Nachrichten getagged: Ching Li

Blu-ray-Rezension: “Die Blutsbrüder des gelben Drachen“

Von , 5. September 2017 09:24

Die beiden Straßenräuber Chang Wen Hsiang (David Chiang) und Huang Chang (Chen Kuan-tai) versuchen eines Tages den durchreisenden Ma Xinyi (Ti Lung) um sein Hab und gut zu erleichtern. Doch bei Ma Xinyi sind sie an der falschen Adresse, denn dieser entpuppt sich als überlegener Kung-Fu-Kämpfer. Ma Xinyi ist allerdings von den Talenten der beiden Brüder derart beeindruckt, dass er sie prompt anheuert, mit ihm für den Kaiser zu kämpfen und eine eigene Armee aufzubauen. Mit der Zeit werden die drei zu Blutsbrüdern. Doch Ma Xinyi ist sehr ehrgeizig. Er bildet sich weiter und zieht an den kaiserlichen Hof, um dort Karriere zu machen. Sehr zur Trauer von Huang Changs Ehefrau Mi Lan (Ching Li), die sich in Ma Xinyi verliebt hat und deren Gefühle er erwidert. Jahre später hat Ma Xinyi die gewünschte Karriere gemacht und ist nun ein mächtiger General. Er lässt seine Blutsbrüder zusammen mit Mi Lan und der Guerilla-Armee zu seinem Hof bringen. Doch das Wiedersehen soll Verrat, Blut und Tod enden…

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ gehört zu den beliebtesten klassischen Martial Arts Filme des legendären Shaw Brothers Studios (was man schon an den unzähligen Veröffentlichungen in Deutschland sieht) und gleichzeitig als einer der besten Filme seines legendären Regisseurs Chang Cheh. „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ erzählt eine ungewöhnlich komplexe und trotzdem stringente Geschichte, welche die häufig übliche Episodenhaftigkeit ähnlicher Filme zwar nicht gänzlich aufgibt, aber diese doch merklich zurückfährt, um sich ganz auf die Geschichte der drei Blutsbrüder zu konzentrieren. Dementsprechend sind die Kämpfe auch nicht die Höhepunkte des Filmes und für Chang Chehs Verhältnisse sogar relativ unblutig. Da ist man von ihm doch weitaus größere Blutbäder gewohnt. Stattdessen wird auf eine (melo)dramatische Geschichte gesetzt, welche die drei Superstars auch schauspielerisch fordert. Was im Falle von Ti Lung zur Folge hatte, dass er prompt bei den Golden Horse Awards (dem asiatischen Äquivalent zum amerikanischen Oscar) einen Spezialpreis für seine Darstellung erhielt. Aber auch David Chiang schlägt sich wacker und zeigt eine weitaus größere Bandbreite als sonst. Wenn sein übliches fröhlich-freches Grinsen sich nur leicht verzerrt, als er langsam erkennt, dass sein Freund Ma Xinyi zu einem Feind geworden ist, kann man seine widerstreben Gefühle deutlich in seinem Gesicht lesen. . Chang Wen Hsiang ist eine der besten schauspielerischen Leistungen dieses doch immer wieder auf den selben Typen festgelegten Chiang.

Dritter im Bunde ist Chen Kuan-tai, der hier leider weniger gefordert wird als seine beiden Partner und auch weniger im Fokus steht. Dabei ist doch gerade sein Charakter der Grund, der die Blutsbrüderschaft zerbrechen lässt. Chen Kuan-tai spielt den einfachen, naiven Huang Chang der bis zum bitteren Ende an Dinge wie Ehrlichkeit, Brüderlichkeit und Treue glaubt und dem nie in den Sinn kommen würde, dass ihn sein „Blutsbruder“ und seine Frau hintergehen. Diese Rolle steht in einem starken Kontrast zu den sonstigen Rollen, die Chen Kuan-tai für die Shaw Brothers spielte, und in denen er zumeist die zornigen jungen Männer spielte. Chen Kuan-tai wirkt aber auch hier sehr überzeugend. Nur schade, dass er seine überragenden Martial Arts Künste nur einmal wirklich zur Geltung bringen darf. Seine untreue Ehefrau Mi-lan wird von Ching Li gespielt, die in nur 25 Jahren in über 60 Filmen dabei war, und sehr häufig die weibliche Hauptrollen in den Shaw Brothers Filmen,spielte. Zwar ist Mi-lan auf den ersten Blick keine Sympathieträgerin. Viel zu enthusiastisch wirft sie sich Ma Xinyi an den Hals und zeigt unbändige Freude, wenn mal wieder ein Lebenszeichen von Ma Xinyi eintrifft. Einerseits kann einem der naive Huang Chang da durchaus Leid tun. Andererseits tut er aber auch nichts, um das Interesse seiner Frau an ihm hochzuhalten. Auch beachtet er sie nicht so sehr, als dass er merken würde, dass in ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Im Gegenteil, als einmal von Chang Wen Hsiang direkt darauf angesprochen wird, weshalb er sich lieber beim Spielen und Trinken amüsiert, statt bei seiner Frau zu sein, wischt er dies mit einer Geste zur Seite, die besagt: „Ach, die…“. Und sieht man den charismatischen, gutaussehenden und hochgebildeten Ma Xinyi kann man schon verstehen, weshalb er Mi-lan den Kopf verdreht.

Die Geschichte des Films beruht scheinbar auf wahren Geschehnissen. Zumindest gab es tatsächlich einen Ma Xinyi. der sehr jung aufgrund seiner herausragenden Leistungen an den verschiedenen Kaiserlichen Ausbildungsstätten die höchsten Ämter bekleidete und schließlich, nach einer militärischen Karriere, Vizekönig mehrerer Provinzen wurde. Ma Xinyi wurde 1870 ermordet, sein Mörder niemals gefangen. Diese Geschichte inspirierte neben den „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch noch den 2007 entstanden Film „The Warlords“ von Peter Chan Obwohl „The Warlords“ der Story von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ relativ eng folgt, will Regisseur Peter Chan seinen Film nicht als Remake verstanden wissen, sondern fühlt sich eher von John Woos „A Better Tomorrow“ inspiriert. John Woo wiederum war – neben Godfrey Ho (der später mit billig zusammengeschnitten Ninja-Filmen so etwas wie eine Kultfigur wurde) bei „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ Chang Ches Regie-Assistent. So schließt sich der Kreis. Tatsächlich haben ja John Woos „Heroic Bloodshed“-Klassiker viel gemeinsam mit Chang Ches Martial-Arts-Epen, insbesondere was die Männerfreundschaften, Verrat und Opfer angeht. Tatsächlich würde die Geschichte von „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ auch hervorragend funktionieren, wenn sie im urbanen Hongkong der 90er Jahre angesiedelt würde und Ti Lung hier ein hohes Tier bei der Polizei wäre, David Chiang und Chen Kuan-tai seine Gangster-Freunde aus früheren Zeiten und statt Martial Arts praktiziert aus allen Rohren geballert würde. Vielleicht gibt es so einen Film auch. So gesehen sind Chang Ches Geschichten dann auch zeitloses Actionkino.

„Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ zählt zu den inhaltlich stärksten Werken des legendären Shaw-Brothers-Stammregisseur Chang Cheh. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf dem tragisch-melodramatischen Aspekt, ohne dass dabei die kunstvoll choreographierten – hier allerdings weniger blutigen – Kämpfe vernachlässigt werden. Daher können die drei Stars hier auch einmal ihr schauspielerisches Talent beweisen.

Mit „Die Blutsbrüder des gelben Drachen“ hat filmArt nun schon den neunten Film in der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition veröffentlicht. Und dies auf gleichbleibend hohem Niveau. Zwar geizt die reihe – mangels verfügbaren Materials – etwas an Extras (insbesondere, wenn man die letzten Veröffentlichungen in der „Polizeschi“-Reihe als Vergleich hinzuzieht), dafür strahlt das Bild der Blu-ray (eine DVD mit identischen Inhalt ist ebenfalls enthalten, mal wieder in tollen Farben und ist von einer einzigartigen Klarheit. Insbesondere wenn man bedenkt, dass das Filmmaterial mittlerweile auch schon 45 Jahre auf dem Buckel hat. Der Ton ist auf Deutsch und Mandarin vorhanden. Fehlstellen in der deutschen Synchronfassung (die alte deutsche Kinofassung war um ca. eine halbe Stunde gekürzt) werden durch den O-Ton mit deutschen Untertiteln ausgefüllt. Als Extras liegt der Blur-ay ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films bei, und auf der Scheibe findet man den Originaltrailer. Ferner kann man noch die original deutsche (gekürzte) Kino-Fassung in HD abspielen. Und zum ersten Mal habe ich bemerkt, dass die Veröffentlichung ein Wendecover mit einem anderen Motiv (dem alten deutschen Kinoplakat) hat.

Blu-ray-Rezension: “Der Pirat von Shantung”

Von , 2. November 2016 20:46

piratshantung

Ma Yung Cheng (Cheng Kuan-Tai) ist ein armer Bauernsohn aus der Provinz Shantung, der mit seinem Freund Hsiao Chiang-pei (Cheng Kang-Yeh) nach Shanghai kommt, um hier sein Glück zu machen. Hier geraten sie schnell zwischen die Fronten, denn die Stadt ist zwischen den beiden Gangsterbossen Yang (Nan Chiang) und Tan Sze (David Chiang) aufgeteilt. Der böse Yang nutzt die „vier Meister“, um seinen Teil der Stadt unter der Knute zu halten. Als Ma Yung Cheng einen der Meister besiegt, ist der Konflikt vorprogrammiert. Tan Si hingegen ist ein ehrenvoller Gangster und wird schnell zum Vorbild für Ma. Nachdem Ma ihn mit seinen Kampfkünsten und seiner unerschütterlichen Ehre beeindruckt hat, überlässt ihm Tan Si ein kleinen Teil seines Gebiets. Ma klettert die Gangsterkarriere-Leiter schnell herauf und ist sehr beliebt. Doch Yang schmiedet bereits einen teuflischen Plan, um Ma Yung Cheng und Tan Si für immer loszuwerden.

Anmerkung: Alle Screenshots stammen von der ebenfalls enthaltenen DVD, nicht der Blu-ray.

vlcsnap-00813vlcsnap-00818
Mit „Der Pirat von Shantung“ startete Cheng Kuan-Tai seine langlebige Karriere bei den Shaw Brothers. Zuvor auf kleine Neben- und Statistenrollen beschränkt, konnte der hochtalentierte Kämpfer nun in seiner ersten Hauptrolle zeigen, dass er locker einen ganzen Film allein tragen kann. Wobei er hier noch prominente Hilfe in Gestalt von David Chiang bekommt. Dieser spielt die kleine, aber sehr prägnante Nebenrolle eines Gangsterbosses, der dem von Cheng Kuan-Tai gespielten Ma Yung Cheng als Idol und Vorbild dient. Gegenüber dem sehr physischen, bodenständigen Cheng Kuan-Tai, der einen stoischen, rauen Schauspielstil mitbringt, hebt sich David Chiang nicht nur durch seine extrem geschmackvolle Kleidung und ein gewinnbringendes Lächeln hervor. Wenn es daran geht, Füße und Fäuste zu schwingen, so ist es eine Freude beiden zuschauen. Wobei Cheng Kuan-Tais Stil kraftvoller und athletischer wirkt, während Chiang mehr geschmeidig und tänzerisch daherkommt. Für die Rolle des Ma Yung Cheng kann man sich kaum einen besseren als Cheng Kuan-Tai vorstellen, der mit stoischer Wucht und einer gewissen bäuerlichen Naivität durch Shanghai pflügt. Die damals ausgesprochen populären Darsteller David Chiang und Ti Lung wären hier vollkommen fehl am Platze gewesen, Allenfalls Alexander Fu-Sheng könnte man sich noch als „Pirat von Shantung“ vorstellen, aber dessen Zeit war noch nicht gekommen.

vlcsnap-00819vlcsnap-00824
„Der Pirat von Shantung“ war eine der erfolgreichsten Produktionen der Shaw Brothers und legte den Grundstein zu einer ganzen Flut von Filmen, die sich mit Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses beschäftigten. Cheng Kuan-Tai selber sollte noch im selben Jahr wieder auf die Straßen von Shanghai zurückkehren, um im Sequel „Der Mann mit der Tigerpranke“ nochmals einen aufstrebenden Gangsterboss zu spielen. Trotz der epischen Dauer von 130 Minuten schafft es der Film, durch ein durchgehend hohes Tempo keine große Längen aufkommen zu lassen. Positiv fällt dabei auf, dass die Story nicht primär dazu dient, einzelne Kampfszenen miteinander zu verbinden, sondern sich diese organisch aus der Handlung ergeben. Was aber nicht heißen soll, dass die Kämpfe nicht spektakulär wären. Besonders in Erinnerung bleibt der exotische Kampf zwischen Cheng Kuan-Tai und dem riesigen Italiener Mario Milano, der schon ein wenig den legendären Fight zwischen Bruce Lee und Kareem Abdula Jaba in „Bruce Lee – Mein letzter Kampf“ vorweg nimmt. Herzstück ist aber das 15-minütge Finale, welches zu den blutigsten, brutalsten und spektakulärsten Schlachtszenen gehört, die je in den Shaw Brothers Studios entstanden sind. Hier spritzt der rote Lebenssaft als ob damit das ganze Studio undekoriert werden sollte. Und Cheng Kuan-Tais Ma Yung Cheng beweist Nehmerqualitäten und Steh-Auf-Mentalität, die ihres Gleichen sucht.

vlcsnap-00832vlcsnap-00838
Regisseur Chang Cheh teilte sich bei diesem Film den Regiestuhl mit Choreograph Hsueh Li Pao (wobei auch der spätere Regiesuperstar John Woo hier als Regieassistent beteiligt war, ebenso wie der später berüchtigte Viel- und Billigfilmer Godfrey Ho). Angeblich schoss Chang Cheh aufgrund seines engen Terminkalenders nur die Nachtszenen, während er die Tagszenen seinem, in den Titeln unerwähnten, Co-Regisseur überließ. Auch wenn dem so sein sollte, „Der Pirat von Shantung“ ist ein echter Chang Cheh geworden. Nicht nur, was das blutige Todesballett und die routiniert-stilsichere Inszenierung angeht. Auch liegt Chang Chehs Fokus wieder mehr auf den Männerfreundschaften, als auf der hastig eingeflochtenden Liebesgeschichte, die sich nie wirklich entwickelt. Was sehr schade ist, denn mit Li Ching hatte man eine gute und charismatische Darstellerin zur Hand. Hier wird sie aber auf den Status eines dekorativen Ausstattungsstückes reduziert. Lediglich in einer Szene, wenn unser Held in einem Bordell zu sehr dem Alkohol frönt und seine Geliebte in eine der dortigen Damen hinein imaginiert, wird überhaupt darauf Bezug genommen, dass sich dort zarte Bande bilden. Sehr viel sorgfältiger wird da die gegenseitige Faszination zwischen Ma Yung Cheng und dem „guten“ Gangster Tan Sze thematisiert, ja romantisiert. Ebenso wie die brüderliche Liebe zwischen Ma Yung Cheng und seinem besten Freund Hsiao Chiang-pei, der von dem auf diese Art von Rollen spezialisierten Kang-Yeh Cheng gespielt wird.

vlcsnap-00843vlcsnap-00851
„Der Pirat von Santung“ gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen des fleißigen Shaw Brothers Studios, sondern katapultierte den bis dahin unbekannten Cheng Kuan-Tai in die erste Liga der Kung-Fu-Stars. Zurecht, denn der Film liefert nicht nur die Blaupause für unzählige Nachahmer, sondern steuert zielsicher und trotz seiner Länge ausgesprochen kurzweilig einem extrem blutigen Finale zu, welches zu den spektakulärsten seiner Gattung gehört.

vlcsnap-00860vlcsnap-00869
Wie immer ist „Der Pirat von Shantung“ in der empfehlenswerten „Shaw Brothers Collector’s Edition“-Reihe als Blu-ray/DVD-Kombo erschienen. Das Bild der Blu-ray lässt keine Wünsche offen. Neben der alten deutschen Kinosynchronisation, ist noch eine 2. deutsche Synchronisation von 2005 mit dabei. Die alte deutsche Kinofassung war damals um satte 40 Minuten Handlung erleichtert worden. Wie das dann aussah, kann man man sich hier ebenfalls anschauen, denn die Kinofassung wurde auf Basis des neuen HD-Masters rekonstruiert und ist auf der Scheibe ebenfalls enthalten. Die Stellen, die damals für die deutsche Kinofassung nicht synchronisiert wurden, werden auf der „Kinofassung-Tonspur“ mit der Zweisynchronisation von 2005 aufgefüllt, was recht irritierend wirkt, da die Unterschiede echt deutlich zu hören sind. Bis auf ein Booklet mit Aushangfotos und Trailern gibt es keine weiteren Extras.

Blu-ray-Rezension: “Der Mann mit der Tigerpranke”

Von , 21. November 2015 14:43

der-mann-mit-der-tigerprankeQiu Lian-Huan (Chen Kuan-Tai) ist der Anführer einer kleinen Gangsterbande mit einem Drang zu Höherem. Als er eines Tages Yu Chow-Kai (Tin Ching), dem Sohn des der mächtigsten Gangster in Shanghai beim Kartenspiel erst dessen gesamtes Geld und dann noch die Freundin (Ching Li) abnimmt, scheint seine Zeit gekommen. Doch so einfach ist das nicht, denn der durchtriebene Chang Gen-bao (Chu Mu) unternimmt alles, um den schwachen und leicht beeinflussbaren Yu auf den Gangsterthron zu heben und dessen Feinde zu vernichten…

vlcsnap-00221vlcsnap-00224

Der Mann mit der Tigerpranke“ stellt das Sequel zum enorm erfolgreichen „Der Pirat von Shantung“ dar. Zunächst wird die Geschichte des Vorgängers kurz zusammengefasst und man sieht gerade noch, wie die blutige Leiche des Antihelden weggeschafft wird. Dann informiert eine Einblendung den Zuschauer, dass der neue Film nun 20 Jahres später auf den selben Straßen wie „Der Pirat von Shantung“ spielt. Der junge Chen Kuan-tai hatte mit der Hauptrolle in „Der Pirat von Shantung“ gerade seinen großen Durchbruch erlebt. Hier nun darf er wieder die Hauptfigur spielen, wobei diese in keiner Verbindung zu seinem „Pirat aus Shantung“ steht. Wie überhaupt bis auf den Prolog keinerlei Verbindungslinien zu dem angeblichen ersten Teil gezogen werden. „Der Mann mit der Tigerpranke“ ist also ein vollkommen selbstständiger Film, auch wenn die Macher dahinter und auch die Schauspieler teilweise identisch sind.

vlcsnap-00228vlcsnap-00230

Chen Kuan-tai läutete die dritte Welle der Shaw-Brothers-Stars ein. Nach Jimmy Wang Yu in den frühen Martial-Arts-Epen und vor allem dem „tödliche Duo“ David Chiang und Ti Lung nach ihm, kamen mit Chen Kuan-tai und vor allem Alexander Fu Cheng nun neue Typen auf die Leinwand. Während Alexander Fu Sheng dabei mehr die Rolle des jungenhaften, gewitzten und sympathischen Frauenhelden verkörperte (eine Mischung aus Jackie Chan und Shah Rukh Khan, war Chen Kuan-tai eher auf die dunkleren, eigenbrötlerischen Typen abonniert. So spielt er auch hier den Antihelden, der uns im Grunde nur deshalb sympathisch ist, weil er seine Freunde nicht im Stich lässt und die Schurken um in herum so vieles unsympathischer agieren. Chen Kuan-tai ist kein strahlender Held und auch kein unschuldig auf die schiefe Bahn geratener Junge. Das würde auch nicht in sein Rollenbild passen. Er ist ein Krimineller, der sich seinen Weg nach oben hart und mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen erkämpft hat. Dabei folgt er allerdings einem ausgeprägten Ehrenkodex, was ihn von seinen skrupellosen Feinden unterscheidet. Da macht es dann auch nichts, dass er seinen besten Freund weitaus besser behandelt als seine Geliebte. Aber das kennt man ja bei Filmen des berühmten Regisseurs Chang Cheh.

vlcsnap-00242vlcsnap-00253

Das große Plus von „Der Mann mit der Tigerpranke“ sind seine Actionszenen. Chen Kuan-tai war wahrscheinlich der Beste der vielen Martial-Arts-Stars, die Anfang der 70er die Shaw-Brothers-Filme bevölkerten. Mit seinen druckvollen, dynamischen Bewegungen und einer gewissen Portion street credibility ist er die ideale Besetzung für einen Film wie „Der Mann mit der Tigerpranke“. Während bei anderen Stars die Kämpfe vor allem leicht und wie ein Ballett des Todes aussehen, ist sein Auftreten sehr viel athletischer, brutaler und auf den Punkt. Die beiden Action-Choreographen Choreographie von Lau Kar Leung (kurze Zeit später später mit „Die 36 Kammern der Shaolin“ enorm erfolgreich) und Chan Chuen wissen Chen Kuan-tai hervorragend in Szene zu setzten. Da wird in einer besonders eindrucksvollen Szene ein Fahrrad zur tödlichen Waffe, in den Kämpfen splittern Knochen und Autoscheiben, Chen Kuan-tai rast mit dem Motorrad durch eine Glasfront und beim großen Finale pflügt er sich blutend durch immer wieder neue Armeen des Feindes. Freunde harter Martial-Arts-Action kommen hier voll auf ihre Kosten.

vlcsnap-00254vlcsnap-00261

Vom Drehbuch her schwächelt der Film allerdings etwas. Die zahlreichen Nebenfiguren bleiben konturlos, eventuelle Hintergründe unbeleuchtet. Auch dem Protagonisten Qiu Lian-huan selber wird keinerlei Geschichte gegönnt. Er ist einfach plötzlich da. Wie er zu dem wurde was er ist, weshalb er die kriminelle Laufbahn einschlug und ihm sein Freund Lin Ken Sheng so treu ergeben ist, all dies wird nicht beantwortet. Dies muss es auch nicht zwangsläufig, denn der Film funktioniert auch so. Aber etwas mehr Tiefe hätte den Film möglicherweise auf eine andere Ebene heben können. Weg von der natürlich hervorragend gemachten Action-Unterhaltung, hin zu einem Gangster-Drama, welches sich etwas nachhaltiger im Gedächtnis verankert als „Der Mann mit der Tigerpranke“.

vlcsnap-00267vlcsnap-00269

„Der Mann mit der Tigerpranke“ ist ein sehr unterhaltsamer Film mit grandiosen Kampfszenen, dessen Drehbuch allerdings die Tiefe vermissen lässt, welche beispielsweise den Vorgänger „Der Pirat von Shantung“ zu einem Klassiker gemacht hat.

vlcsnap-00274vlcsnap-00272

„Der Mann mit der Tigerpranke“ ist die Nummer 4 der bisher vorzüglichen „Shaw Brothers Collector’s Edition“ aus dem Hause filmArt. Wie gewohnt erscheint der Film in einer Blu-ray/DVD-Kombi. Das Bild der Blu-ray ist wieder vorbildlich. Auch beim Ton bleiben keine Wünsche übrig. Neben sehr klarem Deutsch (gefiltert und ungefiltert) und Mandarin (mit ausblendbaren deutschen Untertiteln) Mono-Tonspuren, liegt noch eine alternative Musik- & Geräusche-Spur (tatsächlich ohne Sprache) vor. Interessant ist bei den drei Tonspuren, dass sie alle drei eine unterschiedliche Musikbegleitung und Geräusche habe. Die Musik der deutschen Version ist gut, doch der extrem funky Beat der Mandarin-Fassung ist ein wahrer Goldschatz. Das 12-seitige Booklet besteht aus einem kompletten Satz deutscher Aushangfotos. Außerdem hat das Mediabook ein Wendecover mit alternativem Cover. Von den obligatorischen Trailern abgesehen liegt sonst kein Bonusmaterial vor.

Panorama Theme by Themocracy