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Blu-ray Rezension: „Puppetmaster“

Von , 7. Juli 2015 21:35

puppet_master_bdDie vier übersinnlich begabten Medien Alex (Paul Le Mat), Frank (Matt Roe), Dana (Irene Miracle) und Carissa (Kathryn O´Reilly) sind dem Ruf ihres ehemaligen Kollegen Neil (Jimmie F. Skaggs) gefolgt und haben sich in einem Hotel. Dort hatte vor fünfzig Jahre der Puppenspielers André Toulon, der einst seine Puppen mittels altägyptischer Magie zum Leben erweckte, Selbstmord begangen, bevor ihm sei Geheimnis von Nazi-Schergen entrissen werden konnte. Neal hatte dieses Geheimnis nun scheinbar enträtselt, ist aber kurz vor der Ankunft seiner ehemaligen Mitstreiter spontan verstorben. Während sich diese Vier noch wundern, was sie in jenem Hotel sollen, fällt die einzige Hausangestellte einem Mord zum Opfer…

Als Regisseur David Schmoeller im Auftrag von charles Band für dessen Low-Budget-Produktionsfirma Full Moon die Puppen tanzen ließ, konnte sicherlich noch niemand ahnen, dass hiermit der Startschuss zu einer der langlebigsten Horror-Serien überhaupt gelegt wurde. Ursprünglich gedreht, um sich noch schnell an den Erfolg von Stuart Gordons „Dolls“ und vor allem dem Hit „Chucky, die Mörderpuppe“ zu hängen, bringt es das Puppentheater mittlerweile schon auf sage und schreibe 10 Teile plus einem Crossover mit der ebenfalls von Full Moon produzierten „Demonic Toys“-Reihe. Schaut man sich heute noch einmal den ersten Teil der Saga an, kann man kaum glauben, dass daraus ein solch populärer Franchise wurde. Besonders spektakulär oder gar gruselig ist der Film weiß Gott nicht geraten. Eher gemütlich und mit dem Herz am rechten Fleck.

Dass Schmoeller – der übrigens auch den von Stephen King hochgelobten „mordende Schaufensterpuppen“-Film „Tourist Trap“ verantwortlich war – nicht viel Geld zur Verfügung stand, merkt man nicht nur an dem doch recht begrenzten Drehort und dem wenigen Personal, sondern auch an den Special Effects. Häufig wirken die Puppen, wie einfach mal kurz in die Kamera gehalten. Wenn sie sich bewegen, hat dies dann auch mehr den Anflug „von durch die Gegend schieben“, als von bösartigem Anschleichen. Aber, dies muss man festhalten und darin auch den Schlüssel zum Erfolg der Reihe sehen, die Puppen haben trotzdem Charakter. Anführer Blade wurde von Klaus Kinski inspiriert – mit dem Schmoeller kurz zuvor den Film „Crawlspace“ (Kritik hier) gedreht hatte – und auch wenn man es ihm nicht unbedingt ansieht, so spürt man es doch irgendwo. Pinhead mit seinem winzigen Kopf und den riesigen Fäusten sieht zwar lustig aus, doch sein ungestümer Tatendrang und seine Nehmerqualitäten machen ihn durchaus sympathisch. Während Tunnler noch blass bleiben, weiß Leech Woman zu überzeugen und als einzige wirklich unangenehme Qualitäten einzubringen. Wie sie die Blutegel aus ihrem kleinen Puppenmund heraus quetscht, hat schon etwas ekliges, das einen dann doch mal zusammenzucken lässt.

Die menschlichen Darsteller bleiben demgegenüber weniger im Gedächtnis, auch wenn die aus Dario Argentos Meisterwerk „Horror Infernal“ bekannt Irene Miracle eine ziemlich gute Show als ordinäres Medium abliefert. Nett auch die Idee, ausgerechnet den etwas tapsig aussehenden Paul Le Mat mit seiner Vokuhila-Turmfrisur zum Helden machen zu wollen. Einen weniger heroischen Protagonisten gab es wohl selten, und dass der Teddy dann auch noch eine Liebesaffaire mit der hübschen Witwe des Schurken haben darf, erfreut wohl alle Zuschauer, welche nicht gerade Gardemaße haben. Auch der Rest der Truppe bemüht sich. Gerade Matt Roe und Kathryn O’Reilly als sexbesessenes Pärchen sorgen für ein paar Lacher und einen Ausflug ins Sleaze-Gefilde. Hier wird zwar einiges durch Plattheiten und Overacting ausgebremst, aber einige wenige Gags heben aber durchaus leicht vom Boden ab. Nur Oberschurke Jimmie F. Skaggs bleibt trotz seines sichtlichen Bemühens diabolisch zu wirken, sehr blass.

Bis auf die bereits erwähnte Blutegel-Attacke bleiben die Morde eher harmlos und nicht besonders blutig. Auch in der Unrated-Version, von der die entsprechenden Ausschnitte im Extras-Bereich dieser Blu-ray zu finden sind, gibt es da nicht sehr viel mehr zu sehen. Richard Band, der Bruder des Produzenten Charles, sorgt bei „Puppetmaster“ mit einer seiner vielen Bernard-Herrman-Hommagen für einen ungewöhnlichen, aber eingängige Soundtrack. Das größte Lob geht aber an die Bildgestaltung durch Lucio-Fulci-Stammkameramann Sergio Salvatti, mit dem Schmoeller vorher auch beim bereits erwähnten „Crawlspace“ zusammengearbeitet hatte. Salvatti lässt sein Arbeitsgerät auch gerne man auf Bodenhöhe durch die Gegen rasen lässt und ist sichtlich bemüht, die atmosphärische Bilder zu finden, die auch seine Zusammenarbeit mit Fulci ausgezeichnet hat. Was ihm allerdings nicht immer gleich gut gelingt.

Der Auftakt der ausgesprochen „folgenreichen“ Puppetmaster-Serie fällt seltsam zahm und unspektakulär aus. Allerdings deuten die mörderischen Puppen hier bereits zartes Potential für weitere Filme an.

CMV hat diesen Film nun zum wiederholten Male auf Blu-ray veröffentlicht. Vor knapp 2 Jahren erschien er in Deutschland erstmals auf Blu-ray in Deutschland, war damals aber noch indiziert und deshalb ungeprüft.Die Indizierung wurde Anfang 2015 aufgehoben, weshalb nun im April unter dem New Visions Film-Label eine FSK-gepürfte Variante für die Käufhäuser erschien. Das Bild ist soweit gut, weist allerdings die für fast alle Direct-to-video-Produktionen um 1990 herum typischen Schwächen auf. Das Bild wirkt weich und die Farben wie durch einen grauen Schleier aufgenommen. Dies ist aber ein Problem der Quelle, nicht der CMV Blu-ray an sich. Eine bessere HD-Umsetzung ist hier wahrscheinlich gar nicht möglich. Der Ton ist in Ordnung, wobei die deutsche Synchro recht wenig engagiert klingt. Besser gleich zur Originaltonspur greifen. Leider liegt der Film nur in der R-Rated-Fassung vor, da von der Unrated kein HD-Master existiert. Die verlängerten Szenen der Unrated liegen aber in etwas schlechterer Bildqualität im Bonus-Bereich vor. Diese werten den Film aber auch nicht auf und zeitweise kann man gar nicht genau sagen, was da nun mehr zu sehen war.

DVD-Rezension: „Robot Jox“

Von , 14. November 2014 21:25

Robotjox50 Jahre nach dem 3. Weltkrieg, der die Erde verheerend zerstört hat, sind Kriege verboten. Stattdessen kämpfen stellvertretend die besten „Jox“ der beiden Weltmächte „Market“ und „Konföderation“ in gigantischen Robotern um die Herrschaft in den verbliebenen Ländern der Welt. Der beste Jox des „Market“ ist Achilles (Gary Graham), der bereits 9 seiner vertraglich geforderten 10 Kämpfe gewonnen hat. Er muss gegen den sadistischen Alexander (Paul Koslo) von der „Konföderation“ antreten. Beim Duell der Beiden kommt es zu einer Katastrophe. Durch einen unfaireren Angriff Alexanders kommen hunderte Zuschauer zu Tode. Der Kampf wird als Unentschieden gewertet. Voller Gewissensbisse lehnt Achilles eine Wiederholung ab, wodurch die junge Athena (Anne-Marie Johnson), die als In-Vitro-Kämpferin nur für diesen Zweck gezüchtet wurde, ihre Chance wittert als erster weiblicher Jox anzutreten…

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Robot Jox“ ging bereits 1986, auf dem Höhepunkt der damals grassierenden „Transformers„-Hysterie (die TV-Animationsserie und die Spielzeuge waren damals DER Renner in us-amerikanischen Kinderstuben) in die Planung. Stuart Gordon hatte die Idee, aus der Animationsserie einen Live-Action-Film zu machen und trat damit an Charles Bands Empire-Studio heran, die Gordons erste Erfolge produziert hatten. Diesem war das Projekt zunächst zu teuer, ließ aber von einige Stop-Motion-Sequenzen, die Gordon als Demo erstellt hatte, doch überzeugen mit 7 Millionen US-Dollar das höchste Budget für eine „Empire“-Produktion überhaupt. Der preisgekrönte SF-Autor Joe Haldemann wurde engagiert zusammen mit Gordon das Drehbuch zu schreiben, aber bald schon knallte es zwischen den beiden, da man sich über die Ausrichtung des Filmes nicht einige wurde. Haldemann plante einen „Erwachsenenfilm, den auch Kinder schauen können“, während Gordon in Richtung Kinderfilm, der auch für Erwachsene unterhaltsam ist, einschlagen wollte. Neben diesen Spannungen waren auch die Dreharbeiten von unvorhergesehenen Schwierigkeiten geplagt. Nachdem der größte Teil des Filmes in Italien abgedreht war, sollten die Szenen mit den Robotern in San Bernardino gedreht werden, so allerdings Sandstürme und Fluten die Kulissen zerstörten. Am Ende betrug das Budget dann 10 Millionen US-Dollar, die man dem Film allerdings zu keiner Sekunde ansieht.

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Als der Film endlich fertiggestellt war, ging „Empire“ in den Bankrott und „Robot Jox“ bliebt zunächst einmal im Regal liegen. Erst Ende 1990 kam er dann in die Kinos. Von den „Transformers“ wollte zu diesem Zeitpunkt niemand mehr etwas wissen und auch der alte „Kalte Krieg“-Konflikt, mit dem „Robot Jox“ offensiv spielt, war mittlerweile Geschichte. Und so wollte dann auch niemand mehr „Robot Jox“ sehen. Ob der Film allerdings drei Jahre vorher ein größeres Publikum gefunden hätte, bleibt Spekulation. Das Hauptspektakel des Filmes sind die Roboter-Kämpfe, doch diese kommen etwas zu kurz. Nur zwei Kämpfe gibt es zu bestaunen, wovon der erste schon recht schnell vorbei ist. Gedreht wurden die Duelle vorwiegend in Stop-Motion. Aber auch eine Marionette mit deutlich erkennbaren Fäden) kommt zum Einsatz. Obwohl man den Spielzeugcharakter der Maschinen nicht verleugnen kann, hat dies doch weitaus mehr Charme als seelenlose CGI. Zudem hat man bei den Robotern eine Menge Kreativität bewiesen. So klappt der russischen Kampfmaschine auch schon mal eine Kreissäge aus dem Gemächte. Gerne hätte man davon noch mehr gesehen, doch den größten Teil der Zeit muss an sich damit begnügen, die seelischen Konflikte des Helden mitzuerleben oder einer halbgaren Spionage-Geschichte zu folgen.

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Wie eingangs bereits geschrieben, scheint der größte Teil des Budgets irgendwo versickert zu sein. Massenszenen werden durch eine Ansammlung von maximal 20 Personen gedoubelt und in der Zentrale der vereinten westlichen Welt arbeiten ebenfalls nur eine überschaubare Anzahl Personen. Leider keine besonders interessanten. Die Geschichte um die Gruppe In-Vitro-Kämpfern z.B. ist nicht besonders packend, was auch daran liegt, dass der Konflikt zwischen Athena und ihrem Konkurrenten um Achilles Nachfolge ebenso klischeehaft, wie vorhersehbar ist. Ein wandelndes Klischee ist auch unser Held Achilles, der von Gary Graham seltsam lustlos gespielt wird. Demgegenüber geben die Herren Paul Koslo als böser Alexander und Michael Alldredge als legendärer Tex Conway umso mehr Gas. Insbesondere um Paul Koslo muss man sich Sorgen machen, dass er vor lauter wildem Augenrollen und hämischen Lachen keinen Herzinfarkt bekommt. Und Michael Alldredge als verfetteter Ex-Star-Jox, der ständig einen Cowoby-Hut trägt und pseudo-coole Macho-Sprüche um sich wirft, kann trotz seines Enthusiasmus, den er in die Rolle einbringt, auch nicht gerade zu den Sympathieträgern gezählt werden. Die eingeflochtene Geschichte um einen Verräter in den Reihen der „Western Market“-Kämpfer baut auch keine übermäßige Spannung auf.

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Aber immerhin ist Stuart Gordon ein versierter Regisseur, der aus dem wenigen, was ihm zur Verfügung steht, einen soliden B-Film zaubert, dem zwar sämtliche Kinoqualitäten abgehen, der sich aber gut in den Regalen der Videotheken macht. Eine effektive Lichtsetzung sorgt für die nötige Stimmung und täuscht über die spärlichen Kulissen hinweg. Die stereotypen Figuren werden angenommen und es wird nicht vorgegaukelt große Kunst abzuliefern. Stuart Gordon sorgt eben für dass, was er von Anfang an im Sinn hatte: Gute Unterhaltung für große Kinder. Wären dort nicht einige kleine Geschmacklosigkeiten (in der US-Fassung mit PG-13-Rating dann auch sorgsam eliminiert wurden), könnte der Film auch im Rahmen einer Vorabendserie laufen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Film mittlerweile eine kleine Fan-Gemeinde hat, die den Film als Haupt-Inspiration für Guillermo del Toros „Pacific Rim“ ansehen.

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Trotz eines klischeebeladenen Drehbuch und altbekannten Stereotypen, bringt Stuart Gordon seinen kleinen B-Film über die von sogenannten Jox gesteuerten, riesigen Robotern gut über die Runden. Von den ausgesprochen charmant und ohne viel Geld animierten Roboter-Kämpfen hätte man allerdings gerne mehr gesehen, statt die Zeit mit den uninteressanten Helden zu vertrödeln.

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Explosive Media hat den Film in einer unspektakulären Ausgabe veröffentlicht. Bild und Ton sind zwar gut, doch irgendwelche Extras sucht man, abgesehen von einer kleinen Bildgalerie, vergeblich. Bezüglich der nur auf Englisch vorliegenden Untertitel bestehen die selben Probleme, wie bei der „Vigilante Force – Das Gesetz sind wir“-DVD. Sie geben nicht immer das Gesprochene wieder und sind teilweise fehlerhaft.

DVD-Rezension: “Crawlspace – Killerhaus”

Von , 12. Mai 2013 16:30

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Karl Gunther (Klaus Kinski) ist der Sohn eines verrückten Nazi-Arztes und hat selber eine Vorliebe für medizinische Experimente und ausgefallene Tötungs- und Foltermethoden entwickelt. Außerdem ist er ein Voyeur, der die ausschließlich weiblichen Mieterinnen seines Apartmenthauses durch die Öffnungen im Lüftungsschacht beobachtet. Gerade ist ein neues potentielles Opfer eingezogen…

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1986 fanden sich Produzent Charles Band und Regisseur David Schmoeller zusammen, um eine fruchtbare Zusammenarbeit zu beginnen, die einige Filme halten sollte und dessen bekanntestes Werk wohl der erste „Puppetmaster“ sein dürfte. Für ihre erste Kollaboration holten sie sich gleich einen ganz großen Namen mit an Bord: Klaus Kinski. Etwas, was David Schmoeller bald bereuen sollte, wie die höchst informativen Extras verraten. Schmoeller war gleich mit seinem Debüt-Film „Tourist Trap“ zu Ehren gekommen, als Stephen King diesen in seinem unterhaltsamen Buch „Danse Macabre“ als Geheimtipp und einen seiner Lieblingsfilme erwähnte. In letzter Zeit ist es ruhig um ihn geworden. Bis auf einige Direct-to-video Geschichten und Kurzfilme hat er in den letzten Jahren nichts mehr gemacht. Jetzt arbeitet er aber gerade wieder an einem neuen Film mit dem Titel „Little Monsters“.

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Crawlspace“ ist ein ein Paradebeispiel für einen B-Film aus der Mitte der 80er Jahre. Nicht nur durch die Frisuren und Kostüme ist der Film ganz in diesem Jahrzehnt verhaftet. Auch der klinisch-kalte Stil ist typisch für diese Zeit. Es wird zwar viel mit Farbe und Beleuchtung gearbeitet, aber alles wirkt künstlich, kalt und irgendwie leer. Kameramann Sergio Salvati war einer der wichtigsten Mitarbeiter Lucio Fulcis und hat bei dessen wichtigsten Filmen immer hinter der Kamera gestanden. 1982 hatten die beiden das letzte Mal zusammen gearbeitet. Danach sollte Fulci kein weiteres Meisterwerk mehr gelingen. Und Salvati, der 1986 in die USA ging und sich dort dann einige Jahre bei Produktionen aus den Charles-Band-Fabriken Empire und Full Moon verdingte, konnte ebenfalls nie wieder die Bedeutung erlangen, wie er sie noch zu Zeiten eines „Woodoo-Schreckensinsel der Zombies“ oder „Geisterstadt der Zombies“ hatte. Obwohl er auch in seinem US-Debüt „Crawlspace“ sein ganzes Können auffährt und das Genie vergangener Tage durchscheint, wirkt doch alles ein Stück zu routiniert und unpersönlich.

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Hauptattraktion von „Crawlspace“ ist natürlich Klaus Kinski, der in fast jeder Szene zu sehen ist. Doch er macht hier einen seltsam unbeteiligten und kraftlosen Eindruck. So entfaltet sich auch nicht jenes gewaltige Charisma, das selbst seine schlechtesten Filme sehenswert macht. Was verwundert, da er sich in Regel ja selbst in den billigsten Fidani-Western voll reinhängte. Die Szenen aus dem spannenden Making-Of zeigen zwar, dass Kinski auch hier sehr auf seine eigene Inszenierung bedacht war, davon merkt man im fertigen Film wenig. Durch das gestochen scharfe Bild der DVD erkennt man allerdings, wie krank Kinski zur Zeit von „Crawlspace“ aussah. Aber trotz dieser offensichtlichen Müdigkeit, spielt Kinski immer noch jeden seiner Kollegen mühelos an die Wand, da selbst ein Kinski auf halber Kraft immer noch ein Ereignis ist. Seine Mitspieler machen es ihm aber auch leicht. Keiner bleibt länger in Erinnerung. Allenfalls Tane McClure (Tochter von Doug McClure aus „Die Leute von der Shiloh Ranch“ und „Das Grauen aus der Tiefe“) bleibt hängen. Allerdings nicht durch ihre Schauspielkunst oder ihrem käsigem Gesang, sondern aufgrund ihres offenherzig-körperbetonen Einsatzes. Auch Talia Balsam (noch eine Tochter eines bekannten Vaters. Nämlich Martin Balsam, der ja in „Psycho“, dem großen Vorbild für „Crawlspace“, dabei war) bleibt eine graue Maus. Genau so, wie es ihr Rollenbild verlangt.

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Es fällt bei „Crawlspace“ deutlich auf, dass es sich um eine kleine B-Produktion handelt, die zu 100% im Studio entstanden ist. Das Ensemble ist sehr überschaubar, ebenso die paar Orte, an denen der Film spielt. Außenszenen gibt es keine – und wenn doch einmal der Garten hinter dem Haus mit einbezogen wird, erkennt man diesen klar als Studiokulisse. Somit könnte es sich hier beinahe um ein Theaterstück handeln. Diese ins Auge springende Künstlichkeit ist der Spannung nicht unbedingt zuträglich. Zumal auch viel Zeit mit Füllmaterial verschwendet wird.

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Warum der Film ab 18 Jahren freigeben ist, will sich nicht so recht erschließen. Zwar kommt es hier und dort zu ein paar kleinen, blutigen Effekten, diese sind aber eher billig umgesetzt und als solche deutlich erkennbar. Überhaupt hält sich der Film eher zurück. Die Morde passieren entweder außerhalb des Bildes oder bleiben aufgrund des Bildausschnitts eher diskret. Bei der hohen Bewertung dürfte wenn, dann eher die Nazi-Thematik eine Rolle gespielt haben, die dann im Finale voll ausgespielt wird, bis auf den gewissen Trash-Faktor, für die Geschichte eigentlich eher unerheblich ist. Einige fiese Ideen hat Schmoeller aber gut in seinen Film einbringen können. So ist das geheime Labor des Irren Karl Gunther mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und die geheimnisvolle Frau im Käfig ist eine unangenehme Nuance.

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„Crawlspace“ ist eine 80er-Jahre-B-Film-Produktion, die weder ihr geringes Budget, noch den Zeitgeist, in dem sie entstanden ist, in irgendeiner Form verleugnen kann. Obwohl Klaus Kinski hier nur mit halber Kraft spielt, ist es wie immer eine Freude ihm bei der Arbeit zuzusehen. Alle anderen Darsteller bleiben demgegenüber sehr blass. Auch Spannung will nicht unbedingt aufkommen. Dazu ist die Inszenierung zu steril und mit zu viel belanglosem Füllmaterial (und einer fürchterlichen 80er-Pop-Ballade) vollgestopft. Doch aufgrund von Kinskis Performance und einiger gelungener Einfälle, kann der Film über seine kurze Laufzeit von 77 Minuten recht gut unterhalten. Man sollte nur keine zu hohen Ansprüche stellen.

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Auch wenn der Film selber im Mittelmaß stecken bleibt, lohnt sich die Anschaffung der DVD, die bei Ascot-Elite in der Reihe „Cinema Treasures“ erschienen ist, auf jeden Fall. Denn neben dem Kurzfilm „Please Kill, Mr. Kinski“, in dem David Schmoeller sehr unterhaltsam von den anstrengenden Dreharbeiten mit einem völlig außer Kontrolle geratenen Kinski spricht, befindet sich noch ein weiteres „Must-have“-Extra mit auf der Scheibe. Es handelt sich um ein 45minütiges „Interview“ mit Kinski, welches während der Dreharbeiten von einem Filmstudenten aufgenommen wurde. Kinski verbat sich dabei, gefilmt zu werden. Der Interviewer hielt sich aber nicht daran und nahm ihn heimlich mit einer in der Jacke versteckten Kamera auf. Was zu einem merkwürdigen Effekt führte, wenn Kinski immer nur am Rande des Bildes auftaucht und manchmal nur sein Haarschopf zu sehen ist. Diese „wirre“ Kameraführung korrespondiert auf brillante Weise mit dem Inhalt des Interviews. Denn von einem Interview kann hier nicht gesprochen werden. Kinski hält einen Monolog, springt von einem Thema zu anderen, schimpft, pöbelt und generell macht das, was er von sich gibt, nicht viel Sinn, ist aber auf eigentümliche Weise faszinierend. U.a. erzählt er davon, dass eigentlich er „Fitzcarraldo“ inszeniert hätte und alle Regisseure Idioten seien, auf die er eh nicht hören würde.

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