurde von einem fünfköpfigen Regiekollektiv (Amina Krami, Angela Queins, Felix Giese, Jan Gilles und Nola Anwar) gedreht und hat ein ziemlich interessantes Thema. Ein Dorf soll dem Erdboden gleichgemacht werden, da das Gebiet zum Braunkohleabbau gebraucht wird. Das kommt im Ruhrpott wohl tatsächlich häufiger mal vor. Die Bewohner werden dann auf Staatskosten umgesiedelt. Der Film begleitet nun einige Bewohner dieses Dorfes. Das alles ist natürlich auch eine große, kraftvolle Metapher auf das Thema Abschied als solches. Abschied von geliebten Menschen, von Erinnerungen, von der Kindheit, von der Familie.

Die mir bislang unbekannten Schauspielern machten ihre Sache ausgesprochen gut und spielten sehr authentisch. Teilweise fanden die Filmemacher (von denen jeder für einen Erzählstrang verantwortlich war, erst im Schnitt kamen wieder alle zusammen) starke Bilder, die wirklich Kino und kein verkapptes Fernsehen sind. Vor allem muss man hervorheben, dass der Film sehr unaufgeregt und nicht überambitioniert, sondern souverän inszeniert wurde. Allerdings gibt es in „Morgen“ leider auch ein eklatantes Manko. Die Filmemacher scheinen so tief drin in ihren Geschichten und Figuren gewesen zu sein, dass oftmals vergessen haben zu erklären, wer die Figuren sind, denen man hier folgen soll. Auch ihr Verhältnis zueinander wird, ebenso wie ihre Sorgen Weiter lesen 'Bericht vom 24. Internationalen Filmfest Oldenburg – Teil 1'»

DVD-Rezension: “Ninja: Pfad der Rache”

Von , 4. April 2014 20:45

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Casey Bowman (Scott Adkins) leitet in Hongkong einen Dojo und ist mit Namiko (Mika Hijii) verheiratet, die ein Kind von ihm erwartet. Doch als Casey eines Abends nicht da ist, wird Namiko ermordet. Voller Zorn macht sich Casey auf die Suche nach den Mördern, die auch bald stellt und tötet. Casey versucht nun in Thailand im Dojo eines alten Freundes Nakabara (Kane Kosugi) Frieden zu finden. Doch dies misslingt spätestens, als ein Schüler irrtümlich für Casey gehalten und auf die selbe Weise wie Namiko umgebracht wird. Casey versucht nun auf eigene Faust herauszufinden, was hinter der ganzen Sache steckt. Die Spur führt zu dem Gangsterboss Goro (Shun Sugata), der im birmanischen Dschungel sein Hauptquartier hat.

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Der Ninja-Film war in den frühen 80er Jahren eine populäre Unterkategorie des Actionfilms, die – zumindest in meinem damaligen Bekanntenkreis – einen recht hohen Status genoss. Da wurden dann auch heimlich Wurfsterne gekauft und in der Schulpause der ein oder andere Baum damit malträtiert. Ich muss zu meiner Schande aber gestehen, dass ich bis auf „White Ninja“ mit Franco Nero (den ich aber damals nicht als echten Ninja-Film ansah, da Django und kein Asiat die Hauptrolle spielte) und den zweiten Teil von „American Ninja“ (der ja bei uns ja „American Fighter“ hieß und den ich damals schon ziemlich albern fand), mich nie in diesem Subgenre bewegt habe. So verpasste ich die legendären Filme mit Shô Kosugi und der Ninja als Filmfigur tauchte in meiner Filmerziehung lediglich als Nebenfigur in Shaw-Brothers-Filmen oder ähnlichem auf. In den folgenden Jahren spielte der Ninja im Actionfilme auch keine große Rolle mehr, und tauchte in meiner Wahrnehmung höchstens noch in Form der „Teenage Mutant Ninja Turtles“ oder Parodien wie „Beverly Hills Ninja“ auf.

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So entging mir der Film „Ninja„, den Isaac Florentine 2009 mit Scott Adkins in der Hauptrolle inszenierte. Wahrscheinlich wäre mir auch die Fortsetzung „Ninja: Der Pfad der Rache“ entgangen, hätte ich im Internet nicht so viel Gutes über einerseits Adkins und andererseits das „Ninja“-Sequel gelesen. Adkins war mir im All-Star-Ensemble-Film „Expendables 2“ aufgefallen, wo er eine kleine, aber prägnante Rolle als Handlangers des von Jean-Claude Van Dame gespielten Schurken Vilian inne hatte. Hoch im Kurs der Actionfans steht Adkins seitdem er in der „Undisputed„-Reihe vom „Ninja“-Regisseur Isaac Florentine mitgemacht hat. Nachhaltigen Rum erntete er in dem vierten „Universal Soldier“-Teil „Day of Reckoning„, der von den Kritikern euphorisch gefeiert wurde und aus Regisseur John Hymes (Sohn von Peter Hymes) die große Hoffnung für intelligente und außergewöhnliche Actionfilme machte. Der Engländer Adkins betreibt seit seinem 10. Lebensjahr Kampfsport und hatte nach einigen Gastrollen in britischen TV-Serien seine erste Filmrolle in Hongkong, wo er in dem Jackie-Chan-Film „Spion wider Willen“ auftrat. Es folgten weitere Martial-Arts-Filme in Hongkong, bis er mit seiner Rolle als Antagonist in Isaac Florentines „Undisputed II“ seinen Durchbruch hatte.

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Um „Ninja: Pfad der Rache“ zu sehen, muss man den ersten Teil nicht kennen. Es gibt zwar lose Verbindungen, doch der Film funktioniert hervorragend als eigenständiges Werk. Was auffällt ist die angenehm altmodische Schnörkellosigkeit mit der Florentine vorgeht. Die Geschichte verzichtet auf Füllmaterial und Zierrat, sondern spult seine Geschichte wie eine gut geölte Maschine ab. Der Grund, weshalb sich Casey auf den „Pfad der Rache“ begibt, wird in gerade mal 11 Minuten abgehakt. Danach geht es ab nach Birma, wo Casey zügig auf einen mysteriösen Crimelord angesetzt wird und der zweite Teil der Rache beginnt. Auch hier geht es – zum Teil wortwörtlich – Schlag auf Schlag und nach erfüllter Mission gibt es noch einen schnelle Epilog und das war’s dann. Keine unnötige Liebesgeschichte, kein Verlassen des Pfades. Darunter leidet etwas die Charakterisierung des Helden und alle weitere Figuren bleiben eindimensional. Aber der Film will ja auch kein großes Epos, sondern einen kurzweiligen Actionfilm abliefern.

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Während der erste Teil noch – wie man anderen Ortes lesen kann – cartoonmäßig angelegt war, ist „Ninja: Pfad der Rache“ düster und rau. Hier wird keine schöne Welt gezeigt. Alles erscheint wie in einem dreckigen Zwielicht. Und der Kamerawinkel wird stets so gewählt, dass der Bildausschnitt beengend und bedrückend wirkt. So wird Birma, wo jeder für den Crimelord zu arbeiten scheint, und Casey ständig unter Beobachtung steht, zu einem beängstigend klaustrophobischen Ort. Einen bemerkenswerten Kurzauftritt hat hier Vithaya Pansringarm, der strafende Polizist aus Winding Refns „Only God Forgives“. Als General Sung spielt er eine ähnlich abgeklärt, gnadenlose Rolle. Allerdings entreißt sein abruptes und reichlich unspektakuläres Ende der Figur all das Mystische, was zuvor aufgebaut wurde. Ebenfalls etwas verschwendet ist der beeindruckende Shun Sugata als Goro. Jede Szene in der der Finsterling auftritt, wird von seiner großen Präsenz geprägt. Leider taucht er nicht allzu oft auf.

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Wo „Ninja: Pfad der Rache“ punktet, sind die Action-Szenen, die sich dann auch ohne große Verschnaufpausen aneinanderreihen. Dass Isaac Florentine nicht nur Regisseur ist, sondern auch selber eine ganze Menge von Kampfsport versteht, merkt man dem Film jederzeit an. Satt bei den auf CGI, Wire-work oder dynamische Schnittgewitter zu setzen, wird hier noch ganz klassische Mann gegen Mann gekämpft. Die Kamera verliert sich dabei nicht in Detailaufnahmen, sondern hält respektvoll Abstand, um dem Zuschauer zu ermöglichen, die ganze Eleganz und Dynamik der Kämpfenden zu bewundern. So fallen die Kämpfe auch nicht durch spektakuläre Mätzchen, sondern durch Bodenständigkeit und erdigen Realismus auf. Und da nicht nur Adkins ein Meister seiner Kunst ist, sonder auch seine Gegenspieler über überdurchschnittliche Fähigkeiten verfügen, erinnern die Actionsequenzen an die besten klassischen Hongkong-Filme, bevor Computer und Greenscreen Einzug ins Filmemachen hielten.

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„Ninja: Pfad der Rache“ ist ein knackiger, schwer unterhaltsamer und gut gefilmter Kampfsportfilm mit einem physisch überragenden Hauptdarsteller, bei dem die auf das wesentliche reduzierte Geschichte, den Charakteren leider keine Möglichkeit zur Entwicklung gibt. Was dem schauspielerisch limitierten Scott Adkins allerdings zu Gute kommt.Als Actionfilm funktioniert das Ganze ausgezeichnet, auch wenn bis auf die spektakulären Kämpfe kaum etwas im Gedächtnis hängen bleibt.

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Die Splendid-DVD weist ein sehr gutes Bild und dynamischen Ton auf. Im Bonusteil findet man ein 6-minütiges Special, welches zunächst wie ein typisches Werbe-Feature anmutet, aber tatsächlich einige interessante Informationen zu den Dreharbeiten und Regisseur Isaac Florentine liefert. Bei der B-Roll bekommt noch ein paar Eindrücke, wie die Kämpfe entstanden.

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